Die brennende Bibliothek des antiken Alexandria
Eine internet- und quellenkritische Analyse für Studierende der
Alten Geschichte und der Didaktik der Geschichte


Das Mouseion und die Bibliothek von Alexandria gelten als das Zentrum von Wissenschaft und Forschung in der Antike. Seit der Gründung der Forschungsstätte durch König Ptolemaios I Soter unter Mithilfe von Demetrios von Phaleron am Anfang des 3. Jhs. v. u. Z. wuchs deren Ruhm und Autorität beständig. Ob dabei die Leidenschaft der hellenistischen Könige für die Wissenschaften oder ein ausgeprägtes Repräsentationsbedürfnis eine tragende Rolle spielten, ist dabei nebensächlich. Ziel der Ptolemäer war es, das gesamte damals bekannte Wissen der Welt an einem Ort zu sammeln. Dabei bediente man sich unorthodoxer und nicht ganz legaler Methoden, doch lag das im Auge des Betrachters. Wer wollte oder konnte die Herrscher von Ägypten mit ihren scheinbar unendlichen Ressourcen schon zur Rechenschaft ziehen?!

Die führenden Geistes- und Naturwissenschaftler der damaligen Zeit fanden sich am Hof der Ptolemäer ein - denn dort war das Zentrum verortet (vgl. Strabo 17, 1, 8) - und wurden von ihnen großzügig finanziert. Das Mouseion - nicht nur Wissenschaftseinrichtung sondern auch Kultgemeinschaft - erhielt die finanziellen Mittel zur freien Verfügung. Es bestand keine Trennung von Sach- und Personalmitteln und so konnte sich die Wissenschaft ohne Zwänge frei entfalten (früher war doch alles besser).

Neben der universalen Forschung hatte auch die Lehre ihren Platz in den Wandelhallen des Mouseion, und schon damals klagten die "Studenten" über zu hohe "Studiengebühren", jedoch in Verbindung mit dem niedrigen Niveau der Lehrveranstaltungen (P Oxy. 2190). Um die Bibliothek mit weiteren Werken zu bereichern, richtete Ptolemaios III Euergetes Dichterwettkämpfe aus, doch auch schon zu dieser Zeit wurden die Preisrichter mit Plagiaten konfrontiert. Dabei ging es nicht um die Erlangung eines schnöden Scheins, sondern um wertvolle Preise und öffentliche Ehrungen. Der vielbelesene Aristophanes von Byzantion aber konnte den einfallslosen Stümpern ihre Betrugsversuche mit den Originaltexten aus den Regalen nachweisen, damals noch ohne googeln zu müssen (Vitr. 7, Vorrede 3-7).

Als elementar für beste Forschung und Lehre wurde schon in der Antike eine gut ausgestattete Bibliothek gesehen und so plante man diese gleich bei Gründung des Zentrums ein. Geld spielte damals keine Rolle, und so belaufen sich die Schätzungen auf eine halbe Million Buchrollen, mit meist mehr als nur einem Werk darauf. Die Kopierarbeiten und die systematische Sammlung der Bibliothekare führten wohl zu einer gewissen Standardisierung des Buchwesens, was uns die heutige Form der meisten antiken Texte bescherte. Schätzungen der auf uns gekommenen antiken Literatur belaufen sich auf ca. 2,5% des antiken Gesamtbestandes, und so liegt die Frage nahe: Wann wurde all das gesammelte, verschriftlichte Wissen zerstört? Im Jahre 48/7 v. u. Z. durch einen Brand, bei einer der vielen Eroberungen der Stadt Alexandria durch fremde Mächte, während inneralexandrinischer politischer Wirren, durch übereifrige Christen oder doch durch die Araber, die Alexandria 641/2 u. Z. erobern sollten?

Dieser Frage werden Sie in diesem WebQuest nachgehen und sich insbesondere auf die Zerstörung durch einen in den antiken Quellen überlieferten Brand in der Stadt im Jahre 48/7 v. u. Z. konzentrieren. Was sagen die antiken Überlieferungen dazu, was die moderne, was die ältere Forschungsliteratur, was steht dazu im Internet und worauf basieren die Aussagen der einzelnen Autoren eigentlich? Damit stoßen Sie am Anfang Ihres Studiums die Tür des Mouseions auf und treten ein, in die faszinierende Welt der Wissenschaft.

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