Laudatio zum 3. Preis von Prof. Dr. Karl-Friedrich Fischbach aus Merzhausen

Preisverleihung zum bundesweiten Schülerwettbewerb "Erinnerung sichtbar machen"

Prof. Dr. Karl-Friedrich Fischbach

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EIN TAG IM NOVEMBER - 10.11.1938 IN KEHL (3. Preis)

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler,

wir zollen heute Respekt und Anerkennung allen Projektteilnehmern, die durch ihre Arbeit ein Zeugnis der Verantwortung für gestern, heute und morgen abgegeben haben.

Das Wiedererstarken der Rechten

Meine Motivation die Mitgliederversammlung der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V. im Oktober 2016 davon zu überzeugen, den bundesweiten Schülerwettbewerbs "ERINNERUNG SICHTBAR MACHEN: 80 JAHRE REICHSPOGROMNACHT 2018" auszuschreiben, lag in der Erkenntnis begründet, dass wir dem besorgniserregenden Wiedererstarken rechtsextremer Tendenzen in unserer Gesellschaft nicht tatenlos zusehen dürfen.
 
Unüberseh- und unüberhörbar bricht sich latenter Antisemitismus  und Fremdenfeindlichkeit in der Mitte unserer Gesellschaft neuerdings wieder offen Bahn und ist in vielen Landtagen und selbst im Bundestag angekommen. Gleichzeitig wird provokant der Wunsch geäußert, die Vergangenheit zu vergessen und in rechtsradikalen Parteien und Bündnissen werden die Gräuel der Nazizeit verharmlost.
 
Im November 2017 berichtete der Fokus darüber, dass der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Peter Felser an der Produktion antisemitischer und volksverhetzender Wahlkampfvideos für die rechtsextreme Partei „Die Republikaner“ beteiligt war. Zuvor war bekannt geworden, dass Wolfgang Gedeon, ein Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, trotz antisemitischer Äußerungen Mitglied der AfD bleiben darf. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Thüringen, Björn Höcke, bezeichnet das Holocaust-Denkmal als ein "Denkmal der Schande" und fordert eine 180 Grad-Wende der Erinnerungskultur. Wörtlich sagte er:
 
"Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."
"Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz Josef Strauß' Zeiten. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad."

 
Dafür bekam er sehr viel Beifall von seinen Zuhörern.
 
Diese Fakten sollten die Zivilgesellschaft wachrütteln und wir sollten uns erneut bewusst machen, warum Erinnerung so wichtig ist.
 
Aus einem Schreiben des Bundesinnenministeriums vom 31. August 2017 an den Abgeordneten Volker Beck geht hervor, dass von Anfang 2017 bis einschließlich 28. August 2017  681 antisemitische Straftaten in Deutschland verübt wurden. Von den 339 ermittelten Straftätern waren 92% deutsche Staatsbürger.
 

Gefahren, die durch Vergessen entstehen

Der japanische Katastrophenforscher Imamura sagte 2011 nach dem Tsunami in Japan, es dauere üblicherweise drei Generationen, bis die Menschen vergessen haben: Jene, die eine Katastrophe erlebt hätten, würden ihre Kinder und Enkelkinder eindringlich davon berichten. Doch schon in der vierten Generation würden die Erinnerungen an das grausame Ereignis verblassen, selbst wenn sie in Stein gemeißelt als Gedenksteine den Wasserstand der letzten Katastrophe verkünden würden.
 
Diese Aussage trifft nicht nur auf Naturkatastrophen zu, sondern auch auf politische, humanitäre Katastrophen wie den deutschen Völkermord an Millionen Juden. Die Überlebenden des Holocausts und ihre Nachkommen werden nie vergessen können, aber im Volk, aus dem die Täter stammen, wird die Gefahr des Vergessens immer größer.  Gedenkorte, Stolpersteine, Gedenkveranstaltungen, der Unterricht in den Schulen kämpfen gegen das „natürliche“ Vergessen und Nichtwissen an.
 
Zu dem natürlichen Vergessen kommt jedoch das bewusste Vergessen- und Verdrängenwollen  einer beschämenden,  verbrecherischen deutschen Vergangenheit und die Ablehnung des Erwerbs von Kenntnissen darüber in unserer Gesellschaft.
 
Forderungen wie  
„irgendwann muss doch einmal Schluss sein!“
„ich kann nichts dafür und will damit nicht belastet werden“
„wir müssen einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen“
werden oft laut und ungeniert geäußert.
 
Von da aus ist es nur noch ein winziger Schritt zu dem zu Anfang geschilderten  Wiederauftauchen antisemitischer Aussagen und Taten. Deshalb halte ich es für wichtig, dass junge Menschen mit Zeitzeugen konfrontiert werden, damit sie nicht vergessen und auch Ihnen sich die Erinnerung so einbrennt, dass sie sie weitergeben.

Der Wettbewerbsbeitrag aus Kehl

Filme können das Wissen von Zeitzeugen konservieren und lebendig halten. Die Zeitzeugen-AG des Einstein-Gymnasiums in Kehl unter der Projektleitung von Herrn Uli Hillenbrand erhält für ihren beeindruckenden 40 min Dokumentarfilm

EIN TAG IM NOVEMBER - 10.11.1938 IN KEHL

den 3. Preis, der mit 2000.- € dotiert ist.

Die Zeitzeugen Arbeitsgemeinschaft aus Kehl hat mit diesem Film nach einhelliger Meinung des Beirats ein beeindruckendes Zeitdokument vorgelegt. Jeder, der diesen Film bis zu Ende anschaut, wird erschüttert sein. Die Täter und erwachsenen Zeugen von damals haben auch noch in der Nachkriegszeit geschwiegen und versucht, die Geschehnisse unter den Teppich zu kehren, aber diejenigen, die 1938 als Kinder alles beobachtet haben, die können heute ohne eigene Schuld frei und offen darüber reden.

Damit wird lebendig, was 1938 wirklich Grauenvolles geschah – und dass es nicht im Verborgenen ablief, sondern vor aller Augen!

Die Schülerinnen und Schüler, die diese eigenen Recherchen zum Schicksal der Juden in ihrer Stadt angestellt haben, da bin ich mir sicher, werden gegen den wieder erstarkenden Rechtsradikalismus und seine Parolen immunisiert sein.

Sie werden auch verstehen, dass es notwendig ist, sich zu wehren solange dies in einer Demokratie noch möglich ist. Als die Nazis die Herrschaft an sich gerissen hatten, war Widerstand lebensgefährlich und viele waren erstarrt vor Schrecken.

Die Lehre aus dieser Vergangenheit ist:

es ist notwendig bereits den Anfängen zu wehren,

damit Vergleichbares nie wieder geschehen kann. Die Demokratie muss wehrhaft sein!

Der Kehler Arbeitsgruppe gilt unser Dank, dass dieses Dokument nun weltweit zur Verfügung steht und nachhaltig wirken kann.

 

-> Zum Dokumentarfilm "EIN TAG IM NOVEMBER - 10.11.1938 IN KEHL"

 

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