Astronomie hat ein Problem im Schulalltag: Der Unterricht findet tagsüber statt, der Sternenhimmel nachts. Ein Teleskop hat kaum eine Schule, und selbst wenn, hilft es um 10 Uhr morgens wenig. Die gute Nachricht: Für die wichtigsten Grundlagen braucht es gar keins. Größen, Abstände, Sternbilder und die Frage „Was sehe ich heute Abend?“ lassen sich mit ein paar kostenlosen Werkzeugen im Browser erarbeiten.
Wir stellen hier fünf davon vor. Alle laufen ohne App, ohne Konto und ohne Anmeldung, also auch auf Schul-Tablets und am Whiteboard. Eine Übersicht aller Werkzeuge finden Sie auf der Seite kostenlose Astronomie-Tools von Sterngucker.de.

1. Planetenweg-Generator: das Sonnensystem auf dem Schulhof

Die meisten Schulbuch-Abbildungen haben einen Haken: Die Planeten sind groß, die Abstände winzig. Dadurch entsteht ein falsches Bild. Wie leer das Sonnensystem wirklich ist, begreifen Kinder erst, wenn sie es ablaufen.
Genau dafür ist der Planetenweg-Generator gedacht. Sie geben die verfügbare Strecke ein, etwa 10 m im Flur, 100 m auf dem Schulhof oder einen Kilometer für einen Ausflug. Der Generator rechnet alle Stationen maßstäblich aus. Bei 100 m steht die Erde nur gut 3 m von der Sonne entfernt und ist knapp 0,3 Millimeter groß, während Neptun erst am Ende der 100 m kommt. Dieses Verhältnis bleibt hängen.
Dazu gibt es fertiges Material als PDF: Stationskarten, eine Wegtabelle, ein Arbeitsblatt und ein Lehrerpaket mit Lösungen. Sie wählen Klasse 3–4, 5–6 oder 7–9 sowie eine Stunde von 45 oder 90 Minuten, die Aufgaben passen sich an. Bei Regen funktioniert die 10-Meter-Variante mit einer Schnur im Flur.

Abbildung 1: Der Planetenweg für 100 m Strecke mit allen Stationen und Durchmessern.

2. Interaktive Sternenkarte: der Himmel für jeden Ort und jede Uhrzeit

Die interaktive Sternenkarte zeigt den Himmel für ein frei wählbares Datum, eine Uhrzeit und einen Ort in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Sternbildlinien und Namen lassen sich ein- und ausblenden. So können Sie im Klassenraum zeigen, wie der Himmel heute Abend um 21 Uhr über Ihrem Schulort aussieht.
Im Unterricht eignet sich die Karte gut, um die Drehung des Himmels sichtbar zu machen: Die Uhrzeit in Stundenschritten weiterstellen und beobachten, wie die Sternbilder um den Polarstern wandern.

Abbildung 3: Die interaktive Sternenkarte mit Sternbildlinien.

3. Heute am Himmel: Was ist heute Abend zu sehen?

Die Seite „Heute am Himmel” beantwortet die Frage, die Schülerinnen und Schüler am häufigsten stellen: „Was kann ich heute sehen?“ Sie zeigt, wann Mond und Planeten gut stehen, wann die ISS vorbeizieht, wann es richtig dunkel wird und welche Sternschnuppenströme gerade aktiv sind. Den ungefähren Standort ermittelt die Seite aus der IP-Adresse; gespeichert wird er nicht.
Daraus entsteht eine einfache Beobachtungs-Hausaufgabe: Am Vormittag gemeinsam nachsehen, welcher Planet abends sichtbar ist, und zu Hause mit bloßem Auge suchen.

Abbildung 4: Sichtbarkeit von Mond und Planeten im Verlauf einer Nacht.

4. Sternbilder-Spiel: Sternbilder erkennen üben

Sternbilder lernt man durch Wiederholung. Das Sternbilder-Spiel fragt 30 Sternbilder ab, die von Mitteleuropa aus zu sehen sind: als Strichfigur, als Name oder als reines Sternmuster ohne Linien, so wie am echten Himmel. Für jüngere Kinder gibt es einen Kinder-Modus mit großen Figuren und nur zwölf auffälligen Sternbildern. Der Fortschritt bleibt im Browser, eine Anmeldung ist nicht nötig.

5. Sternschnuppen-Kalender: Beobachtungsabende planen

Sternschnuppen sind der einfachste Einstieg in die echte Himmelsbeobachtung, denn man braucht nur die Augen. Der Sternschnuppen-Kalender listet alle Meteorströme mit dem Datum des Maximums nach dem Kalender der International Meteor Organization (IMO). Außerdem zeigt er, ob der Mond in der jeweiligen Nacht stört.
Ein guter Termin für ein Beobachtungsprojekt sind die Geminiden in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 2026. Der Mond geht dann früh unter, und der Strom steht schon am späten Abend hoch am Himmel.

So passen die Werkzeuge zusammen

  • Einstieg: Planetenweg auf dem Schulhof, um Größen und Abstände zu begreifen.
  • Vertiefung: Sternenkarte am Whiteboard, um die Himmelsdrehung zu zeigen.
  • Übung: Sternbilder-Spiel als Wiederholung, auch zu Hause.
  • Beobachtung: Heute am Himmel und Sternschnuppen-Kalender für eine Hausaufgabe am Abend.

Alle Werkzeuge sind kostenlos und auf einer Seite gesammelt: www.sterngucker.de/tools/. Hintergrundwissen zu den einzelnen Planeten finden Sie in unserem Überblick zum Sonnensystem.