Wie können digitale Medien den Förderunterricht mit Flüchtlingskindern unterstützen?

Monika Heusinger

Seit diesem Schuljahr bin ich in Förderstunden Deutsch als Fremdsprache für Flüchtlingskinder eingesetzt. Meine Materialien stelle ich auf meinem Blog zur freien Verfügung (https://monika-heusinger.info/blog/daf). An der Schule, an der ich unterrichte, verfügen wir über schuleigene Tablets. Eventuell können aber auch die Smartphones der Schülerinnen und Schüler genutzt werden. Digitale Medien helfen bei der Kommunikation. Darüber hinaus sind sie eine wertvolle Hilfe, Lernangebote gruppenspezifisch zu konzipieren und sie zu individualisieren bzw. auch die Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung der Lehr-Lern-Prozesse einzubeziehen. Und digital stehen die Aktivitäten sowie Inhalte auch über die Unterrichtsstunden hinaus den Schülerinnen und Schülern für selbstständiges Lernen / Wiederholen zur Verfügung.

Nutzung digitaler Medien

In den Förderstunden für Flüchtlingskinder ist z.B. für die Kommunikation ein Tablet oder Smartphone hilfreich, da es dort Übersetzungshilfen wie Wörterbuchapps oder Übersetzungsanwendungen gibt, die die Kommunikation gerade am Anfang erleichtern. Zudem setze ich ein digitales Lernmanagementsystem ein, damit die Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Unterrichts auf die Materialien Zugriff haben. Man kann auch auf bestehende Angebote im Bereich Deutsch als Fremdsprache wie die Materialien des Projekts DaFür (http://www.dafür.saarland) zurückgreifen. Zur Alphabetisierung können Apps aus dem Grundschulbereich gewählt werden. Ich selbst nutze gerne Anwendungen, die es mir ermöglichen, den Content selbst zu erstellen und lerngruppenspezifisch Lerninhalte aufzubereiten. Dabei arbeite ich z.B. gerne mit der Open Source-Plattform h5p.org sowie den Plattformen learningapps.org und quizdidaktik.de oder der App bzw. Webanwendung Quizlet (quizlet.com), mit deren Hilfe Aktivitäten gamifiziert werden können. Das Material kann im eigenen Webspace eingebettet oder per QR-Code bzw. Link zur Verfügung gestellt werden. Digitale Medien ermöglichen darüber hinaus, dass Lernende ihre Materialien teilweise auch selbst erstellen. So kann man Schülerinnen und Schüler z.B. im Schulgebäude Fotos machen und damit kollaborativ ein Bildwörterbuch erstellen lassen. Gemeinsam werden Gegenstände auf den Fotos beschriftet, ggf. unter Verwendung eines Online-Wörterbuchs. 

Digital unterstützte Kompetenzförderung

Durch die Medienkonvergenz von Text, Bild und Ton bei Tablets oder Smartphones können alle Fertigkeitsbereiche geschult werden. Man findet eine Vielzahl authentischer Materialien, die zur Förderung des Lese- und Hörverstehens eingesetzt werden können. Man kann selbst begleitende Aktivitäten dazu konzipieren, die die Verstehensprozesse erleichtern. Mit Apps wie MSQRD oder ChatterPix können Themen aus dem Lehrwerk kreativ bearbeitet, szenisch dargestellt und allen zur Verfügung gestellt werden, ohne dass Gesichter dabei erkennbar werden. Dadurch kann auch Mündlichkeit gefördert werden. Die Schreibfertigkeit kann geschult werden durch Nutzung kollaborativer Anwendungen wie Etherpads (https://zumpad.zum.de), die kollaboratives Schreiben oder Peer-Correction bzw. Peer-Evaluation ermöglichen. Zur Wortschatzerweiterung und -festigung können Lernspielapps wie Quizlet (s.o.) eingesetzt werden. Im Bereich der grammatischen Strukturen findet man interaktive Übungen, indem man nach dem Thema und dem Zusatz Übungen googelt. Man kann jedoch auch selbst mit den oben beschriebenen Anwendungen interaktive Aktivitäten erstellen. Interkulturelles Lernen lässt sich gut anhand von Serien oder Werbeclips fördern, da diese authentische Alltagssituationen darstellen. Social Media kann auch genutzt werden um interkulturelle Aspekte zu thematisieren bzw. zu kommentieren. Nutzt man schuleigene Geräte mit Registrierung des Geräts statt Eingabe personenbezogener Daten, bleibt auch der Datenschutz dabei gewahrt. So kann man mit Snapchat z.B. Angebote des Pausenverkaufs bzw. regionale Besonderheiten auf dem Essensplan der Schulkantine vorstellen und dokumentieren lassen. Der schülerzentrierten Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen stehen durch digitale Medien unendlich viele Möglichkeiten offen.

Vorteile der Nutzung

Der Vorteil des Einsatzes digitaler Medien liegt in der Verfügbarkeit der Materialien zu jeder Zeit an jedem Ort. Dadurch kann auch über den Unterricht hinaus mit den Materialien gearbeitet werden. Sprachkompetenz ist wichtig für eine schnelle Integration. Daher ist es hilfreich, wenn auch außerhalb der Förderstunden gelernt werden kann. Ein weiterer Vorteil liegt in der Förderung der Lernerautonomie. Tablets oder Smartphones bieten Übersetzungshilfen und ermöglichen eine Suche im Internet. Man kann den Lernenden interaktive Aktivitäten z.B. in Form einer digitalen Lerntheke zur Verfügung stellen, wodurch jeder in seinem Tempo, nach seinen Bedürfnissen und in seinem bevorzugten Eingangskanal (Bild / Text / Ton) Lerninhalte aufnehmen, üben bzw. anwenden sowie evaluieren kann. Durch Gamifizierung der Aktivitäten kann zusätzlich Motivation geschaffen und etwas Abwechslung in den sonst oft anstrengenden Alltag gebracht werden. Und viele Anwendungen können kollaborativ genutzt werden, sodass Lernende selbst Themen gemeinsam erarbeiten, wobei jeder seine Stärken und sein Vorwissen einbringen kann, wodurch Ergebnisse erzielt werden, die in Einzelarbeit nicht möglich gewesen wären.

Grenzen des selbstständigen digital unterstützten Lernens 

Bei Angeboten von Lernmaterialien besteht ein Nachteil darin, dass die Inhalte oft nicht alters- oder themenspezifisch genug sind. Darüber hinaus können nicht alle Lehr-Lern-Prozesse auf digitale Medien verlagert werden, da auch der direkte Kontakt mit Sprechern der Zielsprache und der Austausch mit Gleichaltrigen wichtig sind. Daher ist eine sinnvolle Verbindung zwischen digitalen und analogen Phasen empfehlenswert.

Aber das Potenzial digitaler Medien sollte man nutzen und sich dabei nicht durch die Vielzahl der Angebote überfordert fühlen. Am besten beginnt man mit Anwendungen, mit denen man sich wohlfühlt und testet dann je nach Zeit nach und nach weitere Angebote. Hilfreich ist auch eine Vernetzung mit Kollegen. Dies kann z.B. in einer WhatsApp-Gruppe organisiert werden mit Kollegen, die man kennt. Twitter bietet viele Möglichkeiten zum Vernetzen und es gibt auch speziell im Bereich DaF Facebook-Gruppen, denen man beitreten kann. 

Die Bedeutung von offenen Bildungsressourcen

Offene Bildungsressourcen erleichtern vor allem ehrenamtlichen Helfern die Gestaltung von Lernangeboten. Ein schneller, kostenloser Zugriff auf Materialien und Rechtssicherheit in der Nutzung können hier zur Optimierung der Förderangebote beitragen. Es wäre daher wichtig, wenn OER-Materialien stärker gefördert und konsequenter auf Plattformen wie ZUM-Willkommen (http://willkommen.zum.de/wiki/Hauptseite) bereitgestellt werden würden.

 

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