Ministerin Özkan

Haupt-Reiter

Karl Kirst

Das ist doch eine tolle Nachricht: Eine Muslimin mit türkischem Migrationshintergrund wird Ministerin in Niedersachsen: Herzlichen Glückwunsch, Frau Özkan!

Ich freue mich vor allem deshalb, weil Frau Özkan offensichtlich, zumindest wenn ich das aktuelle Interview des Spiegels mit Frau Özkan lese, meinm positiven Bild von Menschen aus der Türkei entspricht, das ganz entscheidend von meinen zehn Jahren in der Türkei geprägt ist.

Das Vorbild dieser Frau und ihre - hoffentlich den Worten folgende - Politik kann zu einer besseren Integration von - nicht nur türkisch-stämmigen - Migranten beitragen und allgemein zu mehr gegenseitigem Verständnis in unserer Gesellschaft beitrragen.

Galerie

Kommentare

kdautel

Ich habe gerade in den Nachrichten vernommen, dass Frau Özkan sich gegen religiöse Symbole in den Schulen ausspricht. Das heißt nicht nur: Keine Kruzifixe, sondern auch keine Kopftücher in der Schule. 
Da wird es spannend. Ich habe mittlerweile in meiner Klasse und in meinem Unterricht Mädchen, die sich zum Tragen eines Kopftuches entschlossen haben, und ihnen daraus - so sieht es zumindest aus - keine Schwierigkeiten im unmittelbaren Umfeld erwachsen. Ich kann - auch als Ethik-Lehrer - damit leben, besser noch als mit umgehängten Mode-Schmuck-Kreuzchen, albernen T-Shirt-Aufdrucken oder martialische Tätowierungen.

Gast

Im Interview mit dem SPIEGEL bezieht sie ihre Meinung zum Kopftuchverbot nur auf Lehrerinnen. Andere Quellen sprechen nur allgemein von Kopftuchverbot an Schulen. Ich möchte nicht, dass Schule ein steriler Raum wird. 
Das Kopftuch jedoch mit Mode-Schmuck-Kreuzchen zu vergleichen halte ich nicht für angemessen.

Ist es eigentlich Zufall, dass die erste Kanzlerin, der erste Minister im Rollstuhl und die erste türkischstämmige Ministerin aus der selben Partei stammen? [fdagner]

Karl Kirst

Frau Özkan spricht sich gegen Kruzifixe an deutschen Schulen aus, so entnehme ich den Nachrichten. Gut so, finde ich. - In meiner Schulzeit in Schleswig-Holstein habe ich nie ein Kruzifix an irgendeiner Wand einer der Schulen, die ich besucht habe, gesehen - später als Student während meiner Praktika oder als Referendar auch nicht.

Und ich war lange Zeit auch der Meinung, dass dies ja auch eine selbstverständliche Folge der Trennung von Kirche und Staat sei, die - so nahm ich immer an - in der Verfassung festgelegt sei.

Inzwischen bin ich Lehrer in Nordrhein-Westfalen und weiß, dass die Landesverfassung hier wohl nicht ganz so laizistisch ist. - Wie es z.B. in Bayern und Baden-Württemberg rechtlich mit der Trennung von Kirche und Staat aussieht, weiß ich nicht so genau. Aber de facto hat die Religion wohl einen stärkeren Einfluss auf die Politik als in der Türkei ... Au weia, dafür werde ich jetzt bestimmt von ganz vielen "geschlagen": Aber es kann doch nicht sein, dass wir einerseits fordern, dass die (islamische) Religion keinen Einfluss auf den türkischen Staat nehmen solle, andererseits es aber ganz normal finden, dass die (christliche) Religion eben diesen Einfluss hierzulande hat.

Und wer das Kopftuch als religiöses Symbol aus Schulen verbannen möchte, sollte sich zumindest nicht wundern, wenn dasselbe Ansinnen in Bezug auf andere religiöse Symbole geäußert wird.

Gast

An den bayerischen Schulen an denen ich bisher war hängen auch keine Kruzifixe. In der Regel hängen dort, wenn überhaupt, Kreuze.
Der Unterschied liegt wohl darin, dass das Christenum im Gegensatz zum Islam säkularisiet [fdagner]

Gast

Hoppla, da ist was schief gegangen. Also: Da Christentum ist ja quasi selbst säkularisiert und oftmals nur noch Folklore. [fdagner]

Karl Kirst

Der Islam, soweit ich ihn in der Türkei kennen gelernt habe, ist ja auch alles andere als fundamentalistisch. Und wenn laut Pass 99% aller Bürger der Türkei Moslems sind, dann hat das auch viel mit Tradition und sozialen Konventionen bzw. sozialem Druck zu tun, was ja bei uns in Bezug auf Taufe, Konfirmation bzw. Kommunion etc.auch noch in vielen Bereichen gegeben ist.

Die Medien berichten über islamistischen Extremismus, aber doch kaum über den Alltag der nicht-fundamentalistischen Mehrheit. 

Aber zurück zu Kreuz und Kruzifix: Beides habe ich nie in einer schleswig-holsteinischen Schule gesehen. Und nach meinem Verständnis ist das auch gut so. Denn natürlich sollte es Werteerziehung in Schulen geben. Aber das geht doch auch ohne Kreuz an der Wand, oder? - Und nebenbei: Die Grundwerte von Christentum und Islam unterscheiden sich kaum.

Gast

Die Werte fußen aber nun mal auf das Christentum (+Aufklärung). Kreuze in Schulen werden meiner Meinung nach überwertet. Warum lässt man nicht jede Schule oder jede Klasse selbst entscheiden? Ich habe immer das Gefühl, dass Nichtchristen am wenigsten Probleme damit haben. [fdagner]

Gast

Ach Gott, das Kreuz! 
1000 Jahre lang ist das Christentum gut ohne ausgekommen, und dann wurde es innerhalb von rund 400 Jahren zum omnipräsenten Symbol unserer Kultur, wurde auf Kirchen, an Wegkreuzungen, in Wohnungen und öffentlichen Gebäuden in unglaublicher Dichte angebracht. Und jetzt?
Gehört das Kreuz der Kirche? Welcher? Eine Reihe von Schulen und Universitäten sind in Gebäuden beheimatet, die einmal Schlösser oder Klöster oder beides gewesen sind: Was soll dort mit der christlich geprägten Kunst geschehen? Alles ins Museum? Und ist das weniger staatlich als die Schule?
Interessanterweise fordern plötzlich auch Theologieprofessor(inn)en wie Friedel Kriechbaum die Kreuze aus den Kirchen zu verbannen. "Man betet doch nicht vor einem Folterinstrument." 
Die buddhistischen Tempel, die sie als blasphemisch empfanden, mussten die Taliban noch sprengen. Unsere in muslimischen Augen blasphemischen Symbole (Navid Kermani über das Kreuz) entfernen wir in voreilendem Gehorsam gleich selbst.
Ich denke mal, es gibt einen Unterschied, ob man eine Tür öffnet oder die Wände entfernt. Dieses Land ist ein christliches; entfernt man die Kirche aus dem Dorf, hat man einen losen Verband von Baugebieten. Menschen, die in der Abischt einwandern, den christlichen Charakter des Landes zu verändern, sind Eroberer. Menschen, die einen christlichen Hintergrund haben, aber keine Christen mehr sein wollen, können sich ja mit einem Vorschlag, wie das Land als nachchristliches aussehen soll, zu Wort melden. Dann reicht es aber nicht aus, die Kreuze abzuschrauben, dann muss man auch sagen, wer dem Land flächendeckend so etwas wie Seelsorge (z.B. Telefonseelsorge) anbietet, ob lokale Kultur allein den Sport- und Gesangsvereinen zu übertragen ist, wer bei Staatstrauer den Gottesdienst hält und noch einiges mehr. [Tuennes]

Karl Kirst

Mit Interesse nehme ich zur Kenntnis, dass heute in den Nachrichten betont wird, Frau Özkan habe bei ihrer Vereidigung als neue niedersächsische Sozialministerin die Eidesformel "So wahr mir Gott helfe" verwendet. - Ja, was erwartet man denn? - Frau Özkan ist, so verstehe ich es, nicht gekommen, um die christliche Kultur unseres Landes zu demontieren, sondern sie vertritt offensichtlich nur das in unserer Verfassung festgelegte Prinzip der Trennung von Staat und Kirche. - Und dieses laizistische Prinzip bestimmt - nebenbei bemerkt - auch ganz wesentlich den modernen türkischen Staat.

Ich persönlich schätze sowohl die Wertvorstellungen der christlichen Kirchen wie die Ideen der Aufklärung als Fundamente dessen, was wir gemeinhin als "westliche Gesellschaft" oder kurz den "Westen" bezeichnen. Dazu kommen natürlich noch die Errungenschaften der Gegenwart wie Emanzipation, Stärkung der Menschenrechte etc. - Ich sehe aber auch, dass die Werte der islamischen Kultur, gerade was das religiöse Fundament angeht, sich nicht grundsätzlich von den christlichen Werten unterscheiden. Insofern ist es für mich auch nicht erstaunlich, dass eine muslimische Politikerin sich in der CDU engagiert.

TNolte

"das in unserer Verfassung festgelegte Prinzip der Trennung von Staat und Kirche"

Wo bitte steht denn das genau?
Bislang bin ich immer davon ausgegangen, dass wir in Deutschland ein Kooperationsmodell zwischen Staat und Kirche haben.

Das zeigt sich z.B. im Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, an Militärgeistlichen, an Besetzungen von Lehrstühlen der Theologie (immer im Einvernehmen mit den Kirchen) und im Prinzip der Subsidiarität, was die Wohlfahrtsverbände angeht (u.a. Caritas und Diakonisches Werk).

Dass es in Schleswig-Holstein keine (wenige?) Kreuze in Schulen gibt, sollte nicht verwundern, schließlich handelt es sich um ein protestantisch geprägtes Bundesland.

Die religiöse Eidesformel geht genauso wie die Präambel des Grundgesetzes ("In Verantwortung vor Gott und den Menschen") von einem abstrakten Gottesbegriff aus (lt. BVerfG-Urteil), so dass es auch einer Muslimin möglich ist, die Formel zu verwenden.

kdautel

Lieber TNolte,
vielen Dank für die Klarstellung: Kooperationsmodell statt Trennung von Kirche und Staat - das war mir so noch nicht klar, erklärt aber einiges. Auch das mit der Eidesformel und dem abstrakten Gottesbegriff wusste ich nicht, finde ich aber irgendwie naheliegend. Hoffentlich sehen das andere - Muslime? - auch so.

Karl Kirst

Ich habe noch mal nachgeschaut:

In Art. 140 des Grundgesetzes ist festgelegt, dass einige Artikel der Weimarer Verfassung weiterhin Bestand haben. In der Wikipedia wird dies zusammenfassen wie folgt kommentiert: 

"Art. 140 GG begründet ein im internationalen Vergleich gemäßigtes religionsverfassungsrechtliches System, das mit dem Verbot der Staatskirche einerseits die institutionelle Trennung von Staat und Kirche durchsetzt und den Staat für weltanschaulich neutral erklärt, sich aber andererseits nicht dem laizistischen Vorbild Frankreichs anschließt, [...]"
http://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_140_des_Grundgesetzes_f%C3%BCr_die_...

Neuen Kommentar schreiben

(If you're a human, don't change the following field)
(If you're a human, don't change the following field)
(If you're a human, don't change the following field)

Simple HTML

  • Adds captions, from the title attribute, to images with one of the following classes: image-left image-right standalone-image
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <h2> <h3> <h4> <table> <th> <tr> <td> <span> <p> <br> <hr>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
Image CAPTCHA


ANZEIGEN

günstig Auto mieten mit dem Mietwagen vergleich

Pflanzwerk.de

matratzen.info - Matratzen Testberichte


Kreditvergleich