Trotz allem einleuchtend: Ein (Er-) Klärungsversuch

kdautel

Die „Handreichung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg zum Einsatz von Sozialen Netzwerken an Schulen“ hat Staub aufgewirbelt und wird in manchen Berichten als generelles „Facebook-Verbot für Lehrer“ (z.B. Focus) formuliert. Das ist es nicht. 

Die Handreichung untersagt die „dienstliche Verarbeitung pesonenbezogener Daten“ auf Sozialen Netzwerken, die nicht europäischen Datenschutzbestimmungen unterliegen. Dies ist vollkommen einleuchtend.

In der praktischen Konsequenz betrifft dies „jegliche dienstliche Kommunikation auf oder mittels Sozialen Netzwerken sowohl zwischen Lehrkräften und Schülern als auch der Lehrkräfte untereinander […] Darunter fällt die Mailkommunikation innerhalb von Sozialen Netzwerken ebenso wie Chats, aber auch der dienstliche Austausch personenbezogener Daten wie das Mitteilen von Noten, ferner das Einrichten von Arbeits- und Lerngruppen zum Austausch von verschiedensten Materialien, die Vereinbarung schulischer Termine und Informationen zu Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen.“ (s.o.) 

Im Übrigen dürfen bzw. sollen Soziale Netzwerke sehr wohl Gegenstand des Unterrichts sein, nicht aber Unterrichtsmittel. Damit wäre der Sachverhalt einigermaßen geklärt.

Daten von Personen sind ein wertvolles und begehrtes Gut und seit einigen Wochen wissen  wir genauer, dass in unglaublichen Größenordnungen mitgehorcht, mitgelesen und gespeichert wird. Wir müssen davon ausgehen, dass die US-amerikanischen Anbieter ihren Geheimdiensten komfortable Zugänge zu ihren Daten bereit halten. Die Details dazu brauchen hier nicht weiter ausgeführt werden. Zu den Stichworten: Snowden, Prism, Geheimdienste etc. sind im ZUM-Wiki hilfreiche Artikel entstanden. 

Es ist also datenschützerisch richtig und erzieherisch sinnvoll, sich über den Schutz von persönlichen Daten Gedanken zu machen und im schulischen Rahmen klare Verhältnisse zu schaffen. 

Beschneide ich damit meine praktischen Handlungsmöglichkeiten?

Ich bin selbst Teil von Facebook-Gruppen, die zur Organisation von Kurs- bzw. Klassenausflügen eingerichtet wurden. Diese Funktion können die Gruppen auch ohne mich erfüllen, es muss lediglich ein Schüler bereit sein, mit mir außerhalb von Facebook über E-Mails zu kommunizieren. Nur so als Beispiel!

Unglücklich bin ich allerdings in einer Hinsicht. Ich befürchte, dass vielen KollegInnen, die sich um den sinnvollen Einsatz von Web-2.0-Plattformen in der Schule bemüht haben, z.B. kollaborativ mit Google-Docs und Prezis arbeiten, Datenaustausch über die Dropbox praktizieren, die Informationsmöglichkeiten von Twitter und Facebook auszuloten versuchen,  … dass denen der Wind aus den Segeln genommen werden könnte. Stehen wir (!) jetzt als naive Bewohner datenschutzrechtlicher Grauzonen da und müssen uns dafür rechtfertigen?

Ich hoffe nicht. Das gewonnene Knowhow soll nicht verloren gehen. Im Gegenteil: Suchen wir nach praktikablen und saubereren Alternativen zu Facebook, Google, Apple und Co. Es muss sie geben.

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Kommentare

TNolte

Danke für die Klarstellungen, Klaus Dautel! - Allerdings werden nun zu spät kommende Kultus- und Schulbehörden, die sich teilweise(!) hinter dicken Datenschutzmauern verschanzen, vom virtuellen Leben bestraft. - Warum gab/gibt es in DE keinen Wilhelm Brücken? Warum gibt es in unserem in 16 Bundesländer zersplitterten Land (die Alliierten wollte das nach den üblen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus so!) wohl keine ernstzunehmenden Alternativen zu Facebook, Google, Dropbox, Prezi und Co.? - Nationale Urheberrechts- und Datenschutzdebatten offenbaren deutsche Provinzialität und Weltfremdheit. - Hoffentlich entstehen auf EU-Ebene offenere Konzepte gegen die "German Angst". Ansonsten wird #neuland selbst von den kleinen baltischen Staaten technologisch abgehängt. Schade um unsere Schülerinnen und Schüler!

kdautel

Ich danke für die Rückmeldung! Aber - vielleicht sollte ich das wissen - wer ist /war Wilhelm Brücken?

TNolte

Wilhelm Brücken ist meine hintergründige Anspielung auf Bill Gates ;-)  In DE wird seit Jahrzehnten praktisch nichts im Bereich IT selbstständig entwickelt und dann weltweit Gewinn bringend exportiert. In Israel ist das z.B. wegen des traditionell jüdischen Bildungsideals anders. US-Regierungsstellen bzw. -Universitäten greifen das Potential ab. Hier subventioniert man lieber aus Verlustängsten alte Technologien. Bitte mal ansehen: http://www.youtube.com/watch?v=rQdRgok4w78&list=PLhE7vxl0ayFcf195Fu18xQ1...

Walter Böhme

Ich bleibe dabei: Ich kann nicht glaubhaft über ein soziales Netzwerk unterrichten, wenn ich selbst nur aus zweiter Hand kenne. Aber ich bin nicht selbst betroffen und sollte wohl besser schweigen. Freilich hast du bei mir einen Gedanken angestoßen: Wenn du über Schüler mit Facebook-Gruppen in Kontakt bist, dann kann man Facebook und andere soziale Netzwerke auch mit Lernen durch Lehren behandeln, und der Lehrer passt - wie bei jedem anderen LdL auch - darauf auf, dass auch alle verstehen, worum es geht. Da er selbst sich nicht auskennt, wird er rasch merken, wo etwas unverständlich bleibt. Das setzt freilich ein noch größeres Selbstvertrauen des Lehrers in sich selbst und seine Methode voraus als es LdL schon ohnehin tut.

Karl Kirst

Jetzt verbietet auch Rheinland-Pfalz dienstliche Facebook-Kontakte zu Schülern: http://www.spiegel.de/schulspiegel/rheinland-pfalz-facebook-verbot-fuer-...

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