Lernvideos im Netz – Ein Rundgang

Andreas Kalt

Seit einiger Zeit beschäftigt mich das Thema Lernvideos, weil es mir scheint, dass diese in verschiedenen Bildungsbereichen eine immer größere Rolle spielen:

  • Immer häufiger werde ich auf MOOCs aufmerksam, deren Inhalte oft in Form von Videos vermittelt werden.
  • Auch meine Schülerinnen und Schüler erzählen mir immer häufiger, dass sie beim Lernen anspruchsvoller Themen nach Erklärvideos suchen, um die Inhalte besser zu verstehen. Auf diesem Wege bin ich zum Beispiel auf zahlreiche YouTube-Kanäle aufmerksam geworden, die Lernvideos in verschiedenen Formen anbieten.
  • Die Idee des Flipped Classroom scheint in letzter Zeit mehr und mehr Verbreitung zu finden. Dabei erklären Kolleginnen und Kollegen die Unterrichtsinhalte in Form von Videos, die sich die Schülerinnen und Schüler zu Hause anschauen. Im Unterricht findet dann die Übung, Anwendung, Vertiefung, Fragenklärung etc. statt.

Kommentierte Beispiele

MOOCs

Beide MOOCs sind abgeschlossen (Stand 05/2015) und nur nach Registrierung zugänglich.

Erklärvideos auf YouTube

Hier einige Beispiele:

Dieses Video stammt von The Simple Biology, einem von vier Kanälen, die Alexander Giesecke und Nicolai Schork unter dem Namen The Simple Club publizieren. Als ich auf diesen und die anderen »Simple Club« Kanäle aufmerksam wurde, war ich beeindruckt von der Detailtiefe und Aufbereitung der Biologie-Videos (die anderen Kanäle habe ich nur oberflächlich gesichtet, deren Inhalte kann ich fachlich nicht beurteilen). Gleichzeitig habe ich mich aber auch gefragt, wie man es schafft, in so kurzen Zeitabständen (es erscheinen mehrere Videos pro Woche) so aufwändige Videos zu erstellen. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass die beiden das YouTube-Geschäft inzwischen professionalisiert haben. Beide studieren wohl, sind aber inzwischen Teil eines YouTube-Netzwerks, das u.a. bei der Promotion der Videos hilft. Außerdem gab es vor einiger Zeit die erste Werbeaktion: In Zusammenarbeit mit einem Hersteller von Rucksäcken, die besonders häufig von Schülerinnen und Schülern als Schultaschen verwendet werden, organisierten die beiden eine Tour durch verschiedene Schulen. Schulklassen sollten ein möglichst verrücktes Klassenfoto posten, um an dem Wettbewerb teilzunehmen und einen Besuch der beiden an der eigenen Schule zu gewinnen. In den entsprechenden Videos taucht dann immer der Hinweis auf die »Unterstützung« durch den Rucksackhersteller auf. Der kommerzielle Charakter des Kanals scheint also mehr in den Vordergrund zu rücken.

Dieses Video stammt von KurzgesagtDE, einem Design-Studio aus München, das neben kommerzieller Auftragsarbeit auch Lernvideos erstellt. Die kleine Firma wirbt auf der Crowdfunding Plattform Patreon aktiv um Spenden, um nach eigenen Angaben mehr kostenlose Erklärvideos erstellen zu können und weniger Auftragsarbeit machen zu müssen. Aktuell (Stand Mai 2015) sind dort ca. 4.800 USD pro Monat als regelmäßige Spenden verzeichnet.

Ein Video von brainfaqk. Das ist einer von vielen YouTube-Kanälen, die von einer Privatperson betrieben werden und Erklärvideos anbieten. Das Impressum verweist auf Mediakraft, ein großes deutsches YouTube Netzwerk, bei dem viele YouTuber unter Vertrag sind. Die Informationen zur Sonnenfinsternis scheinen korrekt zu sein, die übrigen Themen sind sehr gemischt. Ich gehe davon aus, dass der Autor (»Börni«) nicht in allen diesen Themen fundiertes Fachwissen hat. Außer dem Vornamen konnte ich aber nichts Näheres über den Betreiber des Kanals herausfinden. Auch die Monetarisierung der Videos ist unklar.

Der Ersteller dieses Videos ist MrWissen2Go Mirko Drotschmann. Er macht Erklärvideos zu gesellschaftlichen, politischen und historischen Themen und spricht dabei – wie viele YouTuber – direkt und persönlich in die Kamera. Die Videos scheinen Hand und Fuß zu haben, aber Näheres über seinen fachlichen Hintergrund konnte ich nicht herausfinden. Über eine Monetarisierung des Kanals (über die YouTube-Werbung hinaus) habe ich ebenfalls nichts gefunden.

Dieses Video wurde von Explainity erstellt. Das ist eine Firma, die Erklärvideos in allen denkbaren Bereichen als professionelle Dienstleistung anbietet. Sie betreibt auch den YouTube-Kanal »einfach erklärt«, auf dem regelmäßig Erklärvideos zu aktuellen, meist gesellschaftlichen oder geschäftlichen Themen erscheinen. Ich nehme an, das geschieht im weitesten Sinne als Werbung für die kommerzielle Dienstleistung. Diese Videos sind gut gemacht und – so weit ich das beurteilen kann – fachlich fundiert.

Dieses Video stammt von MinuteEarth, einem englischsprachigen YouTube-Kanal von Henry Reich, der auch MinutePhysics betreibt. Es scheint sich um eine Privatperson mit einem kleinen Team von Familie und Freunden zu handeln, die zu den Videos beitragen. Auch dieser Kanal wirbt auf Patreon um Spenden und zeigt dort eine regelmäßige Spendensumme von ca. 2.800 USD pro Video an (Stand Mai 2015). Die Videos sind sehr klar erklärt und scheinen fachlich fundiert. Über den professionellen Hintergrund der Ersteller ließ sich aber nichts Näheres herausfinden.

Von Lehrerinnen und Lehrern erstellte Videos

Es gibt inzwischen schon sehr viele Kolleginnen und Kollegen, die Lernvideos erstellen und veröffentlichen. Vor allem in Mathematik hat die Methode des »Flipped Classroom« in Deutschland schon etwas Verbreitung gefunden.

  • Erst kürzlich wurde hier auf dem ZUM Portal die Video-Arbeit von Thomas Stiegler vorgestellt.
  • Sebastian Stoll ist ein weiterer Kollege, der schon sehr viele Lernvideos auf seinem YouTube-Kanal »180Grad-Flip« zur Verfügung stellt und diese Videos auf seiner Website auch für seine Schülerinnen und Schüler methodisch einbettet.
  • Ein Kollege aus meinem persönlichen Bekanntenkreis macht das ähnlich. Benjamin Zürn erstellt die Videos auf seinem Tablet und stellt seinen Schülerinnen und Schülern in seinem Wiki Übungsmaterial dazu bereit.

Fazit

Das Angebot an Lernvideos im Netz wird zunehmend größer. Viele der Videos werden im Rahmen von Bildungsangeboten wie z.B. MOOCs erstellt, zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer machen selbst Videos für ihre Schülerinnen und Schüler oder lassen auch die Schülerinnen und Schüler selbst die Videos erarbeiten.

Daneben nutzen viele Schülerinnen und Schüler eigenständig einschlägige YouTube-Kanäle, die kostenlose Erklärungen oder gar »Nachhilfe« im Netz anbieten. Bei diesen Kanälen ist allerdings nicht immer klar, wer sie mit welchen Absichten betreibt. Viele dieser Kanäle scheinen gute Qualität anzubieten, aber die persönlichen, finanziellen oder geschäftlichen Interessen werden oft nicht offen kommuniziert. Insofern scheint es angebracht, das Thema Lernvideos im Netz mit Schülerinnen und Schülern zu besprechen. Denn die Videos bieten für sie ein großes Potential für das eigenständige Lernen. Gleichzeitig sollten sie die möglichen Hintergründe kennen, wenn die Anbieter in den Videos auch mehr oder weniger offen Werbung für Produkte machen.

Galerie

Kommentare

Karl Kirst

Heute habe ich erfahren, dass Schülerinnen unserer Schule, die aus dem Irak geflohen sind und jetzt zunächst schnell Deutsch lernen müssen, sich auf eigene Initiative und eigenständig Deutsch mit Videos für Arabischsprachige Deutschlernen aneignen.

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