ZUM-Interview: Margit Fischbach

ZUMTeam

Es ist mir eine Ehre, heute mit Margit Fischbach die Gründerin unseres Vereins vorzustellen. Bereits 1995 startete sie mit "Das World Wide Web als Lern- und Lehrhilfe" eine Initivative zur Nutzung des Internets im Bildungsbereich. In 20 Jahren kommt einiges an Geschichten zusammen, die Margit uns heute erzählt. Eine spannende Zeit!

 

Stelle Dich bitte kurz vor: Wie alt bist Du, in welchem Bundesland lebst Du, wo arbeitest Du? 

Inzwischen bin ich 65 Jahre alt, als Lehrerin für Latein, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Kunst im Ruhestand und lebe in Merzhausen, Baden-Württemberg.

Wie bist Du auf die ZUM aufmerksam geworden? Seit wann bist Du dabei?

„So jemand wie Sie dürfte es gar nicht geben – früher hätte man Sie als Hexe verbrannt.“ Dieses Kompliment stellt die Lage im Internet Ende des letzten Jahrtausends dar, als ich 1995 zu einem Gespräch zum Südwestfunk in Baden-Baden eingeladen war. Gut, ich war damals bereits stolze 46 Jahre alt, Lateinlehrerin und weiblich – alles Eigenschaften, die damals nicht in die neue Welt „Internet & Co.“ passten.

Wie ich dazu kam, mich mit dem World Wide Web zu beschäftigen? Es war eine Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte meinem Mann über die Schulter geschaut, als er Texte und Bilder mit Arbeitskollegen in Japan und den USA über das WWW in Minutenschnelle – damals wurde WWW noch mit Welt Weites Warten übersetzt – austauschte und war fasziniert von der Idee, das Internet auch für den Unterricht und für die Vernetzung mit Kollegen nutzen zu können.

 

Anmerkung: diese Geschichte erzählte Margit ausführlicher beim ZUM-Mitgliedertreffen 2012, als die ZUM e.V. 15 Jahre alt wurde, vor Lutz Bergers Kamera, im Gespräch mit Karl Kirst:

 

Ja, und damit begann eine spannende Zeit. Unter dem Titel „Das WWW als Lern- und Lehrhilfe“ entstanden die ersten Internetseiten, damals noch unter der Adresse ilsebill.biologie-freiburg.de, auf einem der Institutsrechner im Labor von meinem Mann. Das Netz war damals  schlecht gefüllt, für den Unterricht geeignete Seiten gab es wenige und ohne die heutigen schnellen und guten Suchmaschinen waren diese nur mit Mühe auffindbar. Deshalb entstanden zunächst Listen zu den verschiedenen Schulfächern als Linksammlung für Unterrichtmaterialien im Netz und Seiten mit Erläuterungen der neuen Fachbegriffe und Tipps zur Frage „Wie komme ich ins Netz?“

Bald kamen die ersten Mitstreiter dazu, die Seiten mit eigenen Unterrichtsmaterialien und –tipps entwickelt hatten, und es entstand die Vision, Materialien für alle Unterrichtsfächer und Schularten anzubieten: Immer dann wurde ein neuer Raum eröffnet, wenn sich ein Kollege – damals Koordinator genannt – mit eigenen Unterrichtsmaterialien gemeldet hatte.

Bei der Didacta 1996 interessierte sich der Klett-Verlag für unsere Seiten und gab den entscheidenden Hinweis, dass wir einen handlicheren Namen bräuchten, etwa so knapp wie UHU. Daraus entstand dann ZUM – Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (zum.de).

Am   11.9.1997    fand in Neustadt im Schwarzwald die Gründungsversammlung des gemeinnützigen Vereins (Anm.: davon stammt das Bild rechts) statt. Ich wurde als 1. Vorsitzende in den Vorstand des Vereins gewählt.

1998 nahmen an der ersten Mitgliederversammlung in Frankfurt, zu der wir den Cornelsen Verlag als Sponsor gewinnen konnten, 30 aktive Mitglieder teil.

Damals wurden die Seiten täglich von mehr als 2500 Personen (unique Users) besucht. Zwei Jahre später waren es bereits über 10.000.

Zu den Linkdatenbanken kamen die Autoren-Seiten dazu, Mailinglisten für die verschiedenen Fächer, Diskussionsforen, ein Autorenmodel, mit dem auch nicht HTML-Kenner Texte veröffentlichen konnten, u.v.m.

In dieser Zeit fiel meine Abordnung mit halbem Deputat zum Landesinstitut für Erziehung und Unterricht in Stuttgart, mit dem Auftrag an der ZUM weiter zu arbeiten und beim Aufbau des Landesbildungsservers tätig zu sein.

Für mich war das die Zeit, in der ich neben meinem Unterricht am Theodor-Heuss-Gymnasium in ganz Deutschland bei Tagungen und Vorträgen die ZUM unter dem Motto

Vom Informationsmeer

ZUM

Mehr an Information

vorstellen konnte.

Bei einer Gesprächsrunde in Bonn bemerkte der Leiter der Aktion Schulen ans Netz, ZUM sei der reinste Wildwuchs, ohne zu ahnen, dass er damit genau den Punkt getroffen hatte, der das Selbstverständnis unseres Teams ausmachte: Wir sind im besten Wortsinn eine Graswurzelinitiative.

2000 erschien in Zusammenarbeit mit Web.de ein Webführerschein auf CD, den Schulen in Klassensatzgröße kostenlos bestellen konnten. Diese Kooperation ermöglichte dem Verein die Einstellung eines Mitarbeiters für ein Jahr. Das war ein Glücksfall, da ich in diesem Jahr krank und nur bedingt einsatzfähig war.

ZUM.DE wuchs  weiter und wurde 2005 durch das Wiki und später die Wiki-Family erweitert. Ich stand aus persönlichen Gründen nicht mehr für eine erneute Wahl zur Verfügung.

Danken möchte ich meinem Mann für seine Unterstützung und Mitarbeit, ohne die ich schon bei Beginn der Umsetzung der Idee an meiner ersten HTML-Seite gescheitert wäre.

Danken möchte ich ganz besonders meinen Kollegen im Vorstand und allen, die durch Ihren Einsatz ZUM.DE zu dem gemacht haben, was sie heute mehr denn je ist: eine verlässliche Größe im Bildungssystem.

Deine 3 Klicktipps: Welche Seiten sollten wir uns im ZUM-Kosmos unbedingt etwas genauer anschauen und warum?

Wenn ich Seiten nennen soll, die mir besonders gut gefallen, fällt mir das sehr schwer, weil drei einfach zu wenig sind. Deshalb nenne ich einfach die, die ich zuletzt Schülern, die mich um Hilfe fragten, gezeigt habe: die DWU – Sammlung von Dieter Welz, die Deutschseiten von Klaus Dautel und den Lernpfad zu den römischen Zahlen im Wiki .

Ich freue mich darüber, dass aus der Graswurzelninitiative inzwischen ein großer Park mit großen Bäumen geworden ist, in dem vieles blüht und gedeiht.

Meiner alten Liebe, dem Internet, bin ich treu geblieben, altersentsprechend halte ich mich jung beim Bauen am Seniorentreff im Internet (www.seniorentreff.de), einer Community mit rund 13.000 Mitgliedern, die mein Mann bereits 1998 gegründet hatte.

 

Liebe Margit, herzlichen Dank für diesen interessanten Einblick in die Geschichte der ZUM!

Mandy Schütze

 

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