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ZUMTeam

Digitaler Pakt? - Ausstattung von Schulen mit digitaler Technik? Oder Digitalisierung des Unterrichtes? Was könnte dies sein?

Das Stichwort „Digitalisierung der Schulen“ ist in aller Munde und geistert derzeit durch die Presse. Oftmals wird hiermit verkürzt die Ausstattung der Schulen mit digitaler Technik (Smartboard, Netbooks oder Tablets, digitale Kamera etc.) verstanden. Doch was ist daran gegenüber herkömmlichen Medien neu?

Neu ist zumindest das Eingeständnis der Politik, dass digitale Bildung ein zentraler Bestandteil der Ausbildung an den Schulen sein sollte und dies bislang nur nachrangig durch Ausstattung mit entsprechender Hardware realisiert wurde. Andererseits bietet die Investition vom mehreren Milliarden Euro in die digitale Ausstattung und Bildung eine einmalige und riesige Chance für den Computereinsatz in Schulen.

Sofern man darunter nur die Möglichkeit versteht, dass der Lehrer am Smartboard die herkömmliche Tafel (bei funktionierender Technik (!?)) mit den Möglichkeiten einen Film oder Bilder zu kombinieren, so hat man zwar eine gegenüber den 1980-er Jahren bequeme und zeitsparende Möglichkeit den lehrerzentrierten Unterricht zu gestalten, jedoch ist dies nichts prinzipiell Neues.

Die technische Digitalisierung an Schulen ist lediglich die Voraussetzung für die Umsetzung neuartiger Konzepte, die eine Abkehr vom lehrerzentrierten Unterricht fordern und bereits bereitstehen, aber weiten Kreisen der Lehrerschaft unbekannt sind. Die Schuld hierfür ist nicht bei den Lehrern selbst zu suchen, sondern in der diesbezüglich mangelnden Bildung im Rahmen der Lehrerausbildung oder Weiterbildung: 

Im Folgenden sollen einige bestehende Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt werden.

Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung der Schulen in pädagogischer Hinsicht?

1. Abkehr vom lehrerzentrierten Unterricht beim Einsatz von Tablets oder SmartphonesNew Skills, CC-0, Quelle: https://pixabay.com/illustrations/traffic-sign-directory-skills-can-809006/

Als eine zentrale Anwendung in allen Fächern, die Texte in Gruppenarbeit auswerten oder diskutieren, sehe ich die Technik des interaktiven/kollaborativen Schreibens. Ob dies ein Pad wie ZUM-Pad ist oder eine andere die Möglichkeiten, vom eigenen Gerät auf einem zentralen Gerät zu schreiben. Dabei hat jeder Gruppenteilnehmer die Möglichkeit an seinem Gerät den Text der anderen Mitglieder zu ergänzen oder zu korrigieren. Es entsteht ein gemeinsam geschriebener Text, der ausgedruckt oder versandt werden kann. ZUM stellt hierfür ein kostenlos nutzbares ZUM-Pad zur Verfügung (dort auch weitere Informationen). Die Technik des kollaborativen Schreibens, die zeit- und ortsunabhängiges Zusammenarbeiten ermöglicht, wird sogar von Autorenteams bei wissenschaftlichen Arbeiten angewendet.
Um effektiv im Unterricht effektiv arbeiten zu können muss natürlich durch den Lehrer eine Fragestellung in mehreren Teilaufgaben vorgegeben werden, in die dann die Schüler ihre Beiträge einbringen. Das Ergebnis darf nicht unreflektiert übernommen werden.

2. Experimenteller Faktor der Erkenntnis 

1. Geogebra

Eigentlich schon ein Klassiker für experimentelles ist die Mathematik-Software Geogebra. Insbesondere bei der Diskussion des Einflusses von Parametern auf den Graphen von Funktionen oder auch der Binomialverteilung (eigentlich auch eine Funktion) stellt die Gruppenarbeit mit Handy oder Netbook einen Unterrichtsgewinn dar. Die Fixierung auf einem vorstrukturierten Pad mit Arbeitsanweisung dient der Zusammenfassung.

2. GoogleMaps – 2D/3D und Google Streeview – virtuelle Exkursion
 

In einer Zeit, in der geographische Exkursionen kaum mehr im Lehrplan fixiert sind, stellt GoogleMaps eine sinnvolle Alternative dar. Warum sollte man die Schüler nicht einen virtuellen Rundgang durch verschiedene  Stadtteile einer lateinamerikanischen Stadt virtuell „laufen zu lassen“ und ihre stadtgeographischen Beobachtungen auf ein Pad zu fixieren oder ein Schrägluftbild mit verschiedenen Inhalten interpretieren zu lassen (Beispiel: landwirtschaftliche Nutzung und Siedlungsstruktur im Taubertal). Hier mag in Zukunft auch der Einsatz von Virtual Reality noch weitere Verbesserungen/Möglichkeiten bringen.

GoogleMaps besitzt aber nicht nur Anwendungsmöglichkeiten in Geographie. So kann man zahlreiche historische Gebäude (Kirchen, Schlösser) und Museen von innen besichtigen.

3. Flexibilisierung des Unterrichtens

Der Einsatz von Smartphone oder Tablet ermöglich die Einbeziehung von interaktiven Lerneinheiten (wie zum Beispiel bei ZUM-Unterrichten) in den Unterricht zum Ausgleich von Lerndefiziten in Übungsstunden, die man auf den jeweiligen Schüler abstimmen kann. Durch Einbindung interaktiver Übungen von u.a.  Learning-Apps werden Lerninhalte intuitiv erfasst oder gesichert. Das Team um Mathematik Digital liefert hierfür zahlreich Beispiele des interaktiven Lernens.

4. Einbeziehung externer Quellen

Viele Altbestände von Bibliotheken, wurden in den letzten 20 Jahren digitalisiert und stehen im Originaldruck frei verfügbar in sogenannten digitalen Bibliotheken, nach Stichworten recherchierbar, online lesbar und zum Download zur Verfügung. Gerade für die Oberstufenseminare bilden diese digitalen Bibliotheken eine bequeme, aber nicht die einzige Möglichkeit der Literaturbeschaffung. Einen Einblick über die schier unübersehbare Zahl und ihrer Inhalte liefert die verlinkte Übersicht am Beispiel eines privaten Projektes im Rahmen eines LEADER-Projektes  Die Möglichkeit solche digitalen Bibliotheken zu nutzten sollten die Schüler kennen, zumal die Scans die Copy-Paste-Mentalität vieler Schüler nicht unterstützen.

Einen Überblick über diese und weitere Formen schüleraktivierenden Unterrichtes, mit und ohne Einsatz digitaler Medien, gibt eine ebenfalls interaktiv erstellbare, an Mindmaps orientierte Prezipräsentation.

 

Die vorgestellten Beispiele erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit der Methoden. Schließlich werden ständig neue Formen interaktiver Anwendungen entwickelt. Dieser Beitrag soll nicht den Eindruck erwecken, dass bisherige Unterrichtsformen überflüssig seien. Vielmehr soll er vermitteln, dass die Vielfalt der Unterrichtsformen erhalten und erweitert werden sollte. Der lehrerzentrierte Unterricht hat ebenso seine Berechtigung neben interaktiven Unterrichtsformen, die wegen der Vorarbeit oft arbeitsaufwendiger erscheinen und längere Unterrichtszeit erfordern: in der Vielfalt der Unterrichtsmöglichkeiten liegt hier wohl das pädagogische Ermessen.

Was ist notwendig neben der technischen Digitalisierung?

Selbst junge Lehrer (Referendare) kommen oft ohne ausreichende Kenntnisse interaktiver digitaler Arbeitstechniken an die Schule und unterrichten so die nächsten 30 Jahre.

Im Rahmen der Digitalisierungskampagne genügt es nicht die Schulen hardwaremäßig auf den neuesten Stand zu bringen, oder erstmals auszustatten.

Ansonsten sind neue digitale Unterrichtsformen der Experimentierfreudigkeit des jeweiligen Lehrers überlassen. Das ist angesichts der Entwicklungen in der Gesellschaft nicht vernachlässigbar.

Die Digitalisierung der Schule sollte

  • eine Einbeziehung der digitalen Möglichkeiten in die Referendarsausbildung umfassen, die oftmals sträflich vernachlässigt wird
  • Innerschulische Fortbildung. Diese sollte nicht in herkömmlicher Multiplikatorenform stattfinden, sondern durch Personen, die diese Techniken schon praktiziert haben. 

 

 

 Bernhard Heim fürs ZUMTeam

(Der Autor (64 Jahre, Mitlied vom ZUM.DE) ist  Lehrer am Reichsstadt-Gymnasium Rothenburg und beschäftigt sich seit Anfang der 1980-er Jahre mit den Einsatzmöglichkeiten des Computers im Unterricht. 1985 war er Mitglied eines Arbeitskreises am Staatsinstitut für Schulpädagogik (ISB) in Bayern. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts war er als Teilnehmer der Info-Schul-Projekte SATGEO und Umweltspione unter Leitung von Robert Roseuu mehrfach Referent für GIS (Geographische Informationssysteme) und Satellitengeographie an der Didaktik für Geographie der Uni-Erlangen-Nürnberg, unter Leitung von Prof. Schrettenbrunner und Dr. Yvonne Schleicher sowie an der Bayerische Akademie in Dillingen.) 

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