Der Videowettbewerb „Gesehen! Gefilmt! Gelernt“ richtete sich an Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Altersgruppen sowie an ihre Lehrkräfte. Aufgabe war es, kurze Videos (1–3 Minuten) auf Deutsch zu produzieren, die Kultur, Emotionen und Künstliche Intelligenz miteinander verbinden. Entscheidend war dabei nicht technische Perfektion, sondern eine klare Idee, eine authentische kulturelle Darstellung und eine verständliche, kreative Sprachverwendung.
Die Jury – international besetzt (Italien, Rumänien, Indien, Ukraine und Russland) und fachlich breit aufgestellt – bewertete die Beiträge nach klar definierten Kriterien:
- Idee und Inhalt
- kulturelle Sensibilität
- Sprache und Kommunikation
- Darstellung von Emotionen
- Einsatz von KI
- filmische Umsetzung
Das Ergebnis: eine beeindruckende Vielfalt an Perspektiven, Formaten und Geschichten.
Herausragende Beiträge – kreativ, mutig, berührend
Von Fettnäpfchen, Gefühlen und klugen Robotern
Mehrere Videos erreichten in der Gesamtbewertung den Status „herausragend“. Besonders eindrucksvoll war der Beitrag einer Jugendgruppe (Niveau A1/A2, 13–15 Jahre), der mit viel Humor und starken Bildern zeigte, wie schnell kulturelle Stereotype entstehen – und wie leicht sie sich durch echte Begegnung auflösen lassen.
Der bewusste Kontrast zwischen „kalter“ KI-Logik und lebendiger menschlicher Emotion wurde hier filmisch wie sprachlich sehr überzeugend umgesetzt.
Thematische Highlights:
- „Fettnäpfchen 2.0“ – humorvolle Videos über kulturelle Missverständnisse, aus denen eine KI lernt
Beispiele:
– „Koffer weg“(Russland)
– „Frühstück“ (Italien)
- „Gefühls-Translator“ – Videos, die zeigen, dass Emotionen universell sind, aber kulturell unterschiedlich gelesen werden
Beispiel:
– Beitrag aus der Ukraine
- „Mein KI-Austauschschüler“ – charmante Mini-Episoden, in denen ein Roboter deutsche Alltagskultur entdeckt
Beispiel:
– „Das Neujahr“
- „Roboter, KI und Mensch“ – pointierte Vergleiche zwischen KI-Robotern und menschlicher Intelligenz
Beispiel:
– „Anna gegen KI“
Viele Beiträge überzeugten durch eine klare Botschaft:
KI kann unterstützen, spiegeln und provozieren – aber kulturelles Verstehen entsteht durch menschliche Erfahrung, Dialog und Empathie.
Mehr als ein Wettbewerb
Der Videowettbewerb „Gesehen! Gefilmt! Gelernt“ 2026 war mehr als ein klassischer Videowettbewerb. Er war Lernraum, Experimentierfeld und Statement für einen zeitgemäßen Deutschunterricht, der digitale Werkzeuge nicht als Selbstzweck nutzt, sondern als Anlass für Reflexion, Kreativität und interkulturelles Lernen.
Für viele Teilnehmende war es die erste Erfahrung, Deutsch nicht nur zu lernen, sondern aktiv zu gestalten – sichtbar, hörbar und wirksam. Genau darin liegt die besondere Stärke dieses Wettbewerbs: Er denkt Sprache, Kultur und Technologie gemeinsam weiter.
Die Online-Preisverleihung setzte schließlich einen würdigen Schlusspunkt – und zugleich einen Anfang. Denn eines wurde deutlich:
Die nächste Generation von Deutschlernenden ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, Fragen zu stellen und neue Perspektiven zu eröffnen.
Nadja Blust
Leiterin Deutsch-Online
