Wie für Wirtschaftskunde geworben wird

Walter Böhme

Nicht selten geht es dabei um Lobbyismus** und die Verführung zur Unmündigkeit.

meine Reaktion:

Das Wirtschaftsquiz in der ZEIT vom 1.2.2018, S.22 dient vor allem der Einschüchterung, weil die Fragen zu  ökonomischem Denken und zu Steuern, die Sie stellen, vom Durchschnittsbürger selbstverständlich weitgehend falsch beantwortet werden. Wer kennt sich mit dem genauen aktuellen Stand des Arbeitslosengeldes aus, wenn er nicht selbst davon betroffen ist, wer kennt sich mit der Steuerquote von Alleinstehenden in 6 verschiedenen Einkommensstufen aus, wenn er verheiratet ist und sich nur für den Bereich seines Jahreseinkommens interessiert?
Dass heute der Absatz von Produkten mehr von Werbung und aktueller Einkommenslage als vom Preis abhängt, weiß man. Ob dennoch nur nach der abstrakten Relation von Angebot und Nachfrage gefragt ist, ist nicht klar. [Die ZEIT vom 8.2.18 zeigte dann, dass in der Tat nur das schematische Verständnis, nicht die Realität gefragt war.]
"Schnelles und langsames Denken" kennt nicht jeder und wird so in Fallen gelockt. 
 
Ihr Quiz ist ähnlich gut wie die Frage nach den Rechtschreibkenntnissen von Kultusministern. Für politisches Urteil braucht man weder Rechtschreibkenntnisse noch die genaue Kenntnis über den aktuellen Hartz-IV-Regelsatz.
 
Als Erläuterung dazu:
Im Wirtschaftskundeunterricht habe ich jahrelang mit kostenlosem Material vom Bank-Verlag gearbeitet, in dem viele verfälschende Graphiken (Säcke dargestellt, die 9-faches Volumen suggerierten, wo nur 3-fache Menge vorlag; Graphiken, die eine extreme Steigerung vorgaukelten, weil bei Bewegungen im Bereich von 600 und 610 die unteren 590 abgeschnitten waren). Im Textteil gab es Entsprechendes, aber wegen geringerer Anschaulichkeit habe ich die Techniken nicht mehr so genau im Kopf. 
 
Für mich war das Anschauungsmaterial, an dem ich Verfälschung demonstrieren konnte. Aber da die korrekten Lehrbücher (aus Kostengründen) überaltert waren, habe ich damit auch Ideologie transportiert. Denn Anschauung (schnelles Denken) geht oft über Aufklärung (langsames Denken). 
Angesichts der Unterfinanzierung im Bildungsbereich (z.B. Grundschullehrermangel) werden zugelassene Lehrmaterialien weiterhin veraltet sein. Und sich stets aktuelle Materialien aus dem Internet zu holen verbietet sich für die meisten Lehrer nicht nur wegen der fehlenden Computer (alles auszudrucken kommt zu teuer), sondern auch wegen des Arbeitsaufwandes aufgrund unzureichenden Angebots in Bildungsservern.
Wie sich einseitiges Unterrichtsmaterial flächendeckend auswirkt, kann man sich leicht ausmalen.  
Trotzdem dazu noch ein Kommentar aus der ZEIT:  Ein Kniefall vor den Arbeitgebern ZEIT online 16.11.15* und ein paar konkrete Beispiele.
* "Dabei wird beansprucht, mit Modellierungen der ökonomischen Verhaltenslehre die soziale Welt zu erklären. Dies soll quasi eine Alternative zu den diskursiven Formen sein, in denen sich die Unterrichtsfächer der politischen Bildung bislang mit ökonomischen Phänomenen auseinandergesetzt haben."
Dabei geht es um die Lehrpläne. Das verfälschende Unterrichtsmaterial ist dabei nicht einmal berücksichtigt. 
**Insbesondere nachhaltiges Wirtschaften wird in der Wirtschaftsdidaktik völlig vernachlässigt. Begriffe wie Ressourceneffizienz ‎ und Kreislaufwirtschaft ‎sind noch nicht in Schulbücher aufgenommen bzw. völlig ohne Kontext. 

In aktuellen Diskussionen sind sie ständig präsent:  , und tagesaktuell  (mehr dazu: bei LobbyControl). Dagegen ist  als Stichwort eher ein Langweiler, der nur von Lobbyisten in die Schulen getragen wird. (vgl. Ein Kniefall vor den Arbeitgebern ZEIT online 16.11.15)
Das Planspiel Börse, ein Musterfall von Lobbyismus, beherrscht im Dezember 2017 die Tweets zu Wirtschaftskunde bei denen zu 2018 finden sich  bisher nur meine Tweets.

Zum Stichwort Kreislaufwirtschaft:
Gegenwärtig überlässt man die Rückführung von Plastik in den Rohstoffkreislauf (Boyan Slat) weitgehend dem Meer. Freilich das dauert:
bei einer Plastiktüte  10-20 Jahre, Styroporbecher 50 Jahre, Plastikflasche 450 Jahre. (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 3.2.2018)

Thomas Mann hat an anderer Stelle zu Lobbyismus am Schulen noch ergänzt:

Wollte nur auf den umstrittenen Band der BPB hinweisen: Ökonomie und Gesellchaft.

http://www.bpb.de/shop/lernen/themen-und-materialien/200345/oekonomie-und-gesellschaft

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Walter Böhme

Dieser Blogeintrag ist eine leicht verbesserte und ein wenig ergänzte Version eines Eintrags unter Fontanefan. Die ins Auge gefasste Umarbeitung musste neuen Tagesaufgaben weichen.

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