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Hortense Beauharnais

Die Königin lässt bitten

Die „vollendete Hortense", so nannte sie der englische Dichter Lord Byron. Für Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Schwägerin Napoleons I., standen einst die Paläste Europas offen. Doch nach Napoleons Abdankung musste sie Frankreich verlassen. Ihren Exilsitz, das Thurgauer Schlösschen Arenenberg am Schweizer Bodensee, gestaltete sie zu einem „geliebten Kleinod", für das sie die besten Architekten und Gärtner ihrer Zeit engagierte. Gekrönte Häupter gingen auf Arenenberg ebenso ein und aus wie die politische, künstlerische und intellektuelle Elite des 19. Jahrhunderts. Heute beherbergt das Anwesen das „Napoleonmuseum Schloss Arenenberg", ausgestattet mit den Originalmöbeln der Königin und zahlreichen Erinnerungen an die Kaiserzeit.

Felix Cottreau: Königin Hortense mit dem Talisman Karls des Grossen
Felix Cottreau erschuf 1834 das Gemälde "Königin Hortense mit dem Talisman Karls des Grossen". Bild: Napoleonmuseum Thurgau

Königin Hortense de Beauharnais (1783-1837) gehörte zu den gebildetsten und umstrittensten Frauen ihrer Zeit. Sie war die Tochter der Kaiserin Joséphine aus erster Ehe. Kaiser Napoleon I., der zweite Ehemann ihrer Mutter, adoptierte sie und verheiratete sie mit seinem launischen, kränkelnden Bruder Louis. Um ihnen einen Titel zu geben, lies er das Königreich Holland gründen. Die Kinder des Paares sollten nach Napoleons Willen dereinst den Thron Frankreichs besteigen. Drei Söhne gebar Hortense in ihrer unglücklichen Ehe, und Napoleons Wille erfüllte sich: Ihr jüngster Sohn Louis Napoleon ging als Kaiser Napoleon III. in die Geschichte ein.

Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo 1815 wurde Hortense und die gesamte Familie Bonaparte aus Frankreich vertrieben. Am Ende einer abenteuerlichen Flucht durch halb Europa fand die erschöpfte Königin zusammen mit ihrem jüngsten Sohn Asyl am Bodensee. In ihren Memoiren schreibt sie: „Die Regierung des [Schweizer] Kantons Thurgau erlaubte mir, dasselbe [Arenenberg] zu kaufen. Sie hat dadurch das Verdienst erworben, mich zur Ruhe kommen zu lassen, denn ich war auf Betreiben Frankreichs hin von allen Regierungen ausgewiesen worden".

Die ganze Welt zu Gast bei Hortense
Die Bevölkerung liebte ihre „Frau Herzogin", wie sie sich volksnah nennen liess. Hortense unterstützte Arme und Kriegsflüchtlinge, Schulen und kirchliche Einrichtungen. Dichter, Politiker, Wirtschaftsgrössen und Künstler aus aller Welt machten der Königin ihre Aufwartung: René de Chateaubriand, Alexandre Dumas, Franz Liszt, Henri Dufour, Ignaz Heinrich von Wessenberg, Alexander von Humboldt, um nur wenige zu nennen - das Gästebuch Arenenbergs liest sich wie ein „Who is who" des 19. Jahrhunderts. Sie alle schwärmten von der charmanten Gastgeberin, dem geschmackvoll eingerichteten Haus, dem weitläufigen Park, den Hortense selbst pflegte, und vom legendären Sonnenuntergang über dem Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees, der auch heute noch die Besucher bezaubert.

Auch heute: Willkommen im Schloss
Das 1906 gegründete Napoleonmuseum Thurgau, Schloss und Park Arenenberg, ist das einzige deutschsprachige Museum zur napoleonischen Geschichte. Wie damals ist es heute noch ein offenes, gastfreundliches Haus. „Die Besucher sollen sich wie Gäste Hortenses fühlen", erklärt Dominik Gügel, der gemeinsam mit Christina Egli das Napoleonmuseum leitet. Und tatsächlich strahlen die Räume eine wohnliche Atmosphäre aus, ganz als würden sie noch hier leben: die Dame des Hauses, ihr quirliger Sohn Louis Napoleon und der kleine Hofstaat. Nicht nur in der Bibliothek laden faksimilierte Skizzen- und Gästebücher zum Schmökern ein; die 900 originalen Bände aus der kaiserlichen Sammlung stehen im Maischrank, den die Königin auf ihrer Flucht stets mitführen liess. Im Speisesalon wird heutzutage zwar kein „petit déjeuner" mehr serviert, doch der mit Porzellanservice und Kristallkaraffen gedeckte Tisch wirkt mehr als einladend. Kinder verwandeln sich in Louis' originalem Spielzimmer in kleine Prinzen und Prinzessinnen, spielen mit Bauklötzen und „historischem" Spielzeug, während sich die grösseren Kinder und Eltern an Bildschirmen über die Historie des Schlosses und seiner Bewohner informieren können.

Der „grosse Korse" betrat übrigens den Arenenberg nie, aber Hortense pflegte das Andenken ihres verehrten Adoptivvaters, und so zeugen zahlreiche Memorabilien, beispielsweise seine Totenmaske und berühmte Gemälde, vom Leben des ersten Kaisers der Franzosen.

In den ersten Stock, die Beletage, durften damals nur wenige Auserwählte aufsteigen. Heute stehen die Privatgemächer der königlichen Familie jedem offen. Das in seinen Originalfarben rekonstruierte und restaurierte Schlaf- und Sterbezimmer der Königin allein ist schon den Besuch auf Arenenberg wert. Zitronengelbe Damasttapisserie bespannt die Wände, Rokokoornamente und Empiremöbel zieren den Raum, der Blick durch die Fenster gleitet über den Untersee, die Insel Reichenau und Konstanz. Hier starb die Königin 1837 in den Armen ihres Sohnes Louis Napoleon.

Ein wahres Arkadien: Der Landschaftspark
„ Hortense befasste sich gern mit der Natur und fand ein wahres Vergnügen darin, den sie besuchenden Fremden die Standorte zu zeigen, von welchen aus man die schönste Aussicht genoss", schrieb ein unbekannter Zeitgenosse. Voilà, auch heute begleitet der gute Geist der botanikvernarrten Hausherrin die Gäste durch das Wegenetz des zwölf Hektar grossen Geländes.

Nach den Idealen Jean-Jacques Rousseaus liess sich Hortense von den besten Gartenarchitekten Europas - darunter kein Geringerer als Fürst Hermann von Pückler-Muskau - ihren Traum verwirklichen. Sie schuf damit einen der bedeutendsten Landschaftsparks ihrer Zeit. Wasserspiele, Eremitage, Grotten, eine vom Prinzen konstruierte Brücke über der wildromantischen Schlucht, exotische Pflanzen, üppige Blumenbeete und -rabatten gestalteten einst ein königliches Arkadien. In den vergangenen Jahren wurde der Park wissenschaftlich erforscht und Stück für Stück wieder hergestellt. Seit 2010 erstrahlt er wieder in altem Glanz.

Text: pr2/Napoleonmuseum Arenenberg

 

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