Die Basler Orgelflügel Hans Holbeins des Jüngeren
Eine Ausstellung im Kunstmuseum Basel, September-Oktober 2001
Emanuel Büchel: Die Orgel des Basler Münsters mit den Flügeln
von Hans Holbein d.J., um 1775. Öffentliche Kunstsammlung Basel,
Kupferstichkabinett
Zu den vielbewunderten Werken Hans Holbeins d.J. im Besitz des Kunstmuseums
Basel gehören die Flügel der ehemaligen Münsterorgel. Sie
kamen im Jahr 1786 in die Sammlung, anlässlich einer Innenrenovierung
des Münsters. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verblieb das
Orgelgehäuse noch im Münster, dann wurde es entfernt. Ornamentale
Reste des Gehäuses aus Holz geschnitzte Ranken und Köpfe
gelangten in das Historische Museum.
|
|
| Die Orgelflügel zeigen, auf Leinwand gemalt, das kaiserliche
Stifterpaar, Heinrich und Kunigunde (auf dem linken Flügel), Maria mit
dem Kind und den HI. Pantalus, Basels ersten Bischof (auf dem rechten
Flügel), zwischen den Figuren im einen Fall eine Ansicht des Münsters,
im anderen musizierende Putti. Die monumentalen Gemälde hatten zwar
den Basler Bildersturm gut überstanden (wohl wegen ihres hohen
Anbringungsorts, elf Meter über dem Kirchenboden an der Nordseite des
Mittelschiffes), wurden aber bereits im Jahr 1639 durch Sixt Ringlin (und
vielleicht wiederholt in späteren Zeiten) übermalt. Das Aussehen
der Orgel vor der Abnahme der Holbeinschen Flügel überliefert eine
Zeichnung Emanel Büchels, die im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums
aufbewahrt wird. Ebenfalls zum Schatz des Kupferstichkabinetts gehört
Holbeins gezeichneter Entwurf für die Flügel.
Für die im Spätsommer geplante Ausstellung wird einer der beiden
Flügel mit grosser Sorgfalt und hohem Aufwand restauriert. Die Restaurierung
eines so bedeutenden künstlerischen Ensembles bedarf gründlicher
Voruntersuchungen und sehr sorgfältiger, schrittweise vorgehender Arbeit
die Ausstellung wird auch Einblick in dieses Restaurierungsverfahren
geben.
Hans Holbein (Augsburg 1497/98 - 1543 London) ist, zusammen mit seinem Bruder
Ambrosius (Augsburg 1494 - 1519 Basel?), seit dem Ende des Jahres 1515 in
Basel nachweisbar. Im Jahre 1520 erhielt Hans Holbein in Basel das
Bürgerrecht; im gleichen Jahr entstanden die (leider verlorenen)
Fassadenmalereien am Haus Zum Tanz", für die damalige Zeit
sensationelle Kompositionen mit kalkuliertem Spiel perspektivischen Gestaltens,
wie es auch an den Orgeiflügeln zu bewundern ist.Zwischen 1526 und 1528
hielt sich Holbein in England auf. Nach seiner Rückkehr erlebte er in
Basel Reformation und Bildersturm, erhielt jedoch noch Aufträge durch
den Rat der Stadt. Dennoch reiste er 1532 abermals nach London, um nur noch
einmal für kurze Zeit, im Herbst des Jahres 1538, zurückzukehren.
Dass seine Verbindung zu Basel für ihn trotzdem dauerhafte Gültigkeit
besass, beweist eine späte Selbstporträt-Zeichnung (Florenz, Uffizien),
auf der er sich als Basileensis" bezeichnet. Vielleicht hatte er kurz
vor seinem Lebensende die Absicht, an den Rhein zurückkehren; sein Tod
im Jahr 1543 verhinderte dies jedoch.
In der Ausstellung sollen neben den Orgelflügeln und Holbeins
Entwurfszeichnungen die im Historischen Museum befindlichen Überreste
des ursprünglich prächtig dekorierten Gehäuses gezeigt werden,
dazu eine ausführliche Dokumentation der Restaurierung.
|
|