Schwerpunktthema

Kurpfalz

Elisabeth Charlotte

besser bekannt unter dem Namen Liselotte von der Pfalz

 

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zu den Bildern Ihren Namen trägt sie von ihrer Großmutter Elisabth Stuart, der Frau des Kurfürsten Friedrich V., des „Winterkönigs", und ihrer Mutter Charlotte von Hessen-Kassel, der Frau des Kurfürsten Karl Ludwig. Geboren wurde sie am 27. Mai 1652 im Heidelberger Schloß als zweites Kind ihrer Eltern. Die Ehe ihrer Eltern war nicht glücklich, Liselotte blieb das letzte Kind - was sich für die Geschichte der Kurpfalz verhängnisvoll auswirken sollte. Ihr Vater Karl Ludwig heiratete, nachdem er sich von seiner Frau getrennt hatte, die junge Hofdame Louise von Degenfeld und richtete ihr das Schloß Schwetzingen als standesgemäßen Wohnsitz her. Da sie der lutherischen Konfession anhing, baute er ihr zu Ehren auch die lutherische Providenzkiche in Heidelberg.

Bereits im Alter von sieben Jahren kam Liselotte zu ihrer Tante Sophie, der Schwester Karl Ludwigs und Gemahlin des Herzogs Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg. Diese Sophie, von Liselotte zeitlebens innigst verehrt und „ma tante" genannt, war nach dem Erlöschen der pfälzischen Kurlinie Simmern im Jahre 1701 die einzige überlebende Erbin ihrer Mutter Elisabeth Stuart und damit Erbin des englischen Throns, der damit auf das Haus Braunschweig-Lüneburg überging.

Vier Jahre blieb Liselotte in Hannover, dann kehrte sie für die nächsten acht Jahre nach Heidelberg zurück.

1671, im Alter von 19 Jahren, verheiratete sie ihr Vater aus politischen Überlegungen mit dem Bruder des französischen Königs, Philipp von Orleans, um damit die Verbindung zu Frankreich zu festigen. Aus dieser Zeit stammt auch Karl Philipps Plan, mit französischer Unterstützung ein „Königreich Neustrien" zu begründen, dem in der Festung Mannheim eine großartige königliche Residenz gebaut werden sollte (Entwurf von Jean Marot, 1671). Residenz und Königreich blieben Pläne.

Liselotte war von 1671 bis zu ihrem Tod 1722 in die französische Hofetikette eingebunden. Der Vergleich ihrer Porträts zeigt, daß die Kompensation ihrer Enttäuschungen eine gewisse Zunahme der Leibesfülle nach sich zog. Vor allem aber schrieb sie ihre Gedanken und Beobachtungen nieder - fast 60000 Briefe schrieb sie während ihres 50jährigen Lebens am Versailler Hof, vor allem an ihre Tante Sophie. Sie schrieb in der ihr eigenen kräftigen, deutlichen, auch deftigen Sprache über alles, was nicht niet- und nagelfest war, über den Hof und seine Intrigen, über den König, die Politik, den Klatsch - und über ihre Sehnsucht nach der Pfalz, fragt immer wieder nach Heidelberg und nach Schwetzingen.

Liselotte überlebte viele ihrer engsten Verwandten und die meisten ihrer Widersacher, wie auch den König (gestorben 1715) und ihren Mann, der schon 1701 gestorben war. Sie starb am 8. Dezember 1722 im Schloß von St. Cloud, wo sie sich in ihren letzten Lebensjahren oft aufgehalten hatte, und wurde in der Königsgruft von St. Denis beigesetzt.

Saint-Simon, ein kritischer Beobachter am französischen Hof, schreibt über sie in seinen Memoiren: „Madame war eine Prinzessin nach altem Stil; sie hielt auf Ehre, Tugend, Rang, Größe und war unerbittlich in Hinsicht auf Schicklichkeit. Sie war nicht ohne Geist, und alles, was sie sah, sah sie sehr richtig. Eine gute und treue Freundin, zuverlässig, wahrhaftig, aufrichtig, leicht einnehmbar und verletzlich und sehr schwer eines Besseren zu überzeugen; grob, gefährlich wegen ihrer Vorliebe für Auftritte in der Öffentlichkeit, sehr deutsch in all ihren Lebensgewohnheiten, dabei freimütig, ohne Rücksicht auf Bequemlichkeiten für sich und andere, mäßig, schroff und voll eigener, wunderlicher Grillen."


Briefe der Liselotte von der Pfalz. Herausgegeben und eingeleitet von Helmuth Kiesel. Mit zeitgenössischen Porträts. Frankfurt: Insel Taschenbuch, 1981 - darin S. 256 - 260 eine Auswahl der wichtigsten Literatur zu Elisabeth Charlotte und den Briefen.


Heidelberg im Herbst:

Liselotte-Ausstellung

Die Ausstellung im Heidelberger Schloß will, ausgehend von den Briefen Liselottes, ihren einzigartigen Schicksalsweg nachzeichnen und eine Vorstellung vom Wesen ihrer Persönlichkeit vermitteln.

Der erste Teil ist ein Rückblick auf die historischen Ereignisse vor der Geburt Liselottes. Unter dem Titel "Vom Winterkönig zum Sonnenkönig. Die Kurpfalz im 17. Jahrhundert" wird Bezug genommen auf die Großeltern Liselottes, den Kurfürsten Friedrich V. und seine Frau Elisabeth Stuart, deren böhmisches Königtum, Flucht und Exil der Familie des "Winterkönigs" und die Wiedereinsetzung Karl Ludwigs als Kurfürst von der Pfalz. Der aus der Verheiratung Liselottes mit dem Bruder des französischen Königs resultierende Pfälzische Erbfolgekrieg nach dem Tode ihres kinderlos verstorbenen Bruders Karl leitet über zum Hauptteil der Ausstellung.

Hier wird Liselottes Persönlichkeit dargestellt, angefangen mit ihrer Kindheit und Jugend in Heidelberg und Hannover, über ihre Aufenthalte in Holland und auf der Iburg bei Osnabrück bis hin zu ihren Jahren am Hofe von Versailles. Zahlreiche Porträts Liselottes in verschiedenen Lebensstadien zeigen zum ersten Mal diese außergewöhnliche Frau in einem Längsschnitt durch ihr ganzes Leben.

Dazu gehört ihr familiäres Umfeld mit Großeltern, Eltern, Bruder und Halbgeschwistern, sowie ihrem Mann und ihren Kinder, ihrem Schwager Ludwig XIV. und ihrer zahlreichen berühmten Verwandtschaft. Gemälde, Kupferstiche, Miniaturen, Medaillen und personenbezogene Objekte zeichnen ihren Lebensweg, die Kunst und Kultur des französischen Absolutismus nach.

mehr Literatur über Liselotte gibts hier


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zusammengestellt von:
Badische Heimat, Bezirksgruppe Bergstraße-Neckartal, Dr. Christoph Bühler
Wir bitten um Verbesserungs- und Ergänzungsvorschläge an ChBuehler@aol.com