Ihr seid doch nicht allein auf der Welt... und tut nicht so, als gäb's kein Morgen!


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Die Ölparty ist vorbei: das Festhalten an der Fossilwirtschaft schafft eine trügerische Komfortzone, die wir umgehend verlassen müssen - denn dieser Komfort ist nicht (im ökologischen Sinne) nachhaltig,
und damit auch kein stabiler Wohlstand.
Nachhaltig daran (im Wortsinn) ist nur die Vernichtung unserer Lebensgrundlagen.
Die Erneuerbaren Energien haben endlich Kostenparität erreicht, und so steht die Weltwirtschaft allein aus simplen wirtschaftlichen Zwängen heraus vor einer disruptiven Klimawende. Wer sie nicht mitgestaltet, wird abgehängt, und möglicherweise sogar für Klimaschäden zur Verantwortung gezogen.

Harald Thielen-Redlich
Lehrer für Biologie und Chemie
zuletzt bearbeitet: 17.10.2020



... und tut nicht so, als gäb's kein Morgen!

Aktuell



Die Zeit für planvolle Koordination im Klimaschutz läuft ab. Mit jedem Tag des Zögerns werden Zeitdruck, Anstrengungen und Opfer für die notwendigen Maßnahmen zum Einhalten des Pariser Abkommens von 2015 größer - und zwar nicht linear, sondern exponentiell.
Die Entwicklung der CO2-Emissionen folgen den pessimistischsten Szenarien des IPCC. Gleichzeitig kommt die aktuelle IPCC-Prognose (2013) der realen Entwicklung eines fatalen Kipppunkts bei Weitem nicht hinterher: 2019 wurde eine Auftaurate von sibirischem Permafrost beobachtet, die für 2090 vorhergesagt wurde. Riesige Methanblasen setzen weitere große Treibhausgasmengen frei, dunkle Flächen reflektieren weniger Sonnenlicht ins All.
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Das UBA hatte schon 2006 gewarnt:
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Das UN-Büro für Katastrophenvorsorge UNDRR registriert für die letzten 20 Jahre eine Verdopplung klimabedingter Naturkatastrophen gegenüber den Vorjahren.
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An die ständigen Extremwetter-Meldungen aus aller Welt haben sich Viele schulterzuckend gewöhnt. In Mitteleuropa herrscht 2020 eine historische Dürre, die über drei Jahre ein enormes Regendefizit aufgebaut hat. Der Boden ist bis in tiefe Schichten ausgetrocknet.

Die aktuelle Klima- und Biosphärenforschung prognostiziert für eine weitere Verschleppung drastischer Klimaschutzmaßnahmen für 2070 die Überhitzung des Lebensraus von 1-3 Milliarden Menschen, das ist 100.000 bis 300.000 mal die Zahl der Migranten im Auffanglager Moria.
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Zum Ende des Jahrhunderts droht eine Plus-4-Grad-Welt, die nur noch maximal eine [sic!] Milliarde Menschen ernähren kann.
Noch einmal: eine Plus-4-Grad-Welt kann nur maximal eine Milliarde Menschen ernähren.
Eine einzige Milliarde, maximal.
Vorherige Schätzungen gingen von Hunderten Millionen Klimaflüchtlingen aus.
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Egal, wie hoch die Zahlen letztlich werden: jeder einzelne Klimaflüchtling ist einer zuviel. Wieviel Auseinandersetzung, Kampf, Tod und Elend das bedeutet, scheint sich von den Verantwortlichen niemand auch nur ansatzweise vorstellen zu können oder zu wollen. Eine Fahrlässigkeit noch nie gekannten Ausmaßes.
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Beim weltökonomischen Forum in Davos sind Klimaschutz-Versagen, Extremwetter und Biodiversitäts-Verlust bei den Langfrist-Risiken in allen Umfragen auf den Plätzen 1-3.
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Ökonomen des University College London UCL, das zu den 5 höchstbewerteten Universitäten des Landes zählt, schätzen die klimabedingten jährlichen wirtschaftlichen Schäden des Jahres 2070 bei Verzicht auf Klimaschutz auf 5,4 Billionen US-$ - ein Wert, der sich ab dann laut Schätzung noch in die zig Billionen steigern kann.
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Die von der Bundesregierung geplante Reduktion der Emissionen bis 2050 auf Netto-Null reichen bei Weitem nicht für das 2°-, geschweige denn für das 1,5°-Ziel aus. Und da sind die Rückkopplungseffekte noch gar nicht eingerechnet. Wir brauchen maximale Anstrengungen der Reduktion, rechnerisches Ziel ist Netto-Null für 2035. Das ist angesichts der Preise für erneuerbare Energien und des Reduktionspotentials an Fleischkonsum und Flugverkehr absolut machbar - es muss nur politisch gewollt, erklärt und durchgesetzt werden.
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Auf die Defizite seiner Politik angesprochen, leistet Wirtschaftsminister Altmaier bei Anne Will (ARD) am 22.09.2019 seinen klimapolitischen Offenbarungseid: "Ja aber wissen Sie, ich hab' die Menschen gefragt, ob sie mitbekommen haben, was der Sachverständigenrat uns empfohlen hat, Herr Edenhofer und sein Potsdamer Institut, das ist in der Öffentlichkeit nicht verankert. Und die Politik hat auch nur begrenzte Möglichkeiten etwas zu kommunizieren, [...] aber ich hab' bisher noch nicht denjenigen gesehen, der uns erklärt hat, wie das am besten geht."
Am 04.08.2020 wird er noch deutlicher: "Ich gebe allerdings zu, dass wir in den letzten Jahren auch Fehler gemacht und zu spät gehandelt haben."
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Bei der Frage, wie diese Beteuerungen Altmaiers zu verstehen sind, lohnt sich ein Blick in die Archive. So sei hier noch einmal an Altmaiers Eine-Billion-Euro-Kampagne erinnert. Auch muss man bedenken, dass Altmaier und seine Mitarbeiter enge Beziehungen zu Anti-Windkraft-Aktivisten pflegen, der Vorsitzende von Vernunftkraft e.V. sitzt in seinem Stab. Vor diesem Hintergrund versteht man dann auch seine süffisante Bemerkung bei Maybrit Illner am 24.01.2020 als triumphierende Selbstoffenbarung: "Wir sind eine Demokratie, wo uns gerade die Grünen gezeigt haben, dass es wichtig ist, mit den Menschen vor Ort zu reden, und sie haben Bürgerinitiativen zu allen möglichen Themen organisiert. Und damit müssen sie jetzt leben, dass sich Menschen bei Themen zu Wort melden, die ihnen vielleicht nicht ganz so genehm sind."
Altmaier erweist sich nicht nur als der Gesetze-Macher der Energiekehrtwende, sondern auch als ihr oberster Stimmungs-Macher.

Statt die Bevölkerung zu informieren, betreibt die Regierung also selbst Desinformation oder überlässt dieses Feld fossilwirtschaftlichen Interessengruppen. Weitere Beispiele: Agrarindustrie, Autoindustrie, Verpackungsindustrie, Energieversorger, Industrieverbände, ... .

In keinem Industrieland hat Windkraft einen so schlechten Ruf wie in Deutschland - völlig zu Unrecht: Details hier.
Dasselbe gilt für Elektroautos. Wenn die vielen unberechtigten Befürchtungen und kulturellen Vorbehalte nicht wären, hätten Elektroautos und Wärmepumpen durch ihren enormen Betriebskostenvorteil mit Eigen-PV weit größere Marktchancen: Details hier und hier.
Die großen Hoffnungen der Verbrenner-Industrie, deren Beschäftigten und vieler Verbrenner-Besitzer liegen auf alternativen Brennstoffen, oder auf zukünftigen Brennstoffzellen-Autos. Diese Hoffnungen haben jedoch überhaupt keine nachhaltige Grundlage - man fragt sich, warum sie derart vehement genährt werden. Details hier und hier.

2006, ein Jahr nach Altmaiers Amtsantritt, hatte der Stern-Report sogar die Börsen und Regierungen der Welt mit seinem Blick auf die Klimakrise erschüttert, während die Zivilgesellschaft selbst in den USA heftig über Al Gores Doku "Eine unbequeme Wahrheit" diskutierte. Nicholas Stern war Weltbank-Chefökonom, und bezeichnete damals die Entwicklung als "das größte Marktversagen der Geschichte". Er warnte eindringlich vor weiteren Verzögerungen im durchgreifenden Klimaschutz. Andere prominente Ökonomen unterstützten ihn mit deutlichen Worten, u.a. Nobel-Gedächtnispreis-Träger: Robert Solow nannte die umfassende Studie "ruhig, durchdacht und sorgfältig argumentierend", Amartya Sen meinte, die Welt wäre geradezu "dumm", ignorierte sie Sterns Botschaft. Schon 1977 hatte ein anderer späterer Preisträger, William Nordhaus, eine CO2-Steuer gefordert.
2018 war das alles vergessen, den jährlichen fruchtlosen UN-Klimakonferenzen zum Trotz. Eine erdrückende Mehrheit der Konservativen und Liberalen hatte so zunächst nur Begriffe wie "Hysterie" und "Religion" für eine Jugend-Protestbewegung übrig, die nichts anderes tat als auf den weitgehenden Konsens in Klima-, Bio-, Agrar- und Energiewissenschaften, sowie Ökonomen wie Stern zu verweisen.
Erst nach einer breiten zivilgesellschaftlichen Resonanz, die sich auch in Wahlergebnissen niederschlug, änderte sich der Ton schlagartig. Außerhalb der extremen Rechten betont jetzt die überwiegende Mehrheit der Politiker, allen voran Merkel und Altmaier, den dringenden Handlungsbedarf in der Klimafrage. Sie loben die jugendlichen AktivistInnen für die Bewegung, die sie in der Zivilgesellschaft ausgelöst haben, und äußern ihre Hoffnung auf eine Legitimation für mehr Klimaschutz, den sie in fatalem Missverständnis der Sachlage verknüpfen wollen mit der vorherrschenden Ideologie ewigen Wachstums.

Doch kann man dies vor allem als Beschwichtigung für die Empörten sehen, und als Beruhigung für die Besorgten. Denn die CO2-Abgabe ist viel zu niedrig, der Kohleausstieg wird entgegen internationaler Trends planwirtschaftlich hinausgezögert, die Verkehrswende setzt v.a. auf die langsame Umstellung auf neue Antriebe statt auf Rad und ÖPNV, und auch die deutsche Agrarwende kommt gegen die Blockade der Agrarlobby nicht voran. Nur die Energiewende, die mittlerweile unausweichlich geworden ist, wird jetzt vorangetrieben von den großen Energieversorgern - natürlich nach ihren Regeln, d.h. auch massiv gebremst.
Die geplante Reform des EEG vernichtet Hermann Scheers Bürger-Energiewende (ohne die die globale Energiewende zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht absehbar wäre). Im April sind Pläne der Netzbetreiber bekannt geworden, die Bürger-Energiewende weiter auszubremsen - zumindest die Stromspeicherung (als wichtiger Baustein) würde nach diesen Plänen unrentabel, wahrscheinlich auch die ganze Bürger-PV. Details hier.
Die Strategie: Bürger-Energiewende unterbinden, PV-Großanlagen und teure Offshore-Windkraft fördern, Methan und Wasserstoff importieren - d.h. Energie soll weiter zentral über Netze von den Energieversorgern verteilt werden, selbst wenn wir weiter von Energieimporten abhängig bleiben. Forschungsministerin Karliczek: "Wasserstoff ist das Öl von morgen." Bedenkt man die unzähligen außenpolitischen Kompromisse, die wir in Rücksicht auf unsere Energielieferanten gemacht haben und machen, eine düstere Perspektive. Details hier und hier.
Während also die nachhaltige Energiesouveränität der Bürger immer weiter blockiert wird, liest man in den "sozialen Medien" und Blogs immer wieder populistische Kommentare von "drohender Abzocke durch die Öko-Lobby". Tatsächlich bedroht die Bürger-Energiewende von unten die wirtschaftliche Machtposition der Energieversorger, und diese sichern nun ihre Position durch Kontrolle der erneuerbaren Energien - unterstützt von Populisten.
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Die Energiewende ist - wie von den EEG-Machern wie Hermann Scheer vorhergesagt - profitabel geworden, weil die Erneuerbaren nach einer Phase der Subventionierung kostengünstig geworden sind. Deshalb treibt die globale Finanz- und Versicherungswirtschaft ihrerseits eine Klimawende des Profits mit Billionen von Dollar und Euro voran. Das wird jedoch nicht immer im Sinne der BürgerInnen sein, und irgendwann werden die konservativen Regierungen zu Getriebenen der lange verschlafenen Disruption. Die abgehängten Volkswirtschaften, die dann noch von fossilen Brennstoffen abhängig sind, müssen mit Strafzahlungen für Klimaschäden rechnen.

In aller Kürze auf den Punkt gebracht: im Youtube-Kanal Klartext Klima greifen Klimaforscher Stefan Rahmstorf, Energiewissenschaftler Volker Quaschning und ZDF-Meteorologe Özden Terli die aktuellen Top-Themen der Klimapolitik auf, in Folge 4 mit Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert.


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... und tut nicht so, als gäb's kein Morgen!

Zusammenfassung



  1. Die vielen Krisen der Biosphäre, v.a. durch Klimaerwärmung, Überdüngung, Schadstoffimmission und Landnutzung, schreiten immer schneller in Richtung Katastrophe, so wie es die Wissenschaft seit vielen Jahrzehnten vorhersagt. Doch selbst heute noch dürfen Klima- und andere Ökologieskeptiker Desinformation betreiben, ohne dass Politik, Bildungseinrichtungen und Medien dem ernsthaft entgegenwirken würden.
    Erst in letzter Zeit beginnen einzelne Justiz-Verfahren wegen Irreführung der Öffentlichkeit - aber nicht etwa um Generationengerechtigkeit zu schaffen, sondern dahinter stecken handfeste wirtschaftliche Interessen..
  2. "Soziale" Netzwerke werden als Motor des Fortschritts mit niedrigen Steuersätzen und liberaler Gesetzgebung unterstützt, helfen aber durch teils gezielte Verbreitung von Desinformation und nachweislichen Lügen rechtskonservativen Populisten, die liberalen Demokratien zu unterhöhlen. Auf besondere Resonanz stoßen sie mit der Leugnung der unbequemen Wahrheit, dass die Industriegesellschaften ihren eigenen Untergang immer schneller befördern.
  3. Artenschutz wird bei uns in oftmals kleinen Reservaten betrieben, die mangels Biotop-Vernetzung das Artensterben nicht aufhalten können. Sie sind kleine Inseln in einem riesigen Meer aus ökologisch mehr oder weniger toten Landwirtschafts-, Verkehrs- und Siedlungsflächen.
    Seit Jahrzehnten wird die industrielle Landwirtschaft subventioniert, obwohl von Anfang an vom Bauernsterben die Rede war und die Wissenschaft vor dem Kollaps der Agrar-Ökosysteme warnte, unter anderem einer fatalen Degradation des Bodens, die zudem das Klimaproblem massiv verschärft. Viele Studien zeigen, dass nur eine ökologische Landwirtschaft nachhaltig die Ernährung sicherstellen und auch 10 Milliarden Menschen ernähren kann. Durch Desinformation sind immer noch viele vom Gegenteil überzeugt.
  4. Die Müllkippen und Rauchwolken der 70er sind verschwunden; doch Biosphärenschutz hierzulande erschöpft sich in Emissions-Grenzwerten, die durch jahrzehntelange Immissionen zu einer kritischen Anreicherung von Dünger und unzähligen stabilen Problemstoffen geführt haben. Über die wahre Situation herrscht in weiten Teilen Desinformation.
  5. Die Umweltbewegung hatte ihren Höhepunkt in den 80er Jahren. Durch mangelnde Lieferketten-Kontrolle, vom Rohstoff bis zur Müllbeseitigung, und durch Desinformation wurde mit der Globalisierung eine Verlagerung der Ressourcen- und Menschen-Ausbeutung ins Ausland und ein Steuer- und Auflagen-Unterbietungs-Wettbewerb für Konzerne möglich, der die Handlungsfähigkeit der Staaten immer weiter einschränkt.
  6. So wurde in den Industrieländern ein Konsumniveau erreicht, das zwar keine wirklich bedeutende Steigerung von Wohlstand oder Glück bewirkt, allerdings das Überleben der Menschheit in Frage stellt. Dennoch wird durch Desinformation Angst vor Beschränkungen geschürt, und vor politischen Verwerfungen wegen dieser Beschränkungen.
  7. Erneuerbare Energien (EE) boomen weltweit und könnten den Bürgern eine günstige, CO2-freie Energieversorgung ermöglichen. In den ärmsten Entwicklungsländern basiert die Energieversorgung immer häufiger auf PV und Akkus. Entgegen einhelligen Empfehlungen und Forderungen der Wissenschaft hat deutsche Politik der letzten 10 Jahre dazu geführt, dass der Zubau der EE 2019 nahezu stillstand - mit Ausnahme von Offshore-Windparks, die ausnahmslos von großen Energieversorgern betrieben werden. Und mit Ausnahme der PV, die gerade vor dem Verschließen des PV-Deckels noch einen letzten Boom erlebte.
    Dass dabei Offshore-Windkraft nahezu doppelt so teuer sein darf wie ihre ungeliebte Schwester Onshore, ist ein wirklich bemerkenswertes Detail.
    Diese Politik wird von denselben Lobbygruppen bestimmt, die in großen Desinformations-Kampagnen den EE die hohen Strompreise zuschreiben.
  8. Gegen Elektroautos wurden in Deutschland jahrelang sehr erfolgreich Desinformations-Kampagnen betrieben - obwohl die Autos sehr zuverlässig funktionieren und die Betriebskosten mit Eigen-PV nur einen kleinen Bruchteil der von Verbrennern betragen.
  9. Brennstoffzellen-Autos und sogar ein Weiterbetrieb der Verbrenner mit alternativen P2L-Treibstoffen werden in Desinformations-Kampagnen als Lösung für Individualmobilität dargestellt. Dabei liegen die benötigten Mengen an EE im Vergleich zu Akku-Elektroautos um ein Vielfaches höher (Brennstoffzelle: 2-3fach, P2L 6-7fach). Stattdessen benötigt man P2L dringend für die saisonale Speicherung der EE in der Sektorenkopplung.
  10. Die Weichenstellungen gegen Onshore-Windräder werden von Wirtschaftsminister Altmaier gerechtfertigt durch die nationale Wasserstoff-Strategie, die eine Fortsetzung der deutschen Abhängigkeit von Energie-Importen bedeutet, und eine Fortsetzung der zentralen Versorgung durch Energiekonzerne zementiert. Begleitet wird diese Politik von Desinformation durch Windkraft-Gegner, zu denen Altmaier und seine Mitarbeiter enge Kontakte pflegen.
  11. Anstatt die echten politischen Ursachen prekärer Lebensumstände wirksam zu adressieren, versprechen Fossilökonomisten dem Bürger Wohlstandssicherung durch billigen Strom, billige Mobilität und billige Nahrung. Dank Desinformation können sie behaupten, das sei nur durch Ausbremsen der Energiewende, industrielle Landwirtschaft und Festhalten am Verbrenner möglich. Dass der dadurch drohende Wohlstandsverlust der kommenden Generationen dramatisch sein wird, leugnen sie einfach.
  12. Die Verantwortung wird in der Demokratie hin- und hergeschoben: zuständige MinisterInnen wie Altmaier oder Klöckner beklagen mangelnde Unterstützung durch die Bevölkerung für Umweltgesetze, im Gegenzug weisen Konsumenten auf die Verantwortung der Obrigkeit, die sie selbst gewählt haben.
  13. Während Finanzminister Scholz den kommenden Generationen geringe Staatsschulden verspricht, sorgt deutsche Politik für eine immense, galoppierende Vernichtung von lebensnotwendigen Ressourcen: das ist Desinformation. In Wirklichkeit leben wir heute auf Kosten unserer Nachkommen.
  14. Dabei sagen Ökonomen seit Jahrzehnten ohnehin einen Zusammenbruch des lange schon maroden Geldsystems voraus. Die Subprime-Krise war ein deutliches Anzeichen. Mit der Corona-Krise könnte dieser Moment gekommen sein. Man rettet das von Ausbeutung angetriebene System mittels Verschuldung (die per Zinsen wieder den Reichen zugute kommt) bisher von Krise zu Krise, anstatt die Rettungsgelder zukunftsorientiert einzusetzen. Man ist fixiert auf Wachstum, ohne das sich das neoliberale Versprechen vom "Trickle-Down-Effekt" nicht einlösen lässt, ohne das vor allem aber die immensen Zinsen, Renditen und Mieten an die Investoren nicht gezahlt werden können. Die Geldmenge ist längst um ein Vielfaches höher als die Gegenwerte - d.h. die Währungen völlig überbewertet und eine Entwertung droht. Im Vergleich zu einer Klimakatastrophe ganz sicher ein um Welten geringeres Problem. Natürlich versucht die Geldelite eine Geldentwertung mit allen Mitteln zu verhindern, obwohl eine Entwertung die von immer mehr Ökonomen beklagte Schieflage der Besitzverhältnisse mildern würde. Ein Grundschulkind kann nachvollziehen, warum ewiges Wachstum auf einem begrenzten Planeten unmöglich ist. Dennoch erklärt die Politik ihr Vorgehen als alternativlos: Desinformation.
  15. Die Industriestaaten haben sich in eine fatale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen begeben. Nicht nur, dass die gesamte Volkswirtschaft bei Ausbleiben des Ölstroms abbricht. Die Finanzierung des Staatshaushalts läuft zu einem nicht unbedeutenden Teil über die Besteuerung der fossilen Energieversorgung. Die Bürgerenergiewende nach Hermann Scheer bedroht nicht nur das Geschäftsmodell der Energieversorger, sondern würde auch eine andere Steuerpolitik erfordern.
    Nur wenige Versuche wurden unternommen, aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu entkommen. Beispiele findet man in Skandinavien und in der deutschen Energiewende der Nuller Jahre, die aber danach durch Altmaiers Restaurationspolitik wieder zum Stillstand kam.
  16. Indem immer weiter Subventionen in Fossil- und Agrarunternehmen gepumpt werden, ignoriert man die immer lauter werdenden Warnungen aus der Wirtschaft vor dem Platzen der Carbon Bubble, das ohne Vorsorge einen Großteil der Arbeitsplätze und Werte vernichten wird. Die mittel- und langfristig unschätzbaren Risiken des Status Quo sind den meisten Bürgern nicht klar; man wiegt sie in falscher Sicherheit: das ist Desinformation.
  17. Der Strukturwandel in der Kohleverstromung kostet weniger als 10.000 Arbeitsplätze, was in der medialen Desinformation eine große Rolle spielt. Dabei sind in der Zukunftsbranche der EE bereits weit über 100.000 Arbeitsplätze und wichtige Schlüssel-Produktionsanlagen verloren gegangen, das Bauernsterben durch Industrialisierung der Landwitschaft ein Vielfaches davon.
  18. Der aufgeklärte, zukunftsorientierte Teil der Jugend ist verunsichert über die berufliche Zukunft, genauso wie viele junge potentielle Leistungsträger - Berufseinsteiger und grüne Start-Ups - keine Planungssicherheit haben: Desorientierung.

Es gilt nicht mehr der Satz: Denn sie wissen nicht, was sie tun.
Heute muß es heißen: Sie tun nicht, was sie wissen.
Robert Jungk

Und viele sagen auch nicht, was sie wissen. Denn Wissen ist Macht.


Tell the truth!
Extinction Rebellion





... und tut nicht so, als gäb's kein Morgen!

Inhalt

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... und tut nicht so, als gäb's kein Morgen!

Sind wir noch zu retten?



Wir alle gefährden heute die Lebensbedingungen der Jüngeren in der Zukunft, doch die Ablehnung von Klimaschutz ist besonders ausgeprägt in den älteren Generationen. In unserer Gesellschaft sind die Möglichkeiten von Konsum und Mobilität über mehrere Generationen hinweg immer weiter gewachsen. Der Segen, der bisher die Zukunftschancen der Kinder verbessert hat, wird zum entsetzlichen Fluch. Deshalb setzt sich die Erkenntnis jetzt viel zu spät durch, um die Maßnahmen konfliktarm durchsetzen zu können. Der US-Päsidentschaftskandidat Al Gore nannte seine Filme zum Thema deshalb treffend 2006 "eine unbequeme Wahrheit" und 2017 "immer noch eine unbequeme Wahrheit".
Ja, sie setzt sich langsam durch, und zwar erst durch massiven Druck der Jugendlichen. Sie erklären Biosphären- und Klimaschutz immer lauter zu einer Frage der Generationengerechtigkeit.
Das umfassende Vernichtungspotential der fossilen Brennstoffe wird mit jedem Jahr erschreckender sichtbar.
Klimaschutz wird seit den 50er Jahren von der Wissenschaft gefordert, von der Politik zuerst aufgeschoben und dann hartnäckig behindert. Und so droht schlussendlich ein Generationenkonflikt aufzubrechen:
Wollen wir die kurzfristige Bewahrung des fossilen Lebensstils für eine Minderheit - um den Preis globaler Megakatastrophen mit Chaos, explosivem Massenaussterben von Arten, unzähligen Flüchtlingen und Toten? Oder entschließen wir uns endlich für die langfristige Bewahrung unserer Lebensgrundlagen?

So geht es im Klimaschutz nicht weiter. Spätestens seit den Schülerprotesten von Fridays for future ist die Wissenschaft endlich bei den meisten in den Horizont gerückt, wenn auch meist noch nicht in ihrer ganzen Tragweite. Und noch gar nicht bei der Mehrheit der Rechtskonservativen und Libertären, die sich immer noch als Klimaskeptiker und -Relativisten in der Zivilgesellschaft lautstark einmischen.

Manche Klimaskeptiker verbreiten ihre Thesen bewusst und wider besseren Wissens - weil sie als Profis dafür bezahlt werden oder weil sie es politisch für opportun halten. Sie lügen also, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Innerlich überzeugte Klimaskeptiker dagegen halten daran fest, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: sie bezweifeln noch immer die Zuverlässigkeit von Berechnungen, mit denen die Entwicklung seit Jahrzehnten beeindruckend genau vorhergesagt, aber auch im Nachhinein nachgerechnet werden kann - deren Verlässlichkeit also von der Natur selbst nachgewiesen wurde. Und die mit heutigem Kenntnisstand und Technik immer verlässlicher geworden sind.
Eine Erwärmung sehen viele Rechtskonservative mittlerweile schon als Bedrohung - allerdings nur für die Entwicklungsländer. Sie meinen, die Industrieländer könnten sich anpassen - und deshalb sei Klimaschutz nicht zwingend notwendig, vor allem, weil er sich gar nicht mehr verhindern lasse. Und das wohlgemerkt, nachdem sie jahr(zehnte)lang gegen die Klimaschutz-Bewegung aktiv waren.
Hier zeigt sich ungeschminkt ein skandalöser Sozialdarwinismus, der im krassen Widerspruch zu den wichtigsten moralischen Grundsätzen unserer freiheitlichen christlich-abendländischen Gesellschaft steht. Einer moralischen Ausrichtung, die gerade dieselben Konservativen durch kulturelle Offenheit bedroht sehen.
Immerhin kommen manche von ihnen ins Zweifeln, z.B. wenn sie den Widerspruch zwischen interner und externer Kommunikation beim Ölgiganten Exxon erkennen: im Jahr 1982 haben interne Forschungsergebnisse CO2-Konzentration und Temperatur von 2019 exakt vorhergesagt - die klimaskeptischen Medienkampagnen der Folgejahre sind bekannt:
Siehe im pdf-Dokument S. 14: [Glaser 1982]
[Probst 2017]
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[CCCC 2019]

Kommt es dann bei Klimaskeptikern endlich zur Erkenntnis ihrer Lebenslüge (bzw. zum Bekenntnis ihres vermeintlichen Irrtums, bewusste Lügen werden sie selten zugeben), fällt allzu vielen von ihnen nichts Besseres ein als die Kapitulation vor dem Problem: nach ihrem Weltbild ist die Menschheit unfähig, das Problem zu lösen. Sie sehen sich angesichts der notwendigen gesellschaftlichen Auseinandersetzung vor einem unlösbaren Dilemma: wenn alle Optionen mit potentiellen Nachteilen behaftet sind, entscheiden sie sich für die Bewahrung der Verhältnisse, selbst wenn das den Untergang bedeutet. Leider fordern sie von ihren Zeitgenossen und der Politik das Gleiche.

Aufgeben ist immerhin nicht jedes Konservativen Sache. Beispiele sind die republikanischen US-Politiker Bob Inglis, Newt Gingrich, John McCain und - besonders bemerkenswert - der Kommunikations-Stratege Frank Luntz. Der wurde beim Live-Erlebnis eines Waldbrands in Kalifornien vom Profi-Klimaskeptiker zum Klimaschützer.
Ohne Einbeziehung der Konservativen ist ein zivilgesellschaftliches Umdenken pro Klimawende nicht zu schaffen. Auf sie kommt es jetzt an.
[Wikipedia 2020 - Frank Luntz]
[Yoder 2019]

Dem weniger interessierten Normalbürger, der schon vorher in anderen Politikfeldern seine erlernte Hilflosigkeit ("ich kann ja eh' nichts ausrichten") lange Jahre entwickelt und gepflegt hat, war diese bequeme Haltung bisher willkommene Rechtfertigung für Nichtstun.

Dabei spielen subtile Kampagnen in (v.a. privaten) Medien, und in "sozialen" Netzwerken eine Rolle, deren Wirkung man nicht hoch genug einschätzen kann. Auch auf eine Aufarbeitung dieser Entwicklungen und einen Wandel der gesamten Medienkultur kommt es jetzt an.

Dazu der PIK-Gründer und Mit-Initiator der Stiftung Generationengerechtigkeit:


Was die Welt jetzt braucht, ist der Mut und die Hoffnung der Jugend. Lasst Euch nicht täuschen von denen, die Euch einreden wollen, dass die Erde nicht mehr zu retten sei. Denn das sind genau diejenigen, die nie ernsthaft versucht haben, sie zu retten.
Hans-Joachim Schellnhuber

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[Generationenstiftung 2019]

Selbst in der Corona-Krise, wo die Frage der Generationengerechtigkeit für alle offensichtlich knallrot und fett auf der Agenda steht, weigern sich konservative Medien beharrlich, den logischen Umkehrschluss zu ziehen:

So wütet Ulf Poschardt, Chefredakteur der konservativen Springer-Zeitung Die Welt, am 19.03. in seinem Kommentar über unsoziales Verhalten in der Corona-Krise Zitat: Bemerkenswerte Schriften würdigt man mit einem Versatzstück, und so kommentiere ich hier und jetzt die Klima-Krise, frei nach Ulf Poschardt: Stattdessen entrüstet sich Ralf Fücks zu diesem Thema in derselben Ausgabe dieser konservativen Zeitung über eine derartige Analogie. Zitat:
"Das Unvermögen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
(Immanuel Kant)
"Weshalb wir aus der Corona-Not keine ökologische Tugend machen sollten
[...] Unsere Gesellschaft tut oft aufgeklärt, ist es aber in weiten Teilen nicht. Die Unmündigen präsentieren sich aktuell in privaten Corona-Partys, gemeinsam abhängend im Englischen Garten, vor Eisdielen in Berliner Trendkiezen. Unsere Gesellschaft tut oft aufgeklärt, ist es aber in weiten Teilen nicht. Die Unmündigen fossilen Reaktionäre präsentieren sich aktuell in privaten Corona-Partys am Ballermann, gemeinsam abhängend im Englischen Garten, vor Eisdielen in Berliner Trendkiezen in der Flughafen-Lounge, auf Kreuzfahrt-Schiffen, beim Fashion- und beim Beauty-Event, beim Drängeln um die besten Schnäppchen beim Black Friday, beim Wettrennen an der Ampel, auf der Autobahn oder gar beim Streetracing. [...] Analogie zwischen Corona-Krise und Klimawandel ist unhaltbar
[...] Angesichts der Pandemie sind wir bereit, uns selbst einzuschränken und massive staatliche Eingriffe in unseren Alltag hinzunehmen – weshalb nicht auch angesichts des Klimawandels?
Solche Fantasien von einem ökologischen Notstandsregime sind nicht nur zutiefst autoritär. Die Analogie zwischen Corona-Krise und Klimawandel ist auch in der Sache unhaltbar. Eine Virenpandemie ist monokausal. Dagegen ist der Klimawandel eine hochkomplexe Angelegenheit. Er speist sich aus vielen Quellen: Energieproduktion und Verkehr, Landwirtschaft und Industrie, Wohnen und Städtebau. Zu glauben, er ließe sich durch einige grobe ordnungsrechtliche Eingriffe aufhalten, ist bestenfalls naiv."
Zitat Ende.
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Es sind oft junge Menschen, die glauben, dass ihnen das Corona-Virus nichts anhaben kann. Es sind oft junge ältere Menschen, die glauben, dass ihnen das Corona-Virus die Klimakrise nichts anhaben kann.
Im Supermarkt rücken aber auch Ältere den besorgten Vätern und Müttern auf die Pelle, Im Supermarkt öffentlichen Diskurs rücken aber auch Ältere jüngere Wutbürger den besorgten Vätern und Müttern Klima-Aktivisten auf die Pelle,
drängeln am Bankautomaten, drängeln am Bankautomaten vertreten klimaskeptische Positionen,
verweigern sich dem kategorischen Imperativ, einfach mal zu Hause zu bleiben, wenn es irgend geht. verweigern sich dem kategorischen Imperativ, einfach mal zu Hause zu bleiben CO2 zu sparen, wenn es irgend geht.
Wer seiner tumben Idee von Freiheit in unsozialer Indifferenz die Schwächsten zu opfern bereit ist, hat weniger unser Mitleid als unsere Sanktionen verdient." Zitat Ende.
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Wer seiner tumben Idee von Freiheit in unsozialer Indifferenz die Schwächsten zu opfern bereit ist, hat weniger unser Mitleid als unsere Sanktionen verdient. Noch haben wir die Gelegenheit, einen Konsens für wirksamen Klimaschutz zu erreichen, aber der Fortschritt der Klimakrise lässt diese Chance jeden Tag schwinden.

Gewichtig wird Poschardts Wutrede durch ihren doppelten Verweis auf Kant. Dieses Gewicht könnte sich noch als argumentativer Mühlstein erweisen, denn er ist einer der prominenten Verfechter persönlicher und wirtschaftlicher Freiheit.

Als Rechtfertigung für ihre Klimapolitik tragen Konservative ihr jahrzehntealtes Narrativ von der Unmöglichkeit dieses Unterfangens vor, einem Dilemma zwischen Müssen und Nicht-Können, Liberale ihr Lamento vom Verlust der Freiheit.
Besonders der kategorische Imperativ wird hier noch öfter interpretiert werden. Er wird oft mit den folgenden Sinnsprüchen wiedergegeben (auch wenn man diese bei Kant nicht findet, und ihre Ursprünge wohl vor Kant liegen):


Die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen anfängt.

Oder noch treffender:


Die Freiheit des einen hört da auf, wo das Recht des anderen anfängt.

Im Original schrieb Kant:


Das Recht ist also der Inbegriff der Bedingungen, unter denen die Willkür des einen mit der Willkür des andern nach einem allgemeinen Gesetze der Freiheit zusammen vereinigt werden kann. [...]
Eine jede Handlung ist recht, die oder nach deren Maxime die Freiheit der Willkür eines jeden mit jedermanns Freiheit nach einem allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann.
Immanuel Kant

[Kant 1797]

Womit wir beim Gesetzgeber wären. Nicht mehr wie zu Kants Zeiten im Heiligen Römischen Reich der Adel, sondern vom Souverän (=uns) gewählte Parlamente.

Die deutschen Parteien (mit Ausnahme der AfD) bekennen sich seit Jahrzehnten zum Klimaschutz - Christdemokraten betonen in christlich-konservativer Tradition das Motiv von der "Bewahrung der Schöpfung", Sozialdemokraten haben schon vor Jahren den Begriff der "Ökologisch-sozialen Marktwirtschaft" geprägt, die sich am Gemeinwohl nach Aristoteles orientiert.
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Allein ihre Maßnahmen für Klimaschutz bis 2019 hat die Kanzlerin (wie die ihrer Vorgänger) selbst als unzureichend erkannt. Merkel sprach von "Pillepalle" im Klimaschutz.
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Nach den epochalen Jugendprotesten für Klimaschutz im Sommer 2019 hat die GroKo im Herbst nach nur 20 Stunden Verhandlung ein erstes "Klimapaket" vorgelegt - über das jedoch viele Fachleute entsetzt und die Klimaschutz-Aktiven empört sind.
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Das Kohle-"Ausstiegs"-Gesetz kommt bei den Experten auch nicht besser weg. Die Zubauraten und Kosten der Erneuerbaren machen den Betrieb bis 2038 zum Zuschussgeschäft, gekrönt mit hohen Entschädigungen für's Abschalten.
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Unter diesen Bedingungen besteht gar kein Anspruch, sagt ein Regierungsgutachten.
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Deutschland muss Netto-Null-Emission bis 2035 anstreben, nicht für 2050 - sonst ist das 2°-Ziel nicht zu halten, geschweige denn 1,5°, so Stefan Rahmstorf.
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30 Jahre früher wäre das nur ein sehr zaghafter Ansatz gewesen - Schweden stieg 1991 erfolgreich gleich mit der dreifachen CO2-Steuer ein und ist heute beim mehr als zehnfachen Wert. Ein deutscher Preis von 10€ pro Tonne, zudem erst ab 2021, ist heutzutage nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, der immerhin kurz danach auf 25€ korrigiert wurde (was immer noch weit von den meisten Expertenempfehlungen entfernt ist). Die GroKo hat außerdem seit Jahren die Energiekehrtwende betrieben und jetzt vollendet: der Ausbau von Windenergie ist 2019 fast komplett zum Erliegen gekommen, der von PV stark zurückgegangen und droht mit dem Photovoltaik-Deckel ebenfalls - auf Null zu sinken. Die zur Sektorenkopplung mit P2G notwendigen Gaskraftwerke wurden zugunsten der CO2-intensiven Kohlekraftwerke abgeschaltet. Die Kohlekommission hat zwar einen Ausstieg bis 2038 beschlossen, doch Uniper bekam im Herbst 2019 noch ein neues Kohlekraftwerk genehmigt, die Gesetzesentwürfe sehen bisher keine Zwangsabschaltungen vor, und sowohl PV-Deckel als auch Abstandsregelung halten Investitoren von Sonnen- und Windkraft ab (Stand April 2020); derweil stellt CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem wichtigen November-Parteitag eine weitere Unterstützung der Verbrenner-Industrie in Aussicht (Stand November 2019).
Merkels wichtigster Fachpolitiker Peter Altmaier gesteht dann im Sommer 2020: "Ich gebe allerdings zu, dass wir in den letzten Jahren auch Fehler gemacht und zu spät gehandelt haben. [...] In den nächsten Monaten müssen wir dafür sorgen, dass der Weg zur einer CO2-Neutralität unumkehrbar wird." Er spricht von "enormem Nachholbedarf". Nach Merkels "Pillepalle" 2019 möglicherweise eine weitere Beschwichtigung der Art, mit der die Umweltbewegung seit Jahrzehnten hingehalten wird. Man darf gespannt sein, welche Lobby gewinnt - wieder einmal die konservativen Reaktion oder die immer progressiver auftretende Finanzwelt der sogenannten "green economy". Aber auch mit dem Green Deal droht wieder die nächste Katastrophe für die Biosphäre: wenn dieselben Leute, die uns in die Krise geführt haben, die Regeln bestimmen, wird möglicherweise mit erneuerbarer Energie die Welt weiter zugrunde gerichtet. Die Orientierung an fachwissenschaftlicher Expertise muss in allen Nachhaltigkeitsfragen verstetigt werden. Und vor allem muss die dringende Notwendigkeit der Maßnahmen bei den WählerInnen transparent gemacht werden. Klingt hochgradig ambitioniert.
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Allzu viele Konservative zweifelten Jahrzehnte (manche bis heute) an der Klimawissenschaft, zweifeln immer noch an der Konkurrenzfähigkeit postfossiler Wirtschaftsformen - beklagen aber gleichzeitig pauschal eine Wissenschaftsferne der Klimaschützer
[Vitzthum 2019]

Zitat: "Man kann es konsequent oder kurios finden, dass eine von einer Physikerin geführte Koalition Maßnahmen beschließt, die auf vielen noch nicht erfolgten wissenschaftlichen Innovationen beruhen."
Vizthum tut so, als könnte man nicht das vorhandene System sukzessive umbauen, als sollte plötzlich ein Schalter umgelegt werden. So, als wären hochrentable Windräder, PV-Module oder Akkuspeicher nicht längst erfolgreich am Markt. So als wäre - auch in Deutschland - in den letzten Jahren mit der P2X-Technologie nicht endlich der Schlussstein der Energiewende-Technologie (fast ein Jahrhundert nach der Erfindung von SOC-Brennstoffzelle und Fischer-Tropsch-Synthese) zu Ende entwickelt worden. Alles, was an Instituten Rang und Namen hat, war an dem Mega-Forschungs-Projekt P2X beteiligt.
[Leitner 2018]
[BMWi 2019-3]

Gegner der postfossilen Techniken stellen dagegen die plötzliche Rettung durch Innovationen in Aussicht, an deren Entwicklung man jedoch teilweise schon seit Jahrzehnten arbeitet, und von denen keiner sicher sagen kann, wann sie risikolos und v.a. konkurrenzfähig genutzt werden können.
Ob dieser Optimismus als Utopismus bezeichnet werden kann, wird die Zukunft zeigen. Vielleicht auch, ob es sich um politisch motivierten Zweck-Optimismus handelt. Auf jeden Fall ist bisher festzustellen, dass die Zivilgesellschaft beruhigt ist und weiterhin den Weg in die Katastrophe mitgeht. Und dass dies im Interesse der Fossil-Investoren liegt.
Innovation wäre angesichts der beschleunigten Klimakrise tatsächlich der letzte Strohhalm, an den wir uns klammern könnten - lägen die Alternativen nicht längst fertig entwickelt auf dem Tisch. Und das, obwohl sie von Liberalen und Konservativen lange genug behindert worden sind. Auf den internationalen Märkten haben sie ernstzunehmenden Erfolg. Es fällt jedoch auf, dass sich bei uns plötzlich viele Menschen lautstark zu Umwelt- und Menschenrechts-Themen äußern - aber bezeichnenderweise nur dann, wenn es um Elektroautos, Windräder und Solarzellen geht. Über alle anderen anthropogenen Probleme, die teilweise seit Jahrzehnten echte Katastrophen verursachen, konnten und können sie bis heute hinwegsehen.


"Es gibt Anwohner, die ihre Liebe zum Rotmilan zufällig genau dann entdecken, wenn Windräder vor ihrer Haustür geplant sind. Vorher hätte man ihnen wahrscheinlich erzählen können, Rotmilane seien serbische Freiheitskämpfer, und sie hätten das geglaubt."
Oliver Krischer

[Schultz 2020]

Die gute Nachicht: währenddessen treibt die restliche Welt die Energie- und Mobilitätswende in Forschung, Entwicklung und Praxis immer schneller voran, auch in Entwicklungsländern. Weil die Erneuerbaren billiger geworden sind als die fossilen Energieträger, und weil unkalkulierbare Entschädigungsforderungen zu erwarten sind, warnen immer mehr Ökonomen vor der Energie-und Mobilitäts-Disruption: Deutschland droht - mit Russland und den USA - den Anschluss zu verlieren; sogar die Ölscheichs setzen auf PV:
[Mrasek 2019]









... und tut nicht so, als gäb's kein Morgen!

Mein Motiv als Lehrer von Naturwissenschaften



Als Biologie- und Chemielehrer gehörte für mich das Klimathema von Anfang an zu den zentralen Zeitfragen im Fachunterricht. Motiviert durch jahrelange Auseinandersetzung mit klimaskeptischen Kollegen, die auch im Internet aktiv waren, habe ich 2007 an dieser Stelle bereits eine Seite eingestellt, die sich kritisch mit den längst widerlegten Thesen der Klimaskeptiker auseinandersetzt.
[Thielen-Redlich 2019]
Dort kann man viele klimaskeptische Thesen finden, die ich jeweils den Aussagen der Klimaforschung gegenübergestellt habe. Zu beiden Seiten habe ich Medien und Quellen zusammengestellt. Da ich jedoch in letzter Zeit wenig Aufwand für die Aktualisierung dieser Seite betreiben konnte, empfehle ich die Seite bei klimafakten.de, Die setzt sich ebenfalls mit Klimaskepsis kritisch auseinander. Zwar fehlen die Materialien der Klimaskeptiker, dafür sind die Fakten sehr gut verständlich auf den Punkt gebracht und mit durchgehend zuverlässigen Quellen belegt.
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In aller Kürze erklärt Karsten Schwanke den Stand der Wissenschaft über die verschiedenen diskutierten Klima-Einflüsse mit Diagrammen:
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Klimaskeptiker berufen sich auf den wissenschaftlichen Grundsatz der Skepsis: solange ernste Zweifel bestehen, gilt Wissen nicht als gesichert. Nur sind ihre Zweifel nicht ernst zu nehmen, weil fachwissenschaftlich zigfach widerlegt, weshalb die Theorie der anthropogenen Erwärmung ja auch Lehrmeinung ist.
Nun sind die wissenschaftlichen Fakten für das bestehende politisch-gesellschaftliche System politisch höchst unangenehm, und die nicht aufgeklärten (also im historischen Sinne reaktionären) Mitbürger können die wirklichen Sachargumente entweder nicht nachvollziehen; oder sie könnten es, aber wollen sich lieber nicht damit beschäftigen. Allein schon deshalb, weil sich ihre soziale Gruppenzugehörigkeit auch über eine offensive Klimaskepsis definiert - man spricht hier von Clandenken, das bei den Anhängern der US-Republikaner besonders ausgeprägt ist. Entsprechend selten findet man Konservative, die sich wirksam für Umwelt-, Minderheiten- und Klimaschutz einsetzen.

Und so nehmen es Klimaskeptiker bis heute leichthin für sich in Anspruch, die Sicht auf den Klimawandel zu einer beliebigen Meinungsfrage herabsetzen zu können. Und dann schlagen sie die Aufklärung mit deren eigener Waffe, die der Vordenker Descartes ihnen in die Hand gibt:


Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.
Rene Descartes

In gleicher Weise misbrauchen sie die in der Aufklärung erkämpfte Freiheit der Meinung für die bewusste Behauptung falscher Tatsachen (Trumps Beraterin Kelly-Anne Conway spricht von "alternative facts"), die mitunter schon von Staatsanwälten als Betrug aufgefasst wird.
Besonders bezeichnend die Reaktion einer Reihe von Klimaskeptikern auf eine Literaturrecherche des UBA 2013. Sie gerierten sich als Opfer einer Einschränkung der Meinungsfreiheit, Henryk Broder sprach von Reichskulturkammer und DDR-Regime.
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Damit sind Klimaskeptiker in konsequenter Tradition der politischen Reaktion, die schon viele liberale Systeme durch die ihr eigene Achillesferse zerstört hat: durch Berufung auf die Freiheit. Liberale Gesellschaften haben es per definitionem besonders schwer, sich in Krisen gegen rechtskonservative, antiliberale Tendenzen zu verteidigen - wie man am Beispiel von Russland, Ungarn, Polen, Türkei, USA und Brexit sehen kann.

Haben die reaktionären Kräfte einmal die Oberhand, ist es vorbei mit Freiheit und Wissenschaft. Unter reaktionären Politikern wie Trump, Putin und Bolsonaro kann man sehen, was mit Wissenschaftlern und Aktivisten passiert, deren Aussagen über Klimawandel, Minderheiten- und Artenschutz unerwünscht sind. Das geht von Zensur in der US-Umweltbehörde EPA bis hin zu Morden an UmweltaktivistInnen, vornehmlich Indigenen in Lateinamerika.
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Das massive Aufkommen rechtskonservativer Regierungen durch Unterstützung "sozialer" Netzwerke des US-Unternehmers Mark Zuckerberg zeigt die Grenzen allzu großer Wirtschafts-Liberalität. Die Bildung der Massen kommt im "schlanken Staat" eines Milton Friedman zu kurz, Machtmissbrauch führt zu Ungerechtigkeiten, und so fehlt den Wählern zunehmend das Vertrauen in den Staat. Die frühen Sozialdemokraten prägten den Spruch "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber."
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Im krassesten Fall steigern Rechtsextreme ihre Erzählungen vom Tatsachenleugnen bis hin zu Verschwörungsmythen: für die Krisen werden alle möglichen Minderheiten und Progressive beschuldigt, nur nicht die herrschenden konservativen Kräfte des Industriekapitalismus, und zuallerletzt der eigene Clan.
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Es zeigt sich, wie angreifbar die meisten witschafts-liberalen Demokratien verfasst sind. Die Corona-Krise zeigt, wie schnell das fragile globale Wirtschaftssystem zu Massenelend führen kann.
Um der nationalistischen Reaktion vorzubeugen, wurde dem deutschen Grundgesetz ein Schutz eingebaut, der die Demokratie "wehrhaft" machen, die freiheitlich-demokratischen Grundordnung vor Zerstörung schützen soll. Damit sind wir gegenüber anderen Staaten noch privilegiert. Doch auch unsere Verfassung wurde und wird nur von Menschen gemacht und interpretiert.
Es steht zu befürchten, dass wehrhafte Demokratien in der Klimakatastrophe gezwungen sein werden, gegen Klimaskepsis ähnliche Maßnahmen zu ergreifen, wie heute gegen rechtsextreme Volksverhetzung. Und dass solche Maßnahmen dann nicht mehr das größte Problem darstellen würde.

Es gibt viele historische Beispiele von Gesellschaften, deren stures Festhalten an tradierten, aber überholten Strukturen zugrunde gingen - weil sie sich der Auseinandersetzung mit der Realität verweigerten, um die fragile gesellschaftliche Stabilität nicht zu gefährden. Vordenker wie Horaz und Kant sind bekannt für ihre Fähigkeit, das nötige gesellschaftliche Umdenken auszulösen:


Sapere aude!
Quintus Horatius Flaccus
Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen
Immanuel Kant

Ein Kernproblem ist also die mangelnde wissenschaftliche Kompetenz der Bevölkerung. Meine Vorstellung war also, dass der naturwissenschaftliche Bildungsauftrag sich darauf beschränkt, in der Klima-Diskussion die wissenschaftlichen Fakten (im Widerspruch zu den Behauptungen der Klimaskeptiker) objektiv darzustellen, um so die Dringlichkeit des Klimaschutzes zu begründen.

Bis heute hat die naturwissenschaftliche Bildung in diesem entscheidenden Punkt genauso versagt wie der Journalismus und die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung.

Wer zudem (wie ich selbst) erwartet hat, die Bestätigung der naturwissenschaftlichen Vorhersagen durch die Naturphänomene selbst würde die längst überfälligen politischen Folgen haben, sah sich bitter getäuscht. Der Klimaskepsis folgte der Klimarelativismus, und diesem folgte die Pauschalkritik an allen Maßnahmen des Klimaschutzes, und diesem folgt bereits absehbar die Kapitulation. Nicht nur das: im Windschatten von Corona blüht bei den Anhängern der Verschwörungsmythen auch wieder die Klimaskepsis: Punkte, die man längst ausdiskutiert wähnte, werden wieder und wieder vorgebracht, z.B. die Hockey-Stick-Debatte.

Die ersten klimapolitischen Diskussionen fanden 1965 in den USA statt, und kein anderer als der Präsident selbst veröffentlichte die mahnenden Ergebnisse der Expertenkommission.
Seitdem sind Jahrzehnte vergangen, in denen die angekündigte Entwicklung ungebremst stattgefunden hat. Der Klimawandel hat sich langsam zu einer sichtbaren, massiven Krise ausgewachsen. Doch die Politik scheint immer noch nicht bereit für die immer dringender nötigen Einschnitte in die Fossilwirtschaft.

Es ist deshalb höchste Zeit, sich mit den Hintergründen unserer gesellschaftlichen Entwicklung und den Argumenten der Kräfte auseinanderzusetzen, die die Politik des ungebremsten Weiter-So, in Richtung Klimakatastrophe und Massenaussterben, bestimmen und wirksamen Klimaschutz verhindern.

Leider drängt die Zeit extrem. Deshalb ist es mir lieber, dieses Manuskript jetzt endlich halbfertig zu veröffentlichen, als noch weiter damit zu warten. Ich bitte deshalb um Verständnis, dass manche Sachverhalte noch in Stichworten formuliert sind, Redundanzen und Rechtschreibfehler vorkommen, und nicht alle Internet-Quellen bibliographisch im Anhang aufgelistet sind, sondern viele nur im Seitentext mit dem einfachen Hinweis "Verknüpfung".





Ein Axiom unserer Zeit: Fossilökonomismus

Inhalt

Seit über 150 Jahren ist wissenschaftlich belegt, dass CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe das Klima erwärmen können, seit 60 Jahren kennt man die voraussichtliche Entwicklung ungefähr und seit 40 Jahren ziemlich genau. Dennoch führten nahezu 100% aller politischen Entscheidungen im Bereich Wirtschafts- und Klimapolitik seitdem zu einem immer schneller steigenden Konsum fossiler Rohstoffe. Unübersehbar ist die Verseuchung der Welt mit Kunststoff-Produkten, die langsam in immer kleinere Partikel zerfallen, deren ökotoxische Wirkung noch nicht sehr weit erforscht ist. Doch selbst dieser sichtbare Missstand musste bis zur Krise heranwachsen, bis ein zaghaftes politisches Umdenken einsetzte.
Umso schwerer tut sich die Menschheit mit dem farb- und geruchlosen Verbrennungsprodukt CO2.

Die Nutzung der Fossilrohstoffe war von Anfang an so gut wie immer auf stetig wachsenden Konsum ohne grundlegende Vorsorge gegen Umweltschäden ausgelegt - in den seltensten Fällen auf Nachhaltigkeit. Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder große Konflikte um Ölquellen und -Verbreitungswege, ganze Feldzüge des Zweiten Weltkriegs galten dem Öl, der ölreiche Nahe Osten ist ein Minen- und Trümmerfeld voller Hass und Gewalt. Die konventionellen Quellen liefern seit ca. 2010 nicht mehr genug (peak conventional oil); immer schneller wird die Versorgungs-Lücke aus unkonventionellen Quellen gefüllt, deren Ausbeutung schon bei der Förderung immer größere Umweltschäden verursacht.

All diese drängenden Probleme haben die Menschheit trotz enormer Fortschritte in Alternativtechniken nicht bewegen können, ihre technische Evolution entscheidend weiter im großen Maßstab voranzutreiben. Obwohl in den letzten Jahrhunderten viele gewaltige technische Revolutionen stattfanden, obwohl in den letzten Jahrzehnten unglaubliche, erfolgreiche Anstrengungen unternommen wurden, z.B. um zigfache Vernichtungs-Kapazitäten der Erde zu schaffen, gigantische Vernichtungskriege zu führen und die Infrastrukturen danach in kurzer Zeit und meist um Größenordnungen leistungsfähiger wiederaufzubauen, zum Mond zu fliegen, billionenschwere Verluste bei Finanzkrisen zu kompensieren oder eine irrsinnig verschwenderische Konsumindustrie, Massenmobilität und globale IT-Infrastruktur zu schaffen: ein entscheidender Großteil der Gesellschaft glaubt bislang trotzdem nicht an die Möglichkeit einer erfolgreichen Klimawende. Umweltschutz wurde und wird immer noch als Ideologie, Hysterie oder gar Quasireligion abgetan.
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Die Vorstellung von der Alternativlosigkeit der Fossilwirtschaft ist eine Grundprämisse unserer Politik. Man kann also durchaus von einem politischen Axiom sprechen - ich nenne es Fossilökonomismus. Ich habe in Jahrzehnten gelernt, dass Klimaschützer besser nicht Ideologievorwürfe erheben, deshalb spreche ich von einem Axiom. Wenn aber ein französischer Präsident, erst recht ein Liberaler, bei der Selbstreflektion in einer Rede an die Nation ein Verlassen "ideologischer Trampelpfade" fordert, dann möchte ich das hier doch erwähnen.
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Wir brauchen eine langfristig angelegte Strategie, die uns ermöglicht, den CO2-Ausstoß geplant zu reduzieren und Vorsorge und Widerstandsfähigkeit zu stärken. Nur so sind wir für künftige Krisen gewappnet.
Emmanuel Macron




Ein Axiom unserer Zeit: Fossilökonomismus

Meilensteine im Klimaschutz? Ganze drei.



(1) Vor Jahrzehnten gab es noch die Option eines allmählichen Umstiegs aus der Fossilwirtschaft. In den 70er Jahren förderte US-Präsident Carter die Erneuerbaren, was zu einem ersten Preissturz führte. Viele Wind-Rotoren wurden aus Dänemark importiert, das auch in Folge dessen bereits 2011 beachtliche 40,7% erneuerbaren Anteil an der Stromerzeugung erreichte.
[Wikipedia 2019 - Energiewende nach Staaten]

(2) Ein zweiter Preissturz kam durch das deutsche EEG im Jahre 2000, das einen zusätzlichen Windkraft- und PV-Boom zuerst in Deutschland und danach in China auslöste.

Price history of silicon PV cells since 1977 de.svg
Von 1-1111 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

US-Solarpionier Richard Swanson beschrieb die Lernkurve der PV-Industrie 2006 erstmals, man sprach (analog zum Mooreschen Gesetz) von Swansons Gesetz. Die einzige größere Abweichung ergab sich 2006 durch eine Verknappung an Silizium. Danach setzte sich die Entwicklung umso schneller fort.
Swansons-law de
[Wikipedia (english) 2020 - Swanson's law]
Verknüpfung

Beides reichte aber bisher noch nicht, denn in beiden Fällen folgten massive Gegenmaßnahmen, die die Hegemonie der Fossilwirtschaft weiter zementierten: jahrzehntelang wurden die Alternativen schlechtgeredet, zum Teil sogar sabotiert oder ihre Patente in der sprichwörtlichen "Schublade" abgelegt, wie bei dem absichtlich gescheiterten Versuchswindrad GroWiAn, den vielfältigen Sabotage-Projekten gegen die Deutsche Bahn oder den Ovonics-NiMH-Akkus des Elektroautos EV1 von General Motors, das vor der Jahrtausendwende aufgrund kalifornischer Gesetze exklusiv per Leasing auf den Markt kam und dann nebst seinen Akkus nach Lockerung des Gesetzes wieder vom Markt verschwand - trotz massiver Proteste der Kunden.

(3) In vielen Ländern wurden CO2-Steuern eingeführt, die auch Lenkungswirkung erzielten - aber meist bei Weitem nicht genug. Immerhin liegt Vorreiter Schweden auch beim Anteil Erneuerbarer Energien in Europa weit vorn.


[Franck 2019]

Die weltweite fossilökonomistische Energiepolitik führte schließlich wie vorhergesagt zur Klimakrise unserer Tage, die in unseren südeuropäischen Nachbarländern bereits heftig spürbar ist und auch dort zu politischem Umdenken führt. In Italien ist Klimaschutz seit 2019 Schulfach, Frankreich und Spanien riefen in 2019 bzw. 2020 den Klimanotstand aus.

Aller Gegenwehr aus Wirtschaft und Politik zum Trotz wurden die Energie-Alternativen dennoch konkurrenzfähig, teils sprichwörtlich im letzten Augenblick. Mittlerweile zeichnen sogar immer mehr Ökonomen einen schnellen, disruptiven Ausstieg als letzte, aber auch realistische Chance, die drohende Klima-Katastrophe abzuwenden.




Ein Axiom unserer Zeit: Fossilökonomismus

Widersprüche fossilökonomistischer Politik



Dass nur ein winziger Teil des Kassenbetrags beim Lebensmittel-Discounter an die Bauern geht, die zu einem guten Teil von gigantischen EU-Subventionen aus Steuermitteln alimentiert werden, ist dem Verbraucher zwar klar - trotzdem hält sich das Gerücht, dass wir am Bio-Anbau verhungern oder bankrott gehen würden. Dabei würde schon ein erträglicher Fleischverzicht riesige Flächen freimachen und das Gülleproblem deutlich abmildern. Die industrielle Landwirtschaft hat Millionen Arbeitsplätze vernichtet, die z.T. wieder hergestellt würden.

Pro Tag werden bei uns etwa 20ha neue Verkehrsflächen versiegelt - doch der Ausbau einer Handvoll Fernleitungen zieht sich wegen Anliegerprotesten über viele Jahre; ihre Bedeutung für die Energiewende wird zwar von vielen Fachleuten bezweifelt, doch die Bundesregierung begründet die Zurückhaltung in der Energiewende mit den Verzögerungen der Fernleitungen.

In der Bevölkerung geht immer noch das Gerücht von den ruinösen erneuerbaren Energien - während tatsächlich nur 1/3 der Strom-Mehrkosten in die Einspeisevergütung fließen, und die EEG-Zulage in absehbarer Zeit fallen wird: die Erzeugungspreise für Sonnen- und Windkraft liegen nämlich mittlerweile unter denen für Atom- und selbst für Kohlestrom, und die teuersten Anlagen der Pioniere fallen ab 2020 zunehmend aus der Förderung. Ein weiterer Strompreistreiber ist die EEG-Umlage, die bei einem zeitweilig extrem niedrigen Börsenstrompreis besonders hoch ausfällt. Der wiederum müsste aber gar nicht so niedrig sein, wenn nicht unflexible Atom- und Kohlekraftwerke die Grundlast und damit ein zeitweiliges extremes Überangebot liefern würden: flexible Gaskraftwerke (die zudem später noch in der Sektorenkopplung aus P2G aus 100% erneuerbarer Energie befeuert werden können) sind viel besser geeignet, werden aber abgeschaltet - weil die Strombörse so organisiert ist. Die Industrie dagegen bekommt z.T. den günstigen Börsenpreis und wird so versteckt subventioniert.
Währenddessen leisten wir uns jährliche, tendentiell eher steigende Importkosten für Fossilbrennstoffe von z.Zt. 50-70 Milliarden Euro (sie waren sogar schon höher). Durch Konflikte und Handelskriege ist der Preis hohen, schwer kalkulierbaren Schwankungen ausgesetzt. Die externen Kosten von Öl-Kriegen und v.a. Klimaschäden sowie Klimafolgen-Anpassungsmaßnahmen tauchen in dieser Rechnung noch gar nicht auf. China und Indien - zwei Milliardenvölker - konkurrieren irgendwann möglicherweise aus Wassermangel um die schwindenden Himalaya-Gletscher.


[Quaschning 2014]

Zusätzlich bringt unsere Volkswirtschaft noch eine massive Subventionierung konventioneller Energien von zig Milliarden Euro pro Jahr auf (eine Tatsache, die selbst von OECD und Internationalem Währungsfonds kritisiert wird). Man hält sie damit in der Abhängigkeit von Fossilbrennstoffen, die jährlich nochmals viele zig Milliarden aus unseren Kassen in die der Profiteure schwemmen. Über Jahrzehnte kommt man so auf Beträge von etlichen Billionen.
Gleichzeitig präsentiert man dem Bürger eine Billionen-Rechnung der Energiewende. Förderschäden, Ölkonflikte und Klimakosten der Zukunft werden nicht mit eingerechnet. Auch nicht die Ersparnisse nach der Energiewende. Man deckelt Wind- und Solarenergie. Warnt vor marktverzerrender "Planwirtschaft" bei der Beförderung der Energiewende. Idealisiert die "Technologie-Offenheit", weil ja nur diese in einem liberalen Markt zwangsläufig die beste Innovation an den Markt bringt. Die man zu fördern zur obersten Priorität erklärt.
In den 90ern behaupteten die Energiekonzerne in Zeitungs-Anzeigen, dass die Erneuerbaren auch langfristig niemals mehr als 4% unserer Stromversorgung schaffen könnten. Die zwei - im Vergleich gesehen völlig unbedeutenden - Subventionsrunden für die Erneuerbaren (USA 1979 und D 2000) haben schon gereicht, um diese Behauptung Lügen zu strafen. Sie haben Optimierungsprozesse in Gang gesetzt, die endlich die Konkurenzfähigkeit der Erneuerbaren in greifbare Nähe rückten. China hat den Stab übernommen und rüstet die Welt nun immer günstiger mit Erneuerbaren aus, so dass selbst die Dritte Welt sich zunehmend gegen konventionelle Energien entscheidet.

China beliefert die Welt mit riesigen Mengen an Photovoltaik - deren Massenproduktion zwar in Deutschland entwickelt und begonnen wurde, mit vielen neuen Arbeitsplätzen, von denen aber dann 80.000 u.a. durch Abbau von Subventionen wieder verloren gingen. Die deutsche Windkraftbranche ist zwar noch international wettbewerbsfähig - steht aber bei uns auf der Kippe, weil die Vergabe von Projekten nach derzeitiger Politik zu viele Unsicherheiten birgt. Durch Peter Altmaiers (CDU) EEG-Reformen (seit 2012) und Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren und Sigmar Gabriels (SPD) Kohlereserve 2015 und Zubaudeckel 2017 sind allein seitdem 35.000 neue Arbeitsplätze verloren gegangen.

Gaskraftwerke könnten die Atom- und Kohle-Grundlast durch ihre hohe Flexibiltät obsolet machen, und später sukzessive auf regeneratives Saison-Speichergas umgestellt werden. Man bräuchte sie praktisch nur noch im Winter, wo ihre Abwärme zum Heizen dienen könnte (Sektorenkopplung). Ihre hohen Kosten ließen sich damit und mit dem günstigen Sommerstrom ausgleichen, auch würde die EEG-Umlage sinken, weil der Börsen-Strompreis stabilisiert würde. Stattdessen stehen deutsche Gaskraftwerke still, und Top-Hersteller Siemens stampfte pünktlich zu den Klimaverhandlungen COP23 2017 in Bonn seine deutsche Produktion ein.

Die erneuerbaren Energien bieten in Deutschland z.Zt. 400.000 Arbeitsplätze mit hohem Steigerungs-Potential - doch viel bekannter sind die 35.000 Baunkohle-Arbeitsplätze. Dabei wird geflissentlich ignoriert, dass von diesen 35.000 Arbeitsplätzen 2030 (dem Jahr des von Umweltverbänden geforderten vorgezogenen Kohleausstiegs) nur noch 5.000 übrig sein werden.

Weltweit boomt das Elektroauto - während hierzulande der Dieselbetrug erst einmal dazu geführt hat, dass massenhaft Benziner verkauft wurden. Die Mobilitätskonzepte der Umweltverbände mit ihrer Priorisierung von Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln, die von kleinen Elektroautos lediglich ergänzt werden, werden vollständig ignoriert - man rechnet jetzt stattdessen mit einem 1:1-Ersatz der Verbrenner durch "alternative Antriebe", bei denen man dem Verbraucher "Technologie-Offenheit" verspricht, damit aber v.a. Unsicherheit bezüglich der besten Lösung und damit Kaufzurückhaltung auslöst. Die zögerliche Umsetzung der Erhöhung der Elektroauto-Kaufprämie auf 6000€ im Winter 2019/20 wirkt in dieselbe Richtung.
[Rüsberg 2020]
Die Unterstützung von Fahrrad- und öffentlichem Verkehr hierzulande lässt sich nach jahrzehntelanger Benachteiligung und Vernachlässigung bestenfalls als halbherzig bezeichnen, auch wenn Verkehrsminister Scheuer oft auf dem Fahrrad vor der Kamera herumfährt. Immerhin macht er damit auch Werbung für's Radfahren. Er sollte es dem Bürger aber nur mit dem Hinweis "auf eigene Gefahr" empfehlen, denn jedes Jahr sterben mehr Radfahrer auf deutschen Straßen.

Mit Technologie-Offenheit wird auch die Blockade der Erneuerbaren Energien gerechtfertigt. Altmaiers nationale Wasserstoff-Strategie setzt langfristig tatsächlich auf Import von Wasserstoff als Ersatz für Wind- und PV-Strom, den man eigentlich auch im Lande produzieren könnte, sogar mit einer Beteiligung der Bürger und Kommunen an den Gewinnen. Er tut dies Expertenberechnungen zum Trotz, die vor einem Wettbewerbsnachteil durch hohe Importkosten und vor einer Fortsetzung der Importabhängigkeit warnen.
Das einzige, was nach dem Abwürgen von Onshore-Windkraft und PV noch effektiv gefördert wird, sind Kohlekraft und Windräder offshore, die ebenfalls ausnahmslos Konzernen gehören. Außerdem indirekt die Atomkraft, zu deren Entsorgung die Stromversorger nur einen Pauschalbeitrag leistet, der sehr wahrscheinlich durch den Steuerzahler noch einmal deutlich aufgestockt werden muss.

Die CO2-Bilanz des Elektroautos wird mit Kohlestrom schlechtgerechnet (egal, ob die meisten privaten Elektroautofahrer mit erneuerbarem Strom laden), und die Angst vor einer Überlastung der Erzeugugskapazitäten und der Netze geht um - gleichzeitig wird aber die Energiewende blockiert. Gleichzeitig werden Wasserstoff und P2L-Treibstoffe in nahe Aussicht gestellt - obwohl Wasserstoff weit mehr als die doppelte und P2L die mindestens siebenfache Strommenge benötigt, und obwohl das Erdgasnetz für reinen Wasserstoff gar nicht geeignet ist, die Investitionen für ein Wasserstoffleitungen also hoch sein werden, von den 700bar-Verdichtern an den Zapfpunkten (incl. Energieverlusten) ganz zu schweigen.

Viele Verbraucher zeigen ihre kritische Seite vor allem dann, wenn es um Kobalt in Elektroautos geht, oder ihre Naturverbundenheit, wenn es um Vogelsterben durch Windräder geht. Nicht, dass diese Probleme nicht einer Behandlung bedürften. Aber wer konsequent nach derartigen Maßstäben konsumiert, kann nur auf wenige einwandfreie Produkte zurückgreifen: die Bio- und Weltläden würden unter dem Ansturm zusammenbrechen.

Die dringend notwendige energetische Sanierung von Immobilien wird oft v.a. genutzt, um die Miete drastisch zu erhöhen. Die Kosten werden über 11 Jahre auf die Miete umgelegt - die danach aber nicht wieder gesenkt werden muss (und deshalb auch allzu oft nicht gesenkt wird). Dass ein guter Teil der Mietsteigerung auf das Konto von Spekulationen von Investoren geht und die Sanierung dem Mieter eigentlich Kosten ersparen könnte, spricht sich erst in letzter Zeit herum.

Schülerstreiks und jüngste massive Anzeichen der Klimakrise haben zu einem breiten gesellschaftlichen Umdenken geführt. Doch Fossilökonomisten setzen immer noch Konsum-Verzicht gleich mit dem Verlust persönlicher Freiheit - obwohl mit dem Bestand der Zivilisation jedwede Voraussetzung von Freiheit auf dem Spiel steht. In ihrer misanthropischen Weltsicht sprechen sie den Menschen die Fähigkeit zu Empathie oder Solidarität ab, oder zumindest die Einsicht in die Notwendigkeit von Verzicht. Damit lenken sie die Menschen davon ab, über ihre eigene Verantwortung nachzudenken.

An Stammtischen wird Angst vor dem abrupten Verlust des Lebensstandards geschürt - obwohl alle von Umweltverbänden geforderten Maßnahmen einen kontinuierlichen Umstieg ermöglichen. Man hält an Arbeitsplätzen in der Technik des letzten Jahrhunderts fest, obwohl die Welt (inclusive der Finanzwelt) auf das Signal wartet, das den Ausstieg einläutet.

So ist z.B. schon abzusehen, dass man in einer dekarbonisierten Welt keine Verbrenner mehr braucht. Doch noch im Dezember 2018 verkündete der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion Joachim Pfeiffer im DLF-Interview, ohne Verbrenner würde das Klima sicher nicht gerettet, und auf ihrer wichtigen Rede zum Parteitag im November 2019 bekennt sich die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer zum Kampf für den Verbrenner-Standort Deutschland.

Die Regierung trägt mit der "Schwarzen Null" die Haushaltsstabilität als Voraussetzung für die Zukunft wie eine Monstranz vor sich her. Dabei ist die aktuelle Austeritätspolitik nicht unumstritten. Was aber weit gravierender ist: die Erhaltung der natürlichen Ressourcen wird - schwarze Null hin oder her - zweitrangig behandelt, obwohl das Überleben der Menschheit bedroht ist.

Trotz der Ankündigung eines Kohleausstiegs sieht der Gesetzesentwurf nur einen freiwilligen Ausstieg bei Steinkohle-Kraftwerken vor, und im Herbst 2019 wurde mit Datteln IV für Uniper ein neues Kohlekraftwerk genehmigt. Dennoch sieht sich das Wirtschaftsministerium im Klimaschutz "auf Zielkurs" - während die eigenen Sachverständigen ein viel höheres Tempo anmahnen.
[Bundesregierung 2019]
[Löschel 2018]

Die Fossilökonomisten instrumentalisieren die wirtschaftlich Benachteiligten: sie spielen deren Interessen gegen die der Kinder aus, obwohl die Ursachen der Benachteiligung ganz wo anders liegen. Den zahlreichen Elendstreibern haben sie in Zeiten des Neoliberalismus wenig entgegengesetzt, wenn sie ihnen nicht sogar Vorschub geleistet haben. Jetzt soll für Klimaschutz kein finanzieller Spielraum mehr sein - nach vielen Jahrzehnten, in denen die industriellen Volkswirtschaften allen Warnungen zum Trotz keine Vorsorge getroffen und damit in der Summe noch mehr profitiert haben. Klimaschutz wird zu einer weiteren Verteilungsfrage herabgesetzt, und Konservative wehren sich grundsätzlich gegen jede Umverteilung von oben nach unten.

Mit Fridays for future wurde Klimaschutz 2019 - zumindest offiziell - zu einer der wichtigsten Richtlinien der Bundesregierung. Es sollte bei den Regierungsparteien also eigentlich ein Konsens bestehen, diese Richtlinie auch vor der Bevölkerung überzeugend zu vertreten. Während in der SPD-Bundespolitik Klimaskeptiker zumindest nicht mehr laut in Erscheinung treten (Fritz Vahrenholts politische Karriere endete in der Landespolitik 1997, Wolfgang Clement ist aus der Partei ausgetreten), so gibt es in der CDU-Bundestagsfraktion noch echte Klimaskeptiker. Sie versuchen, die Spaltung in der Gesellschaft auszunutzen und sich rechtskonservative Wählerstimmen zu sichern:
[Pantel 2017]
[Wikipedia 2019 - Berliner Kreis in der Union - Erklärung zur Klimapolitik]
Wem das noch nicht radikal genug ist, der findet in der CSU-Splittergruppe "Konservativer Aufbruch" innerhalb der "Werte-Union" faustdicke Klimaskeptiker-Lügen, die seit Jahren vielfach widerlegt sind und sonst nur von der AfD vertreten werden; sie attackieren die CDU/ CSU- Bundespolitik scharf und sagen eine baldige globale Abkühlung voraus.
[Deutschländer 2020]

Fossilökonomisten behaupten immer wieder, die Eindämmung der Überbevölkerung sei gegenüber dem Klimaschutz vorrangig. Zunächst steht diese Einschätzung im Gegensatz zu Demographen, die ein absehbares Ende des Bevölkerungswachstums prognostizieren.
Verknüpfung
Was unsere eigene Rolle angeht: in Industrieländern betragen die Pro-Kopf-Emissionen meist ein Zigfaches der Werte in den Ländern, in denen das Bevölkerungswachstum hoch ist. Dort sind die meisten Klimaopfer zu beklagen, und die Regierungen versuchen z.B. mit Rekord-Baumpflanzaktionen, den unverantwortlichen Emissionen der Industrieländer irgend etwas entgegen zu setzen. An den dortigen prekären Verhältnissen haben die europäischen Kolonialmächte eine historische Verantwortung - doch auch die postkolonialen Beziehungen haben dort viele negative Folgen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Bevölkerungen der Entwicklungsländer, aber auch die der südlichen EU-Staaten die Betreiber und Nutzer der CO2-Schleudern im Norden und die Zerstörer ihrer Ökosysteme zu Recht für die zunehmenden Klima- und andere Ökosystemschäden verantwortlich machen werden. In vielen Ländern hat sich jetzt schon die Verschuldung durch Klimaschäden extrem verschärft. Eine Flutkatastophe wie in Mosambik oder Dürre wie in Äthiopien verursacht Kosten in der Größenordnung eines Haushaltsjahres. Verständlicherweise werden die Entschädigungsforderungen auf den Welt-Klimakonferenzen lauter.
[Siebert 2020]

Bei uns dagegen wird immer mehr Menschen klar, dass man ihnen jahrzehntelang nicht die Wahrheit gesagt hat - verständlich, dass sie über die Zukunftsaussichten zutiefst verunsichert sind. Gerade Jugendliche können nur schwer abschätzen, mit welcher Berufswahl sie Chancen am Arbeitsmarkt haben werden.

Deshalb sollen hier Hintergründe beleuchtet werden: wie ist das Dilemma entstanden - und welche Optionen haben wir? Die Geschichte von Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik greifen ineinander.





Anthropozän = Pyrozän (Feuerzeit)

Inhalt

Nach den Riesenmaßstaben der Klima-Erdgeschichte unterscheidet man paläoklimatische Erdzeitalter. Unser paläoklimatisches Zeitalter nennt man das Quartäre Känozoische Eiszeitalter - denn beide Polkappen sind nachweislich seit dem Ende der Warmzeit Pliozän vor 2,6 Mio Jahren durchgehend vereist, auch wenn der Vereisungsgrad seitdem fluktuiert. 800.000 Jahre alte Zeugnisse regelmäßiger Wechsel von Glazial- (ebenfalls Eiszeit, also i.e.S., oder Kaltzeit) und Interglazialzeiten (Zwischeneiszeiten, oft auch Warmzeiten genannt) sind in antarktischen Eisbohrkernen erkennbar.

[Wikipedia 2019 - Känozoisches Eiszeitalter]

Interglaziale beginnen mit einer sehr schnellen Erwärmung und enden mit einer sehr langsamen Abkühlung. (Die Zeitachse auf der Abbildung ist umgekehrt, ybp - years before present.)

[Wikipedia 2019 - EPICA]

Die vorangegangene Interglazialzeit war das sogenannte Eem vor 120.000 Jahren, damals war sogar der grönländische Eisschild instabil.

Die Feuernutzung erlaubte dem Menschen die Migration aus Afrika nach Europa vor 70.000 Jahren, also in einer Glazialzeit. Die Geschichtsschreibung der Menschheit beginnt viel später bei sogenannten optimalen Temperaturen mitten in der darauf folgenden, aktuellen Interglazialzeit, die bis vor 200 Jahren wieder langsam auf ihr Ende zu ging: in den fünf Jahrtausenden der Geschichtsschreibung kühlte die Erde ganz langsam in Richtung der nächsten Glazialzeit ab.
Holocene Temperature Variations German.png
CC BY-SA 3.0, Link

Innerhalb der letzten 200 Jahre hat der Mensch diese Abwärtsentwicklung der Temperatur nolens-volens zunächst zum Stillstand gebracht - durch Verbrennung fossiler Brennstoffe. Obwohl das Risiko eines Ökozids durch eine globale Erwärmung seit sechs Jahrzehnten (Revelle und Suess 1957) bekannt ist, und obwohl die Fossilwirtschaft auch noch viele andere ökozide Potentiale immer sichtbarer entfaltet, intensiviert man die Fossilwirtschaft weiter. Die Temperaturkurve schießt - wie die CO2-Konzentration der Atmosphäre - immer steiler nach oben. Wegen dieser massiven globalen Eingriffe, u.a. in das Paläoklima, spricht man vom Anthropozän.

Von DeWikiMan, based upong fig. 1a) of Pages2K (2019), doi:10.1038/s41561-019-0400-0 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link
[Wikipedia 2019 - Klimageschichte]

2017 brachte der Protagonist der politisch aktiven Klimaforscher James Hansen eine Aktualisierung seiner Forschungsergebnisse heraus - die seine Vorhersagen aus den 80er Jahren bestätigt. Seine Temperaturkurve des Holzän-Zeitalters lässt sehr gut die Größenordnung und Geschwindigkeit der sich anbahnenden Katastrophe erahnen.

[Hansen 2017]
Um die Dimensionen in der Klimageschichte einzuordnen: die Tiefsttemperaturen des letzten Glazials vor 22.000-16.000 Jahren lagen 5,4K tiefer als heute.
[Wikipedia 2020 - Letzteiszeitliches Maximum - Temperaturen]
Um die Relation der aktuellen Erwärmungsgeschwindigkeit zu der natürlichen Erwärmung von damals bis zum frühgeschichtlichen Optimum zu zeigen, habe ich hier die beiden Darstellungen kombiniert:

Die antarktischen Proxy-Temperaturabweichungen aus den EPICA-Eisbohrkernen wurden hier (wie bei Hansen 2013) für eine grobe Schätzung der globalen Durchschnittstemperaturen halbiert.
[Hansen 2017], kombiniert mit Daten aus [Jouzel 2007] gemäß [Fergus 2015] und [Hansen 2013]

Eine Comic-Geschichte der Menschheit ist hier mit einer Temperaturkurve kombiniert:
[Munroe 2019]

So hohe CO2-Konzentrationen wie jetzt gab es zuletzt vor dem aktuellen känozoischen Eiszeitalter, also vor über 2,6Mio Jahren, im Pliozän. Damals lag der Meeresspiegel 20m über NN, die Temperaturen lagen 2-4°C höher als 1800. Aktuelle Klimamodelle sagen für das Ende des Jahrhunderts 3-6K Erwärmung voraus.
[Röhrlich 2019]
Bei unkontrollierter positiver Rückkopplung der Erwärmung durch Kipppunkt-Effekte sind noch weit größere Temperaturerhöhungen sehr wahrscheinlich.
Verknüpfung
Wegen der Unwägbarkeiten der Kipppunkte sind zwar genaue Vorhersagen unmöglich, und Temperaturen von +14K haben tatsächlich zur Zeit der Dinosaurier geherrscht. Nur würden die Änderungen in unvergleichlich kurzer Zeit ablaufen, was die Wahrscheinlichkeit eines globalen Biosphären-Kollaps (inclusive Vernichtung der Menschheit) in Richtung 100% bringt. Wir sehen schon bei dem aktuellen Wert von 1K, dass Hitzestress und Migrations-Druck durch Verschiebung der Klimazonen unzählige Arten zum Aussterben bringt.
Eine vergleichbar kurze, heftige Erwärmung fand vor 56 Millionen Jahren statt, das Paläozän-/ Eozän- Temperaturmaximum (PETM). Sie führte zu einem katastrophalen Massenaussterben.
[wikipedia 2020 - Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum]
Warnungen wie diese werden von Fossilökonomisten als Hysterie bezeichnet - obwohl es sich um die Lehrmeinung einer Wissenschaft handelt, die mit ihren Modellen seit 40 Jahren die Entwicklung bis heute hinreichend genau vorhersagen konnte, und die ihre Methoden in der Zwischenzeit stark verbessern konnte, allein schon wegen Verbesserung der Rechenleistung um um mehrere Größenordnungen.

All palaeotemps G2.svg
Von User:Glen Fergus, User:hg6996 - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:All_palaeotemps.png, CC BY-SA 3.0, Link
[Wikipedia 2020 - Klimageschichte]

Wie konnte das passieren? Kohle, Öl und Gas haben zwar tatsächlich einer Minderheit der Menschheit für extrem kurze Zeit extrem großen Wohlstand gebracht. Doch der Segen der Fossilbrennstoffe verblasst angesichts der tödlichen Konsequenzen.
Wir haben die Emissionen bis zuletzt immer weiter gesteigert, d.h. eine Null-Emission oder gar Netto-Sequestrierung (Austragung aus der Atmosphäre) ist bei der derzeitigen Entwicklung nicht absehbar.


[Quaschning 2018]

Wir erleben schon jetzt den Beginn des sechsten Massenaussterbens der Erdgeschichte, das menschengemacht ist, und dem auch die Zivilisation der Menschheit zum Opfer fallen wird - wenn wir es nicht schaffen, das fossile Feuer innerhalb weniger Jahre, und zwar drastisch, zu reduzieren. Wir müssen sofort damit anfangen.

Die gute Nachricht, die Fossilökonomisten übertönen wollen: wir können es.








1800

Italien: Alessandro Volta begründet die Elektrochemie - die Grundlage für Batterien und Akkumulatoren.


1821

Vereinigtes Königreich: Michael Faraday baut einen einfachen Elektromotor.


1838

Schweiz: Christian F. Schönbein bringt Wasserstoff- und Sauerstoffgas an Platinelektroden zur Reaktion und verursacht damit einen elektrischen Strom: die erste Brennstoffzelle.
[Wikipedia 2019 - Geschichte der Brennstoffzelle]

Russland: Moritz von Jacobi baut einen 220W-Motor, mit dem er 1839 ein Boot antreibt.
[Wikipedia 2019 - Jacobi-Boot 1839]
[LeifiPhysik 2019 - Jacobi-Motor]


1854

Suquamish-Häuptling Seattle hält vor dem Gouverneur des Washington Territory Isaac Stevens eine Protest-Rede; dabei warnt er die Siedler vor ihrem zerstörerischen Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Bei den folgenden Zitaten handelt es sich um eine freie Wiedergabe des anwesenden Dichters Henry Smith aus seinen Notizen, inhaltlich später bestätigt durch weitere anwesende Stammesmitglieder.
[Wikipedia 2020 - Chief Seattle's speech - The oldest version: 1887]
"[...] Ihr müßt eure Kinder lehren, daß der Boden unter ihren Füßen die Asche unserer Großväter ist. Damit sie das Land achten, erzählt ihnen, daß die Erde erfüllt ist von den Seelen unserer Vorfahren. Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder lehrten: Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst. Denn das wissen wir - die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer ihr dem Gewebe antut, das tut ihr euch selber an. [...]
Die Luft ist kostbar für den roten Mann, denn alle Dinge teilen denselben Atem: das Tier, der Baum, der Mensch - sie alle teilen denselben Atem. Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken. Wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank. Aber wenn wir euch unser Land verkaufen, dürft ihr nicht vergessen, daß die Luft uns kostbar ist, daß die Luft ihren Geist teilt mit all' dem Leben, das sie erhält. [...]
Der weiße Mann, vorübergehend im Besitz der Macht, glaubt, er sei schon Gott, dem die Erde gehört. Wie kann ein Mensch seine Mutter besitzen? [...]
Eines wissen wir, was der weiße Mann vielleicht eines Tages erst entdeckt: Unser Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, daß ihr ihn besitzt, so wie ihr unser Land zu besitzen trachtet, aber das könnt ihr nicht. Er ist der Gott der Menschen - gleichermaßen der roten und der weißen. Dieses Land ist ihm wertvoll. Und die Erde zu verletzen heißt ihren Schöpfer zu verachten. Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, euer Bett zu verseuchen, und eines nachts werdet ihr im eigenen Abfall ersticken. [...]
Wenn wir euch unser Land verkaufen, liebt es, so wie wir es liebten, kümmert euch, so wie wir uns kümmerten, behaltet die Erinnerung an das Land so, wie es ist, wenn ihr es nehmt. Und mit all eurer Stärke, eurem Geist, eurem Herzen erhaltet es für eure Kinder und liebt es - so wie Gott uns alle liebt. Denn eines wissen wir - unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch - Brüder. Wir werden sehen."
Verknüpfung


1856

UK und USA: John Tyndall und Eunice Foot entdecken, dass CO2 (das Produkt der Verbrennung fossiler Brennstoffe) ein Treibhausgas ist; von allen Gasen, die Foote untersuchte, hatte es die stärkste Wirkung: "Thirdly. The highest effect of the sun's rays I have found to be in carbonic acid gas."
[Hayhoe 2016 - Foote 1856]
[Foote 1856]





Anthropozän = Pyrozän (Feuerzeit)

Anbruch des Ölzeitalters




1858

USA: John D. Rockefeller baut eine Raffinerie, Basis für sein Ölmonopol (Standard Oil), mit dem er der erste Milliardär der Geschichte wurde. Dabei ging er oft manipulativ vor. 1872 z.B. versuchte er illegale Absprachen mit der Bahngesellschaft zu ungunsten seiner Wettbewerber. Er soll auch Kerosinlampen verbilligt abgegeben haben, um die Kunden an sein so genanntes "Standard-" Öl (frei von leicht flüchtigen Erdölbestandteilen, also weniger explosionsgefährlich) zu binden, u.a. 8 Millionen in China.
[SDI Research 2009 - Rockefeller-Prinzip 1901]
[Mulcaire 2015 - Rockefeller in China 1901]


1860

Lenoir entwickelt einen Zweitakt-Verbrennunsgsmotor, Reithmann einen Viertakter. Drei Jahre später fährt Lenoir mit seinem Hippomobile 18km am Stück.
[Wikipedia 2019 - Automobil - Geschichte]


1875

Jules Verne überspringt in seiner visionären Science Fiction das Ölzeitalter. Er schreibt in seinem Buch "Die geheimnisvolle Insel" begeistert über die Brennstoffzelle: "Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern."
[Verne 1875]


1877

Otto-Viertaktmotor mit 3PS


1881

Gustave Trouvé präsentiert auf der Internationalen Strommesse in Paris ein Elektroauto.
Trouve trike 1881a.jpg
By G. Dupré ? - "Physique et Chimie populaires" Band 2, 1881-1883, Alexis Clerc (1841-1894), Public Domain, Link
[Wikipedia 2019 - Geschichte des Elektroautos]


1886

Carl Benz baut den Patent-Motorwagen mit Otto-Motor, das erste in Serie gebaute Automobil.
[Wikipedia 2019 - Benz Patent-Motorwagen]


1890-1911

USA: Rockefellers Monopol Standard Oil wird zerschlagen.

Die zeitgenössische Karikatur stellt Standard Oil als Kraken dar, der die USA im Würgegriff hält.
[Hengsterman 2017]

In Dänemark gehen die ersten elektrischen Windkraft-Anlagen in Betrieb, z.T. umgerüstete alte Windmühlen, versuchsweise auch zur Elektrolyse.
Verknüpfung


1896

Der spätere Chemie-Nobelpreisträger Svante Arrhenius (ein weitläufiger Verwandter von Greta Thunberg) schätzt die Klimasensitivität von CO2 auf 5°C. Er verweist nicht auf die Gefahren der Entwicklung.
[Arrhenius 1896]


1902

Sabatier und Senderens entwickeln ein Verfahren zur Synthese von Methan (Erdgas-Ersatz) aus CO2 und H2 (Nobelpreis 1912).
[Sabatier 1902]


1905

Einstein beschreibt den photoelektrischen Effekt, auf dem die Energewende per Photovoltaik basiert. 1915 bekommt er dafür zu Recht seinen Nobelpreis (nicht, wie manche meinen, für die Relativitätstheorie).


1908

USA: Ford beginnt die Fließbandproduktion des Verbrenner-Autos Model T.


1900-1910

Elektrische Kutschen ersetzen zunehmend Pferdekutschen und beherrschen das Straßenbild in US-Großstädten; Ferdinand Porsche baut für Lohner (Wien) sein erstes Auto: ein Elektroauto mit Kontroller und Drehstrom-Radnabenmotoren - das Grundprinzip ist immer noch aktuell.
Lohner Porsche.jpg
Von Unbekannt - photo from 1902, Gemeinfrei, Link





Anthropozän = Pyrozän (Feuerzeit)

Das Jahrhundert des Öls

Inhalt


1910

Der elektrische Anlasser für den Verbrennungs-Motor bereitet dem Massen-Elektroauto ein (vorläufiges) Ende.


1913

Ägypten: In Maadi nimmt das erste solarthermische Kraftwerk in Parabolrinnen-Bauweise des US-Ingenieurs Frank Shuman seinen Betrieb auf. Mit 25PS aus einer Dampfturbine wird Wasser gepumpt. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs sagt der deutsche Reichstag Shuman 200.000RM zur Finanzierung einer größeren Anlage in Deutsch-Südost-Afrika zu. Deutschland war bei der Aufteilung ölreicher Kolonien leer ausgegangen.
Der Kriegsausbruch 1914 bedeutet das Ende des Projekts.
[Wikipedia 2020 - Frank Shuman]


1917

Sykes-Picot-Abkommen: Nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reichs kommt es zur Aufteilung des ölreichen Nahen Ostens zwischen England und Frankreich.

Red-Line-Abkommen: erste Aufteilung von Ölförder-Gebieten zwischen Kolonialmächten

1. Weltkrieg: Der englische Admiral Winston Churchill entscheidet sich für den besseren Schiffstreibstoff: Diesel statt Kohle. Das entscheidet den Seekrieg mit Deutschland.

Flugbenzin ermöglicht den ersten Luftkrieg.


1922

Der Vorstand des US-Autobauers General Motors Alfred P. Sloan setzt eine Arbeitsgruppe ein, die den Ersatz elektrischer Straßenbahnen durch Busse durch Lobbyarbeit und Korruption betreiben soll. Das Projekt führte später zu einem Skandal und z.T. zu gerichtlichen Verurteilungen.
[Wikipedia 2019 - Sloan 1922]
Pacific-Electric-Red-Cars-Awaiting-Destruction.jpg
Von Los Angeles Times - http://digital2.library.ucla.edu/viewItem.do?ark=21198/zz0002tqg9, Gemeinfrei, Link


1925

D: Fischer und Tropsch entwickeln das Sabatier-Verfahren weiter zur Synthese flüssiger Kohlenwasserstoffe (Erdöl-Ersatz) aus Wassergas - einem CO- H2- Gemisch aus der Vergasung von Kohle mit Wasserdampf, weshalb das Verfahren auch landläufig als "Kohle-Verflüssigung" bezeichnet wurde. Es erlaubt bald dem Nazi- und später in noch viel größerem Umfang dem Apartheids-Regime den Ersatz von Rohöl. Daraus wurde jetzt, teils an den historischen Altstandorten, das P2L-Verfahren entwickelt.
[Wikipedia 2019 - Fischer und Tropsch 1925]


1928

Schottland: As-Is- oder Achnacarry-Abkommen der sog. Seven Sisters

Auf Achnacarry Castle (damals Eigentum von H. Deterding) kommt es zur Absprache von Henry Deterding (Shell), Walter C. Teagle (Standard Oil (Rockefeller)) und John Cadman (Anglo-Persian Oil Company, später BP) über die Aufteilung des globalen Ölmarkts; das Kartell ist 1952 durch einen US-Senatsausschuss bekannt geworden, benannt als "Seven Sisters" durch Eni-Chef Enrico Mattei.
[Wikipedia 2019 - Achnacarry-Abkommen 1928]
[Bamberg 1994]
[Haberman 2002]
[Corsetti 2010]
[Vassilou 2018]


1932

Unterstützung der NSDAP

Die Großindustrie betreibt aktiv die Schwächung der parlamentarischen Demokratie in der Weimarer Republik; manche Industrielle wie Thyssen und Deterding (Shell) unterstützen Hitler finanziell schon vor der Machtergreifung. Deterding siedelt 1936 von den Niederlanden nach Deutschland über.
[Wikipedia 2019 - Großindustrie und Aufstieg der NSDAP]

In den Wirren vor der Machtergreifung konzentriert sich die Unterstützung durch Industrielle nicht nur auf Hitler; danach unterstützt die Großindustrie allerdings massiv die NSDAP. Die von Hitler angekündigte Aufrüstung für den Zweiten Weltkrieg, die mit Zwangsarbeitern verbilligt wurde, verschaffte deutschen Konzernen der chemischen, Schwer-, Waffen-, Automobil- und Flugzeugindustrie gigantische Einnahmen. Das chemische Industriekonglomerat IG Farben wurde zerschlagen, die größten Tochterkonzerne existieren noch heute. Die übrigen Hersteller ließ man großteils nach dem Krieg weiterexistieren, viele existieren bis heute. Es fand keine Enteignung der Eigentümer statt.
[Wikipedia 2019 - Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft]


1935

USA: Beginn der Dust-Bowl-Katastrophe, einer großflächigen Winderosion im mittleren Westen der USA, die ihre Ursache in Bodendegradation durch jahrelange Humus-oxidierende Landwirtschaft hat.
1939 erscheint der Roman "Früchte des Zorns" von John Steinbeck über die Katastrophe und die Migration der Bauern nach Kalifornien. Er wird zuerst von rechtskonservativen Politikern in Kalifornien verboten und öffentlich verbrannt; 1940 erhält Steinbeck für seinen epochalen Bestseller den Pulitzer-Preis.
[wikipedia 2020 - Dust Bowl]

US-Geschäfte mit Nazi-Deutschland und Japan

  • D: US-Ölunternehmer Fred C. Koch baut 1935 in Hamburg die drittgrößte deutsche Raffinerie, u.a. für Flugbenzin, und äußerte sich bewundernd über den Faschismus. Seine Söhne gehören zu den reichsten Menschen der Welt und ihre vielfältige finanzielle Unterstützung klimaskeptischer Denkfabriken ist bekannt.
    [Wikipedia 2019 - Fred C. Koch]
  • Walter C. Teagle (Standard Oil) wird nach dem 2. Weltkrieg angeklagt wegen Geschäften mit Deutschland und Japan während der Kriegsblockade.
    [Wikipedia 2019 - Walter C. Teagle]
  • Prescott Bush (Geschäftsführer der Brown Brothers Harriman Bank) macht vor Kriegsausbruch viele Geschäfte mit Nazi-Deutschland. Gegen ihn werden nach dem Krieg Anklagen wegen Gewinnen aus Zwangsarbeit erhoben. An der Union Banking Corporation, die wegen Geschäften mit Nazi-Deutschland enteignet wird, hat er Anteile. U.a. mit der Entschädigung daraus baut er sein Ölgeschäft auf, das von seinem Sohn und Enkel (beide US-Präsidenten) fortgeführt wird. Er unterstützt US-Präsident Eisenhower und wird zu einem wichtigen Mentor von US-Präsident Nixon.
    [Wikipedia 2019 - Prescott Bush]

1937

Schweiz: Baur und Preis bauen eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle mit Festkörper-Elektrolyt; sie eignet sich auch zur elektrolytischen Wasserstoffproduktion und wird zunächst in der Sowjetunion weiterentwickelt.
[Wikipedia 2019 - Geschichte der Brennstoffzellen]
[Baur und Preis 1937]


1938

Guy Stewart Callendar veröffentlicht eine Abschätzung der Klimasensitivität von CO2 von 2K.
Er erhofft für die Menschheit das Ausbleiben der nächsten Kaltzeit.
[Wikipedia 2019 - Callendar 1938]


1939-1945

Zweiter Weltkrieg: Hitler versucht erfolglos, Ölquellen in Nordafrika (General Rommel in Tobrug) und Aserbaidschan (General Paulus in Stalingrad) zu erobern und betreibt parallel eine Produktion von Ersatz-Treibstoff aus Kohle ("Kohle-Verflüssigung" durch Fischer-Tropsch-Synthese, später (DDR) Buna-Werke, heute Sunfire).

Die gigantische Kriegs-Infrastruktur der Alliierten zur Treibstoffversorgung wird nach dem Krieg weiter zivil genutzt.

Die zerstörten Städte werden als Auto-Städte wiederaufgebaut - was heute in weiten Teilen als städtebauliche Fehlentscheidung angesehen wird.


1947

Vereinigtes Königreich: Shockley, Brattain und Bardeen bauen einen p-n-Gleichrichter (Diode) aus dotiertem Silizium als elektronisches Bauteil. Sie bemerken noch nicht seinen photoelektrischen Effekt.

CH: Auf dem Mont Pelerin bei Genf gründet der österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek die Mont Pelerin Society. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die nach dem erfolgreichen New Deal in den USA und nach den Kriegswirren staatsinterventionistische Wirtschaft nach dem englischen Ökonom Maynard Keynes abgeschafft werden muss. Sie planen von langer Hand eine möglichst weitgehende wirtschaftliche Liberalisierung der Industriestaaten.

Das Projekt wurde ab 1975 von Schülern des neoliberalen Ökonoms Milton Friedman versuchsweise unter dem Diktator Augusto Pinochet, dem schwere Menschenrechtsverletzungen nachgewiesen wurden, in Chile umgesetzt.


1953

Iran: Präsident Mossadegh verstaatlicht die bisher private englische Ölindustrie im Land und wird kurz danach von Geheimdiensten der USA und Israel gestürzt - zugunsten des Thronfolgers Schah Reza Pahlavi, der den USA ähnlichen Zugriff auf die Ölreserven ermöglicht wie vorher den Engländern.


1954

USA: In den Bell Laboratories erkennt man per Zufall, dass Shockleys p-n-Gleichrichter einen deutlichen photoelektrischen Effekt aufweisen. Die Ingenieure konstruieren daraus die erste Silizium-Solarzelle.
[Wikipedia 2019 - Geschichte der Solarzelle - Shockley 1954]








1957


USA: Hans Suess und Roger Revelle zeigen, dass die bisherigen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in großen Mengen im Meerwasser gelöst wurden; die begrenzte Aufnahmekapazität werde jedoch in Zukunft zu einer verstärkten Erwärmung führen: "human beings are now carrying out a large scale geophysical experiment of a kind that could not have happened in the past nor be reproduced in the future."
[Revelle und Suess 1957]

Seit Callendars Veröffentlichung 1938 sind zwei Jahrzehnte massiven Wachstums der Fossilwirtschaft vergangen. Seine Hoffnung auf ein Ausbleiben der nächsten Glazialzeit haben sich erfüllt, doch Revelle und Suess warnen nun eindringlich vor der Gefahr einer weitergehenden Erwärmung.
Revelle informierte auch die Presse und zeichnete vor dem US-Kongress ein Bild von der Verletzlichkeit der Erde: "The Earth itself is a space ship", es sei gefährdet durch steigende Meeresspiegel und Desertifikation.
Die Hammond Times beschreibt seine Forschungsergebnisse erstmals mit dem Begriff globale Erwärmung: "a large scale global warming, with radical climate changes may result".
[Weart 2008]
[Wikipedia 2019 - Revelle 1957]

Der Exxon-Konzern wusste von den fatalen Wirkungen seiner Aktivitäten.
M. Williams von Humble Oil (heute Exxon Mobil) ist Coautor der sogenannten Brannon-Studie, die Revelle und Suess prinzipiell bestätigt. Nur in den Vorhersagen, wie schnell sich die CO2-Konzentrationen ändern, gibt es geringe Unterschiede, die wissenschaftlich diskutiert wurden. Am Fakt der Erwärmung ließ sie keinen Zweifel.
Verknüpfung
[Wikiquote english - ExxonMobil climate change controversy]
[Brannon 1957]


1958

Die winzige Raumsonde Vanguard 1 ist der erste Raumflugkörper mit Silizium-Solarzellen; diese tun über 6 Jahre lang ihren Dienst.
[Wikipedia 2019 - Raumsonde Vanguard 1]


1959

New York: der "Vater der Wasserstoffbombe" Edward Teller warnt bei der 100-Jahr Feier des American Petroleum Institute eindringlich vor den Gefahren einer Eisschmelze durch den Treibhauseffekt.
[Franta 2018-1]


1961

Der scheidende US-Präsident (2.-Weltkriegs-General) Eisenhower warnt vor einer Vereinnahmung des Staats durch den militärisch-industriellen Komplex.


[RawData 2016]
[Gerste 2011]
1962

USA: Die Biologin Rachel Carson veröffentlicht ihr Sachbuch "Silent Spring", das die Gefahr eines Zusammenbruchs von Vogelpopulationen durch Pestizide beschreibt und dessen Erscheinen als Beginn der globalen Umweltbewegung gilt.
[Wikipedia 2019 - Rachel Carson]

Die Umweltbewegung kämpfte als erstes jahrzehntelang mit ökotoxikologischen Gutachten und Protesten gegen die Pestizid-Industrie, was bisher zum Verbot vieler persistenter (sehr schlecht abbaubarer) Pestizide in vielen Staaten führte. Spuren dieser Pestizide sind ubiquitär, d.h. sie finden sich immer noch im Eis von Gletschern und Polarregionen, in Muttermilch etc..
Verknüpfung
Carson und viele nach ihr mussten damals und müssen sich heute noch der Verschwörung mit feindlichen Mächten und Kommunisten bezichtigen lassen. Sie starb 1964 an Krebs und erlebte nicht mehr die Bewegung, die sie auslöste.





Anthropozän = Pyrozän (Feuerzeit)
Das Jahrhundert des Öls

Politik und Zivilgesellschaft sind alarmiert




1965

US-Präsident Lyndon B. Johnson setzt eine Expertenkommission zum Thema Global Warming ein und veröffentlicht die Ergebnisse.

Dort stellt man fest, dass es kein Recht auf Verschmutzung gibt ("no "right" to pollute").
[Johnson 1965] (Volltextsuche "pollute")

Es werden Emissions-Abgaben gefordert ("effluent charges").
[Johnson 1965] (Volltextsuche "effluent")

Der Präsident der Öl-Lobby-Organisation API (American Petroleum Institute) Frank Ikard sagt über den Klimawandel "time is running out".
[Ikard 1965-1]

Er zitiert aus dem Report der Johnson-Kommission: "...the pollution from internal combustion engines is so serious, and is growing so fast that an alternative nonpolluting means of powering automobiles, buses, and trucks is likely to become a national necessity."
[Franta 2018-2]
In:
[Wikipedia 2019 - Frank Ikard]

Die Rede im Wortlaut mit Kommentar und Markierungen:
[ClimateFiles 2019]

Die Rede als .pdf:
[API 1965]


1968

Robinson Report: Exxon wollte wissen, welche Bedeutung man den Berichten über neue Erkenntnisse in der Klimaforschung beimessen muss. Die Experten bestätigten Revelles Warnungen.
[Robinson 1968]


1970

USA: Erster bundesweiter Earth Day mit (laut Angaben) 20 Millionen Teilnehmern, vor allem Schüler, Studenten und Wissenschaftlern, unterstützt u.a. vom Vizepräsidentschafts-Kandidaten der demokratischen Partei, Senator Edmund Muskie.

Der größte Fernsehsender CBS dokumentierte den Tag mit einer Sondersendung, mit vielen Berichten aus dem ganzen Land: "Earth Day - a Question of Survival". Die Sendung hatte einen prominenten Moderator, den Haupt-Nachrichtenprecher Walter Cronkite.

Ähnliche Bilder kennen Zeitgenossen aus dem Deutschland dieser Zeit und dem China von heute unter dem Stichwort "Umweltverschmutzung". Die Bilder von den Kundgebungen lassen einem die genannte Teilnehmerzahl nicht mehr ganz so unglaublich erscheinen - und erinnern in manchen Punkten an Fridays for future.
Die Wiedergabeliste bei youtube: Verknüpfung

  • Earth Day 1970 Part 1: Intro (CBS News with Walter Cronkite)
    2'48'': "Highschools were not closed but many announced absence would be excused."
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 2: Gaylord Nelson's Speech (CBS News with Walter Cronkite)
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 3: Washington D.C. (CBS News with Walter Cronkite)
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 4: Albion, Michigan (CBS News with Walter Cronkite)
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 5: Council Bluffs, Iowa (CBS News with Walter Cronkite)
    1'40'': "At the Abraham Lincoln Highschool in Council Bluffs, the atmosphere in the gymnasium where the Earth Day observance was being held, is hot and depressive. But that's because the students who have arranged this program - largely on their own initiative - want it that way. They don’t want You to leave here feeling comfortable." Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 6: Boston, NYC, Chicago, LA (CBS News with Walter Cronkite)
    Die-In auf Boston Airport, Teach-In mit Biologen in LA, Recycling-Vorführung in Stanford
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 7: G.E. and Minneapolis (CBS News with Walter Cronkite)
    Konfrontation eines jugendlichen Demonstranten mit einem Sprecher des Energiekonzerns General Electric vor der Kamera
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  • Earth Day 1970 Part 8: Albuquerque (CBS News with Walter Cronkite)
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 9: Interlude (CBS News Special Report with Walter Cronkite)
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 10: Earth Week 1of3 Philadelphia (CBS News with Walter Cronkite)
    1'28'': Extremer Smog in "Filthydelphia"
    2'33'': Studenten bekommen Emissionsdaten der Industriebetriebe von der Kommune und sammeln bei diesen Betrieben 34.000$ für ihre Kampagnen-Arbeit; damit veranstalten sie eine Earth Week, um die Massen über das Thema zu informieren.
    Verknüpfung
  • Earth Day 1970 Part 10: Earth Week 2of3 Philadelphia (CBS News with Walter Cronkite)
    Auch Kirchen unterstützen die Kundgebungen.
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  • Earth Day 1970 Part 10: Earth Week 3of3 Philadelphia (CBS News with Walter Cronkite)
    1'00'': Senator Muskie: "We have to chose to say No, to give up some luxury, and these kinds of decisions will be the real measure of our commitment to our environment. It means chasing clean cars instead of fast cars, more parks instead of more highways, and more schools instead of more weapons and more wars."
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  • Earth Day 1970 Part 11: White House Reaction (CBS News with Walter Cronkite)
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  • Earth Day 1970 Part 12: Science (CBS News with Walter Cronkite)
    1'16'': Ansprache des Biologen Prof. Commoner: "It is You to face the frightful task of seeking humane knowledge in a world which has with cunning perversity changed the power that knowledge generates into an instrument of catastrophe. Knowledge is not enough. I think we have to take the knowledge to the people. Let us help them learn what they need to know and what they have to do to decide for themselves the future cores of our society. Let’s organize a national teach-out. Let us begin to learn the facts and teach 'em to everyone in the community. I think the environmental crisis is a grim and terrible challenge. But on this day, the earth’s new birthday, we accept this challenge. We declare that the proper use of science is not to conquer nature but to live in it. That to save ourself we must save our world that is our habitat. On this day we shall begin by our own acts to dedicate the wisdom of science and the power of technology to the welfare of man. We shall survive."
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In seinem Schlusswort bekräftigt Cronkite die Klage der Jugend und kritisiert mit deutlichen Worten den Umgang der Gesellschaft mit dem Thema. Außerdem beklagt er einerseits die mangelnde Beteiligung der Erwachsenen, andererseits warnt er vor oberflächlichem grünem Populismus. Er sagt Schäden voraus, die US-Bürger noch nie in Friedenszeiten erlebt haben, und fordert zu deren Vermeidung von allen Verzicht, denn es gehe ums Überleben.

Earth Day 1970 Part 13: Conclusion (CBS News with Walter Cronkite)
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Zitat: "Das Trara des Earth Dayist vorbei. Die Probleme bleiben. Nur die Zeit wird zeigen, ob diese Demonstrationen irgendetwas erreicht haben.
Aber fassen wir einmal die Punkte zusammen, die heute an viele Menschen herangetragen wurden, die diese bisher übersehen haben.
Zum Beispiel die Aufständischen, die all dies als einen Trick des Establishments sehen, um die Aufmerksamkeit von Belangen abzulenken, die ihnen wichtiger sind – wie Bürgerrechte, wie Vietnam.
Sie übersehen, dass es in einer leblosen Welt weder Bürgerrechte noch Frieden gibt.
Zum Beispiel die Politiker, die dies als eine sichere Kampagne betrachten.
Sie übersehen, dass sie viel tiefer in das Leben der Menschen eingreifen müssen als jemals zuvor in unserer Geschichte. Zum ersten Mal könnten sie sogar gezwungen sein, sich gegen die Mutterschaft zu äußern.
Zum Beispiel diejenigen in der Industrie, die die Krise als bloße hysterische Kreation von Gutmenschen betrachten.
Sie haben jeglichen Realitätsbezug verloren, wenn sie die einstimmige Warnung der Wissenschaftler nicht gehört haben, dass halbherzige Maßnahmen und Business as usual uns unmöglich vor dem Absturz bewahren können.
Zum Beispiel die stille Mehrheit. Die größte Enttäuschung heute war der Grad der Nicht-Teilnahme im Land und speziell die Abwesenheit von Erwachsenen. Die jungen Leute, die teilgenommen haben, waren in einer ausgelassenen Stimmung, die im starken Kontrast zur Botschaft der Apokalypse stand.
Den Earth Day zu ignorieren – nun, das ist eine Sache. Die Krise unseres Planeten zu ignorieren ist eine ganz andere.
Die Gleichgültigen übersehen, dass die Säuberung der Luft, der Erde und des Wassers in den wenigen Jahren, die uns laut der Wissenschaft bleiben, persönliche Beteiligung bedeutet und persönliche Opfer bedeuten könnte, wie sie in Zeiten des Friedens noch nie von Amerikanern gefordert wurden.
Die Botschaft des heutigen Teach-in war, dass Amerika seinen Lebensstil revolutionieren muss. Das im Überfluss schwimmende Amerika wird, wie uns gesagt wurde, beinahe mit Sicherheit seine Lebensstandards herunterschrauben müssen. Es muss aufgeben, so viele Autos zu haben, so viele Kinder, so viele Dosen, so viele Bequemlichkeiten, so auffallend viel Konsum."


"Eines Tages, haben wir heute gehört, wird die Welt ein besserer Ort sein, falls sie zuhört und handelt. In der Zwischenzeit wird es, vielleicht für eine Generation oder zwei, erschreckend teuer für jeden von uns, das Chaos zu beseitigen, das ein jeder von uns verursacht hat. Doch die Kosten, die auf uns zukommen, wenn wir das nicht tun, sind viel erschreckender. Das ist der Kern der heutigen Botschaft.
Walter Cronkite

Und die, die heute marschierten, und die, die schliefen, und die, die spotteten, sitzen im selben Boot. Was auf dem Spiel steht, worum es geht, ist das Überleben.
Ich bin Walter Cronkite, gute Nacht."
[Übersetzung von Anne-Ly Redlich]

Cronkite veröffentlicht im selben Jahr das Buch "Eye on the world", in dem er ganz bestimmte große Industriebetriebe direkt anklagt. Auch das Thema Klimawandel spricht er deutlich an:
"Every year American power plants pour more than 800 million tons of carbon dioxide into the skies [...] Some scientists suspect that carbon dioxide can turn the planet into a kind of greenhouse, sealing in heat so that temperatures gradually rise until the polar icecaps melt and a new deluge covers the lands of the earth."
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Zur zivilgesellschaftlichen Relevanz seiner epochalen umweltjournalistischen Arbeit:
Cronkite ist nach wie vor einer der renommiertesten US-Nachrichtensprecher aller Zeiten. Er prägte Generationen von Amerikanern. Es war gesellschaftlich unmöglich, ihn der Verschwörung zu bezichtigen, wie man es Jahre zuvor mit der Biologin Rachel Carson getan hat.
[Wikipedia 2020 - Walter Cronkite]
Der Medienprofi Ben Zimmer berichtet 2010 von einer Umfrage in 1972, in der er zum "most trusted man" gewählt wurde.
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In der Folge der neuen Umweltbewegung in den USA kommt es zur Einrichtung der Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) und einer langen Reihe von Gesetzen zur Pestizidregulierung, Reinhaltung von Wasser und Luft, Artenschutz etc.: Clean Water Act, Clean Air Act, Endangered Species Act, ...
Die Probleme der sichtbaren Umweltverschmutzung wurden nach und nach aus den Industrieländern in den Rest der Welt verbannt. Doch auch bei uns gibt es immer noch unsichtbare Produkte der Industrie, deren Gefährlichkeit z.T. schon viele Jahrzehnte lang angemahnt werden: Gase (wie CO2), lösliche Problemstoffe, Mikro- und Nanopartikel.
[Howard 2017]
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Fossilökonomisten ignorieren all diese Probleme, und auch die Tatsache, dass damals viele bahnbrechende Gesetze auf den Weg gebracht wurden. Sie werden im Gegenteil nicht müde zu sticheln, dass der Weltuntergang ja damals schon einmal abgesagt werden musste, und zu behaupten, dass Aktivismus nichts bringe.
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Die Teilnehmer des ersten Earth Day genießen heute ihren Ruhestand in vollen Zügen bzw. eher in Flugzeugen. Ihre Kinder ließen und lassen es so richtig krachen, und ein paar ihrer Enkel stehen wieder auf der Straße und demonstrieren für's Klima...


1971

USA: Entbindung des US-$ von der Goldreserve. Seitdem hat sich die Geldmenge in dieser globalen Leitwährung immer schneller vermehrt (v.a. in den letzten 30 Jahren des Neoliberalismus), und das viel stärker als die Sachwerte; außerdem nahm die Konzentration des Geldes bei immer weniger Super-Reichen exponentiell ebenso zu wie die Summe der Schulden (bedingt durch das Prinzip der Giralgeldschöpfung ohne entsprechende Entschuldung). Die immer größer werdende Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privatleuten führt zu immer größerer Renditeerwartung und Wachstumszwang.
Multinationale Konzerne entkoppeln ihre Kapitalinteressen zunehmend von nationalen Interessen. Politik wird zunehmend von privaten Investitions-Entscheidungen abhängig und verliert an Gestaltungsspielraum, u.a. für Steuererhebung (Steuer-Dumping), Sozialpolitik (Lohn- und Sozialdumping) und natürlich nicht zuletzt Umweltschutz.
[Wikipedia 2019 - Nixon-Schock]


1972

Club of Rome: Die Grenzen des Wachstums
Eine Gruppe Wissenschaftler um den Mathematiker Dennis Meadows berechnet am MIT im Auftrag der OECD Prognosen der Belastbarkeit der globalen Ressourcen und fordert eindringlich eine Nachhaltigkeitswende
.
Forscher des MIT waren ebenfalls beteiligt an den Simulations-Projekten von ClimateInteractive: C-Roads 2009 und EN-Roads 2019.

USA: Das Pestizid DDT wird nach 10 Jahren heftiger zivilgesellschaftlicher Konflikte verboten, andere Industrieländer folgen. In vielen Entwicklungsländern wird es immer noch eingesetzt.
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1973

Munich Re, der größte Rückversicherer weltweit, beschreibt im Kapitel "Hochwasser, Überschwemmungen" das mögliche erhöhte Risiko durch die Wirkung von CO2.
Verknüpfung (Seite 2)

Ölkrise

Weltweit gibt es Warteschlangen vor den Tankstellen; in Deutschland werden autofreie Sonntage verordnet, um dem Treibstoffbedarf der Wirtschaft Vorrang zu geben.


1975

Klimaskeptiker verbreiten in einer Phase globaler Abkühlung die Angst vor dem Anbruch einer neuen Glazialzeit, die jedoch in Wirklichkeit nach Kenntnis der Klimaforschung durch Aerosole (Global Dimming) verursacht ist. Die weitaus meisten Klimaforscher bleiben dagegen bei ihrer Vorhersage einer globalen Erwärmung. Das hinderte viele Medien nicht daran, die Erzählung von einer kommenden Eizeit reißerisch zu verbreiten.
Verknüpfung
[Wikipedia 2019 - Global Dimming]


1976

VW bringt den Golf Diesel auf den Markt, der bis zum Jahr 2000 mit den 3l-Autos nach dem Peugeot 205D das sparsamste massentaugliche Serien-Auto bleiben wird (4-6l/ 100km); Kleinst-Diesel der 90er (Peugeot 106D, Citroen Saxo D) und selbst moderne Sparautos verbrauchen unwesentlich weniger.
[Spritmonitor 2019 - Golf I Diesel]
[Viehmann 2015]

Erfindung des Natrium-Schwefel-Akkumulators
[Wikipedia 2019 - Natrium-Schwefel-Akkumulator]
[European Patent Office 2019 - Natrium-Schwefel-Akkumulator]


1977

USA: Ökonom William D. Nordhaus diskutiert die Ausgestaltung einer CO2-Steuer (Nobel-Gedächtnispreis 2018).
[Nordhaus 1977]

Amory Lovins veröffentlicht "Soft Energy Paths" und beschreibt darin eine postfossile Zukunft.
[Hockenos 2012]


1978

Der bekannte deutsche Wissenschaftsjournalist Hoimar von Ditfurth skizziert in seiner bei Wissenschaftsinteressierten sehr beliebten ZDF-Reihe "Querschnitt" die Gefahr einer Klimakatastrophe im deutschen Fernsehen. Damals gab es ganze drei Fernsehprogramme, das ZDF hatte entsprechend hohe Einschaltquoten.


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1979

Schweiz: Auf Einladung der WMO (Weltmeteorologischen Gesellschaft) treffen sich Klimaforscher und Staatsvertreter in Genf zur ersten internationalen Klimakonferenz. Vereinbart wurde eine Zusammenarbeit der Klimaforscher und die Einrichtung des Weltklimarats IPCC. In der Abschlusserklärung steht: "Die Nationen der Welt müssen alles dafür tun, einen menschengemachten Wandel des Klimas zu verhindern, der das Wohlbefinden der Menschheit gefährden könnte."
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US-Präsident Jimmy Carter lässt Solarthermie auf dem Weißen Haus und Photovoltaik in seiner Heimatstadt installieren
[Reedy 2017]

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1980

UK: John B. Goodenough (Oxford) entwickelt den ersten Li-Ionen-Akku, ein Typ, der von Akira Yoshino 1991 für einen Sony-Camcorder perfektioniert wurde (Physik-Nobelpreis 2019).


1980er Jahre

D: Bürgerproteste führen zur Verabschiedung von Umweltgesetzen.

  • Waldsterben => Entschwefelung von Kohle und Kraftstoffen
  • Müll => Müllgesetze
  • Seensterben => Phosphatregulierung
  • Ozonloch (1997) => FCKW-Verbot

[Jänicke 2008]

USA: In Kalifornien werden im Rahmen eines Förderprogramms 1000e dänische Windräder aufgestellt (à 55kW Leistung). Durch die Förderung wurde Massenproduktion möglich, was den Preis pro kWh halbierte.
[Trappe 2012]
[Danish Wind Industry Association 2003]
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Anthropozän = Pyrozän (Feuerzeit)
Das Jahrhundert des Öls

Fossilökonomisten behindern die Energierevolution




1981

USA: Ronald Reagan wird Präsident
Er setzt Anne Gorsuch (die Mutter des von Trump eingesetzten Obersten Richters) als Chefin der EPA ein. Sie schränkt die Ressourcen und Kompetenzen der Behörde massiv ein.
1986 lässt Reagan bei einer Dachreparatur Carters Solarmodule vom Weißen Haus entfernen. (2010 gelangen einige der Module in ein chinesisches Museum).
[Biello 2010]

Endgültige Durchsetzung des Neoliberalismus auf Betreiben der Mont Pelerin Society um Friedrich August von Hayek, einer wirtschaftsgeschichtlichen Epoche, in der sich der Staat zurückhält und die (globalisierte) Wirtschaft eher frei (liberal) gewähren lässt; neoliberale Staatschefs:
USA: Reagan, Bush, Clinton, Bush, Trump; UK: M. Thatcher, J. Major, D. Cameron, T. May; D: Kohl, G. Schröder, A. Merkel).


1983

D: die 90.000.000DM-Forschungs-Windkraftanlage GroWiAn wird von MAN fertiggestellt (und nach 5 Jahren wieder abgerissen).
Dazu Ex-Forschungsminister Matthöfer (SPD): "Wir wissen, dass es nichts bringt. Aber wir machen es, um zu beweisen, dass es nicht geht." RWE-Vorstandsmitglied Günther Klätte gesteht im Februar 1982 freimütig der Welt, dass GroWiAn "ein pädagogisches Modell" sei, um Atomgegner zu bekehren. "Wir hatten keine Ahnung von Windenergie", gesteht der für Aerodynamik zuständige Ingenieur Erich Hau Jahre später dem Journalisten Jan Oelker.
[Kriener 2012]


1986

Kernschmelze im Atomkraftwerk Tschernobyl
[Wikipedia 2019 - Nuklearkatastrophe von Tschernobyl]

Der von Saudi-Arabien (Verbündeter der USA) betriebene Ölpreis-Verfall treibt die von Ölexporten abhängige Sowjetunion endgültig in den Ruin.
[Kellerhoff 2016]

Der Spiegel warnt vor der "Klima-Katastrophe".
[Spiegel 1986]


1987

D: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft warnen in einem gemeinsamen Papier eindringlich vor einem existenzbedrohenden anthropogenen Klimawandel und mahnen, die politische Untätigkeit zu beenden.
[DPG-DMP 1987]
USA: der Top-Klimatologe Wallace Broecker warnt vor der Möglichkeit, dass der Golfstrom abbricht, und dramatischen Folgen für Europa.
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1988

USA: Klimaforscher James Hansen bezeichnet vor dem US-Senat die globale Erwärmung mit 99% Wahrscheinlichkeit als anthropogen. Er stellte drei Szenarien vor, dessen mittleres durch die aktuelle Entwicklung bestätigt wird.
[Wikipedia 2019 - James E. Hansen]

Die skandalöse Irrfahrt des mit Giftmüll beladenen Schiffs Khian Sea macht das Problem der Sondermüll-Beseitigung in Entwicklungsländern deutlich. Bis heute gibt es regelmäßig Meldungen über derartige Missstände, trotzdem wird immer noch nicht konsequent auf Kreislaufwirtschaft hin gearbeitet. Daran änderte auch das 1990 eingeführte Duale System nichts Wesentliches.
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1989

D: 10.11. Fall der Berliner Mauer, anschließend Anschluss der DDR an die BRD
Den stärksten Auftrieb bekam der Neoliberalismus durch den Zusammenbruch des konkurrierenden kommunistischen Volkswirtschaftmodells im Ostblock. Ernst-Ulrich von Weizsäcker meint dazu, dass die erhoffte Friedensdividende aus dem Ende des Kalten Kriegs bald aufgezehrt war, Zitat: "Und dann ist das Kapital frech geworden..."
[Kollmer 2019]

Die Abwicklung der nicht konkurrenzfähigen DDR-Schwerindustrie im Folgejahrzehnt vermindert die gesamtdeutschen CO2-Emissionen um ca. 11%. Deshalb drängt Deutschland in internationalen Verhandlungen immer darauf, als Referenzjahr für CO2-Emissionen 1990 zu nehmen - damals lief die ostdeutsche Produktion noch.
[Ziesing 2005]


1990

Kalifornien, USA: Der neue Clean Air Act mit dem Zero Emission Mandate sieht vor, dass bis 1998 mindestens zwei Prozent und bis 2003 zehn Prozent der neu zugelassenen Autos emissionsfrei sein sollen. Das Gesetz löst einige Entwicklungsaktivität bei den Autoherstellern aus, z.B. bei GM, Honda, Toyota und BMW. Im Laufe der nächsten Jahre kommen sogar einige Fahrzeuge mit einem neuen NiMH-Akkutyp auf den Markt. 2002 wird das Gesetz entschärft - und dann lässt man die Autos samt Akkupatent verschwinden.
[Wikipedia 2019 - California Air Resources Board]

D: Dagegen stoßen die Ergebnisse der Bundestags-Enquete-Kommission "Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre" im Bundestag auf sehr wenig Interesse.
[Kostede 1990]

Norbert Kostede stellt in seinem damaligen Zeit-Artikel klimapolitische Probleme dar, die bis heute nicht gelöst sind.

Das Unternehmen Duales System Deutschland soll in öffentlich-privater Partnerschaft (gemäß der für 1991 geplanten VerpackungsVO) eine umweltgerechte Entsorgung - sprich Recycling - von Verpackungsmüll gewährleisten.
[Wikipedia 2019 - Duales System Deutschland]

Selbst dreißig Jahre später wird immer noch ein Großteil der Verpackungen "thermisch recycelt", was nur ein sehr gewagter Euphemismus für Verbrennung ist, also Beseitigung in der Atmosphäre und in Sondermüll-Aschen. Aber auch bei Beseitigung ins Ausland mit entsprechenden Bescheinigungen gilt der Müll als recycelt. Mangels Lieferketten-Kontrolle landet er oft genug im Meer oder auf wilden Mülldeponien, wo UV-Strahlung und Scherkräfte die Kunststoff-Produkte zerbröseln lassen. Selbst im ewigen Eis findet man Kunststoffpartikel. Dafür bezahlen wir zur Entastung unseres Gewissens den grünen Punkt.
Ein Großteil der Kunststoffverpackungen ist nur unter unvertretbarem Aufwand werkstofflich zu recyceln, weil er schlicht überdesignt ist: er besteht aus vielen verschiedenen Schichten, ist mit Problemstoffen bedruckt, verklebt und imprägniert. Oftmals enthält er eine Schicht Aluminium, die man trotz eines enormen Produktionsaufwands praktisch gar nicht recycelt, sondern letztendlich nur zu stark ökotoxischen Aluminiumsalzen oxidieren lässt.
All das geschieht völlig legal, während Deutschland sich jahrzehntelang als Mülltrenn-Weltmeister feiert.
Die bewährten Pfandsysteme kämpfen daneben seit Jahren ums Überleben, obwohl Umweltverbände von Anfang an einen breiten Ausbau echter Pfandsysteme fordern.
Im Ausland kann man sehen, dass man Kunststoffe auch recyclingfähig gestalten kann. Der Erfinder des erweiterten Recycling-Begriffs Cradle-to-Cradle, Prof. Michael Braungart ist medial höchst präsent, allein die Politik ändert an der bestehenden Praxis nichts Wesentliches: der Strom des Öls reißt auch in der Kunststoffproduktion noch immer nicht ab.
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An dieser ernüchternden Tatsache ändert auch die Darstellung aus dem Bundesumweltministerium nichts. Hier wird im Kapitel "Moderne Kreislaufwirtschaft" davon geschwärmt, wie man das Abfallaufkommen von der Wirtschaftsleistung entkoppelt hat. Das ist kein Kunststück, wenn Verbrennung und Verbringung ins Ausland als Recycling durchgeht.


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1991

Schweden beschließt eine CO2-Steuer (anfangs bei 30, mittlerweile bei 111€/t) - in D hat das bis 2020 niemand durchgesetzt.
Die EU-Kommission diskutiert eine europäische kombinierte Energie- und CO2-Steuer mit 3US-$ je Barrel Öl ab 1993, mit einer jährlichen Progression von 1$. Der Wert läge heute umgerechnet bei ca. 100$ pro Tonne CO2.
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Es kam 2005 ein CO2-Emissionshandel, der lange Zeit wegen deutschen Preis-Dumpings (Null Euro) weitgehend wirkungslos blieb.

D: Die Grünen haben 8% bei der Bundestagswahl erreicht. Die etablierten Parteien werden nervös.

Im Bundestag bereitet man sich auf die UN-Klimakonferenz 1992 in Rio de Janeiro vor.
[Bundestag 1991] (Volltextsuche "Lippold")

Zu Zeiten einer CDU-FDP-Koalition beschließt eine Mehrheit von CDU/CSU, SPD und Grünen (gegen den Koaltionspartner FDP) in namentlicher Abstimmung das Stromeinspeisungsgesetz, das der Einspeisung von Erneuerbaren Energien Vorrang gibt. Einer der Väter des Gesetzes ist der CSU-Politiker Engelsberger, der als Sohn eines Wasserkraft-Einspeisers das Geschäftsgebahren der Stromversorger als unfair empfindet.
[Berchem 2006]
[BMWi 2019]

BMW stellt - auch um dem kalifornischen Zero Emission Mandate zu genügen - mit dem E1 ein alltagstaugliches Elektroauto mit Natrium-Nickelchlorid-Akku vor.
[Wikipedia 2019 - BMW E1]

Mit Heinz Dürr übernimmt der erste von drei Ex-Daimler-Managern den Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn.
[Wikipedia 2019 - Heinz Dürr]

Gefolgt von Hartmut Mehdorn, der danach seine Karriere beim Bauprojekt des Berliner Flughafen BER fortsetzte.
[Wikipedia 2019 - Hartmut Mehdorn]
Gefolgt von Rüdiger Grube, der u.a. 2010 den klimapolitischen Appell gegen ein Abschalten von Kohle- und Atomkraftwerken unterzeichnet.
[Wikipedia 2019 - Rüdiger Grube]
[Wikipedia 2019 - Energiepolitischer Appell]

Die Sowjetunion zerfällt in unabhängige Staaten.


1992

Klimakonferenz in Rio de Janeiro: Klimarahmenkonvention, Einrichtung des Sekretariats in Bonn
[Wikipedia 2019 - Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen]

Die 12-jährige Aktivistin Severn Suzuki aus Kanada spricht 8min vor der Konferenz.


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1993

D: der Verband deutsche Stromwirtschaft behauptet: "[...] regenerative Energien, wie Sonne, Wasser oder Wind können auch lang-fristig nicht mehr als 4% unseres Strombedarfs decken. [...]
Badenwerk Karlsruhe, Bayernwerk München, EVS Stuttgart, Isar-Amperwerke München, Neckarwerke Esslingen, PreussenElektra Hannover, RWE Energie Essen, TWS Stuttgart, VEW Dortmund"
[EVU 1993]
Angela Merkel korrigiert 2005 diese Maximalprognose auf 20%; auch diese Falschbehauptung wird wenige Jahre später von der Realität eingeholt.

D: Der Auricher Windturbinen-Hersteller Enercon stellt die getriebelose E-40 vor und setzt damit einen Meilenstein in Langlebigkeit und Effizienz.
EnerconSizes de.svg
Von Jahobr - Eigenes Werk Diese Datei enthält Elemente, die von folgender Datei entnommen oder adaptiert wurden:  EnerconE-126vsCologneCathedral.svg (von Jahobr)., CC0, Link


1994

Die Bundestags-Enquète-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" empfiehlt eine europaweite Energie-CO2-Steuer.
Verknüpfung (pdf-Datei S. 488)


1995

COP1-Klimakonferenz (Conference of the Parties) in Berlin (Vorläufer von COP21 in Paris); Vorsitz Umweltministerin Dr. Angela Merkel

Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker (Biologe, Mitglied des Club of Rome) veröffentlicht mit Amory und Hunter Lovins das Buch Faktor Vier. Die These: unser Wohlstand lässt sich mit einem Viertel des Ressourcenverbrauchs aufrecht erhalten.
[Wikipedia 2019 - Faktor Vier]

Auf Gast-Vorträgen sagt er der Windenergiebranche baldige Kostenparität voraus, dass also in wenigen Jahren die Kosten pro kWh auf den Börsenpreis absinken werden. Auch die Kostenparität bei PV stellt er - bei entsprechender anfänglicher Subventionierung - in Aussicht. Die Höhe der notwendigen Subventionen vergleicht er mit den bisher gezahlten Subventionen für Atomkraftnutzung.
2010 aktualisiert er sein Werk und korrigiert den Faktor für das Potential der Ressourcenproduktivität auf Fünf.
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Durch eine Erweiterung wurde der 1994 eröffnete Windpark Eifelwind Koxhausen der größte Binnenlandwindpark Europas. Die Betreibergesellschaft Eifelwind e.V. existiert heute noch unter dem Namen EifelEnergien e.V..
[Wikipedia 2019 - Liste von Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz] (Volltextsuche "Koxhausen")
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1996

Um dem kalifornischen Zero Emission Mandate zu genügen, bringt General Motors (bekannt für das SUV-Modell "Hummer") das Elektroauto EV1 per Leasing auf den Markt und lässt von Ovonics einen leistungsfähigen NiMH-Akku entwickeln; gleichzeitig betreibt GM erfolgreich in der Lobby die Lockerung der Gesetze. 2001 werden diese Bemühungen zum Verschwinden dieser Autos von der Straße führen.

Auch Honda und Toyota bauen Modelle mit diesem Akkutyp.
[Wikipedia 2019 - General Motors EV1]
[Wikipedia (englisch) 2019 - Honda EV plus]
[Wikipedia (englisch) 2019 - Toyota RAV4 electric]

Die Deutsche Bahn bringt - Jahrzehnte nach dem erfolgreichen Vorbild Pendolino aus Italien (1969) - einen eigenen Triebwagenzug mit Neigetechnik auf die Strecke.
Ein finanzielles Desaster durch viele Fehlkonstruktionen in der Baureihe 611 von Adtranz (ein Konsortium von Daimler-Benz u.a.) führte dazu, dass viele kurvenreiche Strecken bis heute nicht mit Neigetechnik ausgestattet sind - was unzeitgemäß lange Fahrtzeiten zur Folge hat.
[Wikipedia 2020 - DB-Baureihe 611]
[Wikipedia 2020 - Pendolino]


1997

D: Die Schönauer Initiative "Eltern für eine atomfreie Zukunft" aus dem Tschernobyl-Jahr 1986 hat sich zu einem Verein gemausert, der nach vielen Widerständen schließlich genossenschaftlich die örtliche Stromversorgung übernimmt. Vor dem EEG wird neben Wasserkraft in Photovoltaik investiert. Die EWS (Elektrizitätswerke Schönau) sind nach wie vor einer der großen echten Ökostromanbieter und arbeiten ständig an neuen Ideen für Energiesouveränitat, auch in Entwicklungsländern.
Verknüpfung

D: Umweltministerin Dr. rer. nat. Angela Merkel diskutiert in "Der Preis des Überlebens" mit Fachleuten Perspektiven der Umweltpolitik, auch CO2-Abgaben. In ihrer Partei ist sie bis heute eine derjenigen, die sich am ehesten dafür aussprechen - mit der politischen Durchsetzung jedoch bleibt sie bis heute hinter den Erwartungen der Fachleute weit zurück.
[Merkel 1997]
[Heimbach 2019]
[Strohm 1998]

Japan: COP3-Klimakonferenz in Kyoto: erstmals Festlegung von CO2-Reduktionszielen (5,2% bis 2012); Deutschland hat gerade große Teile seiner maroden Ost-Wirtschaft stillgelegt und damit allein schon die Ziele erreicht (im folgenden Video ab 0'00'').
[Wikipedia 2019 - Kyoto-Protokoll]

D: Der Verband der Automobilindustrie fordert einen Ausbau der Straßen und Verkehrsleitsysteme. Die Selbstverpflichtung zur CO2-Emissionsminderung von 25% bis 2005 sei kaum noch zu schaffen, weil Standzeiten in Staus für einen "immensen Benzinverbrauch" verantwortlich seien (im Video ab 2'09'').
In der Folge hat die Bundesregierung weit mehr für den Straßenbau getan als für eine CO2-Emissionsreduzierung der Fahrzeuge.


[Tagesschau 01.12.1997]
[Gipper 2008]
[Günnewig 2016]

Die Ukraine, durch die wichtige russische Pipelines verlaufen, schließt mit der NATO einen Partnerschaftsvertrag; damit beginnt eine Krise der USA mit Russland, die sich bis heute immer weiter verschärft hat.
[Wikipedia 2019 - Nato-Ukraine-Charta]


1998

Umweltministerin Merkel nimmt das Gutachten des Sachverständigenrats der Bundesregierung für Umweltfragen SRU entgegen.

(1) offizielle Mitteilung (Volltextsuche "Klima"):
[BMU 1998]

(2) Mediendarstellung (im Video ab 8'19''): freiwillige Selbstverpflichtung zu 25% Reduktion der Emissionen bis 2005


[Tagesschau 02.04.1998]


2000

D: es kommen tatsächlich zwei 3l-Autos auf den Markt: VW Lupo 3l und Audi A2 1.2TDI.

Während der Lupo ein Kleinstwagen war, kam der A2 in die Kleinwagenklasse und schaffte dennoch 2,99l/ 100km - dank einer superleichten State-of-the-art Aluminiumkarosserie mit bester Raumausnutzung und einem hervorragenden Luftwiderstand dank Tropfenform. Das Auto gilt bis heute als Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst und oft wurde die Wiederaufnahme der Produktion mit Elektroantrieb gefordert.

Die erwünschte Wirkung der freiwilligen Selbstverpflichtung aus 1998 wird dennoch selbst 20 Jahre später weit verfehlt - der Durchschnittsverbrauch deutscher PKW liegt 2017 bei traurigen 7,5l/ 100km, zuletzt sogar wieder steigend, dank Dieselausstieg (Benziner stoßen bei gleicher Leistung mehr CO2 aus) und SUV-Boom.
[UBA 2019]
Zwischen 2000 und 2018 waren SUVs die zweitgrößte Ursache für eine Steigerung der CO2-Emissionen. Deutsche Hersteller haben auch in den USA große Fertigungskapazitäten aufgebaut, um an diesem Boom teilzuhaben.
Verknüpfung


Die geringsten Mehrverbräuche der Kompaktklasse gegenüber dem sparsamsten Modell kann man bei ca. 1l, die der Mittelklasse (incl. größerer Familienkombis) bei ca. 2l höher ansetzen.

Rot-Grün hat die mit dem EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) die Energiewende eingeleitet: es bedeutet eine massive Förderung der Erneuerbaren Energien (v.a. zu nennen Hermann Scheer und Dietmar Schütz (SPD), Michaele Hustedt und Hans-Josef Fell (Die Grünen)).

Das Gesetzespaket beinhaltet einen Abschalt-Plan für AKW.
[BMWi 2019-2]


2001

New York: 911-Terroranschläge auf das World Trade Center; die USA beginnen bald danach unter dem Vorwand "weapons of mass destruction", den der damalige Außenminister Colin Powell im Nachhinein als Schandfleck seiner Karriere bezeichnet, einen Krieg gegen den Terror und nehmen dabei eines der bedeutendsten Ölförderländer ein: den Irak. Bis heute ist die Region nicht befriedet, das Öl strömt jedoch ungehindert weiter.
[FAZ 2005]

Die Whistleblowerin beim britischen Geheimdienst GCHQ, Katherine Gun, wurde verhaftet und angeklagt, im antikriegs-gestimmten Großbritannien hat man die Anklage aber schnell fallen gelassen.
[Meier 2019]

Im Hintergrund des Oberbefehlshabers Präsident George W. Bush (Sohn des Ölmillionärs und Ex-Präsidenten George, Enkel des NS-Cofinanziers Prescott) zogen Vizepräsident Richard Cheney (vormals Manager bei Bohrtechnik-Lieferant Halliburton) und Condoleeza Rice (vormals Managerin bei Chevron) die Fäden. Bis heute vermarkten US-Firmen das irakische Öl.

Filmtipp: Vice (USA 2018)

GM verkauft das Patent für den Ovonics-NiMH-Akku des EV1 an die Ölgesellschaft Texaco, die im selben Jahr von Chevron gekauft wird. Danach dürfen nur noch 10Ah kleine Akkus in Lizenz gebaut werden, für vollektrische Autos viel zu klein. Aber auch diese kleinen Zellen erweisen sich - wie die großen im EV1 - als legendär zuverlässig, z.B. die Panasonic-Zellen im Toyota Prius.

Bis heute gibt es Spekulationen über die Gründe, warum der Ovonics-Akku als große Traktionsbatterie - entwickelt lange vor den Li-Ionen-Traktionsbatterien und extrem zuverlässig - nicht zum Durchbruch kam.
[Wikipedia (englisch) 2019 - Patentrechtliche Beschränkungen von NiMH-Traktionsbatterien]
[Wikipedia 2019 - General Motors EV1]

Es gibt Belege dafür, dass Toyota die Akkus weiter genutzt hätte, wenn der neue Ovonics-Inhaber Chevron die Produktion nicht eingestellt hätte. Bei der Klage vor dem ICC (International Court of Arbitration) wurde Stillschweigen verordnet.
[Wikipedia 2019 (englisch) - Toyota RAV4 - Chevron Patentrechtliche Beschränkungen]
[USSEC 2004-1]
[USSEC 2004-2]


2002

Das kalifornische Zero Emission Mandate fällt, und GM verschrottet gegen massive Kundenproteste nach Ende der Leasing-Verträge bis auf ein einziges alle verleasten EV1 - eine Kaufoption gab es nicht. Honda verfährt mit seinem NiMH-Modell EV plus ähnlich.

Nur Toyotas RAV4 EV überdauern das Ende des Zero Emission Mandate. Dafür, dass sie nur in kleiner Stückzahl gebaut wurden und damit spezielle Reparaturen i.d.R. eher schwierig gewesen sein dürften, laufen die Autos erstaunlich lange.
[Wikipedia (englisch) 2019 - Toyota RAV4 electric]

Filmtipp: Warum das Elektroauto sterben musste (Who killed the electric car? Sony Pictures. USA 2006)

Klimaskeptiker Wolfgang Clement (SPD) wird Wirtschaftsminister unter Rot-Grün; wird 2006 Aufsichtsrat bei RWE und verlässt - auch auf Betreiben von Hermann Scheer - 2008 die Partei; wechselt zur neoliberalen Denkfabrik INSM.


2003

Hitzewelle in Europa mit über 70.000 Todesopfern
[Wikipedia 2019 - Hitzewelle in Europa 2003]


2005

D: Kanzlerin Merkel macht den Atom-Ausstieg mit der FDP rückgängig.

Sie gibt eine Prognose ab, dass Erneuerbare Energien nicht über 20% Anteil an der Stromerzeugung haben können. Damit revidiert sie die 4%-Behauptung der Energieversorger aus 1993 und verbreitet eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung der Energieversorger, die schon wenige Jahre später widerlegt ist.
[Pieprzyk 2009] (Volltext-Suche "realistisch")

Die EU entscheidet sich auch durch massiven Druck aus Deutschland gegen eine CO2-Steuer und für einen Handel mit CO2-Emissionszertifikaten, weil der freie Markt das effizientere Regulativ sei. Als erstes legt Deutschland den Preis nahezu all seiner Emissionen für sieben Jahre faktisch auf Null Euro.

Der frisch abgewählte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird Aufsichtsratsvorsitzender der Gaspipeline-Gesellschaft Nord Stream AG, einer 51%-Tochter des russischen Gaskonzerns Gasprom.
[Wikipedia 2019 - Gerhard Schröder]

Gasprom ist 2019 die Nr. 3 der Firmen mit dem höchsten seit 1965 kumulierten Ausstoß an Treibhausgasen.
[Taylor 2019]


2006

UK: Ein Top-Ökonom erklärt (sinngemäß) die Ölparty für beendet. Der Weltbank-Chefökonom Sir Nicholas Stern veröffentlicht eine Schätzung über kommende Klimaschäden für den Fall, dass es beim Verzicht auf wirksamen Klimaschutz bleibt. Sie sorgt in Politik und Zivilgesellschaften für Furore und wird auch in der Ökonomie aufmerksam registriert.
Zitat: "Angesichts der Ergebnisse der formellen wirtschaftlichen Modelle schätzt das Review, dass die Gesamtkosten und -risiken des Klimawandels, wenn wir nicht handeln, gleichbedeutend mit dem Verlust von wenigstens 5% des globalen Bruttoinlandsprodukts jedes Jahr, jetzt und für immer, sein werden. Wenn man einebreitere Palette von Risiken und Einflüssen berücksichtigt, dann könnten die Schadensschätzungen auf 20% oder mehr des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. [...] Im Gegensatz dazu können die Kosten des Handelns – des Reduzierens der Treibhausgasemissionen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden – auf etwa 1% des globalen Bruttoinlandsprodukts pro Jahr begrenzt werden."
[wikipedia 2020 - Stern Report]
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Stern zufolge sei der Klimawandel verursacht durch das größte Marktversagen, das die Völkergemeinschaft je in Kauf genommen hat. Allerdings müsse die Politik rasch die richtigen Entscheidungen treffen: dem Ausstoß klimaschädlichen Kohlenstoffs weltweit einen Preis verpassen, ökologische Innovationen fördern und sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumen, welche die effizientere Verwendung von Energie blockieren. Je früher reagiert werde, desto weniger kostspielig sei der Kampf gegen die Erderwärmung. Schon eine Verzögerung von nur ein oder zwei Jahrzehnten werde die Menschheit auf "gefährliches Terrain" bringen. Die Rettung sei möglich, so seine Botschaft – aber nicht mehr lange.
Der Träger des Ökonomie-Nobel-Gedächtnispreises 1987, Robert M. Solow, nennt Sterns fast 600-seitige Expertise "ruhig, durchdacht und sorgfältig argumentierend". Der Preisträger 1998, Amartya Sen, meinte, die Welt wäre geradezu "dumm", ignorierte sie Sterns Botschaft.
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Stern ist heute Leiter des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung.

USA: Im selben Jahr erscheint der Film "An inconvenient truth" (deutscher Titel "Eine unbequeme Wahrheit") des Ex-Präsidentschaftskandidaten der demokratischen Partei Al Gore. Er soll das Thema Klimaschutz populär machen und sorgt auch für eine heftige, globale Diskussion. Weil Klimaskeptiker in den USA sehr aktiv sind, melden sich Klimatologen zu Wort. Sie bestätigen Gore, dass der Stand der Wissenschaft weitgehend richtig dargestellt werde.
[Wikipedia 2020 - Eine unbequeme Wahrheit - Rezeption]

Russland verriegelt aus politischen Gründen am Neujahrstag die Gaspipeline in die Ukraine, weslhalb Europa auf seine (großen) Reserven zurückgreifen muss. Man denkt in Europa deshalb über alternative Gasleitungen und -Quellen nach.
[Leidel 2006]


2007

Think City - die Weiterentwicklung eines von Ford entwickelten Konzepts aus der Zeit des GM EV1 - kommt mit Natrium-Nickelchlorid-Akku ("Zebra-Batterie") auf den Weltmarkt. Der Akku wird von MES-DEA Swiss (Tochter einer Ölgesellschaft) produziert und kommt auch in anderen Fahrzeugen zum Einsatz: Renault Twingo, Smart, Fiat Panda (Vertrieb in Schweiz und Italien), in französischen Postautos etc..
[Wikipedia 2019 - Zebra-Batterie]
[Wikipedia 2019 - Think City]

Vor 21 Jahren lautete ein Spiegel-Titel "Die Klima-Katastrophe". In der Zwischenzeit sind die Emissionen immer schneller angewachsen, doch der Spiegel titelt jetzt "Die große Klima-Hysterie". Gezeigt wird eine vor Panik schwitzende Blondine im Marvel-Stil mit der Denkblase "Hilfe... die Erde schmilzt."
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2008

Der Hamburger Klimaforscher Mojib Latif sagt eine Pause der Erwärmung voraus, bedingt durch eine negative Phase (Wärmeaufnahme-Phase) der pazifischen dekadischen Oszillation. Er weist aber auch darauf hin, dass danach wieder eine positive Phase folgen muss, bei der wieder Wärme vom Pazifik abgegeben wird.
[Latif 2008]

Politiker der USA schwanken in ihrer Position bezüglich des Klimawandels; als Prominente zu nennen sind Bob Inglis, Newt Gingrich und John McCain.

Tesla setzt - mangels größerer Zellen - 6831 kleine Lithium-Ionen-Zellen für Laptop-Akkus zu einer Traktionsbatterie für einen elektrisch angetriebenen Lotus Elise zusammen - den Tesla Roadster.
[Wikipedia 2019 - Tesla Roadster]

Im Elektroauto Think City dagegen ersetzt man den Zebra-Akku durch sehr robuste Li-Eisenphosphat-Akkus des Pioniers A123 - und geht (einmal wieder) in die Insolvenz. Auch wenn der Think das wesentlich nachhaltigere Konzept hatte als der dreimal so teure Tesla - es war nicht kommerziell verwertbar. Der Tesla Roadster verkaufte sich v.a. als eines der ersten Statussymbole für reiche Hipster. Firmenchef Elon Musk setzt dem Hype 2018 einen peinlichen Höhepunkt: er schießt einen Tesla Roadster in den Weltraum.

Die Insolvenz der amerikanischen Investment-Bank Lehman Brothers führt zur Subprime-Krise, einer globalen Finanzkrise, die die Reformbedürftigkeit des Finanzsystems schmerzlich offenbarte. Sie verdrängt den Klimaschutz schlagartig von der Agenda der Finanzwelt, die durch den Stern-Report sensibilisiert war, doch auch in der gesamten Politik und Zivilgesellschaft.
Vor allem öffentliche Finanzinstitute der USA und Deutschland gehören zu den letzten, die die faulen Lehman-Papiere halten und damit massive Schäden erleiden.
Ausgelöst wurde die Krise durch eine gigantische Immobilienblase in den USA, wo völlig überbewertete Immobilien sehr kreativ, sprich undurchsichtig verbrieft und an nichtsahnende Abnehmer verkauft wurden. In den USA wurden unter Präsident Obama Gesetze zur Markt-Regulierung eingeführt, die aber unter Trump teils revidiert wurden. Die an der Bewertung der Subprime-Papiere beteiligten Rating-Agenturen sind mittlerweile wieder als Berater in den Industrieländern sehr gefragt.
Eine ähnliche Blase weit größeren Ausmaßes unserer Zeit ist die Carbon Bubble, aus der sich mittel- und langfristige Spekulanten bereits zurückziehen.


2009

D: Schröder-Ex-Koalitionspartner und persönlicher Gegenspieler Joschka Fischer (Die Grünen) betreibt mit Unterstützung der US-Außenmimnisterin Madeleine Albright den Bau der Nabucco-Pipeline, die aserbaidschanisches Gas (in Konkurrenz zu russischem) nach Europa leiten soll.
[Welt 2009]

Im Vorfeld der COP-Konferenz in Kopenhagen gibt es erste deutliche Reduktions-Zusagen wichtiger Emittenten, u.a. den USA und China. Mit dem Simulations-Tool C-Roads des Sloan-Instituts am MIT lassen sich Vorhersagen für die Verhandlungen berechnen.


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2010

Russland, Pakistan: Eine wochenlang stabile, extrem ausgeprägte Ausbuchtung der wellenförmig verlaufenden Jet Streams (Höhen-Strahlströme) über Zentralasien verursacht eine Kombination extremer Dürre in Russland, bei der selbst Moore großflächig zu brennen beginnen, und Überflutungen in Pakistan.
Die wissenschaftliche Diskussion über die Ursachen veranlasst die Physikerin Friederike Otto zur Begründung der modernen Attributionsforschung. Sie nutzt verschiedene Modelle für einen Vergleich der Wahrscheinlichkeiten, mit der ein Wetterereignis mit und ohne Klimawandel aufgetreten wäre.
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Solche Störungen des Jet Streams werden seit 2014 immer häufiger als Ursache für klimaassoziierte Unwetterlagen erkannt.
[Viering 2014]


2011

Das Weltwirtschaftsforum in Davos bewertet den Klimawandel als "eines der größten Risiken, mit sehr großen Auswirkungen und einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit".
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Fukushima bringt in D den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomkraft

Einweihung der deutsch-russischen Gas-Pipeline Nordstream, die die Ukraine umgeht.

Der Ökostrom-Anbieter Lichtblick startet eine Kooperation mit VW. VW liefert den Kunden ein Blockheizkraftwerk, das elektrischen Strom - zum Selbstverbrauch oder zur Einspeisung - und Heizwärme liefert. Weil die BHKW zentral gesteuert werden, spricht Lichtblick von Schwarmenergie.
Blockheizkraftwerke sind beliebte Projekte von Pionieren, die damit die winterliche Versorgungslücke ihrer PV schließen; schon lange bewährt z.B. das Modell Dachs von Senertec. Solche Anlagen werden zunächst mit fossilem Brennstoff betrieben, deren Brennwert für die Stromproduktion veredelt wird. Tüftler haben jedoch (wie im Kfz) auch Bio-Kraftstoffe erfolgreich genutzt; heute käme synthetisches, CO2-neutrales P2L in Frage.
Verknüpfung Die Einspeisebetrieb hat den Vorteil, dass das Netz damit stabilisiert werden kann.
2014 wird die Kooperation aufgekündigt. Lichtblick sieht die Konditionen von VW als inakzeptabel an.
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Die neoliberale Denkfabrik INSM von Ex-Witschaftsminister und Klimaskeptiker Wolfgang Clement betreibt unseriöse Kampagnen gegen Erneuerbare Energien.
[Wikipedia 2019 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft]
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[INSM 2012]


2012

Der Ex-RWE-Manager und Klimaskeptiker Fritz Vahrenholt (SPD) veröfentlicht sein Buch "Die kalte Sonne" und startet einen gleichnamigen Blog. Die Bild-Zeitung greift das Thema reißerisch auf in der Serie "Die CO2-Lüge". Die Titel:
"Renommiertes Forscher-Team behauptet: Die Klima-Katastrophe ist Panik-Mache der Politik"
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"Seit 12 Jahren ist die Erd- Erwärmung gestoppt!" Verknüpfung
"Stoppt den Wahnwitz mit Solar- und Windkraft!"
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Netzparität für Photovoltaik: die Erzeugungskosten für PV-Strom sinken unter den durchschnittlichen Preis für konventionellen Strom.
[Wikipedia 2019 - Netzparität]

BASF kauft Patente für Akku-Technik, u.a. für den Ovonics-Akku aus dem GM EV1 und den Lithium-Schwefel-Akku.
[Stahl 2012]


2013

Der (später von Trump kurzzeitig als US-Außenminister engagierte) Chef von Exxon Rex Tillerson teilt mit Putin die arktischen Ölreserven auf...
[Busvine 2012]

...und erhält die russische Verdienstmedaille (Volltextsuche "friendship")
[Kreml 2013]

CDU-Umweltminister Peter Altmaier muss gegenüber FDP-Wirtschaftsminister Rösler bei der Preisbremse für Verbraucher-Strom Zugeständnisse machen. Entlastet wird vor allem die Industrie. Altmaier wäre an einer wirksamen Strompreisbremse gelegen gewesen.
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Damit wird die deutsche Energiekehrtwende eingeleitet. 2019 kommt der Ausbau der Windkraft fast komplett zum Erliegen, PV sinkt bis da hin dramatisch - im Gegensatz zum Rest der Welt.
[Spiegel 2013]
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Die Konkurrenz-Pipeline zur russisch-deutschen Verbindung Nordstream - Nabucco - ist gescheitert.
[Wikipedia 2019 - Nabucco-Pipeline]


2014

in der Ukraine wüten Proteste gegen die russlandfreundliche Regierung Janukowytsch, die mit einer Öffnung des Landes nach Westen enden

in einem Telefongespräch spricht US-Staatssekretätin Nuland von 5 Milliarden $, die die USA in politische Arbeit in der Ukraine investiert haben soll
[Wikipedia 2019 - Euromaidan]
[Bota 2015]

währenddessen arbeitet der Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden, Hunter Biden, für eine ukrainische Gasgesellschaft
[Bidder 2015]

PV: die hocheffiziente PERC-Rückseitenkontaktierung kommt zunehmend in den Massenmarkt und ermöglicht höhere Wirkungsgrade
[Aleo 2018]
[Recgroup 2014]


2015

D: Durch die aktuelle Strommarkt-Regelung (Merit-Order-Prinzip) werden immer mehr hochmoderne Gaskraftwerke stillgelegt, weil Kohlekraftwerke mit ihrem Billigstrom die Netze verstopfen. CO2-Preisaufschläge würden das verhindern. Gaskraftwerke sind eine Schlüsseltechnologie in der flexiblen Lastregelung und vor allem in der Sektorenkopplung, und daher unverzichtbar in der Energiewende.
Siemens verkündet die Schließung seiner Gasturbinen-Produktion in Deutschland.
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Im Mai warnt der Münsteraner MEET-Batterieexperte Prof. Martin Winter in der bei Verbrennerfahrern überaus bekannten Zeitung Auto, Motor und Sport: innerhalb von zwei Jahren schließe sich für Europa das Zeitfenster, um in der Batteriefertigung noch mithalten zu können. Gleichzeitig startet in konservativen und liberalen Medien eine jahrelange, massive Kampagne gegen das Elektroauto, für "Technologie-Offenheit", sprich Verbrenner (auch mit erneuerbaren Brennstoffen), und Brennstoffzellen-Autos.
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2016

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) setzt der Windkraft in Deutschland einen Deckel auf.
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2017

USA: Donald Trump wird Präsident und setzt den Klimaskeptiker Scott Pruitt als Chef der EPA ein, der die Behörde schnell verkleinert und ihre Möglichkeiten beschneidet.

Russland: Ex-Kanzler Schröder (SPD) wird Aufsichtsratsvorsitzender des russischen Ölkonzerns Rosneft


2018


Mitteleuropa: extrem anhaltende Hitzewelle

Deutschand erlebt eine Rekord-Dürre.

Nach der Wahl von Trump gibt Tillerson die Geschäftsbeziehung mit Putin schnell wieder auf:
[Bershidsky 2018]

Europa plant neue Terminals für Fracking-LNG aus den USA. Gegen den Baubeginn der zusätzlichen deutsch-russischen Pipeline Nordstream 2 machen die USA nicht nur Druck auf Deutschland, sondern auch auf beteiligte Firmen.
[Spiegel 2019-2]
[Bidder 2019]

Juli: Als er eine Beschränkung der Kohleindustrie durchsetzen will, wird der australische Präsident Turnbull durch eine vernichtende Medienkampagne des Milliardärs Rupert Murdoch zum Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger ist der ultrakonservative Klimaseptiker Scott Morrison.

August: Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg beginnt am 20.08. ihren Schulstreik fürs Klima, zwei schwedische Zeitungen berichten am ersten Tag. Eine Woche später die TAZ. Am 29.08. dreht die schwedische Klimaaktivistin Janine O' Keeffe mit ihr ein dreiteiliges Interview.
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Ein Jahr später zählt ihre Bewegung Fridays for Future weltweit viele Millionen Unterstützer aller Altersgruppen.
[Wikipedia 2019 - Greta Thunberg]


2019

Januar: Hitze in Australien
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D Sommer: lang anhaltende Gewitterneigung mit Extremniederschlägen wie in mehreren Jahren zuvor. Die großen Regenmengen sind allerdings nicht in der Lage, den Boden bis in die Tiefe zu durchfeuchten, denn ein Großteil fließt oberflächlich ab - die Wassermenge fällt in zu kurzer Zeit und kann nicht einsickern. In der Folge kommt es zum größten Waldsterben seit den 80er Jahren.

Indien erlebt im Juni eine anhaltende Rekord-Hitzewelle mit bis zu 50°C
[Fischer 2019]

Der Rekord-Orkan Dorian geht mit 350km/h, 800mm/ m2 Regen und extrem geringer Wanderungsgeschwindigkeit (wegen der Rossby-Wellen) über die Bahamas-Inseln, die teils völlig verwüstet werden.

Südspanien erlebt im September aufgrund des warmen Mittelmeers und der niedrigen Wanderungsgeschwindigkeit eines extremen Tiefdruckgebiets (Rossby-Wellen) einen Rekordniederschlag mit bis zu 400mm/ m2 in kurzer Zeit, Norditalien im Oktober mit 300mm/ m2, Südfrankreich im November mit 700mm/ m2.
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Bei Cannes plant man demnach wegen der großen Häufigkeit der Extremniederschläge die Enteignung von Villenbesitzern, um durch Abriss der Häuser den Wasserabfluss zu verbessern.
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Iran wird durch US-Sanktionen am Ölexport gehindert, was den Ölpreis steigen lässt - und wogegen Europa erfolglos Widerstand leistet. England und Iran liefern sich daraufhin einen regelrechten Freibeuter-Konflikt, indem der jeweils eine einen Tanker des anderen beschlagnahmt, was die Spannungen verschärft. Iran beginnt, die USA durch Ankündigung der Uran-Anreicherung und Ölschmuggel an Syrien offen zu provozieren.
[Brüggmann 2019]

September: Das Klimakabinett beschließt im Rekordtempo ein Klimapaket. U.a. 10€ CO2-Abgabe ab 2021. Die Fachleute sind entsetzt, die Klimaschützer empört.

In der Ausgabe der Polit-Talkshow Anne Will vom 22.09. sieht sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einer Phalanx von Kritikern gegenüber. Er wird letztlich zum politischen Offenbarungseid gezwungen (sinngemäß): wenn die Bürger von der Energiewende nicht überzeugt sind, können Politiker sie auch nicht durchsetzen.
Man muss aber dazu sagen: Altmaier hatte - ganz in der Parteitradition - die Energiewende von Anfang an als zu teuer, oft als Armuts-Risiko für die einkommensschwachen Haushalte, dargestellt ("die Oma aus Gelsenkirchen", die sich ihr "Stück Kuchen" nicht mehr leisten kann). Vor Altmaiers Zeiten hieß es in der CDU sogar noch, sie sei völlig unrealistisch.

Anne Will 22.09.2019 (ARD): Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung - großer Wurf oder große Enttäuschung? - auszugweise Mitschrift
Gäste:
Peter Altmaier: CDU (Bundeswirtschaftsminister)
Annalena Baerbock (Bündnis 90/ Die Grünen (Vorsitzende))
Otmar Edenhofer: TU Berlin, PIK Potsdam (Direktor und Chefökonom)
Claudia Kemfert (DIW Berlin, Leiterin Abteilung Energie)
Bernd Ulrich: Die Zeit (Chefredakteur Wissenschaft)

18' Altmaier erklärt, dass Deutschland große Anstrengungen leistet, um P2X voranzubringen.
Will fragt, warum der Meinungsumschwung nicht für effektive Maßnahmen genutzt wird.
Altmaier stellt noch einmal wortreich sein Programm vor, das von allen Fachleuten als völlig unzureichend kritisiert wird. Und setzt dann an, über die einkommensschwachen Haushalte zu sprechen: "Das sind die, die wir mit einem harten Vorgehen am härtesten treffen würden, und deshalb..."
20'40'' Ulrich (unterbricht): "Also ich finde das total gut, Herr Altmaier, dass die Parteien, die sonst am meisten die Marktwirtschaft anbeten und auch Ungleichheit ok finden, weil es einen Anreiz bietet, jetzt beim Klima die wahnsinnig interessante Entdeckung machen, dass die Armen sich Dinge nicht leisten können, die sich Reiche leisten können. [...] In jedem Bereich ist das so und es gibt viele Bereiche, wo man 'was ändern sollte. Aber das, was sie jetzt wieder gesagt haben, das geht einfach nicht mehr. Natürlich ist das untere Einkommensdrittel in dieser Republik nicht für den Klimawandel verantwortlich, am wenigsten dafür verantwortlich. Und die können auch nicht die Kosten tragen. Aber was doch seit Jahren und Jahren in Deutschland läuft, ist doch:
Im Namen der Armen billiges Fleisch - und alle essen dieses Fleisch.
Im Namen der Armen müssen die Benzinpreise unten gehalten werden - und alle rasen damit [...].
Im Namen der Armen Billigflüge - und alle fliegen billig.
Sie müssen das durchbrechen, und das tun sie nicht.
Sie berufen sich auf die Armen, um nichts zu tun.

22' Edenhofer: "Also das ist doch wirklich 'ne Geisterdebatte. Wir haben mit den Vorschlägen, die wir gemacht haben, das Thema sozialer Ausgleich ins Zentrum gestellt. Wir haben gesagt, wir könnten durch die Abschaffung der Stromsteuer, durch die Finanzierung des EEG aus den Steuern gerade die einkommensschwachen Haushalte entscheidend entlasten. Wir haben 'ne Klimadividende diskutiert, die ganz schnell dann vom Tisch gefallen ist in ihrem Paket zum sozialen Ausgleich - das lässt in hohem Maße zu wünschen übrig. Sie subventionieren E-Autos, und das betrifft die obere Mittelschicht, und es gibt 'ne ganz geringfügige Entlastung bei [...] der EEG-Umlage. Aber jetzt zu sagen, da gibt es diejenigen, die stellen den Klimaschutz über alles und nehmen dafür die Spaltung der Gesellschaft in Kauf und scheren sich keinen Deut d'rum, wie es einkommensschwachen Haushalten geht, das stimmt einfach nicht, weil man kann eine CO2-Bepreisung sehr wohl so ausgestalten, dass einkommensschwache Haushalte und auch Haushalte auf dem Land entlastet werden. Und ich finde wirklich nicht akzeptabel, dass bei den Vorschlägen, die wir diskutieren können, aber dass so getan wird, als würde man den sozialen Ausgleich und den sozialen Zusammenhalt bei der Klimapolitik völlig vernachlässigen."
[...]
34' Edenhofer: "Wenn ein CO2-Preis so kommuniziert wird, dass die Leute das Gefühl haben, sie werden dadurch gegängelt und geschröpft, und man fragt die dann, habt Ihr Lust, gegängelt und geschröpft zu werden, und die sagen Nein, dann muss man sich eigentlich net wundern. Was man doch sagen muss und den Leuten klar machen müsste ist:
Es gibt doch viele Menschen in unserem Land, die Klimaschutz wollen, die auch persönlich bereit sind ihre Emissionen zu reduzieren. Ein CO2-Preis leistet doch folgendes: Dass meine Anstrengungen, die ich unternehme, nicht durch andere zunichte gemacht werden, die dann noch mehr emittieren. Das ist nämlich der Weg in den Fatalismus. Und dieser Fatalismus, der muss jetzt endlich gestoppt werden. Und wenn man den CO2-Preis den Leuten so klarmacht, das wird alle Investitionsentscheidungen, alle Konsumentscheidungen verändern in Richtung auf Emissionsreduktion. Und dann gibt's für die, die besonders belastet sind, einen sozialen Ausgleich.
Ich bin eigentlich der Überzeugung, dass man dafür eine Mehrheit bekommt. Wenn man den Klimaschutz aber von vorneherein unter Generalverdacht stellt, dass man gegängelt und geschröpft wird, dann braucht man sich net wundern, dass es dafür keine Mehrheiten gibt."
35'16'' Altmaier wird zum politischen Offenbarungseid gezwungen:
Will: "Herr Altmaier, haben Sie es also falsch kommuniziert, von Beginn an, und sind deshalb auf der Strecke plötzlich so mutlos geworden?"
Altmaier: "Also, ich hab' ja vorhin schon gesagt, dass ich glaube, dass wir in den letzten Jahren noch Fehler gemacht haben, ja, dass wir früher hätten reagieren müssen, ja, vor allem miteinander, aber die Politik muss eben selber Rechenschaft ablegen, was sie tut. Und wir tun mehr als heute abend diskutiert wird. Wir haben zum Beispiel nicht nur die 3 Cent [Anmerkung: Kraftstoffpreis-Erhöhung durch die sog. CO2-Bepreisung], sondern..." Will [unterbricht]: "Sie haben gehört, was Herr Edenhofer gesagt hat..."
Altmaier: "Ich weiß, ich weiß."
Will: "Es wird so schlecht kommuniziert, dass die Menschen kein Vertrauen mehr in Sie haben. Das ist vielleicht der Grund."
Altmaier: "Ja aber wissen Sie, ich hab' die Menschen gefragt, ob sie mitbekommen haben, was der Sachverständigenrat uns empfohlen hat, Herr Edenhofer und sein Potsdamer Institut, das ist in der Öffentlichkeit nicht verankert. Und die Politik hat auch nur begrenzte Möglichkeiten etwas zu kommunizieren, das hat Herr Macron bemerkt, das hängt damit zusammen, dass..."
Will [unterbricht]: "Er hat's gar nicht kommuniziert. Er hat's doch nicht erklärt." Altmaier: "... dass eben nicht jeder Anne Will anschauen muss, wenn er nicht möchte. Auch nicht die Tagesschau oder die Heute-Sendung. So. Und dann müssen wir als Politiker - wir sind nicht allmächtig. Wir sind nicht allwissend. Wir müssen den Mut haben, bestimmte Dinge zu entscheiden, wir haben zum Beispiel gesagt, wir wollen die Kraftfahrzeugsteuer verändern [Baerbock entgleisen die Gesichtszüge], neben der CO2-Bepreisung kommt hinzu, dass CO2-arme Kraftfahrzeuge weniger zahlen, und CO2-produzierende Kraftfahrzeuge in hohem Stile mehr bezahlen müssen, so, und dann werden die Leute sich überlegen, wenn ich'n neues Auto kaufen muss, kauf' ich dann noch eines, das mehr als der Durchschnitt produziert, oder kaufe ich vielleicht ein anderes. Darüber muss geredet werden auch in den Schulen, darüber muss geredet werden im Deutschen Bundestag, von der Politik, ja, wenn wir mit der Kommunikation besser werden können, ja, aber ich hab' bisher noch nicht denjenigen gesehen, der uns erklärt hat, wie das am besten geht. Die Grünen haben es im letzten Wahlkampf nicht geschafft und im vorletzten Wahlkampf übrigens auch nicht. Das muss man der Ehrlichkeit halber sagen, so einfach ist es offenbar nicht."


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Am 26.09. kann sich Altmaier bei Maybrit Illner dann eher zurücklehnen, weil hier auch Vertreter der Automobilindustrie zu Wort kommen.
Illner ist sich einig mit Mario Gutmann, dem Vertreter der Belegschaft bei Bosch Bamberg, über die negative Umwelt-Bewertung des Elektroautos. Gutmann und VDMA-Vizepräsident Karl Haeusgen teilen einen Rundumschlag auf Energie- und Verkehrswende aus und interpretieren dabei auch noch einmal die Dieselkrise auf ihre Weise. All das tun sie unwidersprochen von der Moderatorin Maybrit Illner, obwohl Experten in vielen Punkten weit mehrheitlich ganz anderer Auffassung sind.

Maybrit Illner 26.09.2020 (ZDF): Abschwung, Jobs und Klimarettung – riskieren wir unseren Wohlstand? - auszugweise Mitschrift
Gäste:
Nina Treu (Konzeptwerk Neue Ökonomie)
Haeusgen (Vizepräsident VDMA)
Robert Habeck (Bundesvorsitz Bündnis 90/ Die Grünen)
Peter Altmaier (CDU, BMWi)
Mario Gutmann (Betriebsrat Bosch Bamberg)
26' Gutmann: "Wir sind nicht technologieoffen. Das ist eines der großen Probleme an diesem Standort Deutschland. [Applaus]
Wenn wir technologieoffen wären, und keiner, auch ich nicht, weiß, was letztendlich zielführend ist im Antriebsstrang, das weiß keiner, aber sich auf eine Technologie zu stürzen, was das Thema Elektrifizierung heute ist, ja, aber die Brennstoffzelle außen vor lässt, das Thema E-Fuels (P2L) außen vor lässt, die Hybridisierung. Der Verbrenner, da bin ich mir sehr, sehr sicher, den wird's noch lange geben, weil der ist heute, wenn man's will, vom CO2 her ideal [Einblendung Haeusgen: lächelt und nickt, sagt "ja"; Zuschauer im Hintergrund mit kritischem Blick nickt bedeutungsvoll], ja, wir können vom CO2 her ideal an das Thema 'rangehen, wenn wir heute ein neues Auto nehmen, egal ob Sie Feinstaub, NOx oder CO2 nehmen, da brauchen wir heut' net d'rüber reden - es interessiert bloß keinen mehr.
[Applaus]"
Illner: "Wenn man sagt, Arbeitsplätze und Klimaschutz sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden, dann sagen Sie, das ist richtig, das wollen Sie auch nicht, oder sagen Sie, das ist eine Phrase?"
Gutmann: "Nein, nein, nein. Das ist das Dümmste, was man machen kann. Und das ist ja genau das, was polarisiert. Wenn wir heute hergehen und versuchen die Arbeitsplätze gegen das ganze Ökonomische und Ökologische auszuspielen, dann haben wir ein Problem. Und ich bin beim Herrn Habeck, wir müssen an dem Thema arbeiten, aber die ganze Hysterie, die hier aufgelegt wird, das was letztendlich daraus gemacht wird, das ist ein Riesen Problem. Wir brauchen Zeit."
Illner: "[...] Auf wen sind Sie eigentlich wütender? Auf die Politik oder auf die großen Automobilkonzerne, die ihre Milliardendividenden nicht schon 'mal in Investitionen gepackt haben?"
Gutmann: "[...] als Erstes auf die Politik, weil [...] wir haben zu lange geschlafen um an dem Thema zu arbeiten, wir waren zu lange satt von dem Thema her und das ist, wenn alles läuft, bewegt sich auch keiner [Einblendung Altmaier], aber das eine ist, dass wenn wir jetzt die Politik verantwortlich machen etwas zu tun - und ich bin nicht der Meinung, dass wir mit dem Thema, das als Paket jetzt geschnürt ist, das richtige Thema angehen, weil ich glaube nicht, dass die Elektrifizierung - ich red' jetzt von dem Litium-Ionen-Thema - zielführend ist.
Und wenn man sich das anschaut, und jetzt auch wieder in Richtung Umwelt 'mal schaut, eine Lithium-Ionen-Batterie, aus was die heut' hergestellt wird..."
Illner: "Das ist ja überhaupt nicht umweltfreundlich, aber auch da wird ja an Alternativen gearbeitet."
Gutmann: "Ja, aber die haben wir heute nicht."
[...]
33' Habeck: "Die Beschäftigten der Verbrennerindustrie baden jetzt schon - ohne Klimapolitik - die Vertrauenskrise der Verbraucher aus, die die Automobilwirtschaft ausgelöst hat. Für die Zukunft haben wir es mit einer strukturellen Veränderung der Weltwirtschaft zu tun. Zitat: "Dass eine Exportnation, die dann auch noch auf dem Export von fossil produzierenden Fabrikaten [...] [be]ruht, vielleicht ein echtes Problem hat, vielleicht nicht zukunftsfähig ist."
34'45'' Roth warnt vor Protektionismus à la Trump.
34'50'' Habeck: "Vor der Welle bleiben, sofern es noch geht, das heißt die Abkühlung der Konjunktur zu bekämpfen mit allen Mitteln, die wir haben. Das heißt zu investieren. Und zwar nicht mit 5 Mrd. jährlich, sondern tatsächlich jetzt die Notwendigkeit zu nutzen, CO2 einzusparen, Industrie zu unterstützen, Forschung und Entwicklung voranzubringen und die Versäumnisse der letzten 15, 20 Jahre aufzuholen. [...] Wir tun noch immer so, als ob wir die Schlausten, Klügsten und Besten der Welt sind, das sind wir nicht, wir sind weltökonomisch abgehängt."
35'20' Altmaier will antworten, doch Haeusgen geht dazwischen: er nimmt die Politik (die sein Verband ja auch maßgeblich mitbestimmt hat) in Schutz und gibt der zivilgesellschaftlichen Dynamik die Schuld am Arbeitsplatzabbau in der Dieselbranche.
37'45'' Altmaier erklärt Entscheidung für die deutsche Akku-Fabrik: man habe 20 Jahre lang den technologieoffenen Ansatz verfolgt, intensiv auch am Brennstoffzellen-Auto geforscht und noch kein konkurrenzfähiges Produkt zu Stande gebracht.
39'40'' Roth stellt fest, wir seien technologisch abgehängt, und zwar v.a. in KI und E-Mobilität.
61'20'' Haeusgen: "Es ist nicht eine Frage, wieviele Milliarden wir einsetzen, sondern ob wir sie effizient einsetzen, und wenn ich mir die bisherige Energiewende anschaue, dann sind bisher viele, viele, viele, viele [...] Milliarden sehr, sehr, sehr ineffizient eingesetzt worden und das ist das, was mir Angst macht. Sie haben dieses Batterieprojekt vorangetrieben und Sie haben Volkswagen gerufen in der E-Mobilität. Wer redet über die Brennstoffzelle, wer redet über das Projekt Power-to-X? Das sind Technologien, die vermutlich langfristig CO2-mäßig die bessere Bilanz haben als die batteriebetriebene Elektromobilität."
[Illner 2019]

Oktober: Obwohl die Kohlekommission ein Ausstiegsgesetz angekündigt hat, erhält Uniper die Betriebsgenehmigung für ein neues Steinkohlekraftwerk in Datteln, NRW. Das BMWi sieht sich im Kohleausstieg dennoch "auf Zielkurs". Der Abstand zur Bebauung beträgt weniger als 500m. NRW ist nach Bayern das Bundesland mit den schärfsten Abstandsregeln für Windräder.
[Bundesregierung 2019]
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Schweden: Die Erfinder des Li-Ionen-Akkus bekommen den Nobelpreis für Physik. Doch in der konservativen Zeitung die Welt bestreitet man, dass ein Preis für eine derartig "problematische" Technik angemessen ist, und hält die Vergabe für politisch motiviert und somit fragwürdig.

Zitat: "Würdig eines Nobelpreises?
Das sind große Worte für eine Technologie, die bei Rohstoffgewinnung und Entsorgung noch große Probleme bereitet. Der Strom, mit dem Lithium-Ionen-Akkus aufgeladen werden, stammt hierzulande zu mehr als 50 Prozent aus Kraftwerken, die mit Kohle, Öl und Gas betrieben werden. Da kann man noch lange nicht von CO2-Neutralität reden. [...] Problematisch ist insbesondere die unterschwellige politische Botschaft dieses Nobelpreises, Elektromobilität sei gut. Vielleicht sind aber letztendlich Autos, die mit Wasserstoff oder synthetischem Benzin betrieben werden ökologisch besser? Da sind sich die Experten noch nicht einig."
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November: Die Dürreereignisse im südlichen Afrika wurden in den letzten Jahrzehnten immer häufiger; zur Zeit ist es so extrem, dass die Victoriafälle bis auf ein Rinnsal ausgetrocknet und 45 Millionen Menschen von Hunger bedroht sind.
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Der Gesetzesentwurf von Wirtschaftsminister Altmaier zum Kohleausstieg setzt auf Freiwilligkeit bei der Abschaltung.
Windturbinen-Hersteller Enercon steht auf einer Weltspitzen-Position, doch entlässt 3000 Mitarbeiter aus der deutschen Produktion. Trotz der massiven Kritik von Fachleuten ist Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) beim Ausschreibungsverfahren für EE geblieben - was den Ausbau der Windkraft praktisch auf Null gebracht hat. Keine Rede von Änderungen im Ausschreibungsverfahren, ganz zu schweigen von Info-Kampagnen für Klimaschutz mit Windkraft oder gar Arbeitsplatz-Rettungsprogrammen wie in fossilen Industriezweigen. Stattdessen wird die Abstandsregelung für Windräder verschärft auf mindestens 1000m, selbst von Bauerwartungsland (wo also noch gar keine Häuser stehen). Damit sinkt das Potential für Windräder onshore massiv.
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54 Jahre nach der Empfehlung von US-Präsident Johnsons Expertenkommission, und nachdem viele internationale Top-Ökonomen (u.a. 27 Träger des Nobel-Gedächtnispreises) und Wirtschafts-Organisationen wie IWF und OECD sich dafür ausgesprochen haben, erwägt die CDU nach einem Sommer großer Fridays-for-future-Proteste endlich eine "Bepreisung" von CO2. Die GroKo beschließt für 2021 zunächst rekordverdächtig niedrige 10€ pro Tonne - ein Zehntel der Steuern in Schweden oder in der Schweiz), also nur einen Bruchteil der Expertenempfehlungen, die zwischen 50€ (IWF) und 180€ (UBA) liegen.

Deutsche Nachtzug-Waggons gehen wieder in Betrieb, sogar grenzüberschreitend: allerdings nicht für die DB, sondern für die Österreichischen Bundesbahnen.
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Dezember: 47 Jahre nach seinen epochalen Computer-Simulationen für den ersten Bericht des Club of Rome "The Limits to Growth" präsentiert das vielfach preisgekrönte Sloan-Institut am MIT EN-Roads, ein neues Simulations-Tool, das online jedermann zugänglich ist. Der Benutzer kann klimapolitische Weichenstellungen zu 18 verschiedenen Einflussgrößen variieren und die MIT-Server berechnen in Echtzeit die nach dem Stand der Wissenschaft zu erwartenden Einflüsse auf Atmosphäre und Temperatur.
[Sterman 2019]

Die COP25 werden von den klimaskeptischen Regierungschefs der USA und Australien blockiert. Kurz danach erlebt Australien schon zu Beginn der Brandsaison epochale Buschbrände mit bis zu 70m hohen Flammen.
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Siemens beteiligt sich derweil an der Ausstattung einer neuen australischen Kohlemine.
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Waldbrand-verhütende Leistungsschalter verkauft Siemens gleich mit dazu.
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2020

Wir schreiben 63 Jahre und +0,8°C nach Revelles eindringlicher Warnung vor der globalen Erwärmung.

Januar: In Australien wurde das schon von Aborigines praktizierte Backburning (Abbrennen des Unterholzes), in den letzten Jahren vernachlässigt oder war witterungsbedingt unmöglich. Klimaskeptiker behaupten sogar, die australischen Grünen hätten sich dagegen ausgesprochen - eine komplette Verdrehung der Tatsachen. Dass die Buschfeuer in diesem Jahr alle Rekorde brechen, wird von ihnen v.a. auf diese Tatsache geschoben, und auf Brandstiftung. Sie ignorieren, dass die Temperaturen seit Jahren auf immer neue Rekordwerte steigen und der Regen Rekordminima erreicht. In diesem Jahr brennen sogar Regenwälder. Die giftigen Rauchschwaden ziehen bis Südamerika.
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Während das Bureau of Meteorology zaghaft einen Zusammenhang zwischen den Feuern mit Temperaturerhöhung und Niederschlagsrückgang herstellt, tönt der fossilökonomistische Ministerpräsident Morrison von der Rücksichtslosigkeit der Klimaschützer.
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BlackRock-Chef Larry Fink kündigt den Rückzug seiner Vermögensverwaltung - der größten der Welt mit der vielbeachteten Analyse-Plattform Aladdin - aus fossilen Investments an. Der ehemalige Deutschland-Chef von BlackRock, Kanzleraspirant Friedrich Merz, ist mit seinen vorher heftigen Angriffen auf Fridays for Future bemerkenswert zurückhaltend.

Bei Maybrit Illner beschönigt Altmaier zuerst die katastrophalen Auswirkungen seiner Energiepolitik auf die Energiewende. Er spricht von einem PV-Boom, der von Experten jedoch auf das absehbare Ende der Förderung (PV-Deckel) zurückgeführt wird. Dann verteidigt er diese Politik mit der Rücksichtnahme auf Bürgerbewegungen. Süffisant verweist er auf die traditionelle Bedeutung von Bürgerbewegungen für die Grünen, verschweigt dabei aber geflissentlich seine engen persönlichen Kontakte und die seiner Mitarbeiter zur Windgegner-Szene.
34' Altmaier: "Dann sollten Sie doch wenigstens so ehrlich sein zu sagen, dass wir einen Boom haben beim Ausbau der Photovoltaik. Und wir haben beschlossen als Koaltion wir schaffen diesen Deckel ab. Wir haben einen Boom beim Ausbau der Windenergie auf hoher See. Der Anteil des Stroms wird jede Woche, jeden Monat größer. [...] Wir sind eine Demokratie, wo uns gerade die Grünen gezeigt haben, dass es wichtig ist, mit den Menschen vor Ort zu reden, und sie haben Bürgerinitiativen zu allen möglichen Themen organisiert. Und damit müssen sie jetzt leben, dass sich Menschen bei Themen zu Wort melden, die ihnen vielleicht nicht ganz so genehm sind."
[Illner 2020] 34'

Februar:
Antarktis: ein Eisberg von 300km2 Fläche bricht bei 18,3°C ab.
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Die Temperaturen in der Antarktis erreichen sogar 20,75°C.
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März:
Weil ein Ende des Ölstroms noch lange nicht absehbar ist, steigt die Konfliktgefahr der Großmächte um die arktischen Ölreserven weiter an:
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April:
Obwohl er zwei Jahre lang heftig kritisiert wurde: der Photovoltaik-Deckel bleibt bestehen, und jetzt zeigt er Wirkung: immer mehr Planungen für PV-Anlagen werden aufgegeben oder gar nicht erst in Angriff genommen. Auch die Windkraft-Abstandsregelung bleibt restriktiv: die deutsche Energiewende bleibt blockiert.
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Juni: Kurz vor dem drohenden Verschließen des PV-Deckels ringt sich die Große Koalition endlich durch, ihn abzuschaffen. Für viele PV-Installateure zu spät.
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16 Unternehmen des deutschen Finanzsektors mit 5,5 Billionen Euro Kapital vereinbaren gemeinsame Ziele zur Erreichung der Pariser Klimaziele.
[Finanzsektor 2020]
Während also Big Money mehr und mehr aus Angst vor Stranded Assets aus den fossilen Investments flüchtet, wirft Europa und allen voran Deutschland diesen irgendwann "faulen" Anlagen weiter frisches Geld hinterher, statt es in Zukunft zu investieren.
[Investigate Europe 2020]

3. Juli: Bundestag und Bundesrat beschließen den Kohleausstieg "spätestens 2038".
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Fachleute betrachten einen wesentlich früheren Ausstieg zum einen als möglich, aber vor allem als klimapoltisch dringend geboten.
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Das Gesetz, das Fridays for Future Deutschland als "Kohleeinstiegsgesetz" bezeichnet, sieht mehrere Milliarden Entschädigung vor, obwohl die rechtlichen Grundlagen dafür laut Regierungs-Gutachten nicht gegeben sind.
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Mit den Entschädigungen für die Braunkohle-Industrie werden Begehrlichkeiten geweckt bei der seit Jahrzehnten in Abwicklung befindliche Steinkohle-Industrie, die ihren Brennstoff längst nicht mehr aus Deutschland, sondern aus teils prekärer Ausbeutung bezieht.
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Allein die hohen Subventionen könnten EU-Strafzahlungen nach sich ziehen, ganz zu schweigen vom durchaus denkbaren Schadenersatz für Klimafolgen.
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Der VDI bezeichnet PV als "Joker der Energiewende" und hält Preise von 1ct/ kWh für möglich. Ein forcierter Umstieg auf elektrische Fahrzeugantriebe werde zudem den Synergieeffekt bei der Kostensenkung der Stromspeicher weiter verstärken und damit die Potentiale von PV zusammen mit Windkraft deutlich erhöhen.
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Nur einen Monat nach dem Kohleausstiegsgesetz, am 5. August, räumt Peter Altmaier öffentlich ein, 15 Jahre im Klimaschutz "viel Zeit verloren" und "Fehler gemacht" zu haben, und es einen "enormen Nachholbedarf" gebe. In den nächsten Monaten müsse daher dafür gesorgt werden, "dass der Weg zur einer CO2-Neutralität unumkehrbar wird." Wie er zu diesem Sinneswandel gekommen ist, sagt er nicht. Zu der Zielvorstellung der CO2-Neutralität im Jahre 2050, die von der Fachwelt als viel zu spät kritisiert wird, äußert er sich jedoch auch nicht.
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Die Netzbetreiber planen, die Nutzung von Eigen-PV-Strom unrentabel zu machen. Währenddessen bleibt die Zwangsabschaltung von zunächst 18.000 Altanlagen der Bürgerenergiewende in 2021, in den Folgejahren von hunderttausenden, weiter im Raum. Wirtschaftsminister Altmaier bleiben ganze drei Monate, um das zu verhindern.
[Hirsch 2020]
Am 20. August wird Greta Thunberg, genau zwei Jahre nach ihrem erstem Schulstreik, mit drei weiteren Aktivistinnen von Fridays for Future von Angela Merkel empfangen und äußert deutliche Kritik. Merkel verspricht "mehr Mut im Klimaschutz", und das Freihandelsabkommen Mercosur mit südamerikanischen Staaten in der derzeitigen Form nicht zu ratifizieren.
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Seit 1928 ist Standard Oil of New Jersey, Schwergewicht des Rockefeller-Öl-Imperiums, im wichtigsten Börsenindex der Welt, dem Dow Jones, aufgelistet. Nun wird die Nachfolgerin Exxon Mobil nach 40% Kursverlust ausgelistet.
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September: der neue Ceneri-Tunnel am Gotthard würde einen durchgehenden Hochgeschwindigkeits- und Güterzugverkehr von den Nordseehäfen nach Italien ermöglichen. Wenn Italien und vor allem Deutschland nur endlich die Lücken schließen würden. Geplant ist der deutsche Lückenschluss 2035. Die ist dann aber immer noch nicht komplett hochgeschwindigkeits-tauglich.
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33 Jahre nach Wallace Broeckers Warnung vor dem Abbrechen des Golfstroms erklärt Stefan Rahmstorf die wissenschaftlichen Indizien, dass dieser Kipppunkt in absehbarer Zeit eintreten wird, den neuesten Schätzungen zufolge gegen Ende des Jahrhunderts.
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Verkehrsminister Scheuer probiert beim Corona-Auto-Krisen-Gipfel einen zweiten Anlauf für Verkaufs-Prämien ("Recycling-Prämie") für "saubere Verbrenner" und plädiert für Technologieoffenheit, denn es werde ja kräftig an erneuerbaren Treibstoffen geforscht.
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Wirtschaftsminister Altmaier unterstützt die Greenwashing-Kampagne tatkräftig mit einem Umwelt-Etikett für Neuwagen, mit dem z.B. das Umweltministerium und erst recht die Umwelt-NGOs gar nicht einverstanden sind.
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Sein Staatssekretär Thomas Bareiss mischt in der Diskussion wieder munter mit, bekommt aber auch die richtige Antwort:

Fachleute können darüber nur den Kopf schütteln. Bis vor Corona bedeutete Technologie-Offenheit beim Verbrenner immerhin die ferne Aussicht auf Co2-neutrale Kraftstoffe nach dem P2L-Verfahren - auch wenn diese Option von Fachleuten angesichts des 6-7fachen Strombedarfs gegenüber Elektroautos als völlig unrealistisch angesehen wird. Coronabedingte Verkaufsprämien und grüne Etiketten für neue Verbrenner, für die selbst mittelfristig keine Chance auf genug P2L-Treibstoffe bestehen, kann man getrost als Subvention und Greenwashing für Technik aus dem bezeichnen, deren Klimaschädlichkeit dem Stand des letzten Jahrhunderts entspricht. Ein Schüler der Mittelstufe kann aus dem Chemie-Unterricht nachvollziehen, dass pro Liter Kraftstoff der CO2-Ausstoß unabhängig von der Schadstoffklasse des Fahrzeugs ist, denn diese bezieht sich auf die Emissionen von Stickoxiden, die im Vergleich zu den CO2-Emissionen um Größenordnungen kleiner und nicht relevant für die Klimawirkung sind. D.h. ein 40 Jahre alter Golf 1,6D stößt bei 5l Verbrauch pro 100km dieselbe Menge CO2 aus wie ein aktuelles Modell - nur die Fahrleistungen sind bei diesem Verbrauch geringer.
[Hajek 2020]














Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit

Inhalt

Wie konnte es nur so weit kommen?
Die Bedeutung von CO2 als Treibhausgas wurde 1856 entdeckt, und die Prominenz eines der Entdecker Tyndall machte die Entdeckung in der Royal Society und damit in Fachkreisen auf der ganzen Welt bekannt.
Der Chemiker und Nobelpreisträger Arrhenius schätzte 1896 recht gut das Erwärmungs-Potential ab.
Die ersten Warnrufe vor gefährlichen Folgen kamen immerhin schon in den 50er Jahren, und das, obwohl gerade die Erwärmung stagnierte.
Die Grundlagen für die erneuerbaren Energien sind seit Jahrzehnten bekannt.
Die Geologie weiß, dass fossile Rohstoffe endlich sind.
Die Ökonomie weiß, dass die Abhängigkeit von Fossilbrennstoffen ein hohes Risiko darstellt.

Der Schweizer Solarthermie-Pionier Josef Jenni brachte es schon vor vielen Jahren auf den Punkt:
"Sind wir nicht alle energiesüchtig?
Ein Süchtiger...

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Eine Lüge kann ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn sie hingenommen wird.
Michael Johanni

Deshalb ist es den Fossilökonomisten so unglaublich leicht, Lügen, Halbwahrheiten und Mythen (von denen sie immerhin mitunter selbst überzeugt sind) über Biosphären- und Klimaschutz verbreiten zu können.

Es ist kein Wunder, dass fast alle Konflikte im Ölzeitalter einen mehr oder weniger ausgeprägten Bezug dazu haben.
Es ist bekannt, dass Gewinnung und Verbrennung von Öl und Gas neben dem zunehmenden Treibhauseffekt auch weitere, vielfältige Umweltschäden verursacht.
Falls die menschliche Zivilisation die Klimakrise überlebt, wird man versuchen, aus dieser fatalen Fehlentwicklung Lehren zu ziehen.





Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit

Am Anfang war die Klimaskepsis



Wie konnte es nur so weit kommen?

Antwort: durch die Behauptungen der selbst ernannten Klimaskeptiker und Klimaschutz-Gegner - denen ein zu großer Teil der Öffentlichkeit allzu willfährig Glauben schenkte und teils immer noch schenkt, auch wenn die Wahrheit sich jetzt endlich herumspricht.
[Probst 2017]

Manche (Laien) taten dies aus innerer Überzeugung, andere aber auch bewusst, wider besserer (z.T. sogar selbst erworbener) wissenschaftlicher Erkenntnisse.
[Spiegel 2019-1]
[Shaw 1984]
[Banerjee 2015]
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Es begann in den USA. Die demokratische Abgeordnete Alexandria Occasio-Cortez befragt 2019 dazu in einem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses die ehemaligen Mitarbeiter von Exxon Dr. Ed Garvey und Dr. Martin Hoffert zu Vorgängen in den 80er Jahren. Sie belasten ihren ehemaligen Arbeitgeber schwer, über die Gefahren der CO2-Emissionen aus erster Hand informiert worden zu sein, und dennoch daran festhielten.

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Nicht nur Pulitzer-Preis-nominierte Internetportale und Gerichte beschäftigen sich mit Exxons Medienkampagnen, sondern auch Sozial- und Geschichtswissenschaftler.
[Supran 2017] (Open Access)
[Brulle 2019], Zusammenfassung bei:
Verknüpfung (Volltextsuche: Brulle)

Das erste Übungsfeld der professionellen Klimaskeptiker waren die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die Anti-Tabak-Gesetze: spätere Klimaskeptiker wie Frederic Seitz oder Fred Singer lernten ihr Handwerk der Verbreitung wissenschaftlicher Falschbehauptungen über Rauchen, FCKW, Giftmüll und Sauren Regen.
[Wikipedia 2019 - SEPP]
[Wikipedia 2019 - Frederick Seitz]
[Wikipedia 2019 - Fred Singer]
Das ist nicht verwunderlich, denn es gab intensive Verbindungen zwischen Öl- und Tabakindustrie.
Das Haupt-Instrument für wissenschaftsleugnende Kampagnen war und ist Statistik. Der Mathematiker Theodor Sterling rechnete als erster 1964 die Nachweise der Schädlichkeit von Tetraethylblei schlecht. Später beriet er die Tabakindustrie bei ihren Kampagnen gegen die Schädlichkeitsnachweise von Tabakrauch. Es ging darum, bei Politikern und ihren Wählern genügend Zweifel an den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu wecken.
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Seitz gab für den Film "Merchants of Doubt" ein äußerst aufschlussreiches Interview; hier ein Auszug aus den deutschen Untertiteln: "Fred Seitz war einer der wichtigsten US-Physiker des 20. Jahrhunderts. Er war Präsident der U.S. National Academy of Sciences. Aber jetzt griff er plötzlich Wissenschaft und Wissenschaftler an. In Bereichen, in denen er kein Experte war. Warum sollte so ein Mann die Arbeit seiner Kollegen in Frage stellen?
Es stellte sich heraus, dass Seitz für den Tabakkonzern R.J. Reynolds gearbeitet hatte [zu einem] Jahreshonorar von $65.000."
Seitz: "Die Schuld am Rauchen liegt bei den Rauchern. Wenn sie Zigaretten kaufen, ist es ihre Schuld."
Oreskes: "Aber Sie wissen, dass in den 1960ern der Tabakkonzern eindeutig sagte, dass es keine Verbindung gäbe."
Seitz: "Wenn die Leute das glauben wollten, war das ihr Fehler."
Oreskes: "Aber war es nicht politisch von Seiten der Tabak-Konzerne?
Seitz: "Sie wollten den Umsatz aufrechterhalten."
Oreskes: "War es unverantwortlich von den Tabakkonzernen?"
Seitz [holt tief Luft und bläst sie aus:] "Es war unverantwortlich von den Rauchern."

Im Film "Merchants of Doubt" sieht man, wie der Klimaskeptiker Marc Morano im Interview mit den Fähigkeiten prahlt, die er als Hausierer und Klatschspalten-Reporter beim ultrakonservativen Fernehshow-Moderator Rush Limbaugh erworben hat. Damit qualifizierte er sich 2006 als Kommunikationsstratege beim republikanischen Senator Inhofe, der sich gegen Al Gores Klimaschutz-Kampagne (populär durch den Film "eine unbequeme Wahrheit") in Stellung brachte, und seine konservative Partei nach Al Gores erfolgreicher Kampagne pro Klimaschutz wieder zur Klimaskeptiker-Partei machte.
Die großzügigen Industriespenden an Inhofe und Mitstreiter sind belegt, auch aus Europa. In einer der Payrolls tauchen übertreffen Bayer und BASF sogar den Fossilgiganten Koch Industries.
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(leider nur sehr kurze) Videoausschnitte aus dem Film "The Merchants of Doubt" mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers Merchants of Doubt, LLC, USA. Der Film ist erhältlich als DVD und als Stream bei Google Play Store, Maxdome, Rakuten TV, Apple iTunes Store und Amazon.

Der Film ist ein Zeitdokument, in dem die subversiven Strategien der Meinungsmanipulation und der aggressiven Einschüchterung von Klimaforschern aufgedeckt werden, oftmals in irritierend offenen Interviews der Täter.

Das Buch zum Film war ein Sachbuch-Bestseller von Naomi Oreskes und Eric Conway aus dem Jahr 2010. Es wurde in deutscher Übersetzung von Wiley (vormals Verlag Chemie), einem renommierten akademischen Fachbuchverlag, veröffentlicht unter dem Titel "Die Macchiavellis der Wissenschaft".

Vielleicht kann dieser Vortrag der Autorin und Erzählerin im Film Interesse wecken.

Oreskes bekam 2016 zusammen mit Ex-Energieminister Steven Chu den Stephen Schneider Award; bei der Preisverleihung gaben die beiden ein bedenkenswertes Interview.
Verknüpfung (incl. Transkript)

Es nimmt nicht Wunder, wenn man Morano in David Attenboroughs BBC-Dokumentation "Extinction - the Facts" bei einer Anhörung angesehener Biodiversitäts-Forscher im Repräsentantenhaus als Skeptiker wiedersieht.
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Nachdem die Skeptiker des Krebsrisikos durch Tabak endlich widerlegt waren, haben diese ihre Skepsis gegen die Wissenschaft um FCKW und anthropogenes CO2 gerichtet. Die nächste Generation um Morano lernte von den Klimaskeptikern und macht jetzt mit den Attacken gegen Artenschützer weiter. Diesen Leuten ging es von Anfang an nicht um Wissenschaft, sondern nur um professionelles Leugnen gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Industrieinteressen entgegenstanden - und die Öffentlichkeit erkennt es immer noch nicht. Die Demokratie ist nicht wehrhaft genug, um diesen Lügen die Aufmerksamkeit zu verweigern. Stattdessen darf der Ex-Hausierer und -Klatschreporter Morano seelenruhig neben hochdekorierten Wissenschaftlern sitzen, die Jahrzehnte nichts anderes gemacht haben, als zum Thema zu forschen und hochkarätige (d.h. in der kritischen Fachwelt akzeptierte) Veröffentlichungen zu machen, und ihnen einfach widersprechen. Nur, weil er von seinen Auftraggebern von der republikanischen Partei dort hingesetzt wurde.

aktueller Buchtipp zu Klimabremsern: Susanne Götze und Annika Joeres. Die Klimaschmutzlobby. Piper 2020

Ein großer Zeit-Artikel aus 2012 beleuchtet sehr gut Moranos Machenschaften und seine Ausstrahlung nach Deutschland.
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Die Einflussnahme auf den Wissenschaftsjournalismus war im angelsächsischen Raum derart offensichtlich, dass die BBC im September 2018 eine Richtlinie bekanntgab, "derzufolge es für eine ausgewogene Berichterstattung keine Stimmen brauche, die den menschengemachten Treibhauseffekt leugnen".
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Ähnliche Richtlinien gibt es wohl auch auf dem europäischen Festland, und deshalb müssen Fossilökonomisten hierzulande in den Leitmedien etwas subtiler vorgehen.

Die ARD-Serie Die Story beschäftigte sich mehrfach mit dem Thema.


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Auslassen muss ich hier das Dunkelfeld der "sozialen" Medien, die in den letzten Jahren weit verheerender gewirkt haben, als es die klassischen Medienkampagnen des letzten Jahrhunderts jemals vermochten. Damals gab es Medien, die für Auflage oder große Anzeigenkunden so manche journalistische Lüge zu verbreiten bereit waren.
Heute gibt es ganze "Trollarmeen", die über Kommentare im Web 2.0 und v.a. "soziale" Medien teils aggressiv, teils subtil in die Diskussionen eingreifen, teilweise aus dem Ausland koordiniert. Dabei verzichten sie praktisch durchgehend auf Quellenangaben, und in den seltenen Fällen, wo es doch Quellen gibt, sind sie meist unseriös oder werden falsch zitiert.
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Die fehlende Medienkompetenz ihrer Leser beschert diesen Gerüchteküchen enormen Erfolg.
Seit Jahren mehren sich die Hinweise, dass die "sozialen" Medien systematisch zur politischen Meinungsmache missbraucht werden. Die walisische Journalistin Carole Cadwalladr deckte 2018 durch die Whistleblower Robert Wiley und Shamir Sanni den Skandal um Cambridge Analytica, Aggegate IQ und Palantir auf. Das sind IT-Firmen, die auf den Facebook-Plattformen Data Mining betreiben: Nutzerdaten werden verkauft und mittels Analyse-Tools Profile erstellt. Diese dienen dem politischen Microtargeting: zielgruppengerecht werden Falschmeldungen verbreitet, um demokratische Wahlen und Abstimmungen zu manipulieren: Brexit, Trump-Wahl, Bolsonaro, Orban etc.. Geldgeber sind Dollar-Milliardäre (u.a. Robert Mercer, Rupert Murdoch und die Koch-Brüder) und russische Oligarchen. In einem Ziel sind sie sich einig: linksliberale Zivilgesellschaften zu spalten, und rechtskonservative bis autoritäre Regierungen zu installieren. Der Skandal schlug in Großbritannien hohe Wellen, wohl auch wegen der Brexit-Kontroverse.
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Auf die Spur des russischen Mittelsmanns Arron Banks kam Cadwalladr durch Zufall.
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Bei uns wurde der Skandal nur von Interessierten wahrgenommen. Hier zwei der raren deutschen Zeitungsmeldungen:
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Wird ein Geschäftsmodell zu streng reguliert oder fällt ein Akteur unangenehm auf, wird gleich die nächste Firma gegründet. Der systematische Datenmissbrauch läuft immer weiter.
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Verknüpfung Der TED-Talk von Carole Cadwalladr sollte eigentlich Pflichtprogramm zum Thema Medienkompetenz in Schulen sein, ist aber weitgehend unbekannt.
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Im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen hat sich die ZDF-Sendung Zoom am Thema verdient gemacht; sie lässt sich auch auf englisch abrufen:
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Der EU-Parlamentarier und Kabarettist Nico Semsrott erklärt die Machenschaften des IT-Unternehmers Davide Casaleggio, der in Italien über seine Facebook-ähnliche Plattform Rousseau auf intransparente Weise Einfluss auf die populistische Bewegung Movimento Cinque Stelle nimmt.
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[Wikipedia 2020 - Davide Casaleggio]
In der Zivilgesellschaft melden sich immer wieder kritische Stimmen, die eine Regulierung oder gar Zerschlagung "sozialer" Netzwerke fordern.
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Auch politische Berater äußern sich kritisch, hier der Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung in Karlsruhe Armin Grunwald.
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Sogar die eigenen Mitarbeiter von FaceBook bekommen Skrupel, die innerhalb der Firma zu Verwerfungen führen.
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Twitter kommt gesetzlichen Beschränkungen zuvor und kommentiert allzu bedeutende Fälle von unwahren Tatsachenbehauptungen von Donald Trump.
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Doch in keinem europäischen Land wurden jemals Beschränkungen von Facebook überhaupt ernsthaft diskutiert. In Deutschland pflegt die zuständige CSU-Staatssekretärin (im Verkehrsministerium) Dorothee Bär sogar einen intensiven Kontakt mit Mark Zuckerberg und macht daraus gar keinen Hehl, sie wirbt sogar damit.
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IT-Unternehmen zahlen in Europa wesentlich weniger Steuern als andere Unternehmen.
Allein EU-weit will Wettbewerbs-Kommissarin Vestager aktiv werden.

Im Folgenden also einige aktuelle Beispiele von Klimaskeptikern in Medien und klassischen Internet-Seiten aus Europa, die das vielfältige Spektrum der Ansätze abbilden sollen.

Beispiel 1: 2012 veröffentlicht Fritz Vahrenholt (SPD, Chemiker, Manager bei RWE) mit Sebastian Lüning (Geologe, Afrikaexperte beim Ölförderer RWE Dea) das Buch "die kalte Sonne":

Die These: die schwache Sonne gibt uns Bedenkzeit.

Comparison real temperature data vs.Vahrenholt andLünings 2012 prognosis.png
Von Stefan Rahmstorf - http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/rekordwaerme-auf-der-erde-trotz-kalter-sonne/, CC BY-SA 4.0, Link
[Klimafakten 2019 - Sebastian Lüning]
[KalteSonne 2019]

Wie ernst man Vahrenholts Prognosen nehmen kann, zeigt Bernd Herd mit laufend aktualisierten GISS-Daten:

[Bernd Herd 2019 - Climate Widget]

Die Bedeutung der verschiedenen Temperatur-Einflussgrößen kann man getrennt in der Bloomberg-Grafik betrachten.
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Dabei hatte der Klimaforscher Mojib Latif bereits 2008 die Erwärmungspause anders begründet: die pazifische dekadische Oszillation (PDO) war damals einer negativen Phase (Wärmeaufnahme). Er sagte auch korrekt voraus, dass die Erwärmung danach wieder umso stärker verlaufen würde, weil die PDO wieder in eine positive Phase (Wärmeabgabe) übergehen müsse. Vahrenholts kalte Sonne war endgültig widerlegt, weil die Temperaturen stiegen, obwohl die Sonnenaktivität nicht zunahm.
[Bojanowski 2013]
[Latif 2008]

Man darf die Klimaskeptiker Vahrenholt und Lüning an dieser Stelle fragen: was tun, wenn die Sonnenaktivität wieder zunimmt?
Das hinderte den Bundestag nicht, die beiden als Sachverständige bei einer Anhörung zuzulassen - auf Antrag der AfD. Und es veranlasste die Medien nicht dazu, Vahrenholt zu endgültig zu demaskieren. So etwas geht nur, wenn eine Gesellschaft nicht aufgeklärt ist.
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Zu dieser Desinformation tragen auch Leitmedien bei, die Vahrenholt Raum für ein unkritisches Interview geben, z.B. die bürgerliche Springer-Zeitung Die Welt in der vielsagenden Rubrik "die Welt bewegen":
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Wesentlich aggressiver ging damals die Boulevard-Zeitung Bild, ebenfalls aus dem Springer-Verlag, an das Thema heran mit der Schlagzeile: "Die CO2-Lüge - Renommiertes Forscher-Team behauptet: Die Klima-Katastrophe ist Panik-Mache der Politik". Der Autor, Prof. Werner Weber, schrieb einen Gastbeitrag in Vahrenholts Buch "Die kalte Sonne".
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Beispiel 2: Ex-ZDF-Meteorologe Wolfgang Thüne behauptet 2018, Klima gebe es gar nicht, also auch keine Klimakatastrophe
[Frieda-Online 2019 - Klimawandel und Gehirnwäsche]

Auch HAARP-Wellen seien laut Thüne nicht in der Lage, das Klima zu ändern - davon sprechen aber auch keine Klimaforscher, sondern Verschwörungstheoretiker. Er gibt sich also seriös.

Thüne vermischt viele Stimmungsthemen der Konservativen zu einer kruden Theorie über geheime Mächte, die sich gegen Freiheit und Demokratie verschworen haben sollen und die über die Medien eine zersetzende "Gehirnwäsche" verbreiten. Seine pseudo-wissenschaftlichen Thesen bringt er erst in seinem Video (aus 2008): über die Strahlungsbilanz der Erde, die eine geradezu groteske Interpretation von Satellitenbildern enthält:
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Er verschweigt, dass bereits 1901 der schwedische Physiker Nils Ekholm erklärt hatte, dass die IR-Abstrahlung in den oberen Atmosphärenschichten erfolgt.
[Weart 2019] (Volltextsuche: "Ekholm")

Ein vergleichbar von der Sonne entfernter Himmelskörper ist der Mond - allerdings sieht man da, was ohne Treibhauseffekt passiert: zwischen Zenit und Nacht herrschen dort Temperaturunterschiede von 290K, und die Durchschnittstemperatur liegt bei -15°C. Die Erde wäre ohne Atmosphäre ein Eisball von -18°C Durchschnittstemperatur.
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Die CO2-Messungen am Mauna Loa hält er für Unsinn: "Mit CO2 kann keine Station schlimmer kontaminiert sein als diese Station in etwa 3300 m Höhe auf einem Vulkan!" Um diese Aussage einschätzen zu können, muss man nur einen Blick auf die Aufzeichnungen dieser Station werfen: sie zeigt sogar den Jahresgang der CO2-Aufnahme durch Pflanzen, die sich auf der Nordhalbkugel wesentlich stärker auswirkt.
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Beispiel 3: die Klimaskeptiker-Denkfabrik EIKE

Für den Sommer 2018, der die Wahrnehmung in Deutschland veränderte, diskutiert der EIKE-Autor Stefan Kämpfe (laut Selbstauskunft Diplomagraringenieur, unabhängiger Natur- und Klimaforscher) verschiedene Ursachen: "anhaltende Gewitterneigung, trockene Polarluft ist sehr klar, [...] besondere Konstellationen der atlantischen Meeresströmung AMO [...] könnte, [...] Stratosphären-Strömung QBO [...] könnte" usw..

Dann kommen Bilder über steigende Niederschlagsmengen und eine Korrelation "mehr CO2 - höhere Ernteerträge".
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Dazu ist zu sagen: die einfachste Erklärung ist wissenschaftlich gesehen immer die beste - solange es keine Widersprüche gibt. Der Polarlufteinstrom, ggf. auch die QBO hängen mit klimabedingten Rossby-Wellen zusammen, die 2010 von der Klimaforschung erklärt werden konnten. Es handelt sich um ein Phänomen, das in den letzten Jahren klimawandelbedingt immer häufiger und immer ausgeprägter zu sehen ist, und das auch für anhaltende Extremniederschläge (v.a. an den Alpen), Spätfröste im Frühjahr (mit häufigen Ernteeinbußen), wochenlang anhaltende Gewitterneigung und warme Winterphasen verantwortlich ist. Davon ist bei EIKE natürlich nichts zu lesen. Die Erntemengen verschweigt er auch - er weiß, warum.
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Verknüpfung (Volltextsuche: "Strahlströme")


EIKE legte 2016 einen "Klimazustandsbericht" vor: "Der UN-Klimakonferenz im November vorgelegt vom oben erwähnten Marc Morano, Climate Depot und dem Committee for a Constructive Tomorrow CFACT" (allein die Namensgebung verrät die Intention: man bedenke die Bedeutung des Begriffs "Depot")
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CFACT ist eine US-Organisation der Öl- und Autoindustrie.
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EIKE versucht derweil, die Verbindungen zu CFACT zu verschleiern.
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Als Reaktion auf die Resonanz der Bewegung Fridays for future verstärkt die US-Klimaskeptikerszene zum COP25 in Madrid noch einmal ihre Bemühungen in Europa; neoliberale wie rechtskonservative Kräfte unterstützen mit INSM, dem Institut für unternehmerische Freiheit, der Hayek-Gesellschaft und EIKE die als Anti-Greta-Figur aufgebaute Bloggerin Naomi Seibt, die zur Wahl der AfD aufruft.
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Verdeckte Journalisten von Correctiv und ZDF Frontal21 begeben sich in die vom Heartland Institute finanzierte Szene.
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Details über das Heartland Institute, seine Beziehungen zu CFACT und damit EIKE und zu Spendern wie Exxon, Philipp Morris, Robert Mercer, Koch Industries etc.:
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Der Commander-in-Chief der USA Donald Trump sagt, es gibt keinen Klimawandel, geschweige denn eine Krise. (Auch wenn sich seine Militärs rüsten sich dennoch dagegen rüsten:
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EIKE jedenfalls freut sich darüber, dass Trumps Tabu vom Klimawandel für die Umweltbehörde EPA jetzt auch im Verteidigungsministerium (Pentagon) umgesetzt wird:
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Beispiel 4: Selbst in der Tageszeitung Die Welt, in der Klimaskeptiker doch mittlerweile seltener auftauchen, findet man immer wieder prominente Vertreter. Hier meint Björn Lomborg, "das Klimaproblem ist nicht das Ende der Welt". Allein das Foto spricht Bände, ich möchte es aber hier nicht einbinden, weil ich es zu abstoßend finde.
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Lomborgs wissenschaftliche Reputation wird von seinem Kollegen Stefan Rahmstorf diskutiert.
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Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit

... dann kam der Klimarelativismus



Beispiel 5: Die Wochenzeitung Focus fiel früher regelmäßig in kalten Wintern mit reißerischen Titelthemen über einen möglichen gravierenden Einfluss der Sonnenaktivität auf. Letztlich war nur die Schlagzeile wirklich brisant, bei näherem Hinsehen zeigte sich, dass meist beide Seiten dargestellt wurden. Überzeugten Fossilökonomisten bleibt bei dem für sie uninterressanten Thema Klima allerdings oftmals nur die Schlagzeile hängen. Mit ihren Schlagzeilen un Titelseiten gab der Focus jedes Mal Wasser auf die Mühlen der Klimaskeptiker an den Stammtischen.
Auch jetzt wieder:
Klimaskeptiker wittern eine Sensation der Klimaforschung, weil man Hinweise auf Regenwald in der Antarktis gefunden hat. Für Geologen eine Sensation, aber nicht für Klimaforscher (siehe oben).
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Beispiel 6: Für ihn ist der Satz gemacht: "ich bin ja kein Klimaskeptiker, aber..."
Hans von Storch - Climate Research, Hockey Stick und explizite Sprache
Er ist im engen Sinne kein Leugner der anthropogenen Erwärmung, aber ein hoch kontroverser Klimaforscher mit umstrittenen (teils abgelehnten) wissenschaftlichen Arbeiten, zweifelhaften Entscheidungen, provokant-aggressivem Auftreten und - warum er hier so viel Platz einnimmt - zur Zeit sehr großer Medienwirkung.
Dabei lässt er sich in der Überschrift eines Spiegel-Artikels mit einen Vergleich zitieren, wie man ihn von Klimaskeptikern kennt: "früher war ein Sturm einfach ein Sturm".
Vor allem verharmlost er die möglichen Folgen, ohne sich zu den Folgen oder dem diskutierten Problem der Kipppunkte genauer zu äußern. Ein anderes Spiegel-Interview titelt "Die Welt wird deswegen nicht untergehen".
Man kann ihn somit als Klimarelativisten bezeichnen.

Er sucht die Medien, die ihn oft zitieren, um ihrem Auftrag journalistischer Ausgewogenheit genügen zu können. Dabei kommt ihm sicher zu Gute, dass er ein veritabler Klimaforscher ist, deshalb ist er selbst in Deutschland für die Medien präsentabel.
In seinen Äußerungen findet man exemplarisch praktisch alle gängigen fossilökonomistischen Thesen, die im nächsten Kapitel besprochen werden. Leider werden nur äußerst selten kritische Fragen dazu gestellt oder Korrekturen angebracht.

Im DLF-Interview 2020 kritisiert er (wissenschaftlich durchaus korrekt) eine pauschale Attribution aktueller Wetterextreme ("gab es damals in ganz erheblichem Maße").
Dass allerdings Forscher*innen wie Friederike Otto die Attributionsforschung mittlerweile sehr differenziert betreiben und dabei auf mathematische Simulationen zurückgreifen, deren Vorgänger schon vor 40 Jahren unsere Situation recht gut vorhergesagt haben (und an denen er kurioserweise sogar mitgearbeitet hat), verschweigt der Mathematiker geflissentlich.
[Wikipedia 2020 - Friederike Otto]
Schließlich vergleicht er Forderungen nach klimapolitischen Konsequenzen mit antiken und mittelalterlichen Auffassungen von Wetterextremen als Gottesstrafen. Damit nährt er auf höchst fragwürdige Weise das Narrativ von der Klimareligion.
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Auch für regelmäßige derbe persönliche Angriffe ("dumm Tüch" - dummes Zeug) ist er sich nicht zu schade, wie hier im Oktober 2019 im Spiegel, Titel: "Früher war ein Sturm einfach ein Sturm" (aktualisiert nach dem WEF-Forum in Davos, neuer Titel: "Das ist Wichtigtuerei von reichen Nordeuropäern")
In seinen Verharmlosungs-Thesen versucht er, sich Hintertürchen zur Wissenschaftlichkeit offen zu lassen: "Vor dem Klimawandel selbst fürchte ich mich nicht. Steigender Meeresspiegel und höhere Temperaturen sind zu bewältigen, daran kann der Mensch sich anpassen, wenn genug Zeit ist und die Änderungen begrenzt bleiben". In diesem Konditionalsatz formuliert er eine theoretisch mögliche Voraussetzung - die aber praktisch nach den Kenntnissen der Wissenschaft nicht mehr gegeben ist, wenn nicht sofort drastische Klimaschutz-Maßnahmen erfolgen: We don't have time.
Als Unterschrift eines Porträts findet sich in der Printausgabe das Zitat: "So schnell wird die Menschheit schon nicht untergehen." Dazu eine Grafik, die zusammen mit dem Text bemerkenswert falsch ist.



Was der Autor mit dieser Grafik sagen möchte, ist bestenfalls schleierhaft. Soll es bedeuten, dass bei "moderatem Anstieg der CO2-Emissionen" das 2-Grad-Ziel erreicht werden kann?
2-Grad-Ziel bedeutet "2 Grad über dem 30-jährigen Mittel um 1880." Der Nullpunkt der y-Achse ist äußerst dreist auf das Jahr 2000 verschoben. Die gezeigte Kurve steigt auf 2 Grad über dem Wert um das Jahr 2000, und das liegt noch einmal 0,7 Grad höher als der Referenzwert. Zudem ist ist bei derzeitiger Politik mit einem "moderaten Anstieg" nicht zu rechnen.
Nach heutigem Stand der Wissenschaft käme selbst die gelbe Kurve nur bei einem bald einsetzenden, drastischem Absinken der Emissionen auf Null um das Jahr 2050 zu Stande, aber niemals bei einem weiteren Anstieg, und sei er noch so moderat.
Die Grafik ist mit dieser Beschriftung also grob falsch und irreführend.
Von Storch bringt dann stereotyp eine der üblichen Angst-Keulen der Fossilökonomisten, über die es im nächsten Kapitel gehen wird: "Sorge bereitet mir derzeit eher die Veränderung des gesellschaftlichen Klimas. Wenn immer mehr Aktionismus betrieben wird, kann das ein böses Ende nehmen und den sozialen Frieden gefährden. [...] Und was geschieht, wenn in Zukunft irgendwelche Fanatiker fordern, Kriege gegen solche Staaten zu führen, die sich weigern, ihre Kohlekraftwerke abzuschalten?" [Stampf 2019-2]
Dabei bestreitet er nicht einmal die anthropogene Erwärmung und die Notwendigkeit von Klimaschutz - er spricht sich nur dezidiert gegen deutschen Avantgardismus und gegen Moralisierung aus. Die politischen Forderungen der Jugend und seiner Kolleg*innen hält er für Anmaßung und Panikmache - erklärt aber nicht, wie Politik und Zivilgesellschaft sonst zum Klimaschutz motiviert werden sollen.
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In einem anderen Spiegel-Interview ist zu lesen:
Zitat: "Interview mit Klimaforscher Hans von Storch: „Die Welt wird deswegen nicht untergehen“
Die globale Erwärmung führt zu Alarmismus bei Forschern, sagt der Klimaexperte Hans von Storch. Hier erklärt er, warum er ohne schlechtes Gewissen mit dem Kreuzfahrtschiff ins Südchinesische Meer reist. [...] Storch, 69, zählt zu den weltweit führenden Klimaexperten. Am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie und am Helmholtz-Zentrum für Küstenforschung in Geesthacht war der Mathematiker an der Auswertung jener Computermodelle beteiligt, mit denen das Klima der Zukunft simuliert wird." Zitat Ende.
Aus dem gleichen Artikel, der sich hinter einer Paywall verbirgt, wird von Storch im Blog von Fritz Vahrenholt zitiert: "[...] selbst heute steht noch nicht fest, wie hoch genau der Temperaturanstieg ausfallen wird. Die Unsicherheiten sind nach wie vor beträchtlich. [...] Damals [in den Achtziger Jahren] ahnte man allenfalls, was auf die Menschheit zukommen könnte, aber es gab einander widersprechende Hypothesen zur Klimaentwicklung. Vergessen Sie nicht: Noch in den Siebzigern warnten viele Geologen eher vor einer neuen Eiszeit. Wahr ist, dass wir den Treibhauseffekt in der Theorie schon seit mehr als 100 Jahren kennen, doch galt er lange Zeit als vernachlässigbar. Denn Kohlendioxid allein macht ja gar keine große Erwärmung. Erst durch die verstärkende Rückkopplung mit dem Wasserdampf kommt es zu einem deutlichen Temperaturanstieg."
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Vahrenholt bezieht sich auf:
[Stampf 2019-1]

Zitat aus einem Focus-Interview: "Das sind naive, unreife Worthülsen" [...]
"Die Klima-Aktivisten gehen nicht konstruktiv an die Sache heran, sondern stellen nur Forderungen zur Wirkung. Kinder benehmen sich so, das dürfen sie auch. Aber wenn man wirklich in die Politik eingreifen will, muss man auch Verantwortung übernehmen und darüber nachdenken, wie die Dinge gestaltet werden können in ihrer ganzen Komplexität.
FOCUS Online: Viele der jungen Menschen machen sich große Sorgen um ihre Zukunft. Ist diese Angst aus Ihrer Sicht denn nicht angemessen?
Von Storch: Doch. Allerdings glaube ich, dass auch ich damals Grund zur Sorge hatte, als ich so alt war. Es ist nichts Neues, dass die Zukunft sehr negative Perspektiven enthält. Früher hieß das zum Beispiel Atomkrieg.
Focus Online [...]: Ist es [...] nicht angebracht, [dem Klimawandel] größere Aufmerksamkeit zu schenken – auch durch Bewegungen wie "Fridays for Future"?
Von Storch: Das lohnt sich dann, wenn es tatsächlich dazu führt, dass neue Ideen entstehen und man realistisch an das Problem herangeht. Wenn es sich aber in der Forderung nach symbolischen Akten wie dem Verzicht auf Einwegkaffeebecher erschöpft, dann bringt es nichts. Wir müssen wegkommen von diesen schablonenartigen Ideen, von denen wir wissen, dass sie nicht wirklich wirksam sind. In gewissem Maße ist es so, dass diese einfache, auf die deutsche Gesellschaft begrenzte Betrachtungsweise, den Durchbruch verhindert. Wir brauchen Offenheit im Denken und nicht Denkverbote." Zitat Ende.
Er tut so, als würden die Klimaschutz-Aktivisten nicht unterscheiden zwischen wichtigen Flugreisen und vermeidbaren Flugzeug-Kurzreisen.
Und dann bringt er die schlagkräftigste Fossilökonomisten-These, ausgeschmückt mit den denkbarsten Stereotypen:
"Ein Beispiel: Ist es der wichtigste Punkt, dass wir die Klimasteuer einführen oder brauchen wir eine Technologieoffensive? Bei der Steuer ist es so, dass Menschen, die gut betucht sind, sagen wir ein Radiologe mit Tesla, die Steuer vermeiden und sich gut fühlen können. Aber die Hebamme mit dem Diesel muss die Steuer zahlen, hat aber selber gar nicht viel Geld. Das kann doch nicht richtig sein." Zitat Ende.
Wie gesagt, zu lesen im liberalen Focus, bei dem soziale Gerechtigkeit nicht gerade das Kernthema darstellt.
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In der WDR-Talkshow Hart aber Fair fordert er einerseits Zurückhaltung der Klimaforscher in der Klimapolitik, und greift die Klimaschutz-Bewegung an.
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Wer einen Überblick über seine Argumentation bekommen möchte, kann zu der Sendung im Merkur lesen:
Zitat: Sehr viele seiner Kollegen hätten längst "die Schnauze voll von diesen dauernden Übertreibungen", behauptet von Storch. Es werde in der Öffentlichkeit nur auf bestimmte Wissenschaftler gehört, "die das sagen, was man hören will", echauffierte er sich weiter. [...] "Wie kriegen wir die Welt dazu, weniger zu verbrauchen? Da können wir nicht sagen: 'Guckt mal, wir Deutschen fliegen nicht mehr und essen kein Fleisch. Ist das nicht geil? Macht das doch auch mal'."
Für Menschen in China sei Klimawandel derzeit kein zentrales Problem. Deshalb brauche es attraktive technologische Innovationen: „Wir müssen ein Angebot machen. Wir müssen einen Weg aufzeigen, wie wir in Wohlstand leben, mit weniger CO2-Emissionen und wie sich das finanziell lohnt. [...] Sie sollten Ihre Kinder motivieren, zu Deutschlands größter Ressource beizutragen, nämlich Ingenieure zu werden. Damit haben sie die besten Voraussetzungen, um zu einer Stabilisierung des Klimas beizutragen, was man populistisch auch als 'Klima retten' bezeichnet. [...] Die Chinesen wollen auch so schöne Autos haben wie wir, die Inder auch“." Zitat Ende.
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Die Zeitung Die Welt bespricht die Sendung erfreulich objektiv und stellt am Ende fest:
Zitat: "Für [von Storch] ist klar: Ein globales Umdenken sei in Zukunft nur durch attraktive, technologische Innovationen möglich. „Wir müssen ein Angebot machen. Wir müssen einen Weg aufzeigen, wie wir in Wohlstand leben, mit weniger CO2-Emissionen und wie sich das finanziell lohnt.“
Wie das funktionieren kann, konnte freilich auch von Storch nicht final beantworten. So zeigt am Ende auch diese Debatte vor allem eines: Konsens besteht immerhin in der Problematik an sich. Beim Entwickeln von Lösungsansätzen dürfte künftig aber noch reichlich Gesprächsbedarf bestehen." Zitat Ende.

Gegenüber dem Hamburger Abendblatt zeigte sich von Storch im Oktober 2019 ungewohnt gemäßigt und differenziert. "Durch die Klimaerwärmung könnte es theoretisch in den ohnehin heißen Tropen so heiß werden, dass man dort ohne technische Hilfen wie Klimaanlagen nicht mehr gut leben kann. Aber in allen anderen Regionen, etwa bei uns, kann davon keine Rede sein. In Phoenix/Arizona leben übrigens Millionen Menschen. Das war früher unmöglich, heute gibt es Klimaanlagen." [...]
"Das geht nur durch ökonomische Anreize und durch technologische Entwicklung. Es muss sich lohnen – weil zum Beispiel Solarenergie sehr günstig wird oder das Potenzial des Zertifikate-Handels deutlich wird. Wenn wir in Deutschland und Europa altruistisch etwas zur Bremsung des weltweiten Klimawandels beitragen wollen, dann könnten wir zum Beispiel einen Klima-Soli auf die Gehälter einführen. Mit dem Geld könnte ein Fonds zur Technologie-Entwicklung ausgestattet werden, der die Forschung massiv fördert und deren Ergebnisse der ganzen Welt zugute kommen. Wir in Deutschland könnten uns dann zum Beispiel um neue klimaneutrale Systeme zur Heizung und Kühlung von Häusern kümmern – mit Hilfe unseres reichlichen Windstroms aus der Nordsee. Andere könnten andere Aufgaben übernehmen."
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Ich kann von Storch in einem Punkt recht geben: der Mensch verursacht eine globale Erwärmung. Ansonsten muss ich fast durchgehend deutlich widersprechen.
Von seinen Kolleg*innen fordert er politische Zurückhaltung, bringt aber selbst öffentlich eine fossilökonomistische These nach der anderen als politische Begründung für Nichtstun vor. Er hat als Konservativer eben den Vorteil, dass durch Nichtstun alles beim Alten bleibt. Damit sind seine Forderungen ebenso politisch wie die der Klimaschützer.
Wie viele und vor allem welche seiner Kollegen wie er "die Schnauze voll haben", verrät er nicht. Mit seiner Behauptung widerspricht er dem Bild, das die öffentlichen Massenkundgebungen von zigtausenden Wissenschaftler*innen für Klimaschutz vermitteln. Diese verharren nicht mehr still im Elfenbeinturm, während die Erde zunehmend unbewohnbar wird.
Ausgerechnet im Focus, der das Thema soziale Gerechtigkeit meist nicht im Fokus hat, beklagt er die sozialen Folgen von CO2-Abgaben. Als hätte die prekäre Lage vieler Bürger keine anderen Ursachen, und als berge die Abgabe nicht sogar die Möglichkeit von Umverteilung. Indem er diese wahren Ursachen verschweigt, redet er die gesellschaftliche Spaltung herbei.
Er fürchtet, dass Klimaaktivisten Kriege gegen Verursacher-Staaten antreiben könnten. Dabei verschweigt er, dass wir selbst momentan noch zu diesen Staaten gehören. Und er blendet vollkommen die ungerechten Machtverhältnisse aus, die durch unser Festhalten an der Fossilwirtschaft jahrzehntelang herrschten, und die unzählige internationale Konflikte verursacht haben.
Die Schwellenländer unter den großen Verursacher-Staaten haben zunächst ihre Emissionen gesteigert, weil die emissionsintensiven Produktionen aus den Industrieländern dorthin abgewandert sind - um durch Kostensenkung unseren Konsum weiter zu fördern. Doch ihnen Unwillen im Klimaschutz zu unterstellen, ist eine verzerrte Darstellung.
Dass die externen Kosten der Klimakrise auf die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bisher keinen nennenswerten Einfluss haben, sagt von Storch auch nicht. Und auch nicht, dass die Fossilwirtschaft massiv subventioniert wurde und wird. Solange Fossilwirtschaft nicht im Gegenteil massiv sanktioniert wird, ist der Wettbewerb nach rein ökonomischen Kriterien verzerrt.
Fridays for future fordert eben keine "wirkungslosen Symbolhandlungen", sondern ganz konkret ein Ende der Subventionen und einen wirksamen CO2-Preis, um dieser Marktverzerrung entgegenzuwirken, und um nachhaltigem Wirtschaften endlich zur Konkurrenzfähigkeit zu verhelfen - weg von der fossilen Planwirtschaft zur wirksamen Energiewende.
Von Storch verschweigt auch, dass die Erneuerbaren Energien konkurrenzfähig geworden sind, sicher noch billiger werden und deshalb der Fossilwirtschaft, von der wir immer noch in höchstem Maße abhängig sind, eine Disruption droht.
Auch dürfte von Storch die jahrzehntelangen Dauer-Appelle an die Jugendlichen aus Schule, Medien und Politik nicht überhört haben, sich verstärkt mit Umwelt-Themen zu beschäftigen, sie zu studieren und zu ihrem Beruf zu machen. Sie haben zwar bewirkt, dass das Thema bei den meisten unbequem im Hinterkopf blieb, aber den Fossilökonomismus der Mehrheit haben sie niemals ansatzweise ins Wanken bringen können.
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Den Bundes-Umwelt-Wettbewerb gibt es seit 1990.
[Eckard 2013]
Von Storch spielt die kollektiven Zukunftsängste als Übertreibungen des Jugendalters herunter, in seiner Generation seien es die Ängste vor nuklearen Katastrophen gewesen. Er verschweigt aber, dass die Jugend damals die größten Demonstrationen aller Zeiten organisiert und ihren Teil zur nuklearen Abrüstung und auch zum (wenn auch noch nicht überall durchgreifenden) Abschied aus der Atomwirtschaft beigetragen hat. Fridays for future hält er dem entsprechend auch für unreifen Unsinn.
Zur Einschätzung der Kollegen, auf die sich die Jugendproteste berufen, als Alarmisten siehe unten.
Bei seinen Prognosen zeigt sich von Storch für einen Wissenschaftler erstaunlich variabel, aber immer mit Nachdruck:

  • Einmal behauptet er, die Temperaturprognosen seien mit großen Unsicherheiten behaftet, und suggeriert mit der Referenz an die falschen Eiszeit-Prognosen der 70er, dass sogar die Richtung nach oben falsch sein könnte. Dabei war die Lehrmeinung der Klimaforschung schon damals, dass die vagen Eiszeitvorhersagen mancher Geologen gar nicht stimmen. Der Presserummel war nur ein erster Hype der Klimaskeptiker. Die Klimaforschung dagegen hat weiter an ihren Modellen gearbeitet, um die kommende Erwärmung besser vorhersagen zu können. Ausgerechnet Exxon-Mitarbeiter haben mitten in der Abkühlung 1977 schon die ersten Modelle benutzt, die genau genug waren, die aktuelle Situation vorherzusagen. Die um ein Vielfaches verbesserten Modelle sagen heute immer noch: es wird sehr schnell wärmer, wenn wir nicht sofort mit Klimaschutz anfangen.
    Wie genau von Storch jetzt die Vorhersage braucht, um sich schließlich doch noch den Klimaschützern anschließen zu können, verrät er nicht.
  • Dann wieder behauptet von Storch zu wissen, dass das 2-Grad-Ziel nicht zu halten ist. Damit stützt er eine andere problematische Haltung vieler Fossilökonomisten, den Fatalismus. In seiner 3-Grad-Prognose geht er auf die Gefahr von Kipppunkten und die Warnungen der Ökosystemforschung nicht ein.

Wenn von Storch wirklich auf wissenschaftliche Objektivität Wert legen würde, könnte er nicht an den Warnungen der Biologie vorbeigehen, die ein Zusammenbrechen vieler Ökosysteme prognostizieren. Wenn man in Arizona heutzutage Klimaanlagen zum Überleben braucht, ist das kein relevantes Beispiel, denn dort fand und findet keine gravierende Biomasse-Primärproduktion statt. Wenn aber große Teile der Erde sich in Wüsten verwandeln, dann verhindern auch noch so viele Klimaanlagen nicht, dass bei 10 Milliarden Menschen größerer Teil den Tod durch Hunger, Durst oder Hitze erleidet.
Die zynische Bemerkung "so schnell wird die Menschheit schon nicht untergehen" ist vor diesem Hintergrund ohne weitere Erklärungen, wie wir Klimaopfer vermeiden wollen, ungeschminkter Sozialdarwinismus. Was diese Einstellung auf dem Weg bis zur Entscheidung dieser Frage alles an Opfern kosten würde, sagt er nicht.
Von Storch fordert, dass die nächste Generation durch Entwicklung von Innovationen sich des Themas annehmen soll. Ich frage mich, wie das gehen soll, ohne die bestehenden Machtverhältnisse zu ändern, die schon die letzten Generationen komplett in das System der fossilen Verwertung und Abhängigkeit integriert hat.
Dass die Finanzierung dieser Forschung staatlich erfolgen soll: ausnahmsweise vernünftig. Dass dafür wieder einmal Arbeit verteuert werden soll, anstatt Ressourcenverbrauch: purer Fossilökonomismus.

Hans von Storch fordert nichts weiter als Abwarten wie bisher und das Vertrauen darauf, dass der freie Markt schon rechtzeitig die Lösung hervorbringt. Er erwartet, dass innerhalb einer Generation die zündende Innovation kommt, die das Öl verdrängt, also trotz immer noch sprudelnder Ölquellen günstiger ist als die weltweit hochsubventionierte Biosphären-Vernichtung. Das ist alles andere als politische Zurückhaltung.

An dieser Stelle ist ein Blick in seine Vita sehr aufschlussreich. Von Storch war nie bekennender Klimaskeptiker, hat aber mit zwei wichtigen wissenschaftlichen Beiträgen 2004 und 2005 heftige klimaskeptische Diskussionen ausgelöst. Ein dritter aus 2013 existiert nur als Manuskript, wurde aber (mindestens) von der Zeitschrift Nature abgelehnt.

Von Storch war in Fachkreisen zum ersten Mal aufgefallen, als er bei der Veröffentlichung einer Reihe klimaskeptischer Artikel in "Climate Research" 2003 die redaktionelle Mitverantwortung hatte.
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Der letzte und bemerkenswerteste dieser Reihe stammte von Willie Soon und Sallie Baliunas. Klimaskeptiker überschlugen sich geradezu, dass ihnen der Coup gelungen war.
Der Artikel wurde wegen fachlicher Mängel geradezu verrissen. Das Renommé der Zeitschrift war ruiniert. Es entbrannte eine große Debatte, der von Storch und seine Kollegin schließlich durch Rücktritt als Chefredakteure aus dem Wege ging.
[Wikipedia 2020 - Soon and Baliunas controversy]
2011 berichtete der Guardian über Willie Soon, dass Greenpeace USA ihm die Annahme von 1.000.000$ von Exxon, dem API und Koch Industries nachweisen könne, was er gegenüber Reuters nicht bestritt. Wohl aber, dass diese Zahlungen seine Arbeit irgendwie beeinflusst hätten.
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Ich frage mich, warum dieser Vorgang in der deutschen Medienlandschaft praktisch unterging.
Soons Artikel, den von Storch redigierte, war übrigens einer der letzten, die in einer Fachzeitschrift die anthropogene Klimaerwärmung bestritt, und ist damit ein Fall für die Geschichtsbücher.

Ein Jahr später mischte er sich selbst in die Hockey-Stick-Debatte ein. Klimaforscher Michael Mann hatte seine Temperaturkurve seit dem Mittelalter als Hockey Stick bezeichnet. Um diese Kurve wurde eine regelrechte Schlammschlacht geführt. Von Storchs Artikel folgten andere wie der von McIntyre und McKitrick 2005. Klimaskeptiker feierten schon die vermeintliche Widerlegung der Hockey-Stick-Kurve als völligen Zusammenbruch der Klimawandel-Argumentation.
Einig waren sich von Storch und Mann in zwei Punkten:

  1. Vom Mittelalter bis zum Industriezeitalter gingen die Temperaturen langsam zurück (eigentlich sogar seit dem bronzezeitlichen Optimum, aber um diese Frage ging es merkwürdigerweise nicht). Dieser kontinuierliche Abschnitt des Graphen bildet den Griff des Schlägers.
  2. Ab dann steigen die Temperaturen schnell an.

Es ging von Storch also nicht einmal um den bildlichen Vergleich mit einem Hockeyschläger.
Es ging nur nur um die geringe Neigung des Hockeyschläger-Griffs. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung von Storchs mit Mann ging genauer um die Frage, ob im Jahre 1998 (dem Rekordjahr bis dato) die Temperaturen bereits höher waren als im Mittelalter oder nicht. Der Artikel in der renommierten allgemein-wissenschaftlichen Zeitschrift Science trug den Titel "Reconstructing Past Climate from Noisy Data", was unter Wissenschaftlern einen massiven Affront darstellt.
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Im Spiegel äußert sich von Storch dann sehr abfällig über seinen Kollegen...
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... was von der Klimaskeptikerin Sonja Boehmer-Christiansen begeistert aufgegriffen wird.
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Von Storchs Kritik wurde von der Lehrmeinung mehrfach widerlegt und letztlich nicht akzeptiert, weshalb der Hockeyschläger dann auch prominent auf den ersten Seiten des folgenden IPCC-Reports abgedruckt wurde.
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Diese Nichtbeachtung der Mann-Kritiker in der wissenschaftlichen Gemeinde stilisierten Klimaskeptiker zu einem Skandal hoch. Von Storch sprach dazu sogar in einer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus von "Türstehermethoden". Bei Bojanowski im Spiegel sprach er von wissenschaftlicher "Selbstzensur".
[Bojanowski 2006]
Bojanowskis Darstellung ging dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf zu weit, er schrieb einen offenen Brief an dessen Vorgesetzten:
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Ernsthaft von öffentlicher Bedeutung wäre die Hockeyschläger-Debatte gewesen, wenn die Temperaturkurve seit der Industrialisierung nicht steil angestiegen wäre. Wann jetzt genau die Global-Temperatur die des Jahres 1000 überschritten hat, ist nicht von großem Belang. Viel gravierender, aber unter Klimaforschern völlig unstrittig, war schon damals die gefährliche Steigung der Temperaturkurve - und auf dieses Glatteis begab sich von Storch selbst nicht. Auf Nachfrage im Spiegel-Interview leugnete er den Klimawandel dezidiert nicht.
Genau das haben aber die Klimaskeptiker, auch auf Anlass seines Artikels hin, getan: der Anstiegstrend habe nichts mit dem anthropogenen CO2 zu tun, sondern sei eine natürliche Schwankung, deren Ursache man noch nicht kenne. Außerdem sei der Trend zu jenem Zeitpunkt gebrochen ("global warming hiatus"; hiatus - engl. Pause).
In einer Senatsdebatte nannte der republikanische Senator James Inhofe u.a. von Storchs Artikel als wissenschaftlichen Beleg "des größten Betrugs, der jemals am amerikanischen Volk begangen wurde." Behauptungen wie "größter Skandal der Wissenschaftsgeschichte" u.ä. fanden durch Internet und "soziale" Medien millionenfache Resonanz, auch sehr stark in Deutschland.

Über offizielle Reaktionen Hans von Storchs auf diese politisch extrem weitreichende Instrumentalisierung seiner Arbeit konnte ich allerdings nichts weiter finden als eine dürre, kleine Randbemerkung in einer eher wenig beachteten Publikation der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen 2010: "In dieser Lage suchen sich die Vertreter gesellschaftlicher Interessen jene Wissensansprüche heraus, die gewisse Positionen am besten stützen. Man denke an den Stern-Report oder die regelmäßigen Aussendungen [sic!] von US-Senator Inhofe."
Ich fand auch zehn Jahre später keinen Bericht über ein Dementi, geschweige denn über eine Unterlassungsklage. Das ist insofern bemerkenswert, als dass von Storch nicht müde wird, sich in reichweitenstarken Medien lautstark über seine politisch aktiven Forscherkolleg*innen zu beschweren.
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[Wikipedia 2020 - EA European Academy of Technology and Innovation Assessment]

2013 - ein Jahr nach Vahrenholts kalter Sonne - wollte er wieder einen kontroversen Artikel veröffentlichen, der die Ursachen der damaligen Verzögerung der globalen Erwärmung diskutierte:

  1. die natürliche Klimavariabilität (Klimaschwankungen gab es immer...)
  2. bisher nicht berücksichtigte Einflüsse (dafür gibt es bei Klimaskeptiker Lomborg und Kollegen genügend Kandidaten)
  3. die Klimasensitivität (also das Ausmaß der Klimawirkung) von Treibhausgasen

Zitat: "Of the possible causes of the inconsistency, the underestimation of internal natural climate variability on decadal time scales is a plausible candidate, but the influence of unaccounted external forcing factors or an overestimation of the model sensitivity to elevated greenhouse gas concentrations cannot be ruled out." Zitat Ende.
Keine Rede von der geänderten Konvektion im Pazifik, die bis heute als Ursache der gebremsten Erwärmung zwischen 1998 und 2012 gilt. Dafür im nächsten Satz die Aussage, dass im zweiten und besonders im dritten Falle die Vorhersagen der Erwärmung beeinträchtigt wären:
"The first cause would have little impact of the expectations of longer term anthropogenic climate change, but the second and particularly the third would."
[Von Storch 2013] (abgelehntes Manuskript)

Ich bin kein Klimaforscher, aber nach meinem Verständnis der Materie ist das eindeutig Klimaskepsis.
Warum das Manuskript von Nature abgelehnt wurde, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ebenso die Frage, ob nicht auch andere Redaktionen es zurückgewiesen haben.
Klimaforscher Stefan Rahmstorf befasst sich mit diesem Manuskript in seinem Blog:
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So wie es von seriösen Wissenschaftlern prognostiziert wurde, nahm die Kurve auch nach der Hockeyschläger-Debatte ihren steilen Trend wieder auf. Die Rosinen-Pickerei der Klimaskeptiker mutete schon zu ihrer Zeit lächerlich an, viele Wissenschaftler und interessierte Laien machten sich darüber lustig. Noch lächerlicher wird sie in der Retrospektive, als die Natur ihre Behauptung Lügen strafte. Bei wikipedia ist die Desinformations-Methode des Cherry Picking in einer Animation sehr anschaulich dargestellt:
Temperaturanstieg-vergleich-zwischen-ausschnitt-und-gesamtverlauf.gif
Von Fjalnes - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Es ist aber letztlich leider nicht zum Lachen. Denn Klima-Aktivisten wurden damals aggressiv mit der Hockeyschläger-Debatte konfrontiert, sie wurde medial und politisch regelrecht ausgeschlachtet, und begleitet von aggressiven Kampagnen der Klimaskeptiker-Szene. Marc Moranos Plattform Climate Depot gab z.B. EMail-Adressen von US-KlimaforscherInnen heraus, die darauf hin mit wüsten Beschimpfungen und Morddrohungen überschüttet wurden.
Und vor allem haben sie beigetragen, Klimaschutz bis heute zu verhindern, was eine politisch wirksame Durchsetzung mit jedem Tag schwieriger macht.
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Von Storchs Hockeyschläger-Kritik wurde mehrfach widerlegt, sein Manuskript von 2013 zurückgewiesen. Er selbst hat derweil für die betroffenen Kolleg*Innen nicht mehr übrig als die mitunter rüde Aufforderung, sich politisch zurückzuhalten.
Die Causa von Storch liest sich im sehr empfehlenswerten Blog seines Kollegen Stefan Rahmstorf wie ein Krimi. Umso verstörender, wenn man nachvollzieht, dass er von der Realität berichtet.
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Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen haben europäische Medien die Forderung der Klimaskeptiker nach journalistischer Ausgewogenheit letztlich als trojanisches Pferd der Fossilindustrie erkannt. Deshalb sind jetzt skeptische Klimaforscher gefragt, die sich noch nicht die Finger verbrannt haben.
Bei Roger Pielke jr., dem Sohn seines klimaskeptischen Kollegen Roger Pielke sr., hat von Storch sich das Motto für seinen Blog Klimazwiebel (honest broker - der Wissenschaftler als "ehrlicher Makler" der Wahrheit gegenüber der Politik) abgeschaut, dem er sich jetzt vollkommen verschrieben hat. In Pielkes Blog wirbt er für das Ideal einer "nachhaltigen" Wissenschaft, die keine politischen Ziele verfolgt und nur der Wahrheit verpflichtet ist.
Als Gegenbeispiel "nachhaltiger" Wissenschaft nennt von Storch die Prognosen vom Waldsterben. Hier verdreht er die Tatsachen völlig: die Massenproteste am Earth Day 1970 markieren den Beginn einer wirksamen Umweltpolitik in den USA, der weltweit Kreise zog. Einer der größten Erfolge war die Verminderung des sauren Regens durch Gesetze gegen die Emission von Stick- und v.a. Schwefeloxiden - wie sie von der Wissenschaft damals gefordert wurden. Diese Gesetze haben bis heute verhindert, dass das Waldsterben durch Sauren Regen eintrat. Im Nachhinein behauptet von Storch jetzt, die damaligen Warnungen der Wissenschaftler hätte die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft beschädigt, weil das Waldsterben ja nicht eingetreten sei. Er spricht von unseriösem Alarmismus.
Analog die Sturmwarnungen von Klimaforschern nach Katrina 2005: danach habe es auch keine weiteren vergleichbaren Stürme gegeben.

Zitat: "Research about the forest die back in Germany may serve as an example at the other end of the spectrum. The science of forest damages was in the 1980s heavily politicized, and used as support for a specific preconceived „good“ policy of environmental protection. The resulting overselling and dramatization broke down in the 1990s, and news about adverse developments in German forests is now a hard sell in Germany. An observer [...] wrote in 2004: „The damage for the scientists is enormous. Nobody believes them any longer.“
Attributing hurricane Katrina to climate change made headlines, and depicting global warming as an uninterrupted continuous upward trend made the understanding of the concept of global warming easier. But, later, we have to pay a price. There were no more Hurricane-disasters like Katrina's since 2005, and warming is stagnating in the last years. [...] The public will understand that it has been manipulated, and that it had not honestly been advised by its publicly funded social institution „science“." Zitat Ende.

Wie Pielke, so fordert auch von Storch eine stärkere Fokussierung der Klimawissenschaft auf lokale Phänomene.

Zitat: "On the global and continental scale, the Intergovernmental Panel of Climate Change IPCC provides reasonable communication, even if the IPCC suffers from some limitations. Examples are a partial politicization, the fact that frequently dominant authors rely on their own work, or the failure of Working Group 2 to accept the assessment of Working Group 1 about the dynamics and change of climate when assessing the impacts of climate.
On the regional and local scale, however, the IPCC is much less efficient, but different regional and local bodies provide services. An early excellent example was the Rossby-Center in Norrköping; the now founded CRES here in København is another good example. The Helmholtz-Association has set up a number of Regional Climate Offices in different parts of Germany[...]; also a national Climate Service Center is beginning its operation in that country."

Natürlich werden bei uns die Klimaschäden moderater ausfallen als in den Tropen und vor allem in den Subtropen. Diese globalen Aspekte stehen in von Storch lokalem Ansatz freilich nicht im Fokus.
Er kommt zu dem Schluss, dass aus Klimaforschung keine politische Forderung erwachsen kann: "[...] there is no immediate conclusion about the political implications to be drawn".
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Pielke jr. ist Politikberater und leugnet z.B., dass die höheren Schäden bei Hurricans eine Folge des Klimawandels sind, sondern dass sie vielmehr auf andere menschliche Faktoren zurückgehen.

Politisch fielen diese Diskussionen in die kritische Zeit der Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Der Erfolg der German Energiewende - der Revolution der Energie in Bürgerhand - bedrohte das fossilökonomistische Geschäftsmodell.
Die Hockey-Stick- und Hiatus-Debatte brachten den Klimaschutz international zu einem katastrophalen Stillstand, der über das Paris-Abkommen 2015 hinaus bis heute anhält.

Von Storch versucht jedoch jeden Verdacht zu vermeiden, ein Klimaskeptiker zu sein. Ohne wissenschaftliche Reputation verlöre er zuviel Gewicht.
Weshalb nicht überrascht, dass er sich (wieder im Bojanowski-Interview) von der Klimaskepsis seiner angeheirateten Nichte Beatrix von Storch (AfD) im Spiegel-Interview mit Bojanowski deutlich distanziert. Aber er schafft es dennoch immer wieder zu verblüffen: den Kollegen, die die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung mit ihrem Alarmismus überstrapaziert hätten, gibt er dort eine Mitschuld am Erfolg der Klimaskeptiker.
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Auch bei den klimaskeptischen Verschwörungstheorien um Climategate hat er sich zwar in der Fachpresse auf die Seite der Fachkollegen gestellt.
[wikipedia 2020 - Hackerzwischenfall am Klimaforschungszentrum der University of East Anglia]
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Dabei kann er sich allerdings nicht verkneifen, in der allgemeinen Presse, hier im Focus, den Hockeyschläger-Konflikt mit den IPCC-aktiven Kollegen um Michael Mann und Stefan Rahmstorf wieder hochzukochen.
Verknüpfung In seinem Blog Klimazwiebel wirft er dem Klimaskeptiker Vahrenholt vor, seine Arbeit für Cherry Picking missbraucht zu haben (was Vahrenholt umgekehrt den Klimaforschern vorwirft) - eine vernichtende Kritik, allerdings auf Englisch. Durch Zufall bin ich über einen Zeit-Artikel überhaupt darauf gestoßen.
Man beachte auch die URL: Verknüpfung (https://klimazwiebel.blogspot.com/2012/02/skeptic-lacking-skepticism-fritz.html)
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Alles in Allem also eine sehr bewegte und bewegende Wissenschaftlerkarriere.
Das alles hält die Medien nicht davon ab, von Storch zu hofieren. Dabei fällt besonders der Spiegel auf. Chefredakteur Wissenschaft damals: Axel Bojanowski, das nächste Beispiel.
All die populären klimaskeptischen Eskapaden hielten die Politik nicht ab, von Storch 2019 wegen seiner Beiträge zur Klimamodellierung 2019 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse zu verleihen.

Beispiel 7: Klimarelativisimus bei der Wochenzeitung Der Spiegel rund um den langjährigen Ressortchef Axel Bojanowski
Bojanowski beklagt eine einseitige Berichterstattung zum Klimathema in den Medien, und macht sich so zum Anwalt der Händler des Zweifels, wie Naomi Oreskes die Klimaskeptiker auch nennt.
[Wikipedia 2020 - Axel Bojanowski]
Er fiel mir immer wieder durch Beiträge auf, die reißerisch klimaskeptische Thesen transportierten. Wie im Focus, so findet man auch hier im Text mitunter seriöse Verweise auf die wissenschaftliche Kontroverse, um einer Minimalforderung nach Objektivität zu genügen. Dabei greift Bojanowski jedoch gerne, v.a. in der Schlagzeile, kontroverse Aussagen von Klimaforschern auf. Beim oberflächlichen Leser bleibt auch oft genug nur die Schlagzeile hängen.
Er bedient wie Populisten oder jüngst der Kabarettist Dieter Nuhr gern das Selbstbild des aufrechten Kämpfers für die Wahrheit, der von einer ideologisierten Meinungsmehrheit unterdrückt wird. Mit dieser Darstellung als "Journalist im Klimakrieg" schaffte er es bis in die Bundeszentrale für politische Bildung, die ja auch um Ausgewogenheit der Darstellung bemüht sein muss.
Verknüpfung Bojanowski war beim Spiegel Exklusiv-Berichterstatter des Klimaschutz-Reaktionärs Hans von Storch. Gerade in seinem letzten Jahr beim Spiegel, dem Jahr der Jugend-Klimaproteste 2019, häuften sich diese Beiträge.

Man kann ihm wenigstens zugute halten, dass er in der "Hiatus-Debatte" um Vahrenholt 2013 seriös blieb. Sein Motiv ist nicht schwer nachzuvollziehen: von Storchs Fachartikel zum Thema wurde damals abgelehnt, und selbst von Storch hatte sich schon 2012 von Vahrenholt distanziert - Bojanowski hätte seine Reputation als Wissenschafts-Journalist riskiert.
[Bojanowski 2013]
In seiner ersten Ausgabe unter Chefredakteur Bojanowski machte Bild der Wissenschaft aber gleich wieder mit einem beliebten Klimaskeptiker-Thema auf, dem man trotz eines zweiten deutschen Dürresommers in Folge nicht einmal objektiv widersprechen kann: die Welt ergrünt.
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Bojanowskis Vorgänger bei Bild der Wissenschaft, der Germanist Christoph Fasel, hatte vorher für die Bild-Zeitung, Eltern und Der Stern gearbeitet, bevor er Chefredakteur des Reader’s Digest wurde.
Einen rührigen Nachfolger beim Spiegel hat Bojanowski ebenfalls: um von Storch und Kollegen kümmert sich jetzt Olaf Stampf.
Bojanowskis Wirken bei BdW erwies sich nur als kurzes Intermezzo. Kürzlich brachte er (im Schatten der Corona-Verschwörungen) für Ulf Poschardt in der Tageszeitung Die Welt die längst vergessene Hockey-Stick-Debatte wieder auf den konservativen Frühstückstisch. Dabei bezeichnet er eine Temperatur-Grafik aus dem ZDF-Wetterbericht von Özden Terli vom 24.07.2020 als unwissenschaftliche Ente - diese Kurve habe ich an dieser Stelle bereits am 03.01.2020 selbst aus frei zugänglichen Daten zusammensetzen können, und sie war bereits 2016 in einem (kostenpflichtigen) Artikel in Nature und danach in der Washington Post zu sehen..
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Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit

Die ökologische Krise wird beschönigt

Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Thomas Bareiß (CDU) betont in der aktuellen Umweltdiskussion lieber das Positive. Er muss sich auch oft genug mit Umweltverbänden auseinandersetzen.


Unsere Flüsse und Seen sind [...] mit die saubersten weltweit. Die Luft in den Städten ist im Vergleich der letzte[n] 150 Jahre noch nie so rein gewesen wie heute. Wir [l]eisten uns [einen] hohen Schutz der Natur, Umwelt, Tiere, Artenvielfalt [und des] Klima[s]. Das [P]ositive kann man auch mal sagen.
Thomas Bareiß

Bareiß stellt Umweltschutz als Unkostenfaktor dar, und er entwirft ein Bild reiner Natur, kein Wort von ökologischer Krise. Was sagt die Wissenschaft dazu?

Meine Professoren für Ökologie Kirchner und Patzke beklagten die Ignoranz von Menschen, die sagen: "In der Natur ist es doch überall grün." Tatsächlich herrschen bei uns - abgesehen von oft kleinen Reservaten - weitestgehend artenärmere Biotope vor, die überwiegend mit Schadstoffen aus Industrie, Landwirtschaft und Siedlungen belastet sind. Deren Emissionen sind zwar mitunter streng reguliert, aber für einen Erhalt artenreicher Ökosysteme nicht genug. Denn das Grenzwert-Prinzip wird wirkungslos, wenn die Immission in großen Volumenströmen und über lange Zeiträume geschieht; und wenn die Grenzwerte nicht das Zusammenwirken des realen Cocktails berücksichtigen, sondern nur jeden Schadstoff für sich.
Die sichtbaren Umweltverschmutzungen wie Rauchschwaden und Müllkippen sind verschwunden - die vielfältigen Umweltbelastungen mit Gasen, wasser- und fettlöslichen Substanzen und Mikro- bis Nano-Partikeln sind unsichtbar. Alles, was die Illusion von ökologisch unbedenklichem Wasser und sauberer Luft trübt, wird geklärt oder gefiltert.
Und für die Emissionen gibt es Strategien: nach der Verdünnung wurde die Abbaubarkeit von Problemstoffen entdeckt. Leider gibt man sich oft genug damit zufrieden, dass unter definierten Testbedingungen eine bestimmte Abbaurate eingehalten wird. Die Abbauprodukte dieses Prozesses werden nicht immer weiter betrachtet, selbst wenn sie potentiell gefährlich sind.

Während in der Landwirtschaft noch die Agrarindustrie-Lobby die Politik dominiert, bekommen immerhin in den Staatsforsten (Anteil 29%) zunehmend wissenschaftliche Erkenntnisse Vorzug vor dem Diktat des Profits. Von der Nutzholz-Plantage wandeln sich immer mehr Wälder hin zur artenreichen Naturverjüngung. Das dient auch ihrer Widerstandsfähigkeit im Klimawandel. Wald ist ein besonders deutlicher Anzeiger von Klimawandel, weil die Individuen der langlebigen Arten (sprich Bäume) im Alter ganz anderen Bedingungen ausgesetzt sind als in ihrer Aufwuchsphase.

Die Aufregung bei uns ist groß, wenn wieder etwas sichtbar wird, das eigentlich unsichtbar bleiben soll. In einem Abwasser-Klärwerk funktionierte die Filterung grober Kunststoff-Partikel nicht.
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Dabei sind die Partikel, die im Normalbetrieb den Rechen passieren, viel problematischer, weil sie ubiquitär werden - also Wind und Wasser in der ganzen Biosphäre verteilt werden. Kunststoff findet man (als Partikel) wirklich überall, genau wie DDT und andere Schadstoffe.
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Es wäre sicher hochinteressant, einmal im Nachhinein die Verlautbarungen aus dem Verkehrs-, Wirtschafts- bzw. Landwirtschaftsministerium zu untersuchen, als die ersten Diskussionen zu folgenden Themen aufkamen:

Interessant deshalb, weil diese Diskussionen abgeschlossen sind und die Substanzen strengen Gesetzen unterliegen.
Die Diskussion der folgenden Themen dagegen ist noch offen, und hier kommen die erstaunlichsten Studien auf den Tisch, die bis vor kurzem noch nicht einmal veröffentlicht werden mussten - diese skandalöse Praxis wurde vom EU-Parlament 2019 beendet:

Die Umweltgesetzgebung, die in den 70er Jahren begonnen hat, führte zur Abwanderung vieler Industrien. Ein Teil der Biosphären-Vernichtung fand und findet anderswo statt. Stattdessen hätte man internationale Vereinbarungen und Handelsbeschränkungen beschließen können, wie es z.B. bei FCKW und PCB geschehen ist. Die Gesetzgebung zu Lieferketten wurde jahrzehntelang verschleppt.

Für Umweltverbände ist Bareiß' Tweet blanker Hohn. Was wir uns tatsächlich leisten, ist die Vernichtung unserer eigenen Lebensgrundlagen, und zwar für ein Konsum- und Profit-Feuerwerk, dessen Ende für die Wissenschaft seit Jahrzehnten absehbar ist. Die Situation ist nicht gut, nur weil wir im Vergleich zu anderen Ländern besser dastehen. Zumal das die Länder sind, in die wir unsere Umweltverschmutzung in den letzten 40 Jahren aus Profit- und Akzeptanzgründen exportiert haben. "Unter Blinden ist der Einäugige König."
Immerhin spricht sich herum, dass Verschmutzungen anderswo sich früher oder später auch bei uns auswirken, genauso wie die unsichtbaren Belastungen, die wir immer mehr auch selbst direkt verursachen.

Ja, so etwas "kann man ja auch einmal sagen" heutzutage, aber nur, weil noch viel zu vielen der Unterschied zwischen Belastung und Verschmutzung unklar oder aber der Zustand ihrer eigenen Biosphäre vollkommen gleichgültig ist.

Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit

Fossilökonomisten schüren Vorbehalte und Ängste gegen Klimaschutz

Inhalt

Die Zivilgesellschaft ist mit der Einordnung der Informationen immer noch völlig überfordert: die Krise wird verharmlost; gegen Klimaschutz wird polemisiert, werden Ängste geschürt.

Die Medien tun v.a. in den USA seit 30 Jahren so, als wäre Klimaskepsis keine politisch motivierte Lüge, sondern eine objektive Darstellung, die gleichberechtigt neben der Lehrmeinung der Klimawissenschaft steht. Sie konnten (oder wollten) nicht die Kompetenz der unterschiedlichen Seiten bewerten. Und so konnten Fossilökonmisten die wissenschaftliche Diskussion kurzerhand zu einer Meinungsfrage erklären. In den USA bezeichnet man unter Trump solche Aussagen heute als alternative Fakten, was in sich schon einen Widerspruch darstellt.
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Der Klimapolitiker Al Gore hat seinen epochalen Film über die Klimakrise treffend "eine unbequeme Wahrheit" genannt.

Nachdem Fossilökonomisten jahrzehntelang die ökologischen Prognosen der Wissenschaftler bestritten haben, können sie nun die sichtbaren Folgen nur noch schwer leugnen. Doch manche tun es nach wie vor.

Der schwer zu erschütternde Ministerpräsident Australiens Morrison - er ist Pfingstkirchler - ließ sich angesichts massiver Proteste nach den epochalen Buschfeuern (von denen erstmalig auch Regenwälder betroffen waren) zu einem Eingeständnis des Klimawandels hinreißen.
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Doch so, wie Fossilökonomisten in der Vergangenheit die Vorhersagen für heute bestritten, so bestreiten sie jetzt in der Klimakrise die Gültigkeit der (mittlerweile stark verbesserten) Modelle für die katastrophale Prognose der Zukunft. Es kann nicht sein, was nicht sein darf: es wird schon nicht so schlimm werden, "et hätt noch emmer joht jejange". Hauptsache: es geht uns gut, also warum sollten wir etwas ändern?


Si mundus vult decipi, decipiatur.
Wenn die Welt betrogen werden will, soll sie betrogen werden.
Scaevola

[Wikipedia 2020 - Mundus vult decipi, ergo decipiatur]

In deutschen Medien waren die Klimaskeptiker solange weniger präsent, wie konkrete, tiefgreifende Klimaschutz-Maßnahmen nur als Forderung einer Minderheit existierten. Zwar war das Thema Klimawandel auf dem Schirm der westlichen Zivilgesellschaften. Viele sahen den Widerspruch zwischen den Absichtsbekundungen und Beschlüssen ihrer Regierungen mit Unbehagen. Doch angesichts der erforderlichen Umbrüche sahen sich die gemäßigten Klimaschutz-Willigen überfordert. Sie beschränkten sich auf Minderung ihres persönlichen Fußabdrucks. Sie schufen damit zwar Modelle einer lebenswerten Zukunft, die sich jedoch nicht schnell genug gesellschaftlich etablieren konnten. So schritt die Klimakrise weiter fort.
Der Mitautor der Club-of-Rome-Denkschrift "Die Grenzen des Wachstums" von 1972 Dennis Meadows gab in einem Zeit-Interview 2007 mit Fritz Vorholz die wandelnden Narrative seiner Kritiker so auf den Punkt (übersetzt):

  • "Siebziger Jahre: „Es gibt keine Grenzen.“
  • Achtziger Jahre: „Vielleicht gibt es welche, aber sie liegen in weiter Ferne.“
  • Neunziger Jahre: „Womöglich sind die Grenzen schon recht nah, aber Technik und Markt werden das Problem lösen.“
  • 2000: „Technik und Markt haben es leider nicht geschafft, aber mit mehr Wachstum werden wir es schaffen.“
  • Demnächst wird es heißen: „Ging leider nicht. Aber jetzt ist es zu spät, um etwas zu unternehmen.“"

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Die Erklärung ist eine gigantische kollektive Verdrängung, wie sie bei jeder gravierenden Fehlentwicklung in hochorganisierten Gesellschaften früher oder später zwangsläufig auftritt. Nehme man die Kulturen des alten Rom, der Osterinsel, der Maya, der Nazca oder des Faschismus. Einem Historiker würden noch unzählige Beispiele einfallen.


Je weiter eine Gesellschaft sich von der Wahrheit entfernt, desto mehr hasst sie diejenigen, die sie aussprechen.
George Orwell

Genau - es sei denn, es sind die eigenen Kinder, die sie ausssprechen. Ganz wie in Hans-Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider", nur leider nicht im Entferntesten lustig. Die Erkenntnis der Krise, der drohenden Katastrophe war längst überfällig.
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Es ist eine bittere Ironie, dass gerade Kinder eine Weltsicht der Erwachsenen kritisieren, die von Beobachtern oft als infantil gekennzeichnet wird.
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Eine infantile Haltung wird selbst von internen Regierungskreisen als politischer Leitfaden von Klimapolitik in schriftlichen Statements dokumentiert - wenn dort auch nicht dieser Begriff benutzt wird. Maja Göpel berichtet (in ihrer etwas provokativen Art) von einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Zitat:
"2019 war ich im Auswärtigen Amt, Klima als Sicherheitsthema. Deutschland sitzt im globalen UN-Sicherheitsrat um zu diskutieren, was die Sicherheitsauswirkungen sind von Klimaveränderungen. Die Weltbank prognostiziert, wieviele Menschen vertrieben werden, weil ihre Bereiche unbewohnbar werden. Wenn so'n maledivischer Botschafter, wenn die ganzen Präsidenten da sitzen, die haben wirklich alle da auf dem Stuhl gesessen und ich bin fast hinten 'runtergeplumpst - ich war die Moderatorin - weil alle gesagt haben “wir hoffen auf die Kinder”. [Hier hätte sie mit Greta Thunberg sagen können: "How dare You?" - Anm. des Autors] Da sitzen Staatenlenkerinnen und Staatenlenker und hoffen auf die Kinder, dass die irgendwie dabei helfen, dass anscheinend eine moralische Revolution oder was immer das sein muss, sie dann legitimiert, demokratisch Veränderungen oder eben auch freiwillige Veränderungen der Gesellschaft durchzubekommen, dass sie nicht untergehen müssen. Und dann kommt so'n Mensch aus dem Auswärtigen Amt und liest “ja nö, also, hier muss alles Spaß machen, damit die Leute mit mir kommen, und hier kann man auf keinen Fall irgend jemand Veränderungen zumuten”."
Zitat Ende.
[Armbrüster 2020-1]
[Armbrüster 2020-2] im Video ab 26'22''

Es ist deshalb kein Wunder, dass gerade eine willensstarke Jugendliche mit Asperger-Syndrom die kognitive Dissonanz nicht ertragen, die enorme kollektive Verdrängungsleistung der unzähligen Passiven nicht mitstemmen konnte - also der nahezu kompletten restlichen Weltgemeinschaft. Greta Thunberg trat in Hungerstreik, um im Kleinen ihre Familie zu dekarbonisieren. In der Schule wirkte die staatliche Autorität auf sie ein. Diese Autorität legte ihr einerseits die Bedeutung der wissenschaftlichen Fakten nahe, andererseits erweckte sie den Eindruck, diese Fakten im politischen Handeln zu ignorieren. Und diese Autorität setzte Greta konsequenterweise ebenfalls durch Streik unter Druck.


Es sagt viel über die Welt aus, mein Kind, sagte der Vater zu dem Knaben,
dass die Dummen glücklich sind und die Schlauen Depressionen haben.
Marc-Uwe Kling

Für ihre Ankündigung "I want You to panic" erntete sie viel Kritik. Dabei nahm sie nur vorweg, was auf die unzähligen Verdrängungs-High-Performer noch zukommt. Viele Fosilökonomisten, mit denen ich spreche, kommen irgendwann zur Einsicht. Ihre Reaktion ist dann aber meist Resignation: "es ist ja eh' nichts mehr zu machen." Ob das etwas mit ihrer Verdrängungsleistung zu tun hat?
Natürlich haben sie von ihren Eltern gelernt, sich vor Frustrationen durch unlösbare Aufgaben zu schützen. Die Frage ist, ob sie auch genug Selbstbewusstsein gelernt haben, sich bei großen Problemen nicht nach höheren Autoritäten umzuschauen, sondern selbst die Probleme in Angriff zu nehmen.

Die Verdrängungsleistung wird von Psychologen als emotional wesentlich problematischer gesehen als die ehrliche Auseinandersetzung mit den Fakten. Psychologen bereiten sich schon jetzt auf massenhafte neurotische Angst-Störungen vor, verursacht durch die um sich greifende Einsicht, dass die aktuelle Politik die Klimakatastrophe befördert, ausgelöst durch eine klimaassoziierte Katastrophe. Je länger Politik und Zivilgesellschaft den Klimaschutz hinauszögern, desto größer wird diese Gefahr einer Massenhysterie.
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Die Spaltung der Gesellschaft in der Klimafrage verschärft das Problem extrem, weil sie die Verdrängung der Fakten mit gesellschaftlichem Druck befördert.
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Der Handlungsdruck in der Vorbereitung auf das Ende der Corona-Krise potenziert den Konflikt nochmals. Werden wir mit den Unsummen, die die Finanzkrise weiter anheizen, das komatöse alte System weiter am Leben erhalten, oder können wir sie - wie Roosevelt mit dem New Deal - für Zukunftsinvestitionen nutzen?
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Doch Wut und Verzweiflung sind genausowenig hilfreich wie blindes Vertrauen in Obrigkeit, Markt und Innovation.
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Die NGO Avaaz hat dazu eine vorbeugende Kampagne mit vier Prinzipien gestartet.
1. “Untrigger” - Nach Ausgeglichenheit streben
2. Auf die innere Stimme hören
3. Herzlich UND stark sein
4. Schluss mit Gerüchten, suchen wir die Wahrheit
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Mit ihrem "how dare you" appelliert Greta an die Verantwortlichen, nicht in der Jugendbewegung nach Hoffnung zu suchen, sondern selbst ihrer Verantwortung gerecht zu werden. In der Tradition anderer Menschenrechtsbewegungen ermutigt sie ihre Mitstreiter: "When we start to act hope is everywhere. So instead of looking for hope - look for action. Then the hope will come."
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Sogar der Focus beschäftigt sich differenziert mit den heftigen Reaktionen auf Greta Thunberg.
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Gretas Fähigkeit, ohne soziale Rücksichtnahme ihren Überzeugungen zu folgen, tun ihre Kritiker als soziale Dysfunktionalität ab - dabei hat sie eine Welle der Solidarität ausgelöst, die den Nebel der Verdrängung für viele endlich aufgelöst hat.

Seitdem werden konkrete politische Maßnahmen diskutiert. Deshalb werden die Klimaskeptiker und Fossilökonomisten wieder lauter. Ihre standhafte Weigerung, die Tragweite wissenschaftlicher Erkenntnisse anzuerkennen, nimmt Züge an, die Jan Grossarth in der Süddeutschen Zeitung als "anti-ökologische Hysterie" bezeichnet.
[Grossarth 2019]

Alles in allem kann man feststellen, dass die Zivilgesellschaft mit der Klimakrise komplett überfordert ist. Viele Menschen schwanken zwischen vager Hoffnung auf Innovation und Verzweiflung. Urs Bruderer diskutiert im Schweizer Magazin Republik sehr treffend diese "große Überforderung" in den fossilökonomistischen Gesellschaften.
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Der visionäre US-Präsident Franklin D. Roosevelt ging in der Weltwirtschaftskrise mit seinem New Deal große Risiken ein - und führte damit die größte Volkswirtschaft der Welt aus dieser Krise, die anderswo den zweiten Weltkrieg auslöste. Die Gefahr der Klimakrise ist mindestens vergleichbar, nicht umsonst wird deshalb für die Klimawende von Vielen ein Green New Deal entworfen.

Jetzt, in der Corona-Krise kommen immer mehr Leute auf die Idee, dass solcher Mut am Ende einen Zusammenbruch und politisches Chaos doch noch abwenden könnte.

Fossilökonomistische Politik dagegen legitimiert sich entsprechend vor allem durch eins: sie verdrängt oder verharmlost die wissenschaftlichen Zukunftsprognosen und versucht den Status quo (bzw. ante) auf Biegen und Brechen zu erhalten, indem sie die Ängste der Bürger vor allen möglichen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten befeuert.



Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst.
Franklin Delano Roosevelt






Da Klimaskeptiker und Fossilökonomisten in der bequemen Position sind, das bestehende erfolgreiche System zu verteidigen, ist es ihnen ein Leichtes, wissenschaftliche Warnungen vor maximal drastischen Folgen als irrational, als Hysterie oder Religion abzutun. Je extremer die politische Orientierung, desto weniger denken die Menschen in Alternativen, man spricht vom sogenannten Clandenken: wenn sich in einer Gemeinschaft eine gemeinsame Position durchgesetzt hat, müssen Abweichler mit Ausschluss rechnen. Eine solche Position ist der Fossilökonomismus. Wer als Konservativer oder Neoliberaler sich zu Klimaschutz bekennt, macht sich in seiner Gruppierung verdächtig.

Nach wie vor kommen in der konservativen Springer-Zeitung Die Welt Klimaskeptiker zu Wort; hier Maxeiner und Miersch, die Klimaaktivismus als Spielart einer alten, gefährlichen deutschen Krankheit, der "Ökohysterie" diagnostizieren; mehr dazu hier.
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Die FAZ spricht von Klimaschutz als Ersatzreligion.
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Cicero beklagt eine "mediale Panik", die eine Klimakatastrophe als "politische Dystopie" zeichnet.
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Die Welt tut die Klimabewegung als kurzlebige Hysterie ab: "warten wir doch, bis der Klimahype abgeklungen ist"
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Original:
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Die drohende Klimakatastrophe wird von Klimarelativisten heruntergespielt:
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Wenn ihnen die Argumente ausgehen, greifen Fossilökonomisten in ihrer Auseinandersetzung mit der Jugendbewegung gerne zu Paternalismus, wie schon oben bei Hans von Storch zu lesen.
Friedrich Merz (CDU) noch im Herbst 2019 über Greta Thunberg: "Ich hätte meine Tochter da nicht hingelassen".
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War es das Signal des BlackRock-Chefs Fink in Richtung Dekarbonisierung oder will Merz seine Chancen auf die Kanzlerschaft nicht riskieren? Jedenfalls erkannte er auf dem Parteitag im Dezember 2019 die Dringlichkeit von Klimaschutz endlich an. Doch anstatt Thunbergs couragierte Rolle in diesem Sinneswandel zu würdigen, kann er sich immer noch nicht verkneifen, auf Greta Thunbergs mangelnde Dankbarkeit der älteren Generation gegenüber anzuspielen - eine Gegenreaktion, die sich in seiner Wählerklientel oft beobachten lässt. Hier ein Zitat aus einem Bericht der Zeitung Merkur:
"[Merz:] „Wenn Greta sagt, wir hätten ihr die Jugend geraubt... Nein, dann muss man sagen: Ihr hattet in dieser Generation die beste Jugend, die es jemals überhaupt in diesem Teil der Welt gegeben hat.“ [...] Doch wenn das auch für künftige Generationen so bleiben soll, so Merz, „dann müssen wir heute viel ändern“ [...]"
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Marie-Luise Dött (umweltpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion CDU/CSU) outet sich als Klimaskeptikerin; sie habe sich bei ihren Wahlen in der Fraktion "gegen alle Gutmenschen durchsetzen" müssen, "um Schlimmeres zu verhindern" - immerhin hat sie seit 2005 bis heute immer eine Mehrheit gefunden.
Dött fand noch 2010 die Thesen des Klimaskeptikers Fred Singer bei einer Diskussionsrunde des Bundestages "sehr, sehr einleuchtend"
- auch wenn sie die Aussage später relativierte.
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Ob sie wusste, dass Singer zeitweise 5000$ monatlich von der Klimaskeptiker-Denkfabrik Heartland Institute bezogen hat? (siehe unten)

CSU-Agrarpolitiker Albert Deß verbreitet zwar seine klimaskeptischen Ansichten selten zur öffentlichen Profilierung - als sicherer CSU-Kandidat und Obmann der konservativen EVP-Fraktion im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments ist er so mächtig, dass er das nicht mehr nötig hat. Deß schaffte es 2018, einen Bericht von Stuart Agnew, einem Politiker der britischen rechtskonservativen Brexit-Partei UKIP, in das wichtigste EU-Klimaschutzprogramm LIFE einzubringen. In diesem Gutachten zitierte Agnew den Klimaskeptiker Björn Lomborg, der behauptet, kosmische Strahlung sei die Ursache der globalen Erwärmung. Deß' Änderungsvorschläge wurden unterstützt von weiteren Konservativen und Liberalen wie Ulrike Müller von der bayerischen FWG. Immerhin konnten sie abgewiesen werden, der Bericht schaffte es jedoch in die Akten.
[Wikipedia 2020 - Albert Deß]
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In:
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Nikolai Ziegler ist ranghoher Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministerium und zugleich 1. Vorsitzender der Windkraft-Gegner Dachorganisation Vernunftkraft e.V.. Im August 2019 sagt er über den Konsens der Klimaforschung: "Das mit der überwältigenden Mehrheit ist ja so eine Sache. Diese 97 Prozent, die da zitiert werden, da halte ich nichts davon. Erst mal wurden da im Wesentlichen Leute befragt, die irgendwie schon in dieser Klimawissenschaft drin sind. Und nicht alle Wissenschaftler. Da gibt es also auch Papiere von renommierten Leuten, die auch ganz viele Unterstützer haben, die das alles sehr kritisch sehen."
Er macht gar kein Hehl daraus, dass die allermeisten Klimaskeptiker fachfremd sind. Von wissenschaftlichem Renommée kann man also gerade nicht sprechen, daran ändert auch eine noch so große Zahl von Unterstützern nichts.
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Im BMWi durfte Ziegler bereits Thomas Bareiß (CDU) vertreten. Bareiß ist der für Energie zuständige parlamentarische Staatssekretär.

In seinem Twitter-Feed findet man das Große 1x1 des Fossilökonomisten. Da er auch noch hier und hier zu Wort kommt, beschränke ich mich bei dieser kleinen Auswahl auf seine Auseinandersetzung mit der Klimaschutz-Bewegung:
Bareiß geht gerne mit Fridays for future in Konfrontation.
Er ist sich nach wie vor auch nicht zu schade für persönliche Angriffe.
Je länger man diesen Feed durchliest, desto mehr versteht man von der Motivation der aktuellen Wirtschaftspolitik.
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Auch die Forderungen nach der Agrarwende rufen bei Fossilökonomisten unsachliche Reaktionen hervor. Minister Friedrich (CSU) twitterte als Reaktion auf die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie über Feinstaub aus der Landwirtschaft: "Der Vernichtungsfeldzug der Ideologen frustriert vor allem viele junge Landwirte."
[Grossarth 2019]
Ob es sich bei den Vorwürfen tatsächlich um Ideologie handelt oder nicht, davon kann man sich hier als Naturwissenschaftler ein Bild machen, für die Fragen der Laien gibt es Suchmaschinen. Ich bin jedenfalls zu dem Schluss gekommen, dass die Studienergebnisse plausibel sind.
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Zum konservativen Narrativ gehört auch die Einschüchterung der Progressiven mit der Ansage, dass Aktivismus noch nie etwas gebracht habe. Diese Vorstellung liegt in der Natur des Konservativismus. Die Geschichte beweist jedoch immer wieder das Gegenteil.

  • Entwicklung der Menschenrechte: Abschaffung der Sklaverei, Befreiung der Kolonien, Wahlrecht, Gleichberechtigung von Frauen, Kindern und Minderheiten, ...
    Verknüpfung
    [Wikipedia 2020 - Liste der Menschenrechtsorganisationen]
  • Entwicklung des Umweltschutzes, angestoßen von der Umweltbewegung: Gesetze gegen Emission von Schwermetallen, Schwefeloxiden, Asbest, Müll, Schutz der Ozonschicht, ...
    [Wikipedia 2020 - Umweltbewegung]
    [Wikipedia 2020 - Environmental movement]
  • Die enormen Anstrengungen und Erfolge von AktivistInnen sind eben oft schnell vergessen, die Masse nimmt die angenehmen Folgen dann als selbstverständlich, naturgegeben hin. Tatsächlich müssen Demokratie und Menschenrechte jeden Tag gegen reaktionäre Kräfte verteidigt werden.


    Durch Ruhe und Ordnung kann die Demokratie ebenso gefährdet werden wie durch Unruhe und Unordnung.
    Hildegard Hamm-Brücher

    Keine Regierung und keine Bataillone vermögen Recht und Freiheit zu schützen, wo der Bürger nicht imstande ist, selber vor die Haustüre zu treten und nachzusehen, was es gibt.
    Gottfried Keller

    Aktivistinnen von Fridays for Future bekamen Angela Merkel im August 2020 die Zusage das Freihandelsabkommen Mercosur mit südamerikanischen Staaten (u.a. das vom Faschisten Bolsonaro geführte Brasilien) in der jetzigen Form nicht zu unterzeichnen. Agrarministerin Julia Klöckner bestätigte diesen Schritt, betonte aber, dass es zum Schutz der deutschen Viehzüchter vor brasilianischem Billgigfleisch (das unter übelsten Bedingungen auf sogenannten Feedstocks produziert wird) zu schützen. Sicher aber spielen die Proteste in der zivilgesellschaftlichen Wahrnehmung und Wahlumfragen eine Rolle.
    Immer wieder hört man von Fossilökonomisten: "grüner Alarmismus war schon immer unbegründet". Doch ohne restriktive Gesetze sähe die "Umwelt" heute ganz anders aus, die CDU prahlt zu Recht damit. Es ist nur die Frage, ob die damaligen Bürgerproteste und Umfrageergebnisse nicht auch eine Rolle dabei gespielt haben. Doch die Gesetzgebung beschränkte sich auf sichtbare Verschmutzung, bei unsichtbarer Belastung mussten immer zuerst die vorhersagbaren Schäden auch deutlich eingetreten sein, bevor Beschränkungen kamen. Der damalige Umweltminister Töpfer kritisiert jetzt die aktuelle Klimapolitik seiner eigenen Partei.
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    Armin Laschet erklärte bei Anne Will die Erdrutschgewinne der Grünen bei den Europawahlen 2019 nach den weltweiten Fridays-for-future-Protesten: "Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich ein weltweites Thema geworden." Nach Jahrzehnten der massiven Verdrängung dieses existentiellen Jahrhundert-Problems erntete er dafür zu Recht eine Menge Spott. War das ein hilfloser Rechtfertigungsversuch des jahrzehntelangen Wegsehens und Leugnens, oder ein versehentlicher Einblick in ein zutiefst kognitiv dissonantes, konservatives Seelenleben?
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    Die zuständige Fachministerin Svenja Schulze (SPD) verweigert im September 2019 bei der Frage nach Deutschlands verbliebenem CO2-Budget die Auskunft: "Unter diesen ganzen Tonnen und so kann sich doch keiner 'was vorstellen." Unkenntnis oder Vermeidungsverhalten - es fragt sich, was schlimmer ist.
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    Der Vorsitzende der Jungen Union Tilman Kuban ruft auf dem Deutschlandtag 2019 demonstrativ zur kollektiven Trotzreaktion gegen den konsumkritischen Zeitgeist auf, und schürt Angst vor der Verbotskultur: "Aber bei aller Bedeutung und bei allem Verständnis für das Thema Klima muss man ja heute fast beinahe Angst bekommen, wenn man im Sommer mit Freunden 'ne Flasche Bier aufmacht und 'n [...] Stück Fleisch auf den Grill legt. Ja, liebe Freunde, es soll noch Leute in diesem Land geben, die im Sommer den Grill anwerfen. [...] Und ja, es soll auch noch Leute geben, die im Sommer in den Sommerurlaub nach Malle fliegen, liebe Freundinnen und Freunde." Damit provoziert er einen stadiontauglichen Chor, den er nur lächelnd goutiert: "Aber scheiß' d'rauf - Malle ist nur einmal im Jahr."

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    Während die Menschheit eine potentielle (für manche jetzt schon sichtbare) Klima-Vernichtungs-Perspektive hat, ist für andere schon beim Thema Tempolimit, Kreuzfahrten oder Flugreisen jedwede Einschränkung der individuellen Freiheit unzumutbar.
    Die Frage ist, welche Antworten unsere Gesellschaft auf solche krasse Spaltungen findet.

    Die kabarettistische ZDF-Serie Heute-Show zeigt, wie weit Verkehrsminister Andreas Scheuer in der Diskussion um das Tempolimit geht: bis ans Limit.


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    Hier noch eine Liste anderer Freiheiten, die wir unseren Kindern zumuten - für maximalen Luxus und Profit. Bei jedem dieser Punkte stellt sich mir die Frage, wo für den Bürger wirklich ernsthaft die Freiheit bedroht wäre, wenn man hier Einschränkungen machen würde?

    • freies Design von Verpackungen
    • Verkauf und Bewerben von Produkten aus Produktion, die Menschen und Biosphäre ausbeuten
    • weite Transportwege
    • ...

    Kant sagt: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Auch ohne Gesetze gibt es ethische Vorstellungen, und wenn sie sich in einer Gesellschaft durchsetzen, spricht man von Moral. Fossilökonomismus ist auch der Versuch, eine Etablierung der Klimagerechtigkeits-Ethik zu verhindern.

    Manche Philosophen, v.a. in rechtskonservativen Kreisen, sprechen bei den moralischen Ansprüchen der Klimaschützer von Hypermoral(ismus) (nach Norbert Gehlen, 1969).
    [Wikipedia 2019 - Moral und Hypermoral]
    [Grau 2017]
    Selbst wenn man Gehlens Konzept folgt: die Frage ist doch, inwiefern man bei der Forderung der Jugend nach einer Überlebenschance überhaupt von Hypermoral sprechen kann.
    [Stein 2019]

    Mancher klimaschädliche Zeitgenosse macht es sich da allerdings etwas einfacher und verweist auf die Verantwortung des Gesetzgebers, der ja klimaschädliches Verhalten sanktionieren könnte. Man hört jetzt oft Sätze wie: "Soll der Gesetzgeber es doch verbieten" - sagt's und steigt achselzuckend in den Flieger oder auf das Kreuzfahrtschiff. "Weil ich's kann." - Rechtfertigung des von jeglicher Klimamoral befreiten Opportunisten? Oder Ruf des unmündigen Bürgers nach Orientierung durch die Obrigkeit?
    Die Frage ist nämlich, ob dieser Bürger in der Wahlkabine die ethische Konsequenz zieht und eine Partei wählt, die von vorne herein verspricht, die Freiheit zur Zerstörung der Welt zu beschränken - oder eben nicht. Wenn die Politik Einschränkungen durchsetzen soll, muss sie den Rückhalt der Wähler spüren. Solange der zivilgesellschaftliche Klima-Verhaltenscodex lautet "tu' was Du willst", wird es immer die geben, die ihr eigenes Fehlverhalten mit dem der anderen rechtfertigen. Was in einer humanistischen Gesellschaft nicht legitim ist - in einer neoliberalen bis libertären allerdings schon. Da gilt in vielen Fragen: "alles egal, jeder so, wie er kann" - also das Recht des Stärkeren.

    Kants kategorischer Imperativ wird oft so interpretiert: die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen anfängt - das sind heute v.a. die Klimaopfer der Dritten Welt (nur weil die Opfer so weit weg sind, gibt es kein Mitleid); zu Kants Zeiten lebte man noch ziemlich nachhaltig, und die Zivilisation hatte noch große Räume zur Ausdehnung; und so würde das schon einmal bedeuten: je mehr Menschen da sind, desto begrenzter werden die Ressourcen für jeden einzelnen.

    Unsere extraktivistische (ausbeuterische) Lebensweise ist zutiefst nichtnachhaltig; man muss den kategorischen Imperativ nicht nur in räumlicher, sondern auch in zeitlicher Dimension denken: im Respekt auf die Menschen der Zukunft muss man hinzufügen: die Freiheit der einen Generation hört da auf, wo die der nächsten anfängt. Die Jugend hat ein Recht auf Zukunft - das müssen die Alten endlich anerkennen. Fossilökonomisten flüstern den Alten ein, diese Forderung sei nicht gerechtfertigt.
    Zwar fordern in der Corona-Krise v.a. alte Menschen von der Jugend zu Recht, Rücksicht zu nehmen auf die Risikogruppen, indem sie die Ausbreitung des Virus durch disziplinierte Isolation zu bremsen. Zuwiderhandeln wird moralisch streng bewertet. Doch in einem Atemzug versuchen Fossilökonomisten die moralischen Appelle der Jugend auf klimagerechtes Verhalten als Hypermoral abzutun.
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    Betrachtet man das Problem nicht mit der üblichen nationalen Brille, sondern global, dann sieht man zunächst mittel- bis langfristige Probleme, über die man nicht hinweggehen kann.
    Die Verwerfungen, die unsere Eingriffe in den Entwicklungsländern angestoßen haben, sind jetzt schon gravierend. Die Bedrohungen durch Klimawandel sind schon heute vielerorts existentiell. Doch sie sind nichts im Vergleich zu dem Chaos, das sich im Laufe einer Klimakatastrophe früher oder später einstellen wird. Steigende Meeresspiegel und verheerende Flutkatastrophen werden genauso wie Dürren und Zusammenbrüche von Ökosystemen einen nie gekannten Migrationsdruck und Aggression gegen die Verursacher auslösen. Und selbst wenn sich die Industrieländer eine Zeitlang anpassen können, ist dies keine Rechtfertigung für die Verweigerung von Klimaschutz. Es ist im Gegenteil eine sozialdarwinistische Herabsetzung der Menschen, die sich nicht (werden) anpassen können. Wie auch immer, das Überschreiten von Kipppunkten wird sehr wahrscheinlich das Überleben auch einer noch so kleinen Elite unmöglich machen. Wir spielen Russisch Roulette, und mit jedem Abwarten legen wir mehr scharfe Patronen ein.

    Aber auch mit dem kurzsichtigen Blick durch die nationale Brille zeigen sich jetzt schon gravierende Probleme durch die Klimakrise. Doch Fossilökonomisten schaffen es noch immer, Klimaschutz zu verhindern, indem sie die Frage nach Klimaschutz zu einer Frage der sozialen Gerechtigkeit stilisieren, und damit die prekäre Situation vieler Menschen bei uns instrumentalisieren.

    Zeit-Ressort-Chefredakteur Bernd Ulrich bringt das Problem beim Polit-Talk Anne Will im September 2019 auf den Punkt:


    Im Namen der Armen billiges Fleisch - und alle essen dieses Fleisch.
    Im Namen der Armen müssen die Benzinpreise unten gehalten werden - und alle rasen damit [...].
    Im Namen der Armen Billigflüge - und alle fliegen billig.
    Sie müssen das durchbrechen, und das tun sie nicht.
    Sie berufen sich auf die Armen, um nichts zu tun.
    Bernd Ulrich

    Dabei könnte man einkommensschwachen Haushalten ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, ohne durch die liberale Gesetzgebung den Unterbietungswettbewerb auf Kosten von Lebensqualität und Gesundheit von Beschäftigten und Kunden, und genauso von Nutztieren und natürlich vor allem der Biosphäre (= Überlebensressourcen der Zukunft) immer weiter zu befördern.
    Diese Haushalte müssen ja auch bei Miete und Heizkosten, oft genug schon beim Einkommen unterstützt werden. Höhere Löhne werden politisch nicht durchgesetzt, weil die Unternehmen dann nicht den gewünschten Profit generieren würden.
    Die Finanzierungslast des Staates wurde im Neoliberalismus immer mehr auf die Schultern des Lohnsektors und auf Verbrauchssteuern verlagert. So geht ein Großteil der Steuereinnahmen auf Mineralöl-, Mehrwert- und Stromsteuern zurück. Die Braunkohlekraftwerke dienen direkt der Finanzierung rheinischer Kommunen. Das Dilemma besteht also darin, dass der Staat sich direkt aus Ressourcenvernichtung finanziert, also daran heute vital interessiert ist, morgen aber daran zugrunde gehen wird.
    Eine Lösung dieses Problems wäre eine Entlastung des Lohnsektors auf Kosten der Unternehmensgewinne, die von immer mehr Ökonomen gefordert wird. Verbrauchssteuern müssten entsprechend verstärkt zur ökologischen Transformation der Gesellschaft, sprich Decarbonisierung eingesetzt werden, und weniger zur Steuerentlastung von Profiteuren.

    Weiter unten Einzelheiten zur Wirtschaftlichkeit bei den Themen Energieversorgung, Mobilität (hier und hier) sowie Ernährung.

    Was macht die Wohlstandsgesellschaft jedoch mit all dem Geld, das sie bei der Ernährung spart?
    Mit den Segnungen der Fossilökonomie wurde eine Art von Wohlstand für alle geschaffen, die einen nie dagewesenen Konsum ermöglicht. Einen Konsum von Produkten, die man eigentlich für ein erfülltes Leben nicht oder zumindest nicht in dieser Menge wirklich braucht. Von denen dennoch kulturbedingt viele denken, sie können ohne nicht leben.

    D.h. nicht zwingend, dass damit das Lebensglück gestiegen ist, meint Ökonom Richard Easterlin, man spricht seit 1973 vom Easterlin-Paradox.
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    Justin Stevens und Betsey Wolvers versuchen seitdem, Easterlin zu widerlegen. Mathias Binswanger diskutiert den Streit in der Zeit, sieht die Datenlage der Gegner aber recht dürftig.
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    Manche verausgaben sich bis zur Erschöpfung, um einen Überfluss zu erwirtschaften, den sie nie wirklich würdigen können. Viele stürzen sich in einen Hyperkonsum, der nichts mit Lebenskunst zu tun hat - also nicht wirklich Anlass gibt, glücklicher zu sein. Er bedingt dafür weitere, gigantische Zerstörung von Ressourcen. Auch wenn ihr Anteil an der Zerstörung der Ressourcen empörende Dimensionen hat, werden ihre politischen Vertreter nicht müde, das Klimaproblem der wachsenden Bevölkerung der Entwicklungsländer anzulasten.
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    In der Einleitung seines Buchs "Tretmühlen des Glücks" bringt Mathias Binswanger dieses Dilemma, das indirekt aus dem Wachstumszwang entsteht, auf den Punkt.
    Zitat: "Aus ökonomischer Sicht geht es bei der Suche nach der Verwirklichung eines glücklichen Lebens um einen zweistufigen Prozess. Erstens müssen wir ein Einkommen erzielen, damit wir uns die Dinge überhaupt leisten können, die wir für ein glückliches Leben brauchen. In dieser Hinsicht sind wir in den Industrieländern im Allgemeinen Profis. Von klein auf lernen wir die Fähigkeiten, die es braucht, um in der Arbeitswelt Karriere zu machen und viel Geld zu verdienen. Leider reicht das aber nicht aus, wie viele Menschen in ihrem späteren Leben schmerzlich erfahren müssen. Man muss auch in der Lage sein, das verdiente Einkommen so zu verwenden, dass es tatsächlich glücklich macht. Das ist die zweite und noch schwierigere Stufe bei der Verwirklichung eines glücklichen Lebens. Und in dieser Beziehung sind wir oft grauenhafte Amateure.
    So gut wir beim Geldverdienen sein mögen, so schlecht sind wir bei der Umsetzung des Einkommens in Glück oder Zufriedenheit. Die dafür erforderlichen Fähigkeiten, die sich mit dem französischen Begriff „Savoir-vivre“ oder dem deutschen Wort „Lebenskunst“ umschreiben lassen, werden uns in der Schule nicht beigebracht.
    Ein Mensch, der nur ans Geldverdienen und Karrieremachen denkt, handelt in Wirklichkeit unökonomisch, weil er damit sein Glück nicht maximiert. Er verhält sich ineffizient und zwar in dem Sinn, dass er seine ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht optimal nutzt. Die wesentlichen Ressourcen für den einzelnen Menschen sind Zeit und Geld. Das Ziel muss sein, den optimalen Mix von Zeit und Geld zu finden, der zu einem möglichst glücklichen Leben führt." Zitat Ende.
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    Eine besondere Blüte der modernen Management-Unkultur bezeichnet David Graeber mit dem Titel seines letzten Buchs als "Bullshit Jobs": viele Stellen in mittleren Management-Positionen würden nur besetzt, um den Vorgesetzten mehr Bedeutung zu verschaffen. Entsprechend berichten Betroffene von sinnentleerten Tätigkeiten.


    In der ökonomischen Theorie ist Wachstum ein Mittel und nicht ein Zweck. In der Realität ist dieses Mittel aber längst zum Zweck geworden, und kaum jemand spricht heute mehr von einem glücklichen Leben, wenn es um wirtschaftliche Fragestellungen geht.
    Mathias Binswanger

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    So haben alle bei der Ölparty fröhlich mitgemacht und Bedenken erfolgreich beiseite geschoben. Party, als gäb's kein Morgen. Und jetzt will niemand die Party verderben.
    Wo früher Verzicht und Sparsamkeit hochgehalten wurde, wird in der postmodernen Zivilgesellschaft der zukunftsvergessene Konsum zur sinnstiftenden Bürgerpflicht verklärt.
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    Dazu mehr im nächsten Kapitel.







    Das neoliberale Narrativ ist misanthropisch: jeder sei - gemäß seiner "Natur" - sich selbst der Nächste, der Glaube an Solidarität sei naiv. Verzicht widerspreche der menschlichen Natur, meint die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU).
    Demokratie legitimiert sich im Neoliberalismus als Garant einer Freiheit, in der der Homo oeconomicus seinen Egoismus möglichst frei von Grenzen ausleben kann. Damit steht er in der zynischen philosophischen Tradition von Macchiavelli und Hobbes.
    [Schröder 2019]
    Ganz besonders persönliche Aversion wird deutlich, wenn Konservative sich mit den Folgen der 68er-Revolution auseinandersetzen, wie 2007 der damalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Sie beklagen eine heuchlerische Simulation von Altruismus, den sie abfällig "Gutmenschentum" nennen. Ein Begriff, der mittlerweile zum Stammvokabular der AfD gehört.
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    Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI), überträgt das neoliberale Menschenbild auf die Gesellschaft und erklärt die Klimaproteste für aussichtslos: "Kein Staat strebt Klimaschutz an, wenn der Preis dafür der eigene Wohlstand ist."
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    Meinungsmacher, Politiker und Medien haben diese Narrative derart penetrant verbreitet, dass ein Großteil der Bevölkerung davon fest überzeugt ist, z.B. 97% der Sozialpsychologie-Erstsemester von Prof. Tom Postmes in Groningen. Er und mit ihm viele geisteswissenschaftliche KollegInnen sehen das ganz anders. Andreas von Westfalen beleuchtet die vielfältigen, sehr lesenswerten Erkenntnisse im DLF.
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    Mit dieser Einstellung wären Bürger-, Frauen-, Kinder- und andere Menschenrechte nie erkämpft worden.

    Mit diesem Menschenbild im Hinterkopf schieben fossilökonomistische Profiteure ihre ureigene Verantwortung der Krise bequem auf ihre Kunden ab, Politiker auf ihre Wähler.

    Zum 3l-Auto hört man immer wieder (wie auch noch vor Kurzem beim Elektroauto) die These, die Kunden hätten diese rollende Verzichts-Erklärung "nicht gewollt". Allerdings gab es auch keine Verkaufsförderung wie wenige Jahre später bei der Abwrackprämie. Gar nicht zu denken an eine Beschränkung irgendwelcher Art für die vielen Spritschlucker, die den Verbrauchsduchschnitt 2017 auf 7,5l/ 100km hochtreiben.
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    [Sommer 2017]
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    Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner im Interview: "[...] obwohl Straßen sicherer geworden sind, Autos mit Abstandsregler eingeführt worden sind, gibt es immer noch Unfälle und Leute, die zu schnell fahren."
    Wer den durchschlagenden Erfolg einer (in Deutschland noch undenkbaren) rigiden Verkehrssicherheits-Politik sehen möchte, muss nur die Verhältnisse in Frankreich heute und vor dreißig Jahren vergleichen. Man braucht kein SUV, um auf der Straße bessere Überlebenschancen zu haben. Nur strenge Gesetze, die auch durchgesetzt werden.
    Im selben Interview: "Und der Mensch - der Verbraucher - ist 'n ambivalentes Wesen. D.h. sonntags sagen 'ich hätte gerne die eine Kuh, mit der geredet werden muss', die wird gestreichelt, und es ist alles wunderbar. So quasi 'ich möchte nur Fleisch von Tieren essen, die nie geschlachtet worden sind', aber dann in den Supermarkt gehen und Billigstfleisch kaufen. Es wird zum Beispiel Hähnchenfleisch - 100g - für 15Cent nicht nur verkauft, sondern auch gekauft. Und das ist unanständig."
    [Steingart 2019]

    Noch einmal Klöckner: "Die Verbraucher müssten auch ihr eigenes Verhalten hinterfragen: „Selbst ist man bereit, für ein Handy mehrere hundert Euro auszugeben, aber für Hähnchenfleisch nur 15 Cent pro 100 Gramm."
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    Vor zweifelhaften Auftritten vor der Kamera schreckt sie dabei nicht zurück. Für die Bild-Zeitung kocht sie mit Starkoch Lafer ein Vier-Personen-Sonntagsmenü für 25€ mit Fleisch der untersten Tierwohl-Haltungsklasse.
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    Vorher half sie dem verschrienen Konzern Nestle, seine Strategie zur Zucker-Minderung in Szene zu setzen. Ein wahres Kunststück, wenn eine der Hauptzutaten Zucker ist.
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    Ministerin Klöckner tut so, als wären der Politik beim Ordnungsrecht, in der Verbraucheraufklärung oder in Subventionierungsfragen völlig die Hände gebunden. Stattdessen verzichtet sie oft genug auf Politik und akzeptiert "freiwillige Selbstverpflichtungen" der Industrie.

    Große Teile der Gesellschaft können gar nicht auf umweltfreundlichere Angebote zugreifen, weil sie - auch aus politischen Gründen - für sie unerschwinglich sind. Einzige Möglichkeit zum Klimaschutz wäre für sie Verzicht, und damit auch Ausstieg aus vielfältiger gesellschaftlicher Teilhabe.

    Und dann gibt es da auch noch die schamlosen Konsumismus-Prediger wie Jan Fleischhauer oder Dieter Nuhr, die in rüpelhafter Manier demonstrativ ihren egozentrischen Anspruch auf Konsum verteidigen, auch aggressiv, und denen von Zivilgesellschaft und Politik viel zu wenig widersprochen wird.
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    Umwelt- und Klimaschutz wird von Fossilökonomisten gerne als unpopulär, und deshalb politisch nicht durchsetzbar, dargestellt. Besonders eklatantes Beispiel ist die Tabuisierung bzw. Stigmatisierung der Begriffe "Verbot" oder "Steuer".

    Bezeichnend für neoliberale Regierungs-Politik ist der mangelnde Wille, an diesem Narrativ einer infantilen Spaßgesellschaft etwas zu ändern. Ein aktuelles Beispiel dafür habe ich oben gegeben.

    In diesem zivilgesellschaftlichen Umfeld empfanden Klimaschützer sich jahrzehntelang als machtlose Minderheit, und die Wahrnehmung dieser Bewegung auch von außen war "die können eh' nichts ändern." Mit den breiten Fridays-for-future-Protesten quer durch viele Schichten ändert sich da gerade etwas Grundlegendes, eine kritische Masse scheint überschritten.

    Aufklärungskampagnen von Qualitätsmedien leisten einen wichtigen Beitrag, dass die lauten und wirksamen PR-Kampagnen der Fossilökonomisten für penetranten Egoismus ein Gegengewicht bekommen. Jeder einzelne muss erkennen: niemand kann sich der Verantwortung entziehen, es kommt auf jeden einzelnen an.


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    Doch alle Appelle an die Verantwortung des Einzelnen sind nicht ausreichend. Ohne die richtigen politischen Rahmenbedingungen wird es dem noch so willigen Einzelnen viel zu schwer gemacht, ein nachhaltiges Leben zu führen. Wie zum Beispiel der Ex-Präsident des Club of Rome Ernst Ulrich von Weizsäcker ausführt.
    [Kollmer 2019]

    Damit würde auch das gesellschaftsspaltende Moral-Problem entschärft, das rechtskonservative und libertäre Philosophen gerne als Hypermoral hochstilisieren:
    Fossilökonomistenwirken politisch gegen Nachhaltigkeit (und sei es nur an der Wahlurne) - gleichzeitig schüren sie aber massiv Neid auf die Leute, die sich einen nachhaltigen Lebensstil leisten können.
    Manche Mitmenschen, die demonstrativen Klimaschutz ihrer Mitmenschen als moralischen Druck empfinden, sind sehr emfänglich für diese Neiddebatten. Besonders dann, wenn sie zu Angst neigen, gegen vermeintlich neue gesellschaftliche Normen zu verstoßen.
    Dieser empfundene (oder befürchtete) Neid wiederum führt bei Klimaschutz-Sympathisanten dazu, dass sie weniger intensiv und weniger demonstrativ Klimaschutz praktizieren, als sie eigentlich könnten. Sie haben Angst, gegen alte moralische Normen zu verstoßen und versuchen, sich unauffälliger zu verhalten.

    Die Transformations-Wissenschaft beleuchtet diese gesellschaftlichen Mechanismen und entwickelt entsprechende Strategien.
    Buchtipp (Bestseller): Maja Göpel. Unsere Welt neu denken (Ullstein. Berlin 2020). Nicht umsonst ist auch Göpel Mitglied des Club of Rome.







    Je schwerwiegender die Verantwortung, desto stärker ist die Motivation, sie auf andere abzuwälzen.
    Je größer die Schuld, desto stärker ist die Motivation, sie zu verdrängen.

    Menschen, die das gleiche Fehlverhalten zeigen, sind uns als Komplizen willkommen: "wir haben doch nichts falsch gemacht", "die anderen sind mindestens genauso schlimm", "ich habe mich bemüht, es besser zu machen"; ein misanthropisches Menschenbild erleichtert diese Selbstrechtfertigung.

    Je mehr Mitschuldige wir haben, desto leichter fallen uns die Ausflüchte. Die Zeiten, als man die "da oben", also die Aristokratie oder die Kapitalisten, verantwortlich machen konnte, sind vorbei. Zu sehr sind die Interessen (man kann auch sagen Schicksale) der Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander verwoben. Das fängt mit der Vernetzung zwischen Unternehmensleitungen mit politischen Parteien und Arbeitnehmervertretern an und hört mit Vorzugsaktien und Firmen-Sozialfonds nicht auf.

    Die Überforderung der Zivilgesellschaft wird überdeutlich, wenn sich Politik, Wirtschaft und Bürger gegenseitig die Verantwortung zuschieben:

    Was für eine lehrbuchreife Projektion des eigenen Versagens, wenn Fossilökonomisten den Hedonismus einer Jugend beklagen, die von der Gesellschaft eine Perspektive auf Zukunft einfordert. Als wäre die Jugend nicht von eben dieser entfesselten Konsumgesellschaft zutiefst hedonistisch sozialisiert worden. Am aggressivsten verunglimpft werden die vielen AktivistInnen, die teils wirklich respektable Anstrengungen unternehmen, um möglichst klimafreundlich zu leben. Das zeigt, dass es weniger um eine Kritik von jugendlichem Hedonismus geht, als vielmehr um eine Ablehnung von Forderungen nach Klimaschutz.

    Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig führt uns drastisch vor Augen, wie wir später gegenüber unseren Nachkommen in Gewissensnöte kommen können. Wer jetzt Satire erwartet, wird nicht enttäuscht. Dennoch könnte Manchem das Lachen vergehen.


    [Barwasser 2013]







    Es ist durchaus akzeptiert, seinen Lebensstil klimafreundlicher zu gestalten. Das Problem ist, dass die politischen Rahmenbedingungen da Grenzen setzen, die für Geringverdiener nur sehr bescheidene Verbesserungen ermöglichen, will man weiter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Entscheidende Fortschritte im Klimaschutz sind ohne gravierendes politisches Umlenken unmöglich. Wer jedoch politische Veränderungen verlangt, der sieht sich schnell beim geringsten klimaschädlichen Verhalten dem (fossilökonomistisch motivierten) Vorwurf der Hypokrisie ausgesetzt. Diejenigen, die gegen Klimaschutz-Politik sind, werfen Aktivisten klimaschädliches Verhalten vor.
    Gegenseitige Schuldzuweisungen sind für Fortschritte im Klimaschutz kontraproduktiv. Ob man sich lieber dem möglichen Vorwurf der Hypokrisie aussetzt, oder gegen die Klimakrise den Mund aufmacht, ist eine gravierende persönliche moralische Entscheidung.
    Ein Zeichen des gesellschaftlichen Umbruchs ist die Tatsache, dass mittlerweile sogar Influencer sich zu Klimaschutz bekennen und sich auch aktiv mit den Hypokrisie-Vorwürfe auseinandersetzen.
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    Die bekannte Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai-Thi Nguyen Kim bringt das Problem dieser "ad hominem"-Strategie wunderbar auf den Punkt.


    Verknüpfung, 20'00''-23'48''

    Die klimapolitischen Forderungen von Fridays for future zum Beispiel sind von der Wissenschaft, u.a. wissenschaftlichen Beratern der Bundesregierung, gedeckt. Deshalb sind die Forderungen auf jeden Fall berechtigt, egal wer sie vorträgt.







    Frühzeitliche Gesellschaften waren intern von Kooperation geprägt, aber nach außen von Konkurrenz. Gesellschaftliche Organisation und technische Entwicklung führten zur Bildung größerer Gesellschaften. Sobald diese sich über die rein physische Durchsetzung der Macht des Stärkeren hinaus zu politischen Systemen entwickelt hatten, wurden gesellschaftliche Kooperations-Modelle entwickelt: von der frühen Staats- über die Wirtschafts-Philosophie bis hin zur Sozialpsychologie von heute.

    Eines der neoliberalen Ideale ist der perfekte Markt, der mit Adam Smiths "unsichtbarer Hand" alles besser regeln kann als irgendwelche Gesetze und Pläne des Staats. Das Problem ist allerdings, dass die Bürger ("Marktakteure") auf begrenzte gemeinsame Ressourcen (Allmende) zurückgreifen müssen. Hier ist die Gemeinschaft gefordert einzugreifen, wenn sie gerechte Voraussetzungen für alle schaffen, oder wenigstens den gemeinsamen Ruin (nach William Forster Lloyd "tragedy of the commons") vermeiden will.
    [Wikipedia 2020 - Tragik der Allmende]
    Mai-Thi Nguyen Kim erklärt die Erkenntnisse aus der modernen Spieltheorie und benennt Problemfelder für gesellschaftliche Allmende-"Spielregeln":
    "1) Das soziale Dilemma
    Solange die Spielregeln so gemacht sind, dass die egoistische Entscheidung kurzfristig den größten Gewinn oder den geringsten Verlust bringt, wird die Tragödie des Gemeinguts eintreten - früher oder später.
    2) Anonymität [...]: Man hat keinen Einfluss auf das Verhalten der Anderen. [...]
    Zum Beispiel kann man die egoistische Entscheidung weniger belohnen oder sogar bestrafen."
    Darüber hinaus eröffnet die moderne Spieltheorie weitere Kooperations-Optionen: Gegenseitigkeit (Reziprozität) und soziales Ansehen (Reputation).


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    Um solche Kooperations-Mechanismen in einer neoliberalen Gesellschaft zu etablieren, die per definitionem Egoismus zelebriert und Altruismus als "Gutmenschentum" abqualifiziert, ist allerdings ein tiefgreifender Kulturwandel nötig, der mit den Grundannahmen des Neoliberalismus bricht.

    Anfangs konnte man einzelne Großkapitalisten für gesellschaftsschädliches Verhalten verantwortlich machen, wie im Extremfall die Zerschlagung des Rockefeller-Monopols zeigt. Mittlerweile wurde die Verantwortung für die vielfältigen Missstände über die gesamte Gesellschaft verteilt: die Kapitaleinlagen stammen heute nicht nur von Großkapitalisten, sondern auch von Kleinsparern und Pensionsfonds. Große Firmen haben so bedeutenden Anteil an der Wertschöpfung, dass ihr beständiges Wachstum zum Staatsziel geworden ist. Auch sind viele Milliardäre in der Gesellschaft weitgehend unbekannt, auch wenn sie umso größeren politischen Einfluss nehmen.
    Als demokratische Gesellschaften es endlich geschafft hatten, Spielregeln aufzustellen, sorgte im Neoliberalismus die Globalisierung dafür, dass internationale Firmen sich nur eingeschränkt daran halten mussten: die Globalisierung ermöglicht freien Kapitalfluss und Ressourcenzugriff in verschiedenen Nationen mit unterschiedlichen Gesetzgebungen, die sich jeweils vorteilhaft nutzen lassen. In einem Land Ressourcen und Arbeitskräfte ausbeuten, im zweiten die Produkte verkaufen und im dritten die Gewinne versteuern. So werden die Staaten gegeneinander ausgespielt.
    Ernst-Ulrich von Weizsäcker erklärt die missbräuchlichen Deutungen der klassischen Wirtschaftsphilosophen durch die Neoliberalisten in einer Rede vor der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft.
    [von Weizsäcker 2018]

    Fossilökonomisten übertragen die neoliberale Sichtweise auf die Allmende der Atmosphäre und fordern einen Marktmechanismus für die Begrenzung von CO2-Emissionen: den Handel mit Emissionszertifikaten. Dass dabei planwirtschaftlich eine Obergrenze ("Cap") der Emissionen festgelegt wird, stört sie nicht weiter. Ihr Interesse daran hat andere Gründe.

    Im nächsten Kapitel geht es um das Allmende-Problem im internationalen Maßstab.





    Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit
    Fossilökonomisten schüren Vorbehalte und Ängste gegen Klimaschutz

    Angst: wir retten unsere 2% des Klimas und der Rest brennt munter weiter



    Seit Jahren wird gegen die Energiewende argumentiert, dass unsere Wirtschaft durch Stromausfälle und an den Kosten der Energiewende zu Grunde gehe, während der Rest der Welt sich hemmungslos vermehre und weiter CO2 produziere.

    Meist hört man die These nur hinter vorgehaltener Hand, doch wird sie gelegentlich auch gezielt als rechtspopulistische Behauptung öffentlich platziert: das Bevölkerungswachstum der Dritten Welt sei ein dringenderes Problem als die Klimakrise.
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    Jahrhundertelange Eingriffe der Kolonialmächte bis hin zur Klimakrise haben die sozialen Strukturen in Afrika derart geschwächt, dass nachhaltige Wirtschaftsformen und damit resiliente kleinbäuerliche Ökosysteme oftmals verschwunden sind. Dem versuchen vorausschauende afrikanische Regierungen in Zusammenarbeit mit NGOs zu begegnen, zum Beispiel mit Baumpflanz-Aktionen, die auch gegen die globale Klimakrise wirken.
    Den grünen Gürtel in der Sahel-Zone mit den von Yacouba Sawadogo und Toni Rinaudo erfundenen Agroforst-Techniken organisieren Afrikaner dort mit Unterstützung von NGOs erfolgreich weitgehend selbst.
    [Spiegel 2019-3]
    [Tagesschau 2019]
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    [Wikipedia 2020 - Green Belt Movement]

    Doch während Afrikaner bei der Aufforstung Ernst machen, wird in Europa geredet. Klimaforscher Stefan Rahmstorf rückt in seinem Blog die Aussage von Christian Lindner (FDP) aus dem Sommer 2019 zurecht, der meint, das 1,5-Grad-Ziel sei "am effektivsten" mit Aufforstung zu schaffen. Lindner befürwortet zudem die Aufforstung zum Zwecke der Kompensation - also weiteren CO2-Emissionen - und verschweigt, dass ohne sofortige Energie-, Agrar-, Verkehrs- und Wärmewende die Effekte der Aufforstung niemals ausreichen werden.
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    Es besteht große Gefahr, dass hier weitere riesige Flächen mit artenarmen Monokulturen besetzt werden, was die Biodiversität auf dieser Fläche zerstört. Außerdem sind Monokulturen anfällig für Schädlingsbefall, was häufig Pestizideinsatz nach sich zieht.
    In der Tundra oder auf Moorböden ist die CO2-Bilanz bei Aufforstung sogar positiv (es kommt also netto zu zusätzlichen Emissionen). Die Mykorrhiza wird von den Bäumen ernährt, um ihnen durch Zersetzung von Humus die wenigen Mineralstoffe zu liefern - dabei entsteht CO2.
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    Wer die Qualität von Lindners Prognosen mit der aktuell besten Simulation nachprüfen möchte, wird beim nobelpreisgekrönten Sloan-Institut des MIT fündig.
    [Sterman 2019]
    Beim Schutz des Amazonas-Regenwalds dagegen steht die FDP nicht in der vordersten Reihe. Ansonsten fiel Lindner damals durch Abwehr aller Klimaschutz-Ansätze aus, die über die von Experten scharf kritisierten Vorschläge der Fossilökonomisten hinausgingen.
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    Doch auch wirtschaftspolitisch spielen wir Europäer eine destruktive Rolle: die EU rollt ihr altes Modell industrieller Landwirtschaft gegen die Interessen lokaler Kleinbauern auch in Afrika aus. Gegen unsere hochsubventionierten, mit billiger Fossilenergie massenhaft produzierten Produkte haben die lokalen Produkte preislich keine Chance.
    Weltweit treiben wir die Zerstörung der Tropenwälder massiv voran, weil Großgrundbesitzer Regenwald-Flächen roden für industrielle Landwirtschaft und damit unseren ungesunden Fleischkonsum (Feed Stocks und Tierfutter-Plantagen in Südamerika) bzw. unseren Rohstoff-Konsum (Palm- und Kokosöl-Plantagen in Ozeanien) bedienen, wieder befeuert durch Freihandelsabkommen der EU. Nutznießer sind die Chemie-Industrie, die (hier teils unerlaubte) Pestizide verkaufen und billiges Palmöl als Rohstoff bekommen können, die Verbrenner-Industrie und die europäische Viehzucht-Industrie.

    Kein Klimaschützer bestreitet, dass die Weltbevölkerung nicht weiter explodieren darf - allein das tut sie wohl auch nicht mehr. Die Projektionen der Wissenschaftler deuten auf ein baldiges Maximum von 11 Milliarden Menschen - die bei mäßigem Fleischkonsum sogar ernährt werden könnten. Gesetzt den Fall, dass die klimabedingten Verluste an Ackerflächen nicht zu groß werden.
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    Und selbst wenn die Wissenschaftler sich irren: restriktive Geburtenkontrolle aller Entwicklungsländer würde nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was die Industrie- und Schwellenländer emittieren.

    Auch müsste eine heimische Industrie nicht schutzlos der CO2-intensiv produzierten Billig-Konkurrenz ausgeliefert sein. Man hätte schon längst Importabgaben für CO2-intensive Produkte einführen können, am besten nach international vereinbarten Standards. Dass die Regelsysteme noch im Entwurfsstadium stecken, ist dem mangelnden Willen der Beteiligten geschuldet.
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    Doch diese Ablehnung von Verantwortung (Verantwortungsdiffusion) ist nicht gerechtfertigt. Deutschland hat allein von den direkten Emissionen her einen viel höheren Anteil an den kumulativen Gesamt-Emissionen, als gemeinhin behauptet wird: wir stehen auf Platz 4, direkt nach den 3 Supermächten USA, China und Russland (Stand 2018).


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    Jason Hickel von der Uni London bezieht 2020 in die Betrachtung der historischen Emissionen auch die durch Importe verursachten Mengen bis 2015 mit ein. Deutschland landet in dieser Studie sogar auf Platz 3, hinter den USA und Russland.
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    Verknüpfung (Open Access)
    pdf: Verknüpfung

    Aber auch bei den jährlichen CO2-Emissionen liegt Deutschlands reiner Eigen-Anteil immer noch weit höher als sein Anteil an der Weltbevölkerung: Platz 6 (2018).
    [Wikipedia 2020 - Liste der größten Kohlenstoffdioxidemittenten - nach Ländern]

    Auch hat Deutschland mit Hilfe dieser Emissionen einen Entwicklungsstand erreicht, der uns die Klimawende im Vergleich leichter macht als den allermeisten anderen.
    Darüber hinaus werden viele Emissionen in anderen Ländern (v.a. China) durch unseren Massenkonsum verursacht. Wobei Chinas Emissionen pro Kopf immer noch weit hinter Deutschland liegen.
    [Wikipedia 2019 - Liste der Länder nach CO2-Emission pro Kopf]
    Viele planwirtschaftliche Ziele hat China vorzeitig erreicht - in der disruptiven Energie- und Mobilitätswende sind die Prognosen ebenfalls optimistisch.
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    Man sollte also die Planung Chinas, 2060 CO2-neutral zu sein, nicht vorschnell abtun.
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    Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der CO2-intensiven Produktion für unseren Konsum dorthin exportiert wurde, lässt sich eine verzögerte CO2-Neutralität Chinas durchaus rechtfertigen. Doch je ehrgeiziger Europa seine Ziele nachschärft, desto mehr wird China sich in der Dynamik bestärkt sehen.

    Während wir also pro Kopf der Weltbevölkerung eine hohe Verantwortung am Problem tragen, sind die Schäden am höchsten bei denen, die kaum etwas dazu beigetragen haben. Klimagerechtigkeit bedeutet auch, dass sich die Klimaschutz-Anstrengungen nach den Möglichkeiten und nach der Verantwortung richten muss.
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    Besonders der reichste Teil der Weltbevölkerung trägt pro Kopf noch einmal ein Vielfaches des Durchschnitts-Wohlstandsbürgers bei.
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    Fossilökonomisten werden jedoch nicht müde zu betonen, wieviel wir schon für den Klimaschutz geleistet haben und dass wir deshalb nun die Ambitionen zurücknehmen müssten. Das ist eine Verdrehung der Tatsachen.

    Erneuerbarer Gesamtanteil: Schweden Spitze, Deutschland im unteren Drittel


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    Kalifornien und Österreich haben sich schon für eine Dekarbonisierung 2040 entschieden, Schweden (CO2-Steuer seit 1991) für 2045, Dänemark plant schon für 2030 eine ehrgeizige Emissionsreduktion von 70%.
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    Dänemark will sicher gehen, dass den Planungen auch Maßnahmen folgen. Dänische Regierungen können ab 2020 bei Verfehlen von Klimazielen zur Verantwortung gezogen werden.
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    Trotz 30 Jahren stetig steigender CO2-Steuer droht in Schweden keine rechtsnationale Revolution, und während Schweden sich weiter als Antreiber im Klimaschutz betätigt, verbreitet sich in der Zivilgesellschaft die Überzeugung: andere werden dem Beispiel folgen.
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    Das Online-Tool ClimateView ist ein Beispiel, wie die Kommunikation der Klimawende in Schweden funktioniert.
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    Der schwedische Stahlkonzern SSAB kündigt für 2026 die erste wasserstoffbasierte Stahlproduktion nach dem sog. Hybrit-Verfahren an, während in Deutschland um milliardenschwere Subventionen gefeilscht wird.
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    In Deutschland dagegen wartet man mit der Ausführung der durchkonstruierten großen Pläne einmal mehr auf milliardenschwere Subventionen. Dabei ist noch nicht einmal sicher, dass der Wasserstoff komplett emissionsfrei - "grün" - erzeugt wird oder zumindest teilweise "blau" aus Reforming von fossliem Methan.
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    In den Niederlanden wird Klimaschutz 2020 notfalls vor Gericht vorangetrieben.
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    Großbritannien diskutiert 2020 nach dem Brexit über eine Agrarreform, die - entgegen mancher Erwartungen - eine Kehrtwende darstellen würde. Weg von der fatalen EU-Förderung überwiegend nach Fläche hin zu einer Förderung, die sich stärker nach öffentlichem Nutzen und Umweltverträglichkeit richtet.
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    Wer noch mehr Eindrücke von Klimaschutz aus anderen Ländern sucht, wird hier fündig:
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    In Deutschland dagegen war die Energiewende seit Schwarz-Gelb 2009 bis vor Kurzem nur noch ein ungeliebtes Planwirtschafts-Projekt, das dringend marktwirtschaftlich reguliert werden musste; jedwede Beschränkung des fossilen Konsums (außer Wärmedämmung) wurde schnell als wachstumsfeindlich gebrandmarkt. Außer Stillegung der DDR-Industrie und EEG haben wir seit 1990 nur unzureichende Maßnahmen für eine Dekarbonisierung beschlossen: Deutschland liegt jetzt im letzten Drittel der EU-Staaten.

    Dennoch hört man bei uns immer wieder: "wir haben doch genug getan, jetzt sind die Anderen d'ran." In einer ersten Reaktion aus konservativ-liberalen Kreisen auf die Klimaproteste 2019 wurden gegen die Klimawende überwiegend Befürchtungen vor sozialen Verwerfungen geäußert - was nur eine gemäßigte Version des populistischen Narrativs vom Untergang der Industriegesellschaft darstellt. Wenn sie wirklich Klimaschutz legitimieren will, muss die Politik hier ganz anders agieren, nämlich ein positives Zukunftsbild entwerfen, wie es zum Beispiel in Skandinavien, Kalifornien oder Großbritannien geschieht.

    Die globale Entwicklung der Kohlekraft wird oft als Vorwand für den verzögerten deutschen Kohleausstieg genutzt. Tatsächlich jedoch geht der Neubau weltweit dramatisch zurück, während die Stillegungsrate zunimmt.


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    Aus China kommen noch widersprüchliche Tendenzen: im Land geht der Zubau stark zurück (auch wegen vergangener Proteste gegen die Luftverschmutzung), doch dafür investiert China noch im Ausland in Kohlekraft.
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    Mehr über die globalen Erfolge der Erneuerbaren im nächsten Kapitel.

    Das Thema Verantwortungsdiffusion wird auch sehr ausführlich bei klimafakten.de behandelt.
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    Im Gegenteil ist es ein volkswirtschaftliches Risiko, die Chancen der Klimawende zu verpassen: zum einen drohen wir den technologischen Anschluss und Arbeitsplätze (zunächst für den Export) zu verlieren, außerdem drohen Strafzahlungen wegen Nichteinhaltung von EU-Vorgaben. Die ersten Strafprozesse gegen die Fossilindustrie sind anhängig. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es zu ersten Verurteilungen und Strafzahlungen kommt, und zu Verschärfungen der Gesetze.
    [Kirchner 2020]

    In den USA sind bereits zahlreiche Schadenersatz-Prozesse gegen Fossilunternehmen anhängig. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron diskutiert den Straftatbestand des Ökozids, analog zum Genozid.
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    Macron greift damit einen Vorschlag des französischen Klima-Bürgerrats auf, der außerdem mit großer Mehrheit Verfassungsänderungen für Biodiversitäts- und Klimaschutz empfiehlt und auch praktikable, konkrete Vorschläge zu wirksamem Klimaschutz macht.
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    Am 10. September hat auch der britische Bürgerrat seine eindeutigen Beratungsergebnisse zum Thema Klimaschutz veröffentlicht: praktikable, konkrete Vorschläge zu wirksamem Klimaschutz.

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    Wir sollten unsere jetzt noch vorhandenen Mittel für die Zukunft investieren. Die Welt hat bereits lange vor Paris und vor der deutlichen Verschärfung der klimabedingten Unwetter das EEG kopiert - warum sollte das jetzt anders sein? Postfossile Technik, u.a. die in Deutschland entwickelte P2X-Technik, wird sehr wahrscheinlich ein globaler Mega-Boom.

    In den Bereichen Onshore-Windkraft und PV ist Altmaiers Energiekehrtwende "geschafft". Zigtausende Arbeitsplätze sind verloren oder in Gefahr, und wir entfernen uns immer weiter von der Chance, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Das sind schlechte Nachrichten für unsere Volkswirtschaft und für die Welt.
    Altmaier begründet seine Entscheidungen mit dem Dreh- und Angelpunkt der ganzen Debatte: der zu widerlegenden Behauptung vom Armutsrisiko Erneuerbare Energie. Dazu mehr im nächsten Kapitel.





    Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit

    "Die Klimawende schadet mehr als sie nützt"

    Inhalt

    Die Leugner des Klimawandels leugnen vermehrt die Sinnhaftigkeit der Alternativen - sie bevorzugen das Abwarten auf den Kollaps.

    Die Mehrheit der Konservativen hat jahrzehntelang die Forderungen der Umweltverbände nach postfossilen Alternativen abgewehrt. Zuerst mit der Begründung, das Faktum des Klimawandels sei zweifelhaft, und in Anbetracht dieser Unsicherheit sei das Risiko des Wohlstandsverlusts viel zu groß.

    Je sichtbarer diese (Lebens-)Lüge der Klimaskeptiker, und je konkurrenzfähiger die Alternativen wurden, desto mehr bestritten dieselben Akteure dann deren Umweltverträglichkeit.

    Also: diejenigen, die sich jahrzehntelang gegen Klima- und andere Umweltschutz-Maßnahmen gewehrt haben, versuchen jetzt die Forderungen der Umweltverbände zu verhindern - mit dem Argument, diese seien schädlicher für Gesellschaft und Umwelt als das fossile Original.

    Sie konnten mit der o.g. Angst-Kampagne leicht den Diskurs bestimmen. Jetzt kommt eine Neiddebatte dazu. Jahrzehntelang profitierten die Fossilinvestoren von unserem Konsum, was niemanden gestört hat. Jetzt plötzlich wittern viele die drohende Ausbeutung durch sinistre Investoren in Erneuerbare Energien.





    Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit
    "Die Klimawende schadet mehr als sie nützt"

    Behauptung: "Erneuerbare Energien machen den Strom unbezahlbar"



    Fossilökonomistische Politiker aller Parteien muteten jahrzehntelang den Bürgern eine stetige Umverteilung von unten nach oben zu.
    Gleichzeitig verbreiten sie seit Jahren erfolgreich eine Angstkampagne vor den Kosten der Erneuerbaren Energien, und spielen damit die Interessen der unteren Einkommensschichten gegen die der kommenden Generationen aus (die sich nicht adäquat wehren können).
    Sie erzählen auch nicht, dass die Erneuerbaren mittlerweile richtig günstig geworden sind, und dass der Strom nicht nur wegen der Erneuerbaren so teuer geworden ist.

    Vor allem verraten Fossilökonomisten nicht, dass die Energiewende genausogut in eine bezahlbare und nachhaltige Zukunft der Energiesouveränität führen könnte, so wie es der zu früh verstorbene Visionär Hermann Scheer (SPD) mit den anderen Erfindern des EEG entworfen hatte.
    [Pausch 2019]

    Den Einspeisevorrang für EE gibt es schon seit 1991. Allerdings verhinderten damals die hohen Kosten für PV-Strom, dass Einspeisung wirtschaftlich war. Nur Idealisten hatten PV-Anlagen, deren Strom sie immerhin besser selbst nutzten, weil die Netzbetreiber höchstens den Börsenstrompreis zahlen wollten. Windstromanlagen waren schon damals in windreichen Gebieten rentabel zu betreiben, Wasserkraftwerke sogar profitabel.

    Mit dem EEG im Jahr 2000 wurden den Einspeisern höhere Vergütungen gezahlt, als der Börsenstrompreis hergab. Diese Differenz ist die EEG-Umlage, die der Stromkunde aufbringen muss.
    D.h. zunächst (bis 2009): je mehr Erneuerbare, desto höher die EEG-Umlage.
    Mit zunehmenden EE-Strommengen wurde eine wirtschaftliche Preis-Kalkulation für die Netzbetreiber unmöglich. Der bis dato genutzte physikalische Wälzungsmechanismus wurde abgelöst durch einen finanziellen, den sogenannten Ausgleichsmechanismus.
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    Weil die Industrie über steigende Strompreise klagte, wurden gleichzeitig energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage weitgehend befreit. Und das, obwohl sie ohnehin beim Netzbetreiber zum günstigen Börsenpreis einkaufen können.
    Zuerst musste für die Umlagebefreiung ein Jahresbedarf von 10GWh vorgewiesen werden. Ab 2012 wurde diese Grenze auf 1/10 gesenkt, 1GWh.
    [Wikipedia 2020 - Erneuerbare-Energien-Gesetz - Sonderregelungen für stromintensive Unternehmen] Die Erzeuger mussten aber trotzdem ihre garantierte Einspeisevergütung bekommen, und deshalb stieg die EEG-Umlage für die Normalkunden stärker als die Vergütungen für die EE-Betreiber.
    D.h. von 2009 bis 2014: je mehr Unternehmen als stromintensiv gelten, desto höher die EEG-Umlage.

    Nur weil die externen Kosten der Klimaschäden nicht beim Kohlestrom eingepreist sind, ist er so billig. Und so führt der Merit-Order-Preismechanismus an der Börse zur Bevorzugung der Kohle. Beim nächsten Überangebot an Erneuerbarem Strom sinkt wieder der Strompreis, was wiederum die Differenzkosten im Ausgleichsmechanismus hochtreibt. Wo man ein Gaskraftwerk einfach herunterregeln könnte, verstopft das unflexible Grundlast-Kraftwerk jetzt das Netz.
    Dieser Mechanismus führt also zu niedrigen Börsenpreisen (damit niedrigen Großverbraucherpreisen), aber höheren EEG-Umlagen. Dieser Umstand wird auch als EEG-Paradoxon bezeichnet.
    Verknüpfung Eine wirksame CO2-Steuer hätte vielfachen Nutzen: bei "Dunkelflaute" kämen mehr CO2-sparende Gaskraftwerke zum Einsatz, die Preise würden nicht so schwanken, und damit würde die EEG-Umlage sinken. Nur der Großverbraucherpreis würde steigen.
    Neben den hohen klimaschädlichen CO2-Emissionen und den Verbraucherkosten gibt es aber noch ein anderes gravierendes infrastrukturelles Problem: immer mehr Gaskraftwerke werden stillgelegt, obwohl sie in der Zukunft dringend für die Sektorenkopplung benötigt werden. Darauf weisen Energiewissenschaftler seit Jahren hin. [Wikipedia 2020 - Ausgleichsmechanismusverordnung]
    Aber anstatt die Gaskraftwerke konkurrenzfähig zu machen (durch CO2-Steuer oder Subvention), wird ihre Rentabilität durch Auflagen der Abwärmenutzung in Nahwärmenetzen durch das Wirtschaftsministerium 2016 (Minister Sigmar Gabriel, SPD) noch zusätzlich erschwert, was der Bund der Energie- und Wasserversorger moniert.
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    Leider ist die Grafik schon älter. Die EE-Branche hat schon 2014 gewarnt, aber bis heute ist die Schere noch weiter auseinander gegangen.
    Damit nicht genug: seit 2015 werden auch noch Subventionen an stillstehende Kohlekraftwerke gezahlt, die als Kapazitätsreserve bereitgehalten werden. Das führt dazu, dass Kohlestrom billig bleibt und weiter die Netze für Gaskraftwerke verstopft.
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    Klaus Russell-Wells erklärt die Zusammenhänge sehr anschaulich in diesem Video:


    [Russell-Wells 2017]

    In der Sendung Quer des BR nimmt Christoph Süß dazu kein Blatt vor den Mund:

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    Die bisherigen deutschen Strompreissteigerungen bestanden deshalb 2014 nur zu 1/3 aus Einspeisevergütung - der Rest sind Netzentgelte, Steuern und versteckte Subventionen (für Industrien, denen man mit dem Geld Anreize für mehr Eigenversorgung mit Erneuerbaren geben könnte).

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    Zwei Studien beziffern, dass eine Stromerzeugung ohne EE zwischen 2011 und 2018 70 Milliarden € mehr gekostet hätte. Da der günstige Börsenstrompreis direkt an die Industrieverbraucher weitergegeben wurde, haben diese profitiert - während die Kleinverbraucher immer höhere Strompreise zahlten.
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    Die Informationspolitik der Regierung und Lobbygruppen vermitteln beim einkommensschwachen Stromkunden den Eindruck, die Erneuerbaren Energien seien Schuld an seiner prekären Lage.
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    Das ist echter Opportunismus, wenn auch ein später Sieg der Erneuerbaren: nachdem Industrieverbände jahrzehntelang die Energiewende mit ihren Kostenwarnungen gebremst haben, wollen sie nun selbst von den geringen Kosten der Erneuerbaren Energien profitieren.
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    Den dreckigen, teuren Kohlestrom sollen andere kaufen. Z.B. wurde die Bahn durch politische Entscheidung verpflichtet, den Strom aus dem neuen Kohlekraftwerk Datteln IV abzunehmen. Befürwortern des Individualverkehrs mit Verbrennungsmotoren liefert das einen willkommenen Vorwand gegen das Bahnfahren.
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    Wenn die aktuellen (2020) Pläne der Netzbetreiber gegen die Bürgerenergiewende Wirklichkeit werden und die Bürgerenergiewende nicht wieder aus dem künstlichen Koma geholt wird, ist dies wie die Einführung einer Fenstersteuer im Feudalismus.
    Energiesouveränität durch PV gefährdet die Wirtschaftlichkeit des Verbrennungsmotors im Vergleich zum Elektroauto. Also fördert Altmaier Offshore-Wind und Wasserstoff-Importe: alles zum Wohl der marktbeherrschenden Energieversorger.

    Dazu brachte die ZDF-Kabarettsendung Die Anstalt am 01.10.2019 eine ganze Folge zur Erklärung des EEG-Paradoxons, die man sich unbedingt ansehen sollte.



    Der Faktencheck dazu:
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    Der Energiewende-Blogger Klaus Müller hat dazu wichtige Aufklärungs-Vorarbeit geleistet:
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    Mittlerweile fallen mit jedem Jahr Altanlagen aus der Förderung, weil die Förderhöchstdauer von 20 Jahren überschritten ist: zuerst fallen die teuersten Anlagen weg. Mit jedem Jahr bleiben also Anlagen mit geringerer Einspeisevergütung übrig. Und auch die Altanlagen können sinnvoll weiter genutzt werden. Im Falle von Repowering laufen sie im Ausland weiter, oder ihr Betreiber betreibt Selbstvermarktung, am einfachsten in genossenschaftlichen Verbünden wie den Elektrizitätswerken Schönau.







    Energiewende kann für alle gelingen. Wenn alle wollen.

    Die subventionsgetriebene Nachfrage von PV und Windrädern hat zu einer Massenproduktion geführt, die uns jetzt die Vollendung der Energiewende möglich macht.


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    Der Verein deutscher Ingenieure VDI stellt PV-Kosten von 1ct pro kWh in Aussicht. Umso wichtiger werden höchste Anstrengungen für Forschung, Entwicklung und Ausbau von Speichersystemen. Die Subventionen für die fossilen Brennstoffe waren jahrzehntelang um Größenordnungen höher.

    PV lohnt sich mittlerweile auch auf suboptimalen Dachflächen. Dazu kommt ein riesiges Potential an Parkplätzen und Agrarflächen, die in der sogenannten Agrar-Photovoltaik durch Beschattung sogar bessere Erträge erzielen.
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    Denkbar ist auch eine Überdachung von Autobahnen mit PV, die durch Kombination mit Lärmschutz und Oberleitungen Synergieeffekte bietet.
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    Auch andere riesige Flächen lassen sich mit dieser Technik überspannen.
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    Eine Abschätzung des Flächenbedarfs für Erneuerbare in Deutschland zeigt: der Importbedatrf ist wahrscheinlich gar nicht so hoch wie die Nationale Wasserstoffstrategie plant.
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    Statt großer Verbrenner könnte man die Dienstwagen-Subventionierung auf Elektroautos beschränken, die auf dem Firmenparkplatz solar geladen werden. Da PV-Strom mittlerweile für unter 10ct/ kWh produziert werden kann, würde das die ohnehin geringeren Betriebskosten der Elektroautos nochmals um drei Viertel absenken.
    GM (der Autohersteller, der noch 2001 den EV1 in der Wüste und sein Akkupatent in der Schublade verschwinden ließ) sieht es mittlerweile auch ohne steuerliche Bezuschussung als lukrativ an, seinen Mitarbeitern Ladesäulen am Arbeitsplatz anzubieten. Noch lukrativer wird es mit Strom aus Eigen-PV.
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    HGÜ-Leitungen ermöglichen die Nutzung ferner Wüstenflächen.

    Wem die politischen Verhältnisse in Nordafrika zu instabil sind, kann aber per P2X auch die Wüstenflächen in Australien für PV nutzen.
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    Eine aktuelle Darstellung der PV-Diskussion von Eicke Weber (Direktor des Fraunhofer ISE Freiburg) aus 2018: Deutschland hat den Anschluss verpasst und überlässt China die Ausrüstung der Welt mit PV.
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    Die Erneuerbaren boomen in den USA trotz Trump - weil damit Geld verdient und aus fossilen Investments umgeschichtet wird. Sie überholen Deutschland jetzt auch in der PV.
    Abbildung Vergleich mit Deutschland (Darstellung in einem neuen Browser-Tab):
    [Mäder 2019-1]
    Gefunden im Blog Klimasocial bei Riffreporter, einem Netzwerk renommierter Journalisten, das gesellschaftliche Trends oft frühzeitig erkennt und immer wieder neue, interessante Zusammenhänge herstellt (der Artikel stammt aus April 2019):
    Zitat: "Die Erneuerbaren Energien seien jetzt so günstig wie fossile Energien ohne Subventionen. „In fünf Jahren werden sie günstiger sein als bestehende fossile Kraftwerke.“ Investoren ziehen sich daher aus der Kohle- und Ölindustrie langsam zurück (KlimaSocial berichtete über diesen Trend). Auf der Berliner Tagung wird immer wieder vom „Kodak-Moment“ gesprochen, also dem Zeitpunkt, an dem eine abgehängte Branche bemerkt, dass sie längst überholt worden ist." Zitat Ende.
    [Mäder 2019-2]

    Die aktuell günstigste Schaffung neuer Stromerzeugungs-Kapazitäten wird von Bloomberg auf einer Weltkarte dargestellt. Bezeichnenderweise ist es in Deutschland Onshore-Wind - die Form, die bei uns am stärksten und auch am erfolgreichsten bekämpft wurde. Die winzigen schwarzen Flecken stammen von der Kohlekraft. Investitionen in neue Fossilkraftwerke (wie Datteln IV) bezeichnet Bloomberg als "Stranded Assets".


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    Ironie der Geschichte: Deutsche Industrieverbände und -Politiker warnten jahrzehntelang vor einem Bankrott der Volkswirtschaft durch die Energiewende und überzeugten damit viele Wähler - und wirkten damit gegen den Ausbau der Erneuerbaren. Jetzt, wo die Bürgerenergiewende zum Stillstand gekommen ist, will die Industrie den Kostenvorteil der Erneuerbaren nutzen.
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    Schwellenländer stehen bei Ökonomen nicht gerade im Verdacht, mit Rücksicht auf die natürlichen Ressourcen unwirtschaftlich zu arbeiten. Trotzdem hält sich immer noch das uralte Gerücht, die Produktion von PV-Anlagen würden mehr Energie beanspruchen als ihr Betrieb freisetzt.

    Die größten PV-Anlagen der Welt stehen 2020 in Indien und China. Sie ersetzen - zusammen mit großen Speichern (auch dezentral) und flexiblen Gaskraftwerken - ganze Kohlekraftwerke.
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    Chinas Plan, 2060 auf Null Emissionen zu kommen, ist für China gut erreichbar.

    Wer jetzt immer noch nicht vom Kostenvorteil der Erneuerbaren überzeugt ist, sollte sich in Entwicklungsländern umsehen. Beim Aufbau der Energieversorgung in ländlichen Gebieten greift man dort seit einigen Jahren auf Microgrids zurück, Mikro-Netze aus überwiegend Erneuerbaren Energien und Akkuspeichern. Die Behauptung, die immer noch wachsende Bevölkerung der Entwicklungsländer würde zukünftig komplett mit Kohlekraftwerken versorgt, stimmt also auch nicht. Die Förderung Erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern kann keine Kompensation für eine verzögerte deutsche Energiewende sein.
    Beispiel Myanmar 2017:
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    Beispiel Äquatorial-Guinea 2014:
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    Bezeichnenderweise werden Microgrids sogar als mögliche Lösung der häufigen und sehr kostspieligen Stromausfälle in den USA gehandelt:
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    Die Finanzierung erfolgt nicht nur durch gemeinnützige Organisationen, sondern auch privat.
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    Auch in Sachen emissionsfreier Mobilität gibt es extrem kostengünstige Möglichkeiten für Entwicklungsländer, z.B. den Elektro-Kleinlaster Acar.
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    Beispiel Costa Rica 2016:
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    Die Energiewende ist nur ein kleiner Mosaikstein in einer groß angelegten Nachhaltigkeits-Wende, von der sich die Insel mehr Resilienz und Lebensqualität verspricht.
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    Auch für den billigsten Strom - Windstrom - sind die Potentiale noch lange nicht ausgeschöpft, v.a. offshore.
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    Das letzte Problem war bis vor Kurzem die Speicherung. Wir kennen jetzt den Weg zu 100% Erneuerbaren, und zwar lange vor 2050, ohne dass der Strom unbezahlbar werden muss. Auch hier sind uns andere voraus. Dazu mehr im nächsten Kapitel.







    Die mangelnde Stetigkeit der Erneuerbaren wird oft als "Zappelstrom" bezeichnet.

    Die von Fossilökonomisten schon vor Jahren vorhergesagten zahlreichen Stromausfälle durch Netzschwankungen sind bisher ausgeblieben. Viel häufiger haben in den letzten Jahren Wetterextreme, deren Klimabedingtheit jetzt statistisch beziffert werden kann, Stromleitungen beschädigt. 2019 waren nach einem Schneechaos in Südfrankreich 330.000 Menschen ohne Strom.
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    Dafür melden melden Ingenieure jetzt das Gegenteil: EE machen die Netzfrequenz sogar stabiler. (für mich gerade kein Thema zum Nachlesen, aber vielleicht für Physiker): Verknüpfung

    Das bleibende Mega-Problem ist aber natürlich nicht die Netzfrequenz, sondern die Energie und Leistung, die das Netz je nach Bedarf zur Verfügung stellen kann, also die Synchronisierung von Erzeugung und Bedarf. Das funktionert ohne Grundlast nur mit riesigen Speichern. Doch entgegen der verbreiteten Meinung gibt es heute wirtschaftliche, CO2-arme Übergangs-Lösungen, die zunehmend im Markt Verbreitung finden. Diese können nach und nach nahtlos auf 100% EE aufgestockt werden. Wie in den anderen Sektoren auch gilt, dass die neue die alte Technik sukzessive und unterbrechungsfrei ersetzen kann.

    Durch Speicher werden die Lastschwankungen im Netz gedämpft. Selbst wenn das bisherige Preissystem beibehalten wird, kommt es nicht nur zur Entlastung der Netze, sondern auch der Verbraucher: die Preisschwankungen (bis hin zu negativen Strompreisen) werden geringer und damit die enormen Ausgleichszahlungen für Einspeisung von Erneuerbaren bei Stromüberschuss.

    Die Speicherung ist derart interessant geworden, dass hierfür sogar die für Elektroautos wertvollen Li-Ionen-Akkus benutzt werden. Dabei gibt es auch rohstoff-unkritische Alternativen, z.B. der 1976 erfundene Natrium-Schwefel-Akkumulator (2014 334MW Speicherleistung).
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    Dadurch, dass hier nicht die hohen Energiedichten wie beim Elektroauto gefordert sind, kann man auch auf Pump-, Wasserstoff-, Redox-Flow- (z.B. Jena-Batterie) oder Druckluftspeicher u.a. zurückgreifen; auch thermische Speicher sind denkbar.
    Beispiele:
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    Sogar Verbraucher könnten wirtschaftlich einen Akkuspeicher anschaffen, wenn sie (wie die Industrie) zum Börsenpreis Strom bei Überschuss günstig einkaufen und selbst verbrauchen (oder sogar bei Mangel wieder verkaufen) könnten - alles eine Frage der Marktregeln. Diese sogennanten Schwarm-Speicher ließen sich zusätzlich mit einer PV-Anlage nutzen. In Kombination mit EEG-Altanlagen, die aus der Förderung herausfallen und ab jetzt Direktvermarktung betreiben müssen, ist ein solches Netz ein neues Geschäftsmodell für Energiegenossenschaften wie die Elektrizitätswerke Schönau.
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    Regelungstechnisch ist das Lastmanagement eine Herausforderung, auf die deutsche Elektrotechniker spezialisiert sind. Sogar in Entwicklungsländern wurden schon passende intelligente Stromzähler (Smart Meter) entwickelt. Dort sind sie die dezentralen Regler ganzer Netze: aus Erneuerbaren Energien und Akkus, weil es am wirtschaftlichsten ist, siehe oben.
    Die Bundesregierung zeigt allerdings kein Interesse, derartige Lösungen zu unterstützen. Sie setzt auch mittelfristig weiter auf Grundlast, die viel stärker auf Energie-Importe angewiesen ist: die nationale Wasserstoff-Strategie.

    Bei uns setzt man in Zeiten des Fossilökonomismus noch auf Grundlast-Kraftwerke mit den Brennstoffen Kohle und Atom. Diese werden aber gar nicht mehr benötigt - schon fossiles Gas ist effizienter, stößt weit weniger CO2 pro kWh aus als Kohle, die Abwärme lässt sich besser nutzen. Der Kostennachteil beim Brennstoff ließe sich dadurch ausgleichen, dass die Kraftwerke besonders im Winter benötigt werden, wo auch die Heizwärme genutzt werden kann. Im Sommer steht viel günstigerer Strom aus Solarüberschüssen und Kurzzeitspeichern (Akkus, Pumpspeicher, Elektrolyse-Wasserstoff für Brennstoffzellen, Power-to-Heat) zur Verfügung.
    [Wikipedia 2019 - Gaskraftwerk]


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    Doch aus einem Grund ist das Gaskraftwerk eine echte Brückentechnologie: Erdgas lässt sich nach und nach durch P2G-Methan aus sommerlichen EE-Strom-Überschüssen ersetzen, das koppelt die Sektoren Wärme und Strom.

    Das Zwischenprodukt der P2G-Produktion (Wasserstoff) dient bei der neuen 180kW-SOC-Brennstoffzelle von Sunfire als flexibler Kurzzeitspeicher, denn die Anlage kann im 10min-Takt zwischen Stromaufnahme (Elektrolyse) und -Abgabe (Brennstoffzellenbetrieb) umschalten. Diese Fortentwicklung geschah ganze 82 Jahre nach der Erfindung dieses Zelltyps 1937 durch Baur und Preis.
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    Fachleute sehen sehr wohl eine Chance für Wasserstoff, aber nicht als Ersatz für Erneuerbare Energien. Und sogar echten grünen, und nicht nur wie die Politik plant, übergangsweise Wasserstoff aus Erdgas. Dieser wird jetzt schon industriell in großem Maßstab genutzt und belastet das Klima. Sein Ersatz könnte durch die richtigen Weichenstellungen schnell betrieben werden.
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    Auch in der Wasserstoffwirtschaft setzen Fossilökonomisten - im Interesse der Energieversorger - auf Grundlast. Begründung: Elektrolyseure müssen auf Volllast betrieben werden, sonst rechnen sie sich nicht. Über den Gemeinwohl-Aspekt Klimaschutz und die Perspektive neuer Geschäftsfelder und Arbeitsplätze gehen sie (wie immer) hinweg - sie übersehen aber auch wirtschaftlich gesehen die Tatsache, dass der PV- und Windstrom so günstig zu haben ist, dass der Kostennachteil eines Teilllastbetriebs gar nicht so sehr ins Gewicht fällt; Fachleute rechnen 2020 mit einer Kostenspanne zwischen 8,2 (Volllast) und 14,5ct/ kWh (Teilllast).

    Aber auch der noch länger bekannte nächste Syntheseschritt zu P2G-Methan (Verfahren entwickelt 1905 von Sabatier und Senderens) ist mittlerweile endlich in der Großtechnik angekommen. Der Anlagen-Hersteller Sunfire spricht von 60% Wirkungsgrad.
    [Landgraf 2019]

    Mit der neuen Technik Co-Elektrolyse soll der Wirkungsgrad sogar auf 80% steigen.
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    Die Videos der Agentur Energiewende zeigen die aktuellen Möglichkeiten.


    [AEE 2019]


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    [Russell-Wells 2018]
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    Mit PV-Strom aus der Wüste von 3,5ct/ kWh (2017, mittlerweile rechnet man mit weit weniger) wäre dieser Saisonspeicher-Stoff sogar günstig zu haben. Der Film zeigt nur ein Beispiel, das mittlerweile von Projekten in Ägypten, China und Indien bereits getoppt wurde.
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    [Wikipedia 2020 - Solarpark Benban]

    Fraunhofer spricht 2018 von 4-5ct in Deutschland bei voller Abnahme (und das ist bei Einsatz von Speichern ja möglich); in der Wüste dürften 3,5ct sogar ggf. unterboten werden.
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    Schon immer mussten die Menschen für den Winter im Sommer Überschüsse erwirtschaften - nur die unbeschränkte Dauerverfügbarkeit fossiler Brennstoffe hat uns auch in dieser Hinsicht von den natürlichen Lebensbedingungen entfremdet.

    Die Produktion von P2X ist kein unbezahlbarer Luxus, das weiß man schon seit Jahrzehnten. Während der Seeblockade versuchte Hitler-Deutschland die Not-Produktion von Treibstoff aus der Fischer-Tropsch-Synthese, eine Weiterentwicklung des Sabatier-Prozesses aus 1925. Während der Embargos gegen das Apartheids-Regime in den 90er Jahren wurde sogar ganz Südafrika mit solchen Treibstoffen versorgt. Das alte Verfahren basiert auf CO und H2 aus der Kohleverschwelung.
    Seine nachhaltige Variante von heute ist das P2G-Verfahren mit CO2 und H2 aus der Elektrolyse. Das Problem ist die Bereitstellung von CO2, was jedoch z.B. durch Auffangen von Abgasen aus der Biomasse-Verbrennung (incl. Biogas) oder Absorptionstechnik wirtschaftlich machbar ist.
    [Wikipedia 2020 - Sasol]
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    Audi warb schon vor Jahren mit einer großtechnischen P2G-Anlage in Werlte für den CO2-neutralen Betrieb seines Gas-Modells G-Tron. Sie ging 2013 in die Gas-Poduktion, allerdings zuerst mit Billig-Windstrom, der nur bei Sturmwetter zur Verfügung stand.
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    2019 wurden neue Planungen bekanntgegeben, die Anlage zu erweitern. Auch Konkurrenten gehen an den Start.
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    2025 soll in Rotterdam die Gigawatt Elektrolyse Fabriek entstehen, an deren Entwicklung Nouryon, Shell, Yara, OCI-Stickstoff, Gasunie, DOW Chemical, Ørsted, Frames, TNO, Utrecht University und das Imperial College London beteiligt sind. Nach Stand der Technik 2019 hätte die Anlage eine Milliarde Euro gekostet - wenn man dagegen die Baukosten eines Atomkraftwerks sieht, ist ein wirtschaftlicher Betrieb keine utopische Vorstellung. Dieser Kostenrahmen soll jedoch durch die Skalierung auf den Gigawatt-Bereich auf 350 Millionen Euro sinken.
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    Es hat auch sein Gutes, dass P2X so stark von der Autolobby beworben wird, denn dadurch wird es bei vielen Autofahrern bekannt. P2X ist die Schlüsseltechnologie, ohne die die Energiewende in mittleren Breiten nicht gelingen kann: zwar verzichtbar für PKW, doch unverzichtbar für die Sektorenkopplung. Die v.a. sommerlichen Stromüberschüsse werden für die Gasproduktion genutzt (Saisonspeicher). Während beim Verbrennungsmotor die Abwärme das ganze Jahr über verschwendet wird, kann man sie in Blockheizkraftwerken, also Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) - zum Heizen nutzen. Weil P2X v.a. im Winter verstromt wird, ist der Heizwärmebedarf gleichzeitig besonders hoch, ein wichtiger Synergie-Effekt.

    Ein weiterer Synergie-Effekt der Sektorenkopplung liegt im erleichterten Recycling des CO2: bei Verbrennung in Blockheizkraftwerken lässt sich das CO2 für die nächste P2X-Produktion aus dem Abgas leicht auffangen (Volumenanteil geschätzt 10-20%, näher bei 20%), beim Verbrennungsmotor in Fahrzeugen nicht. Diese CO2-Emissionen lassen sich nur aus der Luft auffangen (Volumenanteil 0,04%) - das ist wesentlich aufwändiger.

    D.h. die Sektorenkopplung erlaubt eine wesentlich höhere Wertschöpfung mit P2X als der Verbrennermotor: im Sommer fahren ÖPV und Elektroautos mit günstigem Saisonstrom, dessen Kostenvorteil die Mehrkosten im Winter mehr als ausgleicht.

    Dazu eine einfache Rechnung für die Pfennigfuchser.
    Die Kosten von P2X werden z.Zt. auf 1-2€ pro Liter geschätzt, was bei Entfall der Steuer im Bereich des Bezahlbaren liegt. Agora Energiewende erklärt.
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    Dort gibt es einen Online-Rechner.
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    Vergleicht man die Kosten eines Verbrenners mit denen eines Elektroautos, das die meiste Zeit mit Eigen-PV (oder PV vom Parkplatz) zu einem Bruchteil der Kosten fährt, kann man sich im Winter sogar den fehlenden Strom aus Gaskraftwerken leisten, die zwar mit dem Saisonspeicher P2G-Methan in Kraft-Wärme-Kopplung relativ teuer arbeiten. Durch Ausnutzung der Abwärme zum Heizen fällt der Preis für den Winterstrom jedoch nicht mehr ganz so hoch aus.
    Unter'm Strich sollte es auf jeden Fall deutlich günstiger sein als mit dem Verbrenner, da die meiste Zeit direkt mit PV-Strom geladen werden kann.
    Richtig interessant wird es, wenn man den Saisonspeicher-Brennstoff in einem Mini-Blockheizkraftwerk (für die Bastler: Verbrennermotor + Generator) selbst produziert, dann lassen sich auch die Abwärmeverluste der KWK minimieren. Aus einem Liter P2L kann man konservativ bei 30% Wirkungsgrad mit rund 3kWh elektrischer Energie rechnen; die kosten z.Zt. (2020) auch allein schon 1,20€. Die restlichen 7kWh (entsprechen etwa 0,7l Heizöl) werden wie gesagt zum Heizen genutzt, was weitere Kosten einspart. Verheizt man das wertvolle P2L im Verbrenner, heizt man damit bloß ganzjährig die Umwelt.
    Die Argumente von Agora Energiewende zum Nachlesen:
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    Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit
    "Die Klimawende schadet mehr als sie nützt"

    Behauptung: "die Energiewende ist eine Verschwörung gegen Deutschland"



    Gerade rechte Populisten reüssieren gerade mit einer Verschwörungstheorie: von der deutschen Energiewende profitiere nur eine mächtige globale Finanzelite, diese instrumentalisiere die Jugend auf Kosten deutscher Interessen.
    Ihre großen Geldgeber gehören oftmals zu den 1% der Reichsten. Sie nähren Verschwörungstheorien, wie z.B. dass Greta Thunberg und ihre Klimaschutz-Bewegung durch globales Großkapital gesteuert sei. Sie verschweigen dabei, welche Unsummen die Profiteure des fossilen Systems aus den Volkswirtschaften gezogen haben, und welche Vorteile eine größere Energie- und Ernährungssouveränität für die Bürger hätte.
    Bürgerliche Parteien spielen im Klimaschutz immer wieder die Karte der Gefahr, die der Demokratie durch Populisten droht, sollte der Klimaschutz zu hohe Opfer fordern, wie z.B. Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der Frage der Onshore-Windkraft. Wer sich wie Altmaier diese Leute direkt ins Ministerium holt, macht sich hier unglaubwürdig. Außerdem befeuern Fossilökonomisten aus denselben Parteien immer wieder den Anti-Klimaschutz-Populismus, indem sie durch Desinformation die Thesen der Populisten indirekt unterstützen.



    Twitter-Teilnehmer HalleVerkehrt auf die Frage nach seiner Lieblings-Verschwörungs-Theorie

    Ein Grundmotiv von Hermann Scheer, Hans-Josef Fell und anderen Vordenkern der Energiewende vor 20 Jahren war im Gegenteil die Idee der Energiesouveränität ("Energie in Bürgerhand"): auch einfache Bürger sollten Windräder, PV und Energiespeicher besitzen können. Die ersten, wichtigsten Jahre der Energiewende waren v.a. geprägt von Investitionen von Idealisten, die oft belächelt wurden. Auch die Anlagenhersteller waren oft klein, der Anteil von Großinvestoren gering. Bei Fossilinvestments war die Rendite vermeintlich höher und v.a. sicherer.


    Statt weniger Eigentümer haben wir auf einmal Hunderttausende oder gar Millionen Eigentümer. Das ist nur möglich mit Erneuerbaren Energien und zwar für alle. Die Energieversorgung bekommt eine Demokratisierung.
    Hermann Scheer

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    Mit zunehmendem Erfolg der Energiewende bewirkte fossilökonomistische Politik jedoch, dass immer mehr Projekte von großen Investoren realisiert wurden. Dann kam die Anti-EEG-Kampagne der INSM 2011: egal, wer eine Anlage für Erneuerbare Energien besaß - der Neid der Besitzlosen war ihnen sicher. Besonders naheliegend ist der Neid gegen Besitzer von Windkraftanlagen, weil sie Geräusche und unangenehme Schatten verursachen, und außerdem das Landschaftsbild deutlich verändern. Die Widerstände sind jedoch überall dort geringer, wo Anlieger an den Gewinnen beteiligt sind. Betreiber könnten dazu per Gesetz verpflichtet werden - eine Möglichkeit, die bisher nicht genutzt wird.

    Fossil-Profiteure dagegen können seit je her so reich sein wie sie wollen, von Neid ihnen gegenüber hört man nirgends - sie sind weit weg oder unsichtbar. Aber sie haben jahrzehntelang Klimaskeptiker und andere fossilökonomistische Propagandisten für die Verbreitung von Lügen bezahlt, und das ist nachgewiesen. Lügen, die den fossilen Konsumgesellschaften allzu bequem und deshalb - bezeichnend für deren soziokulturelle Überforderung - hochwillkommen waren.
    [Probst 2017]
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    Fridays for future bezieht sich auf dieselbe Wissenschaft wie die Klimaaktivisten der 90er, vor der Energiewende. Damals gab es keine Großinvestoren, die ein Interesse an Klimaschutz gehabt hätten.
    Die wissenschaftlichen Fakten waren damals nur für Fachleute eindeutig nachvollziehbar, heute sind sie für alle sichtbar. Mittlerweile hat es sich auch in Finanzkreisen herumgesprochen, dass die Energiewende ein wirtschaftlicher Erfolg zu werden verspricht - die Fossiltechnologie ist überholt.

    Immer wieder hört man die Verschwörungstheorie, die Jugendproteste seien von Finanzinvestoren gesteuert, von einem handfesten Nachweis ist mir nichts bekannt. Wäre es aber nicht sogar legitim, wenn Investoren Klimaschutz propagieren würden, ähnlich wie jetzt tatsächlich wieder Kernkraft oder "moderne" Verbrenner massiv beworben werden? Warum sollte das Profitieren von Klimawende-Investoren moralisch verwerflicher sein als das von Fossil-Investoren? Nur weil wir es nicht schaffen, vom Öl loszukommen? Fossilökonomisten schützen mit ihrer Politik nicht nur zukunftsuntaugliche Arbeitsplätze, sondern auch längst abgeschriebene Fossil-Investitionen. Hier liegt das echte moralische Problem. Bei der politischen Abwägung scheinen Klimagerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit bisher keinen großen Stellenwert zu haben.
    Mit der Klimawende darf die Jugend nicht nur auf eine Überlebenschance hoffen, sondern auch auf eine zukunftsfähige wirtschaftliche Entwicklung. Sie kann zuallerletzt etwas dafür, dass die demokratisch verfassten Zivilgesellschaften das Ende des Fossilzeitalters wegen Desinformation zu spät mitbekommen, und viele Bürger dadurch wegen ungerechter Gesetze und politischer Untätigkeit zu den Verlierern der Klimaschutz-Disruptionen werden könnten.
    [Kirchner 2020]
    Die EU hat bereits BlackRock als Berater in Nachhaltigkeitsfragen engagiert, eine Firma, die seit ihrem Bestehen aus der Fossilökonomie Profit geschlagen hat und sich jetzt als Vorreiter der Disruption geriert, um nicht dem Platzen der Carbon Bubble zum Opfer zu fallen.

    [Kern 2020]






    Beim Blick in manche Medien bekam man bis vor Kurzem den Eindruck, dass Windkraft und andere klimaschonende Alternativen v.a. eines bergen: massive Umweltprobleme. Viele Leser dieser Zeitungen machten daraus in ihrer fossilökonomistischen Denke: die alternative Technik verursacht mehr Probleme als die konventionelle. Kurioserweise fand man diese Sichtweise auch im Spiegel: SPD-Nähe bedeutet eben auch Nähe zur Kohlelobby und damit Nähe zu klimaskeptischen Positionen, siehe hier und hier.
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    Bei der Genehmigung von Windrädern wurden allerdings auch in den Boom-Jahren vor Peter Altmaier hohe Anforderungen an Naturschutz gestellt.
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    Ein Interview mit einem Verbandsjuristen gibt Einblick in die vielfältigen Hemmnisse bei Genehmigungen von Windrädern. Er fordert u.a. die Anerkennung der Radar-Erkennungstechnik für sensible Arten.
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    Warum die Technik in Frankreich und der Schweiz schon seit Jahren zugelassen ist und in Deutschland immer noch nicht, ist eine interessante Frage. Sie scheint dort zumindest zu funktionieren.
    Verknüpfung (Volltextsuche: "radar")

    Das Anhalten von Windrädern zum Vogelschutz passiert ohnehin ausschließlich am Tage, wo die Verluste durch die Photovoltaik-Leistungsspitze ausgeglichen werden können.


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    Die großen, lange etablierten Umweltverbände sehen zwar die Naturschutz-Thematik in der Windkraft-Debatte differenziert und verlangen strenge Vorgaben an sensiblen Standorten. Doch sehen sie viel größere Gefahren für die Biodivesrität durch andere Faktoren, also Biotopverlust und Xenobiotica, v.a. durch industrielle Landwirtschaft, und nicht zuletzt durch den Klimawandel.
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    Und so sprechen sie sich trotzdem dezidiert für einen naturschutzgerechten, aber massiven Ausbau der Windkraft aus.
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    Der Spiegel, in dem man lange Zeit erstaunlich klimaskeptische und windkraftkritische Artikel lesen konnte, hat im Februar 2020 den "obersten Vogelschützer" Deutschlands mit dem "größten Windkraftfan seiner Partei" Oliver Krischer (Die Grünen) beim Interview zusammengebracht.
    Zitat: "Krischer: „Mich ärgert, wie heuchlerisch man mancherorts die eigenen Interessen vertritt. Es gibt Anwohner, die ihre Liebe zum Rotmilan zufällig genau dann entdecken, wenn Windräder vor ihrer Haustür geplant sind. Vorher hätte man ihnen wahrscheinlich erzählen können, Rotmilane seien serbische Freiheitskämpfer, und sie hätten das geglaubt.“ SPIEGEL: „Herr Krüger, wie sehen Sie das?“ Krüger: „Ich muss leider zustimmen. Der Artenschutz wird tatsächlich von allerlei Interessengruppen funktionalisiert.“ SPIEGEL: „Leider? Ist es denn aus Ihrer Sicht nicht gut, wenn sich möglichst viele Bürger für den Artenschutz engagieren – egal aus welchen Gründen?“ Krüger: „Nein, überhaupt nicht. Es geht darum, den Artenschutz möglichst eng mit der Energiewende zu verzahnen. Die Erderhitzung ist eine riesige Bedrohung für viele Arten auf diesem Planeten. Die Energiewende ist eines der wichtigsten Mittel dagegen.“


    Ohne Energiewende können wir uns allen Artenschutz auch gleich sparen.
    Jörg-Andreas Krüger (Vorsitzender Naturschutzbund Deutschland)
    [Schultz 2020]

    Sie sehen mittlerweile eine regelrechte Kampagne von Windkraft-Gegnern, in der der Vogelschutz nur für andere politische Zwecke instrumentalisiert wird:
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    Ein Beispiel für eine solche Gruppierung selbsternannter "Umweltschützer" ist der VLAB, der erst 2015 gegründet wurde. Sie klagt ausschließlich gegen die "Auswüchse der Energiewende" - also nicht nur gegen Windräder, sondern auch gegen Freiflächen-Photovoltaik, Stromtrassen und - jetzt besonders prominent - gegen die Tesla-Gigafactory in einer artenarmen Kiefern-Monokultur nahe Berlin. Sie erkennen zwar offiziell das Problem des Klimawandels an, in den übrigen Problem-Themen der etablierten Umweltverbände sehen sie jedoch keinen Grund zur Klage, den Atomausstieg sehen sie als Fehler an.
    [Wikipedia 2020 - Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern]
    Vertreter der Umweltverbände beschweren sich über die überproportionale Redezeit der Windkraft-Gegner bei Verhandlungen mit Wirtschaftsminister Altmaier.
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    Altmaier lässt sich 2017 sogar mit saarländischen Windkraft-Gegnern bei einer Einladung in seinem privaten Garten ablichten; das Foto ist auf der Internetseite von Gegenwind Saar veröffentlicht.

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    Die Dachorganisation der Windkraft-Gegner Vernunftkraft e.V. hat ausgezeichnete Kontakte bis ins Altmaiers Ministerium; ihr 1. Vorsitzender Nikolai Ziegler arbeitet dort und hat sogar bereits den zuständigen parlamentarischen Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU) vertreten.
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    Ein einziges Auto produziert weit mehr Infraschall als ein großes Windrad - trotzdem wird der Windrad-Infraschall zu einer lebensbedrohlichen Gefahr stilisiert.
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    Geradezu grotesk mutet es in diesem Zusammenhang an, dass Windräder an manchen Raststätten wegen der Einschränkung der Erholungsqualität nicht genehmigt werden.

    Das UBA sagt dazu: "Es ist wichtig festzuhalten, dass WEA nur eine unter einer Vielzahl von natürlichen und anthropogenen Infraschallquellen sind und einen Teil zur Gesamtbelastung beitragen, der den Ergebnissen der erwähnten Geräuschimmissionsmessungen nach vergleichbar klein ist. [...] Bisher gibt es keine konsistente Evidenz dafür, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Infraschallemissionen von WEA verursacht werden."
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    Das UBA referiert u.a. auf eine MIT-Studie, die feststellt: "Infrasound and low-frequency sound do not present unique health risks. [...] Annoyance seems more strongly related to individual characteristics than noise from turbines." Dort, wo eine Gewinnbeteiligung der Anwohner erfolgt, wird keine Belästigung empfunden.
    [McCunney 2014]
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    2020 wurde eine englisch-finnische Studie veröffentlicht: "No evidence of health effects of wind turbine infrasound was found."
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    Dr. Stefan Holzheu vom Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung fasst die Diskussion zusammen.
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    Entsorgungsprobleme von Altanlagen werden in den Medien sogar verglichen mit denen von Atommüll; in Diskussionen hört man oft ähnliche Behauptungen.
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    Bei wissenschaftlicher Betrachtung entbehrt dieser Vergleich jeglicher Grundlage (kurioserweise stammt der referierte Artikel aus derselben Zeitung):

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    Als letztes Argument gegen den massiven Ausbau der Onshore-Windkraft wird die mögliche Netzüberlastung angeführt. Doch lokale Speichertechniken und preisgesteuerte Nutzungsanreize (Smart-Grid) werden bald viele der geplanten Fernleitungen obsolet machen; zudem sind nicht alle von den Netzbetreibern geplanten Fernleitungen überhaupt unbedingt notwendig.
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    Vergleicht man die Anstrengungen, die in Deutschland zur Versorgung mit Breitband-Internet bis in den letzten Winkel unternommen werden, lässt die Diskussion um Stromtrassen - in Anbetracht ihrer Bedeutung für die Zukunft - jegliches Maß vermissen.

    Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Probleme, die Peter Altmaier immer wieder als Rechtfertigung des faktischen Ausbaustops von Onshore-Windkraft anführt, ließen sich durch drei einfache Maßnahmen beheben:

    Durch die vielfältigen Kampagnen gegen Windkraft gibt es allerdings keine allzu große Aufregung, wenn die Windenergiebranche in Deutschland leidet und 35.000 neue Arbeitsplätze wegfallen. Wesentlich präsenter in der öffentlichen Wahrnehmung sind die "armen Kohlekumpel", von denen zum Zeitpunkt des geplanten Kohleausstiegs nur noch wenige Tausend übrig sein werden.
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    Für deren Arbeit werden sehr wahrscheinlich bald hohe Emissions-Abgaben, ja möglicherwiese sogar Strafen fällig.
    Das wird ihre Arbeitgeber nicht davon abhalten, auf die Einhaltung ihrer Verträge mit dem Staat zu bestehen. Das Abschalten der lange abgeschriebenen Anlagen, die dann zu Stranded Assets werden, müssen wir ihnen mit zig Milliarden Euro vergolden. Milliarden, auf die wir anderswo werden verzichten müssen.
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    Mindestens ein Betreiber hatte ohnehin die Abschaltung für 2037 geplant.
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    Manche Vereinbarungen der Kohlekommission sind im Gesetzesentwurf noch nicht umgesetzt, manche der Vorgaben verletzen den mühsam gefundenen Kompromiss (Stand Januar 2020). Mit Datteln IV geht ein neuer Kohlekraftwerksblock (mit 800m Abstand zu dichter Bebauung) in Betrieb.
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    Die Scientists for Future finden zu ihrem Auftakt in der Bundespressekonferenz 2019 für die Entscheidungen und die Desinformation in Politik und Medien deutliche Worte.


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    Die UBA-Studie dazu bei:
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    Manuskript:
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    Sehr gute Aufarbeitung des Themas von ZDF zoom:
    17'58'' Peter Altmaier: "Wer 'n Acker hat und 'n Windrad hinstellen kann, findet's meist ganz knuffig, weil damit Pachteinnahmen verbunden sind. Und wer 'n Haus hat und auf den Acker schaut, fühlt sich meistens beeinträchtigt, und ist geneigt, in Bürgerinitiativen zu gehen."
    So, als könnte man nicht Betreiber zu Gewinn-Beteiligungen der Anwohner verpflichten. Überall, wo das praktiziert wird, gibt es keine Proteste.

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    Und an dieser Stelle geht's auch in diesem Film weiter mit dem nächsten Thema.







    "... und deshalb werden wir Gas importieren."


    Im gleichen Film erklärt der Wirtschaftsminister seine Agenda, die nationale Wasserstoff-Strategie:
    18'38'' Peter Altmaier: "70 Prozent unseres Primärenergiebedarfs werden importiert und wer sagt, wir sollen das in Zukunft ändern, der muss dann auch sagen, wo die Flächen herkommen sollen [...] und wie der Ausbau von statten gehen soll. Dort, wo wir heute Öl und Gas importieren, Kohle und Nuklearbrennstäbe, dort werden wir in Zukunft grünen Wasserstoff importieren."
    Der Wasserstoff muss auch gar nicht unbedingt grün sein, also durch Elektrolyse gewonnen werden. Der Mutterkonzern der Gasgesellschaft Wintershall, BASF, hat schon ein neues Verfahren, um aus fossilem Methan Wasserstoff zu entwickeln.
    Tatsächlich lässt sich die Methan-Energie klimaneutral nutzen, solange die Pyrolyse selbst klimaneutral erfolgt. Die Kohlenstoff-Atome werden so nicht in CO2-Molekülen ausgestoßen, sondern als Ruß (Schwarzpigment oder - bei den Mengen möglicherweise auch - Sondermüll) abgeschieden. Altmaiers Staatssekretär Bareiß jubelt.


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    Bei Trumps rüder Forderung 2019, dass Europa US-Fracking-Gas abnehmen müsse, hat Altmaier auch überraschend schnell zugesagt. Finanzieren will er die Infrastruktur durch Netzentgelte (also die Gaskunden).
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    Wenn man bedenkt, dass Trump die Auflagen für Fracking-Betreiber massiv gelockert hat und damit die ohnehin hohen Methanverluste aus Kostengründen noch einmal deutlich steigen werden, dass Experten statt Import den Umstieg auf P2G favorisieren, dass Fracking möglicherweise nicht sehr lang konkurrenzfähig bleibt, und dass der Transatlantik-Transport per Tiefkühlschiff (deshalb LNG, liquified natural gas) passieren soll, ist das eine möglicherweise teure und ganz sicher eine hoch klimaschädliche Entscheidung. Wo Altmaier doch immer um Kosten und Effizienz der Energiewende besorgt ist.
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    Die plötzliche Kursänderung der Bundesregierung auf politische Morde in Russland zu Lasten der Gaspipeline Nordstream 2 zeigt eine bedenkenswerte Koinzidenz.

    D.h. Energieversorger brauchen sich so oder so nicht um ihre Zukunft zu sorgen, und der Staat kann dabei nach wie vor Steuern einnehmen, die man nicht von anderen einfordern muss. Die eigentlich gravierenden Nachteile der Importabhängigkeit sind für Altmaier zweitrangig. Kein Wunder, dass Wasserstoff auch "das neue Öl" genannt wird. Eine Bezeichnung, die mich sofort hellhörig werden lässt.







    Liest man in konservativen Zeitungen, bekommt man den Eindruck, von PV ginge eine ernsthafte Gefahr von Schwermetallverseuchung aus.
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    Dabei sollte man das Bild differenziert sehen: betroffen ist nur ein kleiner Teil der PV-Anlagen in Dünnschicht-Technik, und die Gefährdung wird weit übertrieben:
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    Eine regelrechte Gegendarstellung der PV-Branche sagt (natürlich) noch etwas anderes:
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    Der neoliberal-konservative Ökonom Hans-Werner-Sinn machte im Frühjahr 2019 mit einer Studie Furore. Sie rechnet vor, dass Elektroautos mit dem deutschen Strommix gar keinen Vorteil bei den CO2-Emissionen bringen. Der deutsche Strommix sei zu CO2-lastig. Dabei gehörte Sinn immer zu denen, die vor den Kosten eines zu schnellen Ausbaus der Erneuerbaren Energien warnten. Er vergisst außerdem, dass viele Elektroauto-Fahrer aus Überzeugung den Strom aus Erneuerbaren Quellen beziehen, teilweise selbst produzieren. Mittlerweile ist Solarstrom mit Abstand die günstigste Art, ein Auto zu betreiben. Bei dem Emissions-Rucksack der Akku-Produktion übernimmt Sinn die veralteten Zahlen der sogenannten Schwedenstudie des IVL, und geht von einer Lebensdauer von 150.000km aus.
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    Sinns Studie wurde vielfach widerlegt, z.B. hier.
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    Die Schwedenstudie wurde Ende 2019 sogar von den Autoren selbst zurückgenommen. Die Produktion ist effizienter geworden, und die Lebensdauer kann man getrost mit 300.000km annehmen.
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    Im Phoenix-Interview mit Michael Krons im Sommer 2020 zitiert Sinn jetzt immerhin nicht mehr seine eigene Studie, sondern eine des Joanneum Research für Automobilclubs wie den ADAC aus Ende 2019 - die jedoch immer noch den deutschen Strommix zugrunde legt und auch noch von der veralteten Schwedenstudie zur Akkuproduktion ausgeht.
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    Eine Neuberechnung mit den aktualisierten IVL-Werten zeigt, dass Sinns Kritik unberechtigt ist.
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    Wie zu erwarten war, wurden durch die Massenproduktion der Akkus Effizienzsteigerungen möglich, die den Vorsprung der Elektroautos in der CO2-Bilanz weiter vergrößerten. Jetzt belegt durch eine Studie der TU Eindhoven.
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    Eine WDR-Doku ist exemplarisch für viele tendentielle Darstellungen in den Medien, die über Verzerrung bis zur Falschdarstellung reichen.
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    Zwischenzeitlich wurde die Sendung auf dem Youtube-Kanal umbenannt in "Wie das Elektroauto die Umwelt zerstört", auf Protest wurde wieder der ursprüngliche Titel verwendet.
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    Dazu Gegendarstellungen:

    zu den Emissionswerten hier:
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    zu der Gesamtthematik und dem WDR-Film:
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    Umweltverbände fordern ÖPNV und Fahrrad, und nur als Ergänzung kleine Elektroautos - das fordert sogar die WDR-Doku ganz am Ende des Films; bei vielen Zuschauern bleibt hängen, dass man mit dem Umstieg womöglich besser noch abwartet.

    Besonders bemerkenswert: die Gegner des Elektroautos fordern den Abschluss der Energiewende als Voraussetzung für die Mobilitätswende - obwohl die CO2-Bilanz schon mit dem derzeitigen Strommix besser ist als die des Verbrenners; zumal ein großer Teil der Privatnutzer mit grünem Strom die Bilanz nochmals um ein Vielfaches verbessert. Vielfach sind diese Kritiker auch dieselben Leute, die gleichzeitig die Energiewende schlechtreden, also in Wirklichkeit gar keine Klimawende wollen.

    Die vielfache Kritik hat dazu geführt, dass eine aktualisierte Version des Films ausgestrahlt wurde, die wesentlich ausgewogener ausfällt.
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    Wie sehr die deutschen Automobilentwickler die Entwicklung zuerst verschleppt und dann verschlafen haben, zeigt sich immer deutlicher: man kann die Welt nicht zwingen, immer weiter deutsche Verbrenner zu fahren. Fossilökonomismus hat den Industriestandort Deutschland aus dem Boom in massive Schwierigkeiten gebracht.
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    Lithium-Akkus lassen sich mit regenerativer Energie herstellen (was aufgrund der Kosten in Zukunft die Regel wird, wie jetzt schon z.B. in Teslas Gigafactory oder für VWs ID3 bei LG Chem) und sind gekapselt - weshalb sie für Recycling prädestiniert sind. Entgegen anderslautender Gerüchte ist Lithium-Recycling bereits im Betrieb.
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    Immer wieder werden knappe Lithiumreserven beklagt - es gibt aber auch hier nicht nur Negativschlagzeilen.
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    Australien fährt seinen Lithium-Bergbau hoch... .
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    ... und hat Chile bereits den Spitzenplatz streitig gemacht.
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    Schon 2010 konnte man beim Fraunhofer ISE lesen: "Die Schlussfolgerung ist, dass selbst unter extremen Annahmen in den nächsten vier Jahrzehnten nicht mit einer Knappheit der Lithium-Reserven zu rechnen ist."
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    An dieser Einschätzung hat sich bis 2020 nichts geändert.
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    Vor allem die Umweltschädlichkeit der Lithiumsalz-Förderung wird immer wieder als Ausschlusskriterium für Elektroautos vorgebracht. Die Berichte aus der Atacama-Wüste zeigen echte Probleme. Doch für eine ausgewogene Beurteilung muss man weitere wesentliche Punkte bedenken.

    Selbst wenn wir irgendwann eine Knappheit an Lithium und/ oder Kobalt bekommen sollten (was mittelfristig noch nicht absehbar ist) - es gibt umweltfreundliche und günstige Alternativen; hier nur eine Auswahl der bisher zur Serienreife ausentwickelten Varianten:

    Darüber hinaus gibt es etliche weitere erfolgversprechende Alternativen zum herkömmlichen Li-Ionen-Akku, die sich mehr oder weniger weit in Richtung Serienreife entwickeln:
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    Der Lithium-Schwefel-Akku funktioniert ohne Kobalt und verspricht eine sehr viel höhere Leistungsdichte (deshalb als "der heilige Gral" der Elektrochemie bezeichnet)
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    Über die benötigten zusätzlichen Strommengen für Elektro-Straßenfahrzeuge gibt es die wildesten Gerüchte, und man tut so, als würde diese Strommenge von einem Tag auf den anderen benötigt - dabei geht es bei vollständigem Ersatz nur um 15 (ohne) bis 30% (mit LKW) mehr.

    Der Mehrbedarf liegt damit gerade einmal in der Größenordnung der deutschen Stromexporte 2018. Vergleicht man die Wachstumsgeschwindigkeit anderer Produktionszweige, so verliert dieses Argument zudem gewaltig an Gewicht.
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    Der Energieversorger EOn bringt eine Kundeninformation über die Frage des Mehrbedarfs durch EAutos.
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    Auch spricht man dem Stromnetz die benötigte Spitzenlast-Fähigkeit ab. Doch nicht jeder Auto-Pendler, der von der Arbeit nach Hause kommt, muss in einer halben Stunde wieder ein volles Auto vor der Tür haben.

    Für eine sprichwörtliche "Schnarchladung" über Nacht reicht der Strom, den man sonst für den Elektroherd bräuchte, und auf das synchrone mittägliche Einschalten der Herde wurde unser Netz in einer Zeit ausgelegt, als man Frauen noch an den Herd gebunden hat. Mit Preisaufschlägen für Schnellladung könnte man den Spitzen-Bedarf senken. Auch Haushalts-Akkuspeicher würden das Problem verringern.

    Über die Möglichkeiten intelligenter Lastverteilung findet man mitunter auch Beiträge in den Medien.
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    Drittens würde der Mehrbedarf an Strom ja nicht von heute auf morgen anfallen.

    Der Energieversorger EOn kann die Horrorvorstellungen von Netz-Zusammenbrüchen durch EAutos nicht bestätigen, im Gegenteil.
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    Viertens besteht auch noch die Möglichkeit, das Gewicht der allermeisten Fahrzeuge - und damit u.a. ihren Energieumsatz - auf einen Bruchteil zu senken. Zugegeben, dann müssten einige Blockaden in sehr vielen Köpfen aufgelöst werden.

    Stellvertrend für viele interessante Initiativen sei die TU Eindhoven genannt. Sie bringt jährlich ein neues Prototyp-Fahrzeug heraus, in dem immer neue Nachhaltigkeits-Ideen (auch im Werkstoffbereich) verwirklicht werden.

    Das Eindhovener Projekt 2019 wurde mit einem hohen Anteil von Recycling-Materialien gebaut.
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    Fünftens lässt sich das Ladestrom-Management entzerren durch streckenweisen Einsatz von Oberleitungen für LKW und Busse.
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    Es ist ja noch nicht einmal ein deutsches Verkaufsverbot für neue Verbrenner in Sicht, geschweige denn ein Betriebsverbot für Bestandsfahrzeuge. Einzig die strengen EU-Vorgaben für CO2-Emissionen üben einen gewissen Druck auf die Industrie aus.

    Abgesehen davon, dass sechstens die Umweltverbände und Fachleute Autos ja nur noch als sekundäre Ergänzung des priorisierten ÖP- und Fahrradverkehrs empfehlen. Eine CO2-Bepreisung würde Wertschöpfung wieder viel stärker lokalisieren, viele Güter-Transporte würden unrentabel. Damit würde insgesamt der Fuhrpark auf einen Bruchteil schrumpfen.

    Mit einem elektrischen Verkehrssektor würden wir aber 10-18% (ohne bzw. mit LKW) unserer gesamten CO2-Emissionen vermeiden.

    Besonders hartnäckig hält sich das Gerücht, Elektroautos funktionierten nicht.

    Bevor die neuen Elektroautos klaglos ihre ersten 200.000km absolviert haben, wurden wilde Gerüchte über eine kurze Lebensdauer der Akkus verbreitet. Mittlerweile gibt Toyota eine Garantie über 1.000.000 [sic!] Kilometer und 10 [sic!] Jahre, Tesla will auf 1.000.000 Meilen erhöhen.
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    Trier probiert es einmal mit einem Elektrobus - und das Scheitern wird genüsslich in der Presse belächelt.
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    In China dagegen läuft's mit dem EBus. Die Deutschen haben "Made in China" lange genauso schlecht geredet wie es vor 100 Jahren die Engländer mit "Made in Germany" taten.
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    Der Elektrobus könnte - nach PV und Li-Ionen-Akkus - ein weiterer chinesischer Exportschlager werden.
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    Jahrelang konnten Fossilökonomisten Gerüchte verbreiteten über die mangelnde Haltbarkeit der Akkus, Komforteinbußen durch das Laden, zuwenig Leistung etc.. Am absurdesten aber ist das Kostenargument: ein Elektroauto ist zwar in der Anschaffung teurer - aber angesichts der Klimakrise ist doch fraglich, ob bei einem Neukauf nicht auch eine Nummer kleiner und etwas weniger luxuriös ausgestattet zumutbar ist. Im Betrieb mit gekauftem Ökostrom ergeben sich Verbrauchskosten von 5-7€ pro 100km (gegenüber 6-20€ bei Verbrennern). In einer Studie des Forums Ökologisch-soziale Marktwirtschaft ergibt sich so ein Kostenvorteil vieler Elektroautos (im Video ab 2'26''). Im Betrieb mit eigener Photovoltaik sinken die Verbrauchskosten mit 1,50-2€ pro 100km drastisch weiter auf einen Bruchteil. D.h. auch der Verkauf von PV-Strom auf Parkplätzen wird lukrativ.


    [Tagesschau 29.12.2019]
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    Umgekehrt ist es also auch im Interesse der Verbrenner-Hersteller, dass die Verbraucher-Strompreise hoch, und die Zubauraten an PV gebremst bleiben.

    Jetzt kommt das Akku-Auto aus dem Ausland und nimmt Fahrt auf, und da müssen Fossilökonomisten sich neue Narrative über Elektroautos einfallen lassen.





    Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit
    "Die Klimawende schadet mehr als sie nützt"

    Behauptung: "nur Technologie-Offenheit bringt die beste Lösung"



    Fossilökonomisten behaupten, mit einer gebremsten Dekarbonisierung erhalten wir die "Technologie-Offenheit", so dass der Markt die beste Alternative hervorbringt. Es ginge darum, die größte CO2-Reduktion pro Euro zu erreichen. Also erstmal abwarten.

    Hauptargument der Fossilökonomisten: der freie Markt sei der beste Regulator. Deshalb sollten wir auch keine Technologie a priori einer anderen bevorzugen.
    Hier tut man so, als hätte man noch niemals die Fossil-Technik gefördert. Das Gegenteil ist der Fall. Man tut so, als seien die vorhandenen alternativen Technologien untauglich. Tatsächlich werden sie immer mehr durch Auflagen be- und verhindert: Der Photovoltaikdeckel fällt von Seiten der CDU nur, wenn die SPD sich auf eine Verschärfung der Abstandsregel für Windkraft einlässt.
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    Von einem breiten Abbau von Fossil-Subventionen ist in der GroKo erst gar keine Rede. Deutschland ist 2020 europäischer Spitzenreiter.
    [Investigate Europe 2020]







    "Wasserstoff ist viel besser!"


    Konservative Medien besprechen jetzt euphorisch die Potentiale der Wasserstoffwirtschaft, nicht nur für die individuelle Mobilität, sondern auch für als Möglichkeit des Energie-Imports. Richtig gelesen, Peter Altmaier setzt langfristig auf die Abhängigkeit von teuren Wasserstoff-Importen statt heimischer erneuerbarer Energie. Dabei sagen Experten einen massiven Wettbewerbsnachteil für Deutschland voraus, wenn wir auf die heimische Energieproduktion leichtfertig verzichten.
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    Gerade auf dem Automobilsektor liegt der Fokus der Deutschen, und hier hat die Debatte demgemäß begonnen.
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    Auch wenn Google genau weiß, dass man sich Null für Aktienkäufe interessiert, wird man ständig mit Werbung für Wasserstoff-Aktien bombardiert, in der die Pleite der Elektroauto-Branche vorhergesagt wird.
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    Im Entwurf einer "Nationalen Wasserstoffstrategie der Brennstoffzelle", veröffentlicht vom Forschungsministerin Karliczek (CDU), werden dieser "auch im Pkw-Bereich (...) gute Perspektiven" bescheinigt.
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    Hier schließt sich ein Kreis. Die Nationale Wasserstoffstrategie habe ich oben schon behandelt. Aber erst das Resumée der jüngeren fossilökonomistischen Politik ermöglicht Spekulationen über die Motivation dieser Strategie. Mehr dazu weiter unten.






    Aber die meisten Fachleute argumentieren gegen Brennstoffzellen im PKW...


    Der Wasserstoff-Hype im Kabinett wird von Vielen differenziert gesehen.
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    Die mittelfristigen Chancen der Brennstoffzelle im Pkw werden von vielen Experten zumindest als unsicher eingestuft, weil der Akku z.Zt. die günstigere und effizientere Technologie ist. In Japan gibt es zwar mehr Brennstoffzellen-Autos als bei uns, doch wird diese Technik dort massiv subventioniert und ist trotzdem noch viel teurer als Akku-Technik.

    Zumal der Wasserstoff dort nicht aus Elektrolyse mit erneuerbarem Strom gewonnen wird, sondern fossilbasiert, und auch da nicht durch Dampfreformierung mit Erdgas, sondern durch die noch CO2-intensivere Verschwelung australischer Kohle.)
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    Die Vor- und Nachteile von Wasserstoff werden schon lange diskutiert. Nachteile gegenüber der Akkutechnik bei PKW sind u.a. die Investitionskosten für die Infrastruktur (wasserstoffdichte Leitungen, 700bar-Hochdruck-Tankstellen) und v.a. der weit schlechtere Wirkungsgrad der Energiespeicherung.
    Meist findet man Angaben von Faktor 2, die sich aber auf stationäre Speicherung beziehen.
    Die Hochdruckspeicherung in Autotanks verschlechtert die Energiebilanz von Brennstoffzellen-Autos nochmals deutlich.
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    Laut Florian Hacker (Öko-Institut Freiburg) auf knapp Faktor 3:
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    Laut Prof. Maximilian Fichtner (stellvertretender Direktor des Helmholtz-Instituts Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung sowie Sprecher des Excellenzclusters Polis der Hochschulen Ulm und Karlsruhe) gar auf knapp Faktor 5:
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    Zitat Fichtner: "Bei der Herstellung aus Wasser und elektrischem Strom schafft man mit einem guten Elektrolyseur etwa 60 Prozent Wirkungsgrad. Das heißt 40 Prozent des knappen, teuren grünen Stroms sind schon mal bei der H2-Gewinnung weg. Danach muss der Wasserstoff für den Transport sehr stark komprimiert werden, wobei weitere 20 Prozent der Energie verloren gehen, die man ja zum Fahren nutzen möchte. An der Tankstelle verliert man noch einmal 30 bis 50 Prozent der Energie. Das taucht übrigens in den Studien zur Brennstoffzellentechnik oft gar nicht auf.
    Danach hat man nochmal 50 Prozent Verlust in der Brennstoffzelle. Am Ende bleiben circa 15 Prozent der eingesetzten Energie übrig, um die Räder anzutreiben. Beim E-Auto sind es über 70 Prozent. Deshalb muss man diese Methode eher sparsam einsetzen. Zum Beispiel dort, wo eine Batterie nicht die geforderte Energiemenge mitbringen kann, also etwa im Langstrecken-Lkw."

    Ulf Bossel vom KIT warnte schon 2006 regelrecht vor einer Verklärung von Wasserstoff als Wundermittel:
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    Mittlerweile findet man sogar in konservativen Zeitungen eine Relativierung des Wasserstoff-Hypes.

    "Alternative Antriebe: Elektroautos sind Wasserstoffautos überlegen
    Warum Wasserstoff gegen das Batterie-Auto chancenlos ist
    Veröffentlicht am 29.07.2019
    Es ist eine [...] Gretchenfrage der Autoindustrie: Wie hältst du’s mit dem Wasserstoff? Sollte man sich beim Wechsel der Antriebsart jetzt auf Batterieautos festlegen oder der sogenannten Brennstoffzelle eine Chance geben, bei der Wasserstoff als Energieträger verwendet wird. Der ehemalige Audi-Vorstand Dietmar Voggenreiter hat nun anhand verschiedener Studien untersucht, ob Wasserstoffautos mittel- und langfristig eine Chance haben, ob sie sich für die Käufer und die Industrie rechnen würden. Voggenreiter arbeitet inzwischen für die Unternehmensberatung Horváth & Partners, seine Untersuchung liegt WELT vor. Das Ergebnis ist eindeutig: „Keine nachhaltige Volkswirtschaft kann es sich erlauben, die doppelte Menge an regenerativer Energie zu verwenden, um mit Brennstoffzellen-Pkw anstatt mit Batteriefahrzeugen zu fahren“, sagt Voggenreiter."
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    Die einflussreichen Gründernachfahren von VW unterstützen die Entscheidung des Managements für Akkus und gegen Brennstoffzellen in PKW.
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    Während VW alles daran setzt, den Vorsprung der Konkurrenten bei batterieelektrischen Autos aufzuholen, engagiert sich der Zulieferer Bosch in der emissionsfreien Stromproduktion aus Wasserstoff, die ja zumindest im Schwerlast- und Langstreckenbereich (als Range Extender) durchaus Zukunftsperspektiven hat. Die konservative Zeitung Die Welt stilisiert das zu einem Widerspruch der Strategien von VW und Bosch, und ein Leser-Kommentar liefert dazu prompt ein beredtes Beispiel für die vorherrschende fossilökonomistische Desinformation:
    "Vereinbare [Alias-Name des Kommentators]
    Dieser Artikel tut richtig gut. Ich danke der Firma Bosch, dass sie als eine wichtige Industriestimme Deutschlands endlich mal gegen diese VW Richtung argumentiert. Deren Chef will uns Bürgern ja auch noch hohe CO2 Kosten zusätzlich aufdrücken. Er bittet die Regierung geradezu darum. Für uns Normalautofahrer, Benzin und Diesel steigen dann die Tankkosten nochmal und werden dann viele zum E Auto gucken lassen. Ich hoffe das diese Rechnung nicht aufgeht und die Firma Bosch eine Alternative auf den Markt bringt."
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    Einen weiteren Hinweis auf die Konkurrenzfähigkeit der Brennstoffzelle liefert eine Studie des VDE: sie gibt sogar im Nahverkehrszug dem Akku den Vorzug vor der Brennstoffzelle.
    [Fockenbrock 2020]

    Doch selbst wenn sich diesen ganzen Expertenmeinungen zum Trotz am Ende doch noch herausstellen sollte, dass Wasserstoff auch im Mobilitätsbereich der überlegene Energieträger ist: die Wasserstoff-Infrastruktur zu entwickeln und bis dahin weiter Öl zu verbrennen, hätten wir dem Klima vor 30 Jahren noch eher zumuten können - heute aber ganz sicher nicht mehr. Und so wie die Brückentechnik Erdgas nach und nach mit P2G dekarbonisiert werden kann, so würde sich auch die Wasserstoff-Technik in einer elektrischen Infrastruktur mit Akkus nahtlos als Ergänzung einfügen lassen: die einzig nachhaltige Produktion von Wasserstoff ist die Elektrolyse mit EE-Strom, und seine effizienteste energetische Nutzung ist die Rückverstromung in der Brennstoffzelle.







    "Dann halt alternative Brennstoffe!"


    Als neuester Jungbrunnen der sprichwörtlich fossilen Verbrennertechnik werden Wasserstoff und die synthetischen P2L-Treibstoffe aus erneuerbarem Strom beworben.
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    Der verkehrspolitische Sprecher der CDU bringt es im DLF-Interview vom Dezember 2018 für alle "verständlich" auf den Punkt:


    Ohne Verbrennungsmotor wird weltweit das Klima sicher nicht gerettet.
    Joachim Pfeiffer

    Weitere Details aus dem Interview: "Ohne Verbrennungsmotor wird weltweit das Klima nicht gerettet. [...] Die Autoindustrie leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. [...] Es hilft ja nichts, wenn [...] wir die letzten Prozent und Promille dort optimieren müssen und damit helfen wir dem Klima nicht weiter. [...] Mit links-grünem Alarmismus werden wir das Klima nicht retten - im Gegenteil. [...] Wir haben die weltweit besten Wirkungsgrade bei Heizkesseln und wenn wir die exportieren, dann können wir einen weltweiten Beitrag leisten."

    Solche "alternativen Fakten" gehen manchem skandalverletzen Dieselfahrer 'runter wie Öl (und erinnern an Linnemanns Kleinreden des Dieselskandals und die Kampagne "Clean Coal" von Donald Trump).
    [Heckmann 2018]

    Zuerst einmal wischen die Fossilökonomisten hier lässig die Diskussion um die Schadstoffemissionen beiseite: unverbrannte Kohlenwasserstoffe, Stickoxide (beide mit Treibhausgaswirkung), sowie krebsverdächtige Rußpartikel.

    Pfeiffers Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer bestätigt jedoch seine Auffassung auf ihrer vielbeachteten Parteitags-Rede im Herbst 2019. Zitat aus dem Parteitags-Protokoll: "Ja, ich freue mich, wenn Tesla hier in Deutschland eine Fabrik baut. Aber, ehrlich gesagt, freue ich mich sehr viel mehr darüber, wenn wir mit Wasserstoff, wenn wir mit synthetischen Kraftstoffen es in einer CO2-verträglichen Weise schaffen, dass der Verbrenner weiter in Deutschland bleibt und dass er in Wolfsburg, in München und in Stuttgart gebaut wird. Das ist unser Ziel, und dafür kämpfen wir, liebe Freundinnen und Freunde. (Anhaltender lebhafter Beifall)"
    [CDU 2019]
    2019 versprach FDP-Chef Christian Lindner die Rettung des Klimas mit "Innovationen", wobei er sich beim Thema Automobil sich nur für "Technologieoffenheit" aussprach - keine vorschnelle Festlegung, also erst einmal alles beim Alten belassen. 2020 dann schwenkt er auf die Linie der CDU ein: weiter mit dem Verbrenner, jetzt mit alternativen Brennstoffen.
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    Würde der Strom für EAutos nicht ausreichen,
    dann würde er für alternative Kraftstoffe siebenmal nicht ausreichen...


    Dass es vielen Verfechtern der Technologie-Offenheit nicht primär um Klimaschutz geht, sondern vor allem um eine Verhinderung des Elektroautos, sieht man an einem (leider in der Bevölkerung meist noch unbekannten) Faktum:
    für einen Ersatz der Verbrenner-Treibstoffe mit Wasserstoff in Brennstoffzellen (FCEV) bräuchte man das Doppelte bis Dreifache an Strom, und bei P2L bräuchte man mindestens die sechs- bis siebenfache Menge an Strom, die für einen Ersatz durch Akku-Elektro-Fahrzeuge (BEV) nötig wäre.
    Die Argumente sind schon seit über einem Jahr durchdiskutiert, und ein naturwissenschaftlich interessierter Laie kann sie leicht nachvollziehen. Trotzdem bringen Fossilökonomisten wie Andreas Scheuer oder Friedrich Merz diese Desinformation immer wieder neu auf den Stammtisch.
    [Hajek 2020]

    Vergleichen wir dazu zuerst 100km mit dem elektrischen Renault Zoe mit seinem Verbrenner-Pendant Renault Clio. 6l Benzin entsprechen ca. 60kWh chemischer Energie für Elektrolyse und Fischer-Tropsch-Synthese, die in Form elektrischer Energie bereitgestellt wird. Bei den anfallenden Umwandlungsverlusten von mindestens 40% werden für das Benzin des Clio 100kWh elektrischer Primärenergie benötigt und damit bestenfalls fast siebenmal so viel wie die 15kWh Ladestrom des Zoe für 100 vollelektrische km.

    Diese vorsichtige Schätzung geht sogar noch von den optimistischen Entwicklerangaben des P2L-Verfahrens und den eher konservativen Strombedarfs-Schätzungen für BEV von Price Waterhouse Coopers aus - in der Realität könnte die Differenz also noch deutlich größer sein. In der Größenordnung stimmt es wohl allein wegen der großen Wirkungsgradunterschiede der Motoren.
    Ähnliche Mengen an P2X oder mehr werden wahrscheinlich dennoch benötigt, allerdings für die Sektorenkopplung, also die Speicherung der Sommersonne für den winterlichen Energiebedarf in allen Sektoren. Für die Verschwendung in Verbrennermotoren können wir es uns jedenfalls wohl eher nicht leisten.
    [Landgraf 2019]
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    [Schmidt 2018]
    [UBA 2018]
    Der hier berechnete Mehrverbrauch an Strom zur Produktion der P2L-Treibstoffe wird auch im Tagesschau-Beitrag vom 29.12.2019 (im Video ab 6'29''), einer PwC-Studie von 2017 und Herstellerangaben der Chemieanlagenbau Chemnitz bestätigt:


    [Tagesschau 29.12.2019]
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    Die Wirtschaftsberatung Pricewaterhouse Coopers hat berechnet, wieviel zusätzliche elektrische Energie für eine 100%ige Umstellung der PKW auf alternative Antriebe benötigt würde. Dabei unterschieden sie drei Szenarien:
    (1) Elektroautos würden nur 1/3 mehr elektrischer Energie benötigen - soviel haben wir 2018 exportiert.
    (2) Brennstoffzellenautos benötigen in dieser Studie das Doppelte (wobei andere Autoren wesentlich mehr veranschlagen).
    (3) Der von CDU und FDP favorisierte Ersatz des Verbrenner-Treibstoffs benötigt ein Vielfaches dieser Menge. (Man sollte nicht vergessen, dass wir z.Zt. noch weit von 100% erneuerbarem Strom entfernt sind, und außerdem der Industrie- und Wärmesektor ebenfalls auf Strombasis dekarbonisiert werden muss.)

    Unser Strombedarf stiege mit BEV um 33%, mit P2L (nur für Verkehr) aber um 230%.
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    blau - Strombedarf 2017; dazu in rot die Zusatz-Strommengen der verschiedenen Antriebe im Vergleich:
    BEV - battery electric vehicle,
    FCEV - fuel cell electric vehicle (Brennstoffzellenauto),
    ICE - internal combustion engine (Verbrenner)
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    Die Entwicklung von Wasserstoff-Verbrennermotoren für PKW wurde von BMW und Mazda 2009 eingestellt - weil der Erfolg der Elektroautos sich abzeichnete und die Brennstoffzelle Wasserstoff weit effizienter verarbeitet. Die Verluste liegen im Bereich der Verbrenner mit P2L.
    [Wikipedia 2020 - BMW Hydrogen 7]
    [Wikipedia 2020 - Mazda RX-8 Hydrogen RE]
    Just am Höhepunkt der Debatte um Abwrackprämien für Verbrenner in der Corona-Krise bringt die FAZ wieder diese veraltete Technologie euphorisch in die Debatte: "Saubere Luft aus dem Auspuff - auf dem Wiener Motorensymposion zeigen Ingenieure, dass der Verbrenner noch Chancen hat und der Wasserstoffmotor vor einer Wiederbelebung stehen könnte." Es geht vor allem um das leidige Thema der Abgasreinigung, bei dem die Entwickler immer mehr Zusatzaggregate verbauen müssen, um den NOX-Grenzwert einzuhalten (der wie so oft wegen eines Einheitenfehlers um Faktor 1000 zu hoch angegeben wird) - prinzipbedingt nicht nur bei fossilem Treibstoff ein Thema. Keine Angabe von CO2-Emissionen, kein Wort von einem Vergleich mit BEV, kein Wort von Primärenergie. Auch kein Wort von der sonst so beschworenen Alternative P2X-Treibstoff (diesen groben Rechenfehler möchte man sich nicht noch einmal vorwerfen lassen), dafür wird jetzt der Zukunftstreibstoff Wasserstoff in Aussicht gestellt. Erst mit dem letzten Satz des Artikels kommt der Autor auf den entscheidenden Punkt: "Ein Vortrag von Thomas Korn, Gründer des Start-ups Keyou, zeigte, dass für schwere Nutzfahrzeuge perspektivisch auch die Gesamtkostenbilanz des Wasserstoffmotors deutlich günstiger als die der Brennstoffzelle sein könnte."
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    Für Nutzfahrzeuge werden aktuell tatsächlich Dieselmotoren auf Wasserstoffbetrieb umgerüstet. Diese Technik könnte eine Ergänzung zu Elektroantrieben darstellen, denn so könnte man auch Wasserstoff aus Elektrolyse mittels Erneuerbarer Energie im Verbrenner nutzen. Allerdings ist absehbar, dass das höchstens eine Übergangslösung ist:
    (1) Früher oder später wird sich sehr wahrscheinlich der Elektromotor im Nutzfahrzeug durchsetzen, fraglich ist nur, aus welcher Quelle er die elektrische Energie beziehen wird: die Brennstoffzelle verbraucht deutlich weniger Wasserstoff als der Verbrenner (MAN setzt jetzt schon allein auf diese Technik), Oberleitungen und hoch energiedichte Akkus sind in der Entwicklung. Die Oberleitung ließe sich mit einer Überdachung von Straßen mit PV-Anlagen kombinieren.
    (2) Bisher nutzt man für die Verbrenner billigen Überschuss-Wasserstoff aus der Industrie, dessen Produktion klimaschädlich ist. Für die Verwendung in Brennstoffzellen müsste dieser aufwändig gereinigt werden.
    Klimafreundlich wird die Wasserstoffproduktion erst durch Elektrolyse mit erneuerbarem Strom, am billigsten wäre Überschussstrom. Nach der 100%igen Energiewende wird Überschussstrom allerdings vorrangig zur Saisonspeicherung mit P2X (Sektorenkopplung) gebraucht werden. Spätestens dann überlebt der Wasserstoff-Verbrenner nur, wenn geeignete mobile elektrische Energiespeicher immer noch auf sich warten lassen.
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    Also: seit ich von Elektroautos schwärme (und das ist schon sehr, sehr lange), kommt jedesmal die Frage, wo denn der Strom für all die Autos herkommen und wie er transportiert werden soll. Seit sich nicht mehr bezweifeln lässt, dass man damit zuverlässig von A nach B kommt (auch im Winter), ist das mittlerweile sogar immer die erste Frage. Und jetzt erzählen Politiker diesen Skeptikern etwas von alternativen Kraftstoffen, verschweigen aber, dass man für deren Produktion die siebenfache Strommenge braucht.

    Kramp-Karrenbauer und Lindner täuschen die Kunden und Beschäftigten der Verbrennerindustrie darüber hinweg, dass schon in naher Zukunft am Elektroantrieb (egal ob mit Akku oder Brennstoffzelle) kein Weg vorbei geht, wenn man mit bezahlbarem Klimaschutz ernst machen will.

    Immerhin: durch die massive Kampagne der Autolobby dürften die meisten mittlerweile von P2X-Treibstoffen gehört haben. Jetzt muss man in der Öffentlichkeit nur noch klarmachen, dass diese Treibstoffe in der Sektorenkopplung weit effizienter und (was sicher den letzten überzeugen sollte) wirtschaftlicher nutzbar sind. Aber nur wenn man wirklich technologieoffen ist, also auch ernsthaft in Erwägung zieht, von den fossilen Brennstoffen endlich Abschied zu nehmen.







    Selbst wenn alle Fakten endlich mühsam zurechtgerückt worden sind, tragen die Fossilökonomisten zuletzt auch noch moralische Argumente vor.

    Die menschenunwürdigen Bedingungen in den Kobaltminen des Kongo und den Lithiumgruben der Atacama sind für viele ein Ausschlusskriterium für das Akku-Auto, so wie das Vogelsterben für Windräder.

    In der konservativen Zeitung Die Welt wird eher selten über Umwelt- und Menschenrechtsprobleme im Erzabbau berichtet: doch jetzt gibt ein Interview mit einem Experten des Öko-Instituts Freiburg (der hier sonst eher selten zitiert wird), Filmaufnahmen aus kongolesischen Kobaltminen und exzessiver Wassernutzung in der Atacama-Wüste.
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    Immerhin verschweigt der Artikel nicht, dass durch Forschung der Kobalt-Anteil bei modernen Zelltypen (Panasonic - Tesla) auf ein Viertel gesunken ist.
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    Der Spiegel titelt "Hier sterben Menschen für Akkus". Zwar setzt sich seit 10 Jahren das BGR vor Ort für Zertifizierung sauberer Bedingungen ein, doch sind die Erfolge noch zu klein.
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    Wirft man allerdings einen Blick auf die Kobalt-Nutzung 2001-2017, dann sieht man, dass die Akkus für Elektroautos bis dato gar keine so große Rolle gespielt haben.


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    Verknüpfung (Seite 60)
    Und das obwohl 2017 die Produktion von Elektroautos bereits die Millionenmarke deutlich überschritt.
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    Der Anteil des Kobaltbedarfs für Elektroautos wird zwar drastisch steigen: Schätzungen gehen bis 2026 etwa mit einer Verdopplung des Bedarf aus, d.h. Elektroautos werden dann etwa 50% des Bedarfs ausmachen.
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    Insofern ist es eine gute Nachricht, dass die Bundesregierung sich endlich mit Nachdruck für Menschenrechts-Standards in der Lieferkette stark macht.
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    Damit setzt sie (nach der Ausnahme von Verbrennermotoren beim "Kraftpaket" im Mai 2020) ein weiteres Zeichen für die Förderung von Elektromobilität.
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    Die bekannten Reserven an Land von 7 Millionen Tonnen würden in diesem Szenario nur noch ca. 30 Jahre reichen; allerdings birgt die Tiefsee noch ein geschätztes Potential von 120 Millionen Tonnen in Manganknollen. Diese in teils extrem empfindlichen Tiefsee-Ökosystemen gelegenen Reserven müssen nur in dem Falle genutzt werden, dass nicht genügend andere Akkutypen und Brennstoffzellen Verbreitung finden werden.
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    Einen guten Überblick über die gesamte Rohstoffproblematik findet man bei chip.de.
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    Wie auch immer, so sollte es auf jeden Fall irritieren, dass der Kobaltabbau in bestimmten Kreisen praktisch allein im Zusammenhang mit Elektromobilität angeprangert wird: man spricht von Whataboutism (Fixierung auf Gegenargumente) durch Cherry-Picking (Konzentration auf wenig bedeutende Teilprobleme unter völliger Ausblendung der großen Perspektive). Diese Methoden sind bereits von Klimaskeptikern hinlänglich bekannt.







    Blätterte man in der Umwelt-Rubrik der oben öfter zitierten konservativen Zeitung Die Welt, aber auch die Rubrik "Windkraft" im Spiegel, so bekam man jahrelang den Eindruck, die Rohstoffbeschaffung für Elektroautos sowie der Vogeltod und Entsorgungsprobleme durch Windräder seien die wenigen wirklich gravierenden Umweltverbrechen unserer Zeit. Der Wind hat sich diesbezüglich vor Kurzem endlich gedreht. Aber der Ruf der Erneuerbaren leidet unter diesen Darstellungen bis heute.
    Die allermeisten Kritiker von Akku-Autos oder Windrädern meldeten bisher eher selten Bedenken an bei den unzähligen anderen, oft um etliche Größenordnungen gewichtigeren ökologischen und humanitären Problemen der Industriegesellschaft. Es folgt eine Liste von Schäden an Mensch und Biosphäre, die sich über Seiten und Seiten fortsetzen ließe. Hier sind nur die auffälligsten Menschenrechtsverstöße und Biosphären-Zerstörungen aufgelistet. Viele dieser oft kriminellen Missstände sind entweder unsichtbar oder finden anderswo statt, wo sich nur Menschenrechts-Aktivisten und NGOs interessieren. Diese riskieren oft genug ihr Leben, um uns zu informieren oder anderweitig dagegen vorzugehen. Dort, wo Indigene und Wanderarbeiter betroffen sind, findet man besonders krasse Fälle.

    • Land Grabbing: Vertreibung von Kleinbauern für große Farm-Projekte in Entwicklungsländern; diese dienen nicht in erster Linie der Ernährung der lokalen Bevölkerung, sondern der Produktion von Exportprodukten, v.a. Tierfutter
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    • auch bei uns gehen Flächen für die Biosphäre verloren, täglich 20ha:
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    • Vertreibung von Indigenen und Abholzen von Regenwald durch Großgrundbesitzer in Brasilien zur Produktion von Rindfleisch und Tierfutter für deutsches Vieh; unsachgemäße Nutzung von (auch deutschen) Pestiziden, die zudem bei uns oft gar nicht mehr zugelassen sind
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    • menschenunwürdige Arbeitsbedingungen im deutschen Niedriglohnsektor, z.B. Fleischindustrie, Reinigungs- und Fuhrgewerbe: seit Jahrzehnten von Linken angeprangert, zeigt man erst nach den Corona-Massenansteckungen in deutschen Schlachthöfen politischen Willen, dort "aufzuräumen"
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    • menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern: Elektronik-Industrie und Kunststoffverarbeitung in China, Bekleidungsindustrie in Indien, Bangladesh, Vietnam, ...
    • Schäden an Mensch und Umwelt bei konventioneller Energieversorgung: radioaktive Stäube aus Uranminen, Ölpestkatastrophen, Ölförderung in Afrika und Südamerika, Steinkohleförderung in Kolumbien, Methanverluste und radioaktives, schwermetallhaltiges Lagerstättenwasser bei Öl- und Gasförderung, v.a. bei Fracking, großflächige Biotopvernichtung bei Teersand, illegale Entsorgung von deutschem Atommüll im Mittelmeer durch die Mafia, legale im staatlichen Versuchslager Asse, ...
      • Uranminen in Niger, Tansania, Namibia, ...
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      • Der deutsche Staat hat die Atomindustrie schon früh im großen Stil von Entsorgungsproblemen befreit. Im Versuchsendlager Asse, einem ehemaligen Salzbergwerk, liegen 120.000 Fässer Atommüll und rosten im eindringenden Salzwasser vor sich hin.
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      • In Süditalien und im Mittelmeer hat die Mafia große Mengen Atommüll illegal beseitigt - auch aus deutschen Quellen.
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      • Wenig bekannt, weil Ölkonzerne nach Möglichkeit ihr Betriebsgeheimnis ausnutzen, und man sie machen lässt: Technological[ly] Enhanced Natural Occurring Radioactive Material (TENORM). Von Anfang an wird weltweit bei der Öl- und Gasförderung Wasser aus den Lagerstätten mit gefördert, das mit radioaktiven Schwermetallsalzen belastet ist. Die sog. unkonventionellen Methoden wie Fracking fördern immer größere Mengen davon.
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      • Dammbruch eines Uranminen-Schlackesees am Rio Puerco bei Church Rock, einem Indianer-Reservat, 1979
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      • Kohlestaub, Zwangsumsiedlungen, Grundwasserabsenkungen etc. in Steinkohleminen in La Guajira/ Kolumbien
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      • eine ewig lange Liste von Ölpest-Ereignissen (nicht zu vernachlässigen die Treibhausgas-Wirkung der Kohlenwasserstoff-Emissionen)
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        z.B.
        Ein offenes Tiefsee-Bohrloch im Golf von Mexiko konnte monatelang nicht geschlossen werden, der Golf von Mexiko ist verseucht: Deepwater Horizon.
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        In Westsibirien wird bei der Ölförderung seit Jahrzehnten gespart - riesige Flächen in der Region sind mit gigantischen Mengen Öl verseucht, die Ausgasung der Kohlenwasserstoffe verstärkt den Treibhauseffekt erheblich.
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        Vergleichbar das Drama im Nigerdelta; die Mengen sind zwar um Größenordnungen kleiner, dafür sind umso mehr Menschen direkt von Verschmutzung und Verseuchung betroffen.
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        Bei uns weit weniger bekannt, weil der Amazonas-Urwald weniger im Fokus europäischer Hilfsorganisationen steht: Texaco (heute Chevron) verschmutzte eine riesige Fläche im Amazonas-Regenwald, was u.a. die lokale Krebsrate steigen ließ. Die Indigenen erhielten 1993 9,5Mrd. US-$ für Sanierungsarbeiten zugesprochen. Ihr Anwalt Donziger wurde 2013 des Betrugs in der Sache für schuldig gesprochen. Der Richter Kaplan hatte private Ermittler eingesetzt, weil die Staatsanwaltschaft die Ermittlung ablehnte. In der Folge ist die Entschädigungsfrage weiter ungeklärt.
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        Als Umweltschutz in den 80ern im gesellschaftlichen Fokus stand, gab es schon damals entsprechende Greenwashing-Kampagnen von Ölfirmen im Werbefernsehen.
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      • Donald Trump machte regelmäßig mit Lockerungen der Auflagen für die (volkswirtschaftlich bedeutsame) Fracking-Industrie Schlagzeilen. Das bedeutet mehr zulässige Leckagen von Methan, einem potenten Treibhausgas. Das hinderte Peter Altmaier nicht, sofort Trumps Forderung nachzukommen, das Gas in Europas Gasnetz einzuspeisen.
    • Schadstoffausstoß durch Verbrennermotoren (NOx, Ruß-Feinstaub) und Kohlekraftwerke (Schwermetallsalze)
      • Stickoxide sind gesundheitsgefährlich, ökotoxisch, säurebildend und sind Vorläufer von Ozon, das in der Troposphäre zelltoxisch wirkt (in der Stratosphäre dagegen ist es notwendig zum Blocken der UV-Strahlung; dort wird es durch organische Chlorverbindungen zersetzt)
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      • Kohlekraftwerke in Quintero-Puchuncaví/ Chile
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      • die billige Filtertechnik deutscher Kohlekraftwerke verursacht gegenüber dem Stand der Technik (z.B. "clean coal" der USA...) seit Jahren die fünffachen Emissionen an Quecksilber - das moniert jetzt auch die EU-Kommission und fordert entsprechende Gesetze
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      • Verknüpfung
    • für großindustrielle Prozesse, die riesige Mengen an CO2 freisetzen, gibt es Alternativen; ein Preis für CO2 würde die konventionellen Verfahren unrentabel machen
      • die Stahlerzeugung erfolgt aus Kostengründen im Hochofenprozess mit Steinkohle, obwohl die klimaneutrale Reduktion mit Wasserstoff bereits im technischen Maßstab durchgeführt wird
      • die Hitze für die Zementherstellung (Thermolyse von Carbonaten) könnte man klimaneutral aus konzentrierter Sonnenstrahlung bereitstellen (wie im solarthermischen Kraftwerk) - doch die (teils auch noch extrem schadstoffintensive) Verbrennung von Müll (u.a. Altreifen) und fossilen Brennstoffen ist noch zu billig
    • Chemikalienverseuchung, besonders in den Entwicklungs- und Schwellenländern: vielfältige Belastungen durch Industriebetriebe, Recyclingbetriebe und Erzminen, Quecksilberemission bei der Goldwäsche, Sickerwässer aus Mülldeponien, Dammbrüche von Schlackeseen, etc., etc., etc..
    • die Chemikalienverseuchung bei uns geht zwar zurück, doch werden immer wieder neue emittierte Stoffe als Mensch- und Umweltgifte erkannt, so z.B. Perfluorierte Substanzen, Nanomaterialien, endokrine Disruptoren und Medikamente
      dazu eine differenzierte Darstellung des Krebsinformationsdienstes:
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      Eine alarmierende Studie aus den USA:
      Verknüpfung Wie hartnäckig die Chemieindustrie bei der Verhinderung von Einschränkungen bei neuen Stoffen ist, sieht man bei den perfluorierten Substanzen, die vor über einem Jahrzehnt auf dem Schirm der Ökotoxikologen aufgetaucht sind. Man braucht sie nicht für irgendwelche lebenswichtigen Sektoren, sie verbessern lediglich bestimmte Produkteigenschaften. Das Problem: sie sind noch persistenter (schlechter abbaubar) als DDT, das bereits in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts nach massiven Protesten aus den Industrieländern verbannt wurde; sie sind verwandt mit Substanzen, die schon lange verboten sind, und stehen unter Krebsverdacht. Aber sie reichern sich nur sehr langsam in der Umwelt an, weil ihre Produktionsmengen verhältnismäßig gering sind. Und so kommt man erst nach Jahrzehnten der Verwendung in Konzentrationsbereiche, die bedenklich sind. Sie sind - wie DDT oder Mikroplastik - ubiquitär.
      Hier die Infoseite einer ökotoxikologischen Beratung:
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      Und hier eine Studie zum Thema:
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      Die Industriegesellschaften leisten sich in großem Umfang teure analytische Verfahren und gelegentlich auch Sanierungen zu hoch belasteter (verseuchter) Böden - anstatt diese Stoffe einfach zu verbieten. Was die Belastung in Entwicklungsländern angeht, ist die Datenlage natürlich schlechter.
      Der 1971 gegründete, in Skandinavien politisch sehr bedeutende nordische Ministerrat schlägt Alarm. Bei uns dagegen ist die Debatte nur sehr wenigen bekannt.
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    • Häufig unterschätzt wird die Belastung unserer Wohnräume. Viele der Problemstoffe tragen bei zu einem Cocktail, dessen Risiken sich durch Einzelstoff-Beurteilungen in Tierversuchen nicht vollständig erfassen lassen; das Grenzwert-Problem ist für die Humantoxizität insofern besonders prekär, als dass die Exposition besonders intensiv ist. Gut erkennbare Unverträglichkeiten finden sich eher selten, sollten aber zum Anlass für weitere Vorsorgemaßnahmen sein.
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      • kostengünstige Beseitigung ("Entsorgung") auch unserer Kunststoff-Abfälle in Entwicklungsländern - auf den Müllbergen entstehen oft genug Slums
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      • Silber- und Zinnminen in Potosi/ Bolivien
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      • Kinderarbeit in Erzminen und massenhafte Bleivergiftung in Cerro de Pasco/ Bolivien
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      • Verknüpfung
      • Gold- und Diamantminen in Afrika
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      • Schlackeflutwelle im Rio Doce/ Brasilien aus Rückhaltebecken des Eisen-Erzabbaus 2019
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      • Recycling von Bleiakkus, vornehmlich aus Verbrenner-Motoren, in Mombasa/ Kenia
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      • Elektroschrott-"Recycling" in Agbogbloshie/ Ghana
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    • Überdüngung von Land-Ökosystemen, Seen, Flüssen und ganzer Meere führt bis hin zu Verwüstung und toxischem Sauerstoffmangel; diese Probleme sind bei Ökologen seit vielen Jahrzehnten bekannt
      die Treibhauswirkung von Distickstoffoxid, das aus überdüngten Flächen durch bakteriellen Abbau von Nitrat ausgast, wird erst seit einigen Jahren erforscht
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      • Die intensive Tiermast mit zugekauftem Futter stört den natürlichen Kreislauf der Mineralstoffe: anstatt den Tierdung für die Futterpflanzen zu nutzen, wird er auf viel zu kleinen Flächen ausgebracht - was vielerorts eine Nitratverseuchung des Grundwassers verursacht. Aus Nitrat wird krebserregendes Nitrit.
        Für die Futterpflanzen werden unter massiven CO2-Emissionen aus Ammoniak ca. 150 Millionen Tonnen synthetischer Nitratdünger produziert.
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      • Bakterieller Nitratabbau produziert das Treibhausgas Lachgas.
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      • Endliches, mineralisches Phosphat wird in Düngern weltweit in Gewässern verbreitet und landet schließlich im Meer.
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      • Das Umkippen durch Eutrophierung war vor Jahrzehnten nur ein Problem von Süßwasserseen. Heute betrifft es sogar riesige Meeresregionen und wird durch die Meereserwärmung z.T. extrem verschärft.
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      • Die flächendeckende Überdüngung verdrängt mineralsalzmangel-tolerante Arten, die in der Natur zur (Wieder-)Besiedelung mineralsalzarmer Standorte gebraucht werden. Bei Ausbleiben weiterer Düngergaben können diese Ökosysteme ohne diese Arten nicht weiter besiedelt bleiben - sie können veröden, schlimmstenfalls zur Wüste.
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    • kritischer Wasserverbrauch für Rohstoffgewinnung und landwirtschaftliche Exportprodukte
      • Avocadoanbau in Chile
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      • riesiger Kupferbergbau in Chile, teils ebenfalls in der Atacama-Wüste
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    • kritische Landnutzung für Rohstoffgewinnung und landwirtschaftliche Exportprodukte
      • Fleisch- und Tierfutterproduktion auf abgeholzten Regenwaldflächen in Südamerika, v.a. in Brasilien unter massiver Vertreibung von Indigenen - unterstützt durch das neue Freihandelsabkommen mit der EU Mercosur
      • Palmölproduktion auf abgeholzten Regenwaldflächen in Südostasien, Ausrottung unzähliger Arten, z.B. des Orang-Utan
    • Produktion und Beseitigung ("Entsorgung") von Kunststoff-Verpackungen - während dem Verbraucher die Illusion vermittelt wird, mit der Mülltrennung würde er einen Beitrag zum Umweltschutz leisten...
      • seit 1990 wurden riesige Mengen deutscher Verpackungen mit dem Grünen Punkt ganz legal im Ausland beseitigt, ohne auf den Verbleib zu achten - in Deutschland galt er damit als recycelt

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      • unverbrannt beseitigt zerfällt Kunststoff mittelfristig in chemisch langzeitstabile, lungen- und zellgängige Fasern: Mikroplastik, Nanoplastik; diese oxidieren langfristig zu CO2
      • die meisten Verpackungen lassen sich nicht recyceln, weil sie aus Verbundmaterialien bestehen; sie werden verbrannt, wobei ihre Aluminium- und Farbstoffanteile zu Sondermüll-Asche reagieren;
        ohne diese Verbrennung:
        • würde die Verbrennung des nassen Restmülls zu Sondermüll-Asche und CO2 nicht funktionieren
        • würden jährlich die entsprechenden Mengen Kunststoff pro Kopf nicht neu aus Rohöl hergestellt
        • wäre unsere CO2-Bilanz besser
        Man vergleiche nur die Zahlen: von ca. 40kg Kunststoff pro Kopf wurden 2018 53% verbrannt.
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        In der staatlichen Statistik bleiben von diesen verlorenen 1.700.000t aber nur 19.000t, weil Verbrennen als "thermisches Recycling" bezeichnet wird, und die Recyclingquote damit auf sagenhafte 99,4% steigt. Dabei entstehen rund 5.000.000t CO2.
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        Mit diesem Narrativ von der umweltfreundlichen Verpackungswirtschaft wird der deutsche Verbraucher regelmäßig berieselt, z.B. 2020 wieder in einer Kampagne des DSD.
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        Man sollte meinen: eine einfache Aufgabe, Kekse zu verpacken. Die unternehmerische Freiheit in Deutschland erlaubt eine (mindestens) 5-schichtige Verpackung inclusive 2 Schichten Aluminium und einer dicken Mattbeschichtung aus organischen Farbstoffen. Wirtschaftliches echtes Recycling unmöglich, genauso wie sondermüllfreies Verbrennen (das wird dann euphemistisch als thermisches Recyceln bezeichnet). Wesentlich empfindlicher: Milch. Hier reicht den Franzosen, Italienern und Engländern ein einschichtiger durchgefärbter PE-Schlauch, der sich (farbsortenrein getrennt) hervorragend recyceln lässt: ein Monomaterial. Als Etikett reicht ein angeklebter Papierstreifen, der wesentlich problemloser bedruckbar ist.
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        (In Deutschland dagegen herrscht hier der Vielschicht-TetraPak vor, dessen besonderer Umweltvorteil gegenüber der Milchflasche seit Jahrzehnten gepriesen wird: Ökobilanzen von Produktion, Transport und Verbrennung, Schülerversuche zum Recycling (natürlich nicht in der Realität praktiziert), usw.)
      • Plastikvermeidung durch Einweg-Glas?
        Die Kampagne gegen die globale Plastikflut zeigt Wirkung: jetzt bewirbt ein Lebensmittel-Discounter sogar Plastikvermeidung durch Joghurt im Einweg-Glas, obwohl das in den 90ern gängige Mehrweg-Glas die Plastikwelle gerade so überlebt hat und erst jetzt wieder boomt. Dabei wurde dem Verbraucher bei den Discountern lange mit aufwändigen Ökobilanzen erzählt, wie umweltfreundlich selbst Tetrapaks (Vielschicht-Kartons mit Aluminiumkern) seien - wegen der Energiebilanz beim Transport. Das Einwegglas hat gegenüber Tetrapak noch den zusätzlichen Nachteil des größeren Transportvolumens und -Gewichts, einzig das Recycling-Problem entfällt. Dafür ist Glasreycling sehr energieaufwändig.
        Der Verbraucher muss ein Pfandglas wieder zum Händler zurücktragen, ein Einwegglas dagegen "nur" zum Glascontainer - eine minimale Zumutung, die man höchstens mit dem Tempolimit vergleichen könnte. Eine Pfandglas-Pflicht würde also tatsächlich die Wahlfreiheit des Konsumenten und auch die unternehmerische Freiheit beschränken - die Regierung will diese Beschränkungen jedoch nicht vertreten, und deshalb mutet sie unserer Biosphäre immer noch solche völlig unnötigen Belastungen zu. Und der Kunde soll denken "wieder einmal ein bißchen Welt gerettet."
    • ...und natürlich v.a. das Mega-Problem, das man mit der Mobilitätswende (ÖPNV, Fahrrad, Elektroauto) bzw. Windrädern lösen will - die Klimakrise - die immerhin existenzbedrohend für die gesamte Menschheit ist
    • diese Liste benennt viele Mega-Probleme nur in Stichworten und ließe sich über Seiten fortsetzen; die Darstellung der Probleme in ihrer Gänze füllt Bibliotheken...

    Moralische Empörung über Menschenrechtsverstöße bei der Lithium- und Kobaltgewinnung ist natürlich berechtigt, und Bedenken gegen den Tod von Vögeln und Fledermäusen durch Windräder sind angebracht: doch wer die Elektroauto-Fahrer und Windrad-Betreiber in die moralische Pflicht nehmen will, darf die übrige Industriegesellschaft nicht verschonen.
    Die UN-Menschenrechts-Standards wurden erstmalig 1948 verkündet. Ihre Einhaltung hätte seitdem gesetzlich streng geregelt werden können - es liegt in der Verantwortung der Politik. Bislang allerdings basiert sie komplett auf Freiwilligkeit.

    Über die Art und Weise, wie die entsprechende Gesetzgebung in Deutschland verläuft, hier zunächst ein Bericht des Politmagazins Monitor. Zuerst einmal sollte geprüft werden, ob ein Lieferketten-Gesetz überhaupt nötig ist. Bei diesem sogenannten Monitoring-Prozess wurden 3000 der betroffenen 7100 Unternehmen auf Einhaltung bestimmter Menschenrechtskriterien befragt. Falls mindestens 400 antworten und davon mindestens die Hälfte angibt, die abgefragten Kriterien zu erfüllen, wird der Gesetzgebungsprozess ausgesetzt.

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    Im Dezember wurde das Ergebnis der Befragung öffentlich: nur 464 Unternehmen haben geantwortet, und nur 20% davon gaben an, die Kriterien zu erfüllen. Damit müsste nach den vorherigen Ankündigungen der Regierung eigentlich ein Gesetzgebungsprozess eingeleitet werden.
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    Stattdessen kündigt sie eine zweite Befragung an, die bis Juni 2020 ausgewertet werden soll.
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    Für die Akkus seiner Elektroautos will Mercedes auf Einhaltung der Menschenrechts-Standards achten - weil Mercedes sich der besonderen Fokussierung auf mögliche ethische Probleme speziell bei alternativer Mobilität bewusst ist. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass andere Hersteller nachziehen werden, weil das Thema medial so präsent ist.
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    Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit
    "Die Klimawende schadet mehr als sie nützt"

    Behauptung: "Bio-Landwirtschaft kann die Welt nicht ernähren"



    Fossilökonomisten geben seit Jahrzehnten diese Parole aus. Sie bezeichnen Menschen, die ein Ende der industriellen Landwirtschaft fordern, als romantisch und naiv.
    Zitat Andreas Glück, Umweltpolitiker [also nicht etwa Agrarpolitiker] der FDP im Europaparlament: "Es gibt halt das Risiko, dass generelle und für die Mitgliedstaaten verbindliche Pestizid- und Düngereduktionsziele auf Unionsebene an den spezifischen Gegebenheiten vor Ort vorbei gehen. Wollen wir Verantwortung übernehmen und einen stärkeren Beitrag zur Ernährung der zunehmenden Weltbevölkerung tragen kann es nicht in unserem Sinne sein, unsere heimische Landwirtschaft künftig weniger ertragreich zu gestalten[.]"

    Das ist in vielfacher Hinsicht eine Steilvorlage für Biotop- und Klimaschützer. Die Zerstörung der Biodiversität und Bodenstruktur wird mittlerweile vom EU-Rechnungshof moniert - er plädiert für eine Abkehr von den flächenbezogenen Agrar-Subventionen der EU.
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    1. Seit Jahrzehnten warnen Umwelt- und Entwicklungshilfe-NGOs unisono vor einer Zerstörung der lokalen Agrarmärkte in Entwicklungsländern durch Dumping-Exporte aus der hochgradig subventionierten Überproduktion in der EU,
    2. die sowohl bei uns massive Bodendegradation und damit -Erosion verursacht,
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    3. und zwar unter Freisetzung der Treibhausgase CO2 und
    4. Distickstoffmonooxid,
    5. als auch unsere Ökosysteme zerstört,
    6. unser Grundwasser belastet durch Nitrat,
    7. Pestizide und
    8. pathogene, antibiotikaresistente Keime,
    9. als auch auf dem Import von Billig-Futtermitteln durch Ausbeutung in Entwicklungsländern basiert, die für vielfache Schäden und Menschenrechtsverstöße verantwortlich sind:
    10. Abholzung von Regenwald,
    11. Land Grabbing, also Vertreibungen der Kleinbauern durch Investoren,
    12. Vergiftung von Ökosystemen und Siedlungen durch Pestizide, die teilweise in Europa verboten sind
    13. Die EU-Agrar-Subventionen ließen sich einsetzen für die Agrarwende, die Arbeitsplätze schafft.

    Fazit: Die Parteien, die die längste Tradition im Widerstand gegen Klimaschutz-Maßnahmen vorweisen können, den globalen Neoliberalismus vorangetrieben haben und damit das Klimaproblem entscheidend mitverantworten müssen, sprechen von unserer Verantwortung für die Ernährung der Welt, und propagieren dafür die Agrarpolitik des 20. Jahrhunderts, die nach wissenschaftlicher Lehrmeinung nicht nachhaltig ist, sprich die Existenz (incl. Ernährung) der Menschheit bereits mittelfristig bedroht.

    Besonders dreist mutet die Kampagne der Agrarindustrie an, sie trage zur CO2-Bindung (also Negativemissionen) bei.
    Das Gegenteil ist der Fall, denn praktisch alles in Pflanzenkulturen gebundene CO2 wird wieder dadurch freigesetzt, dass sie gegessen, gefressen oder durch Verwesung zersetzt wird. (Das sollte eigentlich laut Lehrplan ein Schüler der Sekundarstufe I erklären können.) Ausgenommen ist Biomasse, die zu Humus wird. In der biologischen Landwirtschaft ist der Humusaufbau traditionell eine der Haupt-Strategien. Humus stärkt die Bodenstruktur, was Resilienz gegen Erosion steigert, und die Bindefähigkeit für Wasser und Mineralstoffe, was die Resilienz gegen Trockenheit und Auswaschung von Dünger steigert. In der Agrarindustrie dagegen wird Humus aber nicht auf-, sondern abgebaut. netto im gigantischen Maßstab zerstört, was eine der Hauptquellen für ihre CO2-Emissionen ist, sowie Wasser- und Kunstdüngerverbrauch steigert.
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    Im DLF-Interview fällt Bauernverbandssekretär Krüsken entsprechend als Anpassungsstrategie an den Klimawandel nicht mehr ein als verstärkte Entwicklung resistenterer Sorten und eine Intensivierung der Bewässerung.
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    Die Resistenz-Strategie ist nicht geeignet, um die Ernährung in der 4°-Welt zu gewährleisten. Denn der Physiologie von Nutzpflanzen sind enge Grenzen gesetzt, die von C4-Pflanzen wie Mais bereits ausgeschöpft werden. Das Problem liegt darin, dass jede Pflanze zur Aufnahme von CO2 für die Photosynthese die Spaltöffnungen ihrer Blätter weiten muss und dabei gleichzeitig Wasser verliert. Bei Trockenheit verschließen sie die Öffnungen, können dann aber auch keine Photosynthese betreiben. C4-Pflanzen müssen ihre Spaltöffnungen nicht so stark weiten, weil sie mit ihren Enzymen in der Lage sind, das CO2 vereinfacht gesprochen aus der Luft absaugen können. Besser gegen Trockenheit sind nur noch Dickblattgewächse und Kakteen geschützt - die produzieren allerdings auch sehr wenig Biomasse und sterben ebenfalls bei zu hohen Temperaturen den Hitzetod.
    Die Nachhaltigkeit einer verstärkten Bewässerung muss man nicht diskutieren - sie liegt bei null.

    Allein die Verbreitung des industriell entwicklten Hybrid-Saatguts, das sich nicht nachzüchten lässt, und das nur wenige Sorten umfasst, ist eine ökologische Katastrophe, die die Resilienz unserer Ernährung gefährdet: nur eine ständige Nachzüchtung und Weiterentwicklung vieler, auch alter Sorten, ermöglicht einen großen Genpool, aus dem Züchter Vielfalt für die unterschiedlichsten ökologischen Bedingungen erzeugen können. Das Oligopol der vier großen Saatguthersteller bringt die Bauern zudem in eine fatale wirtschaftliche Abhängigkeit - das Gegenteil von Ernährungssouveränität.

    Gülleproblem, Phosphatproblem, Nebenerwerb (EE, Tourismus), Subvention nach Bodenbesitz

    Auch die Corona-Krise macht deutlich, wie gefährlich der Ausbau und auch nur das Festhalten an der industriellen Landwirtschaft ist.

    Die hochdekorierte Virologin Ilaria Capua, die 2006 bei der Eindämmung der drohenden H5N1-Epidemie eine Hauptrolle spielte, sagt in der NZZ: "Wir müssen uns bewusst sein, dass wir Teil des Problems sind, weil wir es waren, die diese Situation geschaffen haben." Der Mensch misshandle die Erde, raube den Tieren wichtige Freiräume, verkaufe Wildtiere auf Märkten in Grossstädten, die wegen mangelnder Hygiene, Armut und sozialer Ungleichheit ein einziges Pulverfass seien.
    Ein neues Bewusstsein sei dringend nötig, zeigt sich Capua überzeugt. In einem Buch, das sie kurz vor der Corona-Krise geschrieben hat, beschreibt sie, wie das Gleichgewicht mit Umwelt, Natur und Tieren wieder gefunden werden kann. "Salute circolare", Kreislaufgesundheit, lautet der Titel. So schreibt die Wissenschafterin etwa: "Wir leben in einem geschlossenen System, in dem nichts ausgeschlossen ist, nichts und niemand voneinander getrennt."
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    US-Virologe Dennis Carroll im LF-Interview: "[DLF:] Müssen wir lernen, dauerhaft mit der Gefahr von Pandemien zu leben? Carrol: Nein, das müssen wir nicht zwingend. Das ist eine Frage unserer Lebensweise. Und die können wir ändern. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass wir mit einer anderen Lebensweise die Gefahr von Pandemien verringern können. Wenn wir uns die Aspekte und Ursachen des Klimawandels anschauen, stellen wir fest, dass auch dies zu einem großen Teil auf die Änderung von Landnutzung zurückzuführen ist. Wir müssen uns also weder an die Gefahr durch Viren gewöhnen, noch an das Szenario des Klimawandels. Nichts davon ist unvermeidbar. Als Weltgemeinschaft hat es ja Diskussionen darüber gegeben, was eigentlich getan werden müsste. Was es bislang nicht gibt, ist der notwendige und weit verbreitete politische Wille, um die Dinge zu tun, die notwendig sind."
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    Im DLF fasst Inger Andersen, Direktorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP das Problem in wenigen Punkten zusammen: "Die weltweite Nachfrage nach Fleisch wächst, dadurch gibt es immer mehr Tiere, genetisch ähnlich, die anfälliger für Infektionen seien. Hinzukomme, dass wilde Tiere zunehmend gejagt und verzehrt werden. Die Städte wachsen immer weiter, Menschen rücken enger zusammen und verdrängen unberührte Natur. Dadurch fehlten natürliche Puffer. Hinzu kommen immer mehr und weitere Reisen. [...] Ein wichtiger Grund ist auch der Klimawandel: Wärmere Temperaturen erleichtern die Ausbreitung von Erregern, Tiere suchen sich neue Lebensräume. Menschen und Tiere, und damit ihre Krankheiten, seien so eng zusammengerückt wie noch nie zuvor."
    Anschließend skizziert John Smith, Direktor des internationalen Viehzucht-Forschungsinstituts ILRI, die Gegenmaßnahmen: "Dafür müssten die Regierungen investieren, in öffentliche Gesundheit, in nachhaltige Landwirtschaft, sie müssten die Ausbeutung der Natur eindämmen. Der Kampf gegen Klimawandel würde auch hier helfen. Das Ganze kostet Geld. Smith zitierte eine Schätzung, die schon ein paar Jahre alt ist: Ein globales Investment von rund 25 Milliarden Dollar über zehn Jahre würde einen Nutzen in Höhe von 125 Milliarden Dollar [Schätzung vor Corona] bringen. Die aktuelle Coronakrise zeige, dass der Nutzen noch höher ausfallen würde."
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    Extensive, kleinbäuerliche Landwirtschaft mit einer deutlichen Reduzierung des Fleischkonsums (v.a. des Rindfleisch-Konsums), ist unter den richtigen Rahmenbedingungen wesentlich nachhaltiger als industrielle, und ernährt einen Großteil der Menschheit.
    Sie mindert oder vermeidet die globalen Mega-Probleme Biotopverlust, Überdüngung, Emission von Giften, Treibhausgasen (Distickstoffmonoxid, CO2 und Methan), Bodenerosion, Wasserverlust, Bodenversalzung, Antibiotikaresistenz und prekäre wirtschaftliche Abhängigkeit der Kleinbauern.
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    Der schwedische Agrarwissenschaftler Johan Rockström erklärt die Zusammenhänge sehr konzentriert und spricht bei der fff-Webinar-Reihe #WirBildenZukunft nicht von Fleisch-Verzicht - sondern von gesunder Ernährung.


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    Rockström ist laut Clarivate einer der meistzitierten Wissenschaftler der Welt.
    [Wikipedia 2020 - Johan Rockström]
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    Die vielfältigen Probleme rund um unseren Fleischkonsum erklärt die BNE-Initiative "keine Angst vor Komplexität".
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    Selbst wenn Bio-Ernten größere Ausfallrisiken haben, so kann man dennoch durch Verzicht auf einen Teil der Fleischproduktion mit einer viel kleineren Fläche auskommen. Die Produktivität von Permakulturen ist wesentlich höher als die von herkömmlichen Bio-Anbau.
    Fleischgewebe ließe sich auch wesentlich produktiver in Zellkultur produzieren, Milch- und andere Proteine in Bakterienkultur.

    Im konventionellen Ansatz werden diese Zellkulturen noch mit Biomasse aus pflanzlicher Photosynthese ernährt, die eine relativ schlechte Sonnenlicht-Ausbeute liefert. Mit Wasserstoff aus der PV-betriebenen Elektrolyse (die um ein Vielfaches effizienter ist) wachsen chemosynthetische Bakterien, die sich direkt zur Ernährung eignen.
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    Beispiel 1: Indien, ein Land mit riesiger Bevölkerung und enormer sozialer Ungleichheit, das bereits jetzt die Klimakatastrophe mit Rekordhitze, -Dürre und -Überschwemmungen erleidet. Die überwiegend bitterarme Landbevölkerung hat schlechte Erfahrungen mit den "Segnungen" der industriellen Landwirtschaft gemacht.
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    Unter dem Eindruck von 300.000 Selbstmorden überschuldeter Kleinbauern etabliert sich in der Region Andhra Pradesh eine organisierte Gegenbewegung für ökologische Landwirtschaft. Solche Förderprogramme müssen freilich vom Staat finanziert werden, denn kein Investor kann daran etwas verdienen. Das Projekt ist ein Erfolg, und wirbt mit Nullemissionen. Es ermöglicht eine größere Resilienz der Nahrungsversorgung, mehr Ernährungs-Souveränität.
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    Beispiel 2: Dort, wo Dürre der konventionellen Landwirtschaft empfindliche Verluste bringt, versucht man es jetzt mit alternativen Methoden: in Andalusien.
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    Filmtipp: 10 Milliarden - wie werden wir alle satt? (2015)
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    Beispiel 3:
    Auch für das Bekämpfen der Verwüstung gibt es bewährte Low-Tech-Verfahren zur Aufforstung, z.B. die von dem afrikanischen Kleinbauern Yacouba Sawadogo modifizierte Zai-Technik, die in der Sahel-Zone breite Anwendung findet (alternativer Nobelpreis 2018). Sawadogo schaffte mit seinen Agroforst-Kulturen hohe Ertragssteigerungen und hob damit lokal den Grundwasserspiegel massiv.
    [Wikipedia 2020 - Yacouba Sawadogo]
    Im Niger jedoch musste der Australier Tony Rinaudo zunächst die Bedenken der Einheimischen zerstreuen, die meinten, die Bäume würden Lebensraum für Ackerschädlinge bieten. In der großen Dürre 1984 wurde die Überlegenheit seines Ansatzes deutlich. Die Wiederaufforstung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Niger seine Pro-Kopf-Produktion von Hirse und Sorghum, die 90 Prozent des Nahrungsmittelverbrauchs im Lande decken, seit 1980 stabil halten konnte – trotz des hohen Bevölkerungswachstums.
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    Sawadogo und Rinaudo bekamen 2018 den Alternativen Nobelpreis. In Deutschland beginnt man zaghaft mit dieser Methode - auch, um sich dem Klimawandel anzupassen.
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    Filmtipp: The man wo stopped the desert (Der Mann, der die Wüste aufhielt) (2010)
    Hier wird eine andere unrühmliche Rolle der Industrieländer und das Schwellenlands China deutlich: Sawadogo wurde von NGOs unterstützt (Oxfam UK und World Resources Institute), und nicht etwa nicht etwa von staatlichen Organisationen in Europa. Schaut man sich deren Unterstützungsangebote an, so handelt es sich oft um Investitionsprogramme für industrielle Landwirtschaft, in der wenige der ansässigen Kleinbauern höchstens als Angestellte, meist nur noch als Saison-Handlanger eine Rolle spielen.
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    Der Rest wird, wenn nötig mit Gewalt, vertrieben und muss in den nächsten Slum ausweichen.
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    Bei uns dagegen dominiert auf Grund der alten EU-Agrarpolitik (die von deutschen und französischen Bauernverbänden dominiert wird) immer noch die industrielle Landwirtschaft. Durch hohe Lohnnebenkosten, geringe Umwelt-Auflagen und mangelnde Anreize für Biotopschutz sind deutsche Bio-Produke immer noch nicht konkurrenzfähig. Mehr Ernährungs-Souveränität bei niedrigem Einkommen erreicht man bei uns nur durch Eigenproduktion oder Beteiligungsmodelle wie Genossenschaften oder solidarische Landwirtschaft.
    Unsere subventionsgetriebene Überproduktion überschwemmt die Märkte in Entwicklungsländern zu Dumping-Preisen, gegen die lokale Kleinbauern meist nicht bestehen können.
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    Nicht einmal mit Schutzzöllen können die dortigen Regierungen ihre Kleinbauern (und damit ihre Ernährungssouveränität) schützen: die EU hat dies mit Freihandelsabkommen verhindert.
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    Bequeme Mythen gegen eine unbequeme Wahrheit
    "Die Klimawende schadet mehr als sie nützt"

    Behauptung: "Energiespar- und LED-Lampen sind gefährlich"



    Jahrelang wurde Panik gemacht gegen das Lichtspektrum von Energiesparlampen (Abwandlung der 100 Jahre alten Neonröhre); entsprechend jetzt wieder bei LED. Anhänger dieser Verschwörungstheorie können sich nach wie vor quasi konspirativ mit ihren stromintensiven Glühbirnen eindecken.
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    "Wir haben immer gesagt, dass die Energiewende scheitert"

    Inhalt

    Nachdem das deutsche EEG von vielen Staaten der Welt kopiert wurde und während die Erneuerbaren global einen Zubaurekord nach dem anderen feiern, kommt die German Energiewende nach jahrelangen Blockaden vorläufig zum Erliegen.
    Fossilökonomisten haben dazu ihre eigene Darstellung der Vergangenheit...


    ...weil", so schließt er messerscharf, "nicht sein kann, was nicht sein darf."
    aus dem Gedicht "Die unmögliche Tatsache" von Christian Morgenstern

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    ... und sie ziehen auch für die Zukunft wieder einmal ihre eigenen Schlüsse.


    Hermann Scheer hat das immer so schön gesagt, es ist eine Beleidigung der deutschen Ingenieure wenn sie sagen, dass wir das Energiesystem nicht erneuerbar machen können.
    Maja Göpel
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    Jahrzehntelang konnte man in der konservativen Tages-, Wirtschafts- und Boulevardpresse nichts Gutes über die Energiewende lesen - bis einschließlich 2019.
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    Die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen.

    Um 2010 erlebte die PV durch einen Preissturz in Deutschland einen Boom, auch weil die Einspeisevergütung nicht schnell genug zurückgenommen wurde: PV galt als überfördert, bei Privatkunden und Investoren herrschte Goldgräberstimmung. Viele Landwirte, die im gnadenlosen Wettbewerb der Agroindustrie zu viel Schulden aufgenommen hatten und denen nach der Finanzkrise deshalb der Bankrott drohte, retteten ihren Betrieb mit PV auf ihren großen Dachflächen.
    Nachdem 2011 das Potential der Erneuerbaren Energien für einen Großteil der Energieversorgung nicht mehr (wie in den Jahrzehnten zuvor) zu leugnen war, wurde dem Bürger Angst vor den Kosten der Energiewende gemacht. Die Verbraucherstrompreise ließ man zum Zwecke der Subventionierung von Großkunden weit höher steigen als nötig, und die Erneuerbaren wurden in einer groß angelegten Kampagne zum Preistreiber erklärt, eine Erzählung, die von vielen Politikern und Medien aufgegriffen wurde.
    Die Boulevardpresse stürzte sich auf das Thema.
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    2013 legte Peter Altmaier dem Bürger für die Energiewende eine Billion-Euro-Rechnung vor. Schlagzeile im Spiegel: "Altmaier warnt vor Kosten von einer Billion Euro."
    [Spiegel 2013]

    Die FAZ zog noch im Dezember 2017 eine vernichtende Bilanz der Energiewende, und setzte dem Eine-Billion-Euro-Mythos des Peter Altmaier noch eine Billion d'rauf:
    Zitat: "Doch obwohl die Bundesregierung seitdem Jahr für Jahr Dutzende Milliarden Euro auf die Bürger und Unternehmen umgelegt hat, ist absehbar, dass Deutschland das Ziel deutlich verfehlen wird – trotz des stark subventionierten Zubaus auf der gesamten Fläche: Der Ausstoß der Treibhausgase soll 2016 laut Prognose des Umweltbundesamts nur um 27,6 Prozent unter dem Vergleichswert von 1990 gelegen haben. [...]
    Das sind schlechte Ergebnisse für das Klima, obwohl laut dem Ökonomen Justus Haucap in den Jahren 2000 bis 2015 schon rund 150 Milliarden Euro in den Zubau der Erneuerbaren geflossen sind. „Volkswirtschaftlich gesehen ist das ein Drama. Viel schlechter könnte die Bilanz eigentlich nicht ausfallen“, sagt er zu den hohen Kosten der Energiewende und dem kläglichen Nutzen für die Umwelt. Mit zwei Billionen Euro sollten die Deutschen rechnen, wenn die Bundesregierung den jetzigen Kurs beibehielte und dabei die Emissionen um 70 oder 85 Prozent bis 2050 drücken wollte, haben Wissenschaftler der Akademien Leopoldina, Acatech und Union jüngst außerdem ausgerechnet." Zitat Ende.
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    Diese Panikmache verbreitet sich immer weiter wie Stille Post; bei ingenieur.de findet sich ein Beitrag des Wirtschaftswoche-Mitarbeiters Wolfgang Kempkens aus 2019, der "eine Billiarde" an Kosten des European Green Deal nennt, ohne irgendetwas zu belegen oder vorzurechnen. Zitat: "Ein nennenswerter Zubau an Photovoltaikanlagen, die derzeit eine Gesamtleistung von rund 42 Megawatt haben, ist in Deutschland kaum denkbar."
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    All diese Aussagen stehen in teils diametralen Gegensatz zu den zahlreichen Analysen großer Forschungseinrichtungen und Denkfabriken, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.

    Die bis dahin aufgewendeten Kosten allein für Fossilbrennstoffimport und -Subventionierung werden den genannten 2-Billionen-Betrag sehr wahrscheinlich bei Weitem übersteigen, geht man von der aktuellen Summe von ca. 100 Milliarden € pro Jahr aus.
    [Quaschning 2014]
    Nicht eingerechnet die Kosten durch Ressourcenkriege, Klimaschäden und deren Prävention. Doch vor allem: Energiewende bedeutet Investition in eine kostenlose Energieversorgung. Für jedes erreichte Prozent eigener Erneuerbarer Energie schlagen nur noch Wartungs- und Renovierungskosten zu Buche.

    Noch im Herbst 2019 behauptet der Vizepräsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Karl Haeusgen bei Maybrit Illner, die Energiewende sei ein finanzielles Desaster, und die Technologiefrage im PKW-Bereich sei noch völlig offen. Zitat: "Es ist nicht eine Frage, wieviele Milliarden wir einsetzen, sondern ob wir sie effizient einsetzen, und wenn ich mir die bisherige Energiewende anschaue, dann sind bisher viele, viele, viele, viele [...] Milliarden sehr, sehr, sehr ineffizient eingesetzt worden und das ist das, was mir Angst macht. Sie haben dieses Batterieprojekt vorangetrieben und Sie haben Volkswagen gerufen in der E-Mobilität. Wer redet über die Brennstoffzelle, wer redet über das Projekt Power-to-X? Das sind Technologien, die vermutlich langfristig CO2-mäßig die bessere Bilanz haben als die batteriebetriebene Elektromobilität." Zitat Ende.
    [Illner 2019] 61'20''
    Damit nährt er das fossilökonomistische Narrativ von den Innovationen, die nötig sind, um die Verkehrswende zu schaffen. Als wären bisher noch keine tauglichen Alternativen entwickelt worden.

    Dass die FAZ mittlerweile einen Kurswechsel beim Thema Energiewende vollzogen hat, lässt hoffen. Es hängt wohl damit zusammen, dass die FAZ stärker mit der internationalen Finanzwelt verwoben ist, die eine massive Umschichtung von Kapital aus fossilen in Erneuerbare Energien ankündigt. Das Handelsblatt z.B. hat diesen Schritt schon vorher vollzogen.

    So wie in der Springer-Zeitung "Die Welt" nach wie vor Klimaskeptiker zu Wort kommen, so kommen hier auch immer noch gewichtige Gegner der Energiewende zu Wort. So fällt der Vorsitzende der Max-Planck-Gesellschaft noch im August 2019 über die Energiewende ein vernichtendes Urteil: "Die Grundidee der Energiewende ist absolut unsinnig". Bei näherem Hinsehen kritisiert Robert Schlögl lediglich eine mögliche Fixierung auf Batteriespeicher. Allein ist mir kein einziger Experte bekannt, der hier widersprochen hätte: nur mit Akkuspeichern ohne P2X-Brennstoffe ist keine 100%ige Energiewende zu schaffen, wir brauchen P2X als Saisonspeicher. Schlögl stellt mit keiner Silbe den Einsatz von Blockheiz-Gaskraftwerken, Ausbau von P2X, Windrädern und PV-Anlagen in Frage. Die Möglichkeit der Verkehrswende zieht er gar nicht in Betracht. Insofern ist seine Aussage auf die Energiewende, wie sie von echten Energieexperten entworfen wird, gar nicht anwendbar, nicht valide.
    Er lässt sich jedoch häufig von rechtskonservativen Medien zum Thema zitieren, die Argumente gegen die Energiewende suchen. Man findet diese, wenn man "Schlögl Energiewende" in einer Suchmaschine eingibt. Spätestens dann bemerkt man, dass er gar kein Energieexperte ist, sondern Professor für die Katalyse von Grenzflächenreaktionen.
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    Schlögl erinnert mich persönlich in seiner Rolle an Frederic Seitz, der ganz oben in den Top 10 der Klimaskeptiker des 20. Jahrhunderts stand, und als Vorsitzender der altehrwürdigen United States National Academy of Sciences hohes Ansehen genoss.

    Am Rande bemerkenswert ist noch Schlögls recht unorthodoxe These, dass im Elektrooauto eine Reichweitenverlängerung mit Mikro-Gasturbinen sinnvoller sei als die stationäre Stromproduktion mit Kraft-Wärme-Kopplung - ob er sich damit nicht verschätzt, darüber wird die Zukunft entscheiden. Die 2/3 Energieverluste der Gasturbine geht jedenfalls beim Einsatz als Range Extender weitgehend verloren, als Generator bei der KWK dagegen nicht - hier wird die Abwärme zum Heizen genutzt.

    Diese völlig verzerrte Sicht der Dinge in bedeutenden Institutionen des deutschen Journalismus wird verständlich, wenn man ihre Bedeutung im politischen System anerkennt, und die tiefgreifende Vernetzung des politischen Systems mit der Fossilwirtschaft betrachtet.

    Die FAZ und Die Welt werden bevorzugt gelesen von der konservativen Elite des Landes. Sie vertraten den Kurs der Merkel-Regierungen, die versucht haben, die Energiewende im Sinne der ursprünglichen "Deutschland AG", also fossilbasiert, zu moderieren, Kritiker wie ich sagen zu blockieren.
    Deutschland AG

    Die SPD leidet seit Gerard Schröder unter einer Unterdrückung linker Positionen, so wie bei den Gewerkschaften (von Kritikern als "der Genosse der Bosse" bezeichnet) die industrienahen Kräfte dominieren, sinngemäß nach dem Slogan: "sozial ist, wer Arbeit schafft".

    Dieser Satz wurde 1933 geprägt vom Vorsitzenden der rechtskonservativen DNVP (die Hitlers Machtübernahme ermöglichte), Alfred Hugenberg, und wurde später oft abgewandelt wiederholt, u.a. vom INSM, Angela Merkel und Guido Westerwelle.
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    In der SPD liest man u.a. den Spiegel, der mit der Spiegel-Affäre in den 60er Jahren als investigatives Blatt berühmt wurde und bis zur Jahrtausendwende das wichtigste Organ der linksliberalen Elite darstellte. Seit der Übernahme durch die Mohn-Gruppe hat er aber eine starke Wandlung durchgemacht. So wie die FDP, die seit der "geistig-moralischen Wende" Helmut Kohls (die u.a. durch den Koalitionswechsel der FDP) keinen Nachwuchs ihres linken Flügels mehr verzeichnen kann - weil er unerwünscht ist. So schreibt der Spiegel heute bestenfalls reserviert gegenüber und den Warnungen des IPCC, also ebenfalls im Sinne der Fossil-Industrie. Die Wandlung war besonders deutlich unter dem Chefredaktions-Mitglied Nikolaus Blome zu spüren, der vorher und nachher in der Redaktion des konservativen Boulevard-Blatts Bild-Zeitung die Nr. 2 war. Mit dem Sohn des Spiegel-Gründers Jakob Augstein liefert er sich regelmäßig ein Rededuell beim öffentlich-rechtlichen Politik-Spartensender Phoenix.
    [wikipedia 2020 - Nikolaus Blome]

    Wie aus der SPD, so hat sich auch aus dem Spiegel eine linke Gruppierung abgespalten, die unter demselben Jakob Augstein eine eigene Wochenzeitung publiziert:
    Der Freitag.

    Um das alles zu verstehen, muss man die personellen Vernetzungen von CDU, SPD, FDP und Gewerkschaften mit Industrie und Finanzwirtschaft kennen. In jüngster Zeit kommen auch Mitglieder der Grünen dazu.

    CDU und SPD werden bei Parteispenden aus der Industrie meist deutlich bevorzugt.
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    Das zeigt die NGO Abgeordnetenwatch durch ihre Auswertung der Vergabe von Hausausweisen zum Deutschen Bundestag durch die Parteien.
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    Sie werden stark beeinflusst von Fossilwirtschafts-Lobbyismus. CDU und FDP wehrten sich jahrelang gegen ein Lobbyisten-Register. Auch die GroKo hat bis heute kein entsprechendes Gesetz geschaffen, trotz anhaltender, lautstarker Forderungen der Zivilgesellschaft.
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    Die Bundestagsverwaltung begründet seit Jahren die Geheimhaltung der Spenden mit Verwaltungsvorschrifen. Gegen diese Verwaltungsakte hat die Nichtregierungs-Organisation abgeordnetetenwatch 2016 beim Verwaltungsgericht Berlin Klage erhoben.
    2018 erklärte sich die CDU endlich zur Umsetzung bereit - aber selbst im April 2020 ist nichts beschlossen, stattdessen geht das Taktieren weiter.
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    Die Verhandlung des Bundesverwaltungsgerichts beginnt am 17.06.2020.
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    Bezeichnend die Antwort des Regierungssprechers Seibert auf der Bundespressekonferenz vom 04.09.2019 auf die Frage von Tilo Jung, warum immer noch kein Gesetz vorläge. "Es gibt keinen Grund für Misstrauen gegenüber der Politik, im Gegenteil."

    Wie weit der Einfluss der neoliberalen Wirtschaft in Berlin geht, zeigt das Beispiel Freshfields Bruckhaus Deringer. Diese englische Großkanzlei berät einerseits die Bundesregierung bei der Gestaltung von Finanzgesetzen, und andererseits Banken bei der Gestaltung von Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäften.
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    Ein wichtiger Gestalter der Cum-Ex- und anderer kreativer Steuermodelle ist der Steueranwalt Hanno Berger; seine umstrittene Kundschaft reicht vom Schlachtindustriellen Clemens Tönnies bis zum Finanzier Carsten Maschmeyer, einem Förderer von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Berger steht vor Gericht, sieht aber die Schuld bei der Bundesregierung, die nicht alle Gesetzeslücken geschlossen habe.
    [Wikipedia 2020 - Hanno Berger]
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    Der damalige Regierende Bürgermeister von Hamburg und jetzige Finanzminister Olaf Scholz (SPD) steht im Verdacht, die Verfolgung der Warburg-Bank wegen Cum-Ex-Geschäften durch seine Finanzbehörden beeinflusst zu haben.
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    Das Finanzministerium hatte damals mehrfach die Hamburger Behörden angewiesen, das durch Betrug eingenommene Geld zurückzufordern. Im Untersuchungsausschuss 2020 zu Gesprächen mit den Tätern befragt, beruft sich Scholz auf Erinnerungslücken und stellt strengere Gesetze zur Verjährung solcher Taten in Aussicht - dabei wurden in seinem Ministerium gerade erst neue Gesetze erlassen, die bei der Verjährung großzügiger sind.
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    Die ermittelnden Behörden sind personell völlig unterbesetzt, obwohl es um mindestens 33 Milliarden an Schäden für den deutschen Steuerzahler (EU-weit 55 Milliarden) geht - es droht die Verjährung der meisten Verbrechen. Verantwortlich für die Ermittlungen ist die Landesregierung NRW unter Ministerpräsident Laschet (CDU).
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    Die bisherigen wenigen Urteile sind sehr milde, meist droht Verjährung: die ältesten Fälle datieren auf 2001. 2002 bekam das Finanzministerium die ersten Hinweise.
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    Besonders prekär vor dem Hintergrund, dass lange vor dem Skandal der amerikanische Gesetzgeber ähnliche Geschäfte unterbunden hat, wie Karsten Polke-Majewski und Christian Salewski in der Zeit berichteten.
    Zitat: "Kein Wunder, denn während sich in den USA die Tür schließt, stößt der deutsche Gesetzgeber sie 2007 mit einer Gesetzesänderung weit auf. Der Bundesverband deutscher Banken hatte sich gemeldet: Es könne schon mal passieren, dass eine Aktie zwei Eigentümer habe – einen wirtschaftlichen und einen juristischen. Die Kapitalertragsteuer werde dann vom Staat doppelt erstattet. Der Verband hat auch schon einen Formulierungsvorschlag für ein neues Gesetz parat. Eine junge Beamtin aus Nordrhein-Westfalen warnt: Der Bankenverband wolle die Geschäfte auf Kosten des Staats nicht unterbinden, sondern im Gesetz verankern. Doch niemand hört auf sie. Der Vorschlag des Bankenverbands wird mit dem Jahressteuergesetz 2007 umgesetzt und wirkt wie ein Brandbeschleuniger für Cum-Ex." Zitat Ende.
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    Dänemark erlässt neue Gesetze gegen Steuerbetrug.
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    Dass diese skandalösen Geschäfte bekannt wurden, ist dem hochkarätigen Recherche-Netzwerk correctiv zu verdanken.
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    In der Subprime-Krise 2008, in der die Bundesregierung innerhalb kürzester Zeit riesige Summen zur Rettung von Banken mobilisierte, prägte Kanzlerin Angela Merkel den Begriff der marktkonformen Demokratie.
    Barbara Eisenmann produzierte 2018 für SWR2 ein Feature zum Thema:
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    Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments.
    Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten,
    dass sie trotzdem auch marktkonform ist,
    also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben.
    Dr. Angela Merkel

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    Der deutsche Finanzminister sollte eigentlich die Besteuerung von Finanztransaktionen vorantreiben, die spätestens seit der letzten Finanzkrise massiv gefordert werden. Doch nach einem langen Prozess legt er 2020 einen Vorschlag vor, der v.a. die Interessen der Finanzindustrie bedient und Kleinanleger benachteiligt. Deshalb wird er von Österreich abgelehnt.
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    Sein neuester Kompromissvorschlag belastet ebensowenig den Hochfrequenzhandel, sondern entlastet nur die Kleinsparer mit der Anhebung eines Steuerfreibetrags.
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    Der Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) ist unmittelbar nach einem deutsch-russischen Gas-Deal (der den Bau der Pipeline Nordstream umfasst) von der Bundesregierung zur russischen Fossilwirtschaft gewechselt. Er nennt Vladimir Putin einen "lupenreinen Demokraten", obwohl dieser für undemokratische Methoden kritisiert wird.

    Sein politischer Nachfolger, Vizekanzler Sigmar Gabriel engagierte sich 2015 gegen Widerstände aus der CDU besonders für die zsätzliche Gaspipipeline Nordstream 2, die die Ukraine umgeht.
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    Das ist auch außenpolitisch höchst brisant, weil in der Zwischenzeit die Ukraine ihre Bündnistreue zu Russland aufgekündigt hat, u.a. als Folge des Gasstreits 2004 und amerikanischer Einmischung in die Maidan-Proteste 2013.
    [Wikipedia 2020 -Russland - Beziehungen zur Ukraine]
    [Wikipedia 2020 - Euromaidan]
    Gabriel wurde schon als nächster Cheflobbyist der deutschen Automobilindustrie gehandelt, hat sich aber davon wieder zurückgezogen. Dann prüfte er den Wechsel in die Wirtschaftsberatung. Sein Insider-Wissen ist von unschätzbarem Wert. Das kommt jetzt wohl der Deutschen Bank zugute
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    Schröders Wirtschaftsminister Wolfgang Clement war vorher Ministerpräsident des Stein- und Braunkohle-Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und deshalb stark vernetzt mit dem lokalen Stromversorger RWE. Er überwarf sich mit Parteikollegen, die die Parteilinie ändern wollten, weg von der Fossilwirtschaft (die wiederum eng mit den klassischen SPD-nahen Gewerkschaften vernetzt war) hin zur Energiewende in Bürgerhand. Clement verließ die Partei 2008 und wurde 2009 Testimonial, 2012 Kuratoriumsvorsitzender der INSM.

    Friedrich Merz, ein potentieller Kanzler-Kandidat der CDU, war schon als aktiver Politiker bis Januar 2020 Deutschland-Chef der weltgrößten Vermögensverwaltungs-Gesellschaft BlackRock. BlackRock hat in seiner Wirkungszeit bis zuletzt massiv in Fossilwirtschaft investiert, noch 2019 sogar seine Investments in Kohle erhöht.
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    Diese Aufstellung ist nur die Spitze eines Eisbergs. Sie ließe sich noch weit detaillierter und mit zahllosen Parteikolleg*innen über zig Seiten fortsetzen, Ressourcen dazu siehe unten, z.B. bei lobbycontrol und abgeordnetenwatch.

    Aber auch einzelne Spitzenpolitiker der Grünen demonstrieren immer deutlicher ihre Bereitschaft, sich im Berliner Machtapparat zu vernetzen; der Rest der Partei verhält sich dazu auffallend ruhig. Matthias Berninger wird Cheflobbyist von Bayer-Monsanto.
    [Wikipedia 2020 - Matthias Berninger]
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    Kerstin Andreae wird Cheflobbyistin der Energie- und Wasserlobby (BDEW) - hier darf man gespannt sein. Bisher (April 2020) ist dort noch kein Richtungswechsel abzusehen.
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    "Wir haben immer gesagt, dass die Energiewende scheitert"

    Fossilökonomisten wissen am besten, wie Klimaschutz geht

    Die drei großen Erfolge der Fossilökonomisten aus der Vergangenheit.
    Und nicht minder große Pläne für die Zukunft.





    Weltweit war der Zubau der Onshore-Windkraft 2019 auf Rekord-Niveau - während er in Deutschland praktisch auf Null abgesunken ist.
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    Auch PV ist so günstig geworden, dass sie nicht mehr subventioniert werden muss.
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    Doch anstatt die günstigen Preise selbst zu nutzen, lassen wir andere profitieren.

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    [IRENA 2018]

    Der drohende PV-Deckel ließ den Zubau noch einmal boomen - um die letzte Möglichkeit einer Einspeisevergütung zu nutzen. Weil sich jetzt der Deckel schließt, wurden viele Projekte aus Unsicherheit bereits nicht mehr geplant. Die Bundesregierung feiert den Boom, den Absturz könnte man möglicherweise auch mit Corona erklären.


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    Doch international gesehen sind in der Corona-Krise die Erneuerbaren der einzig verbliebene Energiesektor, der wächst.

    Außerdem wurde diese Krise schon vor Corona angesagt.
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    Deutsche Gasturbinen - unverzichtbar für die Sektorenkopplung und damit die Energiewende - sind mit die besten der Welt. Dennoch stellt Siemens 2015 seine deutsche Produktion ein. 1400 Arbeitsplätze gehen verloren.
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    Der Infrastruktur- und Arbeitsplatzverlust in einer der wichtigsten Zukunfts-Branchen ist katastrophal, aber die Medien beschäftigen sich mit dem drohenden Arbeitsplatzverlust durch einen längst überfälligen Strukturwandel in den Kohle-Regionen, der allein zahlenmäßig nur einen kleinen Bruchteil davon ausmacht.
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    Der unverzügliche Wechsel zu Erneuerbaren Energien ist keine Last, sondern die größte greifbare soziale und wirtschaftliche Zukunftschance.
    Hermann Scheer

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    Wie sich aus den Grafiken entnehmen lässt, kann man seit etwa 10 Jahren (CDU-Regierung mit FDP, dann mit SPD) von einer Energiekehrtwende in D sprechen. Peter Altmaier (CDU), der seit 2013 als Kanzleramts- und dann als Wirtschaftsminister federführend beteiligt war, bezeichnet gerade die Politik dieser Zeit als weltweit vorbildlich: "Und es gibt weltweit viele Länder, die sich genau an diesem Beispiel orientieren, weil wir in Deutschland Umweltschutz und Wohlstand unter einen Hut bringen konnten in den letzten zehn Jahren. Das soll auch in Zukunft so bleiben."
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    Staatssekretär Thomas Bareiß findet's toll.

    Die deutsche Bürger-Energiewende hat die Erneuerbaren global konkurrenzfähig gemacht. Der Videokanal "Leben mit der Energiewende" warnt vor aktuellen Plänen der Netzbetreiber, tiefgreifend in die Energiesouveränität der Eigen-PV-Produzenten einzugreifen (Stand April 2020): "das Ende der Bürgerenergiewende".


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    Währenddessen steht nach Gesetzeslage vom September 2020 die Zwangsabschaltung von 18.000 Altanlagen der Bürgerenergiewende 2021 bevor, und von weiteren hunderttausenden in den Folgejahren.
    [Hirsch 2020]

    Eine Bürgerenergiewende würde die Monopole der Energieversorger zerstören. Das würde den Staat zwingen, neue Steuerquellen zu erschließen. Der globale Steuer-Unterbietungswettbewerb wird in der globalisierten Wirtschaftswelt nicht adressiert, und so lassen sich deutsche Arbeitsplätze von heute wieder gegen die Klimaschutz-Interessen der Generationen von morgen ausspielen. Die Tatsache, dass manche Kommunen an Energieversorgern beteiligt sind, erschwert die Lage: die Profite werden gebraucht, um die klammen Kommunal-Haushalte zu stützen, und wieder stellt sich die Frage der Finanzierung.
    Der Referentenentwurf zur EEG-Reform 2020 wird heftig kritisiert: er zementiert die Vormacht der Energieversorger und macht die Bürgerenergiewende zunichte.




    Wasserstoff ist das Öl von morgen.
    Anja Karliczek


    Meine Bilanz zur Nationalen Wasserstoffstrategie:
    Es werden erst einmal weiter unnötig große Mengen Öl verbrannt, bis Wasserstoff, das nächste Öl, flächendeckend verfügbar ist. Eine Förderung neuer privater PV-Anlagen für einen günstigen Betrieb von Wärmepumpen und Elektroautos ist nach derzeitiger Gesetzeslage (Stand April 2020) nicht vorgesehen. Netzbetreiber bereiten weitere Beschränkungen vor.

    Im Mai 2020 steht der jahrelang drohende PV-Deckel unmittelbar vor dem Verschluss. Die Abstandsregelung bei Windkraft ist offen. Eine Zwangsabschaltung der Altanlagen droht, weil ihr Weiterbetrieb nicht geregelt ist. Was anderswo Zukunft ist, wird bei uns abgesagt, und nicht einmal mittelfristig gibt es irgendeine Planungssicherheit.
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    Die Verhandlungen der GroKo bewirken vor allem eines: Verzögerung. Die Berichte hierüber lassen Zweifel über die Motivation der Beteiligten aufkommen. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU Joachim Pfeiffer beharrt auf einer bundesweiten 1000m-Abstandsregel, weil dies entscheidend sei für die Akzeptanz in der Bevölkerung. Den SPD-Vorschlag einer Gewinnbeteiligung von Anwohnern lehnt die CDU ab. Außerdem knüpft sie ihre Zustimmung zum Heben des PV-Deckels an das Zugeständnis der SPD bei der Abstandsregel.
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    Und wieder stehen tausende Existenzen in den Erneuerbaren Energien auf dem Spiel. Am Ende war's ja vielleicht auch Corona... Man darf gespannt sein, was für Rettungsmaßnahmen der GroKo für die Verbrenner-Industrie einfallen.

    Verbrenner-Hersteller, die die Elektrisierung verschlafen haben, plädieren nach Corona nicht für den Green Deal, sondern für eine neue Abwrackprämie. Ob die kommt oder nicht, ihnen dürfte weder das Elektroauto noch das Wasserstoffnetz für die versprochenen Brennstoffzellen-Autos keine schlaflosen Nächte bereiten. Denn sie wissen, dass der schlagende Kostenvorteil der Elektroautos - Betrieb mit Eigen-PV-Strom - gerade blockiert wird, und vor allem wie lange schon die Stromtrassen blockiert werden. Das Theater wegen Pipelines, die Knallgas transportieren, kann man beliebig eskalieren lassen.

    Wie schon gesagt, bei dem Stichwort Öl werde ich immer hellhörig.

    Die fossile Technologie Kohlekraft dagegen bekommt eine Bestands- und Finanzierungsgarantie über Jahrzehnte, gerade in Datteln wurde ein neues Kraftwerk hochgefahren.
    Erneuerbare Energien werden behindert, fossile subventioniert.

    Was soll ein junger Mensch, der sich informiert, über seine Zukunft denken? Woher seine Zuversicht nehmen? Überall auf der Welt regt sich Widerstand gegen das fossile System.
    Wie soll er sein Geld für Wohnen, seine Mobilität, seine Altersversorgung investieren? Vor allem: wie soll er sich beruflich entscheiden? Ich kann es ihm nicht guten Gewissens sagen. Gesetzt den Fall, ich riete ihm zu einem Beruf im fossilen System - bei Business-as-usual hieße das Zerstörung seiner eigenen Lebensgrundlagen, bei Disruption Arbeitslosigkeit. Oder ich riete zu Berufen in der Klimawende - bei Ausbleiben der Klimawende wäre das Risiko von Arbeitslosigkeit ebenfalls hoch.



    If the rate of change on the outside is greater than the rate of change on the inside,
    the end is near.
    Jack Welch, former CEO, General Electric






    Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) stellte auf einer Keynote des Industrieverbands bitkom noch Ende 2018 die Entwicklung selbstfahrender Autos als wichtiger dar als die Umstellung des Antriebs. Mit einer herabsetzenden Bemerkung versucht er zu beschönigen, dass die deutsche Automobilindustrie bei der Entwicklung von Elektroautos nicht ihrem Selbstverständnis als Weltspitze entspricht.


    [Einen] Rasierapparat auf 4 Rädern, den wird ja irgendwann jeder mal zusammen nageln können, nämlich [ein] Elektroauto.
    Andreas Scheuer


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    Eine investigative Reportage aus der Reihe Frontal 21 des ZDF erlaubte dem Interessierten 2011 einen hervorragenden Einblick in das Deutschland in den frühen Jahren des globalen Mega-Booms. Zu Beginn mahnt der Leiter der internationalen Energieagentur Fatih Birol, "das Öl zu verlassen, bevor es uns verlässt" (im Video ab 7'43''). Heute warnt er vor der Klimakrise und betont die Potentiale einer Energiewende.

    Noch 2009 verkündete Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg das "Ziel, Deutschland zu einem Leitmarkt für Elektromobilität zu machen." Umweltminister Sigmar Gabriel berichtete von der Ankündigung der Industrie, 2011 Elektromodelle auf den Markt zu bringen (im Video ab 31'35'').
    Als es dann soweit sein sollte, stellte Matthias Wissmann, der damalige Präsident des Verbandes der Automobilindustrie VDA, für 2012/13 Modelle in Aussicht, die mit Verbrennern auch preislich konkurrieren können:
    "Wenn wir [die Deutsche Autoindustrie] auf den Markt kommen - in diesem langen Marathonlauf zu den erfolgreichsten und besten E-Autos, dann kommen wir mit Autos auf dem Markt, die genauso gut sind, wie unsere Autos mit Verbrennungsmotor. Sie können davon ausgehen, dass 2012/2013 alle großen deutschen Automobilhersteller mit solchen Fahrzeugen auf den Markt kommen. Und die werden dann beim Verbraucher auch mehr Anklang finden, als das ein oder andere, manchmal auch nicht so ganz überzeugende Modell aus Asien." (im Video ab 39'50'')
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    Der einzige Hersteller, der hier 2012 in einer Fahrzeugklasse nennenswert punkten konnte, war der US-Pionier Tesla mit dem Model S in der Oberklasse.
    Kompakt- und Mittelklasse- Elektroautos waren zu dieser Zeit nur für Leute gebaut, die bereit waren, aus Umweltgründen deutlich mehr zu bezahlen: lange Zeit führten die vom visionären Renault-Nissan Chef Carlos Ghosn vorangetriebenen Modelle Nissan Leaf (2010 Japan) und Renault Zoe (2012 Frankreich) die Verkaufslisten an, wenn auch mit vergleichsweise bescheidenen Zahlen, dazu kam 2013 aus Deutschland der technologisch ambitionierte BMW i3, der mit seiner teuren Carbon-Alu-Karosse seiner Zeit ähnlich voraus war wie seinerzeit Audi mit dem A2 (in der Silhouette sind die beiden Autos sehr ähnlich).
    Preislich attraktive Modelle der Mittelklasse kamen erst mit dem ersten deutlichen Preisverfall der Akkus, zuerst Koreaner: 2016 Hyundai mit dem Ioniq und 2019 Kia mit dem e-Niro.
    Der VW e-Golf kam 2014 und verkaufte sich wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses so schlecht, dass 2019 die Produktion gestoppt wurde.

    Die Sendung hat mich damals bewogen, (mangels ÖPNV und weiter Wege) ernsthaft über die Anschaffung eines Elektroautos nachzudenken. Nach etwas Bedenkzeit begann ich mit dem Elektro-Umbau eines Rasierapparats Audi A2 mit einem Bausatz von Heiko Fleck, auch mangels Zutrauen an die etablierten Hersteller, mit LiFePO4-Akkus, die nur aus chinesischer Produktion zu haben waren. Nach über 40.000km und sogar einer (selbstverschuldeten) Tiefentladung, die wegen des geringen Stroms eine Rettungsaktion ermöglichte), zeigen 66 der 68 Akkus die gleiche Kapazität wie die beiden, die ich 2018 ersetzen musste. Auch dieser Ausfall wäre vermeidbar gewesen. (Ich hatte bei diesem Akkupaar das Schutzelektronik-Modul überbrückt, und ausgerechnet dieses Modul hätte als erstes die Ladung beenden müssen.)
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    2017 erwarben wir für meine Frau - nach vielen positiven Erfahrungsberichten - einen Renault Zoe und sind damit sehr zufrieden.

    Die große Masse der unentschlossenen Autokäufer wird im Winter 2019/20 zusätzlich durch eine Verzögerung der angekündigten Aufstockung der Kaufprämie vom Kauf eines Elektroautos abgehalten. Bis zur Autokauf-Saison im Frühjahr 2020 wurde sie hinausgezögert.
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    Zwei Jahrzehnte lang mussten Klimaschützer mit ansehen, wie Millionen Kunden mit immer neuen (geringen) Steuernachlässen für neue Abgasnormen zum Kauf zigtausend-Euro teurer Neuwagen geködert wurden, die keinen Deut weniger CO2 ausstießen, und hinterher noch wunders dachten, was sie damit für die Umwelt getan hätten. Es war vielen nicht klar, dass die Klimarelevanz der Stickoxid-Schadstoffe gegen Null geht. Selbst der Dieselskandal konnte daran nichts ändern, im Gegenteil: die Desinformations-Kampagnen gegen die damals schon verfügbaren Elektroautos verfingen so gut, dass die allermeisten enttäuschten Dieselfahrer sie verschmähten und statt dessen massenhaft auf Benziner umstiegen - die oft noch mehr CO2 ausstießen als Diesel.
    Wie erfolgreich die Verbrenner-Industrie mit ihrer Absatzpolitik ist, zeigt v.a. der Zulassungsrekord für die besonders klimaschädlichen SUV unmittelbar vor dem Durchbruch der Elektroautos in Deutschland.
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    Falls der Druck aus China und dem Rest der Welt für einen massiven Preisverfall nicht reicht, droht nach dem Boom der Benziner wohl zuerst noch einer der Hybrid- und dann noch einer der Plugin-Hybride.
    Dafür wird Einiges getan: Altmaiers Blockade von Eigen-PV trägt dazu bei, dass der Preisvorteil von Elektroautos nicht zu groß wird. Der Ladestationen-Verbund der deutschen Autohersteller Ionity sichert sich zwar die besten Standorte, verlangt aber für Verbraucher unwirtschaftlich hohe Preise, mahnt Volker Quaschning.
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    Die im Premiumsegment boomenden Plugin-Hybride ließen sich je nach elektrischem Nutzungsanteil unterschiedlich besteuern - allerdings verzichtet der Staat darauf, die Diagnosegeräte auszulesen. So brüsten sich manche Fahrer dieser Boliden, das Ladekabel noch originalverpackt und genießen die Subventionen durch Kaufprämie und privilegierter Dienstwagen-Besteuerung.

    Ein Anlass mehr für kalifornische Entwickler, die deutsche Vormachtstellung im Automobilsektor in Frage zu stellen.
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    Mit der Massenmotorisierung wurde das effizienteste öffentliche Verkehrsmittel zum Stiefkind der deutschen Verkehrspolitik. Trotz der vielen Mittelgebirge hatte Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg den großen Aufwand nicht gescheut, eine kleinmaschige Infrastruktur zu schaffen. In den USA war das Schienennetz viel weitmaschiger - auch da, wo die Topographie günstige Trassen ermöglicht.
    Die ersten Jahrzehnte nach dem Krieg waren gekennzeichnet von einer zunehmenden Streckenstilllegung. In den 90ern wurde die Zerstörung unter drei aufeinander folgenden Ex-Daimler-Benz-Managern massiv forciert. Dabei fallen mir etliche Punkte ein, die sogar europäische Bahnprojekte betreffen.

    • während im Rest von Europa auch Nebenstrecken nach und nach elektrifiziert wurden, werden 2020 in Deutschland noch flächendeckend Dieseltriebzüge eingesetzt, die die CO2-Bilanz massiv verschlechtern, vor allem bei der (attraktivitätsbedingt) sehr geringen Auslastung der Züge; zur Elektrifizierung wird allen Ernstes der Einsatz von Brennstoffzellen diskutiert
      [Fockenbrock 2020]
    • die Stunden-Taktung der Züge, die in der Schweiz auch im Verbund mit Bussen hervorragend funktioniert, ist in Deutschland ein großes Zukunftsprojekt; die Gegenwart ist geprägt durch Sparen bei Material, Personal und viel zu kurzen Anschlusszeiten - ergo: massenhaften, teils stundenlangen Verspätungen
    • obwohl in Italien seit Jahrzehnten auf kurvenreichen Nebenstrecken zeitsparend im Einsatz, setzt sich Neigetechnik in Deutschland nach einer desaströsen Einführungsphase nicht durch
    • Nachtzüge betreibt die DB seit 2016 nicht mehr; die Wagen wurden verkauft, z.T. an die ÖBB
      [Wikipedia 2020 - Schlafwagen - Entwicklung in Europa ab 1990]
    • im selben Jahr fielen auch Autoreisezüge dem Rotstift zum Opfer; einige werden privat weiterbetrieben
      [Wikipedia 2020 - Autoreisezug]
    • im europäischen Fernstreckenprojekt Nordsee-Italien ist der Ceneri-Alpentunnel mindestens 15 Jahre früher fertig als die deutschen Lücken
    • der neue unterirdische Durchgangsbahnhof Stuttgart 21 kostet Bahn und öffentliche Hand Unsummen, die weit über die geplanten Kosten hinausgehen, und verlängert an einem zentralen Netzknotenpunkt die Fahrzeiten
      - dafür schafft er oberirdisch neue Flächen, die ausgiebig für lukrative Immobilienspekulationen genutzt wurden; die Verantwortlichen haben enge Verbindungen zu den Profiteuren
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    • der Ausbau der Berliner S-Bahn dauert Jahrzehnte
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    Der Interessenverband Allianz Pro Schiene zeigt in seinen Infografiken die desaströse Lage der Bahn in Deutschland. Wenn Verkehrsminister Scheuer Milliardeninvestitionen ankündigt, wird eine signifikante Besserung - wenn überhaupt - erst in Jahren bemerkbar sein. Die Milliarden wollen auch wirklich ausgegeben werden. Dafür braucht es langfristige Planungen, die jahrelang verschleppt wurden.





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    Fossilökonomisten erklären ihre überlegene Kompetenz beim Klimaschutz: sie setzen auf Emissionshandel, Kompensationen und Innovationen.


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    Langfassung: Verknüpfung

    Eine CO2-Steuer ermöglicht den Beteiligten eine einfache Kalkulation.
    Fossilökonomisten bezeichnen sie dagegen als Planwirtschaft, weil der Preis nicht durch den Markt bestimmt, sondern politisch festgelegt wird. Sie favorisieren das EU-weit beschlossene Modell des Zertifikatehandels, weil der Markt (mit Adam Smiths "unsichtbarer Hand") den CO2-Preis bestimmt.
    Bei dieser Darstellung verschweigen sie, dass das Emissionsminderungsziel, das durch Ausgabe der Emissionszertifikate festgelegt ist, genauso Planwirtschaft bedeutet. Aber noch viel planvoller ging die Bundesregierung vor: von 2005-2019 wurden Zertifikate für etwa vier Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente kostenlos ausgegeben und der Preis damit für Jahre verdorben. Bis 2012 wurden damit naehzu alle Emissionskosten deutscher Unternehmen eliminiert.
    Verknüpfung (pdf-Dokument, Seite 50)

    Verknüpfung (Reiter "allowances and emissions")
    Erst nach 14 Jahren dieses "marktwirtschaftlichen Handels" ist der Preis 2019 endlich auf ein erkennbar wirksames Niveau gestiegen, doch immer noch weit von dem Wert entfernt, den die Wissenschaft als ausreichend ansieht.
    Außerdem besteht, wie bereits mehrfach ruchbar wurde, ein hohes Risiko von Spekulation und Betrug.
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    Manche Experten prognostizieren sogar negative Effekte:
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    Spekulation bedeutet die Möglichkeit kontraproduktiver Preisausschläge nach oben (schlecht für Unternehmen) und unten (schlecht für die Umwelt). Das IKEM spricht von einer potentiellen Zeitbombe.
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    Als Beispiel findet man hier - ausgerechnet - die Kohleverstromung in Ostdeutschland:
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    Außerdem hält das IKEM den Emissionshandel für verfassungswidrig.
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    Fossilökonomisten rechnen vor, dass durch das "Marktinstrument" des Emissionshandels die CO2-Reduktion wesentlich billiger erreicht wurde als durch das EEG. Sie übersehen dabei "nur", dass ohne die EEG-Subventionierung wahrscheinlich kaum ein privater Investor die Erneuerbaren seit Einführung des Emissionshandels bis heute zur Marktreife entwickelt hätte - eine bezahlbare Energiewende heute also schlicht unmöglich wäre. Der FAZ-Gastautor Joachim Weimann rechnet außerdem alle Sektoren mit ein, auch die, bei denen der Emissionshandel bisher null Wirkung entfalten konnte (Verkehr und Wohnungsheizung).
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    Der Film "The Story of Cap and Trade" (aus der empfehlenswerten Serie "The Story of...") zeigt sehr anschaulich: der Emissionshandel bietet zwar viele Chancen auf Profite - die allerdings nicht der Allgemeinheit zugute kommen, sondern nur Investoren. Dafür birgt er hohe Risiken von Betrug, der letztlich für alle katastrophale Folgen hat: mehr CO2. Z.B. die CO2-Kompensationen: wer CO2 vermindert, bekommt Emissionsrechte, die er wiederum verkaufen kann. Hier wurden bereits verschiedene betrügerische Geschäftsmodelle beobachtet.


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    Fossilökonomisten rechnen auch besonders gern mit Kompensationen. Obwohl die Menschheit alle Möglichkeiten nutzen muss, bereits vorher emittiertes CO2 aus der Atmosphäre zu sequestrieren, ohne damit neue, zusätzliche Emissionen auszugleichen. Denn die Möglichkeiten der Sequestrierung sind ohnehin stark begrenzt, sie sind unverzichtbare, eng begrenzte Ressourcen im Klimaschutz.

    Kohlekraft mit klassischem CCS (Carbon Capture and Storage) in ausgebeuteten Kavernen erhöht den Strompreis, ist auf Dauer nicht diffusionssicher (CO2 ist nun 'mal ein Gas, und die Erdkruste keine druckdichte Stahlgasflasche) und verursacht Erdbeben. Das haben u.a. Untersuchungen an Probelagern ergeben.
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    [Wikipedia 2020 - CO2-Abscheidung und -Speicherung - Gefahren]
    Diese Technik wurde und wird immer noch jahrelang ernsthaft als Lösung der CO2-Emissionsproblems diskutiert - als massentaugliche Alternative zu Erneuerbaren Energien. Obwohl nach Versuchen Anfang des Jahrtausends verworfen, taucht CCS immer wieder in der Liste der Klimaschutz-Innovationen auf. Christian Lindner (FDP) z.B. noch bei Maybrit Illner am 13.12.2018.
    2016 fand man tatsächlich eine sinnvolle Möglichkeit von CCS: die Mineralisierung mit Metalloxiden zu Carbonaten durch Verpressen von Kohlensäure in Basaltgestein.
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    In Zeiten billiger erneuerbarer Energie ist man nicht mehr auf Kohlekraft angewiesen, und so eröffnet sich hier eine gefahrlose Möglichkeit der Sequestrierung (Negativemission). Basalt als CO2-Speicher brauchen wir zur Entfernung von vorhandenem CO2 aus der Atmosphäre, und dürfen diese Ressource auf keinen Fall zum Absorbieren weiterer Emissionen verschwenden. Vor der Euphorie der Fossilökonomisten kann man nur warnen.
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    Wie die Kompensation mittels Baumpflanzung von Fossilökonomisten als Rechtfertigung für Zurückhaltung im Klimaschutz missbraucht wird, habe ich ausführlich weiter oben beschrieben.

    Auch wenn die technische Fixierung von CO2 eines Tages massenhaft zur Verfügung stehen wird, und auch wenn sie unverzichtbar sein wird: aus heutiger Sicht ist es wesentlich wirtschaftlicher, die Emissionen zu vermindern und den Einsatz dieser Technik damit weiter hinauszuzögern.
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    In letzter Konsequenz erweist sich das In-Aussicht-Stellen von innovativen Zukunfts-Techniken als höchst wirksame Bremse der Klimawende, so wie das derzeitige Favorisieren des Wasserstoff-Antriebs oder gar Verbrennnungsmotoren mit P2L-Treibstoffen für PKW statt echter Verkehrswende und des Wasserstoff-Imports statt Förderung der Bürger-Energiewende gegen alle Argumente von namhaften Energie-Experten.

    Von allen diskutierten Klima-Innovationen ist mir nur eine bekannt, die bereits umgesetzt wurde: die von Verkehrsminister Scheuer eingeführten E-Tretroller.
    Die Europäische Umweltagentur moniert, dass eine Entlastungswirkung des Verkehrs nicht beobachtet werden kann - im Gegenteil.
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    Auch die Sicherheit im Straßenverkehr hat gelitten.
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    Bedenkt man die Lebensdauer dieser Fahrzeuge (auch mit Akku-Wiederverwertung), dann ist das Fahrrad doch die nachhaltigere und sicherere Alternative.

    Als weitere klimarettende Innovationen werden noch autonome Flugtaxis und Wasserstoffflugzeuge gehandelt - beide Konzepte werden von den allermeisten Verkehrsexperten nicht als rechtzeitig verfügbare Alternative zu ÖPNV, Rad, Elektroautos und Flugzeuge mit P2L-Treibstoff angesehen.
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    Der Experte Prof. Rolf Henke vom staatlichen Forschungsinstitut DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) spricht von einem zeitlichen Horizont der Decarbonisierung im Flugsektor zwischen 2035 (Einführung) und 2050 (Flottenaustausch). Bis dahin können wir im Flugsektor nur durch Vermeidung CO2 sparen - so wie in der Corona-Krise besser möglich war, als die meisten dachten. Videokonferenzen konnten viele Reisen ersetzen.
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    Fossilökonomisten propagieren eine Offenheit für Innovationen, die viel attraktiver und besser geeignet seien als die bereits fertig entwickelten bzw. gebrauchsfertigen Alternativen der Klimaschützer, die sie als technologischen Rückschritt darstellen.
    Damit stehen sie in bester Tradition mit den vollkommen unkritischen Machbarkeits-Vorstellungen des Atomzeitalters - womit wir beim nächsten Fossilökonomismus wären.

    Es ist auch nicht verwunderlich, dass mit Seitz und Singer gerade ein Atomphysiker und ein Weltraumphysiker dieser Zeit als erste professionelle Klimaskeptiker prominent wurden. Die Schnittmenge zwischen Fossilökonomisten und Atomkraft-Befürwortern in Deutschland ist sehr groß (in Ländern, die noch keinen Atomausstieg vollzogen haben, allerdings wohl kleiner).







    Konventionelle Atomkraft ist nicht nur gefährlich, sondern auch noch teuer (auch ohne die Folgekosten, die i.d.R. die Allgemeinheit trägt) und zudem nicht völlig CO2-neutral.
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    Die Betreiber des neuen englischen AKW Hinkley Point C haben sich eine höhere Einspeisevergütung vertraglich zusichern lassen, als in Deutschland für PV-Strom gezahlt wird.
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    Dabei sind die maximalen Entsorgungskosten auch schon vereinbart: was 2138 über 7,2 Milliarden GBP hinausgeht, übernimmt blanko der Steuerzahler. Fachleute halten hohe Mehrkosten für sehr wahrscheinlich.
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    Olkiluoto (Finnland), Block 3. Baubeginn war 2005.

    Prognosen ursprünglich voraussichtlich
    Inbetriebnahme 2011 (Stand 2006) 2021 (Stand 2020)
    Kosten 3.000.000.000€ (Stand 2005) 9.000.000.000€ (Stand 2015)

    [Wikipedia 2020 - Kernkraftwerk Olkiluoto - Bauzeit und Kosten]

    Das ist kein Einzelfall; parallel spielt sich das gleiche Drama in Frankreich ab. Flamanville, Block 3. Baubeginn war 2007.

    Prognosen ursprünglich voraussichtlich
    Inbetriebnahme 2012 (Stand 2007) 2021 (Stand 2020)
    Kosten 3.300.000.000€ (Stand 2007) 19.100.000.000€ (Stand 2020)

    [Wikipedia 2020 - Kernkraftwerk Flamanville - Neubau Block 3]
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    Auch bei uns hat die Atomwirtschaft sich beim Staat für 23,34 Milliarden € ein "Rundum-Sorglos-Paket" für alle bestehenden und zukünftigen Abfälle besorgt.
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    Das Geld sollte bis 2022 eingezahlt sein, war es dann schon 2017. Ob das Geld überhaupt noch etwas wert ist, wenn es an die Entsorgung geht - für diese Spekulation muss der Bürger herhalten. Man rechnet bis 2100 mit 700% Zuwachs. Bis 2019 sah die Bilanz laut DLF negativ, laut Die Welt positiv aus.
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    In Deutschland sprechen sich die meisten Energieexperten gegen Atomkraft aus. Auch die deutschen Energiekonzerne wollen trotz des Entsorgungs-Freibriefs keine Atomkraft mehr.
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    Auch international - besonders in demokratisch verfassten Ländern - ist kein neuer Boom der Kernenergie absehbar, mit Ausnahme von Atomwaffen-Mächten.
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    Fragt sich, warum liberale und konservative Politiker die Atomkraft trotzdem immer wieder neu in die Diskussion einbringen. Auch in sozialen Medien wird ein geradezu unheimlicher Atom-Hype betrieben, vor allem werden jetzt neue Techniken als Heilsbringer gefeiert. Selbst in Chats von Klimabewegungen mischen sich immer wieder Atomkraft-Befürworter lautstark ein, und sogar auf Klima-Demos sieht man immer wieder einzelne Fahnenträger für Atomkraft.
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    Dabei sind die neuen Kernspaltungs-Techniken wie Transmutations- oder Thorium-Reaktoren noch lange nicht bis zur Großtechnik ausentwickelt - d.h. sie sind noch sehr teuer, und keiner weiß, ob und wenn ja, wann sie wirtschaftlich zu betreiben sein werden. Geschweige denn, ob nicht am Ende doch wieder Kompromisse bei Betriebssicherheit und Entsorgung zugunsten der Profite gemacht werden.

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    Die legendärste Zukunftshoffnung der Fossilökonomisten ist die seit den 50er Jahren angekündigte Fusionstechnik. Legendär auch, weil sie noch weitere Jahrzehnte auf sich warten lässt, in denen man dem Bürger erzählt, dass die Welt bis da hin guten Gewissens weiter fossile Brennstoffe verfeuern und CO2 produzieren kann.
    Zum aktuellen Stand ein Interview von Prof. Harald Lesch mit seinem Physikerkollegen Hartmut Zohm vom Max-Planck-Institut für Plasmaforschung in Garching.

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    Aus dem Interview:
    Iter ist ein internationales Projekt zum Bau eines Experimental-Reaktors, bei dem erstmals mehr Energie frei werden soll als zum Zünden des Plasmas aufgewendet wird. Projektstart 2007, Baubeginn 2009, geplanter Start 2035.
    Das Iter-Experiment soll die Selbstheizung des Plasmas durch Alpha-Teilchen erforschen - einen Effekt, der bisher noch nicht ausreichend erforscht ist, um größere Anlagen zu planen (8'29'').
    Das Kachelmaterial für den 24/7-Betrieb in einem späteren Großreaktor muss noch entwickelt werden (3'50'').
    China baut parallel zu Iter einen ähnlichen, eigenen Experimental-Reaktor, der dann auch einen Demo-Betrieb ermöglichen soll (6'35''). Von einem Regelkraftwerk ist auch da nicht die Rede.
    Angenommen, das Iter-Experiment würde 2035 fertig und könnte auf Anhieb verwertbare Ergebnisse liefern (was allein schon wenig wahrscheinlich ist): Wenn man nun bedenkt, dass Planung und Bau eines konventionellen AKW etliche Jahre dauert, und dass ein Fusionsreaktor um ein Vielfaches komplexer ist - wann sollen die Reaktoren denn fertig sein? Die Wahrscheinlichkeit, dass es vor 2050 passiert, wage ich mit Null vorauszusagen. Nach den (konservativen) IPCC-Szenarien müssten wir jedoch bis dahin unsere CO2-Emissionen bis auf Null gesenkt haben - und diese Szenarien gehen von einer kontinuierlichen Abnahme der Emissionen aus, nicht von ungebremsten Emissionen bis zum abrupten Umstieg, aus. D.h. um das CO2-Budget einzuhalten, müssten wir (ohne Umstieg auf Erneuerbare) noch viel früher auf die Fusionstechnik umsteigen.





    Fazit: Es sind oft dieselben Leute, die zukünftige Innovationen als Lösung anpreisen und in einem Atemzug sagen, die Alternativen der Klimaschützer (Bio-Landwirtschaft, Radwege, ÖPNV, Elektroautos und erneuerbare Energien aus Wind, Sonne und Wasserkraft mit Akku- und P2X-Speichern) seien unwirtschaftlich und "innovationsfeindlich".
    Fossilökonomisten akzeptieren nur diejenigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Fossil- (und meist auch Atom-) Wirtschaft begründen. Alles andere ist für sie per definitionem unwissenschaftlich.
    Sie verwechseln Wissenschaft mit Machbarkeitsvorstellungen des Atomzeitalters und erklären alles, was diesen Vorstellungen widerspricht, als unwissenschaftlich, mitunter auch als ideologisch oder gar quasireligiös.
    Sie verstehen nicht, dass Klimamodellen, Ökosystemmodellen, Solarzellen, Windrädern, Akkus und Smart Meter sehr anspruchsvolle Prinzipien derselben Wissenschaften zugrunde liegen wie selbstfahrenden Autos, Brennstoffzellen, Atombomben und Fusionskraftwerken.
    Stattdessen tun sie so, als katapultiere uns die Klimawende in die Steinzeit.
    [Vitzthum 2019]
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    Wer sich bezüglich der klimapolitischen Handlungsoptionen jenseits von Vorurteilen, Gerüchten und Mutmaßungen über den tatsächlichen Stand der Wissenschaft informieren will, kann dies mit dem Simulationstool EN-roads des MIT tun, das seit Dezember 2019 online für jeden verfügbar ist. [Sterman 2019]




    Das postfossile Zeitalter

    Inhalt

    Der anthropogene Klimawandel hat unbestreitbar in die Klimakrise geführt, und sich dramatisch beschleunigt.

    2015: Paris-Abkommen: die Weltgemeinschaft geht eine moralische Verpflichtung ein

    Anstatt die Wissenschaft zum Primat der Politik zu machen, beginnen neue, fruchtlose Verteilungskämpfe um Prozente und Promille - von Kosten und Profiten.

    2018: eine 15-jährige beginnt einen wöchentlichen Schulstreik und kurz darauf steht die Welt Kopf.

    Die Politik muss sich scheinbar erst einmal sortieren.

    Angela Merkel in einem Beitrag des Senders Phoenix zur Münchener-Sicherheitskonferenz 2019: "Diese hybride Kriegsführung im Internet ist sehr schwer zu erkennen, weil sie plötzlich Bewegungen haben, von denen sie gedacht haben, dass die nie auftreten – die immer ansetzen an einem Manko. In Deutschland protestieren jetzt die Kinder für Klimaschutz. Das ist ein wirklich wichtiges Anliegen. Aber dass plötzlich alle deutschen Kinder – nach Jahren ohne sozusagen jeden äußeren Einfluss – auf die Idee kommen, dass man diesen Protest machen muss, das kann man sich auch nicht vorstellen."
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    Tage später spürt sie wohl, dass sie damit eine allzu unpopuläre Meinung vertritt.
    Jedenfalls rudert sie in ihrem Video-Podcast vom 02.03.2019 komplett zurück.
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    Man versucht zuerst, die Bewegung zu unterdrücken, lächerlich zu machen ("Schulschwänzer", "Infantilisierung der Politik", "Profis ranlassen"), aber die Beharrungskräfte der Fossilgesellschaft schwinden: die Erkenntnis, dass es so nicht ewig weitergeht und dass es für die Menschheit Zeit für den Wandel ist, greift um sich.

    Nach gut einem Jahrzehnt von Orkanen, Dürresommern, Überschwemmungen, Temperaturrekorden, Missernten, Migrationskonflikten, Pipelinekonflikten, Ölpestereignissen, Insektensterben, Plastikmüllfluten, etc., etc., etc., aber auch massiver Finanzkrisen, ist der Leidensdruck weiter gestiegen.
    Wer sich bezüglich unserer Handlungsoptionen über den Stand der Wissenschaft informieren will, kann dies mit dem Simulationstool EN-roads des MIT tun, das seit Dezember 2019 online für jeden verfügbar ist.
    [Sterman 2019]
    Viele warten auf den Startschuss für Klimaschutz; vor allem Kapital und Wirtschaft erwarten die Setzung entsprechender klarer Rahmenbedingungen, um rechtzeitig vor dem disruptiven Platzen der Kohlenstoff-Blase aussteigen zu können. Auch die Jugend braucht eine Perspektive, nicht nur ökologisch, sondern auch beruflich. Mit ihrem zivilen Ungehorsam bei Fridays for future bringt sie jetzt ihre berechtigte Forderung auf Zukunft so lautstark zum Ausdruck, dass sich in der Perspektive der Elterngeneration ganz neue Horizonte auftun.




    Das Postfossile Zeitalter

    Die Klimawende schafft Arbeitsplätze



    Weil der Staat sich zunehmend über Abgaben auf Lohnzahlungen und immer weniger aus Kapitaleinkünften finanziert, ist Arbeit "zu teuer" geworden. Sie beschränkt sich bei uns auf die Aufgaben, die sich nicht irgendwie durch (computergesteuerte) Maschinen oder Computer erledigen lassen.
    Arbeitsplätze sind deshalb heute sehr von fossilem Energieeinsatz abhängig. Weil Ressourcenverbrauch nicht künstlich um die später anfallenden externen Kosten verteuert wird, ist Fossil-Energieverbrauch immer noch profitabel. Dazu wird er jedoch oft noch zusätzlich mit gigantischen Summen subventioniert.
    Einkünfte aus Kapitaleinsatz dagegen sind so wenig belastet, dass das Kapital sich immer schneller konzentriert.

    Die Devise "kaputt - neu" wäre vor 50 Jahren noch ein Unding gewesen - heute wird sie als Wachstums- und Innovationstreiber bedenkenlos beschworen.

    Fossilökonomisten nennen 35.000 Arbeitsplätze, die beim sofortigen Abschalten der Kohlekraft in Deutschland wegfallen würden. Dabei werden es voraussichtlich selbst bei einem (wie von einigen Umweltverbänden empfohlenen) vorgezogenen Ausstieg 2030 nur noch 5000 sein.
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    Allein im Energiesektor hat die Nachhaltigkeitswende bis 2016 350.000 Arbeitsplätze geschaffen, wobei von 2011 an in der PV 100.000 verloren gegangen sind.
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    Der Ausbau der (marktreifen) Energie-Speichertechnik hat dabei noch gar nicht angefangen - die Technik ist reif für die Großserie.

    Die bisherige Ausführung und Planung für Erzeugung und Speicherung erneuerbarer Energie sind dezentral - die Beschäftigungs-Potentiale dürfte man vorsichtig als sehr groß bezeichnen.

    Der Ausbau der Windkraft ist in 2019 zum Stillstand gekommen, zigtausende Arbeitsplätze sind bedroht.

    Die übrigen Sektoren (Ernährung (Extensivierung, Bio-Anbau, Eigenversorgung, Permakultur), Transport (ÖPNV, individuelle Mobilitätsdienstleistungen), Wärmesektor (energetische Sanierung, Power-to-heat, Wärmenetze)) und Kreislaufwirtschaft bergen ebenfalls ein gewaltiges Arbeitsplatz-Potential: die Wertschöpfung erfolgt viel stärker lokal, die Gewinne wandern nicht mehr in dem früheren Maße auf die Konten von Riesenkonzernen, die im großen Maßstab Steuern vermeiden.

    Für externe Kosten (auch Klimaschäden) kommt der Staat auf - weshalb Energieverbrauch bisher extrem billig war. Das hat zur Intensivierung des Energieverbrauchs zu Lasten von Arbeitsplätzen geführt. Arbeitsintensive Prozesse gelten ökonomisch als unproduktiv. Ansätze einer ökosozialen (auch: ökologischen) Steuerreform, die Ressourcenverbrauch verteuert und mit den Einnahmen Arbeits-Nebenkosten senkt, sind von den Regierungen nie mit Eifer beworben oder gar konsequent verfolgt worden. Unter Rot-Grün gab es ein erstes Gesetz (dank Protagonisten um Ernst-Ulrich von Weizsäcker), es verwundert aber nicht, dass der damalige Kanzler Schröder noch im Jahr seiner Abwahl zu einem der größten Gasförderer der Welt wechselte. Die folgenden CDU-geführten Regierungen unter Ex-Umweltministerin Merkel entschärften die Regelungen wieder.
    [Wikipedia 2019 - Ökosteuer (Deutschland)]
    [Siebert 2019]

    Die deutsche Politik klammert sich an 800.000 Arbeitsplätze in der Verbrenner-Industrie, und bezahlt für deren Fehlentscheidungen. Mit dem verniedlichenden Begriff "Schummel-Software" wird der Milliarden-Betrug verharmlost; das Elektroauto wird jahrelang nicht entwickelt, sondern schlechtgeredet. Diesel wurden nicht durch Elektroautos ersetzt, sondern durch Benziner, die noch mehr CO2 auzsstoßen. Derweil haben andere Länder dafür gesorgt, dass der Erfolg der Elektromobilität nicht mehr aufzuhalten ist, u.a. durch die Ankündigung von Verkaufsverboten.


    [Viehmann 2018]
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    Der britische Premierminister Johnson kündigte im Januar 2020 an, dass der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor um fünf Jahre vorverlegt werden soll (von ursprünglich 2040 auf 2035).
    [Wikipedia 2020 - Phase-out of fossil fuel vehicles]
    Die Autozeitung schreibt im Mai 2020, dass der deutsche Druck über die EU gegen die dänischen Verbotspläne zunächst nur einen Aufschub und neue interne Querelen bringt. Weltweit schließen sich mit jeder Erfolgsmeldung von Elektroautos immer mehr Staaten der Verbotskoalition an. Warum auch sollten Länder ohne mächtige Verbrenner-Industrie sich weiter dem Klimaschutz verschließen, allein deshalb, weil sie so Klagen und Strafzahlungen vermeiden können? Bald bleiben Deutschland zum Handeln nur noch Klimaschurken wie Trump, Putin, Morrison und Bolsonaro übrig.
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    In der Autozeitung vom 18.05. finden sich auch neue Ausstiegsdaten:
    2025 Norwegen
    2030 Dänemark, Indien, Irland, Island, Israel, Niederlande, Schweden, Slowenien
    2032 Schottland
    2035 Großbritannien, Taiwan
    2040 Frankreich, Kanada
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    Doch die Verkehrswende wird nicht nur als 1:1-Ersatz der Verbrenner durch Elektroautos betrieben, wie es die Autohersteller gerne hätten. ÖPNV und Radverkehr haben anderswo hohe Priorität.
    Immer mehr Metropolen werden Fahrradstädte.
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    Selbst massive Investitionen in ÖPNV sind günstiger als die Kosten des Autoverkehrs.
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    Über Jahrzehnte finanzierten die Fossilprofiteure großzügig die Regierungsparteien durch Spenden.
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    Wir opfern der Verbrenner-Industrie den Klimaschutz nicht nur am Auspuff; Trump verlangt für niedrige Auto-Einführzölle (im Deal mit Jean-Claude Juncker 2018) entsprechende Gegenleistungen:

    Wir waren bisher ein zuverlässiger Absatzmarkt für die klimazerstörende Ausbeutung der Weltressoucen durch Ölkonzerne aus den USA, Saudi-Arabien und Russland (der mit Putin befreundete Ex-Kanzler Schröder (SPD) ist Manager bei dem russischen Gaskonzern Rosneft).
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    Damit befeuern wir wieder neue Konflikte zwischen USA und Russland.
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    Bezeichnend für die deutsche Handelspolitik ist auch ihr Festhalten am lange verhandelten Freihandelsabkommen Mercosur - trotz weltweiter Proteste gegen den brasilianischen Staatschef Bolsonaro wegen der Zerstörung des Regenwalds, jetzt verweigert er der Bevölkerung Schutz vor der Corona-Pandemie und verurteilte damit Zigtausende zu Tode, v.a. Indigene und schutzlose Favela-Bewohner. Der Abbau von Zöllen fördert den Absatz deutscher (in Zukunft vielerorts verbotener) Verbrenner und (z.T. EU-weit verbotener) Agrarchemie im Gegenzug mit dem Absatz von Tierfutter und Fleisch von Regenwaldflächen. Gegen Schützer des Regenwalds und seiner indigenen Völker hat der oft als Faschist bezeichnete Staatschef Bolsonaro bereits unverhohlene Drohungen ausgesprochen, und dennoch geht die Bundesregierung beim Abschluss des Abkommens von einer Einhaltung der vereinbarten Sozial- und Umweltstandards aus.
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    Die von der Bundesregierung vorgestellte "entwaldungsfreie Lieferkette" ändert nichts an der Tatsache, dass die Abnahme von Tierfutter aus Brasilien den Entwaldungsdruck erhöht und ein Regime stützt, dass Menschenrechte massiv missachtet, und hat mit Nachhaltigkeit nicht viel zu tun.
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    Auch seine Amnestie gegen illegale Landnahme bleibt von der Bundesregierung unbeachtet, obwohl deutsche Oppositionspolitiker protetieren und europäische (v.a. britische und schweizer) Großkunden mit Boykott drohen.
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    NGOs konnten durch Unterschriftenaktionen auch deutsche Supermarktketten zur Unterschrift bewegen.
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    Das Postfossile Zeitalter

    Die ökotoxischen Subventionen müssen sofort aufhören



    IWF-Chefin Christine Lagarde fordert 2019 einen Verzicht auf Subvention fossiler Brennstoffe. 2019 gibt sie ein globales Volumen von 5,2 Billionen US-$ im Jahr 2015 an.
    Allein bei uns rechnet das UBA 2017 mit 57 Milliarden Euro für 2012.
    Zugleich forderte Lagard eine CO2-Steuer von 70$/t, und eine von der Weltbank koordinierte "Klimakoalition" will private Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz stärker fördern.
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    Wir glauben, dass der Verzicht auf Subventionen für fossile Brennstoffe der richtige Weg ist.
    Christine Lagarde (Chefin des Internationalen Währungsfonds)

    Die OECD zeigt 2015 und 2018 die Lücken der CO2-Bepreisung in verschiedenen wichtigen Ländern; Maßstab sind moderate 30€/ t CO2.
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    Grafik
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    Dokumentation
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    Pressemitteilung 2018
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    Infoblatt 2018
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    Die aktuellen Zahlen erfasst das Projekt Energy Policy Tracker.
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    Die höchsten EU-Subventionen gehen flächenbezogen, also umweltpolitisch undifferenziert, an die Landwirtschaft. Diese Politik bewirkt bei der aktuellen Gesetzeslage - d.h. Vernachlässigung externer Kosten - einen deutlichen Wettbewerbsvorteil der fossilen Landwirtschaft gegenüber der Bio-Landwirtschaft dar. Der gewünschte Effekt ist eine möglichst billige Produktion der Nahrungsmittel. Diese sind so billig, dass Europäer (v.a. Deutsche) einen viel höheren Anteil ihres Einkommens für technische Konsumgüter, Luxusartikel und Reisen (verbunden mit weiteren intensiven CO2-Emissionen) ausgeben.
    Das ist politisch durchaus gewollt. Industriepolitisch ergeben sich neue Möglichkeiten für Massenkonsum, also Wertschöpfung aus Eigentum an Patenten, Produktionsmitteln, Immobilien und Rohstoffen. Das ist die moderne Form des antiken "panem et circenses": carnem et circenses.
    Doch auch afrikanische Kleinbauern haben keine Chance, gegen die subventionierte Billigware aus Europa zu konkurrieren, zumal ihre Regierungen sie auch nicht durch Zölle schützen kann - mit der EU haben viele afrikanische Staaten Freihandel vereinbart. Die Kleinbauern verlassen so oft freiwillig ihr Land, oft werden sie von korrupten Eliten vertrieben, die das Land Investoren zur Verfügung stellen.

    Betriebsaufgabe wegen europäischer Konkurrenz oder wegen Klimawandel - in beiden Fällen ein triftiger Migrationsgrund, der von der Politik euphemistisch als Wirtschaftsflucht bezeichnet wird.
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    Des einen Leid, des anderen Freud. Nach Jahrzehnten einer verfehlten Subventions- und Kontingentierungspolitik ist die europäische Überproduktion von Milch derart gewaltig, dass neue Absatzmärkte sehr willkommen sind.
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    Die Produktion von Futterpflanzen (mit bei uns verbotenen Pestiziden) in Übersee für unser Vieh führt zu einer Gülle-Sintflut in Europa, die in einer nachhaltigen Landwirtschaft wieder zum Düngen der Anbauflächen der Futterpflanzen genutzt würde. Stattdessen ergießt sich diese Flut auf unseren Acker-und Weideflächen, was sowohl zu Emissionen von Ammoniak (Geruchsbelästigung, Feinstaubquelle und Problemstoff auf mineralsalzen Standorten) und Lachgas (Treibhausgas) als auch Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser führt. Dessen Abbauprodukt führt im Körper zur Bildung krebserregender Nitrosamine. Selbst die europäische Androhung von Strafen bewirkt nur zaghafte Gegenmaßnahmen der Landwirtschaftsministerin.

    Die Fossilwirtschaft wurde und wird weiterhin durch immense Subventionen angeheizt, und die Kosten der CO2-Emission werden den kommenden Generationen angelastet. Die Gewinne landen bei den Profiteuren.




    Das Postfossile Zeitalter

    Ökonomen fordern einen Paradigmenwechsel



    In der Subprime-Krise 2008 wurde offenbar, wie nahe am Kollaps unser Geldsystem seit Jahren vorbeigeschrammt ist. Je weiter die Verschuldung steigt, desto abhängiger sind die Beteiligten, dass es nirgendwo zum Liquiditätssausfall kommt.

    Stabilitätsprogramme und Stresstests konnten an dem grundlegenden weiter zunehmenden Ungleichgewicht zwischen Geldmengen- und Realwertewachstum nichts ändern. Karl Reichmuth, Ehrenpräsident der Bank Reichmuth und Verwaltungsratspräsident der Investmentgesellschaft Realunit Schweiz sagt dazu 2019 im NZZ-Interview: "Solange die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nicht steigt, kommt es auch bei tiefen Zinsen nicht zu einer Inflation in den Konsumentenpreisen. Um eine Inflation zu erreichen, müssen die Zentralbanken noch mehr zu unkonventionellen Mitteln wie Quantitative Easing greifen oder das Bargeld abschaffen. Dies kann dann dazu führen, dass die Inflation plötzlich stark ansteigt und nicht mehr kontrollierbar ist. Im Gegensatz zu den Konsumentenpreisen ist bei den Vermögenspreisen schon jetzt eine starke Inflation sichtbar."
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    Die Corona-Krise ist eine neue Krisendimension: Einnahmen von Unternehmen bleiben auf breiter Front aus - und damit können diese ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen, also Zinsen und andere Renditen, Gehälter und Sozialabgaben. Der Staat kann die beiden letzten Punkte auffangen - doch er kann die Rentiers nicht zwingen, auf ihre Forderungen zu verzichten. Und so werden Insolvenzen befürchtet, die die Welt seit 1929 nicht gesehen hat. Die Staaten haben mit ihrer expansiven Geldpolitik bereits vor der Corona-Krise eine Geld-Krise gerade noch hinauszögern können. Jetzt droht eine neue, weit größere Geldschwemme.
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    Zu der Frage, wie diese Situation entstanden ist, gibt es nach meinem (zugegeben bescheidenen) Verständnis der Materie plausible Gründe. Das ist freilich nur eine einfache Sichtweise, und hier streiten sich die Gelehrten.

    Geld ist ein Tauschmittel, dessen Einsatz eigentlich vom Souverän kontrolliert und gesteuert werden sollte. Die Monarchien kamen ins Wanken, als sie begannen, sich im großen Stil von Bürgern Geld für Krieg und verschwenderischen Luxus zu leihen. Als die Aristokratie den Staat ruiniert hatte, wollten die Bürger selbst der Souverän sein. Die Legitimation der Regierung musste also aus der Bürgerschaft kommen.
    In Monarchien wurde ein Kollaps des Geldsystems einfach durch Ummünzen, also Einschmelzen der wertlosen und Prägen einer neuen Währung künstlich herbeigeführt. Im Judentum war eine regelmäßige Entschuldung qua Religion festgelegt, und auch aus Griechenland, Babylon und Sumer ist die regelmäßige Entschuldung überliefert.
    [Wikipedia 2019 - Erlassjahr]
    [Wikipedia 2019 - Schulden]

    In der Demokratie dagegen wollen die besitzenden Bürger jedoch ihr Machtinstrument, den Geldwert, um jeden Preis erhalten. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die vielen Überschuldungskrisen der Geschichte meist bis zum (absehbaren) totalen Wirtschaftskollaps hinausgezögert wurden.

    In unserer Zeit kann man sich 90 Jahre nach der letzten globalen Wirtschaftskrise gar nicht vorstellen, dass die Geldwertstabilität gefährdet ist.
    Besonders problematisch, dass der Geldwert des US-Dollar sehr stark an den Ölhandel geknüpft ist. Das ist ein weiteres Motiv der größten Wirtschaftsmacht, die Dekarbonisierung aufzuhalten - sie ist Haupttreiber der Carbon Bubble, und verantwortet damit die weltwirtschaftliche Gefahr der Disruption.
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    Von einer Geldentwertung geht die Welt nicht unter - bei einer Klimakatastrophe liegt die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches höher. Geldreformen gab es früher immer wieder: dann ist das alte Geld wertlos - mit allen Verbindlichkeiten - und alle fangen noch einmal von vorne an. Das gab es vor dem Euro z.B. in Italien regelmäßig.
    Eine Katastrophe ergibt sich nur dann, wenn der Staat sich als handlungsunfähig erweist. Im besten Falle werden Unternehmen eine Zeitlang verstaatlicht (wie zuletzt 2008 die US-Banken unter Obama). Roosevelts New Deal ist eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen. Die Wirtschaft schrammt seit Jahren an der Krise vorbei, wegen der enormen Renditeverpflichtugnen, die sich aus der immensen Verschuldung ergeben.
    Die Ungewissheit in der Krise ist natürlich schrecklich, und die Vermögensverluste treffen auch viele hart, die private Vorsorge betreiben. Doch man sollte in diesem Falle nicht das Ende der Welt herbeireden. Viel furchtbarer ist die Perspektive oder gar schon aktuelle Realität der Klimakatastrophe.

    Eine Geldentwertung hätte mindestens einen gravierenden Vorteil: sie würde das vielbeschworene Problem der Ungleichverteilung deutlich abmildern. Immer mehr Ökonomen erkennen die aktuelle Konzentration des Kapitals und die hohe Verschuldung als weiteren Krisenherd. Aus der Verschuldung erwächst der Wachstumszwang zur Zahlung der Renditen für die Rentiers (Gläubiger und Investoren).

    Geld sollte ein Mittel sein, das einer Gesellschaft Wohlstand oder gar Glück bringt. Eine Voraussetzung für Wohlstand ist, dass die Gesellschaft den Geldflüssen sinnvolle Regeln auferlegt.

    Die Lehre des Neoliberalismus aus dem Ende des Kommunismus wurde gründlich verinnerlicht: "Ohne ausreichenden Konkurrenzdruck des Arbeitsmarktes strengt sich die Mehrheit der Menschen nicht genug an." Wende-Kanzler Kohl spricht von einer "geistig-moralischen Wende" und drückt es in Verdrehung der Tatsachen positiv aus: "Leistung muss sich wieder lohnen". In Konsequenz dieser Erzählung wurden unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) Arbeitnehmerrechte faktisch gestrichen, indem man eine Zwei-Klassen-Arbeitnehmerschaft zugelassen hat. Arbeitslosigkeit ist ein Teil des Systems.
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    Viele Arbeitnehmer wissen heute aus lauter Konkurrenzdruck nicht, wie sie genug Zeit für die vielen prekären Minijobs aufbringen können, um überhaupt ein Auskommen zu haben.

    Im Neoliberalismus wurde Geld als Mittel zum Zweck des Wirtschaftens erhoben, indem die Freiheiten der Besitzenden zu weit ausgedehnt und die der Lohnabhängigen zu sehr beschnitten wurden. So entstand eine enorme Ungleichverteilung, die zunehmend als gefährlich für Gesellschaften angesehen wird. Ergebnisse der Liberalisierung sind zahlreiche soziale und wirtschaftliche Fehlentwicklungen:

    Ein besonders bezeichnendes Beispiel:

    Ein anderes Beispiel dieser Zweckentfremdung von Geld ist das Handelsvolumen der Börsenpapiere am Chicago Board of Trade, der weltgrößten Agrarbörse. Laut dem sehr sehenswerten Film "10 Milliarden" von Valentin Thurn betragen die Geldwerte, die dort umgesetzt werden, ein Vielfaches dessen, was an die Erzeuger ausgezahlt wird (61'44'').
    Leider konnte ich noch keine andere Quelle für diese Behauptung finden. Allerdings auch nichts Gegenteiliges - der Agrarmarkt handelt seit Jahrzehnten recht unbeobachtet vom öffentlichen Interesse. Das sieht man ja auch an den plötzlich, weil coronabedingt beachteten Missständen in der deutschen Fleischindustrie, die schon seit 20 Jahren von der Gewerkschaft NGG beklagt werden.

    Noch ein drastisches Beispiel ist der sogenannte Hochfrequenzhandel an den Börsen. Dort wird bereits im Mikrosekundentakt gehandelt, die Entscheidung werden natürlich von Computern getroffen. Kein Wunder, dass das Zusammenwirken aller beteiligten Algorithmen 2010 zu einem gigantischen Absturz der Kurse geführt hat.
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    Brad Katsuyama war 2013 Mitgründer einer alternativen Börse, der IEX Stock Exchange. Durch eine einfache technische Maßnahme schließt sie die Händler aus, die mit den mächtigsten Algorithmen handeln. Das gehandelte Kapital muss an der IEX mindestens 350ms (eine Drittel Sekunde) lang in einem Investment verbleiben. Katsuyama sagt: "Eigentlich sollte die [konventionelle] Börse für den Markt da sein, stattdessen hat sie völlig den Verstand verloren. [...] Die Rolle der Börse sollte darin bestehen, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Konkurrenten sollten innovativ handeln, anstatt technische Vorteile zu nutzen."
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    Die lange Niedrigzins-Phase hat zu einem Angebot an Geld für Investoren geführt, die manche Politiker als Spielgeld bezeichnen. Besonders die Internet-Ökonomie lockt mit großen Wachstumsraten und annähernder Regel- und Steuerfreiheit.
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    Das Ressort Digitales ist der Bundesregierung nicht einmal ein Ministerium wert, sondern nur die Stelle eines parlamentarischen Staatssekretärs beim Verkehrsministerium.
    Die Staatssekretärin Bär fällt vor allem durch geringe Distanz und Kritik gegenüber Vertretern der Branche auf.
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    Erstaunlich angesichts der Tatsache, dass in der EU die Regulation von Internet-Konzernen in den Händen der Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager liegt. Vestager wurde wegen ihrer hohen Sachkompetenz und politischen Fähigkeiten als ernsthafte Kandidatin für den Kommissionsvorsitz gehandelt, konnte sich aber wegen ihrer liberalen Parteizugehörigkeit nicht gegen die Kandidatin der Konservativen von der Leyen durchsetzen. Vestager macht oft Schlagzeilen wegen ihrer kritischen, konfrontativen Haltung gegenüber Internet-Konzernen.
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    Eine Grundannahme des Neoliberalismus: geht es den Reichen gut, prosperiert die Wirtschaft. Mit dieser Hypothese vom sogenannten Trickle-Down-Effekt ließen sich Generationen von Wählern der Mittelschicht die neoliberale Agenda verkaufen. Damit hat die Mittelschicht sich letztlich selbst dezimiert.
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    Im Neoliberalismus wurde die Staatsfinanzierung systematisch von oben nach unten verschoben: Einnahmen aus Kapitalgewinnen wurden von Abgaben entlastet, Einnahmen aus Lohnarbeit mit Abgaben belastet. Die hohen Steuersätze werden nur von den unteren Lohngruppen voll bezahlt, je weiter man nach oben kommt, desto mehr werden Möglichkeiten von Abschreibung und Steuerflucht genutzt. Liberale konnten sich dennoch jahrzehntelang als Anwälte der Lohnempfänger geben, indem sie den Missmut gegen "die da oben" schürten und den schlanken Staat forderten.

    Entsprechend lässt sich z.B. in Deutschland eine stetige Abnahme des Anteils von Arbeitseinkommen (Lohneinkommen und Arbeitseinkommen von Selbstständigen) am Volkseinkommen verzeichnen.


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    Das hielt als "systemrelevant" bezeichnete Unternehmen jedoch nicht davon ab, diesen Staat bei Geldmangel zu Hilfe zu rufen, in der Krise als Geisel zu nehmen: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Schnell gefundene Beispiele sind die Finanzkrise 2008, die Gesundheitsreform 2012 und die Abwicklung der deutschen Atomindustrie.
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    Zum Ausgleich externer Kosten wurden schon seit Jahrzehnten Steuern auf Ressourcenverbrauch gefordert, aber wenn überhaupt, dann meist nur zaghaft eingeführt, z.B. die CO2-Steuer.

    In der Konsequenz haben sich (auch durch die finanziellen Hebel der Großfinanz) solche Geschäftsmodelle etabliert, die bei hoher Ressourcenintensität, aber geringem Arbeitsaufwand Profit abwerfen - auf Kosten der Konkurrenz ressourcenschonender, arbeitsintensiver Prozesse.
    Also Verschwenden statt aufwändig Vermeiden, neu Produzieren statt Reparieren, vorzeitig dem Müll Zuführen statt länger Benutzen, Müll Beseitigen statt Recyceln.
    Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, wurden um die Jahrtausendwende sogenannte ökologische Steuerreformen betrieben, die aber nicht konsequent weitergeführt wurden und deshalb weitgehend wirkungslos blieben.

    Kein Wunder, dass eine ganze Generation junger Leute in der Phantasie aufwuchs, man könne aus Geld einfach immer mehr Geld machen. Ich habe mich jahrelang gewundert über den hohen Anteil der Abiturjahrgänge, die ihre Zukunft in der Finanzwirtschaft suchten.
    Während die Wertschöpfung durch Lohnarbeit unter Ausbeutung von Ressourcen immer stärker aus den klassischen Industrieländern abwanderte, wurde das Gewicht der Finanzmärkte immer größer. Bernard Lietaer vom Club of Rome rechnete aus, dass von 100 transferierten Euro nur noch ganze 2 für die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen fließen. Das berichtet Ernst-Ulrich von Weizsäcker im folgenden Video ab 23'56''.
    [von Weizsäcker 2018]

    Im Video stellt von Weizsäcker seinen jüngsten Bericht für den Club of Rome vor; dabei geht er auch auf andere grundlegende Irrtümer und Probleme der neoliberalen Ideologie ein. Eine Rezension hier:
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    [von Weizsäcker 2017]

    Das erklärt, warum von privater Seite nur noch so wenig in Realwirtschaft investiert wird, woran auch Konjunkturprogramme wenig ändern: an den Finanzmärkten lässt sich viel schneller das Geld vermehren.
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    Aber die Probleme des überdrehten Neoliberalismus werden mehr und mehr erkannt.

    Gegen Trumps massive Steuergeschenke für Reiche protestierten 400 von den selbst ernannten 1% der reichsten Amerikaner - aus Angst vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft.
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    Weil es keine global harmonisierte Vermögenserfassung, geschweige denn -Besteuerung gibt, ist man auf Schätzungen angewiesen. Die sind allerdings zunehmend ernüchternd.
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    Verknüpfung Der Welt-Risikobericht zum WEF in Davos zählt die Konzentration des Kapitals zu den größten globalen Risiken.
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    Während der Corona-Krise hat sich die Lage weiter verschärft, hier Zahlen aus Deutschland.
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    Wichtige Wirtschaftswissenschaftler, die diese Missstände, aber oftmals auch Lösungsansätze erklären, sind Sandra Navidi, Mathias Binswanger, Nouriel Roubini, Paul Krugman, Joseph Stiglitz, Michael Hudson, Jeremy Rifkin, Thomas Piketty, David Graeber und Graeme Maxton.
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    [Wikipedia 2019 - Navidi]
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    [Spiegel 2014]
    [Wikipedia 2019 - Paul Krugman - Wirtschaftspolitische Standpunkte]

    Diese Autoren wurden während und nach der letzten Finanzkrise bekannt. Sie erklärten das Zustandekommen dieser und vorangegangener Krisen, haben sie z.T. vorhergesagt. Doch jetzt werden ihre Thesen - nachdem die Finanzwelt durch weitere Verschuldung der Staaten gerettet wurde - wieder von deren Interessenvertretern z.T. als linke Ideologie abgetan. Dabei sind sogar Träger des Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaft darunter.

    Auch Milliardäre wie George Soros oder Nick Hanauer kritisieren die Politik, die zu der aktuellen Verteilungssituation geführt hat.
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    Die Maßnahmen, mit der die Politik das bestehende dollarbasierte Geldsystem (respektive seine gigantischen Besitzstände) zu konservieren versucht, liegen um mehrere Größenordnungen über denen für Klimaschutz. Zu erkennen an der Expertise in den Regierungen, den parlamentarischen Gremien und dem Einfluss der Lobbyisten, zu erkennen an der Diskrepanz zwischen Empfehlungen der wissenschaftlichen Berater und der Gesetzgebung und natürlich an den Geldmengen, die zur Verfügung gestellt bzw. nicht eingefordert werden.
    Die letzte Finanzkrise 2008 z.B. kostete weltweit laut Schätzungen des IWF 11,9 Billionen US$. (Zum Vergleich: soviel verbrennen wir global in gut zwei Jahren an Subventionen in fossile Brennstoffe).

    Ursache der Krise waren betrügerische Geschäfte, die v.a. auf falschen Zertifikaten von CDOs basierten. Diese generierten gigantische Gewinne, die zum größten Teil bei den Betrügern geblieben sind; auch haben viele Finanzinstitute während der Krise Gewinne aus sogenannten Short-Verkäufen gemacht.
    [Wikipedia 2019 - Weltfinanzkrise]
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    Die vielen am Betrug aktiv Beteiligten sind bis heute unbehelligt geblieben - mit einer Ausnahme: Fabrice Tourre von Goldman Sachs prahlte in einer privaten Liebes-EMail einmal zu oft damit, andere Finanzprofis massiv übervorteilt zu haben.
    [Wikipedia 2019 - Goldman Sachs - 2010 SEC civil fraud lawsuit]
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    Filmtipp: The Big Short





    Das Postfossile Zeitalter
    Ökonomen fordern einen Paradigmenwechsel

    Finanzkrise als Chance für die Biosphäre



    Die aktuelle globale Überschuldungskrise wird man entweder gesteuert durch Umverteilung lösen - oder aber nach einem Kollaps durch neue Währungen: Altschulden würden getilgt, Guthaben jedoch ebenso. Dies bedeutet zwar auch den Verlust von Geldvermögen, aber eben vor allem die Entlastung der Weltwirtschaft von dem erdrückenden Zwang zur Erwirtschaftung von Renditen, die staatlichen Zukunftsinvestitionen oder Subventionen von privaten Zukunftsinvestitionen im Wege stehen: die Staaten hätten wieder Handlungsspielräume wie einem Green New Deal nach dem Vorbild von Roosevelts New Deal 1933.

    Was die meisten Ökonomen lange übersehen haben: die Verschuldung der Menschheit auf dem Konto ihrer globalen Ressourcen lässt sich nicht einfach durch eine Geldreform tilgen. Greenpeace schrieb einen treffenden Spruch Cree-Indianern zu und druckte ihn auf einen Aufkleber, der in der Umweltbewegung der 80er-Jahre weltweit verbreitet war. Die Quellensuche von Quoteinvestigator führt zu einem Interview aus den Jahr 1972 von Ted Poole mit der kanadischen Abenaki-Indianerin Alanis Obomsawin, die später als Filmemacherin bekannt wurde.


    When the last tree is cut, the last fish is caught, and the last river is polluted; when to breathe the air is sickening, you will realize, too late, that wealth is not in bank accounts and that you can’t eat money.
    Alanis Obomsawin

    [Poole 1972]

    2006 sorgte Nicholas Stern mit seiner Schätzung von künftigen riesigen Klimaschadens-Summen auf den Börsen und auch bei den Regierungen durchgreifend für Furore, begleitet von Al Gores Film "Eine unbequeme Wahrheit". Zwei Jahre später aber verdängte die Subprime-Krise von 2008 das Thema zehn Jahre lang von den Monitoren. Vor solchen Verzögerungen hatte Stern eindringlich gewarnt. In der Finanzkrise wurde deshalb der Spruch geprägt "wäre das Klima eine Bank, dann hätte man es längst gerettet", oder skandierfähig ausgedrückt "bei den Banken sind sie fix, für das Klima tun sie nix".

    In langfristig denkenden Beratergremien stellen sich jetzt endlich Fragen der Generationengerechtigkeit. Zunehmend finden die Schulden an den kommenden Generationen als sogenannte externe Kosten Berücksichtigung. Das gemeinschaftliche Herbstgutachten der deutschen Wirtschaftsforscher benennt im Kapitel "Wirksame Klimapolitik engt die gegenwärtigen Verteilungsspielräume ein" ganz klar das Problem. Dort formulieren sie einen weiteren Zielkonflikt: "Demzufolge müssen klimapolitische Maßnahmen mit einem Konsumverzicht der gegenwärtigen Generation einhergehen, wenn sie nicht über einen gesamt-wirtschaftlichen Vermögensabbau finanziert werden sollen."
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    72 Jahre nach der Gründung der Mont-Pelerin-Gesellschaft, die die Paradigmen des Neoliberalismus propagiert hat, finden sich immer mehr Kreise von angesehen Wirtschaftswissenschaftlern, die gemeinsam eine neue Wirtschaftsordnung fordern:
    [Schieritz 2019]

    Konservatismus kann sich nicht allein auf die Erhaltung des Wirtschaftssystems um jeden Preis beschränken. Im Gegenteil sind die gleichzeitige Erhaltung der Besitzstände und der natürlichen Lebensvoraussetzungen - bei der heutigen Dominanz fossilökonomistischer Profitmodelle - nur schwer vereinbar. Die Profiteure verhinderten jahrzehntelang wirksamen Klimaschutz, weil dieser ihren Interessen zuwiderlief. Das ändert sich gerade radikal: mit dem Platzen der Carbon Bubble steht der Fossilökonomie eine massive Kapitalflucht bevor. Deutschland droht mit dem Festhalten an den alten Technologien nicht nur ein wirtschaftlicher Niedergang (vergleichbar mit dem Modernisierungsverlierer nach dem Zweiten Weltkrieg, England), sondern auch noch die Anklage wegen anhaltender Emission von Treibhausgasen.

    Hier stellt sich wohl auch die Frage, warum diejenigen, die von der Fossilwirtschaft teils exorbitant profitiert haben, nicht auch von ihrem Profit abgeben und damit für Folgeschäden aufkommen sollen. Im Grundgesetz ist nicht nur der Schutz des Privateigentums begründet, sondern auch das Gemeinwohl: "Eigentum verpflichtet" (Artikel 14). Artikel 15 erlaubt Enteignung, und für andere Zwecke wie Straßenbau oder Rohstoffgewinnung findet sie immer wieder statt. Selbst Sozialdemokraten entdecken das Thema.
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    Wenn Bürger jedoch mit Enteignung gegen Mietwucher und Immobilien-Spekulation vorgehen wollen, geht ein jahrelanges Gezerre los.
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    Inwiefern deutsche Immobilien zu einem Spielball von schnell gemachtem Geld geworden sind, zeigt das Beispiel des Investors Rocket Internet, das nur die Spitze eines Eisbergs darstellen dürfte.
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    08.06.2019: OECD und G20-Wirtschaftsminister vereinbaren Reformen zur Besteuerung großer internationaler Konzerne, u.a. der Internet-Giganten.
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    Was passiert derweil in Deutschland? Eine epochale Entscheidung zur Wahrung deutscher Besitzstände ist ein Zusatz zu Artikel 109 GG aus 2015: die sogenannte "Schwarze Null" der großen Koalition, also das gesetzliche Verbot der Netto-Neuverschuldung.
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    Sie beruhigt zwar die bürgerliche vermögende Bürgerklientel, ist jedoch allein schon aus ökonomischen Gründen bei Wissenschaftlern (der Ökonomie) hoch umstritten.
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    Es sprechen also viele rein wirtschaftliche Gründe gegen die Austeritätspolitik der "Schwarzen Null". Viel schwerwiegender jedoch ist die berechtigte Klage der Jugend, dass diese nur durch weitere Vernichtung künftiger Lebensgrundlagen gehalten werden kann.

    Dass eine Pandemie viele hundert Milliarden kurz darauf grundgesetzwidriger Konjunkturhilfen rechtfertigt, die drohende Klimakatastrophe jedoch nicht, stößt bei Klimaschützern auf genauso massive Kritik wie die Bankenrettung in der letzten Finanzkrise.

    Dabei fordern viele Ökonomen (incl. IWF) eine Umstrukturierung: ein Ende der Fossil-Subventionen (global 5Bio $, D 50Mrd €), und eine wirksame CO2-Steuer, in Tradition zu Nordhaus 1977. Er bekam 2018 den Nobel-Gedächtnis-Preis.
    Das scheint eine Diskussion ausgelöst zu haben. Viele Ökonomen, darunter 27 Träger des Ökonomie-Nobel-Gedächtnis-Preises (es dürfte geschätzt die Mehrheit der noch lebenden Preisträger sein), forderten 2019 öffentlich eine wirkungsvolle CO2-Bepreisung.
    [Wall Street Journal 2019]

    Die Union der Mitte fordert 60€/ t CO2
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    22 gewichtige Finanzminister (Ausnahme USA) ebenfalls.
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    Ökonom Grassmann fordert wie viele KollegInnen eine längst überfällige Einbeziehung der externen Kosten in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
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    Josef Stiglitz hat die letzte Wirtschaftskrise vorhergesagt und den Nobel-Gedächtnispreis bekommen. Er vergleicht jetzt die notwendigen Anstrengungen für den globalen Green New Deal mit denen für einen 3. Weltkrieg
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    Die Scientists for future haben den Stand der CO2-Steuer-Diskussion zusammengefasst.
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    Die Klimaschäden richten in Entwicklungsländern weit bedeutendere Schäden an Personen und ihren Sachwerten an, denn dort können sich die Geschädigten nicht immer auf staatliche Hilfe verlassen.

    Ein derart auf Verschuldung basierendes System ist auf beständige Riesensummen an Zinsen, Renditen und Mieten angewiesen - schon ein einziger größerer Zahlungsausfall kann einen Domino-Effekt auslösen, wie man an der Pleite von Lehman Brothers 2008 sehen konnte. Jetzt steht nicht nur eins, sondern unzählige Investments auf der Kippe, zu sehen daran, dass die Börsen verrückt spielen.
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    Zunächst übernehmen wieder die Staatskassen die Zahlungen. Die Frage ist, wie lange das funktioniert, und wenn es funktioniert, wie die Schuldenbelastung des Staats sich weiter auswirkt.

    Mit den Corona-Rettungsschirmen haben wir allerdings auch die (letzte?) historische Chance, die Weichen zu stellen für eine postfossile Wirtschaft. Mit jedem nachhaltig angelegten Rettungs-Euro werden Fossil-Investitionen riskanter. Nicht alle Anlagestrategen spekulieren kurzfristig (d.h. nicht alle Marktteilnehmer wollen "zocken"). Und diese werden dann nervös, wenn sich das Platzen der Carbon Bubble abzeichnet - die Kursbewegungen werden durch ihre kurzfristigen Geschäfte dramatisch ausfallen. Versicherungen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle, denn schon länger beurteilen sie die mittelfristigen Ausfallrisiken in der Fossilwirtschaft zunehmend kritisch.
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    Die ersten prominenten Aussteiger aus Fossilinvestments waren die Rockefeller Foundation (die aus dem Imperium des ersten Milliardärs und bekanntesten Ölbarons John D. Rockefeller hervorging) und der norwegische Pensionsfonds (dessen Einnahmen bisher stark auf der norwegischen Ölförderung basierten). Es ist eine innenpolitisch brisante Frage, wieviele Anlagen v.a. deutscher Kleinsparer und auch Rentenfonds vom Platzen der Carbon Bubble getroffen werden, weil sie nicht früh genug aussteigen.
    Auch werden die gewichtigen mittel- und langfristigen Anleger wie BlackRock ihr Marktgewicht nach dem Ausstieg aus Fossilinvestments entsprechend einsetzen, um den Trend in ihrem Sinne zu beeinflussen. Anlagen mit schlechten Aussichten gutes Geld hinterherwerfen - das haben Investoren noch nie gerne gemacht.
    Wie weit die Entwicklung genau ist, ist sicher ein gut gehütetes Geheimnis der Insider, die aus den Spekulationen Gewinne realisieren wollen. Man kann nur feststellen: Aus dem anfänglichen Börsen-Getuschel über "Stranded assets" in Fossilenergie wurde Geraune.
    Noch Ende September 2019 hatte sich BlackRock-Chef Larry Fink geweigert, mit seinem Fonds dem Netzwerk Climate Action 100+ beizutreten. Die dort vertretenen Fonds enthielten damals schon 34 Billionen US-$, und BlackRock sah sich im Fokus einer großen Protest-Kampagne in den USA.
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    Im Januar 2020 fiel Larry Fink dann um, im Gegensatz zu den Konkurrenten Fidelity und Vanguard. Er trat mit seinem mittlerweile 7 Billionen US-$ schweren Fonds dem 35-Billionen-Netzwerk Climate Action 100+ bei und kündigte eine mittelfristige Umschichtung von Anlagekapital an.
    Es ist zu erwarten, dass diese Koalition all ihren Einfluss wo auch immer nutzen wird, um Fossilinvestitionen unrentabel zu machen, denn diese schmälern ja die Profite der alternativen Investments. Ich als Laie kann mir Marktwetten, Lobbyismus für politische Auflagen, Schadenersatz-Klagen vorstellen, aber das ist sicher nur ein Teil der möglichen Druckmittel.
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    Die Selbstdarstellung des Vermögensverwalters für Interessenten macht BlackRocks rein wirtschaftliche Interessen für Klimaschutz deutlich und sollte konservative und liberale deutsche Politiker zum Nachdenken anregen. Sie sollten auch bedenken, dass BlackRock bis vor Kurzem noch massiv in Fossilenergie investiert hat.
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    Und sie sollten bedenken, dass BlackRock nach der letzten Finanzkrise wegen seiner überlegenen Risiko-Bewertung zum sicheren Hafen vieler Investoren wurde.
    [Wikipedia 2020 - Aladdin (BlackRock)]
    Am 21.01. machte Finks Vize Philipp Hildebrandt in den ARD-Tagesthemen deutlich, "...dass Klimarisiken [...] heute Investitionsrisiken sind. Das sind nicht mehr irgendwelche entfernten Risiken, sondern das sind Risiken, die sich direkt in Portfolios reflektieren, die sich auch sehr direkt auf die Bewertung von Firmen auswirken können" (im Video ab 6'25'').
    Die Corona-Krise mit ihren gewaltigen Konjunkturprogrammen sieht Fink entsprechend als einmalige Chance für die richtigen Weichenstellungen:
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    Kurioserweise ist kurz vorher der Deutschland-Chef von BlackRock in die Politik zurückgekehrt: Friedrich Merz fiel noch im letzten Jahr durch heftige Kritik an Greta Thunberg und den Schülerprotesten auf. Als potentieller CDU-Kanzler-Kandidat dagegen hält er sich damit jetzt auffallend zurück.

    Mittlerweile wird auch in Politik und Zivilgesellschaft laut über den Green New Deal (USA) bzw. European Green Deal nachgedacht; die EU-Kommissarin Ursula von der Leyen hat bereits ein großes Konjunkturprogramm angekündigt.
    Möglicherweise hat Larry Fink jetzt den Countdown für das Platzen der Carbon Bubble angezählt - das Wettrennen heraus aus den fossilen Investments.
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    BlackRock ist ein Meilenstein im Divestment, viele andere, auch sehr große Investoren, ziehen nach.
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    Auch in Deutschland gab es ein sogenanntes Commitment zum Klimaschutz. Die 16 beteiligten Unternehmen verwalten 5,5 Billionen Euro.
    [Finanzsektor 2020]

    Angesichts der zunehmenden Klimaklagen und -Proteste steigt der gesellschaftliche Druck auf die Vorstandsetagen, die mittlerweile die ersten personellen Konsequenzen nach sich ziehen.
    Bill McKibben von der NGO 350.org, Initiator der Divestment-Kampagne, beschreibt z.B. im April 2020 bereits erbitterten Widerstand aus Wirtschaft und Politik gegen eine erneute Kandidatur eines der einflussreichsten Klimaskeptiker Lee Raymond als Aufsichtsrats-Chef der Großbank JP Morgan Chase, eine der größten Banken der Welt. Die Besetzung des Postens am 19.05. beschreibt er als einen der wichtigsten Stichtage des Jahres.
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    Zitat McKibben: "In recent months, Wall Street seemed to be reaching a tipping point on climate change. One big institution after another began issuing position papers outlining their concern. Laurence Fink, founder and chief executive of BlackRock, the world’s biggest asset manager, wrote in his annual letter to C.E.O.s that „climate change is almost invariably the top issue that clients around the world raise“ with his staff. The company promised to use its outsize shareholder power to vote against management teams not making fast enough progress on climate change. Mr. Raymond would seem to be target No. 1 for that cause."

    Raymond war in den Jahren 1993-2005 Chef von Exxon, der Post-Kyoto-Zeit, als die Ölfirma ihre heftigsten Klimaskeptiker-Kampagnen führte.
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    Die gute Nachricht von seiner Abwahl kam schon 17 Tage vor dem Termin, und wurde begleitet von deutlichen Worten vom obersten Rechnungsprüfer Stringer: "This move helps ensure improved oversight of the board and the company’s long-term strategy when it comes to transitioning to a low carbon economy. But our work does not stop here. JPMorgan has been the largest global lender and underwriter to the fossil fuel sector, providing $269 billion in financing to fossil fuel expansion from 2016 to 2019. The company needs to move away from financing the dirty fossil fuels of the past and toward the big, strategic clean energy investments of the future. There must be no place for a climate change denier and former Exxon CEO on JPMorgan’s board."
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    Raymonds Demission waren Proteste von Klimaaktivisten gegen die Bank und die Veröffentlichung einer langfristigen Gewinnwarnung an die Anleger vorausgegangen, für den Fall, dass die Bank nicht aus ihren fossilen Investments aussteige. Die BBC berichtet: "In a hard-hitting report to clients, the economists said that without action being taken there could be “catastrophic outcomes”."
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    Auch Versicherungsgesellschaften, die weiterhin fossile Projekte versichern, stehen entsprechend jetzt unter Druck.
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    In der Retrospektive des "Kraftpakets" der Bundesregierung zur Förderung der Wirtschaft in der Corona-Krise sollte von Fossilökonomisten nicht übersehen werden, dass selbst der ökonomische Sachverständigenrat ("Wirtschaftsweise") sich gegen eine Verkaufsförderung von Verbrennern ausgesprochen hat.
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    2020 hat EU-Kommissionsvorsitzende von der Leyen ihren neuesten bemerkenswerten Beratervertrag abgeschlossen: BlackRock berät die EU in Sachen Nachhaltigkeit.
    [Kern 2020]
    Es steht demnach zu befürchten, dass Big Money sich des Themas Energiewende bemächtigt, also noch bevor Hermann Scheers Bürgerenergiewende abgeschlossen werden konnte. Mit Bürgerenergie hat die Energiewende begonnen, und sie hat - gegen die Widerstände der Fossilökonomisten - den Markt für Erneuerbare geschaffen. Sie hätte den Bürgern auch zur Energiesouveränität verhelfen können - doch jetzt stehen die Chancen dafür wesentlich schlechter.
    Anstatt den Bürgern noch eine Chance zu geben, lässt die Regierung den PV-Deckel und die Abstandsregel bestehen und erzählt von der nationalen Nationale Wasserstoffstrategie. Mit ihrem Zentralversorgungs-Ansatz bietet diese großen Investoren eine stabile Rendite und dem Staat stabile Steuereinnahmen - wie bisher beim Ölfluss.
    Das könnte Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten sein, die eine Verschwörung des Großkapitals gegen Deutschland wittern. Allerdings kann man hoffen, dass die kommenden Energiewende-Projekte, wie auch immer sie gestaltet sind, für hohe Beschäftigung sorgen und die Populisten damit wieder marginalisiert werden.
    Wissenschaftler und Umwelt-NGOs warnen jedoch vor einer undifferenzierten Förderung von "grünem Wachstum". Degrowth ist eines der Schlüsselkonzepte für die Klimawende.
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    Das Postfossile Zeitalter

    Geisteswissenschaftler fordern neue alte Sozialkompetenzen



    Empathie muss gelernt werden.
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    In Krisenzeiten lernt man sie schnell, denn die Chancen auf Wohlstand und z.T. sogar Überleben sinken, wenn andere sehen, dass man sich egoistisch verhält. Mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegsphase ist die letzte große Krise so lange her, dass der gesellschaftliche Druck zum Empathie-Lernen kaum noch zu spüren ist; manche Eltern bauen ihre Kinder sogar regelrecht zu narzisstischen Egomanen auf. Alarmzeichen dieser fatalen Entwicklung ist der grassierende Hass gegen Minderheiten und Andersdenkende.
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    Wo es der gesellschaftlichen Anerkennung dient, wird Empathie mitunter zur Selbstdarstellung instrumentalisiert und sogar zur Legitimation missbraucht.
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    Augenzeugen der letzten Krise gibt es nur noch wenige - sie stehen den Auswüchsen dieser soziokulturellen Entwicklung oft sehr kritisch gegenüber.
    Für diesen kritischen Blick auf die Gesellschaft von außen haben wir heute Politikpsychologen wie Prof. Thomas Kliche:
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    Wir verfressen die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Und das bedeutet, wenn wir die Konflikte nicht heute austragen, dann werden sie in sehr viel schärferer Form in 10-20 Jahren kommen. Dann fliegt uns nämlich unsere Zivilisation um die Ohren.
    Thomas Kliche

    Verzicht wird wiederentdeckt; nicht als bindende moralische Verpflichtung, sondern als identitätsstiftende, gewinnbringende Option.
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    Immer mehr Konsumenten entdecken einen neuen Aspekt von Lebensqualität: sie empfinden es als Angriff auf ihre Würde, auf Produkte angewiesen zu sein, die unter Ausbeutung von Natur und Mensch entstanden sind.





    Das Postfossile Zeitalter

    Bisherige Erfolge der Klimaschutz-Bewegung



    Die Proteste der Jugendbewegung Fridays for future hat weltweit Debatten ausgelöst, vergleichbar mit dem Earth Day 1970.

    EEG 2000

    Eine CO2-Steuer ist bereits an vielen Orten eingeführt.
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    Rückversicherer wie die 140 Jahre alte Munich Re (vormals Münchener Rück) denken besonders langfristig und haben die Klimaschäden konsequent seit 1973 im Blick.
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    Für das erste Halbjahr 2020 beziffern sie die Sach-Schäden auf 68 Milliarden $, Tendenz: kontinuierlich steigend.

    Ihre öffentlich zugängliche Datenbank NatCatService arbeitet die Zahlen professionell auf.
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    Es werden immer mehr Klagen gegen CO2-Emittenten anhängig. Sie werden betrieben von Institutionen, die Verluste durch Klimafolgen zu verzeichnen haben. Deshalb ist mit weiteren Klagen und v.a. drastischer Verschärfung von Gesetzen gegen Emissionen zu rechnen.
    Übersicht der UN aus 2016: Verknüpfung
    deutsch: Verknüpfung
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    Der Direktor der Bank of England, Mark Carney, warnt die Fossilindustrie explizit vor Schadenersatzforderungen von Klimageschädigten.
    [Hertsgaard 2016]

    Besonders aussichtsreich erscheinen die Klagen von Anlegern, z.B. gerade New York und Massachussetts gegen Exxon. Exxon hatte seine Wertpapiere für Pensionsfonds als zukunftssichere Anlage beworben und in seinen Broschüren (zusätzlich zu den Anzeigen in großen Zeitungen) die Risiken durch Klimawandel bestritten. Nun lautet die Anklage: Betrug und Irreführung der Öffentlichkeit.
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    Vor Gericht beruft Exxon sich nun auf Meinungsfreiheit - die Anklage der Staatsanwälte der Virgin Islands und von New York klagen wegen dieser falschen Behauptungen wider besseren Wissens auf Betrug.
    [Hertsgaard 2016]
    Neue Verfahren 2020: Delaware, Charleston (SC), Hoboken (NJ), Connecticut.
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    Aus für die Kohlekraft: Deutschland leistet sich eine Bestandsgarantie der Kohlekraft bis 2038 - ein Großteil der Industrieländer ist wesentlich ambitionierter, mit oder ohne Atomausstieg:

    [Wikipedia 2020 - Kohleausstieg - Ausblick: Stilllegung von Kohlekraftwerken]

    Aus für den Verbrennungsmotor: Kopenhagen wird 2025 CO2-neutral; viele Länder haben den Verbrenner-Ausstieg für 2025-40 beschlossen, immer mehr ziehen nach. Autohersteller, die zu lange am Verbrenner festhalten, riskieren (inklusive ihrer Belegschaft) mittelfristig ganz vom Markt zu verschwinden.


    [Viehmann 2018]

    Auch wenn ihre Weitsicht vom verkehrspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion Pfeiffer und auch von der Partei-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer noch nicht geteilt wird: sogar Kanzlerin Merkel hat ein Verbrenner-Verbot in (wenn auch unbestimmte) Aussicht gestellt. Unternehmen brauchen Planungssicherheit.
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    Merkel spricht auch - 23 Jahre nach ihrem Buch "Der Preis des Überlebens" - bei ihrer Rede auf dem WEF in Davos 2020 wieder von Klimaschutz als "Überlebensfrage der Menschheit" und widerspricht damit deutlich Donald Trump. Der hatte in seiner vor Zukunftsoptimismus strotzenden Rede das Wort Klima nicht einmal in den Mund genommen, sehr wohl aber die "Untergangspropheten" kritisiert. Auch in den WEF-Foren ist Klimaschutz das beherrschende Thema, Trump wird als Fremdkörper wahrgenommen.
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    Vielerorts beschäftigen sich Kommunen mit den Fragen, die sie selbst lösen können - auch und gerade wenn die Staaten aus falscher Rücksichtnahme im Klimaschutz noch bremsen. Das internationale Städte-Klimabündnis ICLEI macht die Arbeit effektiver.
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    Die Divestment-Kampagne der Klimaschutz-NGO 350.org hat seit 2012 viele Anleger zum Ausstieg aus Fossil-Investments motivieren können. Am 18.09.2019 wurden Divestitionen von stolzen 11 Billionen (engl. trillions) US-$ von über 1000 Großanlegern und 50.000 Einzelanlegern verkündet.
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    Den aktuellen Wert findet man hier:

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    Der Blog Klimasocial beim Journalisten-Netzwerk Riffreporter hat auch diesen Trend früh beleuchtet:
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    Eine Anlegerflucht aus Anlagen der Fossilwirtschaft ist früher oder später zu erwarten - aus Angst vor Stranded Assets.
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    Der international vernetzte Ökonom Axel Weber stellt in der Konsequenz eine Investitionswelle großer Investoren in Erneuerbare Energien in Aussicht.
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    Die EU-Kommission beziffert den jährlichen gesamteuropäischen Investitionsbedarf der Klimawende auf 290 Milliarden Euro. Angesichts der Kosten für Fossilbrennstoff-Importe, Subventionen und Folgekosten durch Klimaschäden betrachtet sie selbst diese Summe als lohnende Zukunftsinvestition, die natürlich auch massenhaft Arbeitsplätze bedeutet.
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    Der von Peter Altmaier geschätzte Investitionsbedarf bis 2050 von 1-2 Billionen Euro - der bei Fossilökonomisten seit Jahren als Horrorzahl kursiert - wurde von Fachleuten bestätigt. Diese sehen aber nicht nur einen klimapolitischen, sondern auch einen großen gesamtwirtschaftlichen Vorteil dieser Ausgaben: Arbeitsplätze, Wertschöpfung, Erhaltung des Technologiestandorts, Verminderung von Abhängigkeiten. Allerdings fordern sie einen kompletten Umbau der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
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    In seinem letzten Filmauftritt skizzierte Hermann Scheer - einer der Väter des EEG - schon 2010 die absehbare Revolution im Energie- und Mobilitätssektor voraus.
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    [Wikipedia 2019 - Die 4. Revolution]

    Filmtipp: Die 4. Revolution

    Stanford-Professor Tony Seba sagte 2014 mit seinem Buch eine baldige "Clean Disruption of Transport and Energy" voraus; in seinen regelmäßig aktualisierten Vorträgen zeigt er eindrucksvoll, inwieweit seine Prognosen eingetreten sind.
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    [Seba 2020]

    US-Ökonom Jeremy Rifkin zu dieser bevorstehenden Disruption in einem Interview: "So what's happening is we're sitting on the biggest bubble in history — stranded assets in the fossil fuel industry — because now the cost of solar and wind are cheaper, it means all of the gas-fired power plants and the pipelines and the refineries and all the way to the gas stations are stranded assets. They will not amortize out. [...]
    Citigroup, a big bank, says this could be some $100 trillion in stranded assets across the fossil fuel civilization. The Economist magazine's Intelligence Unit said it's at least $40 trillion. Our projections are that over the next 10 years this Third Industrial Revolution infrastructure made up of solar and wind electricity and electric transportation vehicles is going to mean that the fossil fuel civilization will probably collapse somewhere around 2028." Er warnt davor, keinen Green New Deal zu machen und stellt Millionen von Arbeitsplätzen in Aussicht.
    [Rosteck-Buetti 2019]


    [Rohwer-Kahlmann 2019]

    Sogar die FAZ, in der über die Jahrzehnte alle möglichen Bedenken gegen die Energiewende zusammengetragen wurden, rät jetzt zur Investition in Erneuerbare.
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    Manche befürchten bei der Rekrutierung der Grünen-Energieexpertin Andreae beim BDEW nur professionelles Greenwashing. Es sieht allerdings danach aus, dass sie dort eine neue industriepolitische Leitlinie pro Energiewende umsetzen soll. Ob das noch im Sinne der ursprünglichen Bürgerenergiewende gestaltet wird, darf man bezweifeln.
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    Dazu würde auch der 180°-Schwenk der Gewerkschaft IGBCE passen, die in den letzten Jahrzehnten sehr stark industriepolitische Interessen vertreten hat, d.h. sich bis dato eher gegen Erneuerbare ausgesprochen hat. Jetzt sieht ihr Vorsitzender Vassiliadis ein deutliches Beschleunigungspotential beim Energiewende und Kohleausstieg: "Wir fangen dieses Jahr, 2020, an mit dem Stilllegen, um die 2020-Ziele möglichst zeitnah zu erreichen – was wir übrigens schaffen, nicht genau Silvester 2020, aber kurz danach ist das in der Energiewirtschaft erreicht. Das zweite Ziel ist 2030, das erreichen wir sicher. Und der Rest, der im Bericht behandelt wird, ist die Frage, wie schnell geht es da drin. Ich will Ihnen eins sagen, das sage ich auch den Hörern, will ich ganz klar, das kann sich alles viel, viel schneller darstellen, wenn wir endlich auch diskutieren über das Einschalten und nicht nur über das Ausschalten."
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    Bürgerräte in Frankreich und UK haben sich konstruktiv, und nicht ausweichend wie die Regierungen, mit dem Thema Klimaschutz auseinandergesetzt und deutliche Empfehlungen an die Regierungen ausgesprochen.

    Selbst im fossilökonomistisch dominierten Ölstaat Texas stehen - nach der Beratung in Bürgergremien - jetzt viele Windräder, nachdem ein öffentliches repräsentatives Gremium sein Beratungsergebnis veröffentlicht hat.
    Zu sehen im Video: Tomorrow - der Film.





    Perspektive: Ende der Feuerzeit



    Die Fossilwirtschaften dieser Welt werden - genau wie das von dieser Wirtschaft erzeugte, aufgeblähte Kapital - künstlich am Leben erhalten; je länger, desto disruptiver wird der Umstieg auf die Zukunftstechnologien (oder wirklich zurück in die Steinzeit). Derweil setzen konservative Kräfte bestenfalls auf symbolische CO2-Preise und nähren ansonsten die Hoffnung auf technische Innovationen, obwohl die innovativen Konzepte längst auf dem Tisch liegen. P2X wird fälschlicherweise als innovativer Zukunftstreibstoff für Verbrennerautos gefeiert, während er als bedeutende Schlüsseltechnologie der Sektorkopplung weitgehend unbekannt ist. Auch Recycling oder massive Förderung der Bio-Landwirtschaft ist politisch derzeit noch gar kein Thema.

    Die jahrzehntelangen Kampagnen der bürgerlichen Parteien gegen die Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren Energien und der Bio-Landwirtschaft hat sich in vielen Köpfen hartnäckig festgesetzt; das weckt jetzt heftige bürgerliche Beharrungskräfte gegen die Nachhaltigkeitswende. Wirtschaftsminister Peter Altmaier leistete in der Talkshow Anne Will am 22.09.2019 seinen politischen Offenbarungseid: Merkel könne die Klimawende nur durchsetzen, wenn der Wähler dahinter stünde - von politischer Verantwortung, Gestaltungswillen oder gar Richtlinienkompetenz der Kanzlerin war keine Rede. Wer wie Altmaier (auch schon als Umwelt- und Kanzleramtsminister) jahrelang bei der Energiewende verbal und politisch auf der Bremse steht, braucht sich über die Desinformiertheit vieler Wähler beim Klimaschutz nicht zu wundern - und genauso wenig über erdrutschartige Schwankungen in der Wählergunst. Altmaier steckt in der Legitimationsfalle: die Kinder sollen es den Alten erklären, warum sie für Klimaschutz Opfer bringen müssen. Dabei kann der Grund trivialer nicht sein: weil die Kinder überleben wollen.


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    Friedrich Merz (CDU), der Deutschland-Chef des größten Vermögensverwalters der Welt (BlackRock, der auch riesige Fossilinvestitionen hält), spricht dagegen von grünem Populismus...


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    ... und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) bläst in dasselbe Horn.
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    Ein anderes katastrophales Beispiel jahrzehntelanger Kampagnen sehen wir in England. Die überwiegende Mehrheit britischer Politiker suchte die Schuld für alle möglichen Missstände bei der EU-Politik - und damit schuf sie die besten Voraussetzungen für die Brexit-Kampagne. Johnson, ursprünglich ein glühender EU-Befürworter, wurde zum Opfer der eigenen Schuldzuschreibungen. Immer, wenn bei den Tories in UK etwas schieflief, war die EU schuld.

    Das Narrativ des 20. Jahrhunderts, das stetig wachsenden Wohlstand für alle durch Nutzung fossiler Brennstoffe verspricht, ist zur Lebenslüge mutiert: die Ölparty ist vorbei. Die Legitimation der fossilökonomistischen Poltik ist in der Krise: der Ökozid, dessen Ansage man lange widersprochen und zuletzt relativiert hat, erweist sich jetzt für die junge Generation als reale, erschreckende existentielle Bedrohung. Angesichts der bereits sichtbaren und absehbaren Schäden und irgendwann unausweichlich folgender Disruption fordert jetzt auch endlich die Ökonomie ein drastisches Umlenken.
    Die Politik erweist sich jedoch angesichts der Desinformiertheit und Voreingenommenheit der Massen, die sie selbst von Anfang an mit verschuldet hat, noch als handlungsunfähig.

    Angesichts einer Gesellschaft, die sich in wenigen Jahrzehnten derart grundlegend von den Lebensbedingungen, -Vorstellungen und -Kompetenzen ihrer Vorfahren entfremdet hat, ist das kein Wunder. Die Verweigerungshaltung schon bei Beschränkungen der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen oder verzichtbaren Flugreisen deutet - betrachtet man die katastrophalen Konsequenzen - auf eine höchst problematische moralische Grundhaltung, die nach Jahrzehnten kollektiver kognitiver Dissonanz nun zivilgesellschaftlich in Frage gestellt wird.


    Wir können die Welt nicht retten? Ja, wer denn sonst?
    Hagen Rether

    Der schnell steigende politische Druck der Jugend ist jedoch weltweit spürbar und zeigt erste Wirkungen - zumindest eine Beschleunigung des Umdenkens bei den Älteren, die sich mit ihren Kindern solidarisieren.


    Die Zukunft hat viele Namen: für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.
    Victor Hugo












    wichtige Ressourcen



    Wie diese Arbeit, so sind auch diese Ressourcen nicht 1:1 im Unterricht "as is" verwertbar. Aber in dieser Liste stehen Institutionen, an denen man nicht vorbeikommt, wenn man sich mit der Thematik beschäftigen will (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

    Konstruktives zur gesellschaftlichen Transformation:
    Das BNE-Projekt "Keine Angst vor Komplexität" will die Kommunikation in der Transformation erleichtern.
    https://www.regenwald-schuetzen.org/unsere-projekte/bildungs-projekte/systeme-verstehen/
    Dort findet man eine Übersicht von Fallen und Chancen der Kommunikation:
    https://www.regenwald-schuetzen.org/fileadmin/user_upload/pdf/Projekt/systemisch/poster-systemisch-nachhaltigkeitskommunikation.pdf
    Das Journalisten-Kollektiv Riffreporter unterhält den richtungsweisenden Blog Klimasocial:
    https://www.riffreporter.de/klimasocial/

    Fridays for future bestreikt Schule und betreibt alternative Bildungsarbeit: #WirBildenZukunft
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    Energiewende sachlich und anschaulich erklärt von Klaus Russell-Wells:
    https://joul.de

    Politische Aktivitäten und kriminelle Machenschaften von Klimaskeptikern investigativ beleuchtet:
    https://insideclimatenews.org/

    Was API (American Petroleum Institute) und Exxon wussten:

    http://www.rapidshift.net/smoke-fumes-the-deep-history-of-oil-and-climate-change/
    Methoden der Wissenschaftsleugner, Verbindungen der Ölindustrie mit der Tabakindustrie:
    https://www.smokeandfumes.org

    Tagesaktuelle Überblicke liefert:
    https://www.heise.de/tp/energie-und-klima/

    Zusammenhänge rund um aktuelle Vorkommnisse der Energiewende beleuchtet Klaus Müller als Blogger (nichts für schwache Nerven...):
    https://energiewende-rocken.org/
    ...und zusammen mit seiner Redaktion:
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    Neues aus der German Energiewende:
    https://klimareporter.de
    ...vorher: http://www.klimaretter.info

    aktuelle Daten zu Subventionen:
    https://www.energypolicytracker.org/

    Vernetzung von Politik und Fossilwirtschaft:

    "Mein" Thema aus Sicht eines Energieberaters (leider erst zu spät entdeckt - ich hätte mir viel Arbeit ersparen können):
    http://www.oekosystem-erde.de/index.html

    Eine kurze Geschichte des Klimawandels:
    https://www.bbc.com/news/science-environment-15874560

    Stefan Rahmstorf zur Frage: Wie erkennt man einen echten Klima-Experten?
    https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/wie-erkennt-man-echte-klimaexperten/

    Klimawandel lokal in Rheinland-Pfalz:
    http://www.kwis-rlp.de
    http://www.kwis-rlp.de/fileadmin/website/klimakompetenzzentrum/downloads/Veroeffentlichungen/Themenhefte/Themenheft_Klima_kompr.pdf

    Klimaschäden in Zahlen:
    https://www.munichre.com/de/loesungen/fuer-industriekunden/natcatservice.html

    Quellen



    AEE 2019: N.N.. Mit Sektorenkopplung Synergien für die Energiewende schaffen. Agentur für Erneuerbare Energien e.V.. Berlin 2019. URL: https://www.youtube.com/watch?v=n9D_4OnzKd0

    Aleo 2018: Der Siegeszug hocheffizienter Solarzellen – Was sie über die PERC-Technologie wissen sollten. Aleo Solar. Prenzlau 2018. URL: https://www.aleo-solar.de/der-siegeszug-hocheffizienter-solarzellen/

    Armbrüster 2020-1: Armbrüster, T.. Machbar - Zukunft durch Verbote. Podiumsdiskussion mit Maja Göpel und Ulf Poschardt. Futurium. 20.09.2020. URL: https://futurium.de/de/veranstaltung/machbar-verbote-2/machbar-zukunft-durch-verbote

    Armbrüster 2020-2: Armbrüster, T.. Machbar - Zukunft durch Verbote. Podiumsdiskussion mit Maja Göpel und Ulf Poschardt. Futurium. 20.09.2020. URL: https://www.youtube.com/watch?v=4Spy3nhikiU

    Arrhenius 1896: Arrhenius, S. 1896. On the influence of carbonic acid in the air upon the temperature of the ground. The London, Edinburgh and Dublin Philosophical Magazine and Journal of Science (fifth series) 41: 237–275.

    API 1965: N.N.. American Petroleum Institute - Proceedings 1965. API 1965. Washington 1965. URL: https://assets.documentcloud.org/documents/5348130/1965-API-Proceedings.pdf

    Bamberg 1994: Bamberg, J.H.. The History of the British Petroleum Company, Volume 2: The Anglo-Iranian Years, 1928-1954 (Cambridge: Cambridge University Press, 1994), pp. 528-34.URL: http://www.mtholyoke.edu/acad/intrel/energy/achnacarry.htm. In URL: https://web.archive.org/web/20110806013127/http://www.mtholyoke.edu/acad/intrel/energy/achnacarry.htm

    Banerjee 2015: Banerjee, N.. Exxon: The road not taken - Exxon's Own Research Confirmed Fossil Fuels' Role in Global Warming Decades Ago. Inside Climate News 16.09.2015. URL: https://insideclimatenews.org/news/15092015/exxons-own-research-confirmed-fossil-fuels-role-in-global-warming

    Barwasser 2013: Barwasser, F.-M.. Pelzig hält sich 12.03.2013. ZDF. Mainz 2013. URL: https://www.youtube.com/watch?v=LJq1DVsa76w

    Baur und Preis 1937: Baur, E. und H. Preis. Über Brennstoff‐Ketten mit Festleitern. Zeitschrift für Elektrochemie und angewandte physikalische Chemie. Verlag Chemie, Weinheim. September 1937. URL: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/bbpc.19370430903

    Berchem 2006: Berchem, A.. Das unterschätzte Gesetz. Die Zeit 22.09.2006. Zeitverlag Gerd Bucerius. Hamburg 2006. URL: https://www.zeit.de/online/2006/39/EEG/komplettansicht

    Bershidsky 2018: Bershidsky, L.. Tillerson Refused to Do Another Russia Deal. Bloomberg 13.03.2018. Bloomberg. New York 2018. URL: https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2018-03-13/tillerson-refused-to-do-another-deal-with-russia

    Bidder 2015: Bidder, B. und M. Kröger. Sohn des US-Vizepräsidenten arbeitet für ukrainischen Gaskonzern. Der Spiegel 14.05.2015. URL: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/biden-und-ukraine-sohn-des-us-vizepraesidenten-arbeitet-fuer-gaskonzern-a-969348.html

    Bidder 2019: Bidder, B.. Die Sabotage. Der Spiegel 14.01.2019. Spiegel Verlagshaus Rudolf Augstein. Hamburg 2019. URL: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/richard-grenell-und-nord-stream-2-darum-bekaempft-us-botschafter-die-pipeline-a-1247942.html

    Biello 2010: Biello, D. Where Did the Carter White House's Solar Panels Go? Scientific American 06.08.2010. Springer Nature. Heidelberg 2010. URL: https://www.scientificamerican.com/article/carter-white-house-solar-panel-array/

    Bota 2015: Bota, A. und K. Kahlenberg. Haben die Amis den Maidan gekauft? Die Zeit 13.05.2015. Zeitverlag Gerd Bucerius. Hamburg 2015. URL: https://www.zeit.de/2015/20/ukraine-usa-maidan-finanzierung/komplettansicht

    BMWi 2019-1: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Stromeinspeisungsgesetz vom 7.12.1990. Informationsportal Erneuerbare Energien. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Berlin 2019. URL: https://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Dossier/eeg.html?cms_docId=72462

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    BMWi 2019-3: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Energie. Kopernikus-Projekt P2X. Berlin 2019. URL: https://www.kopernikus-projekte.de/projekte/power-to-x

    BMU 1998: Bundesministerium für Umwelt. Bundesumweltministerin Dr. Angela-Merkel nimmt Umweltgutachten 1998 entgegen. Pressemitteilung 27.02.1998. URL: https://www.bmu.de/pressemitteilung/bundesumweltministerin-dr-angela-merkel-nimmt-umweltgutachten-1998-entgegen/

    Bojanowski 2006: Bojanowski, A.. Rüpeleien unter Klimaforschern. Der Spiegel 28.07.2006. URL: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/streit-vor-us-kongress-ruepeleien-unter-klimaforschern-a-428996.html

    Bojanowski 2013: Bojanowski, A.. Pause beim Klimawandel - Kühler Pazifik bremst globale Erwärmung. Der Spiegel 28.08.2013. Spiegel Verlag Rudolf Augstein. Hamburg 2013. URL: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/pause-beim-klimawandel-kuehler-pazifik-bremst-globale-erwaermung-a-919066.html

    Brannon 1957: Brannon, H. R. Jr., A. C. Daughtry, D. Perry, W. W. Whitaker, M. Williams. Radiocarbon evidence on the dilution of atmospheric and oceanic carbon by carbon from fossil fuels. Eos, Transactions American Geophysical Union. First published: October 1957. URL: https://doi.org/10.1029/TR038i005p00643

    Brüggmann 2019: Brüggmann, M.. EU-Schutzmechanismus gegen Trumps Iran-Sanktionen wird zum Fehlschlag. Handelsblatt 28.01.2019. Verlag Dieter von Holtzbrinck. Düsseldorf 2019. URL: https://www.handelsblatt.com/politik/international/blocking-statut-eu-schutzmechanismus-gegen-trumps-iran-sanktionen-wird-zum-fehlschlag/23917690.html

    Brulle 2019: Brulle, R.. Networks of Opposition: A Structural Analysis of U.S. Climate Change Countermovement Coalitions 1989–2015. Sociological Inquiries. Wiley. Hoboken NJ 2019. URL: https://doi.org/10.1111/soin.12333

    Bundesregierung 2019: N.N.. Regierungspressekonferenz vom 30. Oktober 2019. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Berlin 2019 URL: https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/regierungspressekonferenz-vom-30-oktober-2019-1686874

    Bundestag 1991: Deutscher Bundestag. Plenarprotokoll 12/45. Bonn 1991. URL: https://dip21.bundestag.de/dip21/btp/12/12045.pdf

    Busvine 2012: Busvine, D. und V. Soldatkin. Exxon, Rosneft unveil $500 billion offshore venture. Thomson Reuters. London 2012. URL: https://www.reuters.com/article/us-exxon-rosneft-idUSBRE83H0UE20120418

    CCCC 2019: Center For Climate Change Communication. America Misled: How the fossil fuel industry deliberately misled Americans about climate change. George Mason University. Fairfax County VA 2019. URL: https://www.climatechangecommunication.org/america-misled/

    CDU 2019: N.N.. Bericht der Vorsitzenden der CDU Deutschlands. 32. Parteitag der CDU Deutschlands 22. bis 23. November 2019, Leipziger Messe. CDU. Berlin 2019. URL: https://www.cdu.de/system/tdf/media/images/2001-11-22-bericht-der-parteivorsitzenden.pdf?file=1&type=field_collection_item&id=19810

    ClimateFiles 2019: N.N.. 1965 API President „Meeting the Challenges of 1966“. Climate Investigations Center. Alexandria VA 2019. URL: http://www.climatefiles.com/trade-group/american-petroleum-institute/1965-api-president-meeting-the-challenges-of-1966/

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    Ich habe für diese Arbeit meiner Familie sehr viel Zeit vorenthalten. Ich weiß nicht, wie ich mich dafür bedanken kann, oder ob eine Entschuldigung nicht eher angebracht wäre. Immerhin tue ich dies auch für meine eigenen Kinder.
    Eine Tragik an unserer Zeit ist, dass sie uns so viel mehr Möglichkeiten bietet als jemals zuvor, dass aber viele dieser Möglichkeiten sich erst im Nachhinein als unmöglich erweisen. Es geht um viel. Ich glaube Häuptling Seattle meinte das, als er sagte: "Wir werden sehen."
    Für Fragen, konstruktive Anregungen oder Hinweise auf Fehler bin ich dankbar: za881@lehrer.uni-karlsruhe.de
    ©Harald Thielen-Redlich 2019-2020

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