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Klimaskepsis - eine heiße Debatte

Harald Thielen-Redlich
Lehrer für Biologie und Chemie
23.10.2010



Stefan Rahmstorf über die Auswahl von Talkshow-Gästen zum Thema: "Die Medien schätzen Menschen, die provokante Aussagen machen, auch wenn sie unbelastet von jeder Sachkenntnis sind. Jemanden einzuladen, der sich über viele Jahre wissenschaftlicher Beschäftigung mit einem Thema eine solide Reputation erarbeitet hat, ist dagegen vergleichsweise uninteressant, weil dessen Aussagen nicht kontrovers wären."

Inhalt

Vorwort
Pro und Contra
Schluss

Quellen
Glossar
Links

Fundgruben für Skeptiker-Argumente
Bemerkenswerte Persönlichkeiten
Trittbrettfahrer - oder: die Rolle der Medien

Nachwort


Joseph Fourier speculated on the greenhouse effect in 1824,
John Tyndall demonstrated that CO2 absorbs infrared light in 1859,
Svante Arrhenius made the first quantitative estimate of global warming under increased CO2 in 1896.
[Barton Paul Levinson, aus dem Internetforum realclimate.org]
Hans Suess schließlich bewies die Aufnahme anthropogenen Kohlendioxids in den Ozean bereits im Jahr 1955 [Suess 1955].



Bei meiner Unterrichtsvorbereitung in Ökologie stieß ich auf ein Problem. Die aktuelle Klimaforschung hat einen weit verbreiteten Konsens: seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist eine globale Erwärmung messbar, und das menschliche Handeln ist hierbei eine nicht zu vernachlässigende Einflussgröße. Doch findet sich weltweit eine rührige Gemeinde von Wissenschaftlern, Ingenieuren, Lehrern und wissenschaftlich gebildeten Laien, die sich öffentlich gegen diese Lehrmeinung stellen, teilweise auch politische Konsequenzen fordern. Sie werden häufig als Klimaskeptiker bezeichnet, teilweise nennen sie sich selbst so. Es stellte sich mir die Frage, wer denn nun recht hat.
Meine Recherche begann auf den Internetseiten von Ernst Georg Beck, Alvo von Alvenleben und Peter Krahmer; dort fand ich Verweise zu vielen, vielen anderen Quellen. Mittlerweile hat Herr Beck seine klimabezogenen Inhalte im Internet extrem verkürzt - man findet nur noch einen einschlägigen Buchtipp. Von da her ist meine Reibungsfläche zu Herrn Becks Arbeit zwar nicht mehr da. Becks Schriften leben im Internet aber weiter, hundert und aberhundertfach kopiert.
Ich möchte dem Leser einen Überblick geben, auf welchen Feldern der Diskurs stattfindet und wie (nach meinem Verständnis) die (mehr oder weniger sachliche) Argumentation lautet. Natürlich kann ich bei der Fülle der Materialien niemals den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, diese Auswahl beschränkt sich fast ausschlielich auf deutsche Autoren. Manche Quellen sind angreifbar, und natürlich kann ich mit der Auswahl und Aufbereitung meine eigene Tendenz Pro-Klimaforschung nicht verbergen. Ausführliche Quellenangaben sollen dem kritischen Leser immerhin das Weiterlesen ermöglichen.
Ich hoffe zumindest, dem Leser durch einen direkten Vergleich unter möglichst vielen Aspekten etwas von der allgemeinen Verunsicherung nehmen zu können, die bei diesem Thema vielfach geschürt wird und die ich bei meinen Recherchen häufig selber empfand. Es ist zwar nicht meine Absicht, hier öffentlich darzulegen, wer denn nun Recht hat - das steht mir als Laien nicht zu. Dies ist kein klimatologischer Übersichtsartikel, sondern eine Materialsammlung von einem Lehrer für Lehrer und interessierte Laien - auch gerne für neudeutsch sogenannte "Entscheider". Aber mir wurde bei dieser Arbeit schmerzlich bewusst, von welchen "allzu" menschlichen Motiven der wissenschaftliche Fortschritt abhängig ist.

Die Menschheit hat sicher noch nie ein Forschungsobjekt gekannt, das derartige Interessenkonflikte hervorruft, sich aber gleichzeitig (noch) einer klaren, eindeutigen Erkenntnis zu entziehen scheint - und das bei nie vorher gekanntem Informationsfluss.
Das Thema ist in Nicht-Fachkreisen erstaunlicherweise immer noch brandheiß. Gerade erst (Oktober 2010) durfte der weltweit bekannte Klimaskeptiker Fred Singer im Bundestag referieren, und eben dieser Vortrag wurde von der umweltpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion Dött als "sehr, sehr einleuchtend" bezeichnet. Singer hat jahrelang für die amerikanische Tabakindustrie in seinem ThinkTank TASSC den Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Zigarettenkonsum systematisch geleugnet. 

Ich verweise nur am Rande auf die medienkritischen und biographischen Informationen, auf die ich bei meinen Recherchen gestoßen bin.
Für sachliche, konstruktive Anregungen oder Hinweise auf Fehler bin ich dankbar.


Pro und Contra

Übersicht der Streitfragen

Streit über Phänomene

Wärmeinseln
Validität der Temperaturmessungen
Rekordjahr 1998
Temperaturtrends auf dem Hohenpeißenberg (Allgäu)
Rekordwinter 2009/10
Gesamtbilanz der Eisschmelze
Meeresspiegel
Relation geologische/ anthropogene CO2- Emission
paläoklimatischer Zusammenhang p(CO2) und T
p(CO2) und T: Ursache und Wirkung heute
Trägheit des Ozeans und Rückkopplungseffekte
T-Entwicklung im 20. Jahrhundert
T-Entwicklung im 2. Jahrtausend
T seit der Antike
Hockey-Stick-Affäre
Eem-Zeit (vor 120.000a)
Fluktuation der antarktischen Eisbedeckung (seit 4 Mio a)
CO2-Daten der letzten 180a
CO2-Eisbohrkerndaten der letzten 800.000a

Streit über Ursachen

Solareinstrahlung
T-Antrieb der letzten 750a: Eisbohrkerndaten aus dem Altai
Sonnenwindtheorie
neue Datenauswertung für Sonnenwindtheorie
CCN-Bildung im Experiment
paläoklimatische Daten
es gibt eine Treibhauswirkung der Atmosphäre
CO2 ist ein relevantes Treibhausgas
Quantität der IR-Reflektion
Mechanismus der IR-Reflektion

Streit über Konsequenzen

Entwicklung p(CO2)
T-Modell
Bestätigung des T-Modells des IPCC durch Beobachtung
Kaltzeit kommt
Wetterextreme
p(CO2)- Zunahme steigert Primärproduktion
Anpassung globaler Ökosysteme an Klimawandel
Aufforstung als Gegenmaßnahme
CO2-freies Kohlekraftwerk
Global Dimming

Die Streitfragen im Einzelnen

Auch wenn die Argumente der Skeptiker hier in einer Tabellenspalte auftauchen: nicht alle skeptischen Argumente werden von allen Skeptikern geteilt

Kriterium Argumente der Skeptiker Argumente der Klimaforschung 2008

Phänomene

Es gibt aktuell weder globale Erwärmung, noch einen klaren Trend der CO2-Entwicklung, noch globale Eisschmelze, noch globale Meeresspiegelerhöhung, noch eine Häufung von Wetterextremen

Es gibt aktuell eine Zunahme atmosphärischen CO2, in der Folge globale Erwärmung, in der Folge globale Eisschmelze, globale Meeresspiegelerhöhung sowie eine Häufung von Wetterextremen

Wärmeinseln
T-Bodenmessungen in Städten seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dadurch verfälscht, dass die Städte zunehmend Wärmeinseln darstellten [Alvensleben 2002, Beck 2006] bei der Auswahl der Messstationen für die Klimamodelle hat man Wärmeinseln ausgelassen
[wikipedia/Kontroverse 2004, (Parker 2004, Peterson 2003)]
Validität der Temperatur-
messungen
"Die verschiedenen Meßdaten (Thermometer Erde, Ballon und Satellit) sind nachfolgend nochmals zusammengestellt und zeigen die Tatsache, daß im Mittel erdgestützte Messungen eine Erwärmung, Ballon - und Satellitenmessungen keine Erwärmung zeigen. ... Für die Zeit seit 1979 kann man die "globale Erwärmung" mit gutem Gewissen als ein Märchen bezeichnen. (siehe oben) Die Satellitenmessungen stimmen untereinander auf 0.02°C, mit Ballonsondenmessungen auf 0.03°C überein, und sie zeigen nur einen minimalen Anstiegstrend (von 0.038°C pro Jahrzehnt) seit 1979, also in der Zeit, in der der steilste Anstieg des CO2 in der Atmosphäre zu verzeichnen war." [Beck 2006]
An dieser Stelle zeigt Beck die Bearbeitung einer Grafik, die aus einer Anhörung zum Thema im US-Repräsentantenhaus stammt [ein Hinweis auf eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift fehlt]:

[Michaels 1999]
  • Skeptiker verlassen sich lieber auf Strahlungsmessungen von Satelliten als auf Thermometer, sie präsentieren jedoch auch ausgewählte Stationen für ihre Theorie; in den  letzten Jahren wurden jedoch immer wieder neue Temperaturrekorde aufgestellt
  • die Satellitenmessungen integrieren die Temperaturen der oberen Luftschichten, die aufgrund der verminderten IR-Abstrahlung der Erdoberfläche von der Erde weg abfallen - ein weiterer Hinweis auf die Wirkung der Treibhausgase [wikipedia/Kontroverse 2004, Fu 2004]; 
    • relevant für unser Klima sind ohnehin die Temperaturen am Boden
  • die verwendeten kurzlebigen Satelliten fallen pro Jahr 1,2km, was aber bei den Auswertungen bei Beck und von Alvensleben noch nicht berücksichtigt wurde; nach dieser Korrektur weisen die Daten einen Trend von +0,05K pro Jahrzehnt auf
[UBA 2004 32]

[wikipedia/Kontroverse 2004, (USCCSP 2006)]
Rekordjahr 1998
1998 war tatsächlich ein T-Rekordjahr, seitdem geht T zurück [oft gelesen in Presseberichten, Blogs, Newsgroups etc.; z.B. Robert Ellison in www.realclimate.org (http://www.realclimate.org/index.php/archives/2006/10/taking-cosmic-rays-for-a-spin/)] es gibt hier verschiedene Angaben:
(1) 1998 bleibt zwar laut MetOffice bis heute (2009) ein T-Rekordjahr, doch die Temperaturen verblieben seitdem auf hohem Niveau und GW geht weiter
(2) 1998 war laut NOAA nicht das wärmste Jahr: T steigt weiter, 2005 war wärmer

[Brohan 2006]
  • egal, ob 1998 den Rekord hält oder nicht - T-Rekordjahre sagen nichts über den mittelfristigen Trend aus, denn selbst in einer ansteigenden Temperaturreihe tauchen immer wieder T-Abweichungen nach oben auf, die viele Jahre lang unerreicht bleiben; der mittelfristige Trend bleibt immer noch steigend
  • eine Erklärung der momentanen Abschwächung des GW ist der momentan starke Eintrag von Wärme in den Pazifik durch eine dekadische Pazifik-Oszillation:
  • eine solche bewirkte erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts eine zwischenzeitliche Abkühlungsphase:

[Latif 2009]
Temperaturtrends auf dem Hohenpeißenberg (Allgäu)

Der Zoologe Josef Reichholf stellt auf einem Treffen der Hayek-Gesellschaft 2008 seine Interpretation von Temperaturdaten vom Hohenpeißenberg vor. Zum Darstellen eines Trends benutzt er eine Regressionsgerade.

Seine Konsequenz: "Prominente Vertreter des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) haben extreme Ideologien geäußert, wie die Notwendigkeit einer diktatorischen Weltregierung und 'gleiche CO2-Rationen pro Kopf für alle Menschen'. Der in Gang gekommene Kreuzzug gegen den Klimawandel stellt ähnlich wie im Spätmittelalter eine pseudo-religiöse Weltuntergangs-Wahnvorstellung dar; die politisch bereits praktizierten Methoden entsprechen einem 'Ablasshandel' und 'Flagellanten' bahnen den Weg in ein neues Mittelalter."

[Reichholf 2008]

Im Blog PrimaKlima wertet Georg Hoffmann die selben Daten ganz anders aus; er benutzt einen multi-dekadischen Filter zum Erkennen langfristiger Trends.

[Hoffmann 2008]

[ein Beispiel, das sich in der Unterrichtseinheit Statistik der gymnasialen Oberstufe sehr gut eignet]

Rekordwinter 2009/10
der Jahrhundertwinter in den USA und Europa zeigt: der Trend der globalen Erwärmung ist gebrochen; Schuld ist die schwache Sonnenaktivität
Der russische Solarforscher Abdusamatow, der Meteorologe Malberg und der Physiker Lüdecke vertreten diese Ansicht in:
[Odenwald 2010]
lokal kam es zwar zu Rekordwintern in den östlichen USA sowie in Europa; Grund hierfür ist primär das gleichzeitige Auftreten einer stark negativen Nordatlantischen Oszillation (-NAO) und El Nino; diese Konstellation kommt nur alle 100-200a vor [Deutschlandfunk. Forschung aktuell.  27.09.2010]

[NOAA 2010]
aber: GW hält weiter an; entsprechend gab es andernorts extrem hohe Temperaturen, z.B. am 02.02. 7°C in Vancouver und 9°C in Godthaab/ Grönland [NOAA]
Die globale Januartemperatur 2010 lag 0,71K über dem Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980. Nur der Januar 2007 war seit 1850 wärmer und der Januar 2002 genauso warm.
[Pomrehn 2010]
zur NAO siehe:
[IFM 2005]
Gesamtbilanz der Eisschmelze
in dem Maße, wie mancherorts das Eis schmilzt, entsteht es andernorts wieder neu; eine Netto-Abnahme ist nicht bewiesen [Alvensleben 2002, Beck 2006]
  • die Zunahme der antarktischen Eismassen ist auf höhere Verdunstung von Meerwasser zurück zu führen; hier gibt es Schmelze nur durch Eintauchen wachsender Gletscher in Meerwasser (globale Kühlfalle)
  • insgesamt nimmt die Eismenge stärker ab als zu 
[UBA 2004]
  • die Dicke des arktischen Eisgangs nahm in den letzten 30a um 40% ab
[Rahmstorf 2004]
Meeresspiegel
steigt nicht, sinkt sogar an einigen Stationen [Alvensleben 2002, Beck 2006] Der Permanent Service for Mean Sea Level am Proudman Oceanographic Laboratory (gehört zum britischen Natural Environment Research Council) veröffentlichte hierzu 2006 folgende Graphik:

[Jevrejeva 2006]
Relation geologische/ anthropogene CO2- Emission
  • gegenüber der natürlichen (geologischen) CO2-Emission ist die anthropogene durch Verbrennung fossiler Brennstoffe vernachlässigbar
  • allein der Ätna emittiert 35kt/d [das sind 1,3Mt/a]; aber auch an den Abtauchzonen wird Carbonatgestein ständig unter starker CO2-Emission thermolysiert

[Baier]

Schätzungwerte der geologischen Emissionen:
  • 34 (±24) Mt/a durch passive Entgasung und 
  • 31 (±22) Mt/a durch Vulkanausbrüche
[Baier]
  • Vulkanausbrüche rufen keine dramatischen Spitzenwerte von p(CO2) hervor

[Rahmstorf 2004]

  • => die jährlichen anthropogenen CO2 Emissionen sind mit 5,5Gt/a also etwa 73 mal so hoch
paläo-
klimatischer Zusammenhang p(CO2) und T
  • da die Löslichkeit von CO2 in Wasser mit zunehmender Temperatur abnimmt (siehe Sprudelflasche), folgt p(CO2) generell T (mit einer deutlichen Verzögerung von ca. 800a)
  • aber nicht umgekehrt, denn Veränderung von p(CO2) ist ohne Bedeutung für die Treibhauswirkung
    [Beck 2006
  • z.B.: p(CO2) stieg am Ende der vorletzten Eiszeit tatsächlich mit T,  und zwar mit einer Verzögerung von 800a
  • verstärkte jedoch den 5000a andauernden Trend der Erwärmung durch Rückkopplung [Rahmstorf 2004, Caillon 2003],
  • denn es ist ein wirksames Treibhausgas [Arrhenius 1896]
p(CO2) und T: 
Ursache und Wirkung heute
wie sonst auch: p(CO2) folgt T
[Alvensleben 2002, Beck 2006]
  • der Mensch emittiert CO2 durch Verbrennung fossiler Brennstoffe, das nicht wieder im CO2-Kreislauf gebunden wird
  • die CO2-Lösung im Ozean ist nicht im Gleichgewicht mit der wassernahen Luftschicht, der Ozean ist untersättigt
  • der 14C-Gehalt in ozeanischem und im Luft-CO2 weist auf fossilen Ursprung, nicht auf Ausgasung aus dem Meer [Suess 1955, Quay 1992]
    • => das Meer fungiert derzeit als Senke und nicht als Quelle, der Zusammenhang ist also: p(CO2) folgt nicht zwangsläufig T; 1/6 der CO2- Senke ist unbekannten Ursprungs ("missing sink") [UBA 2004 24]
  • die aktuelle Erhöhung von p(CO2) kann nicht die Folge einer T-Erhöhung sein, denn sie zeigt nicht die Verzögerung von mehreren 100a [Rahmstorf 2004]
Trägheit des Ozeans und Rückkopplungs-
effekte
da eine Veränderung von p(CO2) keine signifikante Wirkung auf den globalen Wärmehaushalt hat, ist auch keine Rückkopplung durch Ausgasung von CO2 zu befürchten [Alvensleben 2002] Dass in den paläoklimatischen Proxydaten der Anstieg von p(CO2) dem von T folgt, wird von der aktuellen Klimaforschung gar nicht bestritten. Die Verzögerung von vielen 100a ermöglicht erst die Rekonstruktion der Reihenfolge der Ereignisse - denn auf den  Zeitskalen dieser Proxydaten sind wenige Jahre gar nicht aufzulösen.
Der aktuelle Anstieg von p(CO2) jedoch folgt jedoch nicht dem von T, denn
  • es ist keine auch nur im entferntesten vergleichbare Verzögerung zu sehen
  • der CO2-Strom ist z. Zt. noch umgekehrt (nämlich aus der Atmosphäre in die Ozeane), denn 
    • auf Grund ihrer enormen Wärmekapazität bei geringer Wärmeleitfähigkeit reagieren sie nur träge auf die Erwärmung der Atmosphäre (sie sind noch kalt genug)
    • p(CO2) ist hoch genug
Die Trägheit der riesigen ozeanischen Wassermasse mindert derzeit also sowohl die Steigerung von T wie die von p(CO2). Hierin liegen jedoch Gefahren: 
  • das ganze Ausmaß globaler Erwärmung wird erst deutlich, wenn die Ozeane sich auch erwärmt haben; dann jedoch bremsen die Ozeane eine eventuell einsetzende globale Abkühlung
  • das kalte Ozeanwasser kann jetzt noch viel von dem hohen atmosphärischen CO2-Angebot aufnehmen - doch mit steigendem T fällt die Aufnahmefähigkeit, und bei anhaltend steigender Wassertemperatur kommt es zur Verminderung der CO2-Aufnahme: p(CO2) wird (anhaltende anthropogene Emissionen vorausgesetzt) viel schneller ansteigen
  • schlimmstenfalls kommt es schließlich zur Ausgasung: je mehr p(CO2), desto höher T; je höher T, desto mehr Ausgasung, desto höher p(CO2), usw. => positive Rückkopplung des Treibhauseffekts
  • am Meeresgrund lagern riesige Vorkommen aus Methanhydrat; bei Erwärmen setzen sie das starke Treibhausgas Methan frei, das sich nicht in Wasser löst, sondern sofort in die Atmosphäre übergeht => positive Rückkopplung des Treibhauseffekts
T-Entwicklung im 20. Jahrhundert
Eine Korrelation von T und p(CO2) ist nicht erkennbar, denn in der ersten Hälfte des 20.Jhdts. gab es zwar Erwärmung, von den 40er bis 70er Jahren (zur Zeit der stärksten Emissionen) jedoch Abkühlung.
[Alvensleben 2002, Beck 2006]
Der Treibhauseffekt ist nicht der einzige klimabestimmende Faktor, weshalb es zwischenzeitlich zu einer Abkühlung kommen kann; der T-Trend nach oben ist aber unübersehbar [Rahmstorf 2004] und lässt sich mit Modellen nachbilden:

[Karl 2002]
T-Entwicklung im 2. Jahrtausend

Der Temperaturunterschied zwischen der mittelalterlichen Warmzeit (bisheriges 1000a-Maximum) und der Kleinen Eiszeit (1000a-Minimum) liegt im Bereich von 4,5°C. D.h. die bisherige gemessene Erwärmung ist im Vergleich zu den natürlichen Schwankungen gering. Die derzeitigen Temperaturen liegen noch weit unter denen des Mittelalters. [Beck 2006, Beck 2007]

Der Temperaturunterschied zwischen Maximum und Minimum der letzten 1000a wird vom IPCC 1990 im Bereich von 2°C geschätzt. [IPCC 1990]. McIntyre und McKitrick geben 2003 ein noch kleineres Intervall an: 1°C. Die aktuellen Temperaturen übersteigen bereits jetzt die bisherigen Maximalwerte des Mittelalters. [McIntyre/ McKitrick 2003]
[Die Kurven von McIntyre und McKitrick (sie zeigen das kleine T-Intervall von nur 1°C) finden sich bei Beck nicht weit unterhalb einer Darstellung mit einem T-Intervall von mächtigen 4,5°C, die als "Collage EGB 2003" mit dem Quellenhinweis "Quelle IPCC 1990 u.a." deklariert ist. [Beck 2006]]
T seit der Antike

diese Schwankungen sind (laut Bildunterschrift) DOE (Dansgaard-Oeschger-Events) [Beck 2007]

DOE treten nur in Eiszeiten auf [http://de.wikipedia.org/wiki/Dansgaard-Oeschger-Ereignis]
Hockey-Stick-Affäre
die aktuellen Schwankungen liegen in der Größenordnung der natürlichen Schwankungen;
die flache Mann-Kurve des IPCC wertet die Proxy-Daten (Näherungen aus sekundären Naturerscheinungen) falsch aus (Warmzeit des Mittelalters und Kleine Eiszeit der Neuzeit fehlen)
[Beck 2006]
Tatsächlich ist die Hockeystick-Kurve nach Mann im flachen Abschnitt falsch;  die Korrektur findet sich bei [McIntyre/ McKitrick 2003].
Dennoch gibt es seit 100a eine Korrelation zwischen anthropogenem CO2-Ausstoß und der globalen Durchschnittstemperatur, die sich mit Hilfe der aktuellen Klimamodelle recht gut nachvollziehen lässt.
[UBA 2006]
Eem-Zeit (vor 120.000a)
die erdgeschichtlich erst kürzlich vergangene Eem-Warmzeit war einige Grad wärmer
[Horx 2007]
die Temperaturen waren zwar in der Arktis deutlich höher als heute (wegen des geänderten Einfallwinkels der Sonnenstrahlung), aber die globalen Durchschnittswerte waren niedriger als heute
[Rahmstorf 2007]
Fluktuation der antarktischen Eisbedeckung (seit 4 Mio a)
"Auch in den letzten 3,5 Millionen Jahren taute die Antarktis, wie der Jenaer Geowissenschaftler Lothar Viereck-Götte anhand von Bohrkernen herausfand, mehrmals auf und wieder zu."
[Horx 2007]
der vom selbst ernannten "Zukunftsforscher" und Verkünder des "Zukunfts-Optimismus" Horx zitierte Viereck-Götte sprach in seiner Veröffentlichung lediglich von einem periodischen Vorstoß und Rückzug des Eises von einem Punkt der antarktischen Schelfs;
zu der Verallgemeinerung von Horx, er habe damit ein Auftauen der ganzen Antarktis beschrieben, sagt Viereck-Götte, Horx habe seine "Ergebnisse falsch dargestellt";
zu den jüngsten Zeiten wärmeren Klimas (z.B. im Pliozän, vor 3 Mio a; Temperatur etwa 2-3°C höher als heute) war die Antartis noch eisbedeckt - der Meerespiegel lag jedoch auch um 15-25m höher als heute (das antarktische Eis würde den Spiegel sogar auf insgesamt 57m ansteigen lassen - so weit geht das Bedrohungs-Szenario des IPCC bei weitem nicht);
Horx rechtfertigte Rahmstorf gegenüber seinen Fehler damit, "er habe diese Information aus den Medien übernommen"
[Rahmstorf 2007]
CO2-Daten der letzten 180a
  • die Rekonstruktionen der atmosphärischen CO2-Werte aus Eisbohrkernmessungen sind falsch [Jaworowski 2003]
  • die CO2-Gehalte der letzten 180 Jahre lassen keinen eindeutigen Zusammenhang mit anthropogenen Emissionen erkennen, sondern eher mit der sonnenbestimmten Temperatur
  • der geologische Einfluss ist viel bedeutsamer als der menschliche, denn das Maximum um 1820 lässt sich durch einen Vulkanausbruch erklären
  • vor 180 Jahren lag der CO2-Gehalt nicht wie behauptet bei 280ppm, sondern höher als 450ppm; demnach ist er heute nicht höher als damals, sondern sogar niedriger [Beck 2007]
  • Becks erste Zeitschriften-Veröffentlichung zum Thema erschien in in Energy & Environment [Beck 2007/2]; zitiert wird dieser Artikel in Executive Intelligence Review (EIR) [Jaworowski 2007]

[Beck 2007]

Beck errechnet hier Mittelwerte von z.T. 180 Jahre alten chemischen Analysen verschiedener Labors, die nicht auf eine standardisierte Messmethode zurückgehen. Seine Kurve zeigt starke Fluktuationen, die keinen Zusammenhang mit der Temperaturkurve zulassen. Gleichwohl behauptet er: je mehr T (durch Solaraktivität), desto höher p(CO2). Hierbei stützt er sich allerdings auch auf Eisbohrkerne. Die Zuverlässigkeit der chemischen Methoden, die Becks Auswertung zugrunde liegen, wird im Blog realclimate ausführlich diskutiert: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2007/05/beck-to-the-future/.

Die Werte des IPCC zeigen dagegen eine kontinuierliche Steigerung seit dem Beginn der Industrialisierung. Sie stützen sich vor allem auf paläoklimatische Daten, die aus zwei Eisbohrkernen (Vostok und EPICA; hier ist das Eis von Jahrtausenden aufeinandergeschichtet) gewonnen wurden. Sie lassen sich problemlos ergänzen durch die spektroskopischen Messungen der letzten 50a von Mauna Loa. Die Daten zeigen übereinstimmend, dass die Maxima der Schwankungen von p(CO2) zwischen Eis- und Warmzeiten seit 400.000 Jahren nicht über 300ppm lagen [McInnes 2007]. Die neueste Bohrung reicht über 3200m tief bis in 800.000a alte Eisschichten; dort setzt sich das Bild fort [Lüthi 2008]. Die Proxydaten aus Eisbohrkernen liefern für das Jahr 1860 zuverlässig ca. 280ppm CO2 [Rahmstorf 2004]

[Rohde 2006]

CO2-Eisbohrkerndaten der letzten 800.000a

Eisbohrkerne liefern generell zu geringe Werte, denn zu viel CO2 diffundiert vor der Messung aus der Probe

[Beck 2006, Jaworowski 2007]

[McInnes 2007]

[wenn das CO2 so hohe Diffusionstendenzen aus den Eiskammern hätte, wären die Unterschiede benachbarter Schichten nicht so gut konserviert und würden auch keine so deutliche Korrelation mit T aufweisen; tatsächlich zeigen sich in 800.000a alten Schichten vergleichbare Fluktuationen wie in den jüngsten Schichten; die Hypothese zu geringer Messwerte durch Diffusion ist also hinfällig]

Ursachen

höhere Temperaturen lassen sich durch die Fluktation der Sonnenaktivität erklären; der Antrieb durch die Emission von sogenannten "Treibhausgasen" ist zu vernachlässigen

die Fluktation der Sonnenaktivität ist zwar ein wichtiger Faktor in der Klimageschichte; seit Beginn der Industrialiserung herrscht jedoch der Treibhauseffekt als Antrieb vor: die T-Entwicklung seit den 70er Jahren ist schließt die Solaraktivität als einzige Erklärung für die globale Erwärmung aus

Solareinstrahlung

die Entwicklung der Solaraktivität seit dem Maunder-Minimum (kleine Eiszeit um 1600) korreliert mit der Entwicklung von T (und nicht mit der von p(CO2)):

[Beck 2007]

 

Satellitenmessungen zeigen, dass die Temperaturzunahme seit Ende der 70er Jahre nicht mehr mit der (direkten) Sonnenstrahlung zu erklären ist:

[Solanki 2002]

dieser bereits 2002 absehbare Trend hat sich mittlerweile verstärkt:

[McInnes 2009]

Satellitenmessungen der Solarstrahlung:

  • im Jahr 2000 (Maximum im 11a-Sonnencyclus) war sie 0,07% stärker als 2006 (Minimum)
  • die aus Isotopenmessungen in Eisbohrkernen rekonstruierten Werte der Solarstrahlung verursachen im Klimamodell nur ein Fünftel bis ein Drittel der gemessenen Erwärmung seit dem 17. Jahrhundert; das Modell lässt allerdings die Effekte von UV unberücksichtigt

[Foukal 2006]

T-Antrieb der letzten 750a: Eisbohrkerndaten aus dem Altai
Die Sonne hat mehr als 50% Anteil am Antrieb der Temperaturentwicklung, auch in jüngster Zeit, das zeigen auch Eisbohrkerndaten aus dem Altai-Gebirge, so der US-Abgeordnete Inhofe in seinem Blog [Inhofe 2009] Die Autoren der Studie stellen fest, dass sie hier von Inhofe falsch zitiert werden. Tatsächlich zeigen ihre Daten, dass der Solarantrieb bis vor 150 Jahren dominiert hat; die Entwicklung seither zeigt dagegen einen zunehmend dominierenden Antrieb von p(CO2) [Eichler 2009]
Sonnenwind-
theorie
  • kosmische Strahlung entsteht bei einer Supernova, dem Vergehen eines kleineren Sterns
  • die Sonne sendet permanent elektromagnetische Strahlung (Sonnenwind) aus; diese Strahlung erzeugt ein magnetisches Feld (Heliosphäre), das das Eindringen kosmischer Strahlung in unser Planetensystem vermindert
  • die Sonnenaktivität ist nicht kontinuierlich; bei Auftreten von Sonnenflecken mehr, sonst weniger
  • je höher die Solaraktivität, 
    • desto höher die Schutzwirkung der Heliosphäre vor kosmischer Strahlung, 
    • desto geringer die kosmische Strahlung und damit die Wolkenkeimbildung,
    • desto geringer die Wolkenbildung, 
    • desto wärmer die Atmosphäre
[Svensmark 2001]
Entwicklung der 10Be-Konzentration in Eisbohrkernen als Maß für Intensität kosmischer Strahlung:

[Schmitt 2002 (Lockwood 1999)]
vermutete Ursache: Entwicklung der Heliosphäre
[n.b.: Verstärkung der Heliosphäre zwischen 1940 und 1965, trotzdem Abkühlung:]

[Schmitt 2002 (Solanki 2002)]
[n.b.: höchste Sonnenfleckenzahl 1955 trifft mit zusammen mit T-Trendwende:]

[Reid 1999]
frühe Hinweise: die Sonnenfleckenzahl des sog. Maunder-Minimums führte zur kleinen Eiszeit:

[Schmitt 2002]
  • diese Theorie wurde bis 1994 in der Klimadebatte als seriöses Argument angesehen (die Konsequenz wäre: Klimaerwärmung ist nicht anthropogen)
  • die Messergebnisse der folgenden Jahre falsifizierten diese Theorie allerdings
  • die Änderung der Kondensationskeim-Konzentration in der Atmosphäre ist ohnehin nicht relevant, weil immer im Sättigungsbereich (d.h. zusätzliche Keime verursachen keine zusätzliche Kondensation)
  • kurzfristige Fluktuationen der kosmischen Strahlung korrelieren nicht mit der Wolkenbildung, die Bildung von Wolken aus Keimen müsste jedoch ± unmittelbar erfolgen
  • wäre der Effekt so bedeutsam, müssten die 11a-Cyclen der Sonnenaktivität viel deutlichere Auswirkungen auf die Temperatur haben [Rahmstorf 2004, Kristjansson 2002]:

[Benestad 2002]
  • die Temperaturerhöhung ist vor allem in den Nachtstunden zu messen, was mit einem erhöhten Treibhauseffekt sehr wohl, mit verringerter Wolkenbildung aber nicht zu erklären ist
  • => Effekt ist gegenüber Treibhauseffekt zweitrangig
[Rahmstorf 2004, Kristjansson 2002]
  • rechnet man die Strahlungswerte von Sonne und Kosmos in die Klimamodelle mit ein (Rekonstruktion aus Isotopendaten), dann ergibt sich eine gute Rekonstruktion der letzten 1000a [Rahmstorf 2004/2]:

[Rohde/2]
Die Anteile der wichtigsten Effekte in den Klimamodellen und die Übereinstimmung mit der Realität zeigt folgendes Bild:

[wikipedia/Kontroverse 2004, (Rohde, Meehl 2004, Jones 2003)]
neue Datenauswertung für Sonnenwind-
theorie
2003 wurden Satellitendaten von Marsh und Svensmark für eine neue Studie korrigiert => mit der Korrektur ergibt sich eine sehr gute Korrelation:

[Gray 2005 55 (Marsh 2003)]
"Subject to the above caveats and those described in the text, the CRF "[cosmic radiation flux]"/climate link therefore implies that the increased solar luminosity and reduced CRF over the previous century should have contributed a warming of 0.47 ± 0.19°K, while the rest should be mainly attributed to anthropogenic causes. Without any effect of cosmic rays, the increase in solar luminosity would correspond to an increased temperature of 0.16 ± 0.04°K."
[Shaviv 2005]


[NOAA 2006]

[http://www.spaceweather.com/java/archive.html]
  • in einem Review-Artikel des Hadley Center (Herausgheber: das britische Met Office) werden Svensmarks Auswertungen der Daten ebenfalls nicht anerkannt:
"More recently, the available ISCCP-D2 data has been increased, extending the time series over which the correlation can be calculated. Marsh and Svensmark (2003) analysed the ISCCP-D2 data extended to September 2001 and found that the correlation was weakened. They argued, however, that there was an inter-calibration problem with the ISCCP cloud data between September 1994 and January 1995, in the absence of a polar satellite, and suggested a correction (figure 5.4).
Whether this correction is appropriate is important. HS99 [eine Veröffentlichung von Svensmark 1999] pointed out that there were calibration issues with the ISCCP data and therefore that it should only be used for short periods for correlation studies. This comment was influenced by the work of Kernthaler et al (1999) and (Brest et al, 1997), following calibration difficulties with the ISCCP data through the use of three different polar orbiters. Transitions were identified in earlier ISCCP-C2 data at the change from one satellite sensor to another (Klein and Hartmann, 1993). This was the reason for the short period of comparison from 1985 to 1988 used by Kernthaler et al (1999), during which there was consistent calibration from the use of a single polar-orbiting satellite.
Since then, Robinson (2004) has argued that detailed analysis of ISCCP thermal infra-red data reveals sensor noise, as well as navigation and calibration errors. Systematic brightness temperature differences between early geostationary and polar orbiting satellites of 2 to 5K have been found, which have implications for the accuracy of ISCCP D2 data products. Robinson (2004) points out that the loss of the NOAA-11 reference polar orbital satellite, may explain the ISCCP-D2 anomaly (September 1994- January 1995), highlighted by Marsh and Svensmark (2003)." [Gray 2005]
  • das Hadley Center kommt zu dem Schluss:
"Taken together however, it is not possible to say that variations in clouds are linked to cosmic rays or even that the cosmic ray-cloud correlation has ion-induced particle formation as its physical cause." [Gray 2005]
CCN-Bildung im Experiment
in einer Gaskammer kann man mit simulierter kosmischer Strahlung CCN (cloud condensation nuclei) erzeugen [Svensmark 2001]
paläoklimatische Daten

zeigen einen möglichen Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität (über Sonnenwind) und T:
"If so, the multitude of empirical observations favours celestial phenomena as the most important driver of terrestrial climate on most time scales, but time will be the final judge" [Veizer 2005]
Die Datenlage ist dürftig und erlaubt keine eindeutige Aussage; die Auswertung der wenigen Daten ist umstritten [Gray 2005, Kommentar von Rasmus Benestad in www.realclimate.org (http://www.realclimate.org/index.php/archives/2005/05/on-veizers-celestial-climate-driver/)].
es gibt eine Treibhauswirkung der Atmosphäre

Die IR-Satellitenbilder der Erde beweisen: die Erde strahlt IR ab, einen Treibhauseffekt gibt es also nicht.


[Thüne 2008]

[Bei konstanter Temperatur ist die Erde in einem Strahlungsgleichgewicht mit ihrer Umgebung - sie strahlt so viel Energie ab, wie sie von der Sonne erhält. Ist die Bilanz nicht ausgeglichen, so kommt es auf der Erde zu Erwärmung bzw. Abkühlung (gemäß dem Energieerhaltungssatz).

Da die Erde nur einen geringen Teil der Sonnenstrahlung reflektiert, muss der Rest der Strahlungsenergie zuerst absorbiert (aufgenommen) und in Wärmeenergie (Teilchenbewegung) umgewandelt werden. Die warme Erde strahlt IR ab (für andere Strahlungsarten ist ihre Temperatur viel zu niedrig). Je höher die Temperatur der Oberfläche, desto höher der Antrieb zur Abstrahlung.

Wenn die Filterwirkung der Treibhausgase für IR-Strahlung zunimmt, kommt es zu einer höheren Reabsorption (Wiederaufnahme) der IR-Strahlung innerhalb der Atmosphäre, also zu einer Zunahme der Teilchenbewegung und damit der Temperatur. Die Temperatur steigt solange, bis wieder Strahlungsgleichgewicht herrscht: dann nämlich strahlt die wärmere Erde auch mehr IR-Strahlung ab - nämlich so viel, dass der Energieanteil, den die Atmosphäre ins All hindurchlässt, wieder im Gleichgewicht mit der eingestrahlten Energie der Sonne ist. (Ohne Treibhauseffekt wäre die Erdtemperatur im Mittel -18°C (real: z. Zt. ca. 10°C), und die Nächte wären extrem viel kälter als die Tage.) Ganz ohne IR-Abstrahlung wäre das Strahlungsgleichgewicht (bei Temperaturen unterhalb von Glut) gar nicht zu erreichen. Eine IR-Abstrahlung der Erde als Gegenbeweis des Treibhauseffekts anzuführen, widerspricht also zuerst einmal einfacher Schulphysik - nämlich dem Energieerhaltungssatz.

Dass die Atmosphäre zwar einerseits IR-opak (undurchlässig) ist, andererseits aber dennoch Energie in Form von IR abgeben kann, ist aber auch nur scheinbar ein Widerspruch - denn IR-Abstrahlung ist nicht die einzige Form der Energieübertragung in der Atmosphäre. Also: von der Erdoberfläche abgestrahlte IR-Quanten werden schnell von Teilchen der Atmosphäre reabsorbiert, die dadurch wieder mehr kinetische Energie gewinnen; diese geben sie durch verstärkte Stöße mit anderen Teilchen oder durch Re-Emission von IR-Quanten weiter. Diese können wieder von Teilchen absorbiert werden usw.. Beide Übertragungsmechanismen sind zunächst ungerichtet; da jedoch ein Temperaturgradient von Erdoberfläche zu Weltall besteht, kommt es in summa zu einem Energiestrom "himmelwärts". Der endgültige Energieverlust der Erde durch IR-Abstrahlung in den Weltraum erfolgt also tatsächlich nur in den obersten Luftschichten; diese bekommen die abzustrahlende Energie jedoch "von unten".]

Genaueres bei:

[NASA 2005]

Für eine Zunahme des Treibhauseffekts spricht in diesem Zusammenhang, dass die Erhöhung der Nachttemperaturen höher als die der Tagestemperaturen ist. [Rahmstorff 2004]

[Selbst unter Klimaskeptikern steht Thüne ziemlich alleine da. Zum Einordnen der Zielgruppe dieses Clips ist ein Blick auf Thünes Sprache sowie auf weitere Beiträge auf seiner Host-Seite http://www.secret.tv sehr aufschlussreich.]

CO2 ist ein relevantes Treibhausgas
nein, denn seine Konzentration ist zu gering
[Alvensleben 2002, Beck 2006]
ja, denn es trägt signifikant zum Strahlungshaushalt der Erde bei:
  • transmittiert VIS und UV und 
  • absorbiert/ reemittiert IR
[Arrhenius 1896]
auch wenn die CO2-Bande der Absorption bereits bei den derzeitigen geringen Konzentrationen nahezu gesättigt ist, so können doch die hohen Steigerungsraten seit 1860 (ca. 30%) einen signifikanten Beitrag leisten [Archer 2006]
Quantität der IR-Reflektion
  • die von Treibhausgas-Teilchen auf die Erde reflektierte IR-Strahlung hat keinen signifikanten Einfluss; 
  • kein Wunder, denn der Gesamtanteil der Treibhausgase an der Atmosphäre ist gegenüber den 4-5% Wasserdampf recht gering

[Alvensleben 2002, Beck 2006]

sie ist deutlich messbar und liegt in der nach den Modellrechnungen erwarteten Größenordnung [UBA 2004 21]
Mechanismus der IR-Reflektion
  • am Boden ist der Anteil an CO2-Teilchen, die überhaupt IR emittieren können, auf Grund der großen Stoßwahrscheinlichkeit gering
  • nur in 20km Höhe (wo die Teilchenkonzentration geringer ist, p=0,02bar) sind die Teilchen langsam genug, um IR abgeben zu können

[Alvensleben 2002, Beck 2006]

[Es kommt nicht nur auf die IR-Reemission der CO2-Moleküle an, sondern auf ihre IR-Absorption, (und die ist unabhängig von deren Stoßwahrscheinlichkeit), denn sie ist mitverantwortlich für Erwärmung.]

Konsequenzen

Die Emission von CO2 hat mehr positve als negative Folgen und sollte daher forciert werden

Die Emission von Treibhausgasen muss unbedingt so weit irgend möglich eingeschränkt werden

Entwicklung p(CO2)

Die Vorhersagen des IPCC zur Entwicklung von p(CO2) sind nach dem Wasserkasten-Modell nach Dietze viel zu hoch gegriffen, denn
  • die emittierten CO2- Mengen gelangen längst nicht vollständig in die Atmosphäre
  • die vom IPCC befürchtete Schwächung der ozeanischen CO2-Senke wird nicht eintreten
  • Erklärung: das Wasserkastenmodell, ein mathematisches Modell
[Dietze 2004]
[kein Thema, denn:
  • da Dietzes Artikel außer im Internet lediglich in der Zeitschrift FUSION (über diese Zeitschrift siehe hier) veröffentlicht wurde, wurde er von der Klimaforschung bisher geflissentlich ignoriert
  • auf der Internetpräsenz von John Daly präsentiert er sein Modell: er präsentiert es in einer recht überschaubaren Excel-Tabelle: http://www.john-daly.com/dietze/cmodcalD.htm]
T-Modell
keine anthropogene Erhöhung von T durch CO2-Emissionen zu befürchten [Beck 2006]
bei den derzeitigen Prognosen für die Emission von Treibhausgasen berechnen die wichtigsten Klimamodelle eine T-Erhöhung um 2-5K bis 2100

[IPCC-DDC 2006]
Bestätigung des T-Modells des IPCC durch Beobachtung

das T-Modell ist bereits jetzt durch die Beobachtungen widerlegt [Inhofe 2009, Wodopia 2008], denn 2008 fällt unter die Vorhersagen des IPCC

die von den Skeptikern benutzten IPCC-Modelle stammen aus 1990; die Modelle von 2001 zeigen weitaus bessere Übereinstimmung mit den Daten [Mrasek 2009]

Kaltzeit beginnt

möglicherweise beginnt eine Kaltzeit - die letzten drei Jahre (2007-2009) hätte die Sonnenfleckenzahl wieder steigen müssen, wenn der Sonnenfleckenzyklus normal weiter verlaufen soll

auch in der kleinen Eiszeit sind die Sonnenflecken ausgeblieben

[Odenwald 2010]

  • [2007 war ein Minimumjahr im 11-jährigen Sonnenfleckenzyklus. Also waren langsam steigende Werte nicht für 2007, sondern erst für 2008 und 2009 zu erwarten. Tatsächlich war der Wert von 2008 sehr niedrig, doch Ende 2009 war wieder eine starke Zunahme zu verzeichnen
  • die Sonnenfleckenzahl verläuft nicht wie eine Sinuskurve, sondern ergibt eine solche erst durch statistische Glättung; bei einer Periodendauer von 11a bereits nach 2 Jahren auf den weiteren Verlauf des ganzen Zyklus zu schließen, ja sogar einen Trend der nächsten Zyklen vorher zu sagen, widerspricht elementaren Regeln der Statistik; hier der aktuelle Verlauf des Sonnenfleckenzyklus mit den Vorhersagen des NOAA:

[NOAA 2009]

  • außerdem ist in der kleinen Eiszeit, als die Sonnenflecken über 50a fast völlig ausblieben, die globale Mitteltemperatur um circa 2K gesunken; Ausgangspunkt der Abkühlung war die mittelalterliche Warmzeit, deren Temperaturniveau wir bereits überschritten haben
  • wenn das Ausbleiben der Sonnenflecken so schnell derartige Folgen hätte, würde sich der Sonnenfleckenzyklus unmittelbar als Oszillation der T-Kurve bemerkbar machen - das ist aber nicht der Fall
  • die Entwicklung der Sonnenflecken spielte -verglichen mit dem Treibhauseffekt - in den letzten 50a höchstens noch eine kleine Nebenrolle in der Temperaturentwicklung - siehe Thema Solareinstrahlung]
  • in Vancouver wurden am 01.02.2010 9°C gemessen, in Grönland 10°C (Europa lag derweil seit Wochen im Schnee) - von lokalen Extremwetterlagen kann man eben nicht auf den globalen Trend schließen [Meteorologe Sven Plöger im ARD Morgenmagazin 01.02.2010]
Wetterextreme
keine anthropogene Häufung von Wetterextremen zu befürchten; die aktuell veröffentlichten Statistiken dienen der Panikmache [Beck 2006] kurzfristige Fluktuationen (also auch Abnahme der Wetterextreme) sind normal, aber der langfristige Trend zeigt nach oben [Rahmstorf 2004], denn eine höhere Temperatur erzeugt 
  • höhere Verdunstung und damit stärkere Niederschläge
  • höhere Luftdruckunterschiede und damit höhere Windgeschwindigkeiten

[Rahmstorf 2005 (Emanuel 2005)]
p(CO2)-
Zunahme steigert Primär-
produktion

Pflanzenwachstum steigt sichtbar - CO2 ist der Dünger gegen Hunger in der Welt [Alvensleben 2002]
[nota bene: obwohl p(CO2) doch gar nicht zugenommen haben soll]

stimmt, dies wird jedoch bei zunehmender Erwärmung durch Wärmestress überkompensiert
[Rahmstorf 2004]
Anpassung globaler Ökosysteme an Klimawandel
funktioniert seit Jahrmillionen [Alvensleben 2002]
  • nach der letzten Eiszeit stieg T um 5K innerhalb t von 5000a; aktuell ist ein ähnlicher Anstieg in 100a zu erwarten, also viel schneller [Rahmstorf 2004/2]
  • ist durch anthropogene Fragmentierung der Ökosysteme erschwert [Rahmstorf 2004]
Aufforstung als Gegenmaßnahme
Aufforstung könnte kontraproduktiv sein - Wälder setzen beim Wachstum nach einer Studie Methan frei, ein potentes Treibhausgas. [Bublath, Joachim. ZDF. 10.01.2007]
Ein Artikel in den VDI-Nachrichten zu der Studie ist betitelt: "Treibhaus Erde - auch Pflanzen heizen ein". [Haas 2006]

Im o.g. Artikel ist zu lesen: der Autor der Studie Frank Keppler (Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg) gibt an, dass das Pflanzenwachstum netto dennoch deutlich die Verminderung des Treibhauseffekts durch CO2-Aufnahme kompensiert; die mit dem Wachstum gekoppelte Emission von Methan mindere die Effekte der CO2-Senke auf ca. 4%. [Haas 2006]

CO2-freies Kohlekraftwerk

[nach der Logik der Klimaskeptiker kompletter Unsinn: Energieverschwendung]

Sequestrierung entzieht den Pflanzen wertvolles CO2

[Thüne 2008]

hier kann man geteilter Meinung sein:

  • die Kohle-Lobby sieht hier ein echtes Reduktions-Potential für die CO2-Emission
  • Kritiker verweisen auf die Gas-Eigenschaften von CO2:
    • Gase diffundieren auch aus kleinsten Erdspalten
    • bei Deposition im Meer kann eine Temperaturerwärmung des Tiefenwassers in kurzer Zeit große Mengen des Gases wieder freisetzen
Global Dimming
 
  • die Auswirkungen des GW werden z.Zt. noch durch die (mit den CO2-Emissionen gekoppelte) Erhöhung der Albedo durch Emission von Aerosol-Partikeln vermindert; die Abkühlung der 70er lassen sich so erklären; aktuell sorgt besonders China für enorme Effekte
  • manche Klimaforscher (u.a. Nobelpreisträger Paul Crutzen) halten ein künstliches Global Dimming für eine Ultima Ratio - falls das GW sich anderweitig als unbeherrschbar herausstellt

Schluss

Egal, wem die Zukunft Recht geben wird: mit der Klimadebatte erleben wir, dass Wissenschaft eine lebendige Auseinandersetzung von Menschen mit ihrer Welt und mit ihresgleichen ist, und es ist mal spannend und mal erschreckend, diese Auseinandersetzung zu beobachten und daran teil zu nehmen.

Doch bei aller Faszination für die Wissenschaft: es darf hier nicht darum gehen, am Ende Recht zu behalten und irgendwem seinen Irrtum nachzuweisen. Falls wir der Klimaforschung folgen, könnte das für uns ernste wirtschaftliche Folgen haben. Falls wir den Klimaskeptikern folgen, könnte das weit schlimmere Folgen haben.

Nach langen Jahren des Wirtschaftsliberalismus, in denen Umweltengagement verpönt war, ist das Thema Umwelt plötzlich wieder gesellschaftsfähig, ja ein Thema für Wahlkämpfe. In allen Industrienationen, sogar den USA, redet man sich die Köpfe heiß. Interessanterweise begann die Stimmung der Bevölkerung erst zu kippen, als von möglichen Schadenssummen(man denke an den umstrittenen Stern-Report 2006) die Rede war. Die Einschätzungen von Ökonomen sind in unserer Wissensgesellschaft einfach mehr wert als die von Naturwissenschaftlern (sicher auch als die von Geisteswissenschaftlern). Ob wir mit solch unsicheren Zahlenwerken als Begründung unseres Handelns zufrieden sein dürfen oder ob hier nicht andere, auch ethische Fragen viel wichtiger sind, möchte ich hier nicht diskutieren. Wie krass das Hantieren mit Zahlen die Umweltschutz-Absicht konterkarieren kann, zeigen die aktuellen Beispiele des Betrugs mit bzw. Missbrauchs von Klimazertifikaten (Produktion von FCKW in China nur zu dem Zweck, diese "emissionswirksam" zu entsorgen; Betrug beim CO2-Handel).

Allerdings - die Diskussionen um anthropogene Gas-Emissionen werden möglicherweise für den Gang der Geschichte wenig bedeutungsvoll sein. Bei der ersten Ölkrise der 70er hatten wir noch die Wahl einzulenken, heute sind die Optionen durch die sich abzeichnenden Rohstoffkrisen schon stark eingeschränkt, auch auf Grund fehlerhafter Politik und mangelnder Aufklärung der Bevölkerung. Das Thema Energie spielt im Lehrplan der Naturwissenschaften eine - verglichen mit der Alltagsbedeutung - kleine Rolle. Naturwissenschaftlicher Unterricht ist in allen Schularten auf dem Rückzug - in Anbetracht der vielfältigen Bekenntnisse zum Wissenschaftsstandort Deutschland ein Skandal. Der uninformierte Verbraucher hat sich so in eine fatale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bringen lassen - der Staat (Mineralölsteuer, Ökosteuer, MWSt, ...) und die Finanzwelt (gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen sucht das massenhaft vorhandene "Spielgeld" Spekulationsobjekte) danken es ihm. Immer wieder treffe ich auf die Meinung "die Wissenschaft wird schon irgendeine Lösung präsentieren".
Die Bali-Konferenz 2007 zeigte es wieder - der Umgang mit fossilen Rohstoffen wird wohl letztendlich von ökonomischen Argumenten bestimmt (allen Beteuerungen vieler Regierungen zum Trotz). Wobei die Preise und damit Renditeerwartungen der etablierten verbrauchsintensiven Wirtschaft in den nächsten Jahren zum Leidwesen der Verbraucher wohl noch drastische Formen annehmen werden. Erdöl und -Gas sind zum Verbrennen viel zu schade, denn man braucht sie dringend als Rohstoff in der chemischen Industrie. Wir verheizen gerade die Rohstoffe, mit deren Hilfe wir auch billiger unsere Häuser dämmen könnten.
Der Zugang zu fossilen Rohstoffen wird so ganz sicher zu einem zentralen Konfliktfeld im weiteren 21. Jahrhundert. Die Förderquote an Erdöl ist nach verschiedenen Studien 2009/10 am technischen Maximum (Nullstelle der ersten Ableitung), während die Wirtschaft der Schwellenländer das Ende ihres Wachstums (das wäre die Nullstelle der zweiten Ableitung) noch lange nicht erreicht hat. Zur Zeit steht nicht zu erwarten, dass diese Länder Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sein werden. Mit ihrer Lebensweise haben die Bewohner der Industrienationen Begehrlichkeiten geweckt, die die Erde mit den derzeit verfügbaren fossilen Energieträgern ebensowenig langfristig wird befriedigen können wie mit Atomkraft. Ein Umdenken in den reichen Ländern vor 35 Jahren hätte auch einen technologischen Wandel gebracht, der heute in den Wachstumszonen der Weltwirtschaft fruchten würde. Vor den Risiken einer globalen Atomwirtschaft wurde früh gewarnt, und selbst deutsche Kraftwerkstechnik ist vor ernsten Stör- und Unfällen (Brunsbüttel, Krümmel, Geesthacht, Asse, Hanau, ...) nicht gefeit. Auch wenn Kohle noch viel länger reicht als Öl, Gas und Uran: Die Diskussion um emissionsfreie Kohlekraftwerke lässt viele Fragen offen (wie sicher kann ein Herausdiffundieren des CO2 aus Kavernen dauerhaft verhindert werden, wie viel atmosphärisches O2 müssen wir dem Kohlefeuer opfern, usw.).
Eine Trendwende in der Weltbevölkerungsexplosion ist dabei nicht abzusehen, genauso wenig eine ernsthafte, international angelegte Entwicklungskampagne für die Dritte Welt. Das Halbierungsziel der UN für die weltweite Zahl der Armen wird mehr als kläglich scheitern. Es sieht so aus, als solle der Welt die Handlungsunfähigkeit der UN vor Augen geführt werden. Nur vereinzelte, kleine Entwicklungsprogramme versuchen, nachhaltig Wohlstand zu schaffen - der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Derweil verlagern die Arbeitgeber der westlichen Welt ihre Wertschöpfung großteils in Billiglohnländer, während sich die Financiers die Hände reiben - und die Arbeiter zu Hause in die Röhre gucken. Während die neuen Industrie-Arbeiter der Schwellenländer in den modernen Sweat Shops vom westlichen (zukünftig chinesischen) Wohlstand träumen, vergessen sie ihre alten Werte und Kulturtechniken, die ihre Vorfahren zum Überleben brauchten - und deren Tradition. Dass sie uns auch noch bei der Lösung von Umweltproblemen helfen sollen, kann man von ihnen nicht erwarten.
Aber auch in den Industrieländern rückt die fortschreitende Ungleichverteilung von Geld das Umweltproblem bei Vielen aus dem Blickfeld. Die Dimension der Kriseninterventionen der Industriestaaten in der Finanzkrise 2008 machen deutlich, wo die Prioritäten gesetzt werden. Nur wenige Menschen ergreifen die Initiative, um sich aus dem Hamsterrad der Wirtschaft zu befreien - sie besinnen sich auf alte Werte und Kulturtechniken. Vielleicht hilft die Wirtschaftskrise, dass sich noch mehr Menschen auf den Weg machen - Not macht erfinderisch.

An dieser Stelle möchte ich aus einem Zeit-Interview mit Dennis Meadows, einem Protagonisten des Club of Rome zitieren:
"Dennis Meadows machte 1972 mit dem Buch über die Grenzen des Wachstums für den Club of Rome Furore. Mit Vorliebe und dem ihm eigenen Humor schildert der Amerikaner heute, wie sich die Reaktion seiner Kritiker im Laufe der Jahre gewandelt hat.
Siebziger Jahre: Es gibt keine Grenzen.
Achtziger Jahre: vielleicht gibt es welche, aber sie liegen in weiter Ferne.
Neunziger Jahre: Womöglich sind die Grenzen schon recht nah, aber Technik und Markt werden das Problem lösen.
2000: Technik und Markt haben es leider nicht geschafft, aber mit mehr Wachstum werden wir es schaffen.
Demnächst, sagt Meadows, werde es heißen: Ging leider nicht. Aber jetzt ist es zu spät, um etwas zu unternehmen."
[Vorholz, Fritz. Die Versammlung der Weltveränderer. In: Die Zeit 49 31 2007]

Die Konsequenz: meiner Meinung nach sind die Ergebnisse der Klimaforschung kaum bestreitbar - doch ganz egal, ob nun die Klimaforschung Recht hat oder deren Skeptiker, wir müssen ohnehin von unserem Lebensstil, der auf der Verbrennung fossiler Energieträger basiert, Abstand nehmen, und wir sind technisch in der Lage dazu. Ob Wirtschaft und Politik an einer Lösung des Problems wirklich interessiert sind, wird sich zeigen.
Die Frage ist nun
: wollen wir das auch?
Und wenn Wirtschaft und Staat nicht mitmachen: Können wir nicht trotzdem - jeder für sich und alle zusammen - eine Veränderung bewirken?


Quellen

[alle Internet-Quellen wurden zwischen 12/2006 und dem Veröffentlichungsdatum aufgerufen]
  1. Archer 2006: Archer, David. Global Warmig. Understanding the Forecast. Blackwell Publishing. 2006. In: http://forecast.uchicago.edu/archer.ch4.greenhouse_gases.pdf
  2. Arrhenius 1896: Arrhenius, Svante. On  the influence of carbonic acid in the air upon the temperature of the ground. The London, Edinburgh and Dublin Philosophical Magazine and Journal of Science 5 237-276. London 1896
  3. Alvensleben 2002: Von Alvensleben, Alvo. Kohlendioxid und Klima- Vortrag vor Old Table Freiburg am 21.2.2002 von Dipl.-Phys. Alvo v. Alvensleben (revidierte Fassung März 2002). In: http://www.schulphysik.de/klima/alvens/klima.html
  4. Baier: Baier, Alfons. Von Wolkenschichten, Wärmespeichern und Vulkanen (einige Aspekte zur "Klimakatastrophe"). In: http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/klima1.htm
  5. Beck 2006: Beck, E. G.. Der Wasserplanet. In: http://www.zum.de/Faecher/Materialien/beck/wplanet/wp/index.htm; auch in: http://www.biokurs.de/treibhaus
  6. Beck 2007: Beck, E. G.. Der CO2-Betrug, der größte Skandal der Wissenschaftsgeschichte der Neuzeit? In: http://www.readers-edition.de/2007/05/07/der-co2-betrug-der-groesste-skandal-der-wissenschaftsgeschichte-der-neuzeit/
  7. Beck 2007/2: Beck, E.G. 180 Years of atmospheric CO2 Gas Analysis by Chemical Methods. In: ENERGY & ENVIRONMENT VOLUME 18 No. 2 2007
  8. Benestad 2002: Benestad, Rasmus E. (2002) Solar Activity and Earth's Climate, Praxis-Springer, Berlin and Heidelberg, 287pp, ISBN: 3-540-43302-3. In: Recent Warming But No Trend in Galactic Cosmic Rays. In: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2004/12/recent-warming-but-no-trend-in-galactic-cosmic-rays
  9. Berndt 2005: Berndt, Torsten, Olaf Böge, Frank Stratmann,  Jost Heintzenberg, Markku Kulmala. Rapid Formation of Sulfuric Acid Particles at Near-Atmospheric Conditions. Science Vol. 307. no. 5710 698 - 700. 4 February 2005. DOI: 10.1126/science.1104054;
  10. Brohan 2006: P. Brohan, J. J. Kennedy, I. Harris, S. F. B. Tett & P. D. Jones. Uncertainty estimates in regional and global observed temperature changes: a new dataset from 1850. Accepted version: December 19th 2005. J Geophys Res, 111, D12106
  11. Caillon 2003: Caillon, N. et al.. Timing of Atmospheric CO2 and Antarctic Temperature Changes Across Termination III. Science 299 1728-1731. 2003. In: Rahmstorf 2004
  12. Dietze 2004: Dietze, P.. Deutschland auf dem Weg in ein nachhaltiges Energie-Dilemma. In: FUSION Nr. 2/2003. In: http://www.bwl-bote.de/pdf/20040115.pdf
  13. Eichler 2009: Eichler, A., S. Olivier, K. Henderson, A. Laube, J. Beer, T. Papina, H. W. Gäggeler, and M. Schwikowski (2009), Temperature response in the Altai region lags solar forcing, Geophys. Res. Lett., 36, L01808, doi:10.1029/2008GL035930. In: http://www.agu.org/pubs/crossref/2009/2008GL035930.shtml
  14. Emanuel 2005: Emanuel, K., Increasing destructiveness of tropical cyclones over the past 30 years. Nature, 2005. 436: p. 686-688. In: Rahmstorf 2005
  15. Foukal 2006: Foukal, Peter V., Claus Fröhlich, Henk C. Spruit und Tom M. L. Wigley. Variations in solar luminosity and their effect on Earth’s climate. Nature, 14. September 2006
  16. Fu 2004: Q. Fu, C. M. Johanson, S. G. Warren, D. J. Seidel. Contribution of stratospheric cooling to satellite-inferred tropospheric temperature trends. In: Nature. 429 55-58 2004. In: wikipedia/Kontroverse 2004
  17. Gray 2005: Gray, L. J. , J. D. Haigh, R. G. Harrison. The Influence of Solar Changes on the Earth’s Climate. Hadley Centre technical note 62 (HCTN 62). Hadley Centre. Reading und London 2005. In: http://www.metoffice.gov.uk/research/hadleycentre/pubs/HCTN/HCTN_62.pdf
  18. Haas 2006 - Haas, Lucian. Treibhaus Erde - auch Pflanzen heizen ein. In: VDI nachrichten, Heidelberg, 27.01.2006. In: http://www.vdi-nachrichten.com/vdi_nachrichten/aktuelle_ausgabe/akt_ausg_detail.asp?source=paging&cat=2&id=26057&cp=1
  19. Hoffmann 2008: Hoffmann, Georg. Professor Reichholfs Klimaforschung zu Gast bei der Hayek Gesellschaft. In: PrimaKlima-Blog 05.12.2008. In: http://www.scienceblogs.de/primaklima/2008/12/professor-reichholfs-klimaforschung-zu-gast-bei-der-hayek-gesellschaft.php
  20. Horx 2007: Horx, Matthias. Warum ich nicht an die Klimakatastrophe glaube. In: Die Welt 13.03.2007. In: http://www.welt.de/politik/article759237/Warum_ich_nicht_an_die_Klimakatastrophe_glaube.html
  21. Inhofe 2009: U.S. Senate Minority Report Update: More Than 650 International Scientists Dissent Over Man-Made Global Warming Claims. In: The Inhofe EPW Press Blog 14.01.2009. In: http://epw.senate.gov/public/index.cfm?FuseAction=Minority.Blogs&ContentRecord_id=2674e64f-802a-23ad-490b-bd9faf4dcdb7&Issue_id=
  22. IPCC 1990: Intergovernmental Panel on Climate Change. Climate Change: The IPCC 1990 and 1992 Assessments. IPCC Secretariat. Geneva, Switzerland 1990.
  23. IPCC-DDC 2006: The model data used above was taken from the IPCC-DDC, and the models are as follows:
    1.  a CCSR/NIES: Center for Climate System Research [2] & National Institute for Environmental Studies, [3], CCSR/NIES AGCM + CCSR OGCM Models 1890-2100
       b CCCma: Canadian Center for Climate Modelling and Analysis [4], CGCm2 Model 1900-2100
       c CSIRO: Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation [5], CSIRO-Mk2 model 1961-2100
       d Hadley Centre: Hadley Centre for Climate Prediction and Research [6], HADCM3 model 1950-2099
       e GFDL: Geophysical Fluid Dynamics Laboratory [7], R30 Model 1961-2100
       f MPI-M: Max Planck Institute für Meteorologie [8], ECHAM4/OPYC coupled model 1990-2100
       g NCAR PCM: National Center for Atmospheric Research [9], PCM model 1980-2099
       h NCAR CSM: National Center for Atmospheric Research [10], CSM Model 2000-2099
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Glossar

aa Index - a 100-year series characterizing the magnetic activity... It is derived from from magnetic measurements near each of the poles (Greenwich and Melbourne observatories ...) [Benestad 2002]
AGW - anthropogenic global warming
CCN  - cloud condensation nuclei
CR - cosmic ray
CRF - cosmic radiation flux
GHG - Greenhouse Gas
gsl - global sea level
IR - infrarote Strahlung
NAO - nordatlantische Oszillation
p(CO2) - Partialdruck an CO2
PDO - pazifische dekadische Oszillation
UV - ultraviolette Strahlung
VIS - sichtbare Strahlung
 


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Fundgruben für Skeptiker-Argumente

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Bitte beachten Sie zur Beurteilung der Seiten besonders die Quellenangaben (hier: Anteil von Publikationen in einschlägigen Fachzeitschriften vs. Internetseiten, Frequenz bestimmter Seiten) sowie eventuelle politische Konnotationen.



Bemerkenswerte Persönlichkeiten

Ernst-Georg Beck - der rührigste deutsche Klimaskeptiker

Er ist - wie ich - Biologielehrer. Auf der einen Seite bezweifelt er die Klimamodelle des IPCC, die aufwändigsten Computerberechnungen unserer Zeit, die von mehreren Teams hochqualifizierter Klimaforscher durchgeführt und in verschiedenen Fachzeitschriften von einem breiten Fachpublikum begutachtet werden. Auf der anderen Seite traut er dem Wasserkastenmodell des Ex-Siemens-Elektroingenieurs Peter Dietze, der sein Modell in einer Tabelle des Tabellenkalkulationsprogramms Microsoft Excel 97 präsentiert. Das Modell wurde in der Fachwelt ignoriert, weil es außerhalb des Internet nur in der Zeitschrift FUSION erschien. Auf der einen Seite zieht er aus den Eisbohrkernen Schlüsse über die 400.000 Jahre alte Zusammenhänge von T und p(CO2), auf der anderen Seite zieht er die jüngsten Daten derselben Bohrung in Zweifel und bevorzugt die Werte aus verschiedenen z.T. 180 Jahre alten nasschemischen Analysen. Diese Punkte seien nur exemplarisch genannt; ich verweise hierzu auf die vielen o.g. Reaktionen der Fachwelt. Der Stil seiner Abhandlungen ist in höchstem Maße suggestiv, er bedient Resentiments, seine Texte strotzen vor persönlich beleidigender Polemik.
Dieser Mann verbreitete bis vor Kurzem seine Schriften vor allem im Internet, wo man immer noch die CD bestellen kann; weil seine Aussagen brisant sind, wurde und wird er von Medien und Veranstaltern von Informationsveranstaltungen hofiert: Artikel und Verweise schafften es in in verschiedene Zeitungen, ein spektakulärer Auftritt war zuletzt bei RTL (Klimaschwindel, 06.11.2007, 22:15Uhr). Er wurde auch 2008 noch u.a. an die Universität Bayreuth eingeladen, wobei die Einladung hier zu interessanten Auseinandersetzungen führte (http://www.scienceblogs.de/primaklima). Seine CO2-Datenauswertung veröffentlichte er 2007 in der Zeitschrift Energy & Environment, wo auch Soon & Baliunas ein Organ gefunden haben. Diese Zeitschrift ist nicht in der Zitaten-Datenbank Journal Citation Reports häufig zitierter Zeitschriften gelistet. [http://pubs.acs.org/subscribe/journals/esthag-w/2005/aug/policy/pt_skeptics.html]

Fred Singer, die FDP-Fraktion und die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Bundestagsfraktion Marie-Luise Dött

Lange habe ich Fred Singer aus dieser Seite herausgelassen, weil seine Schriften (vor allem zitiert bei Beck) auf Englisch abgefasst waren - mit den deutschen Seiten hatte ich genug zu tun. Die amerikanische Lesart des Themas (wie das vieler anderer Themen) schien mir zu Zeiten von G.W. Bush ohnehin allzu sehr interessengesteuert - sowohl was die öffentliche Meinung als auch was die Politik anging - ich hielt die USA in dieser Frage nicht für objektiv. Deshalb bestand für mich kein Bedürfnis nach Auseinandersetzung mit Singer.
Gerade (Oktober 2010) nahmen die Dinge jedoch eine überraschende Wendung. Singer hat es tatsächlich in in den Bundestag geschafft - er wurde zu einer Diskussionsrunde von FDP-Abgeordneten geladen - und da muss ich doch ein paar Zeilen auf ihn verwenden. Vor allem deshalb, weil die ebenfalls anwesende umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marie-Luise Dött, sich dazu hat hinreißen lassen, seine Ausführungen als "sehr, sehr einleuchtend" zu bewerten. Die FDP hat schon längere Zeit Kontakt mit Singer.
Vor dem Beginn dieser Arbeit hätte ich gedacht "na klar, jetzt versuchen die hartnäckigen Lobbyisten es schon wieder, Stimmung zu machen". Nach all meinen Recherchen ist dies für mich jedoch der politische Offenbarungseid der FPD: sie will der Öffentlichkeit weismachen, es gäbe noch Zweifel - und das, nachdem Wunsch-Koalitionspartner Angela Merkel sich schon als "Klimakanzlerin" hat feiern lassen. Meinungsmache von ganz oben kennen wir ja schon von anderen aktuellen Themen. Der diesbezügliche Artikel von Cordula Meyer ist absolut empfehlenswert [Meyer, Cordula. Die Wissenschaft als Feind. In: Der Spiegel 40 144 2010].
Fred Singer war jahrelang federführend in der TASSC - The Advancement of Sound Science Center. Diese Organisation wurde lange Zeit von der amerikanischen Zigarettenindustrie für Studien bezahlt. Es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, dass in diesen Studien der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs geleugnet wurde. Eben dieser Wissenschaftler hat nach dem Misserfolg seiner Tabak-Kampagne neue Geldgeber gefunden: u.a. die amerikanische Ölbranche für sein SEPP.
Um seine Bedeutung in der Szene zu würdigen, müsste ich diesem Mann viele Seiten widmen. Da ich die USA in der Klima-Frage für verloren (sprich: Sachargumenten unzugänglich) halte, und da die Ergebnisse von Singers Informations-Arbeit und mir auch seine persönlichen Motive klar sind, habe ich mir das erspart. Da Beck ihn sehr fleißig zitiert hat, habe ich vermutlich auch die wichtigsten seiner Sach-Argumente bereits berücksichtigt.
Die skandalöse Haltung von Frau Dött jedenfalls war ganz schnell Geschichte. Sie ist kurz nach ihrem faux pas wieder zurückgerudert. Was aber bleibt, sind massive Zweifel an ihrer Sachkompetenz - sie hat sich von einem einzigen Vortrag überrumpeln lassen und ist kurz danach (aufgrund "höherer Einsicht") wieder auf Linie zurückgekehrt. Gerade in der wichtigsten umweltpolitischen Frage hat die umweltpolitische Sprecherin der größten Regierungsfraktion im deutschen Bundestag in meinen Augen ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Über die Rolle der FDP, die Singer eingeladen hat, brauche ich nicht viel zu sagen; ihre Nähe zu Wirtschaftslobbies ist bekannt.

Sallie Baliunas, Dr. Hans von Storch und der Wirbel um die Zeitschrift Climate Research

Sallie Baliunas ist eine Astrophysikerin, die zunächst (vor der Verleihung des Nobelpreises) Crutzens Theorie des Ozonabbaus durch CFCs kritisierte. Heute bezweifelt sie sowohl das Phänomen der globalen Erwärmung als auch die Treibhausgaswirkung von zusätzlichem CO2.

In einer ihrer Studien behauptet sie, die Temperaturen seien im Mittelalter noch deutlich höher gewesen [Soon, W., Baliunas, S. (2003). Proxy Climatic and environmental changes of the past 1000 years. Climate research 23 89-110].

Wegen dieser Veröffentlichung geben vier Redakteure der Zeitschrift, darunter der Chefherausgeber, ihr Amt auf:
"Unter dem Eindruck anhaltender Kritik an dem Papier von Soon und Baliunas, unter anderem in einer Veröffentlichung der angesehenen Zeitschrift Eos, verfasste der Chefredakteur von Climate Research, Hans von Storch, einen kritischen Leitartikel in eigener Sache. Nachdem der Herausgeber ihm jedoch davon abriet, das Gutachtersystem des Hauses zu kritisieren, ist von Storch von seinem Posten zurückgetreten. "Die Studie war fehlerhaft und hätte nicht veröffentlicht werden dürfen", sagt der Klimaforscher vom deutschen GKSS-Institut für Küstenforschung in Geesthacht. Mittlerweile ist auch bekannt geworden, dass die fragliche Studie mit 53000 Dollar vom American Petroleum Institute unterstützt wurde und die beiden Autoren einen Teil ihres Einkommens vom George-C.-Marshall-Institut beziehen, das seit Jahren in Washington gegen Begrenzungen von Gasausstoß kämpft." [Illinger, Patrick. So viele Meilen bis Kyoto. Süddeutsche Zeitung. München 12.08.2003]

Der amerikanische Wissenschaftsjournalist Monastersky berichtet über die Kritik am Baliunas-Papier:
"It is absurd to take wetness or dryness as proof of abnormal warmth, the critics argue. "A paper using that kind of methodology could not be published in any legitimate climate-research journal unless something was severely wrong or suspicious with the review process," says Virginia's Mr. Mann, lead author of the Eos paper, whose own studies on climate were heavily criticized by Mr. Soon's team in the Energy and Environment paper.
Mr. Mann and his colleagues also find fault with the Soon-Baliunas definition of a climatic event. Under their method, warmth in China in 850, drought in Africa in 1000, and wet conditions in England in 1200 all would qualify as part of the Medieval Warm Period, even though they happened centuries apart.
And the critics say that the Harvard-Smithsonian team set up a straw man in comparing conditions during the 20th century with those in earlier centuries. The greatest warming has happened during the past few decades, and so taking an average of the entire century, or even half of it, washes out the recent trend, says Mr. Mann. What's more, many of the climate records examined by the team do not include the most recent decades. Mr. Soon and Ms. Baliunas improperly used data sets compiled by other researchers, says Mr. Mann. "Many people feel betrayed by the misrepresentation of their data."
Indeed, scientists contacted by The Chronicle complained about the way their work was cited by the Harvard-Smithsonian team.
Peter deMenocal, an associate professor at Columbia University's Lamont-Doherty Earth Observatory, used sediment records off the coast of Africa as a proxy for ocean-surface temperatures. He says Mr. Soon and his colleagues could not justify their conclusions that the African record showed the 20th century as being unexceptional.
"My record has no business being used to address that question," the Columbia scientist says. "It displays some ignorance putting it in there to address that question."
David E. Black, an assistant professor of geology at the University of Akron, says Mr. Soon's group did not use his data properly in concluding that the Middle Ages were warm and the 20th century ordinary. Mr. Black's record of plankton in ocean sediment collected off Venezuela provides a proxy record of the strength of trade winds from 1150 to 1989. But "winds don't meet their definition of warm, wet, or dry," he points out.
Contrary to what Mr. Soon's team claims about the Venezuelan data, Mr. Black says he found no 50-year period of medieval extremes in his record. "I think they stretched the data to fit what they wanted to see," he says.
Mr. Soon defends his study and says the critics have mischaracterized his work. "Some of the proxy information doesn't contain directly the temperature information," he acknowledges, "but it fits the general description of the medieval warm climatic anomaly."
He says he included information about precipitation because too many scientists have focused on temperature, which is not the only measure of climate. "This is a first-order study to try to collect as much data as possible and try not to make the pretension that we know how to separate the information in the proxy." [Richard Monastersky. Storm Brews Over Global Warming. In: Chronicle of Higher Education, 4 September 2003]

Auch an der Ozondebatte nahm sie teil. Zitat aus wikipedia (Stand 01/2007):
"... Baliunas earlier adopted a skeptical position regarding the hypothesis that CFCs were damaging to the ozone layer, which earned its originators, Paul Crutzen, Mario Molina and Frank Sherwood Rowland, the Nobel Prize for Chemistry in 1995. Her arguments on this issue were presented at Congressional hearings held in 1995 (but before the Nobel prize announcement).
Baliunas' criticism was supported by climate change skeptics such as Fred Singer, Hugh Ellsaesser, Patrick Michaels,Frederick Seitz, and others. ...
Although Baliunas never publicly retracted her criticism of the ozone depletion hypothesis, an article by Baliunas and Soon written for the Heartland Institute in 2000 promoted the idea that ozone depletion, rather than CO2 emissions could explain atmospheric warming" [Baliunas, Sallie und Willie Soon. The trouble with ozone. In: Environment News. The Heartland Institute. Chicago 2000. In: www.heartland.org]
[http://en.wikipedia.org/wiki/Sallie_Baliunas]

Sallie Baliunas wird mehrfach von Ernst-Georg Beck zitiert.

Peter Dietze, FUSION und der Dr.-Böttiger-Verlag

Peter Dietze ist Ingenieur für Elektrotechnik und Regelungstechnik und war bei Siemens beschäftigt. Von Publikationen zu Dietzes Wasserkastenmodell in einschlägigen Fachzeitschriften der Klimatologie ist dem Autor nichts bekannt (Stand 2007). Die vorliegende Schrift von Herrn Dietze [Dietze 2004] erschien außer im Internet nur in der Zeitschrift FUSION, die vom Dr.-Böttiger-Verlag über das Internet vertrieben wird. Der Verlag gibt ebenfalls die Zeitschrift der Bewegung "Neue Solidarität" heraus, die von wikipedia (Stand: 01/2007) der Lyndon-LaRouche-Bewegung zugeschrieben wird [http://de.wikipedia.org/wiki/Lyndon_LaRouche]. Tatsächlich enthielt die Homepage des Verlags im Januar 2007 einen Link auf ein Internetforum mit Lyndon LaRouche am 11.01.2007 bei http://www.larouchepac.com.
Zum politischen Hintergrund der vorliegenden Schrift von Dietze ein Zitat:
"Anmerkungen des Herausgebers
Der Artikel von Peter Dietze regt an, darüber nachzudenken, was für unser Volk in seiner gegenwärtigen Lage wichtiger ist:
die Wiedergewinnung des Generationenersatzes durch Sanierung der Geburtenzahl oder die "Rettung" des Globalklimas, zu dem die Industrienationen im äußersten Fall eine Abkühlung um 1/100 °C bis zum Jahre 2050 beitragen könnten.
Manche Mitbürger wagen nicht an ein gerechtes Erziehungsgehalt mit Rentenanspruch und kostendeckendes Kindergeld zu denken, weil das beim besten Willen nicht finanzierbar sei - mit 250 Milliarden Euro bis 2020 könnte man in Deutschland, anstatt 3/1000 °C zu erreichen, manchen erstickten Kinderwunsch wiederbeleben!" [Dietze 2004]

Peter Dietze wird u.a. von Ernst-Georg Beck, Alvo von Alvensleben und John Daly zitiert und trat auch 2008 als Referent bei öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, z.B. des VDI, auf.

John Daly - "still waiting for greenhouse"

Der gebürtige englische Seefahrer beendete sein Leben 2004 in Tasmanien, wo er u.a. zahlreiche Meeresspiegelmessungen und Erkenntnisse anderer Klimaskeptiker via Internet veröffentlichte (u.a. Host für ein Simulationsprogramm von Peter Dietze). Seine Privatforschung wird in Fachkreisen nicht anerkannt.

John Daly wird u.a. von Ernst-Georg Beck und Alvo von Alvensleben zitiert.

ZDF-Meteorologe Dr. Wolfgang Thüne

Seine Vita reicht von vielfältigen Studien über eine langjährige Tätigkeit als Meteorologe, eine umstrittene Dissertation über "Die Heimat als soziologische und geopolitische Kategorie und als Identitätsimpuls in der Dynamik der modernen Industriegesellschaft" bei Prof. Bossle bis hin zur Propaganda-Zusammenarbeit mit dem einschlägig bekannten ZDF-Kollegen Gerhard Löwenthal (Aktion der Mitte) und einer Mitgliedschaft im Präsidium beim Bund der Vertriebenen. So schaffte er es auch in die Leitung des Referates "Naturwissenschaftlich-technische Grundsatzfragen der Umweltpolitik" beim Umweltministerium Rheinland-Pfalz (bis zur Pensionierung) und in den "Klimabeirat" der Bundesregierung.

Über seinen Doktorvater Bossle, Präsident des privaten Instituts für Demokratieforschung in Würzburg, schreibt Christiane Schlötzer-Scotland in der Süddeutschen Zeitung "Aufstand in der «Doktorfabrik» - auch CSU verliert Geduld mit Soziologieprofessor Bossle" [In: Süddeutsche Zeitung, Nr.42, 20.02.1992, S. 21]. Otto Köhler schreibt in der Wochenzeitung Zeit über Thünes und andere Dissertationen bei Bossle: "Doktorspiele in Würzburg - jeder Dreck kann hier als Dissertation durchgehen..." [DIE ZEIT 45, 04.11.1988; archiviert unter: http://www.zeit.de/1988/45/Doktor-spiele-in-Wuerzbur?page=all]

Thüne ist der einzige mir bekannte Klimaskeptiker, der den Treibhauseffekt an sich in Frage stellt. Seit vielen Jahren schreibt Thüne gebetsmühlenartig (und publizistisch erfolgreich) gegen die Lehrmeinung der Klimaforschung an und wird häufig von Ernst-Georg Beck zitiert. Selbst die offene Infragestellung seiner fachlichen Kompetenz in den Mitteilungen der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft 1/1996 konnte ihn nicht bremsen. Wie er neuerdings in seiner Videobotschaft an Dr. rer. nat. Angela Merkel 2008 seine Treibhauseffekt-Philippika mit IR-Temperaturkarten zu beweisen sucht und dieses Video bei secret.tv publiziert, zeichnet ihn fachlich noch einmal ganz besonders aus.

Dr. Horst-Joachim Lüdecke sieht sich nicht als Skeptiker

Der Professor der Physik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken äußert sich in einem Bericht über die Unsicherheiten der aktuellen Forschung. Er orientiert sich formal, methodisch und stilistisch an akademischer Fachliteratur; interessant ist jedoch die Darstellung seiner Motivation und die Auswahl seiner Quellen, die er eigens rechtfertigt: so deutet er eine Voreingenommenheit der publizierenden Klimaforschung gegen Skeptiker an, was s.E. begründet, dass man skeptische Artikel kaum in Fachzeitschriften findet.
Zitate aus seinem Bericht "Klimawandel und menschgemachtes CO2":
"Der Autor sieht sich nicht als "Skeptiker", der einen Einfluß des menschverursachten CO2 auf das Klima abstreitet. Er erhebt keinen Widerspruch gegen Inhalt und Qualität der klimatologischen Fachveröffentlichungen, die unter dem Dach des IPCC erstellt wurden, er ist aber auch kein unkritischer Zeitzeuge, der die vom IPCC politisch propagierte Hypothese über die katastrophale Rolle des anthropogenen CO2 gläubig übernimmt (aus guten Gründen nicht)." ...
"Der vorliegende Beitrag ist daher kein für eine Fachzeitschrift gedachter oder gar geeigneter Aufsatz. Er faßt vielmehr den heutigen Diskussions- und Faktenstand an Hand von leicht erreichbarer Internet-Fachliteratur kritisch zusammen und legt Schwerpunkte auf die umstrittenen, öffentlich geäußerten Folgerungen aus den heute vorliegenden Forschungsmodellen und -ergebnissen und auf die hieraus abgeleitete Politik. Alle im Aufsatz genannten Fakten wurden mit größtmöglicher Sorgfalt überprüft." ...
In seiner Liste von Informationsquellen finden sich neben den bekannten Klimatologen die einschlägig bekannten Seiten von Alvo von Alvensleben, Ernst-Georg Beck und SEPP.
"Dieses Vorgehen des Autors ist angreifbar, es kommt hier aber weniger auf wissenschaftlich umstrittene Details sondern auf das aus vielen Details resultierende Gesamtbild an." ...
"Veranlassung war das Bemühen, studentische Fragen - es handelt sich um Wirtschaftsingenieure, die von Klimaphysik einigermaßen weit entfernt sind - ehrlich und nach bestem Wissen zu beantworten. Wenn der Beitrag als Basis geeignet ist, den heutigen Stand und die zugehörigen Grundlagen einem interessierten Laien zu vermitteln, ist sein Zweck erfüllt.
Es sei nicht verschwiegen, daß der Autor innerhalb des wissenschaftlich zulässigen Interpretationsspielraumes (zur Vermeidung von Mißverständnissen sei wiederholt betont, daß in diesem Aufsatz keine einzige klimatologische Fachveröffentlichung in Zweifel gezogen wird) eine optimistische Haltung einnimmt. Hierzu geben die zahlreichen Irrtümer etablierter Wissenschaftsmeinungen der Vergangenheit genug Anlaß, stellvertretend seien genannt Die Liste ließe sich fortsetzen."

Richard Lindzen - gesellschaftswissenschaftliche Interpretationen eines Klimaforschers

Aus der Zusammenfassung einer Veröffentlichung des MIT-Wissenschaftlers aus 1996: "Despite the absence of a significant scientific basis for most predictions, the public has been led to believe that there is an overwhelming scientific consensus that the issue is a matter of immediate urgency requiring massive control of energy usage.  The first part of this paper will briefly describe this situation.  The thought that scientists would allow such an abuse of science is difficult for most laymen to believe.  However, I suggest that what is happening may, in fact, be the normal behavior to be expected from the interaction of science, advocacy groups, and politics.
A study of an earlier example of such an interaction, the interaction of genetics, eugenics and immigration law during the early part of this century, reveals almost analogous behavior." [Lindzen, Richard. Science and Politics: Global Warming and Eugenics. In: Risks, Costs, and Lives Saved, R.W. Hahn, editor, Oxford University Press, New York, 1996]


Trittbrettfahrer - oder: die Rolle der Medien

Von der allgemeinen Verunsicherung profitieren nicht nur die Kreise, die eine Beschränkung der CO2-Emisionen verhindern wollen. Auch Buchverlage, Printmedien und das Fernsehen gieren nach provokanten Aussagen, die gegen den (unbequemen) Mainstream anecken. Es gilt ein großes interessiertes Laienpublikum zu befriedigen, das teils nach geldwerten Argumenten gegen CO2-Restriktionen sucht, teils die Warnungen des IPCC nicht wahrhaben will.

Focus Magazin

Im kalten Winter 2009/10 verkaufte sich die Titelgeschichte des Focus vom 11.01.2010 besonders gut, vor allem nach der Werbung im ZDF-Morgenmagazin. Dort durfte in der Presseschau eine Focus-Redakteurin süffisant verkünden (sinngemäß): die Klimaforschung sei sich ja immer noch uneins über die Klimaerwärmung. Es drohe eine kleine Eiszeit, weil die Sonnenfleckenzahl sich dramatisch vermindert hätte.

Tatsächlich sind nun vom 11-jährigen Zyklus, der nur geglättet sinusförmig verläuft, ganze zwei Jahre unterdurchschnittlich verlaufen. Eine Vorhersage des laufenden wie der nächsten Zyklen lässt sich dadurch auf keinen Fall zuverlässig vorhersagen. Es wird aber der Eindruck vermittelt, die ganze Diskussion um Treibhausgas-Emissionen sei obsolet - diese wackelige Argumentation ist dem Focus eine ganze Titelgeschichte wert. Der Artikel ist gemäß dem vollmundigen Werbesversprechen des Chefredakteurs Peter Markwort natürlich angereichert mit "Fakten, Fakten, Fakten" - die sich bei näherem Hinsehen z.T. leider nur als wissenschaftliche Binsenweisheiten entpuppen (z.B. Infographik über den solaren Fusionsprozess) - die tragen zwar nicht viel zur Aufklärung des Problems bei, suggerieren dafür aber eine seriöse wissenschaftliche Berichterstattung. Für den naturwissenschaftlichen Durchschnitts-Bildungsbürger eher schwer zu durchschauen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich dann überraschenderweise, dass der Redakteur Odenwald allerdings auch ganz seriös so manches Pro und Contra gegenüber stellt und damit am Ende einen brauchbaren Artikel schafft - nur leider wird das von den meisten Blog-Teilnehmern überlesen, die nur die bombastische Schlagzeile lesen und dann wieder im Blog ein klimaskeptisches Feuerwerk abbrennen.

Die Rechnung geht also wieder einmal auf - die Auflage wird's danken.

Horx, Reichholf und die "Welt"

Ich zitiere hier ein paar Stellen aus einem Artikel des Klimaforschers Stefan Rahmstorf, der sich neben seiner Arbeit am PIK und in diversen Gremien (u.a. IPCC) immer wieder genötigt sieht, sich mit den Klimaskeptikern auseinander zu setzen:

"Ein Newcomer unter den "Klimaskeptikern" ist der Zukunftsforscher Matthias Horx, der in einem Welt-Essay (13. März 2007) das alte Argument vorbringt: "Das Klima hat sich schon immer geändert." Das stimmt, aber die Fakten von Horx stimmen großenteils nicht oder sind irreführend dargestellt. So schreibt er, vor 500 Millionen Jahren habe die CO2-Konzentration sensationelle 28 Prozent betragen (tatsächlich waren es 0,7 Prozent), und vor 300000 Jahren sei die Sauerstoffkonzentration 30 Prozent gewesen (in Wahrheit ist das tausendmal länger her).
Dann behauptet er: "Mindestens viermal in der Urgeschichte kam es zu ausgedehnten Wärmeperioden. Vor 400000 Jahren dauerte die "Global Warming" - Phase 30000 Jahre". Hier spricht Horx von den vier Warmphasen (Interglazialen), die in den letzten 400000 Jahren zwischen den Eiszeiten aufgetreten sind.
In einem solchen Interglazial, nämlich dem Holozän, leben wir seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10000 Jahren. Horx suggeriert aber, diese "Wärmeperioden" seien wärmer als das heutige Klima gewesen, und ein "global warming", wie die Erde es derzeit erlebt, sei etwas ganz Normales. Die Klimadaten geben dies allerdings nicht her: sie legen im Gegenteil nahe, dass die globale Durchschnittstemperatur in den vorherigen Interglazialen der im Holozän vergleichbar war. Am besten belegt ist dies für die letzte Warmzeit vor 120000 Jahren, das Eem. Damals war es in der Arktis zwar mehrere Grad wärmer als heute (und der Meeresspiegel wegen der kleineren Eisschilde 4 bis 6 Meter höher), die globale Mitteltemperatur war aber nach gegenwärtigem Wissensstand nicht spürbar wärmer. Dies liegt an der Ursache dieser Warmphasen, den Erdbahnzyklen, die die Sonneneinstrahlung zwar umverteilen (im Eem wesentlich mehr Sommersonne in der Arktis), aber eben nicht global erhöhen.
Im nächsten Satz behauptet Horx: "Auch in den letzten 3,5 Millionen Jahren taute die Antarktis, wie der Jenaer Geowissenschaftler Lothar Viereck-Götte anhand von Bohrkernen herausfand, mehrmals auf und wieder zu."
Wenn die Polizei einen Brand untersucht und handfeste Beweise für Brandstiftung vorlegt, könnte man diese auch kaum mit dem Argument entkräften: Feuer hat es auch schon gegeben, bevor es Menschen gab.
Eine wissenschaftliche Sensation - wenn es denn stimmen würde. Viereck-Götte sagt dazu nur lapidar, Horx habe seine "Ergebnisse falsch dargestellt". Tatsächlich zeigen seine Daten lediglich, dass an einer Stelle der Antarktis ein bestimmtes Eisschelf mehrfach vorgestoßen und wieder zurückgegangen ist. Ein unspektakuläres Stück Routinearbeit der Klimawissenschaften, das Horx zur Beförderung seiner Thesen zum "Abtauen der Antarktis" aufbauscht.
Horx rechtfertigte seinen Fehler mir gegenüber damit, er habe diese Information aus den Medien übernommen. Hier stellt sich die Frage: Ist der nach Pressekodex erforderlichen "sorgfältigen Recherche" damit Genüge getan, dass man aus anderen Zeitungsartikeln etwas abschreibt? Oder sollten fünf Minuten investiert werden, um die Originalquelle zu prüfen? Ohne eine solche Überprüfung setzen sich Fehler über Jahrzehnte immer weiter fort, wie der oben genannte Mythos, Vulkane würden mehr CO2 ausstoßen als der Mensch.
Die Essenz von Horx' Artikel ist ja gerade, dass die auf mehr als einem Jahrhundert sorgfältigster Forschung beruhenden Aussagen der Klimatologen nicht zuverlässig seien. Da verwundert es schon, dass Horx offenbar nicht einige Minuten zu investieren bereit ist, um die Zuverlässigkeit seiner eigenen Aussagen zu prüfen.
Am Ende bringt Horx sogar das ebenso alte wie falsche Argument, das Klima ließe sich nicht voraussagen, weil wir "nicht einmal Regen und Sonnenschein für Kleindettelhausen in 7 Tagen" vorhersagen könnten. Ich weiß nicht, ob Horx selbst nicht zwischen Wetter und Klima unterscheiden kann, oder ob er einfach nur hofft, dass seine Leser dies nicht können. Egal - um zu einem Interview mit Maybrit Illner und in diverse Talkshows geladen zu werden, hat das Sammelsurium von Falschaussagen gereicht."
...
"Der Fall Reichholf
Mit falschen und irreführenden Klimakurven arbeitet auch Josef Reichholf, dessen Buch "Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends" derzeit in vielen Buchläden ausliegt. Die Kernthese des Buches ist, dass die Klimaentwicklung im letzten Jahrtausend wesentlich unsere Geschichte geprägt hat. Überraschenderweise erfährt man jedoch praktisch nichts über den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu dieser Klimaentwicklung. In der Fachliteratur gibt es inzwischen ein Dutzend Rekonstruktionen des Klimaverlaufs auf der Nordhemisphäre über diese Zeit, die auf den Daten aus Baumringen, Korallen, Eisbohrkernen, Sedimenten und der Gletscherausdehnung beruhen. Sie alle sind im neuen IPCC-Bericht diskutiert. Bei Reichholf werden diese Studien nicht erwähnt. Er diskutiert zwar, dass historische Ereignisse wie die Vorstöße der Mongolen wohl mit bestimmten Klimabedingungen zusammenhängen müssten - auf eine Überprüfung dieser Hypothese anhand von Klimadaten wartet der Leser jedoch vergeblich. Dafür liefert Reichholf reichlich Belege für sein Unverständnis elementarer Zusammenhänge im Klimasystem, zum Beispiel wenn er über die Eiszeiten schreibt: "Die Niederschläge hatten global stark abgenommen, weil so viel Wasser an beiden Polen in Eis gebunden war."
Ausführlich wird die Geschichte der Landverluste durch Sturmfluten an der Nordsee behandelt - aber ohne deren Ursache zu erwähnen, die nacheiszeitliche Landabsenkung um über 1 mm/Jahr. Nach seinem Credo "warm ist gut" führt Reichholf diese Landverluste stattdessen auf das schlechte Wetter während der "Kleinen Eiszeit" zurück. Dass einige der verheerendsten Fluten, zum Beispiel die Julianenflut 1164 und die Marcellusflut 1219, während der mittelalterlichen Warmphase stattfanden, stört ihn dabei nicht.
Die einzige scheinbare Klimakurve des letzten Jahrtausends findet man auf Seite 231. Dort steht eine Grafik mit der Überschrift "Sonnenaktivität und Klima über das letzte Jahrtausend". Man wundert sich, dass nur eine Kurve gezeigt ist, und nicht eine Klima- und eine Sonnenkurve verglichen werden. Die Achsenbeschriftung lautet "Wärme-Index", und in der Bildunterschrift liest man, dass die "Klimaerwärmung gerade das angenommene Niveau des Hochmittelalters erreicht".
Schaut man bei der angegebenen Quelle nach (wie bei Reichholf üblich ein populärwissenschaftlicher Artikel, keine Originalquelle), stellt man fest: Es handelt sich um 14C-Daten aus Baumringen, die Rückschlüsse auf die vergangene Sonnenaktivität erlauben. Doch Reichholf hat die Kurve verändert: Im Original reichen die Daten bis 1955, bei Reichholf ist dieselbe Kurve so gestreckt, dass sie bis zum Jahr 2000 reicht. Dies ist nicht unwichtig: Bekanntlich hat die Sonnenaktivität seit 1955 nicht zugenommen, weshalb sie nicht an der aktuellen Erwärmung beteiligt sein kann. Bei Reichholf sieht es dagegen so aus, als habe die Sonnenaktivität bis 2000 deutlich zugenommen. Zudem wird den Lesern nahegelegt, es handele sich um eine Temperaturkurve. Wie oben erwähnt, zeigen aber alle Temperaturkurven, dass es heute auf der Nordhalbkugel deutlich wärmer ist als im Mittelalter - obwohl die Sonnenaktivität nicht höher ist. Da Sonnenaktivität und Temperatur im letzten Jahrtausend gut korrelieren, ist gerade der gegenläufige Trend von beiden in den letzten Jahrzehnten wichtig. Was von Reichholf suggeriert wird, ist das Gegenteil dessen, was Stand der Klimaforschung ist. Im Text behauptet Reichholf sogar, dass "der Erwärmungstrend seit der Jahrtausendwende zumindest gestoppt, wenn nicht sogar etwas rückläufig" sei - wohl kaum eine seriöse Beschreibung der Messdaten (Abb. 1). Die Monate Januar und April 2007 waren übrigens global die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Ähnliches trifft auch auf sein eigenes Fachgebiet zu. Viele Biologen erforschen detailliert die Auswirkungen des Klimawandels auf Tier- und Pflanzenarten. Sie kommen überwältigend zu dem Schluss, dass die globale Erwärmung in Zukunft zu einer massiven Gefährdung der Artenvielfalt führen wird. Dies spiegelt sich auch in den durch die Biologen erarbeiteten Übersichtsberichten wie dem Millennium Ecosystem Assessment 10 oder dem IPCC-Bericht, an denen jeweils über tausend Experten jahrelang gearbeitet haben. Reichholf behauptet nun in den Medien einfach das Gegenteil, ohne jedoch in der Fachliteratur selbst dazu etwas publiziert zu haben. Es gehört zum guten Stil seriöser Wissenschaftler, sich nicht mit Thesen an ein Laienpublikum zu wenden, die man nicht zuvor in der begutachteten Fachliteratur publiziert und damit Fachkollegen zur kritischen Diskussion gestellt hat.


Abb. 2. Temperaturverlauf in Mitteleuropa im Frühjahr/Sommer als Mittelwert der Wetterstationen Basel, Potsdam, Utrecht und Wien, bekannt als Baur'sche Reihe. Die Punkte zeigen jährliche Werte, die dicke Linie den nicht-linearen Trend (geglättet über 20 Jahre). Der Biologe Josef Reichholf behauptet dagegen, die Frühjahr/Sommer-Temperaturen in Mitteleuropa hätten seit 1960 um etwa 1°C abgenommen und lägen heute noch unter dem Wert des Jahres 1760. Angeblich beruht seine Kurve auf denselben Wetterstationen.

Eine weitere falsche Kurve findet sich in einem Reichholf-Aufsatz im Buch "Die Zukunft der Erde". Er zeigt dort den Temperaturverlauf in Mitteleuropa nach den Wetterstationen Basel, Utrecht, Potsdam und Wien - die bekannte "Baur'sche Reihe". Nach Reichholfs Abbildung liegen die Frühjahr/Sommer-Temperaturen heute niedriger als im Jahr 1760, sie zeigen insgesamt einen Abkühlungstrend, und zwischen 1960 und 2000 haben sie sogar um 1°C abgenommen. Nicht nur Klimatologen dürfte dies seltsam vorkommen. Trotz ausführlicher Korrespondenz konnte Reichholf die Entstehung dieser Kurve nicht nachvollziehbar erklären. Sie beruhe auf einer Tabelle in einem Buch aus dem Jahr 1982, ergänzt durch neuere Daten vom Hohenpeißenberg. Auf meine Frage, wieso Reichholf den Hohenpeißenberg benutze und nicht einfach durchgehend die gleichen Stationen zeige, antwortete er mir, dies sei ihm "zu zeitaufwendig" gewesen. Der korrekte Verlauf der Baur'schen Reihe ist in Abb. 2 gezeigt - sie ähnelt in keiner Weise der Reichholf'schen Grafik.
Der Fall Reichholf ist insofern interessant, als er als Professor der TU München den Regeln der "guten wissenschaftlichen Praxis" verpflichtet ist, die "Verfälschungen von Daten und Quellen" verbieten und zur Arbeit lege artis verpflichten. Ansonsten zeigt der Fall nochmals die schon erwähnte Liebe der Medien zu provokanten, aber haltlosen Behauptungen statt zu solider Arbeit: Reichholf wurde unter anderem mit Interviews in "Spiegel" und "Focus" belohnt."
...
"Werden Fehler korrigiert?
Wenn Falsches publiziert wurde, wird es korrigiert? Dies verlangt nicht nur der Pressekodex sondern auch die intellektuelle Redlichkeit. Im Dezember 2006 regte ich Reichholf gegenüber an, seine falsche Darstellung der Baur'schen Reihe zu korrigieren. Auch Horx fragte ich im Mai 2007, ob er seine falschen Aussagen nicht richtig stellen wolle. Beide haben darauf nicht reagiert. Beide haben übrigens neue Bücher auf dem Markt, die es durch Medienaufmerksamkeit zu verkaufen gilt.
Auch die Welt-Redaktion bat ich um eine Korrektur, nachdem das Blatt (21.3.) geschrieben hatte: "Die Sicherheit über den Anteil der Menschheit an der Erwärmung ist auch im neuesten Klimabericht gar nicht höher ausgewiesen als im letzten von 2001. Reklamiert wird nach wie vor eine 66-prozentige Wahrscheinlichkeit. Auch wenn in sämtlichen Pressekonferenzen und vor allem den Medien unisono von einer 90-prozentigen Sicherheit die Rede war." Man muss nur im IPCC-Bericht nachsehen: dort ist schon in der Zusammenfassung deutlich hervorgehoben, dass wir heute 90% sicher sind, und dass dies ein wichtiger Unterschied zum letzten Bericht ist. Mein Vorschlag, die falsche Aussage zu korrigieren, löste in der Welt-Redaktion "Befremden" aus. Sie könne sich doch nicht "von den eigenen Autoren distanzieren", schrieb mir die stellvertretende Chefredakteurin Andrea Seibel. Der Autor des betreffenden Beitrags, Uli Kulke, fällt übrigens immer wieder durch falsche Aussagen auf, mit denen der Klimawandel heruntergespielt werden soll.
In der FAZ dagegen korrigierte Wissenschaftsredakteur Christian Schwägerl eine Woche später in einem eigenen Artikel wesentliche Falschaussagen des oben zitierten Beitrags von Christian Bartsch, auch wenn dies nicht explizit als Korrektur deklariert war. Allerdings durfte Bartsch am 24. Juli nochmals mit weiteren Falschaussagen nachlegen."

[Rahmstorf 2007]

Den Artikel können sie hier im Original lesen.


Nachwort

Vielleicht wäre es mir lieber gewesen, eine brauchbare Abhandlung im Schulbuch zu finden. Dann hätte ich in den Ferien (neben Schularbeiten) auch noch an der Dämmung meines Hauses weiterbauen können (um Brennstoff zu sparen).
Dieses Beispiel hat mir jedoch wieder gezeigt, dass die wissenschaftliche Ausbildung für einen verantwortungsvollen Fachunterricht unerlässlich ist, und dass Bildung nicht nur methodische Kompetenzen umfasst, sondern auch Wissen. Nur so kann man sich als Mensch ein Bild machen, hierzu befähigt Bild-ung. Und: jeder Mensch hat ein eigenes Bild von der Welt. (Demnach sehe ich nichts Ehrenrühriges an meiner Feststellung, die Wahrheit nicht zu kennen.)
Ein Lehrer kann seinen Schüler nur gezielt auf Aspekte hinweisen und helfen, seinen Blick zu schärfen.

Meine größte Sorge ist die Unverblümtheit, mit der zukunftsrelevante Desinformationskampagnen betrieben werden - ohne dass jemand zur Verantwortung gezogen wird. Dass "Spin Doctor" in den USA eine abfällige Berufsbezeichnung ist, wundert nicht (spin - engl. Gerücht). Doch dass selbst im einstigen "Land der Dichter und Denker", das sich jetzt Bildungs- und Innovationsstandort nennt, die Bauernfängerei immer noch derart erfolgreich grassiert, raubt mir so manche Illusion von einer befriedigenden Lösung der sich abzeichnenden Nahrungs-, Wasser-, Energie-, Rohstoff-, und Umweltprobleme.

Dieser Text ist all den unzähligen Menschen gewidmet (auch und vor allem den namenlosen), die mit ehrlicher Arbeit zum Erfolg der Wissenschaften beitragen: der Menschheit ein Stückchen mehr von der Wahrheit zu zeigen. Ich danke meiner Familie für ihre vielfältige Unterstützung.

©Harald Thielen-Redlich 2007-2010