Stefan Rahmstorf über die Auswahl
von Talkshow-Gästen zum Thema: "Die Medien schätzen
Menschen, die provokante
Aussagen
machen, auch wenn sie unbelastet von jeder Sachkenntnis sind. Jemanden
einzuladen, der sich über viele Jahre wissenschaftlicher
Beschäftigung mit einem Thema eine solide Reputation
erarbeitet
hat, ist dagegen vergleichsweise uninteressant, weil dessen Aussagen
nicht kontrovers wären."
Inhalt
Vorwort
Pro und Contra
Schluss
Quellen
Glossar
Links
Fundgruben
für Skeptiker-Argumente
Bemerkenswerte
Persönlichkeiten
Trittbrettfahrer - oder: die
Rolle der
Medien
Nachwort
Joseph Fourier speculated on the greenhouse effect in 1824,
John Tyndall demonstrated that CO2 absorbs
infrared light in 1859,
Svante Arrhenius made the first quantitative estimate of global warming
under increased CO2 in 1896.
[Barton Paul Levinson, aus dem Internetforum realclimate.org]
Hans Suess schließlich bewies die Aufnahme anthropogenen
Kohlendioxids in den Ozean bereits im Jahr 1955 [Suess 1955].
Bei meiner Unterrichtsvorbereitung in Ökologie stieß
ich auf ein Problem. Die aktuelle Klimaforschung hat einen weit
verbreiteten
Konsens: seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist eine globale
Erwärmung messbar, und das menschliche Handeln ist hierbei
eine nicht zu vernachlässigende
Einflussgröße.
Doch findet sich weltweit eine rührige Gemeinde von
Wissenschaftlern,
Ingenieuren, Lehrern und wissenschaftlich gebildeten Laien, die sich
öffentlich gegen diese Lehrmeinung stellen, teilweise auch
politische Konsequenzen fordern. Sie werden häufig als
Klimaskeptiker bezeichnet, teilweise nennen sie sich selbst so. Es
stellte sich mir die Frage, wer denn nun recht hat.
Meine Recherche begann auf den Internetseiten von Ernst Georg
Beck, Alvo von Alvenleben und Peter Krahmer; dort fand ich Verweise zu
vielen, vielen anderen Quellen. Mittlerweile hat Herr Beck seine
klimabezogenen Inhalte im Internet extrem verkürzt - man
findet
nur noch einen einschlägigen Buchtipp. Von da her ist meine
Reibungsfläche zu Herrn Becks Arbeit zwar nicht mehr da. Becks
Schriften leben im Internet aber weiter, hundert und aberhundertfach
kopiert.
Ich möchte dem Leser einen Überblick geben, auf
welchen
Feldern der Diskurs stattfindet und wie (nach meinem
Verständnis)
die (mehr oder weniger sachliche) Argumentation lautet.
Natürlich
kann ich bei der
Fülle
der Materialien niemals den Anspruch auf Vollständigkeit
erheben, diese Auswahl beschränkt sich fast ausschlielich auf
deutsche Autoren. Manche Quellen sind angreifbar, und
natürlich kann
ich
mit der Auswahl und Aufbereitung meine eigene Tendenz
Pro-Klimaforschung nicht verbergen.
Ausführliche Quellenangaben sollen dem kritischen Leser
immerhin
das Weiterlesen ermöglichen.
Ich hoffe zumindest, dem Leser durch einen direkten Vergleich unter
möglichst vielen Aspekten etwas von der allgemeinen
Verunsicherung
nehmen zu können, die bei diesem Thema vielfach
geschürt
wird und die ich bei meinen Recherchen häufig selber empfand.
Es
ist zwar nicht meine Absicht, hier öffentlich darzulegen, wer
denn nun Recht hat - das steht mir als Laien nicht zu.
Dies ist kein
klimatologischer Übersichtsartikel, sondern eine
Materialsammlung von einem Lehrer für Lehrer und interessierte
Laien - auch gerne für neudeutsch sogenannte "Entscheider".
Aber mir wurde bei dieser Arbeit schmerzlich bewusst, von welchen
"allzu" menschlichen Motiven der wissenschaftliche
Fortschritt abhängig ist.
Die Menschheit hat sicher noch nie ein Forschungsobjekt gekannt, das
derartige Interessenkonflikte hervorruft, sich aber gleichzeitig (noch)
einer klaren, eindeutigen Erkenntnis zu entziehen scheint - und das bei
nie vorher
gekanntem Informationsfluss.
Das Thema ist in Nicht-Fachkreisen erstaunlicherweise immer noch
brandheiß. Gerade erst (Oktober 2010) durfte der weltweit
bekannte Klimaskeptiker Fred Singer im Bundestag referieren, und eben
dieser Vortrag wurde von der umweltpolitischen Sprecherin der
CDU-Fraktion Dött als "sehr, sehr einleuchtend" bezeichnet.
Singer
hat jahrelang für die amerikanische Tabakindustrie in seinem
ThinkTank TASSC den Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und
Zigarettenkonsum systematisch geleugnet.
Ich verweise nur am Rande auf die medienkritischen
und biographischen Informationen, auf die ich bei meinen
Recherchen gestoßen bin.
Für sachliche, konstruktive Anregungen oder Hinweise auf
Fehler bin ich dankbar.
Pro und Contra
Übersicht
der Streitfragen
Die Streitfragen im Einzelnen
Auch wenn die Argumente der Skeptiker hier in einer
Tabellenspalte
auftauchen:
nicht
alle skeptischen Argumente werden von allen Skeptikern geteilt.
| Kriterium |
Argumente
der Skeptiker |
Argumente
der Klimaforschung 2008 |
Phänomene
|
Es gibt aktuell weder globale Erwärmung, noch
einen klaren Trend der CO2-Entwicklung, noch
globale
Eisschmelze,
noch globale Meeresspiegelerhöhung, noch eine Häufung
von
Wetterextremen
|
Es gibt aktuell eine Zunahme atmosphärischen CO2,
in der Folge globale Erwärmung, in der Folge
globale Eisschmelze,
globale Meeresspiegelerhöhung sowie eine Häufung von
Wetterextremen
|
Wärmeinseln
|
T-Bodenmessungen
in Städten seit Mitte des
19. Jahrhunderts wurden dadurch verfälscht, dass die
Städte
zunehmend
Wärmeinseln darstellten [Alvensleben
2002, Beck 2006] |
bei
der
Auswahl der Messstationen für die Klimamodelle hat man
Wärmeinseln ausgelassen
[wikipedia/Kontroverse
2004, (Parker 2004,
Peterson 2003)] |
Validität
der Temperatur-
messungen
|
"Die
verschiedenen Meßdaten (Thermometer
Erde, Ballon und Satellit) sind nachfolgend nochmals zusammengestellt
und
zeigen die Tatsache, daß im Mittel erdgestützte
Messungen
eine
Erwärmung, Ballon - und Satellitenmessungen keine
Erwärmung
zeigen. ... Für die Zeit seit 1979 kann man die
"globale
Erwärmung"
mit gutem Gewissen als ein Märchen bezeichnen.
(siehe oben)
Die
Satellitenmessungen stimmen untereinander auf 0.02°C, mit
Ballonsondenmessungen
auf 0.03°C überein, und sie zeigen nur einen minimalen
Anstiegstrend
(von 0.038°C pro Jahrzehnt) seit 1979, also in der Zeit, in der
der
steilste Anstieg des CO2 in der
Atmosphäre zu verzeichnen war."
[Beck 2006]
An dieser Stelle zeigt Beck die Bearbeitung einer Grafik, die aus einer
Anhörung zum Thema im US-Repräsentantenhaus stammt
[ein
Hinweis auf eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift
fehlt]:

[Michaels 1999]
|
- Skeptiker verlassen sich lieber auf
Strahlungsmessungen von
Satelliten
als auf Thermometer, sie präsentieren jedoch auch
ausgewählte
Stationen für ihre Theorie; in den letzten Jahren
wurden jedoch
immer wieder neue Temperaturrekorde aufgestellt
- die Satellitenmessungen integrieren die Temperaturen
der
oberen Luftschichten,
die aufgrund der verminderten IR-Abstrahlung der Erdoberfläche
von
der Erde weg abfallen - ein weiterer Hinweis auf die Wirkung der
Treibhausgase
[wikipedia/Kontroverse
2004, Fu 2004];
- relevant für unser Klima sind ohnehin die
Temperaturen am Boden
- die verwendeten kurzlebigen Satelliten fallen pro
Jahr
1,2km, was aber
bei den Auswertungen bei Beck und von Alvensleben noch nicht
berücksichtigt
wurde; nach dieser Korrektur weisen die Daten einen Trend von +0,05K
pro
Jahrzehnt auf
[UBA 2004 32]
[wikipedia/Kontroverse
2004, (USCCSP 2006)] |
Rekordjahr 1998
|
1998
war
tatsächlich ein T-Rekordjahr, seitdem
geht T zurück [oft gelesen in Presseberichten, Blogs,
Newsgroups
etc.;
z.B. Robert Ellison in www.realclimate.org
(http://www.realclimate.org/index.php/archives/2006/10/taking-cosmic-rays-for-a-spin/)] |
es
gibt hier verschiedene Angaben:
(1) 1998 bleibt zwar laut MetOffice bis heute (2009) ein T-Rekordjahr,
doch die
Temperaturen verblieben seitdem auf hohem Niveau und GW geht weiter
(2) 1998 war laut NOAA nicht das
wärmste Jahr: T steigt weiter, 2005 war wärmer

[Brohan 2006]
- egal, ob 1998 den Rekord hält oder nicht -
T-Rekordjahre
sagen nichts über den mittelfristigen Trend aus, denn
selbst in einer
ansteigenden Temperaturreihe tauchen immer wieder T-Abweichungen nach
oben auf, die viele Jahre lang unerreicht bleiben; der mittelfristige
Trend
bleibt immer noch steigend
- eine Erklärung der momentanen
Abschwächung des GW ist der
momentan
starke Eintrag von Wärme in den Pazifik durch eine dekadische
Pazifik-Oszillation:
- eine solche bewirkte erst in der Mitte des letzten
Jahrhunderts eine
zwischenzeitliche Abkühlungsphase:

[Latif 2009] |
Temperaturtrends
auf dem Hohenpeißenberg (Allgäu)
|
Der Zoologe Josef Reichholf stellt auf einem Treffen der
Hayek-Gesellschaft 2008 seine Interpretation von Temperaturdaten vom
Hohenpeißenberg vor. Zum Darstellen eines Trends benutzt er
eine
Regressionsgerade.

Seine Konsequenz: "Prominente Vertreter des IPCC
(Intergovernmental Panel on Climate Change) haben extreme Ideologien
geäußert, wie die Notwendigkeit einer diktatorischen
Weltregierung und 'gleiche CO2-Rationen pro Kopf
für
alle Menschen'. Der in Gang gekommene Kreuzzug gegen den Klimawandel
stellt ähnlich wie im Spätmittelalter eine
pseudo-religiöse Weltuntergangs-Wahnvorstellung dar; die
politisch
bereits praktizierten Methoden entsprechen einem 'Ablasshandel' und
'Flagellanten' bahnen den Weg in ein neues Mittelalter."
[Reichholf 2008]
|
Im Blog PrimaKlima wertet Georg Hoffmann die selben
Daten ganz
anders aus; er benutzt einen multi-dekadischen Filter zum Erkennen
langfristiger Trends.

[Hoffmann 2008]
[ein Beispiel, das sich in der Unterrichtseinheit
Statistik der gymnasialen Oberstufe sehr gut eignet]
|
Rekordwinter 2009/10
|
der
Jahrhundertwinter in den USA und Europa zeigt: der Trend der globalen
Erwärmung ist gebrochen; Schuld ist die schwache
Sonnenaktivität
Der russische Solarforscher Abdusamatow,
der Meteorologe Malberg und der Physiker Lüdecke
vertreten diese Ansicht in:
[Odenwald 2010] |
lokal kam es zwar
zu
Rekordwintern in den östlichen USA sowie in Europa; Grund
hierfür ist primär das gleichzeitige Auftreten einer
stark negativen Nordatlantischen Oszillation (-NAO) und El Nino; diese
Konstellation kommt nur alle 100-200a vor [Deutschlandfunk. Forschung
aktuell. 27.09.2010]

[NOAA 2010]
aber: GW hält weiter an; entsprechend gab es andernorts extrem
hohe Temperaturen, z.B. am 02.02. 7°C in Vancouver und
9°C in
Godthaab/ Grönland [NOAA]
Die globale Januartemperatur 2010 lag 0,71K
über dem Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980. Nur der Januar
2007 war seit 1850 wärmer und der Januar 2002 genauso warm.
[Pomrehn 2010]
zur NAO siehe:
[IFM
2005] |
Gesamtbilanz
der Eisschmelze
|
in
dem Maße, wie mancherorts das Eis schmilzt,
entsteht es andernorts wieder neu; eine Netto-Abnahme ist nicht
bewiesen
[Alvensleben 2002, Beck 2006] |
- die Zunahme der antarktischen Eismassen ist auf
höhere
Verdunstung
von Meerwasser zurück zu führen; hier gibt es
Schmelze nur
durch
Eintauchen wachsender Gletscher in Meerwasser (globale
Kühlfalle)
- insgesamt nimmt die Eismenge stärker ab als
zu
[UBA 2004]
- die Dicke des arktischen Eisgangs nahm in den letzten
30a
um 40% ab
[Rahmstorf 2004] |
Meeresspiegel
|
steigt
nicht, sinkt sogar an einigen Stationen
[Alvensleben 2002, Beck 2006] |
Der
Permanent
Service for Mean Sea Level am Proudman Oceanographic Laboratory
(gehört zum britischen Natural Environment Research Council)
veröffentlichte hierzu 2006 folgende Graphik:
[Jevrejeva 2006] |
Relation
geologische/ anthropogene CO2- Emission
|
- gegenüber der natürlichen
(geologischen)
CO2-Emission ist die
anthropogene durch Verbrennung fossiler Brennstoffe
vernachlässigbar
- allein der Ätna emittiert 35kt/d
[das sind 1,3Mt/a];
aber auch an
den Abtauchzonen wird Carbonatgestein ständig unter starker
CO2-Emission
thermolysiert
[Baier]
|
Schätzungwerte
der geologischen Emissionen:
- 34 (±24) Mt/a
durch passive Entgasung und
- 31 (±22) Mt/a
durch Vulkanausbrüche
[Baier]
- Vulkanausbrüche rufen keine dramatischen
Spitzenwerte
von p(CO2) hervor
[Rahmstorf 2004]
- => die jährlichen anthropogenen CO2
Emissionen
sind mit 5,5Gt/a also
etwa 73 mal so hoch
|
paläo-
klimatischer Zusammenhang p(CO2) und T
|
- da die Löslichkeit von CO2
in Wasser mit zunehmender Temperatur abnimmt (siehe Sprudelflasche),
folgt
p(CO2) generell T (mit einer deutlichen
Verzögerung von ca. 800a)
- aber nicht umgekehrt, denn Veränderung von
p(CO2) ist ohne Bedeutung für die
Treibhauswirkung
[Beck 2006
|
- z.B.: p(CO2) stieg am Ende der
vorletzten Eiszeit
tatsächlich mit T,
und zwar mit einer Verzögerung von 800a
- verstärkte jedoch den 5000a andauernden
Trend der
Erwärmung durch
Rückkopplung [Rahmstorf
2004, Caillon 2003],
- denn es ist ein wirksames Treibhausgas [Arrhenius 1896]
|
p(CO2)
und
T:
Ursache und Wirkung heute
|
wie
sonst auch: p(CO2) folgt T
[Alvensleben 2002, Beck 2006] |
- der Mensch emittiert CO2 durch
Verbrennung fossiler
Brennstoffe, das nicht
wieder im CO2-Kreislauf gebunden wird
- die CO2-Lösung im
Ozean ist nicht im Gleichgewicht mit
der wassernahen
Luftschicht, der Ozean ist untersättigt
- der 14C-Gehalt in ozeanischem
und im Luft-CO2 weist auf
fossilen Ursprung,
nicht auf Ausgasung aus dem Meer [Suess
1955, Quay 1992]
- => das Meer fungiert derzeit als Senke und
nicht als
Quelle, der Zusammenhang
ist also: p(CO2) folgt nicht
zwangsläufig T; 1/6
der CO2- Senke
ist
unbekannten Ursprungs ("missing sink") [UBA
2004 24]
- die aktuelle Erhöhung von p(CO2)
kann nicht die Folge einer T-Erhöhung sein, denn sie zeigt
nicht die Verzögerung von mehreren 100a [Rahmstorf
2004]
|
Trägheit
des Ozeans und Rückkopplungs-
effekte
|
da
eine
Veränderung von p(CO2) keine
signifikante Wirkung auf den
globalen Wärmehaushalt hat, ist auch keine
Rückkopplung durch
Ausgasung von CO2 zu befürchten [Alvensleben 2002] |
Dass
in den
paläoklimatischen Proxydaten der Anstieg von p(CO2)
dem von T folgt, wird von der aktuellen Klimaforschung gar nicht
bestritten.
Die Verzögerung von vielen 100a ermöglicht erst die
Rekonstruktion
der Reihenfolge der Ereignisse - denn auf den Zeitskalen
dieser
Proxydaten
sind wenige Jahre gar nicht aufzulösen.
Der aktuelle Anstieg von p(CO2) jedoch folgt
jedoch nicht dem von T,
denn
- es ist keine auch nur im entferntesten vergleichbare
Verzögerung zu
sehen
- der CO2-Strom ist z. Zt. noch
umgekehrt (nämlich aus
der Atmosphäre
in die Ozeane), denn
- auf Grund ihrer enormen
Wärmekapazität bei
geringer Wärmeleitfähigkeit
reagieren sie nur träge auf die Erwärmung der
Atmosphäre
(sie sind noch kalt genug)
- p(CO2) ist hoch genug
Die Trägheit der riesigen ozeanischen Wassermasse mindert
derzeit
also sowohl die Steigerung von T wie die von p(CO2).
Hierin liegen
jedoch
Gefahren:
- das ganze Ausmaß globaler
Erwärmung wird erst
deutlich, wenn
die Ozeane sich auch erwärmt haben; dann jedoch bremsen die
Ozeane
eine eventuell einsetzende globale Abkühlung
- das kalte Ozeanwasser kann jetzt noch viel von dem
hohen
atmosphärischen
CO2-Angebot aufnehmen - doch mit steigendem T
fällt die
Aufnahmefähigkeit,
und bei anhaltend steigender Wassertemperatur kommt es zur Verminderung
der CO2-Aufnahme: p(CO2)
wird (anhaltende anthropogene Emissionen
vorausgesetzt)
viel schneller ansteigen
- schlimmstenfalls kommt es schließlich zur
Ausgasung:
je mehr p(CO2),
desto höher T; je höher T, desto mehr Ausgasung,
desto
höher
p(CO2), usw. => positive
Rückkopplung des Treibhauseffekts
- am Meeresgrund lagern riesige Vorkommen aus
Methanhydrat;
bei Erwärmen
setzen sie das starke Treibhausgas Methan frei, das sich nicht in
Wasser
löst,
sondern sofort in die Atmosphäre übergeht =>
positive
Rückkopplung
des Treibhauseffekts
|
T-Entwicklung
im 20. Jahrhundert
|
Eine
Korrelation von T und p(CO2)
ist nicht erkennbar, denn in der ersten Hälfte des 20.Jhdts.
gab
es zwar Erwärmung, von den 40er bis 70er Jahren (zur Zeit der
stärksten Emissionen) jedoch Abkühlung.
[Alvensleben 2002, Beck 2006] |
Der
Treibhauseffekt ist nicht der einzige klimabestimmende Faktor,
weshalb es zwischenzeitlich zu einer Abkühlung kommen kann;
der T-Trend nach oben ist aber unübersehbar [Rahmstorf
2004] und
lässt sich mit Modellen nachbilden:
[Karl 2002] |
| T-Entwicklung
im 2. Jahrtausend |

Der Temperaturunterschied zwischen der mittelalterlichen
Warmzeit (bisheriges 1000a-Maximum) und der Kleinen Eiszeit
(1000a-Minimum) liegt im Bereich von 4,5°C. D.h. die bisherige
gemessene Erwärmung ist im Vergleich zu den
natürlichen
Schwankungen gering. Die derzeitigen Temperaturen liegen noch weit
unter denen des Mittelalters. [Beck
2006, Beck 2007]
|
Der
Temperaturunterschied zwischen Maximum und Minimum der letzten 1000a
wird vom IPCC 1990 im Bereich von 2°C geschätzt. [IPCC
1990].
McIntyre und McKitrick geben 2003 ein noch kleineres Intervall an:
1°C. Die aktuellen Temperaturen übersteigen bereits
jetzt die
bisherigen Maximalwerte des Mittelalters. [McIntyre/ McKitrick 2003]
[Die Kurven von McIntyre und McKitrick (sie zeigen das kleine
T-Intervall von nur 1°C) finden sich bei Beck nicht weit
unterhalb
einer Darstellung mit einem T-Intervall von mächtigen
4,5°C,
die als "Collage EGB 2003" mit dem Quellenhinweis "Quelle IPCC 1990
u.a." deklariert ist. [Beck 2006]] |
T
seit der Antike
|

diese Schwankungen sind (laut Bildunterschrift) DOE
(Dansgaard-Oeschger-Events) [Beck 2007]
|
DOE
treten nur in Eiszeiten auf [http://de.wikipedia.org/wiki/Dansgaard-Oeschger-Ereignis] |
Hockey-Stick-Affäre
|
die
aktuellen Schwankungen liegen in der Größenordnung
der natürlichen Schwankungen;
die flache Mann-Kurve des IPCC wertet die Proxy-Daten
(Näherungen
aus sekundären Naturerscheinungen) falsch aus (Warmzeit des
Mittelalters
und Kleine Eiszeit der Neuzeit fehlen)
[Beck 2006] |
Tatsächlich
ist die Hockeystick-Kurve nach Mann im flachen Abschnitt
falsch; die Korrektur findet sich bei [McIntyre/ McKitrick 2003].
Dennoch gibt es seit 100a eine Korrelation zwischen anthropogenem CO2-Ausstoß
und der globalen Durchschnittstemperatur, die sich mit Hilfe der
aktuellen
Klimamodelle recht gut nachvollziehen lässt.
[UBA 2006] |
Eem-Zeit
(vor 120.000a)
|
die
erdgeschichtlich erst kürzlich vergangene Eem-Warmzeit war
einige Grad wärmer
[Horx 2007] |
die
Temperaturen waren zwar in der Arktis deutlich höher
als heute (wegen des geänderten Einfallwinkels der
Sonnenstrahlung), aber die globalen Durchschnittswerte waren
niedriger als heute
[Rahmstorf 2007] |
Fluktuation
der antarktischen Eisbedeckung (seit 4 Mio a)
|
"Auch
in den letzten 3,5 Millionen Jahren taute die Antarktis, wie der Jenaer
Geowissenschaftler Lothar Viereck-Götte anhand von Bohrkernen
herausfand, mehrmals auf und wieder zu."
[Horx 2007] |
der
vom selbst
ernannten "Zukunftsforscher" und Verkünder des
"Zukunfts-Optimismus" Horx zitierte Viereck-Götte sprach in
seiner
Veröffentlichung lediglich von einem periodischen
Vorstoß
und Rückzug des Eises von einem Punkt der
antarktischen Schelfs;
zu der Verallgemeinerung von Horx, er habe damit ein Auftauen der
ganzen Antarktis beschrieben, sagt Viereck-Götte,
Horx habe seine "Ergebnisse falsch dargestellt";
zu den jüngsten Zeiten wärmeren Klimas (z.B. im
Pliozän,
vor 3 Mio a; Temperatur etwa 2-3°C höher als heute)
war die
Antartis noch eisbedeckt - der Meerespiegel lag jedoch auch um 15-25m
höher als heute (das antarktische Eis würde den
Spiegel sogar
auf insgesamt 57m ansteigen lassen - so weit geht das
Bedrohungs-Szenario des IPCC bei weitem nicht);
Horx rechtfertigte Rahmstorf gegenüber seinen Fehler damit,
"er habe diese Information aus den Medien übernommen"
[Rahmstorf 2007] |
CO2-Daten
der letzten 180a
|
- die Rekonstruktionen der atmosphärischen
CO2-Werte aus Eisbohrkernmessungen sind falsch [Jaworowski 2003]
- die CO2-Gehalte der letzten
180 Jahre lassen
keinen eindeutigen Zusammenhang mit anthropogenen Emissionen erkennen,
sondern eher mit der sonnenbestimmten Temperatur
- der geologische Einfluss ist viel bedeutsamer als der
menschliche, denn das Maximum um 1820 lässt sich durch einen
Vulkanausbruch erklären
- vor 180 Jahren lag der CO2-Gehalt
nicht wie
behauptet bei 280ppm, sondern höher als 450ppm; demnach ist er
heute nicht höher als damals, sondern sogar niedriger [Beck 2007]
- Becks erste Zeitschriften-Veröffentlichung
zum Thema erschien in in Energy
& Environment [Beck
2007/2]; zitiert wird dieser Artikel in Executive
Intelligence Review (EIR) [Jaworowski 2007]

[Beck 2007]
|
Beck errechnet hier Mittelwerte von z.T. 180 Jahre alten
chemischen Analysen verschiedener Labors, die nicht auf eine
standardisierte Messmethode zurückgehen. Seine Kurve zeigt
starke
Fluktuationen, die keinen Zusammenhang mit der Temperaturkurve
zulassen. Gleichwohl behauptet er: je mehr T (durch
Solaraktivität), desto höher p(CO2).
Hierbei
stützt er sich allerdings auch auf Eisbohrkerne. Die
Zuverlässigkeit der chemischen Methoden, die Becks Auswertung
zugrunde liegen, wird im Blog realclimate ausführlich
diskutiert: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2007/05/beck-to-the-future/.
Die Werte des IPCC zeigen dagegen eine kontinuierliche
Steigerung seit dem Beginn der Industrialisierung. Sie stützen
sich vor allem auf paläoklimatische Daten, die aus zwei
Eisbohrkernen (Vostok und EPICA; hier ist das Eis von Jahrtausenden
aufeinandergeschichtet) gewonnen wurden. Sie lassen sich problemlos
ergänzen durch die spektroskopischen Messungen der letzten 50a
von
Mauna Loa. Die Daten zeigen übereinstimmend, dass die Maxima
der
Schwankungen von p(CO2) zwischen Eis- und
Warmzeiten seit 400.000 Jahren nicht über 300ppm lagen [McInnes 2007]. Die neueste
Bohrung reicht über 3200m tief bis in 800.000a alte
Eisschichten; dort setzt sich das Bild fort [Lüthi
2008]. Die Proxydaten aus
Eisbohrkernen liefern für das Jahr 1860 zuverlässig
ca. 280ppm CO2 [Rahmstorf
2004]

[Rohde 2006]
|
CO2-Eisbohrkerndaten
der letzten 800.000a
|
Eisbohrkerne liefern generell zu geringe Werte, denn zu
viel CO2
diffundiert vor
der Messung aus der Probe
[Beck 2006, Jaworowski 2007]
|
[McInnes 2007]
[wenn das CO2 so hohe
Diffusionstendenzen aus den
Eiskammern hätte, wären die Unterschiede benachbarter
Schichten nicht so gut konserviert und würden auch keine so
deutliche Korrelation mit T aufweisen; tatsächlich zeigen sich
in
800.000a alten Schichten vergleichbare Fluktuationen wie in den
jüngsten Schichten; die Hypothese zu geringer Messwerte durch
Diffusion ist also hinfällig]
|
Ursachen
|
höhere Temperaturen lassen sich durch die
Fluktation der
Sonnenaktivität erklären; der Antrieb durch die
Emission von
sogenannten "Treibhausgasen" ist zu vernachlässigen
|
die Fluktation der Sonnenaktivität ist zwar
ein
wichtiger Faktor in
der Klimageschichte; seit Beginn der Industrialiserung herrscht jedoch
der Treibhauseffekt als Antrieb vor: die T-Entwicklung seit den 70er
Jahren ist schließt die Solaraktivität als einzige
Erklärung für die globale Erwärmung aus
|
Solareinstrahlung
|
die
Entwicklung der Solaraktivität seit dem Maunder-Minimum
(kleine Eiszeit um 1600) korreliert mit der Entwicklung von T (und
nicht mit der von p(CO2)):

[Beck 2007]
|
Satellitenmessungen
zeigen, dass die Temperaturzunahme seit Ende der
70er Jahre nicht mehr mit der (direkten) Sonnenstrahlung zu
erklären
ist:
[Solanki 2002]
dieser bereits 2002 absehbare Trend hat sich
mittlerweile verstärkt:

[McInnes 2009]
Satellitenmessungen der Solarstrahlung:
- im Jahr 2000 (Maximum im 11a-Sonnencyclus) war sie
0,07%
stärker als
2006 (Minimum)
- die aus Isotopenmessungen in Eisbohrkernen
rekonstruierten
Werte der Solarstrahlung
verursachen im Klimamodell nur ein Fünftel bis ein Drittel der
gemessenen
Erwärmung seit dem 17. Jahrhundert; das Modell lässt
allerdings
die Effekte von UV unberücksichtigt
[Foukal 2006]
|
T-Antrieb
der letzten 750a: Eisbohrkerndaten aus dem Altai
|
Die
Sonne hat mehr als 50% Anteil am Antrieb der Temperaturentwicklung,
auch in jüngster Zeit, das zeigen auch Eisbohrkerndaten aus
dem
Altai-Gebirge, so der US-Abgeordnete Inhofe in seinem Blog [Inhofe 2009] |
Die
Autoren der
Studie stellen fest, dass sie hier von Inhofe falsch zitiert werden.
Tatsächlich zeigen ihre Daten, dass der Solarantrieb bis vor
150
Jahren dominiert hat; die Entwicklung seither zeigt dagegen einen
zunehmend dominierenden Antrieb von p(CO2) [Eichler 2009] |
Sonnenwind-
theorie
|
- kosmische Strahlung entsteht bei einer Supernova, dem
Vergehen eines kleineren
Sterns
- die Sonne sendet permanent elektromagnetische
Strahlung
(Sonnenwind) aus;
diese Strahlung erzeugt ein magnetisches Feld (Heliosphäre),
das
das
Eindringen kosmischer Strahlung in unser Planetensystem vermindert
- die Sonnenaktivität ist nicht
kontinuierlich; bei
Auftreten von Sonnenflecken
mehr, sonst weniger
- je höher die
Solaraktivität,
- desto höher die Schutzwirkung der
Heliosphäre
vor kosmischer
Strahlung,
- desto geringer die kosmische Strahlung und damit
die
Wolkenkeimbildung,
- desto geringer die Wolkenbildung,
- desto wärmer die Atmosphäre
[Svensmark 2001]
Entwicklung der 10Be-Konzentration in
Eisbohrkernen als Maß
für
Intensität kosmischer Strahlung:
[Schmitt 2002 (Lockwood 1999)]
vermutete Ursache: Entwicklung der Heliosphäre
[n.b.: Verstärkung der
Heliosphäre zwischen 1940
und 1965,
trotzdem Abkühlung:]
[Schmitt 2002 (Solanki 2002)]
[n.b.: höchste Sonnenfleckenzahl 1955
trifft mit
zusammen mit
T-Trendwende:]

[Reid 1999]
frühe Hinweise: die Sonnenfleckenzahl des sog.
Maunder-Minimums
führte zur kleinen Eiszeit:
[Schmitt 2002] |
- diese Theorie wurde bis 1994 in der Klimadebatte als
seriöses Argument
angesehen (die Konsequenz wäre: Klimaerwärmung ist
nicht anthropogen)
- die Messergebnisse der folgenden Jahre falsifizierten
diese
Theorie allerdings
- die Änderung der
Kondensationskeim-Konzentration in
der Atmosphäre
ist ohnehin nicht relevant, weil immer im Sättigungsbereich
(d.h.
zusätzliche Keime verursachen keine zusätzliche
Kondensation)
- kurzfristige Fluktuationen der kosmischen Strahlung
korrelieren nicht mit
der Wolkenbildung, die Bildung von Wolken aus Keimen müsste
jedoch
± unmittelbar erfolgen
- wäre der Effekt so bedeutsam,
müssten die
11a-Cyclen der Sonnenaktivität
viel deutlichere Auswirkungen auf die Temperatur haben [Rahmstorf 2004, Kristjansson 2002]:
[Benestad 2002]
- die Temperaturerhöhung ist vor allem in den
Nachtstunden zu messen,
was mit einem erhöhten Treibhauseffekt sehr wohl, mit
verringerter
Wolkenbildung aber nicht zu erklären ist
- => Effekt ist gegenüber
Treibhauseffekt zweitrangig
[Rahmstorf 2004, Kristjansson 2002]
- rechnet man die Strahlungswerte von Sonne und Kosmos
in die
Klimamodelle
mit ein (Rekonstruktion aus Isotopendaten), dann ergibt sich eine gute
Rekonstruktion der letzten 1000a [Rahmstorf
2004/2]:
[Rohde/2]
Die Anteile der wichtigsten Effekte in den Klimamodellen und die
Übereinstimmung
mit der Realität zeigt folgendes Bild:
[wikipedia/Kontroverse 2004, (Rohde,
Meehl 2004, Jones 2003)] |
neue
Datenauswertung für Sonnenwind-
theorie
|
2003
wurden Satellitendaten von Marsh und Svensmark
für eine neue Studie korrigiert => mit der Korrektur
ergibt
sich eine
sehr gute Korrelation:
[Gray 2005 55 (Marsh 2003)]
"Subject to the above caveats and those described in the text, the
CRF "[cosmic radiation flux]"/climate link therefore implies that the
increased
solar luminosity and reduced CRF over the previous century should have
contributed a warming of 0.47 ± 0.19°K, while the
rest
should
be mainly attributed to anthropogenic causes. Without any effect of
cosmic
rays, the increase in solar luminosity would correspond to an increased
temperature of 0.16 ± 0.04°K."
[Shaviv 2005] |
[NOAA 2006]
[http://www.spaceweather.com/java/archive.html]
- in einem Review-Artikel des Hadley Center
(Herausgheber:
das britische
Met Office) werden Svensmarks Auswertungen der Daten ebenfalls nicht
anerkannt:
"More recently, the available ISCCP-D2 data has been increased,
extending
the time series over which the correlation can be calculated. Marsh and
Svensmark (2003) analysed the ISCCP-D2 data extended to September 2001
and found that the correlation was weakened. They argued, however, that
there was an inter-calibration problem with the ISCCP cloud data
between
September 1994 and January 1995, in the absence of a polar satellite,
and
suggested a correction (figure 5.4).
Whether this correction is appropriate is important.
HS99
[eine
Veröffentlichung von Svensmark 1999] pointed out that there
were
calibration
issues with the ISCCP data and therefore that it should only be used
for
short periods for correlation studies. This comment was influenced by
the
work of Kernthaler et al (1999) and (Brest et al, 1997), following
calibration
difficulties with the ISCCP data through the use of three different
polar
orbiters. Transitions were identified in earlier ISCCP-C2 data at the
change
from one satellite sensor to another (Klein and Hartmann, 1993). This
was
the reason for the short period of comparison from 1985 to 1988 used by
Kernthaler et al (1999), during which there was consistent calibration
from the use of a single polar-orbiting satellite.
Since then, Robinson (2004) has argued that detailed analysis of ISCCP
thermal infra-red data reveals sensor noise, as
well as navigation
and calibration errors. Systematic brightness
temperature
differences
between early geostationary and polar orbiting satellites of 2 to 5K
have
been found, which have implications for the accuracy of ISCCP
D2
data
products. Robinson (2004) points out that the loss of the
NOAA-11
reference
polar orbital satellite, may explain the ISCCP-D2 anomaly
(September
1994- January 1995), highlighted by Marsh and Svensmark (2003)." [Gray
2005]
- das Hadley Center kommt zu dem Schluss:
"Taken together however, it is not possible to say that
variations
in
clouds are linked to cosmic rays or even that the cosmic ray-cloud
correlation
has ion-induced particle formation as its physical cause." [Gray
2005] |
CCN-Bildung
im
Experiment
|
in
einer Gaskammer kann man mit simulierter kosmischer
Strahlung CCN (cloud condensation nuclei) erzeugen [Svensmark 2001] |
|
paläoklimatische
Daten
|
zeigen einen
möglichen
Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität (über
Sonnenwind) und T:
"If so, the multitude of empirical observations favours celestial
phenomena as the most important driver of terrestrial climate on most
time scales, but time will be the final judge" [Veizer
2005]
|
Die Datenlage ist
dürftig
und erlaubt keine eindeutige Aussage; die Auswertung der wenigen Daten
ist umstritten [Gray 2005, Kommentar von Rasmus Benestad in
www.realclimate.org (http://www.realclimate.org/index.php/archives/2005/05/on-veizers-celestial-climate-driver/)].
|
es
gibt eine Treibhauswirkung der Atmosphäre
|
Die IR-Satellitenbilder der Erde beweisen: die Erde
strahlt IR ab, einen Treibhauseffekt gibt es also nicht.

[Thüne 2008]
|
[Bei konstanter Temperatur ist die Erde in einem
Strahlungsgleichgewicht mit ihrer Umgebung - sie strahlt so viel
Energie ab, wie sie von der Sonne erhält. Ist die Bilanz nicht
ausgeglichen, so kommt es auf der Erde zu Erwärmung bzw.
Abkühlung (gemäß dem
Energieerhaltungssatz).
Da die Erde nur einen geringen Teil der Sonnenstrahlung
reflektiert, muss der Rest der Strahlungsenergie zuerst absorbiert
(aufgenommen) und in Wärmeenergie (Teilchenbewegung)
umgewandelt
werden. Die warme Erde strahlt IR ab (für
andere
Strahlungsarten ist ihre Temperatur viel zu niedrig). Je höher
die
Temperatur der Oberfläche, desto höher der Antrieb
zur
Abstrahlung.
Wenn die Filterwirkung der Treibhausgase für
IR-Strahlung
zunimmt, kommt es zu einer höheren Reabsorption
(Wiederaufnahme) der
IR-Strahlung innerhalb der Atmosphäre, also zu einer Zunahme
der
Teilchenbewegung und damit der Temperatur. Die Temperatur steigt
solange, bis wieder Strahlungsgleichgewicht herrscht: dann
nämlich
strahlt die wärmere Erde auch mehr IR-Strahlung ab -
nämlich so viel, dass der
Energieanteil, den die Atmosphäre ins All
hindurchlässt, wieder im Gleichgewicht mit der eingestrahlten
Energie der Sonne ist. (Ohne Treibhauseffekt wäre die
Erdtemperatur im Mittel -18°C (real: z. Zt. ca. 10°C),
und die
Nächte wären extrem viel kälter als die
Tage.) Ganz ohne IR-Abstrahlung wäre das
Strahlungsgleichgewicht
(bei Temperaturen unterhalb von Glut) gar nicht zu erreichen. Eine
IR-Abstrahlung der Erde als Gegenbeweis des Treibhauseffekts
anzuführen, widerspricht also zuerst einmal einfacher
Schulphysik - nämlich dem Energieerhaltungssatz.
Dass die Atmosphäre zwar einerseits IR-opak
(undurchlässig) ist, andererseits aber dennoch Energie in Form
von IR abgeben kann, ist aber auch nur scheinbar ein Widerspruch - denn
IR-Abstrahlung ist nicht die einzige Form der
Energieübertragung in der Atmosphäre. Also: von der
Erdoberfläche abgestrahlte IR-Quanten werden schnell von
Teilchen der Atmosphäre reabsorbiert, die dadurch wieder mehr
kinetische Energie gewinnen; diese geben sie durch verstärkte
Stöße mit anderen Teilchen oder durch Re-Emission
von IR-Quanten weiter. Diese können wieder von Teilchen
absorbiert werden usw.. Beide Übertragungsmechanismen sind
zunächst ungerichtet; da jedoch ein Temperaturgradient von
Erdoberfläche zu Weltall besteht, kommt es in summa zu einem
Energiestrom "himmelwärts". Der endgültige
Energieverlust der Erde durch IR-Abstrahlung in den Weltraum erfolgt
also tatsächlich nur in den obersten Luftschichten; diese
bekommen die abzustrahlende Energie jedoch "von unten".]
Genaueres bei:
[NASA 2005]
Für eine Zunahme des Treibhauseffekts spricht
in diesem Zusammenhang, dass die Erhöhung der
Nachttemperaturen höher als die der Tagestemperaturen ist. [Rahmstorff 2004]
[Selbst unter Klimaskeptikern steht Thüne
ziemlich
alleine da. Zum Einordnen der Zielgruppe dieses Clips ist ein Blick auf
Thünes Sprache sowie auf weitere Beiträge auf seiner
Host-Seite http://www.secret.tv
sehr aufschlussreich.]
|
CO2
ist ein
relevantes Treibhausgas
|
nein,
denn seine Konzentration ist zu gering
[Alvensleben 2002, Beck 2006] |
ja,
denn es
trägt signifikant zum Strahlungshaushalt der Erde
bei:
- transmittiert VIS und UV und
- absorbiert/ reemittiert IR
[Arrhenius 1896]
auch wenn die CO2-Bande der Absorption bereits
bei den derzeitigen
geringen
Konzentrationen nahezu gesättigt ist, so können doch
die
hohen Steigerungsraten seit 1860 (ca. 30%) einen signifikanten Beitrag
leisten [Archer 2006] |
Quantität
der IR-Reflektion
|
- die von Treibhausgas-Teilchen auf die Erde
reflektierte
IR-Strahlung hat
keinen signifikanten Einfluss;
- kein Wunder, denn der Gesamtanteil der Treibhausgase
an der
Atmosphäre
ist gegenüber den 4-5% Wasserdampf recht gering
[Alvensleben 2002,
Beck 2006]
|
sie
ist
deutlich messbar und liegt in der nach den Modellrechnungen
erwarteten Größenordnung [UBA
2004 21] |
Mechanismus der
IR-Reflektion
|
- am Boden ist der Anteil an CO2-Teilchen,
die überhaupt
IR emittieren
können, auf Grund der großen
Stoßwahrscheinlichkeit
gering
- nur in 20km Höhe (wo die
Teilchenkonzentration
geringer ist, p=0,02bar)
sind die Teilchen langsam genug, um IR abgeben zu können
[Alvensleben 2002,
Beck 2006]
|
[Es
kommt
nicht nur auf die IR-Reemission der CO2-Moleküle
an,
sondern auf ihre IR-Absorption, (und die ist unabhängig von
deren
Stoßwahrscheinlichkeit), denn sie ist mitverantwortlich
für
Erwärmung.] |
Konsequenzen
|
Die Emission von CO2 hat mehr
positve als negative Folgen und
sollte daher
forciert werden
|
Die Emission von Treibhausgasen muss unbedingt so weit
irgend
möglich
eingeschränkt werden
|
Entwicklung p(CO2)
|
Die Vorhersagen des
IPCC zur
Entwicklung von p(CO2) sind nach dem
Wasserkasten-Modell nach Dietze viel
zu hoch gegriffen, denn
- die emittierten CO2- Mengen
gelangen längst nicht
vollständig in die Atmosphäre
- die vom IPCC befürchtete Schwächung
der
ozeanischen CO2-Senke wird nicht eintreten
- Erklärung: das Wasserkastenmodell, ein
mathematisches Modell
[Dietze 2004] |
[kein Thema, denn:
- da Dietzes Artikel außer
im Internet lediglich in der Zeitschrift FUSION (über diese
Zeitschrift siehe hier)
veröffentlicht
wurde, wurde er von der Klimaforschung bisher geflissentlich ignoriert
- auf der Internetpräsenz von John Daly
präsentiert er sein Modell: er präsentiert es in
einer recht
überschaubaren Excel-Tabelle: http://www.john-daly.com/dietze/cmodcalD.htm]
|
T-Modell
|
keine
anthropogene Erhöhung von T durch CO2-Emissionen
zu
befürchten [Beck 2006]
|
bei
den
derzeitigen Prognosen für die Emission von Treibhausgasen
berechnen die wichtigsten Klimamodelle eine T-Erhöhung um 2-5K
bis
2100
[IPCC-DDC 2006] |
Bestätigung
des T-Modells des IPCC durch Beobachtung
|
das T-Modell ist bereits jetzt durch die Beobachtungen
widerlegt [Inhofe 2009, Wodopia 2008], denn 2008
fällt unter die Vorhersagen des IPCC

|
die von den Skeptikern benutzten IPCC-Modelle stammen
aus
1990; die Modelle von 2001 zeigen weitaus bessere
Übereinstimmung
mit den Daten [Mrasek 2009]

|
|
|
möglicherweise beginnt eine Kaltzeit - die
letzten drei Jahre (2007-2009) hätte die Sonnenfleckenzahl
wieder steigen müssen, wenn der Sonnenfleckenzyklus normal
weiter verlaufen soll
auch in der kleinen Eiszeit sind die Sonnenflecken
ausgeblieben
[Odenwald 2010]
|
- [2007 war ein Minimumjahr im 11-jährigen
Sonnenfleckenzyklus. Also waren langsam steigende Werte nicht
für 2007, sondern erst für 2008 und 2009 zu erwarten.
Tatsächlich war der Wert von 2008 sehr niedrig, doch Ende 2009
war wieder eine starke Zunahme zu verzeichnen
- die Sonnenfleckenzahl verläuft nicht wie
eine Sinuskurve, sondern ergibt eine solche erst durch statistische
Glättung; bei einer Periodendauer von 11a bereits nach 2
Jahren auf den weiteren Verlauf des ganzen Zyklus zu
schließen, ja sogar einen Trend der nächsten Zyklen
vorher zu sagen, widerspricht elementaren Regeln der Statistik; hier
der aktuelle Verlauf des Sonnenfleckenzyklus mit den Vorhersagen des
NOAA:


[NOAA 2009]
- außerdem ist in der kleinen Eiszeit, als
die Sonnenflecken über 50a fast völlig ausblieben,
die globale Mitteltemperatur um circa 2K gesunken; Ausgangspunkt der
Abkühlung war die mittelalterliche Warmzeit, deren
Temperaturniveau wir bereits überschritten haben
- wenn das Ausbleiben der Sonnenflecken so schnell
derartige Folgen hätte, würde sich der
Sonnenfleckenzyklus unmittelbar als Oszillation der T-Kurve bemerkbar
machen - das ist aber nicht der Fall
- die Entwicklung der Sonnenflecken spielte -verglichen
mit dem Treibhauseffekt - in den letzten 50a höchstens noch
eine kleine Nebenrolle in der Temperaturentwicklung - siehe Thema Solareinstrahlung]
- in Vancouver wurden am 01.02.2010 9°C
gemessen, in Grönland 10°C (Europa lag derweil seit
Wochen im Schnee) - von lokalen Extremwetterlagen kann man eben nicht
auf den globalen Trend schließen [Meteorologe Sven
Plöger im ARD Morgenmagazin 01.02.2010]
|
Wetterextreme
|
keine
anthropogene Häufung von Wetterextremen
zu befürchten; die aktuell veröffentlichten
Statistiken dienen der Panikmache [Beck
2006] |
kurzfristige
Fluktuationen (also auch Abnahme der Wetterextreme) sind
normal, aber der langfristige Trend zeigt nach oben [Rahmstorf 2004],
denn
eine höhere Temperatur erzeugt
- höhere Verdunstung und damit
stärkere
Niederschläge
- höhere Luftdruckunterschiede und damit
höhere
Windgeschwindigkeiten

[Rahmstorf 2005 (Emanuel 2005)]
|
p(CO2)-
Zunahme steigert Primär-
produktion
|
Pflanzenwachstum steigt
sichtbar - CO2 ist der Dünger gegen
Hunger in der Welt
[Alvensleben 2002]
[nota bene:
obwohl p(CO2) doch gar nicht zugenommen haben
soll]
|
stimmt,
dies
wird jedoch bei zunehmender Erwärmung durch
Wärmestress
überkompensiert
[Rahmstorf 2004] |
Anpassung
globaler Ökosysteme an Klimawandel
|
funktioniert
seit Jahrmillionen [Alvensleben
2002] |
- nach der letzten Eiszeit stieg T um 5K innerhalb t
von
5000a; aktuell ist
ein ähnlicher Anstieg in 100a zu erwarten, also viel schneller
[Rahmstorf
2004/2]
- ist durch anthropogene Fragmentierung der
Ökosysteme
erschwert [Rahmstorf 2004]
|
Aufforstung
als Gegenmaßnahme
|
Aufforstung
könnte kontraproduktiv sein
- Wälder setzen beim Wachstum nach einer Studie Methan frei,
ein
potentes
Treibhausgas. [Bublath, Joachim. ZDF. 10.01.2007]
Ein Artikel in den VDI-Nachrichten zu der Studie ist betitelt:
"Treibhaus
Erde - auch Pflanzen heizen ein". [Haas
2006] |
Im o.g. Artikel ist zu lesen: der Autor der Studie Frank
Keppler
(Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg) gibt an, dass
das Pflanzenwachstum netto
dennoch deutlich die Verminderung des Treibhauseffekts durch CO2-Aufnahme
kompensiert; die mit dem Wachstum gekoppelte Emission von Methan
mindere die Effekte der CO2-Senke auf ca. 4%. [Haas 2006]
|
CO2-freies
Kohlekraftwerk
|
[nach der Logik der Klimaskeptiker kompletter Unsinn:
Energieverschwendung]
Sequestrierung entzieht den Pflanzen wertvolles CO2
[Thüne 2008]
|
hier kann man geteilter Meinung sein:
- die Kohle-Lobby sieht hier ein echtes
Reduktions-Potential für die CO2-Emission
- Kritiker verweisen auf die Gas-Eigenschaften von CO2:
- Gase diffundieren auch aus kleinsten Erdspalten
- bei Deposition im Meer kann eine
Temperaturerwärmung des Tiefenwassers in kurzer Zeit
große
Mengen des Gases wieder freisetzen
|
Global
Dimming
|
|
- die Auswirkungen des GW werden z.Zt. noch durch die
(mit den CO2-Emissionen
gekoppelte) Erhöhung der Albedo durch Emission von
Aerosol-Partikeln vermindert; die Abkühlung der 70er lassen
sich
so erklären; aktuell sorgt besonders China für enorme
Effekte
- manche Klimaforscher (u.a. Nobelpreisträger
Paul
Crutzen) halten ein künstliches Global Dimming für
eine
Ultima Ratio - falls das GW sich anderweitig als unbeherrschbar
herausstellt
|
Schluss
Egal, wem die Zukunft Recht geben wird: mit der Klimadebatte erleben
wir, dass Wissenschaft eine lebendige Auseinandersetzung von Menschen
mit ihrer Welt und mit ihresgleichen ist, und es ist mal
spannend und mal erschreckend, diese Auseinandersetzung zu beobachten
und daran teil zu
nehmen.
Doch bei aller Faszination für die Wissenschaft: es darf hier
nicht darum gehen, am Ende Recht zu behalten und irgendwem seinen
Irrtum nachzuweisen. Falls wir der Klimaforschung folgen,
könnte
das für uns ernste wirtschaftliche Folgen haben. Falls wir den
Klimaskeptikern folgen, könnte das weit schlimmere Folgen
haben.
Nach langen Jahren des Wirtschaftsliberalismus, in denen
Umweltengagement verpönt war, ist das Thema Umwelt
plötzlich
wieder gesellschaftsfähig, ja ein Thema für
Wahlkämpfe.
In allen Industrienationen, sogar den USA, redet man sich die
Köpfe heiß. Interessanterweise begann die Stimmung
der
Bevölkerung erst zu kippen, als von möglichen Schadenssummen(man
denke an den umstrittenen Stern-Report 2006) die Rede war. Die
Einschätzungen von Ökonomen sind in unserer
Wissensgesellschaft einfach mehr wert als die von Naturwissenschaftlern
(sicher auch als die von Geisteswissenschaftlern). Ob wir mit solch
unsicheren Zahlenwerken als Begründung unseres Handelns
zufrieden
sein dürfen oder ob hier nicht andere, auch ethische Fragen
viel
wichtiger sind, möchte ich hier nicht diskutieren. Wie krass
das
Hantieren mit Zahlen die Umweltschutz-Absicht konterkarieren kann,
zeigen die aktuellen Beispiele des Betrugs mit bzw. Missbrauchs von
Klimazertifikaten (Produktion
von FCKW in China nur zu dem Zweck, diese
"emissionswirksam" zu entsorgen; Betrug
beim CO2-Handel).
Allerdings - die Diskussionen um anthropogene Gas-Emissionen werden
möglicherweise für den Gang der Geschichte wenig
bedeutungsvoll sein. Bei der ersten Ölkrise der 70er hatten
wir
noch die Wahl einzulenken, heute sind die Optionen durch die sich
abzeichnenden Rohstoffkrisen schon stark eingeschränkt, auch
auf
Grund fehlerhafter Politik und mangelnder Aufklärung der
Bevölkerung. Das Thema Energie spielt im Lehrplan der
Naturwissenschaften
eine - verglichen mit der Alltagsbedeutung - kleine Rolle.
Naturwissenschaftlicher Unterricht ist in allen Schularten auf dem
Rückzug - in Anbetracht der
vielfältigen Bekenntnisse
zum Wissenschaftsstandort Deutschland ein Skandal. Der uninformierte
Verbraucher hat
sich so in eine fatale
Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bringen lassen - der
Staat
(Mineralölsteuer, Ökosteuer, MWSt, ...) und die
Finanzwelt
(gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen sucht das massenhaft
vorhandene "Spielgeld" Spekulationsobjekte) danken es ihm. Immer wieder
treffe ich auf die Meinung "die Wissenschaft wird schon irgendeine
Lösung präsentieren".
Die Bali-Konferenz 2007 zeigte es wieder - der Umgang mit fossilen
Rohstoffen wird wohl letztendlich von ökonomischen
Argumenten
bestimmt (allen Beteuerungen vieler Regierungen zum Trotz). Wobei
die Preise und damit Renditeerwartungen der etablierten
verbrauchsintensiven Wirtschaft in den nächsten Jahren zum
Leidwesen der Verbraucher wohl noch drastische Formen annehmen werden.
Erdöl
und -Gas sind zum Verbrennen viel zu schade, denn man braucht sie
dringend als Rohstoff in der chemischen Industrie. Wir verheizen gerade
die Rohstoffe, mit deren Hilfe wir auch billiger unsere Häuser
dämmen könnten.
Der Zugang zu fossilen Rohstoffen wird so ganz sicher zu einem
zentralen
Konfliktfeld im weiteren 21. Jahrhundert. Die Förderquote an
Erdöl ist nach verschiedenen
Studien 2009/10 am technischen Maximum (Nullstelle der ersten
Ableitung), während die Wirtschaft der
Schwellenländer das
Ende ihres Wachstums (das wäre die Nullstelle der zweiten
Ableitung) noch lange nicht erreicht hat. Zur Zeit steht
nicht zu erwarten, dass diese Länder Vorreiter in Sachen
Nachhaltigkeit sein werden. Mit ihrer Lebensweise haben die Bewohner
der Industrienationen Begehrlichkeiten geweckt, die die Erde mit den
derzeit verfügbaren fossilen Energieträgern
ebensowenig
langfristig wird befriedigen können wie mit Atomkraft. Ein
Umdenken in den reichen Ländern vor 35 Jahren hätte
auch einen technologischen Wandel
gebracht, der heute in den Wachstumszonen der Weltwirtschaft fruchten
würde. Vor den Risiken einer globalen Atomwirtschaft wurde
früh gewarnt, und selbst deutsche Kraftwerkstechnik ist vor
ernsten Stör- und Unfällen (Brunsbüttel,
Krümmel,
Geesthacht, Asse, Hanau, ...) nicht gefeit. Auch wenn Kohle noch viel
länger reicht als Öl, Gas und Uran: Die Diskussion um
emissionsfreie Kohlekraftwerke lässt viele Fragen offen (wie
sicher kann ein Herausdiffundieren des CO2 aus
Kavernen dauerhaft verhindert werden, wie viel atmosphärisches
O2 müssen wir dem Kohlefeuer opfern,
usw.).
Eine Trendwende in der Weltbevölkerungsexplosion ist dabei
nicht
abzusehen, genauso wenig eine ernsthafte, international angelegte
Entwicklungskampagne für die Dritte Welt. Das Halbierungsziel
der
UN für die weltweite Zahl der Armen wird mehr als
kläglich
scheitern. Es sieht so aus, als solle der Welt die
Handlungsunfähigkeit der UN vor Augen geführt werden.
Nur
vereinzelte,
kleine
Entwicklungsprogramme versuchen, nachhaltig Wohlstand zu schaffen - der
sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.
Derweil
verlagern die Arbeitgeber der westlichen Welt ihre
Wertschöpfung großteils in
Billiglohnländer, während sich die Financiers die
Hände
reiben - und die Arbeiter zu Hause in die Röhre gucken.
Während die neuen Industrie-Arbeiter der
Schwellenländer in
den modernen Sweat Shops vom westlichen (zukünftig
chinesischen)
Wohlstand träumen, vergessen sie ihre alten Werte und
Kulturtechniken, die ihre Vorfahren zum Überleben brauchten -
und
deren Tradition. Dass sie uns auch noch bei der Lösung von
Umweltproblemen helfen sollen, kann man von ihnen nicht erwarten.
Aber auch in den Industrieländern rückt
die
fortschreitende Ungleichverteilung von Geld das Umweltproblem bei
Vielen aus dem Blickfeld. Die Dimension der
Kriseninterventionen der Industriestaaten in der Finanzkrise 2008
machen deutlich, wo die Prioritäten gesetzt werden. Nur wenige
Menschen ergreifen die Initiative, um sich aus dem Hamsterrad der
Wirtschaft zu befreien - sie besinnen sich auf alte Werte und
Kulturtechniken. Vielleicht hilft die Wirtschaftskrise, dass sich noch
mehr Menschen auf den Weg machen - Not macht erfinderisch.
An dieser Stelle möchte ich aus einem Zeit-Interview mit
Dennis Meadows, einem Protagonisten des Club of Rome zitieren:
"Dennis Meadows machte
1972 mit dem
Buch über die Grenzen des Wachstums für den Club of
Rome
Furore. Mit Vorliebe und dem ihm eigenen Humor schildert der Amerikaner
heute, wie sich die Reaktion seiner Kritiker im Laufe der Jahre
gewandelt hat.
Siebziger Jahre: Es gibt keine Grenzen.
Achtziger Jahre: vielleicht gibt es welche, aber sie liegen in weiter
Ferne.
Neunziger Jahre: Womöglich sind die Grenzen schon recht nah,
aber Technik und Markt werden das Problem lösen.
2000: Technik und Markt haben es leider nicht geschafft, aber mit mehr
Wachstum werden wir es schaffen.
Demnächst, sagt Meadows, werde es heißen: Ging
leider nicht.
Aber jetzt ist es zu spät, um etwas zu unternehmen."
[Vorholz, Fritz. Die Versammlung der Weltveränderer. In: Die
Zeit 49 31 2007]
Die Konsequenz: meiner Meinung nach sind die Ergebnisse der
Klimaforschung kaum bestreitbar - doch ganz egal, ob nun die
Klimaforschung Recht
hat oder
deren Skeptiker, wir müssen ohnehin von unserem Lebensstil,
der auf der Verbrennung
fossiler
Energieträger basiert, Abstand nehmen, und wir sind technisch
in der
Lage
dazu. Ob Wirtschaft und Politik an einer
Lösung des Problems wirklich interessiert sind, wird sich
zeigen.
Die Frage ist nun: wollen wir das auch?
Und wenn Wirtschaft und Staat nicht mitmachen: Können
wir nicht trotzdem - jeder für sich und alle zusammen - eine
Veränderung bewirken?
Quellen
[alle Internet-Quellen wurden zwischen 12/2006 und dem
Veröffentlichungsdatum aufgerufen]
- Archer 2006:
Archer, David. Global Warmig. Understanding the Forecast.
Blackwell Publishing. 2006. In: http://forecast.uchicago.edu/archer.ch4.greenhouse_gases.pdf
- Arrhenius 1896:
Arrhenius, Svante. On the influence of carbonic acid
in the air upon the temperature of the ground. The London, Edinburgh
and
Dublin Philosophical Magazine and Journal of Science 5 237-276. London
1896
- Alvensleben 2002:
Von Alvensleben, Alvo. Kohlendioxid und Klima- Vortrag
vor Old Table Freiburg am 21.2.2002 von Dipl.-Phys. Alvo v. Alvensleben
(revidierte Fassung März 2002). In: http://www.schulphysik.de/klima/alvens/klima.html
- Baier: Baier,
Alfons. Von Wolkenschichten, Wärmespeichern und Vulkanen
(einige Aspekte zur "Klimakatastrophe"). In: http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/klima1.htm
- Beck 2006: Beck,
E. G.. Der Wasserplanet. In: http://www.zum.de/Faecher/Materialien/beck/wplanet/wp/index.htm;
auch in: http://www.biokurs.de/treibhaus
- Beck 2007: Beck,
E. G.. Der CO2-Betrug, der größte Skandal der
Wissenschaftsgeschichte der Neuzeit? In: http://www.readers-edition.de/2007/05/07/der-co2-betrug-der-groesste-skandal-der-wissenschaftsgeschichte-der-neuzeit/
- Beck 2007/2:
Beck, E.G. 180 Years of atmospheric CO2 Gas Analysis by Chemical
Methods. In: ENERGY & ENVIRONMENT VOLUME 18 No. 2 2007
- Benestad 2002:
Benestad, Rasmus E. (2002) Solar Activity and Earth's Climate,
Praxis-Springer, Berlin and Heidelberg, 287pp, ISBN: 3-540-43302-3. In:
Recent Warming But No Trend in Galactic Cosmic Rays. In: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2004/12/recent-warming-but-no-trend-in-galactic-cosmic-rays
- Berndt 2005:
Berndt, Torsten, Olaf Böge, Frank Stratmann, Jost
Heintzenberg,
Markku Kulmala. Rapid Formation of Sulfuric Acid Particles at
Near-Atmospheric
Conditions. Science Vol. 307. no. 5710 698 - 700. 4 February 2005. DOI:
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- Brohan 2006: P.
Brohan, J. J. Kennedy,
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Glossar
aa Index - a 100-year series characterizing the magnetic
activity... It
is derived from from magnetic measurements near each of the poles
(Greenwich
and Melbourne observatories ...) [Benestad
2002]
AGW - anthropogenic global warming
CCN - cloud condensation nuclei
CR - cosmic ray
CRF - cosmic radiation flux
GHG - Greenhouse Gas
gsl - global sea level
IR - infrarote Strahlung
NAO - nordatlantische Oszillation
p(CO2) - Partialdruck an CO2
PDO - pazifische dekadische Oszillation
UV - ultraviolette Strahlung
VIS - sichtbare Strahlung
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übernimmt
der Autor keinerlei Gewähr, ein Link bedeutet keinesfalls eine
Zustimmung des Autors zu den Inhalten, sondern dient der
Hintergrundinformation zu den oben diskutierten Argumenten.
Fundgruben
für Skeptiker-Argumente
Das Internet strotzt geradezu vor skeptischen Inhalten; ich
beschränke mich hier auf wenige für diese Arbeit
besonders
ergiebige oder interessante Seiten, natürlich ohne Anspruch
auf
Vollständigkeit zu erheben.
Bitte beachten Sie zur Beurteilung der Seiten besonders die
Quellenangaben (hier: Anteil von Publikationen in
einschlägigen Fachzeitschriften vs. Internetseiten, Frequenz
bestimmter Seiten) sowie eventuelle politische Konnotationen.
besonders interessant (m.E. fast alle anderen findet man hier als Links)
Klimaskepsis plus weitere Reizthemen:
Bemerkenswerte
Persönlichkeiten
Ernst-Georg Beck - der rührigste deutsche
Klimaskeptiker
Er ist - wie ich - Biologielehrer. Auf der einen Seite
bezweifelt er
die Klimamodelle des IPCC, die aufwändigsten
Computerberechnungen
unserer Zeit, die von mehreren Teams hochqualifizierter Klimaforscher
durchgeführt und in verschiedenen Fachzeitschriften von einem
breiten Fachpublikum begutachtet werden. Auf der anderen Seite traut er
dem Wasserkastenmodell des Ex-Siemens-Elektroingenieurs Peter Dietze,
der sein Modell in einer Tabelle des Tabellenkalkulationsprogramms
Microsoft Excel 97 präsentiert. Das Modell wurde in der
Fachwelt
ignoriert, weil es außerhalb des Internet nur in der
Zeitschrift
FUSION erschien. Auf der einen Seite zieht er aus den Eisbohrkernen
Schlüsse über die 400.000 Jahre alte
Zusammenhänge von T
und p(CO2), auf der anderen Seite zieht er die
jüngsten
Daten derselben Bohrung in Zweifel und bevorzugt die Werte aus
verschiedenen z.T. 180 Jahre alten nasschemischen Analysen. Diese
Punkte seien nur exemplarisch genannt; ich verweise hierzu auf die
vielen o.g. Reaktionen der Fachwelt. Der Stil seiner Abhandlungen ist
in höchstem Maße suggestiv, er bedient Resentiments,
seine
Texte strotzen vor persönlich beleidigender Polemik.
Dieser Mann verbreitete bis vor Kurzem seine Schriften vor allem im
Internet, wo man immer noch die CD bestellen kann; weil
seine Aussagen brisant sind, wurde und wird er von Medien und
Veranstaltern von Informationsveranstaltungen hofiert: Artikel und
Verweise schafften es in in verschiedene Zeitungen, ein
spektakulärer Auftritt war zuletzt bei RTL (Klimaschwindel,
06.11.2007, 22:15Uhr). Er wurde auch 2008 noch u.a. an die
Universität Bayreuth eingeladen, wobei die Einladung hier zu
interessanten Auseinandersetzungen führte (http://www.scienceblogs.de/primaklima).
Seine CO2-Datenauswertung
veröffentlichte er 2007 in der Zeitschrift Energy
& Environment, wo auch Soon
& Baliunas ein Organ gefunden haben. Diese
Zeitschrift ist nicht in der Zitaten-Datenbank Journal
Citation Reports häufig zitierter Zeitschriften
gelistet. [http://pubs.acs.org/subscribe/journals/esthag-w/2005/aug/policy/pt_skeptics.html]
Fred Singer, die FDP-Fraktion und die umweltpolitische
Sprecherin der CDU-Bundestagsfraktion Marie-Luise Dött
Lange habe ich Fred Singer aus dieser Seite herausgelassen, weil seine
Schriften (vor allem zitiert bei Beck) auf Englisch abgefasst waren -
mit den deutschen Seiten hatte ich genug zu tun. Die amerikanische
Lesart des Themas (wie das vieler anderer Themen) schien mir zu Zeiten
von G.W. Bush ohnehin allzu sehr interessengesteuert - sowohl
was
die öffentliche Meinung als auch was die Politik anging - ich
hielt die USA in dieser Frage nicht für objektiv. Deshalb
bestand
für mich kein Bedürfnis nach Auseinandersetzung mit
Singer.
Gerade (Oktober 2010) nahmen die Dinge jedoch eine
überraschende Wendung. Singer hat es tatsächlich in
in den Bundestag geschafft - er wurde zu einer
Diskussionsrunde von FDP-Abgeordneten geladen - und
da muss ich doch ein paar Zeilen auf ihn verwenden. Vor allem deshalb,
weil die ebenfalls anwesende umweltpolitische Sprecherin der
CDU-Fraktion, Marie-Luise
Dött, sich dazu hat hinreißen lassen, seine
Ausführungen als "sehr, sehr einleuchtend" zu bewerten. Die
FDP hat schon längere Zeit Kontakt mit Singer.
Vor dem Beginn dieser Arbeit hätte ich gedacht "na klar, jetzt
versuchen die hartnäckigen Lobbyisten es schon
wieder, Stimmung zu machen". Nach all meinen Recherchen ist
dies für
mich jedoch der politische Offenbarungseid der FPD: sie will der
Öffentlichkeit weismachen, es gäbe noch Zweifel - und
das, nachdem
Wunsch-Koalitionspartner Angela Merkel sich schon als "Klimakanzlerin"
hat feiern lassen.
Meinungsmache von ganz oben kennen wir ja schon von anderen aktuellen
Themen. Der diesbezügliche Artikel
von Cordula Meyer ist absolut empfehlenswert [Meyer,
Cordula. Die Wissenschaft als Feind. In: Der Spiegel 40 144 2010].
Fred Singer war jahrelang federführend in der TASSC - The
Advancement of Sound Science Center. Diese Organisation wurde lange
Zeit von der amerikanischen
Zigarettenindustrie für
Studien bezahlt. Es ist eigentlich unnötig zu
erwähnen, dass
in diesen Studien der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs
geleugnet wurde. Eben dieser Wissenschaftler hat nach dem Misserfolg
seiner Tabak-Kampagne neue Geldgeber gefunden: u.a. die
amerikanische Ölbranche für sein SEPP.
Um seine Bedeutung in der Szene zu würdigen, müsste
ich diesem Mann viele Seiten widmen. Da ich die USA in der
Klima-Frage für verloren (sprich: Sachargumenten
unzugänglich) halte, und da die Ergebnisse von Singers
Informations-Arbeit und mir auch seine persönlichen Motive
klar
sind, habe ich mir das erspart. Da Beck ihn sehr fleißig
zitiert
hat, habe ich vermutlich auch die wichtigsten seiner Sach-Argumente
bereits berücksichtigt.
Die skandalöse Haltung von Frau Dött jedenfalls war
ganz
schnell Geschichte. Sie ist kurz nach ihrem faux pas wieder
zurückgerudert. Was aber bleibt, sind massive Zweifel an ihrer
Sachkompetenz - sie hat sich von einem einzigen Vortrag
überrumpeln lassen und ist kurz danach (aufgrund
"höherer
Einsicht") wieder auf Linie zurückgekehrt. Gerade in der
wichtigsten umweltpolitischen Frage hat die umweltpolitische Sprecherin
der größten Regierungsfraktion im deutschen
Bundestag in meinen Augen ihre Glaubwürdigkeit
verspielt.
Über die Rolle der FDP, die Singer eingeladen hat,
brauche
ich nicht viel zu sagen; ihre Nähe zu Wirtschaftslobbies ist
bekannt.
Sallie
Baliunas, Dr. Hans von Storch und der Wirbel um die Zeitschrift Climate
Research
Sallie Baliunas ist eine Astrophysikerin, die zunächst (vor
der
Verleihung des Nobelpreises) Crutzens Theorie des Ozonabbaus durch CFCs
kritisierte. Heute bezweifelt sie sowohl das Phänomen der
globalen
Erwärmung als auch die Treibhausgaswirkung von
zusätzlichem CO2.
In einer ihrer Studien behauptet sie, die Temperaturen seien im
Mittelalter noch deutlich höher gewesen [Soon, W., Baliunas,
S.
(2003). Proxy Climatic and environmental changes of the past 1000
years. Climate research 23 89-110].
Wegen dieser Veröffentlichung geben vier Redakteure der
Zeitschrift, darunter der Chefherausgeber, ihr Amt auf:
"Unter dem Eindruck
anhaltender Kritik
an dem Papier von Soon und Baliunas, unter anderem in einer
Veröffentlichung der angesehenen Zeitschrift Eos, verfasste
der
Chefredakteur von Climate Research, Hans von Storch, einen kritischen
Leitartikel in eigener Sache. Nachdem der Herausgeber ihm jedoch davon
abriet, das Gutachtersystem des Hauses zu kritisieren, ist von Storch
von seinem Posten zurückgetreten. "Die Studie war fehlerhaft
und
hätte nicht veröffentlicht werden dürfen",
sagt der
Klimaforscher vom deutschen GKSS-Institut für
Küstenforschung
in Geesthacht. Mittlerweile ist auch bekannt geworden, dass die
fragliche Studie mit 53000 Dollar vom American Petroleum Institute
unterstützt wurde und die beiden Autoren einen Teil ihres
Einkommens vom George-C.-Marshall-Institut beziehen, das seit Jahren in
Washington gegen Begrenzungen von Gasausstoß
kämpft."
[Illinger, Patrick. So viele Meilen bis Kyoto. Süddeutsche
Zeitung. München 12.08.2003]
Der amerikanische Wissenschaftsjournalist Monastersky berichtet
über die Kritik am Baliunas-Papier:
"It is absurd to take
wetness or
dryness as proof of abnormal warmth, the critics argue. "A paper using
that kind of methodology could not be published in any legitimate
climate-research journal unless something was severely wrong or
suspicious with the review process," says Virginia's Mr. Mann, lead
author of the Eos paper, whose own studies on climate were heavily
criticized by Mr. Soon's team in the Energy and Environment paper.
Mr. Mann and his colleagues also find fault with the Soon-Baliunas
definition of a climatic event. Under their method, warmth in China in
850, drought in Africa in 1000, and wet conditions in England in 1200
all would qualify as part of the Medieval Warm Period, even though they
happened centuries apart.
And the critics say that the Harvard-Smithsonian team set up a straw
man in comparing conditions during the 20th century with those in
earlier centuries. The greatest warming has happened during the past
few decades, and so taking an average of the entire century, or even
half of it, washes out the recent trend, says Mr. Mann. What's more,
many of the climate records examined by the team do not include the
most recent decades. Mr. Soon and Ms. Baliunas improperly used data
sets compiled by other researchers, says Mr. Mann. "Many people feel
betrayed by the misrepresentation of their data."
Indeed, scientists contacted by The Chronicle complained about the way
their work was cited by the Harvard-Smithsonian team.
Peter deMenocal, an associate professor at Columbia University's
Lamont-Doherty Earth Observatory, used sediment records off the coast
of Africa as a proxy for ocean-surface temperatures. He says Mr. Soon
and his colleagues could not justify their conclusions that the African
record showed the 20th century as being unexceptional.
"My record has no business being used to address that question," the
Columbia scientist says. "It displays some ignorance putting it in
there to address that question."
David E. Black, an assistant professor of geology at the University of
Akron, says Mr. Soon's group did not use his data properly in
concluding that the Middle Ages were warm and the 20th century
ordinary. Mr. Black's record of plankton in ocean sediment collected
off Venezuela provides a proxy record of the strength of trade winds
from 1150 to 1989. But "winds don't meet their definition of warm, wet,
or dry," he points out.
Contrary to what Mr. Soon's team claims about the Venezuelan data, Mr.
Black says he found no 50-year period of medieval extremes in his
record. "I think they stretched the data to fit what they wanted to
see," he says.
Mr. Soon defends his study and says the critics have mischaracterized
his work. "Some of the proxy information doesn't contain directly the
temperature information," he acknowledges, "but it fits the general
description of the medieval warm climatic anomaly."
He says he included information about precipitation because too many
scientists have focused on temperature, which is not the only measure
of climate. "This is a first-order study to try to collect as much data
as possible and try not to make the pretension that we know how to
separate the information in the proxy." [Richard Monastersky. Storm
Brews Over Global Warming. In: Chronicle of Higher Education, 4
September 2003]
Auch an der Ozondebatte nahm sie teil. Zitat aus wikipedia (Stand
01/2007):
"... Baliunas earlier
adopted a
skeptical position regarding the hypothesis that CFCs were damaging to
the ozone layer, which earned its originators, Paul Crutzen, Mario
Molina and Frank Sherwood Rowland, the Nobel Prize for Chemistry in
1995. Her arguments on this issue were presented at Congressional
hearings held in 1995 (but before the Nobel prize announcement).
Baliunas' criticism was supported by climate change skeptics such as
Fred Singer, Hugh Ellsaesser, Patrick Michaels,Frederick Seitz, and
others. ...
Although Baliunas never publicly retracted her criticism of the ozone
depletion hypothesis, an article by Baliunas and Soon written for the
Heartland Institute in 2000 promoted the idea that ozone depletion,
rather than CO2
emissions could explain atmospheric warming" [Baliunas, Sallie und
Willie Soon. The trouble with ozone. In: Environment News. The
Heartland Institute. Chicago 2000. In: www.heartland.org]
[http://en.wikipedia.org/wiki/Sallie_Baliunas]
Sallie Baliunas wird mehrfach von Ernst-Georg Beck zitiert.
Peter Dietze, FUSION
und der Dr.-Böttiger-Verlag
Peter Dietze ist Ingenieur für Elektrotechnik und
Regelungstechnik
und war bei Siemens beschäftigt. Von Publikationen zu Dietzes
Wasserkastenmodell in einschlägigen Fachzeitschriften der
Klimatologie ist dem Autor nichts bekannt (Stand 2007). Die vorliegende
Schrift von Herrn Dietze [Dietze 2004] erschien außer im
Internet
nur in der Zeitschrift FUSION,
die vom Dr.-Böttiger-Verlag
über das Internet vertrieben wird. Der Verlag gibt ebenfalls
die
Zeitschrift der Bewegung "Neue Solidarität" heraus, die von
wikipedia (Stand: 01/2007) der Lyndon-LaRouche-Bewegung zugeschrieben
wird [http://de.wikipedia.org/wiki/Lyndon_LaRouche].
Tatsächlich enthielt die Homepage des Verlags im Januar 2007
einen
Link auf ein Internetforum mit Lyndon LaRouche am 11.01.2007 bei
http://www.larouchepac.com.
Zum politischen Hintergrund der vorliegenden Schrift von Dietze ein
Zitat:
"Anmerkungen des
Herausgebers
Der Artikel von Peter Dietze regt an, darüber nachzudenken,
was
für unser Volk in seiner gegenwärtigen Lage wichtiger
ist:
die Wiedergewinnung des Generationenersatzes durch Sanierung der
Geburtenzahl oder die "Rettung" des Globalklimas, zu dem die
Industrienationen im äußersten Fall eine
Abkühlung um 1/100
°C bis zum Jahre 2050 beitragen könnten.
Manche Mitbürger wagen nicht an ein gerechtes Erziehungsgehalt
mit
Rentenanspruch und kostendeckendes Kindergeld zu denken, weil das beim
besten Willen nicht finanzierbar sei - mit 250 Milliarden Euro bis 2020
könnte man in Deutschland, anstatt 3/1000
°C zu erreichen, manchen erstickten Kinderwunsch
wiederbeleben!" [Dietze 2004]
Peter Dietze wird u.a. von Ernst-Georg Beck, Alvo von Alvensleben und
John Daly zitiert und trat auch 2008 als Referent bei
öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen, z.B. des VDI, auf.
John Daly - "still waiting for greenhouse"
Der gebürtige englische Seefahrer beendete sein Leben
2004 in
Tasmanien, wo er u.a. zahlreiche Meeresspiegelmessungen und
Erkenntnisse anderer Klimaskeptiker via Internet
veröffentlichte
(u.a. Host für
ein Simulationsprogramm von Peter Dietze). Seine Privatforschung wird
in Fachkreisen nicht anerkannt.
John Daly wird u.a. von Ernst-Georg Beck und Alvo von
Alvensleben zitiert.
ZDF-Meteorologe Dr. Wolfgang Thüne
Seine Vita reicht von vielfältigen Studien
über eine
langjährige Tätigkeit als Meteorologe, eine
umstrittene
Dissertation über "Die Heimat als soziologische und
geopolitische
Kategorie und als Identitätsimpuls in der Dynamik der modernen
Industriegesellschaft" bei Prof. Bossle bis hin zur
Propaganda-Zusammenarbeit mit dem einschlägig bekannten
ZDF-Kollegen Gerhard Löwenthal (Aktion der Mitte) und einer
Mitgliedschaft im Präsidium beim Bund der Vertriebenen. So
schaffte er es auch in die Leitung des Referates
"Naturwissenschaftlich-technische Grundsatzfragen der
Umweltpolitik" beim Umweltministerium Rheinland-Pfalz (bis
zur
Pensionierung) und in den "Klimabeirat" der
Bundesregierung.
Über seinen Doktorvater Bossle, Präsident
des privaten
Instituts für Demokratieforschung in Würzburg,
schreibt
Christiane Schlötzer-Scotland in der Süddeutschen
Zeitung "Aufstand in der «Doktorfabrik» - auch
CSU verliert
Geduld mit Soziologieprofessor Bossle" [In:
Süddeutsche
Zeitung, Nr.42, 20.02.1992, S. 21]. Otto Köhler schreibt in
der
Wochenzeitung Zeit über Thünes und andere
Dissertationen bei
Bossle: "Doktorspiele in Würzburg - jeder Dreck kann hier als
Dissertation durchgehen..." [DIE ZEIT 45,
04.11.1988; archiviert unter: http://www.zeit.de/1988/45/Doktor-spiele-in-Wuerzbur?page=all]
Thüne ist der einzige mir bekannte Klimaskeptiker,
der den
Treibhauseffekt an sich in Frage stellt. Seit vielen Jahren
schreibt Thüne gebetsmühlenartig (und publizistisch
erfolgreich) gegen die Lehrmeinung der Klimaforschung an und wird
häufig von Ernst-Georg Beck zitiert. Selbst die offene
Infragestellung seiner fachlichen Kompetenz in den Mitteilungen der
Deutschen Meteorologischen Gesellschaft 1/1996 konnte ihn nicht
bremsen. Wie er neuerdings in seiner Videobotschaft an Dr. rer. nat.
Angela Merkel 2008 seine Treibhauseffekt-Philippika mit
IR-Temperaturkarten zu beweisen sucht und dieses Video bei secret.tv
publiziert, zeichnet ihn fachlich noch einmal ganz besonders aus.
Dr. Horst-Joachim Lüdecke sieht sich nicht als
Skeptiker
Der Professor der Physik an der Hochschule für Technik und
Wirtschaft Saarbrücken äußert sich in einem
Bericht
über die Unsicherheiten der aktuellen Forschung. Er orientiert
sich formal, methodisch und stilistisch an akademischer Fachliteratur;
interessant ist jedoch die Darstellung seiner Motivation und die
Auswahl seiner Quellen, die er eigens rechtfertigt: so deutet er eine
Voreingenommenheit der publizierenden Klimaforschung gegen Skeptiker
an, was s.E. begründet, dass man skeptische Artikel kaum in
Fachzeitschriften findet.
Zitate aus seinem Bericht "Klimawandel
und menschgemachtes CO2":
"Der Autor sieht
sich nicht als "Skeptiker", der einen Einfluß des
menschverursachten CO2 auf das Klima abstreitet.
Er erhebt keinen Widerspruch gegen Inhalt und Qualität der
klimatologischen Fachveröffentlichungen, die unter dem Dach
des
IPCC erstellt wurden, er ist aber auch kein unkritischer Zeitzeuge, der
die vom IPCC politisch propagierte Hypothese über die
katastrophale Rolle des anthropogenen CO2
gläubig übernimmt (aus guten Gründen
nicht)." ...
"Der vorliegende Beitrag ist daher kein für eine
Fachzeitschrift
gedachter oder gar geeigneter Aufsatz. Er faßt vielmehr den
heutigen Diskussions- und Faktenstand an Hand von leicht erreichbarer Internet-Fachliteratur
kritisch zusammen und legt Schwerpunkte auf die umstrittenen,
öffentlich geäußerten Folgerungen aus den
heute
vorliegenden Forschungsmodellen und -ergebnissen und auf die hieraus
abgeleitete Politik. Alle im Aufsatz genannten Fakten wurden
mit größtmöglicher Sorgfalt
überprüft." ...
In seiner Liste von Informationsquellen finden sich neben den bekannten
Klimatologen die einschlägig bekannten Seiten von Alvo von
Alvensleben, Ernst-Georg Beck und SEPP.
"
Dieses Vorgehen
des Autors ist
angreifbar, es kommt hier aber weniger auf wissenschaftlich umstrittene
Details sondern auf das aus vielen Details resultierende Gesamtbild an."
...
"Veranlassung war das Bemühen,
studentische Fragen
- es handelt sich um Wirtschaftsingenieure, die von Klimaphysik
einigermaßen weit entfernt sind -
ehrlich und nach
bestem Wissen zu beantworten. Wenn der Beitrag als Basis
geeignet ist, den
heutigen Stand und die zugehörigen
Grundlagen einem interessierten Laien zu vermitteln, ist sein Zweck
erfüllt.
Es sei nicht verschwiegen, daß der Autor innerhalb des
wissenschaftlich zulässigen Interpretationsspielraumes (zur
Vermeidung von Mißverständnissen sei wiederholt
betont,
daß in diesem Aufsatz keine einzige klimatologische
Fachveröffentlichung in Zweifel gezogen wird) eine
optimistische
Haltung einnimmt. Hierzu geben die zahlreichen Irrtümer
etablierter Wissenschaftsmeinungen der Vergangenheit genug
Anlaß,
stellvertretend seien genannt
- die Ablehnung der Wegner'schen Kontinentaldrifthypothese
Anfang des vorigen Jahrhunderts
- die Irrtümer der Humangenetik (Rassenlehre) bis
etwa Ende des zweiten Weltkriegs
- die nicht eingetroffenen Katastrophenszenarien des Club of
Rome
- die Warnungen vor einer neuen Eiszeit vor etwa 20 Jahren
Die Liste ließe sich fortsetzen."
Richard Lindzen - gesellschaftswissenschaftliche
Interpretationen
eines Klimaforschers
Aus der Zusammenfassung einer Veröffentlichung des
MIT-Wissenschaftlers aus 1996: "Despite the absence of a significant
scientific basis for most predictions, the public has been led to
believe that there is an overwhelming scientific consensus that the
issue is a matter of immediate urgency requiring massive control of
energy usage. The first part of this paper will briefly
describe
this situation. The thought that scientists would allow such
an
abuse of science is difficult for most laymen to believe.
However, I suggest that what is happening may, in fact, be the normal
behavior to be expected from the interaction of science, advocacy
groups, and politics.
A study of an earlier example of such an interaction,
the interaction of genetics, eugenics and immigration law
during the early part of this century, reveals almost analogous
behavior." [Lindzen, Richard. Science and Politics: Global Warming and
Eugenics. In: Risks, Costs, and Lives Saved, R.W. Hahn, editor, Oxford
University Press, New York, 1996]
Trittbrettfahrer -
oder: die Rolle der Medien
Von der allgemeinen Verunsicherung profitieren nicht nur die
Kreise,
die eine Beschränkung der CO2-Emisionen
verhindern wollen. Auch Buchverlage, Printmedien und das Fernsehen
gieren nach provokanten Aussagen, die gegen den (unbequemen) Mainstream
anecken. Es gilt ein großes interessiertes Laienpublikum zu
befriedigen, das teils nach geldwerten Argumenten gegen CO2-Restriktionen
sucht, teils die Warnungen des IPCC nicht wahrhaben will.
Focus Magazin
Im kalten Winter 2009/10 verkaufte sich die Titelgeschichte
des Focus vom 11.01.2010 besonders gut, vor allem nach der Werbung im
ZDF-Morgenmagazin. Dort durfte in der Presseschau eine
Focus-Redakteurin süffisant verkünden
(sinngemäß): die Klimaforschung sei sich ja immer
noch uneins über die Klimaerwärmung. Es drohe eine
kleine Eiszeit, weil die Sonnenfleckenzahl sich dramatisch vermindert
hätte.
Tatsächlich sind nun vom 11-jährigen Zyklus,
der nur geglättet sinusförmig verläuft,
ganze zwei Jahre unterdurchschnittlich verlaufen. Eine Vorhersage des
laufenden wie der nächsten Zyklen lässt sich dadurch
auf keinen Fall zuverlässig vorhersagen. Es wird aber der
Eindruck vermittelt, die ganze Diskussion um Treibhausgas-Emissionen
sei obsolet - diese wackelige Argumentation ist dem Focus eine ganze
Titelgeschichte wert. Der Artikel ist gemäß dem
vollmundigen Werbesversprechen des Chefredakteurs Peter Markwort
natürlich angereichert mit "Fakten, Fakten, Fakten" - die sich
bei näherem Hinsehen z.T. leider nur als wissenschaftliche
Binsenweisheiten entpuppen (z.B. Infographik über den solaren
Fusionsprozess) - die tragen zwar nicht viel zur Aufklärung
des Problems bei, suggerieren dafür aber eine seriöse
wissenschaftliche Berichterstattung. Für den
naturwissenschaftlichen Durchschnitts-Bildungsbürger eher
schwer zu durchschauen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich dann
überraschenderweise, dass der Redakteur Odenwald allerdings
auch ganz seriös so manches Pro und Contra gegenüber
stellt und damit am Ende einen brauchbaren Artikel schafft - nur leider
wird das von den meisten Blog-Teilnehmern überlesen, die nur
die bombastische Schlagzeile lesen und dann wieder im Blog ein
klimaskeptisches Feuerwerk abbrennen.
Die Rechnung geht also wieder einmal auf - die Auflage wird's
danken.
Horx, Reichholf und die "Welt"
Ich zitiere hier ein paar Stellen aus einem Artikel
des Klimaforschers Stefan Rahmstorf, der sich neben seiner Arbeit am
PIK und in diversen Gremien (u.a. IPCC) immer wieder genötigt
sieht, sich mit den Klimaskeptikern auseinander zu setzen:
"Ein Newcomer unter den
"Klimaskeptikern" ist der Zukunftsforscher Matthias Horx, der in einem
Welt-Essay
(13. März 2007) das alte Argument vorbringt: "Das Klima hat
sich
schon immer geändert." Das stimmt, aber die Fakten von Horx
stimmen großenteils nicht oder sind irreführend
dargestellt.
So schreibt er, vor 500 Millionen Jahren habe die CO
2-Konzentration
sensationelle 28 Prozent betragen (tatsächlich waren es 0,7
Prozent), und vor 300000 Jahren sei die Sauerstoffkonzentration 30
Prozent gewesen (in Wahrheit ist das tausendmal länger her).
Dann behauptet er: "Mindestens viermal in der Urgeschichte kam es zu
ausgedehnten Wärmeperioden. Vor 400000 Jahren dauerte die
"Global
Warming" - Phase 30000 Jahre". Hier spricht Horx von den vier
Warmphasen (Interglazialen), die in den letzten 400000 Jahren zwischen
den Eiszeiten aufgetreten sind.
In einem solchen Interglazial, nämlich dem Holozän,
leben wir
seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10000 Jahren. Horx suggeriert
aber, diese "Wärmeperioden" seien wärmer als das
heutige
Klima gewesen, und ein "global warming", wie die Erde es derzeit
erlebt, sei etwas ganz Normales. Die Klimadaten geben dies allerdings
nicht her: sie legen im Gegenteil nahe, dass die globale
Durchschnittstemperatur in den vorherigen Interglazialen der im
Holozän vergleichbar war. Am besten belegt ist dies
für die
letzte Warmzeit vor 120000 Jahren, das Eem. Damals war es in der Arktis
zwar mehrere Grad wärmer als heute (und der Meeresspiegel
wegen
der kleineren Eisschilde 4 bis 6 Meter höher), die globale
Mitteltemperatur war aber nach gegenwärtigem Wissensstand
nicht
spürbar wärmer. Dies liegt an der Ursache dieser
Warmphasen,
den Erdbahnzyklen, die die Sonneneinstrahlung zwar umverteilen (im Eem
wesentlich mehr Sommersonne in der Arktis), aber eben nicht global
erhöhen.
Im nächsten Satz behauptet Horx: "Auch in den letzten 3,5
Millionen Jahren taute die Antarktis, wie der Jenaer Geowissenschaftler
Lothar Viereck-Götte anhand von Bohrkernen herausfand,
mehrmals
auf und wieder zu."
Wenn die Polizei einen Brand untersucht und handfeste Beweise
für
Brandstiftung vorlegt, könnte man diese auch kaum mit dem
Argument
entkräften: Feuer hat es auch schon gegeben, bevor es Menschen
gab.
Eine wissenschaftliche Sensation - wenn es denn stimmen würde.
Viereck-Götte sagt dazu nur lapidar, Horx habe seine
"Ergebnisse
falsch dargestellt". Tatsächlich zeigen seine Daten lediglich,
dass an einer Stelle der Antarktis ein bestimmtes Eisschelf mehrfach
vorgestoßen und wieder zurückgegangen ist. Ein
unspektakuläres Stück Routinearbeit der
Klimawissenschaften,
das Horx zur Beförderung seiner Thesen zum "Abtauen der
Antarktis"
aufbauscht.
Horx rechtfertigte seinen Fehler mir gegenüber damit, er habe
diese Information aus den Medien übernommen. Hier stellt sich
die
Frage: Ist der nach Pressekodex erforderlichen "sorgfältigen
Recherche" damit Genüge getan, dass man aus anderen
Zeitungsartikeln etwas abschreibt? Oder sollten fünf Minuten
investiert werden, um die Originalquelle zu prüfen? Ohne eine
solche Überprüfung setzen sich Fehler über
Jahrzehnte
immer weiter fort, wie der oben genannte Mythos, Vulkane
würden
mehr CO
2 ausstoßen als der Mensch.
Die Essenz von Horx' Artikel ist ja gerade, dass die auf mehr als einem
Jahrhundert sorgfältigster Forschung beruhenden Aussagen der
Klimatologen nicht zuverlässig seien. Da verwundert es schon,
dass
Horx offenbar nicht einige Minuten zu investieren bereit ist, um die
Zuverlässigkeit seiner eigenen Aussagen zu prüfen.
Am Ende bringt Horx sogar das ebenso alte wie falsche Argument, das
Klima ließe sich nicht voraussagen, weil wir "nicht einmal
Regen
und Sonnenschein für Kleindettelhausen in 7 Tagen" vorhersagen
könnten. Ich weiß nicht, ob Horx selbst nicht
zwischen
Wetter und Klima unterscheiden kann, oder ob er einfach nur hofft, dass
seine Leser dies nicht können. Egal - um zu einem Interview
mit
Maybrit Illner und in diverse Talkshows geladen zu werden, hat das
Sammelsurium von Falschaussagen gereicht."
...
"Der Fall Reichholf
Mit falschen und irreführenden Klimakurven arbeitet auch Josef
Reichholf, dessen Buch "Eine kurze Naturgeschichte des letzten
Jahrtausends" derzeit in vielen Buchläden ausliegt. Die
Kernthese
des Buches ist, dass die Klimaentwicklung im letzten Jahrtausend
wesentlich unsere Geschichte geprägt hat.
Überraschenderweise
erfährt man jedoch praktisch nichts über den
wissenschaftlichen Kenntnisstand zu dieser Klimaentwicklung. In der
Fachliteratur gibt es inzwischen ein Dutzend Rekonstruktionen des
Klimaverlaufs auf der Nordhemisphäre über diese Zeit,
die auf
den Daten aus Baumringen, Korallen, Eisbohrkernen, Sedimenten und der
Gletscherausdehnung beruhen. Sie alle sind im neuen IPCC-Bericht
diskutiert. Bei Reichholf werden diese Studien nicht erwähnt.
Er
diskutiert zwar, dass historische Ereignisse wie die
Vorstöße der Mongolen wohl mit bestimmten
Klimabedingungen
zusammenhängen müssten - auf eine
Überprüfung
dieser Hypothese anhand von Klimadaten wartet der Leser jedoch
vergeblich. Dafür liefert Reichholf reichlich Belege
für sein
Unverständnis elementarer Zusammenhänge im
Klimasystem, zum
Beispiel wenn er über die Eiszeiten schreibt: "Die
Niederschläge hatten global stark abgenommen, weil so viel
Wasser
an beiden Polen in Eis gebunden war."
Ausführlich wird die Geschichte der Landverluste durch
Sturmfluten
an der Nordsee behandelt - aber ohne deren Ursache zu
erwähnen,
die nacheiszeitliche Landabsenkung um über 1 mm/Jahr. Nach
seinem
Credo "warm ist gut" führt Reichholf diese Landverluste
stattdessen auf das schlechte Wetter während der "Kleinen
Eiszeit"
zurück. Dass einige der verheerendsten Fluten, zum Beispiel
die
Julianenflut 1164 und die Marcellusflut 1219, während der
mittelalterlichen Warmphase stattfanden, stört ihn dabei
nicht.
Die einzige scheinbare Klimakurve des letzten Jahrtausends findet man
auf Seite 231. Dort steht eine Grafik mit der Überschrift
"Sonnenaktivität und Klima über das letzte
Jahrtausend". Man
wundert sich, dass nur eine Kurve gezeigt ist, und nicht eine Klima-
und eine Sonnenkurve verglichen werden. Die Achsenbeschriftung lautet
"Wärme-Index", und in der Bildunterschrift liest man, dass die
"Klimaerwärmung gerade das angenommene Niveau des
Hochmittelalters
erreicht".
Schaut man bei der angegebenen Quelle nach (wie bei Reichholf
üblich ein populärwissenschaftlicher Artikel, keine
Originalquelle), stellt man fest: Es handelt sich um
14C-Daten
aus
Baumringen, die Rückschlüsse auf die vergangene
Sonnenaktivität erlauben. Doch Reichholf hat die Kurve
verändert: Im Original reichen die Daten bis 1955, bei
Reichholf
ist dieselbe Kurve so gestreckt, dass sie bis zum Jahr 2000 reicht.
Dies ist nicht unwichtig: Bekanntlich hat die Sonnenaktivität
seit
1955 nicht zugenommen, weshalb sie nicht an der aktuellen
Erwärmung beteiligt sein kann. Bei Reichholf sieht es dagegen
so
aus, als habe die Sonnenaktivität bis 2000 deutlich
zugenommen.
Zudem wird den Lesern nahegelegt, es handele sich um eine
Temperaturkurve. Wie oben erwähnt, zeigen aber alle
Temperaturkurven, dass es heute auf der Nordhalbkugel deutlich
wärmer ist als im Mittelalter - obwohl die
Sonnenaktivität
nicht höher ist. Da Sonnenaktivität und Temperatur im
letzten
Jahrtausend gut korrelieren, ist gerade der gegenläufige Trend
von
beiden in den letzten Jahrzehnten wichtig. Was von Reichholf suggeriert
wird, ist das Gegenteil dessen, was Stand der Klimaforschung ist. Im
Text behauptet Reichholf sogar, dass "der Erwärmungstrend seit
der
Jahrtausendwende zumindest gestoppt, wenn nicht sogar etwas
rückläufig" sei - wohl kaum eine seriöse
Beschreibung
der Messdaten (Abb. 1). Die Monate Januar und April 2007 waren
übrigens global die wärmsten seit Beginn der
Aufzeichnungen.
Ähnliches trifft auch auf sein eigenes Fachgebiet zu. Viele
Biologen erforschen detailliert die Auswirkungen des Klimawandels auf
Tier- und Pflanzenarten. Sie kommen überwältigend zu
dem
Schluss, dass die globale Erwärmung in Zukunft zu einer
massiven
Gefährdung der Artenvielfalt führen wird. Dies
spiegelt sich
auch in den durch die Biologen erarbeiteten
Übersichtsberichten
wie dem Millennium Ecosystem Assessment 10 oder dem IPCC-Bericht, an
denen jeweils über tausend Experten jahrelang gearbeitet
haben.
Reichholf behauptet nun in den Medien einfach das Gegenteil, ohne
jedoch in der Fachliteratur selbst dazu etwas publiziert zu haben. Es
gehört zum guten Stil seriöser Wissenschaftler, sich
nicht
mit Thesen an ein Laienpublikum zu wenden, die man nicht zuvor in der
begutachteten Fachliteratur publiziert und damit Fachkollegen zur
kritischen Diskussion gestellt hat.

Abb. 2. Temperaturverlauf in Mitteleuropa im Frühjahr/Sommer
als
Mittelwert der Wetterstationen Basel, Potsdam, Utrecht und Wien,
bekannt als Baur'sche Reihe. Die Punkte zeigen jährliche
Werte,
die dicke Linie den nicht-linearen Trend (geglättet
über 20
Jahre). Der Biologe Josef Reichholf behauptet dagegen, die
Frühjahr/Sommer-Temperaturen in Mitteleuropa hätten
seit 1960
um etwa 1°C abgenommen und lägen heute noch unter dem
Wert des
Jahres 1760. Angeblich beruht seine Kurve auf denselben Wetterstationen.
Eine weitere falsche Kurve findet sich in einem Reichholf-Aufsatz im
Buch "Die Zukunft der Erde". Er zeigt dort den Temperaturverlauf in
Mitteleuropa nach den Wetterstationen Basel, Utrecht, Potsdam und Wien
- die bekannte "Baur'sche Reihe". Nach Reichholfs Abbildung liegen die
Frühjahr/Sommer-Temperaturen heute niedriger als im Jahr 1760,
sie
zeigen insgesamt einen Abkühlungstrend, und zwischen 1960 und
2000
haben sie sogar um 1°C abgenommen. Nicht nur Klimatologen
dürfte dies seltsam vorkommen. Trotz ausführlicher
Korrespondenz konnte Reichholf die Entstehung dieser Kurve nicht
nachvollziehbar erklären. Sie beruhe auf einer Tabelle in
einem
Buch aus dem Jahr 1982, ergänzt durch neuere Daten vom
Hohenpeißenberg. Auf meine Frage, wieso Reichholf den
Hohenpeißenberg benutze und nicht einfach durchgehend die
gleichen Stationen zeige, antwortete er mir, dies sei ihm "zu
zeitaufwendig" gewesen. Der korrekte Verlauf der Baur'schen Reihe ist
in Abb. 2 gezeigt - sie ähnelt in keiner Weise der
Reichholf'schen
Grafik.
Der Fall Reichholf ist insofern interessant, als er als Professor der
TU München den Regeln der "guten wissenschaftlichen Praxis"
verpflichtet ist, die "Verfälschungen von Daten und Quellen"
verbieten und zur Arbeit lege artis verpflichten. Ansonsten zeigt der
Fall nochmals die schon erwähnte Liebe der Medien zu
provokanten,
aber haltlosen Behauptungen statt zu solider Arbeit: Reichholf wurde
unter anderem mit Interviews in "Spiegel" und "Focus" belohnt."
...
"Werden Fehler korrigiert?
Wenn Falsches publiziert wurde, wird es korrigiert? Dies verlangt nicht
nur der Pressekodex sondern auch die intellektuelle Redlichkeit. Im
Dezember 2006 regte ich Reichholf gegenüber an, seine falsche
Darstellung der Baur'schen Reihe zu korrigieren. Auch Horx fragte ich
im Mai 2007, ob er seine falschen Aussagen nicht richtig stellen wolle.
Beide haben darauf nicht reagiert. Beide haben übrigens neue
Bücher auf dem Markt, die es durch Medienaufmerksamkeit zu
verkaufen gilt.
Auch die
Welt-Redaktion bat ich um eine
Korrektur, nachdem das Blatt (21.3.)
geschrieben
hatte:
"Die Sicherheit über den Anteil der Menschheit an der
Erwärmung ist auch im neuesten Klimabericht gar nicht
höher
ausgewiesen als im letzten von 2001. Reklamiert wird nach wie vor eine
66-prozentige Wahrscheinlichkeit. Auch wenn in sämtlichen
Pressekonferenzen und vor allem den Medien unisono von einer
90-prozentigen Sicherheit die Rede war." Man muss nur im IPCC-Bericht
nachsehen: dort ist schon in der
Zusammenfassung
deutlich hervorgehoben, dass wir heute 90% sicher sind, und dass dies
ein wichtiger Unterschied zum letzten Bericht ist. Mein Vorschlag, die
falsche Aussage zu korrigieren, löste in der
Welt-Redaktion
"Befremden" aus. Sie könne sich doch nicht "von den eigenen
Autoren distanzieren", schrieb mir die stellvertretende Chefredakteurin
Andrea Seibel. Der Autor des betreffenden Beitrags, Uli Kulke,
fällt übrigens immer wieder durch falsche Aussagen
auf, mit
denen der Klimawandel heruntergespielt werden soll.
In der
FAZ dagegen korrigierte
Wissenschaftsredakteur Christian Schwägerl eine Woche
später in einem
eigenen
Artikel
wesentliche Falschaussagen des oben zitierten Beitrags von Christian
Bartsch, auch wenn dies nicht explizit als Korrektur deklariert war.
Allerdings durfte Bartsch am 24. Juli nochmals mit weiteren
Falschaussagen
nachlegen."
[Rahmstorf 2007]
Den Artikel können sie hier
im Original lesen.
Nachwort
Vielleicht wäre es mir lieber gewesen, eine
brauchbare
Abhandlung im Schulbuch zu finden. Dann hätte ich in den
Ferien
(neben Schularbeiten) auch noch an der Dämmung meines Hauses
weiterbauen können (um Brennstoff zu sparen).
Dieses Beispiel hat mir jedoch wieder gezeigt, dass die
wissenschaftliche Ausbildung für einen verantwortungsvollen
Fachunterricht unerlässlich ist, und dass Bildung nicht nur
methodische Kompetenzen umfasst, sondern auch Wissen. Nur so kann man
sich als Mensch ein Bild machen, hierzu befähigt Bild-ung.
Und:
jeder Mensch hat ein eigenes Bild von der Welt. (Demnach sehe ich
nichts Ehrenrühriges an meiner Feststellung, die Wahrheit
nicht zu
kennen.)
Ein Lehrer kann seinen Schüler nur gezielt auf Aspekte
hinweisen und helfen, seinen Blick zu schärfen.
Meine größte Sorge ist die
Unverblümtheit, mit der zukunftsrelevante
Desinformationskampagnen betrieben werden - ohne dass jemand zur
Verantwortung gezogen wird. Dass "Spin Doctor" in den
USA eine abfällige Berufsbezeichnung ist, wundert nicht (spin
-
engl. Gerücht). Doch dass selbst im einstigen "Land der
Dichter
und Denker", das sich jetzt Bildungs- und Innovationsstandort nennt,
die Bauernfängerei immer noch derart erfolgreich grassiert,
raubt mir so
manche Illusion von einer befriedigenden Lösung der sich
abzeichnenden Nahrungs-, Wasser-, Energie-, Rohstoff-, und
Umweltprobleme.
Dieser Text ist all den unzähligen Menschen gewidmet
(auch und
vor allem den namenlosen), die mit ehrlicher Arbeit zum Erfolg der
Wissenschaften beitragen: der Menschheit ein Stückchen mehr
von
der Wahrheit zu zeigen. Ich danke meiner Familie für ihre
vielfältige Unterstützung.
©Harald Thielen-Redlich 2007-2010