Kapitel 34: Neurogenetik

34.3.2.2 Die morphogenetische Furche markiert den Beginn der Zelldifferenzierung im Auge

Die erste morphologisch sichtbare Veränderung tritt am posterioren Ende der Augenimaginalscheibe auf: die Induktion der morphogenetischen Furche. Es findet eine synchrone Mitosewelle statt und Differenzierungsprozesse setzen ein (Abb. 34-24). Bedingt durch Cytoskelettumlagerung und Kernwanderung zum apikalen Pol verkürzen sich die Zellen, so daß in der epithelialen Oberfläche eine Einbuchtung entsteht. Ein Teil des Determinierungsvorganges beinhaltet die Induktion der dieser Einbuchtung vorgelagerten Zellen, so daß sich diese nach anterior fortpflanzt und sich dabei zu einer tangential verlaufenden Rinne ausweitet, die man als morphogenetische Furche bezeichnet. Sie läuft über die ganze Imaginalscheibe. Zellen, die die Furche wieder verlassen, bzw. posterior von ihr liegen, befinden sich in verschiedenen Differenzierungsstadien, abhängig von der Entfernung zur Furche. So kann man in einer Imaginalscheibe alle verschiedenen Differenzierungsschritte gleichzeitig beobachten, von undifferenzierten Zellen bis hin zu fertig ausdifferenzierten Ommatidien. Die Augenentwicklung bietet sich deshalb in besonderer Weise für die Untersuchung der Frage an, wie und in welcher Sequenz sich verschiedene Zelltypen aus einem Epithel gleichartiger Zellen entwickeln und welche Gene hieran beteiligt sind.

Obwohl die Entwicklung des Komplexauges ein sehr gut verstandener Prozeß ist, ist es heute noch nicht möglich, die vielen Ergebnisse in ein lückenloses Wirkgefüge einzureihen. Darum ist die folgende Unterteilung zwar hilfreich, aber auch irreführend, denn in vivo laufen diese Prozesse fließend, als ein homogenes Ganzes ab.

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