Kapitel 34: Neurogenetik

34.3.2.9 Selektion durch laterale Inhibition: Variationen eines Themas

In sca-Mutanten bilden sich zu viele R8-Vorläufer. Kreuzt man diese Mutanten mit Fliegen, die eine Überfunktion von Notch zeigen und die zuwenig R8-Zellen bilden, kompensieren sich die Effekte und man erhält in etwa den Wildtyp-Zustand (Abb. 34-27). Aus diesem und anderen Experimenten konnte schließlich geschlossen werden, daß Scabrous als diffusibler Ligand von Notch fungiert und daß die Zellen, an die Scabrous bindet, durch die Induktion der Notch-Signalkette daran gehindert werden, sich zu R8-Zellen zu differenzieren. Auf diese Weise entsteht aus einem anfänglichen Gleichgewicht durch Selbstorganisation das regelmäßige Muster der R8-Vorläuferzellen - mit dem wesentlichen Unterschied zur Kontaktinhibition bei der Neurogenese, daß Scabrous über mehrere Zellreihen hinweg als diffusibler lateraler Inhibitor fungiert. Dadurch wird erreicht, daß zwischen den einzelnen R8-Vorläuferzellen genügend nichtdeterminierte Zellen liegen, die für die Ommatidienentwicklung benötigt werden. Die Prinzipien der lateralen Inhibition jedoch sind hierbei genau dieselben, wie sie bei der Neurogenese bereits beschrieben worden sind:

  • Diejenigen Zellen, die von anderen inhibiert werden, können selbst nicht mehr so stark inhibieren.
  • Zellen, die selbst nicht stark inhibiert werden, inhibieren ihre Nachbarn umso stärker.

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