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Gottfried Keller: Kleider machen Leute

Schreibanlässe © K. Dautel

Stellen wir uns vor: Es kommt zum Prozess gegen Wenzel Strapinski. Zum Prozessauftakt erscheint in der örtlichen Presse folgender Bericht:

Aus dem Goldacher Gäuboten vom13.11.95

AFFAIRE STRAPINSKI: Hochstapler entlarvt

Wochenlang führte ein arbeitsloser Schneider ein Doppelleben in Goldach - Jetzt Happy End in Seldwyla: "Graf Strapinski" heiratet reiche Amtsratstochter - Strapinski fühlt sich unschuldig: "Ich bin das Opfer einer Verwechslung!" - Ein Bericht vom Leiter unserer Lokalredaktion in Seldwyla

Nach zehn Wochen herrlichen Grafenlebens war die Sensation perfekt: Der angebliche "Graf" Strapinski wurde am letzen Wochenende während einer Fastnachtsveranstaltung von seinen ehemaligen Arbeitskollegen aus Seldwyla entlarvt. Dabei hatte es zunächst so gut begonnen:
Der arbeitslose Schneidergeselle Wenzel Strapinski wird auf seiner Wanderschaft in der Kutsche eines reichen Herrn mitgenommen, die ihn nach Goldach bringt. Der Kutscher gibt den Schneider als Grafen aus und es beginnt der rasche Aufstieg vom Schneidergesellen zum glücklichen Schwiegersohn des angesehenen Amtsrates Friedrich von Kottwitz.

Erst durch die Nachforschungen des Goldacher Bürgers Melcher Böhni konnte der Schwindel aufgedeckt werden. Wie Herr Böhni gegenüber unserer Lokalredaktion äußerte, habe er schon vom ersten Tag an Zweifel der Desweiteren betont er, daß er sich mit der jetzigen Situation keineswegs zufrieden gebe. Vielmehr strebe er
einen Gerichtsprozeß gegen den frisch verheirateten Schneider an. Er gehe davon aus, daß Recht und Ordnung in unseren zum Durchbruch verholfen werden müsse: "Es geht nicht an, daß Leute, die sich durch eine vorgetäuschte Identität Vorteile verschaffen, ungestraft bleiben sollen!" sagte der streitbare Böhni.

Demgegenüber beharrt Strapinski - wie wir von ihm telefonisch erfahren konnten - auf seiner Ansicht, daß er weder willentlich andere getäuscht, noch anderen geschadet habe. Vielmehr sei er selbst das Opfer eines Mißverständnisses gewesen. Strapinski: "Alle haben um meine Gunst geworben, weil sie sich davon einen persönlichen Vorteil versprachen."
Ob dies vor einem unabhängigen Gericht bestehen kann, wird sich zeigen, wenn nächsten Monat das Oberlandesgericht Goldach sich mit der Affaire Strapinski beschäftigt. Es wird erwartet, daß zahlreiche Zeugen zur Vernehmung anstehen und der Prozeß sich über mehrere Tage hinziehen wird.

Eines ist also klar: Ein Urteil muss gefällt werden! Aber welches?

    Als Mitwirkende werden benötigt (Rollenkärtchen sinnvoll):
  • Der Ankläger: Melchior Böhni
  • Als Zeugen der Anklage bzw Verteidigung treten auf:
    Strapinskis ehemaliger Schneidermeister, der Wirt, die Köchin, der Kutscher, Nettchen, der Amtsrat, Melchior Böhni
  • Staatsanwalt
  • Verteidiger
  • Richter und zwei Schöffen
  • Gerichtsdiener (für die Vereidigung und zur Herstellung von Ruhe und Ordnung im Saal)



Romeo und Julia auf dem Dorfe

Situation in der Novelle: Begegnung und Kampf im Gewitter - Die Krise (Reclam S. 33)
Am nächsten Tag geht Sali ins Dorf und findet Vrenchen dort auf ihrem heruntergekommenen Hof. Vater Marti ist in die Stadt gegangen. Nach anfänglichem Zögern verstehen sie sich und treffen sich auf Martis Feld beim Steinhaufen. Dort aber begegnet ihnen leibhaftig der "schwarze Geiger", und sie erfahren, wie hartherzig ihre Väter einst diesen Ungetauften um sein Recht an diesem Acker gebracht haben (42). Doch der Schreck dauert nicht lange, wirkt eher befreiend und ein munteres Turteln und Schnäbeln fängt an im Getreidefeld. Auf dem Heimweg aber steht ihnen plötzlich der alte Marti gegenüber (47). Als dieser in blinder Wut erst Sali angreift und dann die Tochter misshandelt, schlägt Sali ihn mit einem Feldstein nieder und rennt davon.

  • Schreibauftrag: Versetze dich in Salis Lage.
    Du hast eine unruhige Nacht hinter dir, alles Mögliche ist dir dabei durch den Kopf gegangen, du hast Schuldgefühle und dennoch das Gefühl richtig gehandelt zu haben: Schreibe Vreni einen Brief, in dem du deine Lage darlegst und einen Ausweg vorschlägst.

Klaus Dautel, 1999 - 2010


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Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
Dautels ZUM-Materialien: Google-Fuss