Birgit VanderbekeSchreibanlässe © Klaus DautelDas Muschelessen (1990)
Friedliche Zeiten (1996)Vorschlag: Die Erzählung sollte in Klasse 12 oder noch besser 13 gelesen werden, da in diesem Alter zu erwarten ist, dass die SchülerInnen mit familiären Situationen bereits distanzierter und reflektierter umgehen können und weniger identifikatorisch. S. 77: Ein Gedankenfluss: "... wir wußten es jedesmal wieder, daß sie es ernst meinte, also warteten wir, daß sie nicht wiederkommen würde, und ich überlegte manchmal, wie es danach weitergeht ..." Fahre fort im Stile der Ich-Erzählerin in einem assoziativen Gedankenfluss. Bedenke die kindlich-naive Perspektive, berücksichtige die Sehnsüchte und Wünsche des Mädchens. S.81: Ein Kinobesuch Stelle dir vor, du bist sieben oder acht Jahre alt und siehst mit deinem Vater oder großen Bruder/großer Schwester den Film "Titanic" (oder einen ähnlichen Film). Der Titel des Filmes sagt dir nicht viel oder du hast ihn vergessen. Gebe dieses Filmerlebnis aus der Kindersicht wieder. Nenne den Filmtitel nicht, verfremde deinen Erlebnisbericht auch, indem du keine Namen, weder von den Schauspielern noch von den Filmhelden nennst. Denke immer daran deutlich zu machen, was das Gesehene und Gehörte bei dir bewirkt. S.100: Scheiden tut weh?! Die beiden Mädchen beobachten die Elternbeziehung ("Krieg"?) und suchen nach einer Lösung: Sollen die Eltern sich scheiden lassen? Was heißt überhaupt "sich scheiden lassen"? Wer hat etwas davon? Verfasst einen Dialog der beiden Töchter, abends in Bett, nachdem die Mutter gerade wieder über ihr schweres Los geklagt hat. S. 121/2 Hinter geschlossenen Türen. Nachdem der Vater eine Nacht fortgeblieben ist und am Sonntag Morgen wieder vor der Tür steht, ziehen sich die Eltern zu einem ernsthaften Krisengespräch zurück und schicken die Kinder "zum Spielen nach draußen, alle drei." Dieses Krisengespräch endet nicht mit der Scheidung, sondern der Entscheidung ein Haus zu bauen. Wie könnte das Gespräch der Eltern verlaufen? Verfasst einen Dialog, den ihr auch vortragen könnt. Ausblicke in die Zukunft der Protagonistinnen: Die Ich-Erzählerin studiert Psychologie an der Universität Heidelberg, entdeckt an ihrem Verhalten einige Dinge, über die sie sehr unglücklich ist, z.B. Verlassensängste in Paar-Beziehungen, und steckt gerade in einem großen Streit mit ihrem Freund (ihre Eifersucht ist die Ursache). Da sie den Freund unter keinen Umständen verlieren möchte, dieser aber telefonisch nicht erreichbar ist (Händi kaputt), versucht sie ihm in einem Brief die möglichen Gründe für ihr Verhalten zu erklären. Diese sieht sie im häuslichen "Ehekrieg" ihrer Jugend.
Für fortgeschrittene Schüler/innen (mit Grundkurs Psychologie): Ein heikles, aber meiner Meinung nach ins Herz der Erzählung treffendes Thema. Zwei psychologische Gutachten. Die Ich-Erzählerin ist 14 und zeigt Symptome von Magersucht. Eine psychologische Beratungsstelle wird aufgesucht, für die Krankenkasse (oder Beihilfe) muss ein Gutachten erstellt werden, auf Grund dessen die nötige Psychotherapie teilfinanziert werden könnte, schließlich sind die Eltern durch den Hausbau finanziell ziemlich belastet. Die ersten Gespräche mit der Patientin/Klientin haben ergeben, dass die Familienverhältnisse problematisch sind und konsequenterweise eine Familientherapie nötig wäre.
Die große Schwester, Wasa, befindet sich in der Psychiatrischen Klinik wegen akuter Anzeichen von Schizophrenie. Die Symptome sind mangelnde Ansprechbarkeit, Antriebslosigkeit, Beziehungsverweigerung. Die Ursache hierfür wird in den familiären Sozialisationsbedingungen vermutet, es sieht so aus, als ob die Familienverhältnisse von ständigen Beziehungsfallen ("double-bind") geprägt gewesen seien, so dass die Patientin vor lauter Verhaltensunmöglichkeiten gestellt worden sei und schließlich aufgehört habe, sich überhaupt noch ihrer Umwelt gegenüber zu verhalten.
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Klaus Dautel, 1999 - 2010
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Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.

