My Teaching Philosophy III. Kompetenzorientierung im DU

Unterrichtsplanung kompetenzorientiert:
Planungsraster und Unterrichtsphasen

1. Einführung: Fragehorizont

Folgende Grundfragen ...
  • Was können die S. bereits und auf welchem Niveau? (Lernstandserfassung)
  • Was sollen die S. am Ende der Einheit können? (Ziel-Vereinbarungen)
  • Wie soll das erreicht werden? (Arbeitsformen, Lernszenarien)
  • Konkretisierung: Wahl/Pflicht-Aufgaben, Arbeitsaufträge
  • Welche Feedback und Differenzierungsangebote bekommen die Schüler
... treffen auf folgende fachspezifische Kompetenzbereiche
  • Lesekompetenz
  • Schreibkompetenz
  • Medienkompetenz
  • Sprechen und Sprachreflexion
... und werden kombiniert mit der Frage:
Welches Thema, welches Material oder welcher Text ("Inhalte") eignet sich für unser Ziel am besten?

2. Ein daraus abzuleitendes Planungsraster

Was sollen die S. am Ende können? Wie soll das erreicht werden? Konkretisierung: Aufgaben-Beispiele Feedback und Differenzierung
LESEN
SCHREIBEN
MEDIEN
ARGUMENTIEREN

3. Ein Beispiel

Natürlich müssen Schwerpunkte gesetzt werden, weil nie alle Kompetenzfelder abgedeckt und gefördert werden können. Es macht wenig Sinn, mit Goethes Faust schwerpunktmäßig die Medienkompetenz stärken zu wollen, hier wird es um Leseverständnis und Wissensaneignung gehen müssen. Andererseits kann beim Thema "Fernsehen" eher die Medienkompetenz gefördert werden als die Lesekompetenz. Ganz ausschließen aber mag man keinen Kompetenzbereich, weiterhin ist die sinnvolle Integration möglichst vieler Kompetenzbereiche anzustreben.

Eine Antwort auf die einleitende Fragestellung (siehe 1.) könnte also lauten:
  1. Das Jugendbuch "xy" ist besonders dazu geeignet,
  2. dass die Schüler der Klasse 8 ihre Schreib- und Lesekompetenzen entwickeln können
  3. dieses Ziel soll hauptsächlich schreiborientiert mit der Methode: Textmappe / Portfolio / Lesetagebuch durchgeführt werden,
  4. das nach vorgegebenen Regeln Wahl- und Pflichtteile enthält
  5. und jedem Schüler im Rahmen der Vorgaben seine eigene Realisierung ermöglicht.
  6. Das Ergebnis wird bewertet nach gemeinsam entwickelten Beurteilungskriterien
  7. Vor der endgültigen Abgabe bekommen die Schüler ein Feedback durch Lehrer und Mitschüler und Gelegenheit zu dessen Einarbeitung.

Morton Rhue: Bootcamp (2006)

Was sollen die S. am Ende können?
(Ziel-Vereinbarungen - Kompetenzen)
Wie soll das erreicht werden?
(Arbeitsformen, Lernszenarien)
Konkretisierung /Beispiele (Wahl/Pflicht-Aufgaben, Arbeitsaufträge) Feedback und Differenzierungsangebote
LESEN: Die Schüler/innen sollen
• flüssig (vor-)lesen können
• Sinn erfassend lesen können
- ausgewählte Kapitel werden gemeinschaftlich gelesen
- Inhaltssicherung in der Einführungsphase
• Leserunden, Lese-Stafetten
• Kapitel werden durch neue Überschriften zusammengefasst (kollektives Inhaltsverzeichnis),
Ziel: Gesamtschau
• Klassengespräch,
• Gruppenarbeit
SCHREIBEN: Die Schüler/innen sollen
• ein weites Textsortenspektrum beherrschen (informierend, gestaltend und argumentierend)
• das Schreiben als ein Weg zur gedanklichen Klarheit erkennen
• Verfahren des Planens und Überarbeitens von Texten ausprobieren und einüben
- Textsorten: Inhaltsangabe, innerer Monolog, Dialog, Brief, Stellungnahmen und Erörterungen, Essays (siehe auch Kompetenzbereich Urteilen“)
- Einsatz von Text-Planungsverfahren (Cluster, Mindmap, Kalkül, Lückentext) und Überarbeitungsprozeduren (Lesegruppen, Textlupe und Kommentarlawine)
Schreibaufträge (Beispiele):
• Connors Dilemma (Kapitel 14): Seit dem Brief an Sabrina lässt Joe ihn in Ruhe, aber Pauly drängt auf Ausbruch. Soll er nicht besser durchhalten! Verfasse einen inneren Monolog, in dem Connor über die Lage nachdenkt.
• Du bist Sabrina: Stell Dir Ihre Situation vor und lasse sie laut darüber nachdenken.
• Was hältst du von dem Schluss des Romans? Schreibe dem Autor einen Brief.
• Textlupe, Kommentarlawine, gegenseitiges
• Lektorieren in Schreib- und Lesegruppen
• Lehrerkommentare
• Medieneinsatz: PC, Doku-Mappe
MEDIEN: Die Schüler/innen sollen
• beim Recherchieren im Internet Quellenbewusstsein erwerben, indem sie die Herkunft und Seriosität ihrer Fundstücke überprüfen können.
• die Argumentation und Berichterstattung in der Presse einschätzen und bewerten können
- Info-Recherchen über BootCamps in den USA
- Recherchen zu deutschen Modelleinrichtungen“ im Bereich der Jugenderziehung und des Strafvollzugs
- Recherche über den Autor und seine anderen Bücher
- Präsentation der zusammengefassten und strukturieren Ergebnisse
Gruppenaufträge:
• Das Seehaus Leonberg - Jugendstrafvollzug in freien Formen - im Rahmen des Projekts Chance" stellt sich vor.
• Das Projekt Chance - Modellprojekt Jugendstrafvollzug in freien Formen in Creglingen (Ba-Wü) stellt sich und sein Konzept auf diesen Seiten vor
• Trainingscamp Lothar Kannenberg
• Handzettel und/oder Poster als Informationsgrundlage
• kriteriengestützte Rückmeldung durch Gruppe oder Klasse
ARGUMENTIEREN: Die Schüler/innen sollen
• komplizierte Sachverhalte erörtern können, indem sie Verfahren des mündlichen und schriftlichen Diskutierens beherrschen.
• einen literarischen Text beurteilen können, indem sie Kriterien und Fachbegriffe gezielt anwenden.
- Schüler beurteilen das Buch und ihre Lese-Erfahrungen anhand einer Kriterienliste
- Organisation von Debatten bzw. Diskussionsforen über Entscheidungsfragen, die sich aus den Lektüren ergeben
- Schüler vergleichen den Roman mit anderen von ihnen gelesenen Werken und Texten
Schreibaufträge und Debatten/Gruppendiskussionen:
• Held(inn)en, was zeichnet sie deiner Ansicht nach aus und wer in diesem Roman ist Held oder Heldin?
• S. 132/162 Erwachsenwerden und Volljährigkeit“: Was bedeutet für dich Erwachsensein, wie erstrebenswert ist es?
• S. 25 Connor fragt: Eltern haben immer Recht und Kinder immer Unrecht, Sir?“ - Wir wissen, dass das zu einfach ist, aber inwiefern ist vielleicht doch etwas dran? Denke das Problem an einem Beispiel durch.
• Lehrer/ Schülerkommentare
• Selbsteinschätzungs- bögen
• Doku-Mappe mit Lektorierung durch Mitschüler
PERSONALE UND SOZIALE KOMPETENZEN:Die Schüler/innen sollen
• ihren Wissenshorizont erweitern
• über einen längeren Zeitraum und selbstständig ein Produkt erarbeiten
- Schüler lesen freiwillig Werke nach eigener Wahl und informieren ihre Mitschüler darüber (siehe auch Kompetenzbereich Recherchieren“)
- jeder Schüler erstellt aus seinen Texten eine geordnete und kommentierte Dokumentenmappe
Welche weiteren Themen und Bücher (auch von Morton Rhue) könnten dich interessieren?
Ordne deine Mappe und erstelle eine Bestenliste deiner gelungen Texte, die zur Bewertung anstehen sollen.
Abschließender Fragebogen zum eigenen Lernverhalten und zum Unterrichtsprojekt

4. Der Projektplan

Das Planungsraster ist noch zu einem Ablaufplan der Unterrichtseinheit weiterzuentwickeln. Folgendes Schema kann dabei übernommen und selbstverständlich weiterentwickelt werden:
Schritte Inhalte, Vorgehensweise, Ziele Bemerkungen
1 Hinführung, Erstbegegnung, Vorwissen und Erwartungshaltung
2 Leseeindrücke, Stimmen, Ideen zur Lektüre
3 Inhaltssicherung:
4 Projektvorschlag: Wir erstellen eine Schreib-Dokumenten-Mappe
5 Schreibwerkstatt Teil 1:
6 Schreibwerkstatt Teil 2:
7 Schreibwerkstatt Teil 3:
8Gemeinsames Arbeiten an Texten:
  • Festlegung von Bewertungskriterien (Kriterienraster)
  • Texte ordnen, Rückmeldung einholen und geben, überarbeiten, Ideen sammeln
9Bestandsaufnahme / Zwischenbilanz / Weitere Arbeitsschritte
    Überblick und Rückblick auf Erarbeitetes, Gelerntes und noch nicht Geklärtes
  • Weitere Schritte bis zur Leistungsmessung / bis zur Ergebnispräsentation / bis zum Endprodukt
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Ein Vorschlag zur inhaltlichen Konkretisierung findet sich hier: Morton Rhue: BootCamp - ein Jugendbuch in Klasse 8

5. Planungsraster II nach G. Ziener

Gerhard Ziener schlägt in seinem Buch "Bildungsstandards in der Praxis" (Klett|Kallmeyer 2006 S. 16 ff) für die kompetenzorientierte Planung von Unterricht folgende Ausgangsfragen vor:
  1. Welche Kenntnisse,
  2. welche Fertigkeiten
  3. und welche Einstellungen
wollen wir bei unseren Schülern mit diesem Thema/Stoff/Text erreichen? Entlang dieser Fragestellungen könnte das folgende Planungsraster für die Behandlung des Dramas in der Kursstufe entworfen werden:

II. Planungsschema:

Kompetenzen / Basisfragen Kenntnisse
(Orientierungswissen)
Fertigkeiten
(Methodische K.)
Einstellungen
(soziale und personale K.)

Was sollen die S. am Ende können
(laut Bildungsstandards)

Welche Schwerpunkte setze ich?

(Didaktische Reduktion)

Wie erfasse ich Lernstand und gebe Rückmeldung ?

(Diagnose und Förderung: Wie gut können die S. das schon? Was fehlt? )

Wie messe ich die erbrachten Leistungen? (Ergebnisse)

6. Konkretisierung am Beispiel von Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame":

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Kompetenzen / Basisfragen Kenntnisse
(Orientierungswissen)
Fertigkeiten
(Methodische K.)
Einstellungen
(soziale und personale K.)

Was sollen die S. am Ende können
(laut Bildungsstandards)

  • genaue Textkenntnis: Dramen-Inhalt

  • Dramenstruktur und Funktion von Schlüsselszenen

  • Merkmale der Textsorte Komödie“ und Tragödie“

  • historische Einordnung der Handlungsmotive und Konfliktkonstellationen: Nachkrieg, Wirtschaftswunderzeit, Konjunktur und Krise (50er Jahre)

  • Biografie: der Schriftsteller Dürrenmatt

  • Kommunikationstheorie: Die vier Seiten einer ,Nachricht'

  • Sicherheit im Sprechen und Schreiben (Regelkenntnis: Z, R, Gr, A und Satzlogik)

  • Analysieren von Dialogen und ganzen Szenen

  • Vertiefung und Anwendung von analytischer Fachterminologie

  • Aufbau von analytischen Arbeitsroutinen

  • und Gestaltung von Interpretationsaufsätzen

  • Personencharakteristik

  • Gestaltendes Interpretieren

  • Analysieren von Filmausschnitten und Beurteilung von Literaturverfilmung(en)

  • Sprechen und Rezitieren: Gestaltendes Lesen, sicheres Präsentieren

  • Positive Grundhaltung zur Lektüre von Kanon-Literatur

  • Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit fremdartigen Texten und Textsorten

  • Befähigung zur Perspektivübernahme und Einfühlung in Figuren und deren Handlungsweisen

  • Reflexion über gültige und veraltete Werte, die Macht des Geldes‘ und das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit

  • Vertiefung von historischem Bewusstsein: Was lernen wir aus der Vergangenheit für unsere Gegenwart

  • Welche Schwerpunkte setze ich?

    (Didaktische Reduktion)

  • Kenntnis Dramenhandlung

  • Dramenstruktur und Funktion von Schlüsselszenen

  • Merkmale der Textsorte "Komödie“ und "Tragödie“

  • Gestaltung von Szenen- und Dialoganalysen

  • Visualisieren und Versprachlichen komplexer Zusammenhänge

  • Die Macht des Geldes und seine Wirkung auf die Moral

  • Gibt es ein Recht auf Rache?

  • Wie erfasse ich Lernstand und gebe Rückmeldung ?

    (Diagnose und Förderung: Wie gut können die S. das schon? Was fehlt? )

  • Inhaltssicherung/Lesetests

  • Visualisierungen von Figuren, Figurenkonstellation, dramatischen Spannungsbögen, Ortsbesichtigungen

  • Unterrichts- und Interpretationsgespräche (im Plenum)

  • Unterrichtsprotokolle

  • Einzel- und Gruppenarbeitsergebnisse visualisieren und/oder präsentieren lassen und besprechen

  • Schreibergebnisse in Lesegruppen und im Plenum besprechen

  • Kriterien für eine gelungene Szenen- und Dialoganalyse erstellen

  • Erarbeitung von Zusatztexten zu den Themenschwerpunkten (Zeitungsartikel ...)

  • Essayistisches Schreiben

  • Klassen- und Gruppendiskussion zu Entscheidungs-Dilemmata.

  • Rollenspiele (Verhandlung)

  • Rollen-Biografien Figuren-Interviews

  • Wie messe ich die erbrachten Leistungen? (Ergebnisse)

    Dreiteilige Klausur:
    1. Einführung in Drama und Einordnung eines Textausschnittes
    2. Analyse einer Dialogstelle unter Bezug auf das Nachrichtenquadrat
    3. Reflexion der darin dargestellten Handlungsweisen (Werte-Fragen)
        Alternativen: Protokolle, Dokumentenmappen, Ergebnispräsentationen

    7. Umsetzung in fünf Unterrichtsphasen

    III. Durchführungsschema einer Unterrichtseinheit in fünf Phasen

    1. I. Einstieg in die Thematik: Erwartungshaltung schaffen, vorhandenes Wissen aktivieren und erweitern.
    2. II. Inhaltssicherung: Lektüre voraussetzen oder unterrichtsbegleitend voranschreiten?
    3. III. Texte und Kontexte: Schlüsselszenen / Textstellen des Dramas auswählen und exemplarisch behandeln.
    4. IV. Lernstand erfassen und fördern: Schreib-, Lese-, Sprech-Übungen und Feedback-Schleifen
    5. V. Ergebnissicherung und/oder Leistungsmessung (Klausur, Protokolle, Dokumentenmappe, Präsentationen, Evaluationsbogen ...)

    Ein Vorschlag zur inhaltlichen Konkretisierung findet sich hier: Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame



    © Klaus Dautel, 2009

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    Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz Themen-gerecht sein sollte.
    Dautels ZUM-Materialien: Google-Fuss