Kapitel 34: Neurogenetik

34.4.2.6 Die Kontrolle der gewebespezifischen Genexpression in C. elegans ist noch ungeklärt

Entgegen den Erwartungen ist die Mehrzahl der mutmaßlichen C.elegans-Rezeptorgene nicht in Operons organisiert, sondern sie besitzen wahrscheinlich eigene Promotoren und Upstream-Enhancer-Kontrollelemente. Die Frage der Spezifität der Kontrolle der Genexpression ist daher zur Zeit noch nicht geklärt. Es gibt allerdings eine Reihe von geruchsblinden Mutanten, deren molekulare Charakterisierung möglicherweise zu Transkriptionsfaktoren oder anderen Gliedern der Transduktionskaskade führen wird.

Obwohl bisherige Befunde darauf hindeuten, daß die Expression der Rezeptorgene gewebespezifisch ist, besteht kein Zweifel daran, daß einzelne Neurone in C.elegans Gruppen solcher Moleküle exprimieren und die Transkriptionskontrolle nicht den hohen Grad der Zellspezifität aufweist, wie es bei den Wirbeltieren der Fall ist. Man nimmt daher an, daß ein Teil der olfaktorischen Information bei C.elegans bereits in der Peripherie integriert wird und nicht wie bei Wirbeltieren auf der Ebene zentralnervöser neuronaler Verschaltung im olfaktorischen Bulbus. Es bleibt aber die Frage offen, wie eine Einzelzelle mit mehreren Rezeptorspezifitäten zur sensorischen Unterscheidung definierter Reize beitragen kann, die physiologisch als erwiesen gilt. Denkbar ist eine qualitativ unterschiedliche Reizantwort auf der Ebene des Transduktionsmechanismus (z.B. Bildung verschiedener "second messenger") oder die Verschaltung mehrerer Neurone mit unterschiedlicher Empfindlichkeit für einen bestimmten Reiz.

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