Linguistik für die Oberstufe Eine Unterrichtseinheit

Schritt 3: Satzfeldermodell - Topologie

Didaktische Reflexion: Wozu das Satzfeldermodell im Deutschunterricht gut sein kann

Für die schulische Relevanz können folgende Gründe angeführt werden:

  1. Es macht Spaß, mit Sätzen und Satzgliedern zu spielen.
  2. Schüler erwerben oder erweitern deklaratives (d.i. explizites) Sprachwissen und bekommen Einsicht in das Alleinstellungsmerkmal der deutschen Sprache: Verbklammer und Stellungsregularitäten.
  3. Dieses Wissen ist auch relevant im Hinblick auf das Erlernen von Fremdsprachen, in denen strengere Satzmodelle vorkommen, z.B. Englisch, Französisch. Eine Fehlerquelle beim Formulieren in diesen Fremdsprachen ist bekanntermaßen die Übertragung deutscher Satzstrukturen: Yesterday went I to the super market.
  4. Hilfreich ist dieses Wissen auch zum Verständnis von Fehlern, die im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) häufig sind: Gestern ich ging zum Supermarkt.
  5. Auch Phänomene des Sprachwandels können deutlicher beschrieben werden, insbesondere die Wortstellung in weil-Sätzen betreffend: Weil - er hat heute keine Zeit.
  6. Im Hinblick auf die Erziehung zu einer entwickelten und reflektierten Schriftlichkeit ist es wünschenswert, dass Schüler mit komplexen Satzstrukturen umgehen können - anstatt sie zu vermeiden. Sie erwerben auf diese Weise weitere sprachliche Handlungsmöglichkeiten, um komplexe Sachverhalte angemessen auszudrücken.
  7. Und schließlich können Überlegungen zur besseren Verständlichkeit von komplexen Informationen angestellt werden: Wie können wir das „Mittelfeld“ entlasten? Was kann sinnvoller Weise ins Nachfeld ausgelagert werden? Was sollte mit welchen Intentionen im Vorfeld platziert werden. Wie viel Komplexität ist dem Leser zuzumuten? Wo droht auch der Schreiber zu scheitern?

   

Worum geht es im Wesentlichen?
In der Wikipedia steht zum "Feldermodell des deutschen Satzes" folgendes:

„Das sogenannte topologische Modell oder (Stellungs-)Feldermodell ist eine in der germanistischen Sprachwissenschaft gängige Methode zur Beschreibung des deutschen Satzbaus durch eine Einteilung des Satzes in „Felder“, in Verbindung mit Regeln, die die Besetzung der Felder je nach Satzart festlegen (z. B. Aussagesatz, Fragesatz). Es handelt sich um ein Beschreibungsraster, in das verschiedene Sätze nach ihrem Erscheinungsbild eingeordnet werden können, in dem aber weitergehende Aspekte grammatischer Struktur nicht berücksichtigt werden; insbesondere enthält es keine vollständige Aufteilung des Satzes in Satzglieder bzw. Konstituenten. Das Feldermodell gibt jedoch Verallgemeinerungen zum deutschen Satzbau an, die von Theorien der grammatischen Struktur dann zu erklären versucht werden.“ ( Wikipedia, Stand Juni 2015)

Konkreter:
Man unterscheidet die topologischen Felder: Vorfeld - Linke Satzklammer (finites Verb) - Mittelfeld - rechtes Satzklammer (infiniter Verbteil) - Nachfeld:

Die Satzmodelle unterscheiden sich dann durch die Stellung des Verbs entweder im 2. Feld (2) oder im ersten Feld (1) oder in der Endstellung (VE). Daraus ergeben sich drei Satz- bzw. Stellungstypen:

Aussagesatz: V2 - Frage/Aufforderung: V1 - Nebensatz: VE.

Visualisierung, entstanden in einem DaF-Workshop,
Seminar für Lehrerbildung etc. Stuttgart, Juli 2015 ( )

Die Stellung der Satzglieder folgt im Deutschen nur bedingt dem Muster S - P - O . Vielmehr beginnen viele (manche sagen sogar: die Mehrzahl) der deutschen Sätze mit einer Adverbialphrase, einem Objekt oder einem Nebensatz im Vorfeld, wobei das Subjekt ins Mittelfeld rückt. Das Mittelfeld kann seinerseits das Subjekt, die Objekte und Adverbialen und auch Nebensätze aufnehmen.
Dadurch entstehen die typischen deutschen Satzkomplexe, die zunehmend auch den Muttersprachlern Schwierigkeiten bereiten. Andererseits sind sie aber auch Ausweis von "Bildungssprache", um die sich die schulische Schreiberziehung zurecht bemüht.

   

Entdeckungsaufgaben und Stilübungen zum Satzfeldermodell
auf der nächsten Seite!

       

(cc) Klaus Dautel, 2015



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