Linguistik für die Oberstufe Eine Unterrichtseinheit

Schritt 4: Satzfeldermodell - Übungen

Wortstellungsregeln im Deutschen entdecken

I. Was sind wohlgeformte Aussagesätze?
Analysiert die Sätze a - f: Welche sind akzeptabel? Welche sind inakzeptabel? Wovon hängt dies ab?

a) Ein Eis kauft Peter seiner Freundin.
b) Peter kauft seiner Freundin ein Eis.
c) Seiner Freundin kauft Peter ein Eis.
d) Peter seiner Freundin ein Eis kauft.
e) Kauft Peter ein Eis seiner Freundin.
f) Seiner Freundin Peter kauft ein Eis.

Akzeptabel sind Sätze ... weil / immer dann, wenn ...

   

II. Aus welchen Satzgliedern bestehen diese Sätze? Was kann alles im 'Vorfeld' stehen?

a) In seiner Garage hat Steve Jobs den Macintosh gebaut.
b) Steve Jobs hat den Macintosh in seiner Garage gebaut.
c) Den Macintosh hat Steve Jobs in seiner Garage gebaut.
d) Den Macintosh Steve Jobs in seiner Garage gebaut hat.
e) Steve Jobs in seiner Garage hat gebaut den Macintosh.

Was finden Sie hier über Wortstellungsregeln im Deutschen heraus? REGEL:
In Aussagesätzen ...

   

III. Weitere Satzbildungsmuster im Deutschen

a) Bilden Sie (mindestens) zwei Sätze, in denen das Verb an erster Stelle steht.

b) Bilden Sie komplexe Sätze, in denen alle Prädikasteile an letzter Stelle stehen.

Welche Satzbildungs- oder Wortfolgenregeln lassen sich daraus ableiten? Formulieren Sie REGELN:

   

IV. Vertiefungen zum Thema "Mittelfeld"
Gibt es Stellungsregelmäßigkeiten bei Satzgliedern (Subjekt, Objekte, Adverbiale) im Mittelfeld?

a) Mein Bruder | hat | mir gestern zum Geburtstag einen iTunes-Gutschein über 25 € | geschenkt.
b) Gestern | hat | mir mein Bruder einen iTunes-Gutschein zum Geburtstag | geschenkt.
c) Mir | hat | mein Bruder gestern zum Geburtstag einen iTunes-Gutschein | geschenkt.
d) Einen Gutschein | hat | mir mein Bruder zum Geburtstag gestern | geschenkt.
Welche Satzglieder im Mittelfeld können nicht oder nur schwer ausgetauscht werden?
Welche können einfacher verschoben werden?

Beschreibung:
Wenn - 				dann
das Subjekt im Vorfeld 		→  
die Adverbiale im Vorfeld 	→    
der Akkusativ im Vorfeld 	→
der Dativ im Vorfeld		→

Regularitäten, die daraus abgeleitet werden können:

   

V. Übungen zu Stil und Verständlichkeit - Wieviel Mittelfeld vertragen Leser oder Zuhörer?

1. Der folgende, etwas komplexere Satz:
    Ich habe gestern im Schaufenster des Kaufhauses am Marktplatz einen roten Anorak, der mir sehr gefiel, gesehen.
sieht im Satzfeldermodell so aus (V2-Stellung):

Aus welchen Bestandteilen / Satzgliedern besteht das Mittelfeld? Was alles könnten Sie zur Entlastung des Mittelfeldes tun? Probieren Sie Varianten aus und diskutieren Sie deren Leser- und/oder Hörerfreundlichkeit.

   

2. Erstellen Sie von dem folgenden Satz durch Umstellung und Ausklammerung verschiedene Varianten und beurteilen Sie deren Wirkung.

VF LSKMFRSKNF
Ein starker Auftritt wird von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft heute im EM-Halbfinale in Basel gegen die Türkeierwartet          


 
 

   

3. Markieren Sie in diesem Text die Prädikate in den Hauptsätzen (alle Teile) rot. Markieren Sie die Prädikate in Nebensätzen grün. Beschreiben Sie dann den Unterschied in der Position der Prädikatsteile.
[Zusatzaufgabe: Zählen Sie die Sätze, die nach dem Satzmuster S - P - O gebaut sind. Welche Schlüsse kann man daraus für den Satzbau im Deutschen ziehen?]

Das Vorhaben, dass sich die Lebensbedingungen in der Europäischen Union nach und nach annähern, hat im Laufe der Finanzkrise einen Dämpfer erhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität Berlin veröffentlichte Studie. Die Ungleichheit der verfügbaren Einkommen zwischen zehn untersuchten mittel- und südeuropäischen Ländern sei vor allem etwas gewachsen, weil die Einkommen in Griechenland, Spanien und Portugal im Schnitt geschrumpft seien.

Während die meisten Studien die Ungleichheit innerhalb eines Landes untersuchen, blickten die Berliner Forscher über Landesgrenzen hinweg. Dafür werteten sie Daten zu den Lebensbedingungen in Europa (EU-SILC) aus und verglichen, wie sich die verfügbaren Einkommen (inklusive Sozialleistungen) in den Jahren 2004 bis 2011 entwickelt haben. In einer Gruppe von zehn Ländern, die alle bis zum Jahr 2001 der Währungsunion beigetreten waren, "hat die Ungleichheit leicht zugenommen, wobei der Anstieg unmittelbar nach dem Höhepunkt der Krise besonders stark ausfiel", schreiben die Forscher. Der Gini-Koeffizient - ein gängiges Maß zur Bestimmung von Ungleichheit, das zwischen 0 und 1 liegen kann - sei über die zehn Länder hinweg von 0,297 im Jahr 2004 auf 0,317 im Jahr 2011 gestiegen, was einem Zuwachs um etwa 7 Prozent entspreche. Zu etwas anderen Ergebnissen kamen die Forscher, als sie nicht nur die Euroländer der ersten Stunde untersuchten, sondern 22 EU-Länder, darunter mehrere osteuropäische Staaten. In dieser größeren Gruppe sei die Ungleichheit von 2004 bis zum Ausbruch der Finanzkrise leicht zurückgegangen. Der Trend habe sich nach Ausbruch der Finanzkrise aber nicht fortgesetzt. Das Einkommensniveau in den Krisenländern habe sich an das niedrigere Niveau der osteuropäischen Länder angenähert.

Quelle: Johannes Pennekamp: Europa wächst auseinander, FAZ 22.6.2015, Auszug

   

4. In der Nummer 2/2008 der Zeitschrift "Deutschuntericht" (Westermann) unternehmen es einige AutorInnen und Autoren, das Satzfeldermodell für den Deutschunterricht fruchtbar zu machen. Z.B. haben K.-M. Köpcke und C. Noack zum Thema "Ausklammern oder nicht?" Übungen entwickelt mit dem Auftrag, die Verständlichkeit von Sätzen zu prüfen und zu entscheiden, wo sind Ausklammerungen sinnvoll sind (S. 30). Dabei geht es nicht nur um Stilübungen, sondern auch um Verständlichkeit und Dynamik. Aus urheberrechtlichen Gründen möchte ich nur ein Beispiel wiedergeben:

Die Verständlichkeit von Sätzen prüfen: Wo sind Ausklammerungen sinnvoll?

- Satzvariantenakzeptabelverständlichdynamisch
1 Susi hat erst ihr Portmonnaie, dann ihren Hausschlüssel und schließlich ihre schwarze Arbeitstasche mit den wichtigen Geschäftsunterlagen nicht gefunden.
2 Susi hat erst nicht gefunden ihr Portmonnaie, dann ihren Hausschlüssel und schließlich ihre schwarze Arbeitstasche mit den wichtigen Geschäftsunterlagen.
3 Susi hat erst ihr Portmonnaie nicht gefunden, dann ihren Hausschlüssel und schließlich ihre schwarze Arbeitstasche mit den wichtigen Geschäftsunterlagen.

       

(cc) Klaus Dautel, 2015



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