Peter Stamm: Agnes Praxisbericht und Arbeitsvorschläge

Peter Stamm: Agnes (1998)

Was heißt kompetenzorientiert planen und unterrichten? Gerhard Ziener schlägt in seinem Buch „Bildungsstandards in der Praxis“ ( Klett|Kallmeyer 2006 S. 16 ff) für die kompetenzorientierte Planung von Unterricht folgende Ausgangsfragen vor:

Entlang dieser Fragestellung wird im Folgenden die Unterrichtseinheit geplant. In einem ersten Schritt als Kompetenz-Planungsraster und in einem zweiten Schritt mit einem Fünf-Phasen-Modell.

1. Planungsraster: Kompetenzen - didaktische Schwerpunkte - Umsetzung

Kompetenzfelder

Die Schüler erwerben Kenntnisse über

Sie üben und vertiefen ihre Fertigkeiten

Sie gewinnen Erfahrungen und eine Haltung: Sie

Auswahl

• einen wichtigen Autor der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

• den Roman, seinen Inhalt und seine Struktur

• sprachliche Gestaltungsmittel

• Motiv-Gestaltung

• die Bildnis-Thematik in der Literatur

• weitere Texte des Autors

 

• in Figurenbeschreibung und -charakterisierung

• in Analyse und Visualisierung komplexer Werkstrukturen

• in der Analyse ausgewählter Textstellen (Sprach- und Dialoganalyse)

• im systematischen Recherchieren von Rezeptionsdokumenten

• in Auswertung und Bewertung von Recherche-Ergebnissen

• im Verfassen argumentierender und offener Schreibformen (Interpretation und Essay)

• reflektieren geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und Kommunikationsformen und erarbeiten sich dazu eigene Positionen

• setzen sich mit Erscheinungsformen des Single-Daseins und moderner Lebensentwürfe auseinander

• setzen sich mit der Rolle des literarischen Schreibens auseinander

• reflektieren die Dynamik von Anziehung und Fremdheit in Liebesbeziehungen

Schwerpunkt-setzung

(Was genau?)

  • Moderne literarische Schreibweisen im Unterschied zu traditioneller (Unterhaltungs-) Literatur
  • Reflexion von Identitätsproblematik und Gender-Thematik anhand des Imperatives: Du sollst Dir (k)ein Bildnis machen!
  • Kennenlernen und einüben einer schriftlichen Ausdrucksform: Essay-Writing

Methodik

(Wie?)

  • Annäherung durch kriteriengeleitete Partner-Interviews mit anschließenden Kurzrezensionen
  • Inhaltssicherung: Erstellung einer Werk-Synopse (digital: z.B. E-Mail) und Visualisierungen in Kleingruppen (analog: Plakate, Poster, Folien)
  • Motivanalyse und Figurencharakteristik in arbeitsteiligen Arbeitsgruppen mit anschließenden Auswertungen im Literaturgespräch
  • Internet - und Buch-Recherchen in Gruppen und Ergebnis-Präsentation im Plenum (mündl. / schriftl.)
  • Zusatzinformationen und Wissenserweiterung in Einzel- oder Partnerreferaten
  • Schreibphasen in Einzelarbeit mit anschließendem gegenseitigen Lektorieren

Material

(Womit?)

  • Werk-Ausgabe Fischer 2009 (eventuell frühere Ausgaben zum Vergleich der Titelgestaltung)
  • Rezensionen und Kommentare zu Peter Stamm, zu Agnes“ und zu weiteren Stamm-Texten (Internet und Fachliteratur)
  • Zusatztexte von Max Frisch, Bertolt Brecht u.a.

  • Sachtexte zu RolIe , Identität und Geschlecht (Wikipedia)
  • im Roman erwähnte Bilder und Gedicht-Zitate (G. Seurat, Robert Frost, Dylan Thomas ...)
  • Beispieltexte zum essayistischen Schreiben

2. Unterrichtsphasen

Phase

Inhalte und Arbeitsformen

Zeit

I. Erwartungshaltung schaffen,

Vorwissen aktivieren

Alternativen:

  • Informationen zum Autor (Lehrer-Präsentation oder Internet-Recherche)
  • Analyse und Vergleich von Anfängen ausgewählter Stamm-Romane (Stimmung, Sprache, Motive)
  • gemeinsame Lektüre ausgewählter Textstellen aus dem Roman (z.B. Kap. 2, 8, 14)

Doppelstunde

II. Inhaltssicherung

  • Sammeln und Einstufen von Leseeindrücken (Komplettlektüre vorausgesetzt)
  • Erstellen eines Fragehorizontes für die Arbeit mit dem Roman (z.B. Musste Agnes sterben? Musste der Autor sie sterben lassen? Hat ER ihren Tod auf dem Gewissen?)
  • Erstellen einer Kapitelübersicht und/oder Visualisierung der Roman-Struktur

zwei Doppelstunden

III. Texte und Kontexte -

Vertiefungen

Leitfrage: Anziehung und Unverträglichkeit von Er und Sie?
Schlüsselbegriffe: Symmetrie und Asymmetrie, Glück und Freiheit, Bindung und Einsamkeit!

  • Ermittlung und systematische Deutung von Hauptmotiven
  • Lebensformen und Lebensentwürfe der Protagonisten
  • Kommunikationsformen und -brüche: Agnes und der Ich-Erzähler
  • Der Schreibprozess: von der Dokumentation zur Fiktion und zurück

zwei / drei Doppelstunden

IV. Erweiterungen / Recherchen

Recherchen:

  • Rezeptionsdokumente: Stichwort „Debut-Roman“!
  • Identität und Rollenzuweisung: Role taking und role making (Bildnis-Thematik)
  • Gender-Studies“, was ist das und wie passt das hierher?

Doppelstunde

V. Übungen und Ergebnissicherung

Schreibübungen: Planen und Verfassen von Essays

  • Hilfen zu Selbsteinschätzungen: Ich kann / ich kann noch nicht / ich möchte
  • Gesamtschau der Unterrichtsergebnisse und - prozesse ,
  • Eventuell Neubewertung des Romans (Vorher - nachher)
  • Feedback zur Unterrichtseinheit

zwei Doppelstunden

Leistungsmessung

 

 

3. Wissens- und Horizonterweiterung: Themen für Kurzreferate:

Klaus Dautel, 2011


Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
Dautels ZUM-Materialien: Google-Fuss