Ödön von Horvath

Glaube, Liebe, Hoffnung

Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern (1932)
Dieses Theaterstück wurde unter Mitarbeit von Lukas Kristl verfaßt.

Erstes Bild
Frühling: Eine junge Frau, Elisabeth, erkundigt sich bei einem Schupo (Alfons Klostermeier) nach dem Anatomischen Institut. Er zeigt ihr den Eingang gleich gegenüber. Dort öffnet ihr der Präparator. Elisabeth bringt ihr Anliegen vor: Sie habe gehört, man könne seine Leiche verkaufen, und dies wolle sie hiermit tun. Der Präparator bezeichnet dies als 'krassen Irrtum' und füttert die Tauben. Der Oberpräparator kommt mit einem Herrn Baron, dessen Braut bei einem Unfall ums Leben kam. Auch er schüttelt den Kopf über ihr Ansinnen. Der Vizepräparator weist den Oberpräparator auf eine Leichenbegutachtung in der Klinik hin. Er geht sofort los. Der tauben- fütternde Präparator ist in Plauderlaune und erfährt, daß Elisabeth die Tochter eines 'Inspektors' ist ("Respekt!") und 150 Mark für einen Wandergewerbeschein benötigt, damit sie sich in der Unterwäschen-Branche selbständig machen kann. Dies rührt den Tierliebhaber. Dem zurückkehrenden Oberpräparator erklärt er, daß es sich bei Elisabeth um eine 'Zollinspektors tochter' handele, der sich die Welt mit einem Wandergewerbeschein öffnen würde. Auch der Oberpräparator ist beeindruckt vom Titel 'Zollinspektor'. Er hat sich übrigens bei der Leichenbeschauung verletzt und nun ist sein Finger verbunden.

Zweites Bild
Im Kontor der Firma Prantl: Die Geschäftsinhaberin Irene Prantl lobt die Frau Amtsgerichtsrat für ihre Erfolge beim nebenerwerblichen Unterwäschen verkauf.
Da kommt Elisabeth mit ihrem mageren Bestellbuch, Aufgrund eines Unfalles konnte sie nicht das verkaufsträchtige Kaufbeuren besuchen.
Der Präparator stürzt herein und nennt Elisabeth eine Hochstaplerin, da ihr Vater gar kein Zoll- sondern nur eine Versicherungsinspektor ist. Es stellt sich heraus, daß er ihr die 150 Mark besorgt hat, daß die aber für den Wandergewerbeschein gar nicht nötig waren, denn diesen hat die Firma Prantl besorgt. Diese 150 Mark hat Elisabeth gebraucht, um eine Geldstrafe abzuzahlen. Sie hat nämlich schon einmal ohne Wandergewerbeschein verkauft.
Der Vorbestraften wird fristlos gekündigt und Frau Amtsgerichtsrat gibt ihr noch Tips, wie sie bei ihrem Mann im Prozess Milde erwirken kann.

Drittes Bild
Vor dem Wohlfahrtsamt warten ein paar Arbeitslose, darunter auch Elisabeth. Es herrscht Unzufriedenheit wegen der schlechten Arbeitslage. Aus dem Gespräch ergibt sich, daß Elisabeth keine Wohlfahrt bekommt, weil ihr Vater Versicherungsinspektor ist. Sie will aber nichts von ihrem Vater, der wollte von einer Tochter schon damals nichts wissen. Außerdem will sie selbständig sein. Elisabeth befreundet sich spontan mit einem Fräulein namens Maria.
Der Baron (mit Trauerflor) kommt auf Maria zu, sie kennen sich, da erscheint ein Kriminaler, der Maria festnimmt. Der Baron hat sie wegen gestohlener Manschettenknöpfe angezeigt.
Der Schupo (ein melancho- lischer Mensch, dessen Braut gestorben ist) kommt und interessiert sich für Elisabeth. Doch da fällt irgendwo ein Schuß und er muß schnell hin.
Die Frau Amtsgerichtsrat taucht (mit ihrem Mann) auf und fragt Elisabeth aus: Sie war 14 Tage im Gefängnis wegen der Sache mit den 150 Mark.
Der Schupo kommt zurück und sie gehen zusammen heim.

Viertes Bild
Oktober. In Elisabeths Zimmer liegt der Schupo in Unterhosen im Bett. Es cheint beiden recht gut zu gehen, da klopft es an der Tür: Kriminalpolizei. Sie hat bisher weder Arbeit noch ein 'einwandfreies Unterkommen' nach- weisen können. Elisabeth weist darauf hin, daß sie wöchentlich 20 Mark vonihm Bräutigam erhält. Da öffnet der Oberinspektor die Schranktür und erblickt den Schupo. Nun erfährt dieser von Elisabeths Vorstrafe, erkennt sofort die Gefährdung seiner Laufbahn als Staatsbeamter und distanziert sich.

Fünftes Bild
November: Polizeirevier, nach Mitternacht, der Schupo spielt mit einem Kameraden Schach. Der Schupo ist unkonzentriert und verliert. Er ist melancholisch wegen seinem Unglück mit den Bräuten.
Da werden der Präparator und sein Vize wegen Ruhestörung hereingebracht; sie sind nun Ober- und Präparator, da der ehemalige Oberpräparator an einer Vergiftung gestorben ist.
Da aber wird gemeldet, daß eben eine junge Frau aus dem Kanal gerettet worden sei, und schon wird Elisabeth ins Revier getragen. Der Schupo erkennt sie und schweigt. Der Lebensretter sieht schon sein Foto in der Zeitung und freut sich überr die 'unbezahlte Reklame für die Firma'.
Der Oberpräparator erinnert sich und weiß auch um seine Schuld bei der Sache mit dem Zoll- bzw. Versicherungsinspektor. Er kriegt jetzt einen Moralischen.
Elisabeth wacht auf und ist entsetzt, noch lebendig zu sein. Sie erkennt auch den Schupo und gerät außer sich vor Wut, weil sie in Schutzhaft genommen werden soll. Sie hat tagelang nichts gegessen, erleidet einen Schwächeanfall und stirbt sanft. Jetzt gehört sie dem Oberpräparator. Die Schupos müssen zur Parade, noch einmal beugt sich der Ex-Bräutigam über seine Ex-Braut und tut sich leid: "Ich hab kein Glück
." Der Buchhalter: Ich lebe, ich weiß nicht wie lang,
Ich sterbe, ich weiß nicht wann,
Ich fahre, ich weiß nicht wohin,
Mich wundert, daß ich so fröhlich bin --.

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© K. Dautel 1998