Heinrich Leopold Wagner 

Johann Wolfgang Goethe

Das folgende Gedicht kann im Zusammenhang mit zwei weiteren Gedichten zu diesem Themenbereich gelesen und bearbeitet werden, nämlich Gottfried August Bürgers Ballade "Des Pfarrers Tochter von Taubenhain" (1781) und Friedrich Schillers "Die Kindsmörderin" (v. 1781). Daraus lassen sich interessante Einsichten in die literarische Verarbeitung des Themas gewinnen.

  1. Beschreibe die Situation, in welcher sich die Sprecherin (das lyrische Ich) befindet und vergleiche diese mit der in Bürgers Ballade. Vergleiche Goethes Protagonistin mit der Pfarrerstochter in Bürgers Gedicht.
  2. Auch in Schillers Gedicht spricht ein weibliches lyrisches Ich. Vergleiche die Sprache und die Haltung der Goetheschen und der Schillerschen Sprecherin.
  3. In Goethe-Ausgaben wird "Vor Gericht" unter der Rubrik "Balladen des Sturm und Drang" eingeordnet. Was ist von dieser Einordnung zu halten
    a) im Hinblick auf den Sturm und Drang und
    b) im Hinblick auf folgende Balladen-Definition von Goethe selbst:

J.W.von Goethe: Über die Ballade (1821)

"Die BALLADE hat etwas Mysteriöses... Das Geheimnisvolle der Ballade entspringt aus der Vortragsweise. Der Sänger nämlich hat seinen ... Gegenstand, seine Figuren, deren Taten und Bewegung so tief im Sinne, daß er nicht weiß, wie er ihn ans Tageslicht fördern soll. Er bedient sich daher aller drei Grundarten der Poesie, um ... auszudrücken, was die Einbildungskraft erregen, den Geist beschäftigen soll; er kann lyrisch, episch, dramatisch beginnen und, nach Belieben, die Formen wechselnd, fortfahren, zum Ende hineilen oder es weit hinausschieben. Der Refrain, das Wiederkehren ebendesselben Schlußklanges, gibt dieser Dichtart den entscheidenden lyrischen Charakter. - Hat man sich mit ihr vollkommen befreundet, wie es bei uns Deutschen wohl der Fall ist, so sind die Balladen aller Völker verständlich, weil die Geister in gewissen Zeitaltern...bei gleichem Geschäft immer gleichartig verfahren. Übrigens ließe sich an einer Auswahl solcher Gedichte die ganze Poetik gar wohl vortragen, weil hier die Elemente noch nicht getrennt, sondern wie in einem lebendigen Ur-Ei zusammen sind, das nur gebrütet werden darf, um als herrlichstes Phänomen auf Goldflügeln in die Lüfte zu steigen."

(Goethe, Gedichte, Hamburger Ausgabe Bd 1, S. 400)

© Klaus Dautel, 2000


Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
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