Schlafes Bruder: Schreibanlässe

Ungehaltene Reden, ungeschriebene Briefe, lose Gedanken
S. 85
Verfasse den Beschwerdebrief mehrerer Bauern (z.B. Seff und Nulf Alder) an den Domprobst in Feldberg, in welchem sich diese über den Kurator Beuerlin beklagen und bei dieser Gelegenheit auch dessen Vorgänger nicht ungeschoren lassen.
Denke daran, dass die Verfasser keine geübten Schreiber sind.

S. 133
Seffs Beichte. Elias' Vater macht endlich reinen Tisch und kämpft um die Zuneigung seines Sohnes Elias.
Denke daran: Seff hat viel zu sagen, aber "Seff war kein Redner." Schildere als Erzähler die Situation, benutze auch wörtliche Rede.

S. 163
Herrn Gollers Bericht an das "Musicalische Institut" zu Feldberg über das, was ihm in Eschberg zugestoßen ist.
Beachte dabei den wohl etwas geschraubten Stil des gebildeten Herrn.

S.180
Peter schreibt einen Brief aus Feldberg, in welchem er dem Schwager Lukas vom Verlauf des Orgelfestes berichtet.

S. 186
Auf dem Rückweg von Feldberg hält Peter eine längere Ansprache an den schweigsam gehenden Elias, in welchem er ihm auseinanderlegt, was seiner Meinung nach gerade passiert ist und was das für ihn, für Peter und für das Dorf bedeuten könnte.

S. 204
Eine Antwort auf die Frage: "Frau Mutter, was meint Liebe?"
Lasst Elsbeth eine kleine Geschichte erzählen, von einem jungen Mann, der einmal im Dorf gelebt haben soll, welcher ...

Beispiele
[© LK Deutsch 2001 Hölderlin-Gymnasium Nürtingen]

"Wir haben es geschafft Elias! Wir können dieses vermaledeite Eschberg endlich verlassen. Wir fangen ein neues Leben an. Nur du und ich. Feldberg betet dich an. Du verdienst als Orgelspieler das Geld und ich kümmer` mich um alles andere. Du musst nur spielen. Würde dir das nicht gefallen? Wir werden reich und leben wie Könige. Das veratzte Dorf sieht uns nie wieder. Und wenn doch, dann kommen wir als Sieger, als zwei die es geschafft haben - als Könige eben. Was glaubst du, wie Elsbeth dann schauen würde. Sie würde dir zu Füßen liegen, würde alles für dich tun. Elias hörst du mir zu? ELIAS!!!!!
Ich sagte gerade, dass meine Schwester dich anbeten wird, wenn du als reicher und erfolgreicher Mann zurückkommst. So sind die Weiber. Oberflächlich, dumm und falsch.
Wo wir schon bei den Weibern sind. Hast du gesehen, wie sie dich vorhin angestarrt haben?
Ich sage dir: Du kannst sie alle haben. Wenn du willst sogar mehrere gleichzeitig. Elias überleg dir das doch mal! Das sind Stadtweiber, die haben mehr drauf, als die Bauerntrampel aus Eschberg, mehr als meine kleine Schwester.
Wir können gleich morgen gehen. Ich verkaufe meinen Hof an Lukas und von dem Geld können wir uns in Feldberg erst mal eine kleine Wohnung mieten, aber bald sind wir so reich, dass wir uns ein Schloss kaufen können. Elias, du hättest ihre Gesichter sehen sollen, sie lieben dich. Wir können von ihnen alles haben, was wir wollen.
Wenn du berühmt bist können wir reisen. Elias wir beide werden die ganze Welt sehen!!!
Elias! Was sagst du dazu??


Peter schreibt an seinen Schwager über den Verlauf des Orgelfests:

"Ich grüße dich, werter Schwager. Ich hoffe, dir und meiner Schwester geht es gut. Und dem Rest unseres Dörfchens ebenfalls. Doch ich will dich nicht mit unbedeutenden Floskeln nerven, denn was ich dir mitzuteilen habe, ist unglaublich und du wirst erstaunt sein. Du weißt, wo ich mich momentan aufhalte, der Elias und ich, wir sind vor einigen Tagen gemeinsam zum Dom zu Feldberg gezogen um am diesjährigen Orgelfest teilzuhaben. Dem vorausgegangen war eine Einladung des Herrn Goller, du wirst dich noch an ihn erinnern. Als wir ankamen war das Gelächter unter den Edelleuten“ groß. Das Städterpack achtet auch wirklich nur auf Äußerlichkeiten. Was können wir denn dafür, dass wir uns keine teuren Kleider leisten können? Noch nicht leisten können...
Nun, wir kamen also an, begaben uns in den Dom – ein prächtiges Gotteshaus, versichere ich dir – und wir wurden den hohen Herren vorgestellt. Unsere Konkurrenten hatten – wie jene Herren auch - nichts als ein spöttisches Gelächter für uns übrig. Doch dann kam die Stunde des Elias. Alle Organisten sollten zu einem zufällig ausgesuchten Werk extemporieren, doch Elias kannte keines dieser Stücke. So kam es, dass ihm Goller in aller Eile das Grundthema erklärte. Dann legte Elias los. Und wie er loslegte! Das stupide Volk hatte einen solchen Meister noch nie erlebt. Unser Elias spielte wie ein Meister! Besser noch, wie der Meister! Ich weiß nicht mehr wie lange er die Ohren der Anwesenden verzauberte und ich bin leider nicht in der Lage, dieses grandiose Schauspiel in Worte zu fassen, aber ich versichere dir, es war wirklich das größte Werk, dass die Stadt Feldberg jemals vernommen hat! Kein anderes Stück – so denke ich jedenfalls – hatte eine solche Vielzahl an Melodien und eine so gewaltige Tonsprache – ich hatte das Gefühl, dass mir das Stück etwas mitteilen wollte. Ich spürte auch etwas, kann es aber nicht genau einordnen.
Wir werden berühmt werden! Schon ganz Feldberg kennt den Elias, es wird nicht mehr lange dauern und wir werden aus silbernen Tellern essen und den edelsten Wein trinken! Zusammen werden wir durch die Welt ziehen und die Kirchen werden jedes Mal überfüllt sein!
Lebe wohl, werter Schwager. Sorge gut für dein Weib und das Vieh. Vielleicht werden wir uns in einigen Jahren wiedersehen.

Peter


Herr Gollers Bericht an das Musicalische Institut

Höchstverehrter Vorstand, Herr Direktor.

Als ich vor kurzem mein Vorarlbergisches Orgelschätzlein“ zu vervollständigen versuchte, da kam ich in einem kleinen, gottverlassenen Örtchen mit dem Namen Eschberg vorbei.
Was sich herauffolgend zutat möchte man als unmöglich bezeichnen, noch nie in Cäciliens Namen vernahm ich ein derart geniales - ich wage gar zu behaupten, unmenschliches Orgelspiel, extemporiert von einem verlumpten Bauernjungen, der nicht einmal das Notenhandwerk sein Eigen nennt.
Wild und primitiv und doch von so erhabener Größe.
Verehrter Vorstand, Herr Direktor. Was ich da entdeckt ist ein Naturgenie, und so konnte ich es nicht unterlassen, ihn zu unserem binnen zwei Wochen stattfindenden Wettbewerb in extemporiertem Orgelspiel zu laden, auf dass Sie selbst sich ein Bild dieses hochbegabten jungen Mannes machen können.

Friedrich Fürchtegott Bruno Goller,
Domorganist und Cantor zu Feldberg


Hochferehrtester Herr Domprobst zu Feldberg,

Itzo hat sich hier zugetrahgen eine gar schreckliche geschicht', die in ihrer Schrecklichkeit nicht tsu übertreffen ist.
Wier ferlangen aufs heftigste Gehör in den ferehrten Ohren Eurer Durchlaucht!
Item währe zu sagen, dass dem Dorfe Eschberg schohn lang kein geistlich Licht mähr geschienen hat.
Bereiz seit Kurat Elias Benzer... doch Eure Durchlaucht wissen bestimmt noch selbst.
Itzo, der Kurat Beuerlin ist eine Schand' für unsern Herrn. Gotteslästerung, das ist's was der treipt:
Zur Kristmess singte er das Halleluja fom Ostertag, und dero drei Mal das Gloria!
Itzo rief der Herr fünv fon unseren Brüdern - Gott hab' sie sälig - zu sich. Statt sie ährenhaft zu beärdigen und zu sägnen fieng der Herr Kurat nun an die Taufred' zu halten. Greis und tattrig ist er! Eine Schand! Ein Wärk des Teufels!
Und der Herr Pfarr von Götzberg scheint kein Haar besser!!
Schohn seit den Tagen fon Kurat Benzer - Gott hab in sälig - ferlottert unser Gemeineläben. ACHT Monat' war dieser Herr abwägig. Als er zrückkam wurden plötzlich zig Kinder zur welt bracht, die dem Herrn Benzer wie ausm gsicht gschnitten waren!
Soh nicht! Nicht mitt uns!! Wir, fünf ährbare Christenmenschen und Bauern fon Eschberg fordern ainen neuen Hirt für unsre Gmeind!
Unt zwahr kein, der unsren Weiber nachschtellt, der unsre Kirch in' d Luft sprengt, kein der sagt, seine Predigt sei nicht zu nehmen wörtlich, keinen der Weihnacht und Ostern ferwechselt und keinen der zur selben sekund vergisst, was er grad' gesagt!!

Hochachtungsfollst, in demütiger Wut

gezeichnet:
Seff Alder,
Heinz Lamparter
Nulf Alder, Fürchtegott Alder
Kurt Lamparter


Lieber Schwager,

ich schreibe Ihnen aus Feldberg um Ihnen von dem Orgelfest zu berichten, auf welches der Elias vom Herrn Goller geschickt wurde. Wie ich Ihnen bereits im vorherigen Brief berichtete war ich mir sicher, dass das Orgelfest im Dom ein voller Erfolg werden würde. Auch der werte Herr Goller, der das Talent von Elias entdeckt hat war entzückt über Elias‘ beeindruckende Improvisation an der Orgel.
Ich weiß, werter Schwager, dass Ihr Euch nicht viel aus der Musik macht, aber lassen Sie mich ihnen dennoch von diesem einmaligen Erlebnis berichten.
Sicher diese Stadt selbst kann einen schon zur Begeisterung bringen, aber diese Bewunderung kann man keines Falls mit dem Jubel vergleichen, die unserem Elias entgegengebracht wurde, es schien als wäre er der Mittelpunkt der Menschenmenge gewesen. Er hat so wundervoll aufregend und zart zugleich gespielt, dass wohl alle Weiber dahin geschmolzen sind und ihm zu Füßen lagen. Wir Eschberger können stolz auf unseren Elias sein, denn solch einen riesigen Tumult um den Elias habe ich noch nie gesehen.
Ich bin sicher, verehrter Schwager, dass der Elias berühmt werden wird und dass wir mit Wägen voller Geld ins Dorf zurückkehren werden. Freut Euch schon auf unsere Wiederkehr denn da werdet ihr einen neuen Elias zu sehen bekommen, einen erfolgreichen, Aufsehen erregenden, großen und wichtigen Mann.

Mit vielen Grüßen aus dem fernen Feldberg

Ihr Schwager
Peter


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