Spätmittelalter am Oberrhein


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Bildersturm
 
Bilderkult

Kardinal Albrecht von Brandenburg als heiliger Martin
Simon Franck, Zwei Altarflügel, 1524, 121 x 56,5 cm

Kardinal Albrecht von Brandenburg, mit 24 Jahren Erzbischof von Mainz und Magdeburg und Bischof von Halberstadt, veranlasste den berüchtigten Ablasshandel, mit dem er seinen Finanzbedarf stillen wollte. Er war damit der Auslöser für Luthers Reformation.

Einen Heiligen mit den eigenen Gesichtszügen darstellen zu lassen, hatte vor allem die Absicht, diesen in besonderem Maß zu verehren, führte aber auch dazu, dass die dargestellte Person selbst in der Art eines Heiligen verehrt wurde.

Albrecht von Brandenburg ließ auf einem zweiten Bild seine Konkubine Ursula Rediger als heilige Ursula darstellen.

Aschaffenburg, Stiftsmuseum der Stadt
Katalog Nr. 40

Ursula Rediger, die Konkubine Kardinal Albrechts von Brandenburg als heilige Ursula
Simon Franck, Zwei Altarflügel, 1524, 121 x 56,5 cm

Gerade die Darstellung solcher Frauen auf Heiligenbildern gab Anlass zu heftiger Kritik, so dass Thomas Murner in seiner Narrenbeschwörung (1512) vorschlug, den Dargestellten Eselsohren aufzusetzen, damit man sie leichter erkennen könne. Auch Johannes Geiler von Kaysersberg kritisierte die Verwandlung der Heiligen in Huren und der Kirchen in Bordelle.

Aschaffenburg, Stiftsmuseum der Stadt
Katalog Nr. 40

Ablassbrief

14 römische Kardinäle gewähren den Besuchern der Sebastiansbruderschaft in Straßburg einen Ablass von 100 Tagen
27. Mai 1488

Straßburg, Archives Municipales
Katalog Nr. 65

Die Gewährung von Ablass bedeutet im Glaubensleben der katholischen Kirche eine zeitlich begrenzte Befreiung vom Fegefeuer. Füe den Besuch von Wallfahrtsorten waren dabei 40 Tage üblich, Kardinäle konnten auch in besonderen Fällen 100 Tage Ablass gewähren. Allein der Papst selbst konnte einen völligen Ablass verkünden, wie er z.B. heute noch zum Heilgen Jahr ausgesprochen wird. Eine Absolution von den Sünden selbst war damit nicht verbunden. Voraussetzung war und ist immer die Erfüllung der vorgeschriebenen Bußübungen, allen voran die Beichte.

In der Zeit der hohen Geldbedarfs der Kurie und der Kirchenfürsten selbst wurde der Ablass zu einem einträglichen Geschäft, indem sich einerseits Papst und Kurie die Ausstellung der Ablassbriefe teuer bezahlen ließen, andererseits auch die Inhaber dieses Ablassprivilegs ihrerseits dann Ablassbriefe verkauften. So finanzierte auch der Rat von Bern mit dem Ablasshandel den Neubau des Münsters.

    Texte: Musée de'l OEuvre Notre Dame, Strasbourg

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siehe auch:

modernes Kopfreliquiar im Dom in Speyer 

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