Erinnerung sichtbar machen: Pfad des Lebens

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„Pfad des Lebens“ – Spuren jüdischen Lebens in Ingolstadt

Katharinen-Gymnasiums Ingolstadt (Projektleitung: Dr. Matthias Schickel)

 

Im Jahr 1938 hat die jüdische Gemeinde in Ingolstadt aufgehört zu existieren. Mit dem Novemberpogrom haben die letzten Juden Ingolstadt verlassen – viele von ihnen gingen jedoch in den Tod: In Auschwitz, in Theresienstadt, in Sobibor, in Izbica, in Piaski, in Riga…

Damit fand eine über 700-jährige Geschichte ihr brutales Ende – doch der Tod hat nicht das letzte Wort behalten. Überall auf der Welt haben sich Ingolstädter Juden niedergelassen und in ihren Kindern und Enkeln ihren ganz persönlichen Sieg über Hitler und das Dritte Reich errungen.

Und sie haben auch in Ingolstadt ihre Spuren hinterlassen: nicht viele, nicht unübersehbar, nicht aufdringlich – eher bescheiden, kaum mehr sichtbar, vom Untergang bedroht.

Ingolstädter Schülerinnen und Schüler wollen diese Spuren sichern und bewahren. Sie haben sich zum Ziel gesetzt zum 80-jährigen Gedenken an das Novemberpogrom diese Spuren zusammenzuführen und zu zeigen, wo und wie in Ingolstadt die jüdischen Bürgerinnen und Bürger gelebt haben. Sie wollen zeigen, dass diese Menschen ein Teil unserer Stadt waren – und dass sie nun nicht mehr da sind, dass sie eine Lücke hinterlassen haben. Zumindest in der Erinnerung wollen wir diese Lücke schließen, indem wir sie zeigen und auf sie hinweisen.

Dabei soll deutlich werden, dass sich jüdische Geschichte nicht auf zwölf Jahre deutsche Geschichte reduzieren lässt! Und damit auch, dass 700 Jahre Geschichte der Juden in Ingolstadt nicht nur „Vorgeschichte“ waren!

Wir wollen einen „Pfad des Lebens“ durch die Geschichte und durch die Orte der Stadt ziehen: Wo haben sich Orte erhalten? Wie sehen die Häuser heute aus? Gibt es Bilder und Aufnahmen, Erinnerungsstücke und Erinnerungen?

In einem ersten Schritt werden die 23 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10-12 die Schicksale jüdischer Familien in Ingolstadt untersuchen, ihre Wohnhäuser und Geschäfte  ausfindig machen und in Gegenüberstellung zeigen, wie diese Erinnerungsorte heute aussehen. Dazu werden wir auch in Kontakt mit Nachkommen treten, um auch deren familiäre Erinnerungen zu nutzen. Die Orte jüdischen Lebens in Ingolstadt sollen auf einem Stadtplan visualisiert und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ein letzter sichtbarer authentischer Erinnerungsort in Ingolstadt ist der Israelitische Friedhof und das Tahara-Haus – beides wollen wir als Zeugnis der jüdischen Ingolstädter zu einem lebendigen Bestandteil der Stadtgeschichte machen und damit einen Beitrag zur Erhaltung leisten.

Die Ergebnisse der Spurensuche werden ab November 2018 in einer Ausstellung präsentiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Damit soll auch die Grundlage gelegt werden für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Juden in Ingolstadt.

Die Spurensuche können wir nur umsetzen in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der Europäischen Janusz-Korczak-Akademie, der International School for Holocaust Studies (Yad Vashem), dem International Tracing Service (Bad Arolsen) und natürlich dem Stadtarchiv und der Stadt Ingolstadt. Zugleich hoffen wir auf Unterstützung von Zeitzeugen und Nachkommen bei unserer Erinnerungsarbeit.

 

 

Planung:  Schulübergreifendes Jugendprojekt „Die Geschichte geht weiter“ (Yad Vashem)

 

Ausstellung mit ca. 40 Roll-Ups: Eröffnung im November 2018 zum 80jährigen Gedenken an die Pogromnacht in Ingolstadt

 

Foto-Kontrastierung Häuser alt/neu – dazu um das Haus/die Adresse die dazugehörigen Familien ebenfalls in Gegenüberstellung: alte Familienbilder/neue Familienbilder (oder ggf. Todesdatum/Todesort) mit Familiengeschichte, jeweils in kurzen Stichpunkten zum Leben in Ingolstadt bis 1938 bzw. danach.

Dazu sollen dann auch noch weitere Aspekte aufgegriffen werden, um das Leben der Juden in Ingolstadt zu kontextualisieren: zb. das Judenmatrikel von 1812 – die Ingolstädter „Dreyfus-Affäre“ von 1894 mit Moritz Süss-Schülein – die gefallenen Juden im Ersten Weltkrieg …

 

 

Ort: Foyer Stadttheater

 

 

Beispiel:

Eisenhandlung

 

heute

 

Anregung:

 

a) zu einer weiteren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Ingolstädter Juden

 

b) analog zur Synagoge München („Gang der Erinnerung“) eine Tafel „auf Augenhöhe“ mit den Namen der Ingolstädter Juden im Stadtmuseum oder im Tahara-Haus:

 

 

 

Bildergebnis für "Gang der Erinnerung" in München

 

 

c) Etablierung eines Gedenkwegs „Pfad des Lebens“ in Ingolstadt und „Ernennung“ des Tahara-Hauses auf dem israelitischen Friedhof zum „Dokument der Ingolstädter Stadtgeschichte“.

 

 

Häuser/Familien:

 


Paradeplatz 15: Ferdinand & Gertrud Lauchheimer, Öle, Fette, Farben, 1931-38;

 
Paradeplatz 5: Simon Freimann, Viehhandel, 1932-38; Nelly, Philipp, Siegfried & Sofie Löwenfels (wohnt später in Luwigstr.); Dora Liebenstein; Berta Sasmann;


Paradeplatz 7: Martha Prölsdorfer


Ludwigstraße 3: Justin Hofmann, Spielwaren, 1921-37; Rebeka & Max Kohn;


Ludwigstraße 10: Wilhelm Rosenbusch, 1917-32; Arno Friedmann, 1921-34; Karl Kissinger, 1923-1935; Erich Kuhn, 1931-38;


Ludwigstraße 11: Sofie Löwenfels, 1932-33


Theresienstraße 6: Simon Hutzler, 1923-35; Oskar Buxbaum, 1930-39;


Theresienstraße 8: Moritz & Elsa Süss-Schülein


Theresienstraße 15: Julius Frankenthal, 1917-34;

 

Theresienstraße 20: David Schloss, 1896-38; Abraham Tuchmann, 1921-33;


Theresienstraße 23: Jakob Leopold, 1913-37; Julius Gunzenhäuser, 1914-36; + Adolf & Else Gunzenhäuser; Max Heimenrath, 1920-37; Karl Oppenheimer, 1934-38; Nanny Neustädter, Kontoristin; Simon Prölsdorfer, Kaufmann;


Theresienstraße 24: Robert Baum, 1929-34;


Theresienstraße 28: Maier Schloss, 1920-36; Dr. Rafael & Arthur Luchs, 1930-38;


Theresienstraße 22: Julius Kohn, Kaufmann


Milchstraße 1: David Holzer, 1928-38


Milchstraße 9: Bernhard Weinmann, 1909-35; Emil Lisberger, 1932-38 (wohnte auch in Spitalstraße 2, wahrscheinlich dort aufgewachsen); Maximilian Weinberg, 1932-38; Kurt Hermann,

Milchstraße 12: Benno/Benedikt Hammelbacher, 1935-38;


Tränktorstraße 8: Dr. Benno Silberschmidt, 1934-35


Moritzstraße 13: Julie Gutmann, 1896-1938; Jakob Leiter, 1921-38;


Grießmühlstraße 6: David Hubert, 1932-38 (in Donau ertränkt);

 

 

Viktualienmarkt (wird mit Geschichte d. Juden in Ing verbunden!)

 

 

 

Beitrag kommt noch.

 

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