Bertolt Brecht  Dreigroschenoper 

Die Songs - Funktion und Aussage

Liste der Songs:
Vorspiel:   Die Moritat von Mackie Messer
Szene 1:    Der Anstatt-dass-Song
Szene 2:    Seeräuber-Jenny, Kanonensong
Szene 3:    Das "kleine Lied" der Polly Peachum
 
1. Finale: 	Von der "Unsicherheit der menschlichen Verhältnisse"

Szene 4:    Ballade von der sexuellen Hörigkeit
Szene 5:    Zuhälter-Ballade
Szene 6:    Ballade vom angenehmen Leben

2. Finale: 	Denn wovon lebt der Mensch
            ("Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral")

Szene 7:    Lied von der "Unzulänglichkeit menschlichen Streben"
            ("Der Mensch ist gar nicht gut, drum hau ihn auf den Hut")
Fragestellung für die Untersuchung:
-> In welchem Verhältnis stehen die Songs zur Handlung?
-> Was ist ihre Botschaft?
-> Beschreiben Sie deren dramaturgische Einbettungen!
-> Wie sollen Schauspieler diese Songs singen? (Materialien)
Funktion und Inhalt der SONGS in der "Dreigroschenoper":
- Die Gesangsweise ist vorwiegend Sprechgesang, 
     melodiös sind allenfalls die Refrains
- Die Instrumentierung ist eher grell, schrill, 
     (Bläser, Schlagzeug),
     der Charakter der Musik zwischen jazzig-aggressiv und sanft-schmalzig 
	Insgesamt kann die Musik bizarr genannt werden
- Die Songs und Balladen sind dramaturgisch aus der Handlung herausgehoben 
     (Licht, Tafel...)
- Sie stehen in einem inhaltich gebrochenen Verhältnis zur Handlung 
      (Einschübe und Zwischenspiel)
- Das Ich der Songs ist selten identisch mit der Figur des Singenden, z.B. 
      z.B. Seeräuber-Jenny, Kanonensong, ... 
=> Die Songs variieren allesamt ein Thema: Was oder wie ist der Mensch?
    Der Mensch ist unmoralisch
    Er ist materialistisch und abhängig von seinen sexuellen Trieben
    Er ist ohne Ideale, bzw. immer bereit, diese zu verraten
    Er ist unverbesserlich schlecht.
       ||
       \/
     Fazit: Der Mensch ist ein Gewohnheits-Tier ohne Moral und Ideal!

Aus Brechts "Materialien zur Dreigroschenoper" (1928)

Über das Singen der Songs:
"Indem er singt, vollzieht der Schauspieler einen Funktionswechsel. Nichts ist abscheulicher, als wenn der Schauspieler sich den Anschein gibt, als merke er nicht, daß er eben den Boden der nüchternen Rede verlassen hat und bereits singt. Die drei Ebenen: nüchternes Reden, gehobenes Reden und Singen, müssen stets voneinander getrennt bleiben, und keinesfalls bedeutet das gehobene Reden eine Steigerung des nüchternen Redens und das Singen eine solche des gehobenen Redens. Keinesfalls also stellt sich, wo Worte infolge des Übermaßes der Gefühle fehlen, der Gesang ein. Der Schaupieler muß nicht nur singen, sondern auch einen Singenden zeigen. (...) Was die Melodie betrifft, so folgt er ihr nicht blindlings: es gibt ein Gegen-die-Musik-Sprechen, welches große Wirkung haben kann, ... Mündet er in die Melodie ein, so muß dies ein Ereignis sein; zu dessen Betonung kann der Schauspieler seinen eigenen Genuß an der Melodie deutlich verraten. Gut für den Schauspieler ist es, wenn die Musiker während seines Vortrags sichtbar sind, und gut, wenn ihm erlaubt wird, zu seinem Vortrag sichtbar Vorbereitungen zu treffen (indem er etwa einen Stuhl zurechtrückt oder sich eigens schminkt und so fort)."


© Klaus Dautel, 2001

- -

Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
Dautels ZUM-Materialien: Google-Fuss