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Personencharakteristik - REINHOLD - der Antagonist

    Bitte beachten:
  1. Es ist sinnvoll, bei einer Personencharakteristik vom Äußeren (Herkunft, soziale Stellung, Alter, Familienstand, Gestalt) über das Verhalten (Umgangsformen, Umgangston) zum Inneren(Charaktereigenschaften) voranzuschreiten!
    (oder: vom Faktischen über das beobachtbare Verhalten zum vermutbaren Charakter)

  2. Es ist manchmal wichtig zu unterscheiden zwischen direkter Charakterisierung: Der Protagonist wird von anderen Personen bzw aus deren Sicht beschrieben, geschildert, charakterisiert;
    und indirekter Charakterisierung: Die Eigenschaften des Protagonisten werden erkennbar in seinem Verhalten anderen gegenüber.

Arbeitsauftrag: Sammeln Sie anhand der im Folgenden angegebenen Reinhold-Stellen Material zu dieser Figur und fertigen daraus eine Art "Täterprofil". Diskutieren Sie vor allem die Frage, auf Grund welcher Persönlichkeitsmerkmale sich Reinholds Handeln gegenüber Franz erklären lässt.

Fünftes Buch

(150) Am 9. Februar trifft Franz seinen alten Freund Gottlieb Meck, sie gehen in das Lokal in der Prenzlauer Straße, wo die ambulanten Gewerbetreibenden sich treffen, die Vieh- und "Obst"händler. Dort fällt ihm ein "Gelber" auf (155).
(156) Dieser Reinhold möchte sein Mädchen los werden, Franz nimmt sie ihm ab (Lohn: ein Paar Stiefel), einen Monat später nimmt Franz ihm die Cilly ab und wieder ein paar Wochen später deutet sich an, dass es nach Reinhold so weiter gehen soll. Reinholds Problem: Er kann bei keiner bleiben, er ging deswegen sogar schon zur Heilsarmee um zu beten.
(163) Franz will seine Cilly behalten und rät Reinhold, es mit seiner Trude weiter zu versuchen. Reinhold scheint verstimmt, Franz kann danach nicht schlafen, Reinhold mordet Franz in seinen Träumen
...
(182) Pums bietet Franz fünf Mark die Stunde an, wenn er gleich mitkommt, jetzt ist ja ein Mann ausgefallen. Ins Pums Büro taucht auch wieder Reinhold auf, zusammen mit drei weiteren Männern fahren sie in zwei Autos los. Plötzlich ist Reinhold ein ganz anderer, stottert nicht mehr, hat Kraft in den Fäusten und einen bestimmenden Ton in der Stimme. Franz muss in einem Hausflur Schmiere stehen, was er jetzt erst realisiert. (188) Sie werden verfolgt, auf der Flucht sitzt er neben Reinhold, dieser kriegt plötzlich eine Wut auf Franz wegen dessen Einmischung in seine Weibergeschichten; auf ein Zeichen hin fallen sie über Franz her, nach kurzem Kampf fliegt er aus dem fahrenden Wagen und bleibt im Schneetreiben liegen.

Sechstes Buch
(191) Reinhold, irgendwie befreit und vom Schnaps enthemmt (nicht mehr dünner Kaffee und Brause), wirft seine Trude mit Gewalt hinaus, wohl das erste Mal, dass er in dieser Sache Gewalt anwendet und nicht trickst, und geht wieder im besten Tuch auf Brautschau. Seine Kumpanen raten ihm, vorerst unterzutauchen wegen Biberkopfs Verschwinden, er tut es aber nicht. ...
(263) Franz ermannt sich (Soldat!) und sucht Reinhold auf. Dieser erschrickt zunächst, spürt dann aber Franz' Angst und fängt an sich über dessen Armstumpf lustig zu machen.
(267) Zuhause merkt Franz, was schief gelaufen ist, er reißt sich zusammen und geht am selben Abend noch mal zu Reinhold. Er hat jetzt keine Angst mehr, macht Reinhold keine Vorwürfe wegen des Arms, gibt sich selbst die Schuld, sieht sogar eine gewisse Gerechtigkeit in dem, was ihm passiert ist, erzählt ihm von seiner Mieze - und Reinhold durchfährt der Gedanke, Franz endgültig fertig zu machen, indem er ihm die Mieze wegnimmt.

Siebentes Buch
(278) Reinhold und Pums rätseln darüber, warum Franz mitmachen will. Reinholds innerer Monolog - auf die Bußbank mit Franz ...
(292) Reinhold grübelt und eines Tages (3. September) geht er zu Mieze rauf, er hat seine feine Kluft an, sie weiß nicht, was er will, er horcht sie aus: Was weiß sie über ihn? Was hat Franz erzählt? ...
(309) Am Samstag (1.Sept.) treffen sie sich wieder, weil's so schön war, im Wald macht sich Reinhold mehrfach an die Mieze ran (Amboss-Tätowierung auf der Brust) ...

Neuntes Buch
(371) Der Erzähler berichtet, wie es unterdessen mit Reinhold weitergegangen war: Er hatte sich mit einem falschen Pass bei einem Raubüberfall festnehmen und zu vier Jahren verurteilen lassen. So war er vorerst in Sicherheit. Ein Mitgefangener aber kannte den ehemaligen Pass-Besitzer, bemerkt den Schwindel und erpresst ihn. Reinhold lässt sich mit einem Jungen ein, der demnächst aus dem Gefängnis entlassen wird, dem erzählt er in einer "trübseligen Stunde" seine Geschichte. Der wiederum, sobald er draußen ist, erzählt die Geschichte einem anderen, der damit zur Polizei geht und sich die Belohnung im Mordfall Mieze verdient. Reinhold kommt nach Moabit, wo er auf seinen Prozess wartet.

Die Zusammenführung der beiden zunächst getrennt durchgeführten Personencharakteristiken könnte mit Hilfe eines Diagramms erfolgen. Hierzu mein Vorschlag: Die jeweiligen Arbeitsgruppen zu FRANZ und REINHOLD werden geteilt und über Kreuz neu zusammengesetzt. In dieser neuen Zusammensetzung sollen sie die nächste Aufgabe bearbeiten.

Zentrale für Unterrichtsmedien (ZUM e.V.) - Klaus Dautel 2000 (cc)

Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
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