Produktive Schreibanlässe im Literaturunterricht
Eine erweiterbare Ideen- Sammlung

Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W. (1968)

© K. Dautel

Edgars Beerdigung

Stellen wir uns vor:

  1. Verschiedene Gäste und Grabredner sind geladen und aufgefordert, Reden zu halten. Jeder verfasst hierzu ein Manuskript. Was könnte darauf stehen? Beachte dabei
    Beachte auch, dass Anfang und Schluss ebenso wie der Stil solcher Reden dem Anlass angemessen sein sollten: Anrede der Trauergäste - nichts Schlechtes über den Toten - Würdigung seiner Eigenschaften und Verdienste - Erinnerung an gemeinsame Stunden - Versprechen ewigen Angedenkens ...

  2. Als Redner sind also geladen:

  3. Auch Willi ist unter den Anwesenden. Wie er nun an dem Grab steht, fühlt er sich ein wenig verloren und deplatziert inmitten der offiziellen Trauergemeinde. Er denkt an Edgar und fühlt sich verantwortlich, weil er ihn in der Laube allen gelassen hat. Er spricht mit ihm, als ob dieser ihn hören könnte, etwa so: "Mensch, Ed, das mit der Laube - das war wohl nicht die beste Idee. Wenn ich gewusst hätte ..."
  4. Edgar sieht dieser Trauerfeier von "über dem Jordan herüber" zu. Er beobachtet und kommentiert den Aufmarsch der Gäste, ihre Haltung, ihre Kleidung, die Mitbringsel usw. Er ist selbst gespannt, was jetzt alles zu diesem Anlasse gesagt werden wird und äußert schon ein paar Vermutungen hierüber ... bis es dann endlich losgeht.
  5. Arbeitsanweisung: Bereitet in eurer Gruppe eine solche Rede bzw. inneren Monolog vor und entscheidet, wer ihn vortragen soll und wie.

  6. Jetzt ist alles vorbei! Zwei Tage später erscheint im Zentral-Organ der Freien Deutschen Jugend (FDJ) ein Nachruf auf Edgar Wibeau, den jungen und hoffnungsvollen Neuerer aus Mittenberg, der die Arbeiter- und Bauernrepublik fast um eine geniale Erfindung reicher gemacht hätte und das Zeug dazu hatte, einmal als "Held der sozialistischen Arbeit" einen Orden aus den Händen des Bezirksparteisekretärs entgegennehmen zu können.

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