Alfred Andersch

Sansibar oder der letzte Grund (v. 1957)

Ort: Rerik, eine Stadt an der Ostsee
Zeit: ein Nachmittag und eine Nacht im Oktober 1937 (Donnerstag auf Freitag)
Personen: Junge, Gregor, Knudsen (und Bertha), Judith, Helander, der Wirt und die Anderen

Einleitung (Vorstellung von Ort, Zeit, Personen und Thematik)
-> Annäherung an den "Schauplatz eine Drohung"
-> von halb drei bis drei Uhr

1. Der Junge: Er will weg, aber auch irgendwo ankommen.

2. Gregor: Ein Mann radelt in Richtung einer Stadt an der Ostsee und stellt sich vor, wie der Vorhang sich öffnet und eine Landschaft tut sich auf. Aber er ist bedroht, nähert sich dem "Schauplatz einer Drohung", weswegen sich die Landschaft ihm verschliet. In Rerik warten die Genossen.

3. Junge: Abhauen, weil nichts los ist in Rerik. Er liest Huckleberyy Finn, sein Vorbild, auch der ist abgehauen, auf den Mississippi - "ich bin kein kleiner Junge mehr".

4. Helander: Der Pfarrer von Rerik, ein Mann mit schmerzender Beinprothese - wo er wohnt - wo seine Familie herkommt - wie er sich in diesem Lande fühlt - und wer ihm helfen könnte: Knudsen! (Wer?Wobei?Warum?)

5. Junge: Der zweite Grund abzuhauen: Weil SIE seinen Vater, der auf offener See umkam, nicht akzeptierten. War er ein Säufer?

6. Knudsen: Fischer, verheiratet mit Bertha, die als geistesgestört gilt, weil sie immer denselben Witz erzählt, und möglicherweise abgeholt werden könnte. Knudsen ist noch nicht ausgefahren, so wie die andern, weil der Instrukteur von der Partei ihn treffen will. K. ist der letzte Genosse in Rerik, und auch er sieht keinen Sinn mehr. Er will nur ausfahren und fischen.

7. Junge: Warum hatte sein Vater getrunken?

8. Judith: Judith Levin kommt mit dem Zug an, mietet sich im Gasthaus ein, gibt vor, sich für Kirchen zu interessieren, wartet aber auf eine auslaufendes Fluchtschiff. Die Mutter, gelähmt, hat gerade heute Selbstmord begangen (Gift) um der Tochter die Flucht zu ermöglichen.

9. Junge: Jetzt Knudsens Schiffsjunge, der eines Tages ein eigenes Boot haben möchte, um damit, wie sein Vater in die offene See zu fahren, nicht an der Küste entlang.

10. Gregor: Gregor "bestaunt" die Stadt, wie sie nun vor ihm liegt. Es würde schwer sein, mit den Genossen hier zu sprechen. Die Türme der Stadt sehen bedrohlich aus, sie sehen alles: "Auch einen Verrat." - Gregor erinnert sich an Tarasovka, eine Stadt in Russland, die er als Teilnehmer eines Manövers in der Roten Armee miterobert hatte: Damals begann der Verrat, Gregor bemerkte, dass ihm die Partei und deren Auftrag eigentlich egal war. Er war nicht mehr bei der Sache gewesen, dem Sieg, sondern überwältigt von einer Nebensache, dem goldenen Glanz einer Stadt am Meer.

11.

Scheitern verschiedener Pläne -> von halb vier bis halb fünf
-> Partei-Verrat, Abhauen, überwintern, Leben ohne Auftrag?
12. Helander - Knudsen: H. spricht K. im Hafen an, ob er eine Holzfigur, den lesenden Klosterschüler von einem Künstler, der jetzt Arbeitsverbot hat, nach Schweden in Sicherheit bringen kann, bevor die Anderen ihn holen und "magazinieren". K., einigermaen erstaunt über dieses Ansinnen, lehnt ab.

13. über das älterwerden

14. Judith: Der Wirt will doch noch den Pass sehen, Vorschrift. Sie will es aber vermeiden, denn sie hat den Namen Leffin angegeben. Sie beobachtet, wie endlich ein Schiff in den Hafen einläuft, ein Schwede.

15. Der Junge, bald 16, grübelt weiter über den Vater und dessen Ausbrüche nach. Er will auch auf einem richtigen Frachter anheuern, nicht auf einem Küstenschipper.

16. Gregor stellt sein Fahrrad an der Kirche ab und betritt dieselbe, aber der Genosse aus Rerik ist nicht da. Er ist nicht unglücklich darüber: "ich steige aus" (37). Er will keine Aufträge mehr ausführen, an dier er nicht mehr glaubt, aber kann man ohne Auftrag leben? Da entdeckt er die Holzfigur und jetzt sieht er nicht ohne Neid einen,"der ohne Auftrag lebt".

17.

18. Knudsen - Gregor treffen sich in der Kirche (16.30), sie belauern sich (ständige Perspektivenwechsel) beurteilen sich, offenbaren sich schlielich (kneifen): Die Partei ist am Ende, überstehen ist alles, Gregor will abhauen, nimmt Knudsen ihn mit.

19.

Private Aktion "Lesender Klosterschüler" - Entscheidungen
-> Das "Netz der Beziehungen" wird ausgeworfen
-> von fünf bis 11 Uhr nachts
20. Helander - Knudsen - Gregor: Helander tritt hinzu, sein Beinstumpf schmerzt, die Wunde könnte aufbrechen, Gott wird ihm nichthelfen. Knudsen weigert sich noch einmal, den KS wegzubringen. Gregor bittet ihn, befiehlt ihm (im Namen der Partei und ihrer neuen Bündnis-Taktik). Knudsen bleibt stur. Gregor entwirft einen Plan und lässt sich den Schlüssel für die Kirche geben.

21.

22. Judith - Gregor - Knudsen: Am Hafen ist Betrieb, der Schwede hat angelegt. Judith beobachtet das Schiff, Gregor beobachtet Judith, Knudsen beobachtet Gregor.

23.

24. Judith lässt sich in der Kneipe von einem schwedischen Steuermann zu einem Wiskey auf das Schiff einladen, geht mit, sehr zum ärger des Wirtes, es kommt fast zu einer Schlägerei, auf dem Schiff aber findet er keinen Alkohol, fühlt sich blamiert und Judith rennt vom Schiff.

25. Junge zieht sich in sein Versteck zurück und studiert eine Landkarte: Bruch mit der Buch-Welt, Erwachsenwerden, Entdeckung von Sansibar, dem Symbol der Ferne, der Bestätigung und Herausforderung.

Fluchtvorbereitungen -> zwischen elf und ein Uhr

26. Gregor - Knudsen: Kurz vor 11, K. ist doch nicht ausgefahren. Gregor verlässt die Kneipe nd sucht K. auf, dieser hat einen Ablaufplan für die Nacht schon fertig. Es soll seine letzte Aktion für die Partei sein. Gregor sagt nicht, dass da auch noch ein jüdisches Mädchen ist, das er mitbringen wird.

27. Der Junge "spürte, dass etwas vorging".

37. Junge: Der Junge entdeckt "seinen Wald" und eine bewohnbare Hütte (Styga) am See in Schweden bei Skilling und kehrt dennoch auf das Boot zurück. Warum?

*** *** ***

Die drei Gründe fürs Abhauen:
1. Weil in Rerik nichts los ist (3)
2. Weil er diejenigen hasst, die seinen Vater nicht begreifen (5)
3. ???


Klaus Dautel, 2002