Alfred Andersch

"SANSIBAR" - die Erwachsenen und der Junge

Die Geraden und die Ungeraden

2. Gregor: Ein Mann radelt in Richtung einer Stadt an der Ostsee - der Vorhang öffnet sich und eine Landschaft tut sich auf - aber: "Schauplatz einer Drohung".

4. Helander: Der Pfarrer von Rerik, ein Mann mit schmerzender Beinprothese, braucht Hilfe von Knudsen.

6. Knudsen (drei Uhr), Fischer, verheiratet mit geistesgestörten Bertha, fährt heute nicht so wie die anderen aus, um den Dorsch zu fangen.

8. Judith Levin, Jüdin aus gutem Hamburger Hause, kommt mit dem Zug in Rerik an: Sie ist auf der Flucht.

10. Gregor: Die Türme von Rerik sehen bedrohlich aus, sie sehen alles: "Auch einen Verrat." - Erinnerung an Tarasovka, eine Stadt in Russland, die er als Teilnehmer eines Manövers in der Roten Armee erobert hatte: Damals begann der Verrat ...

12. Helander - Knudsen (halb vier): H. spricht K. im Hafen an, ob er den "lesenden Klosterschüler" eines Künstlers, der jetzt Arbeitsverbot hat, nach Schweden in Sicherheit bringen kann. (vier Uhr)

14. Judith: Der Wirt will den Pass sehen. Ein Schiff fährt in den Hafen ein, ein Schwede.

16. Gregor in der Kirche. Er entdeckt die Holzfigur und sieht darin einen, der "ohne Auftrag lebt".

18. Knudsen - Gregor (kurz nach vier) treffen sich in der Kirche, sie belauern sich (Perspektivenwechsel) beurteilen sich, offenbaren sich schließlich: Die Partei ist am Ende, überstehen (Knudsen) oder abhauen (Gregor)?

20. Helander - Knudsen - Gregor: Helander tritt hinzu, sein Beinstumpf schmerzt, Gott wird ihm nicht helfen. Knudsen weigert sich noch einmal, den Holzgötzen wegzubringen. Gregor befiehlt es ihm im Namen der neuen Partei-Taktik.

22. Judith - Gregor - Knudsen: Der Schwede hat angelegt. Judith beobachtet das Schiff, Gregor beobachtet Judith, Knudsen beobachtet Gregor.

24. Judith geht mit dem schwedischen Steuermann auf das Schiff.

26. Gregor - Knudsen (kurz vor elf) Gregor sucht K. auf, dieser hat einen Plan für die Nacht fertig - seine letzte Aktion für die Partei. Gregor sagt nicht, dass da auch noch ein jüdisches Mädchen ist.

28. Helander soll noch heute Nacht nach Rostock gefahren werden, es steht schlecht um ihn: Gott hat sich zurückgezogen, den Anderen das Feld geräumt. Helanders Dilemma: Flüchten oder standhalten?

30. Judith - Gregor - Helander: Gregor spricht Judith an. In der Kirche kommt Helander hinzu, der Klosterschüler wird mitgenommen, Helander, mit großen Schmerzen, bleibt zurück.

32. Judith - Gregor (halb eins): Fahrt über das Haff. Das Polizeiboot kommt, doch plötzlich geht das Licht aus ("Zufall"). - Eine spannende Stelle: Eine Vorlese-Stelle!

34. Knudsen - Gregor - Judith (gegen zwei Uhr) Ankunft. Der Kampf. Abfahrt ohne Gregor.

36. Helander (gegen vier Uhr morgens) wacht auf aus trostlosen Träumen. Er will ihn "züchtigen", den "deus absconditus", der all dies zulässt und nie ein Zeichen gab. Helanders Ende.

1. Der Junge: Er will weg.

3. Abhauen, weil nichts los ist in Rerik. Er liest Hucklebery Finn, sein Vorbild, auch der ist abgehauen, auf den Mississippi - "ich bin kein kleiner Junge mehr".

5. Der zweite Grund abzuhauen: Weil sie seinen Vater, der auf offener See umkam, nicht akzeptierten . War er ein Säufer?

7. Warum hatte sein Vater getrunken?

9. Jetzt ist er Knudsens Schiffsjunge, der eines Tages ein eigenes Boot haben möchte, um damit wie sein Vater in die offene See zu stechen, nicht wie Knudsen an der Küste entlang zu schippern.

11. "Spielend würd ich den Kutter über die Ostsee bringen."

13. "Ich werde anders sein als sie, dachte er, wenn ich einmal erwachsen bin.(...) Es konnte doch nicht immer so weitergehen, dass man nur noch ein paar Redensarten hatte, wenn man älter wurde..."

15. Der Junge, bald 16, grübelt weiter über den Vater und dessen Ausbrüche nach. Er will auch auf einem richtigen Frachter anheuern, nicht auf einem Küstenschipper.

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25. Er zieht sich in sein Versteck zurück und studiert eine Landkarte: Bruch mit der Bücherwelt, Erwachsenwerden, Entdeckung von Sansibar, dem Symbol der Ferne, der Bestätigung und Herausforderung (dritter Grund).

27. Der Junge "spürte, dass etwas vorging".

29. "... und plötzlich dachte der Junge: dann stimmen die Bücher ja doch noch, ... Toll, dachte der Junge, und so was machte Knudsen."

31. Er steigt ins Beiboot und rudert über das Haff.

33. "Ich werde doch noch Knudsen fragen müssen, dachte der Junge, warum ..."

35. Ein Gespräch über den Klosterbruder.
Der Junge ist fest entschlossen, diese Gelegenheit zu nutzen um abzuhauen. Aber Knudsen kann nicht alleine nach Rerik zurückkehren ohne sich verdächtig zu machen.

37. Der Junge entdeckt in Schweden "seinen Wald" und eine bewohnbare Hütte am See. Dennoch kehrt er zu Knudsen zurück.


Klaus Dautel, 2002

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