Matthias Claudius (1740 - 1815)


Am 15. August 1740 ist Matthias Claudius in Reinfeld bei Lübeck geboren und am 21. Januar 1815 als Bankrevisor in Hamburg gestorben.

Tod und Geburt waren Matthias Claudius, der elf Kinder hatte, gewohnte Begleiter. 1751 starben drei Geschwister innerhalb eines Jahres, sein Bruder Josias während des Studiums in Jena 1760, 1766 die Schwester Dorothea Christine, 1773 der Vater, 1772 - sieben Monate nach seiner Hochzeit mit der achtzehnjährigen Anna Rebecca Behn - das nur wenige Stunden alte erste Kind. 1780 stirbt Claudius' Mutter, 1788 im Alter von zwei Jahren der zweite Sohn Matthias, 1796 die Tochter Christiane Marie Auguste.

Nach dem Besuch der Lateinschule in Plön, dem Studium in Jena (bis 1762) und einer Reihe von Anstellungen im Staatsdienst (1764 / 65 Sekretär des Grafen Holstein in Kopenhagen) oder als Herausgeber in Hamburg, Wandsbek und Darmstadt bekam Claudius 1785 vom dänischen Kronprinzen eine Pension ausgesetzt und 1788 eine Sinecure-Stelle als Erster Revisor der Altonaer Species-Bank.

Von 1771 - 1775 gab Claudius den "Wandsbeker Boten" heraus, eine Zeitschrift zur religiösen Erbauung und Aufklärung der einfachen Leute. Mit dieser Zeitschrift hatte Claudius auch bei Herder, Klopstock und Lessing Anklang gefunden.

Claudius trat gegen den vorherrschenden Rationalismus (und auch gegen die Klassik) ein, indem er Naturfrömmigkeit und eine gleichermaßen empfindsame und nüchterne christliche Religiosität literarisch geltend zu machen versuchte. Die Freundschaft mit den Philosophen Hamann (Briefwechsel seit 1774) und Jacobi (Begegnung in Weimar 1784, gemeinsame Reise durch Holstein 1788, 1794 Nachbarn in Wandsbek, 1798 Heirat der Tochter Anna Friederike Petrine mit Friedrich Heinrich Jacobis Sohn Max) kam so nicht von ungefähr. Hinter dem Eindruck der Kindlichkeit und naiven Frömmigkeit steht eine bewußte Entscheidung, die Grenzen des menschlichen Verstandes zu achten und sich von der Hybris und der Widersprüchlichkeit der Aufklärung nicht verblenden zu lassen. Diese Haltung führte Claudius auch in Konflikte mit politisch-publizistischem Charakter, zum Beispiel mit dem dänischen königlichen Plöner Amtsverwalter August von Hennings, der seine Zeitschrift "Genius der Zeit" zur Erwiderung nutzte.

Durch seine Einstellung kam Claudius später natürlicherweise auch in eine teilnehmende Nähe zu den Romantikern, wie sich am Beispiel der Mitarbeit an Friedrich Schlegels "Deutschem Museum" 1812 zeigen läßt.

Seine Werke gab Claudius in acht Teilen von 1775 bis 1812 heraus unter dem Titel "Asmus omnia sua Secum portans, oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen" (Asmus, alles Seinige mit sich tragend bzw. bringend). Neben weiteren Einzelschriften sind Übersetzungen Claudius' aus dem Englischen und Französischen erwähnenswert (Saint Martin, Fenelon).


Werke, hrsg. von Bruno Adler, 3 Bde. Weimar 1924
Asmus, omnia sua secum portans, oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten, hrsg. von Urban Roedl [d. i. Bruno Adler], Stuttgart 1954
Sämtliche Werke, hrsg. von Jost Perfahl, Wolfgang Pfeiffer-Belli und Hansjörg Platschek, München 1968


Peter Berglar - Matthias Claudius, Reinbek 1972

© Hans-Heinrich Fortmann

Zur Deutschseite Zur Deutschseite
Zu August von Henning Zu August von Hennings
Zur Hauptseite Zur Hauptseite