Einige Einzelheiten aus der Plöner Zeit
August von Hennings

Aus der Literatur zusammengetragen von Hans-Heinrich Fortmann
Fassung 1.2 (Oktober 1998)


Albrecht Schöne konnte sich in seiner Neuedition von Goethes "Faust" (Bibliothek Deutscher Klassiker Band 114/2 Kommentare, Frankfurt 1994, S. 365) nicht entbrechen, Hennings mit den Worten "belangloser Literat" zu desavouieren, ohne irgendwelche Gründe für sein Verdikt zu geben. (Hatte er vielleicht keine Lust mehr zur Recherche?) Zum Nachweis, daß von Belanglosigkeit nicht die Rede sein kann, geben wir hier eine detailliertere Darstellung des zeitgeschichtlich doch recht interessanten Mannes. Benutzt werden hierzu vor allem zwei Werke:

Bemerkungen zu August von Hennings nach:
Friedrich Stender und Hans-Joachim Freytag -
"Geschichte der Stadt Plön"
Plön : Sönksen, 1986

Seite 135 ff: (Siehe unten unter Punkt 1 und 4)

Informationen zu Hennings nach:
Kinder- "Urkundenbuch zur Chronik der Stadt Plön"
[Plön 1890]
Neudruck: Verlag Bernd Schramm, Kiel 1977

Seite 368 ff (Siehe unten unter Punkt 2)
Seite 538 f (Siehe unten unter Punkt 3 und 4)



Inhalt:

1. Informationen zum Amt von Hennings nach Stender, Freytag: Amtmann August von Hennings in Plön - 1787-1807
2. Streitigkeiten um Hennings
3. Nach Stender, Freytag und Kinder: August von Hennings und die Aufklärung in Plön
4. Französische Emigranten in Plön 1792 bis 1800
5. Texte aus dem "Genius der Zeit"'





1. Amtmann August von Hennings in Plön - 1787-1807

Stender und Freytag berichten, nach dem Tode des Herzogs Friedrich Carl am 18. Oktober 1761 sei das Herzogtum Plön mit dem königlichen Anteil von Holstein vereinigt worden.
Die Regierung sei 1762 nach Glückstadt verlegt worden, wo schon seit 1648 die Regierungs- und Justizkanzlei für die königlichen Anteile von Schleswig und Holstein, seit 1721 nur noch für Holstein, ihren Sitz gehabt habe. Zu ihrem Bereich gehörten die ehemaligen Ämter Plön, Ahrensbök, Reinfeld, Rethwisch und Travental.
Königliche Amtmänner standen jeweils an der Spitze der Verwaltung eines Amtes. Ein Landgericht in Plön war für die fünf Ämter zusammen zuständig. Der Amtmann August von Hennings war 1786 nach Plön versetzt worden und leitete auch das Amt Ahrensbök. "Sowohl im politischen wie im literarischen Leben seiner Zeit spielte er eine bedeutende Rolle. Zu der neuen Stellung Hennings' meinte ein Zeitgenosse, die Amtmänner hätten wie kleine Könige in ihren Ämtern geherrscht; sie stünden im Range eines Generals und bezogen hohe Gehälter."
Stender und Freytag berichten, Hennings sei mit seiner Versetzung von Kopenhagen nach Plön unzufrieden gewesen, da sie für ihn "nach einer glänzend begonnenen Karriere im dänischen Staatsdienst das Abschieben auf ein totes Gleis" bedeutet habe.

Als Freund Ernst Schimmelmanns war von Hennings noch unter der Herrschaft Struensees Archivsekretär der Deutschen Kammer in Kopenhagen geworden.
Weitere Stationen seiner Karrriere:
Herbst 1772: Hennings wird mit 27 Jahren Legationssekretär bei der dänischen Gesandtschaft in Berlin.
1775-1776: Stellvertretender Gesandter und Geschäftsträger am kursächsischen Hof in Dresden.
Dezember 1776: Mitglied im Wirtschafts- und Handelskollegium mit dem Titel wirklicher Justizrat.
1779: Staatsrat.
1782 Mitglied der Landesfabrikdirektion.
1784 Mitglied der Hafenkommission.
1783 Kammerherr.
Wegen von Hennings "extremen religiösen und politischen Auffassungen, durch die er sich viele Gegner geschaffen hatte" sei von Hennings Karriere aber dann ins Stocken geraten. Stender und Freytag sprechen zur Begründung von Hennings Begeisterung für Rousseau an, außerdem war von Hennings mit Moses Mendelssohn befreundet, der Lessing zur Figur des Nathan in "Nathan der Weise" angeregt hatte. Auch habe die Begegnung mit Friedrich dem Großen in Berlin von Hennings zum stürmischen Verfechter der Aufklärung gemacht.
Stender und Freytag beurteilen von Hennings Amt in Plön als "Entfernung aus der aktiven Politik und aus führenden Positionen" - was in Anbetracht der Bedeutung der Stellung etwas übertrieben zu sein scheint, aber wohl mit von Hennings eigenem Empfinden übereinstimmt. Die Begriffe Verbitterung und Distanz, ja "Gegensatz zu Kirche und Aristokratie" treffen sicherlich manche von von Hennings Reaktionen, wobei unser Urteil aber auch von den über Hennings urteilenden Zeitgenossen und Gegner abhängt. Insbesondere die Gegnerschaft Matthias Claudius' ist ja bekannt geworden. Wenn man aus einer Bekanntschaft mit Moses Mendelssohn aber von Hennings Außenseiterstellung herleiten will, muß man wissen, daß die Wertschätzung Moses Mendelssohns in anderen Gegenden Deutschlands nicht einmal kirchlichen Würdenträgern wie dem Prälaten Johann Peter Hebel schadeten, dessen Zeitschrift "Rheinischer Hausfreund" in einigen Zügen durchaus fruchtbringend mit dem "Genius der Zeit" vergleichen ließe. Mendelssohn war schlichtweg eine berühmte Person der Zeitgeschichte.
Schwierigkeiten hatte von Hennings aber nicht nur mit auswärtigen Gegnern: Er fand auch zur Bevölkerung in Plön nur wenig Kontakt, so daß sie ihm kein Rückhalt sein konnte. Von einer Vereinsamung von Hennings zu sprechen ist aber bei seinen vielfätigen Kontakten zu Freunden und Bekannten - unter anderem in Eutin (vergleiche unten) sicherlich nicht richtig.

Von Hennings setzte sich zwar in vielen Schriften, für die Ideale der Französischen Revolution, also auch für Freiheit und Gleichheit ein, dennoch können Stender und Freytag zu dem Urteil kommen, daß von Hennings "Handwerker und Kaufleute in der Stadt als gemeines Volk" betrachtet habe. "Er erwartete als Oberbeamter, schon wegen seiner langen Dienstjahre, daß man ihm patriarchalische Achtung und Liebe entgegenbrächte. Man darf ihm zwar glauben, wenn er 1802 schreibt: "Ich habe nichts gesucht, als Recht zu tun und den Leuten zu dienen." Aus der Sicht der Plöner Bürger aber schien er äußerst kleinlich und streitsüchtig."
Von von Hennings Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen in Not gibt er aber selbst in seiner Zeitschrift Ausdruck. (Vergleiche: Menschliches Elend). Wenngleich man in diesen Ausführungen auch etwas wie ein Eigenlob sehen mag, die mitleidige Empfindung wird man von Hennings dennoch nicht absprechen können.
Die Feindseligkeiten, denen von Hennings ausgesetzt war gingen anscheinend eher von der Stadt als vom Land aus und könnten vielleicht auch der dänischen Verwaltung überhaupt gegolten haben, also mehr dem Amt als der Person. Dafür spricht auch, daß es in dem von Stender und Freytag herangezogenen Beispiel um Freiheitsrechte geht:

2. Streitigkeiten um Hennings

Stender und Freytag stellen einen Fall dar, an dem sich die Streitigkeiten zwischen dem Amtmann und der Bürgerschaft exemplarisch belegen lassen. Wir erkennen daraus übrigens auch, in welcher Weise die Vollmachten des Amtmanns in der Altstadt, die seit 1236 eine eigene Gerichtsbarkeit besaß, beschränkt waren.
Kinder (Urkundenbuch zur Chronik der Stadt Plön) berichtet auf Seite 368 ff über die Schützengilde:

"Im Jahre 1799 endlich wurde auf einem Bürgerrechtstage beschlossen, die Gildestatuten zu reformiren und wiederum ein Schießfest abzuhalten. Mit großer Bereitwilligkeit ließen sich über 100 Personen in die Schützenrolle eintragen. Auch aus der Neustadt wurden Mitglieder angenommen. Der Apotheker Hartmann"
[der übrigens auch maßgebend unter den Bürgern war, die sich gegen die Auflösung der Johanniskirchengemeinde und gegen den von Hennings betriebenen Abriß der leicht reparaturbedürftigen Johanniskirche wandten]
"wurde zum Fähndrich ernannt und den Kammerherrn von Hennings ersuchte man, anstatt des fehlenden Königs den Ausmarsch mitzumachen. Graf Carl von Baudissin auf Rantzau lieh einige Kanonen zum Feste her. Bei der Beratung der Statuten kam es jedoch zum Zerwürfnis mit dem Kammerherrn von Hennings und einige Tage vor dem Feste verbot dieser nicht nur den Neustädtern die Teilnahme am Vogelschießen, sondern nahm auch die Fahne, welche der Apotheker Hartmann schon in seinem Hause" [dem heutigen Museum, zwischen Alt- und Neustadt gelegen] "hatte, in Beschlag. Nichtsdestoweniger fand das Schießen Statt. [Sic !] Die Stelle des Königs vertrat der Bürgermeister Langthim. Ein Einwohner der Neustadt, welcher des Verbots ungeachtet sich beteiligt hatte, wurde Schützenkönig. Die Schützenkönige gaben früher ein Königsessen in ihren Häusern. Als nun die Offiziere der Gilde mit der Musik im Hause des neuen Königs versammelt waren, ließ der Kammerherr von Hennings das Militär unter Waffen treten und untersagte das Königsessen. Die Musik mußte sich in die Altstadt zurückziehen. In einem Schreiben, welches seinem merkwürdigen Inhalts wegen hier seine Stelle finden darf, rechtfertigte der Kammerherr dem Magistrat gegenüber seine Anordnungen. Der Brief lautete:

Als die Wiedereinrichtung der Plöner Schützengilde zuerst bei mir in Anrege gebracht ward, glaubte ich, daß die Beliebungen wegen einer an mehreren Orten gewöhnlichen Innung in gehöriger Form nach vorgängiger Übereinstimmung unter den beiden Plöner Kommünen der obrigkeitlichen Sanktion gehörig vorgelegt und so mit reifer Überlegung Bestand erhalten würden. Zu dem Ende habe ich bei der ersten mir deshalb geschehenen Eröffnung dem hiesigen Beamten (Amtsverwalter Franzius) aufgetragen, unter Zuziehung der Neustädter Deputirten mit einigen Mitgliedern der Altstadt zusammen zu treten und die vorläufigen Punkte zu reguliren. Ich erwartete, über die entworfenen Beliebungen einen ausführlichen Bericht zu meiner Genehmigung zu erhalten, und würde, wenn eine gleiche abseiten eines wohllöblichen Magistrats erfolgt sein würde, darauf bestanden sein, daß das ganze Vorhaben einer Durchlauchtigsten Statthalterschaft einberichtet und höhere Sanktion erbeten worden wäre. Anstatt dieses einzig bei einer Korporation, bei bewaffneten, organisirten und öffentlichen Aufzügen zulässigen Verfahrens hat der Erfolg bewiesen, daß von der Gilde selbst alles eigenmächtig beschlossen undüber obrigkeitliche und Rangspersonen nach ihrer Willkür disponirt, sowie auch die öffentlichen Aufzüge beliebet worden sind. Unmöglich konnte ich erwarten,daß auf diese Art alles ohne eine Vorfrage bei mir beschlossen und sowohl dasjenige, was die Kommüne-Gerechtsame der Neustadt, als was die Polizei-aufsicht betrifft, ohne mein Vorwissen entschieden werden würde. Ein solches Verfahren, bei dem dasjenige bei Seite gesetzt, was die gute Ordnung erfordert, und Grundsätze angenommen oder Reden geführt sind, welche ich nicht billige, kann ich nicht anders als tumultuarisch ansehen.
Es ist unnötig in das Detail der eingetretenen Irregularitäten hinein zu gehen, da die Unzulässigkeit des ganzen Benehmens an sich einleuchtend ist und nicht geduldet werden kann. Ich bin dadurch genug begründet, darauf zu bestehen, daß alles, was verhandelt und beschlossen worden, für null und nichtig gehalten und die Absicht, die Schützengilde wieder herzustellen, woran die Gerechtsame der Neustadt unbezweifelt sind, in gehöriger und anständiger Form ausgeführt werde, wie ich denn das Geschehene, in so weit es die Neustadt betrifft, als nicht geschehen und illegal ansehe und dafür erkläre.
Außer diesen aus den allgemeinen Begriffen der gesetzlichen Ordnung hergeleiteten Gründen glaube ich einem wohllöblichen Magistrate die besondere Lage der gegenwärtigen Zeiten zu bedenken geben zu müssen. Niemand kann mehr als ich Volkslustbarkeiten zu befördern wünschen und es für nützlich halten, daß Bürger in den Waffen geübt werden, um, wenn das Wohl des Vaterlandes es erfordert, als Verteidiger desselben auftreten zu können. Aber so verworren sind die Begriffe unserer Zeiten, daß selbst die patriotischen Gesinnungen eines redlichen Unterthans und Dieners des Staates der größten Mißstellung ausgesetzt sind, und daß Verläumdungen der Art nicht mehr blos einzelne Personen, sondern ganze Länder treffen und daher zu Kabinettsuneinigkeiten der Regierungen und zu öffentlichem Bruche und Fehden führen. Was könnte nützlicher und von verdachtloseren Männern begonnen sein, als der von dem Herrn General-Superintendenten Adler und dem Herrn Probst Paysel entworfene Plan einer patriotischen Gesellschaft zur Verbesserung der Schulen ? Und hat nicht dieser Entwurf dem unter uns wohnenden Dumouriez Gelegenheit gegeben, Holstein für den Sitz der von Hamburg und Altona aus gestifteten Propaganden-Gesellschaft auszugeben. Ist nicht diese unwahre Behauptung in offiziellen Rapporten wiederholt worden, welche dem englischen Parlament vorgelegt sind; hat man nicht den Einwohnern Holsteins, die ein Muster der Treue und der Ordnungsliebe sind, die empörendsten Gesinnungen beigelegt, behauptet, daß Revolutionsgrundsätze öffentlich gelehrt, französische Nationaluniform getragen und die Grundsätze der Umstürze aller Regierungsformen bis in den entferntesten Norden verbreitet würden ? Hat dieses nicht Seine kaiserliche russische Majestät veranlaßt, der Stadt Hamburg deshalb Vorwürfe zu machen und ihr seinen Unwillen zu zeigen ? Erfordert nun nicht ein trauriger Zeitpunkt, wo die unschuldigsten, ja selbst die gemeinnützigsten Privatunternehmungen solchen Verfälschungen unterworfen sind, und wo Verläumder so viel Gehör finden, abseiten unserer die größte Vorsicht ? Und darf ich es erst sagen, zu welchen Mißdeutungen eine Organisirung eines bewaffneten Bürgerkorps, eine Einführung gewisser Uniformen und Feldzeichen, eine Ansteckung einer ungewühnlichen mehrfarbigen Kokarde, eine Volksdeliberation, ein eigenmächtiges Thun der Bürgerschaft oder die auf die völlige Gleichheit abzielenden Gesinnungen Und Beiseitesetzung alles obrigkeitlichen Ansehens und jeglichen Standesunterschiedes, die wahrlich sehr unbefangene und unschuldige Absicht der Errichtung unserer Schützengilde Anlaß geben würde ?
Um hier Mißdeutungen und allen unangenehmen Folgen vorzubeugen, würde ich, den hiesigen Kommünen zum Besten, die ganze Sache der königlichen und deutschen Kanzelei einzuberichten für gerathen und pflichtmäßig halten, falls nicht der wohllöbliche Magistrat mit mir dahin einstimmen sollte, daß um sicher und ordentlich zu verfahren, alles bisherige aufgehoben und die Sache, so wie ich im Eingange dieses Briefes gesagt, eingeleitet werde.
Plöner Amtshaus, den 2. August 1799
A. v. Hennings
Hierauf erfolgten Berichte und Gegenberichte an den Statthalter Prinz C. von Hessen, bis endlich am 21. April 1800 dem Amtmann von Hennings die Auslieferung der Fahne an den Magistrat anbefohlen wurde. Gleichzeitig wurde aber auch die Plöner Schützengilde, weil deren Statuten nicht bestätigt seien, für aufgehoben erklärt."

Später einigte man sich wohl auf der Grundlage älterer Statuten aus dem Jahre 1703.

Neben dem Eintreten für die Rechte der Neustadt meint man dem Schreiben gekränkte Eitelkeit entnehmen zu können. Wichtiger ist jedoch wohl das erkennbare Bemühen, die hierarchische Verwaltungsgliederung und damit auch die Durchsetzung der dänischen Amtsgewalt zu sichern.

Es gab aber neben diesen, was das Ergebnis anbelangt, heute eher formalistisch anmutenden Streitigkeiten auch handfestere: In der Kasse des unter Hennings Aufsicht stehenden Magistrats fehlten 1791 beim Tod des zweiten Bürgermeisters Lange 1497 Taler. Der Ertrag des Konkursverfahrens über dessen Nachlaß reichte nicht aus und so mußte der Restbetrag von dem ersten Bürgermeister Brünner und anderen Mitgliedern aus eigener Tasche ersetzt werden. Da außerdem 181 Taler Steuergelder unterschlagen worden waren, wurde ihre Bitte, daß die königliche Kasse einen Teil davon mittragen möchte abschlägig beschieden.
Wegen derartiger Begebenheiten wurde v. Hennings der Plöner Bevölkerung gegenüber immer gereizter und abgeneigter.
1802 schrieb er seiner Frau: "Habe wahrlich nie so erbärmliche Menschen gefunden als in Plön, nie solche Geistesleere." Außerdem kann man lesen: "In Ansehung meiner ist man völlig einig, daß der Magistrat in Plön aus Betrügern besteht, daß die Subalternen insolent sind, daß man dort auf nichts, nicht auf Vorgesetzte, auf redliche Absichten, auf Alter, auf gesellige Verträglichkeit usw. Rücksicht nimmt; daß nur Habsucht und Eigendünkel die Menschen regieren, daß mein Wunsch, von Plön wegzukommen, natürlich ist..."

Trotz derartiger Streitigkeiten fand von Hennings viele Gelegenheiten, seine Gedanken zu veröffentlichen.
Fünf Jahre nach Antritt seines Dienstes in Plön erschien 1792 die Schrift "Wider den Adelsgeist": Den Adel nennt er den "unermüdeten Empörer gegen den Regenten und die Geißel des unteren Standes". Es gelte, ihn abzuschaffen. "Wenn eine Nation von einem weisen Regenten mit dem Zügel der Aufklärung gelenkt wird, dann sind alle Ketten, dann ist jedes Joch, jeder Druck zerbrochen."

Die Herausgabe mehrer Zeitschriften führte zur Verbreitung seiner Gedanken. 1792 erschien zunächst das "Schleswigsche Journal". Nachdem dessen Verbot, folgte der "Genius der Zeit" mit 21 Bänden von 1794 bis 1800. Ein Beiheft des "Genius" war der "Musaget" (Musenführer, sechs Teile).
1795 bis 1801 erschienen die "Annalen der leidenden Menschheit".
Sodann von 1801 bis 1802 der "Genius des 19. Jahrhunderts".
Die literarische Angriffslust Hennings', findet neben freundlicher Aufnahme auch Gegnerschaft, deren berühmteste Resonanz ihm die Erwähnung in Goethes "Faust" einträgt. Die Xenien Goethes und Schillers hatte er den "verwilderten Genius unserer Zeit" genannt.
Weitere Werke siehe unten.


3. August von Hennings und die Aufklärung in Plön

Stender und Freytag erzählen, daß August von Hennings "nicht allein in seinem Kampf für Fortschritt und Freiheit" gestanden habe. Als Gesinnungsgenosse und Freund wäre Graf Woldemar Friedrich von Schmettow (geboren 1749) zu nennen, der "hochbegabt und gebildet", aber auch "unbesonnen, schroff und leichtfertig" gewesen sein muß. Mit 18 Jahren war er in den diplomatischen Dienst Dänemarks getreten. Zuvor hatte er wegen eines Duells aus der Armee hatte ausscheiden müssen.
Weitere Lebensstationen:
1769 Legationsrat in Madrid,
1771 in Warschau
1772 Gesandter.
Schulden und Unbeherrschtheit verhinderten eine weitere Laufbahn.
1779 Umzug nach Plön zu seinem Vater, Graf Woldemar Hermann von Schmettow. Dieser lebte in Plön als pensionierter dänischer General.
Auch von Schmettow publizierte historische und aktuelle Schriften, die Anhänger und heftige Gegnerschaft hervorriefen. In seiner Schrift "Patriotische Gedanken eines Dänen" trat er gegen ein großes stehendes Heer ein. Die Belastungen der Bauern seien dadurch zu groß. Auch führe ein stehendes Heer zu leicht zu einer kriegerischen, ja unter Umständen kriegslüsternen Gesinnung. Schmettow wurde -wie von Hennings auch, der aber, darin auch von ideologischen Gegnern wie Stolberg unterstützt, jedes Duell ablehnte- von einem Gegner zum Duell mit Pistolen gefordert. Er starb, bevor sich der Streit klären konnte. Sein Wahlspruch, steht auf einer gebrochenen Marmorsäule, seinem Grabmal, auf dem Plöner Friedhof : Frangor non flektor (Ich werde gebrochen, aber nicht gebeugt).

Weitere Schriften von Schmettows waren z. B. "Über Empfindelei und Kraftgenies, Modevorurteil und Schimpfreden" genannt. Von Schmettow gibt darin seinen freiheitlichen Ansichten Ausdruck und bekennt sich als Gegner von jeglichem Gewissenszwang.

Außer dem Grafen Schmettow und von Hennings gab es noch einige weniger stürmische Vertreter der Aufklärung in Plön. Ich verweise im folgenden auf einige von ihnen in aller Kürze:
Friedrich Bernhard von Wickede, der ein Internat von Lübeck nach Plön gebracht hatte, das im Geiste der Aufklärung geführt wurde.
Unter dem Rektor Bremer (1781 - 1831) wurde 1821 die von Gensch von Breitenau gestiftete Lateinschule zu einer der wenigen Gelehrtenschulen erhoben.
Zu nennen ist auch Pastor Suhr, der alle Äußerlichkeiten und Rituale, wie z. B. Glockengeläut, ablehnte, um dadurch die Reinheit des Glaubens zu erreichen.
Nur die Vernunft und gedankliche Klarheit seien der Weg zu echter Gottesverehrung, so meinte er.
Von Hennings beklagte jedoch auch den Verfall der Religiosität in der Altstadt. Suhr wurden "anstößiger Lebenswandel, Vernachlässigung des Gottesdienstes und des Unterrichts" (Stender, S. 142) vorgehalten.

Zu nennen ist weiter der in Toestrup in Angeln amtsenthobene Pastor Martin Friedrich Lihme, der 1779 nach Plön kam. Zu seinen Schriften gehören:
"Der angenehme Weg zu Gott", eine Predigt (1776),
"Wichtiger Brief an den glücklichen Verfasser der Schrift betitelt: Über Wahrheit, Denken und Lehren" (1777)
Diese Schrift verstieß nach Auffassung des Flensburger Kirchen-Visitatoriums gegen die Grundwahrheit der christlichen Religion.
Nach 1777 erschienen von ihm:
"Der liebenswürdige und glückliche Schullehrer auf dem Lande",
"Die Hoffnung baldiger besserer und froherer Menschen unter dem Monde",
"Erbauungen für Jedermann".
Auch Lihme führte in Plön ein Internat.

Mit Amtmann von Hennings war Lihme offenbar einer Meinung, als es darum ging, die "Eingesessenen" von der Notwendigkeit einer Vereinigung beider Kirchengemeinden und damit eines Abbruchs der Johanniskirche zu überzeugen.
Eine Gruppe von Bürgern der Neustadt unter Führung des Apothekers Hartmann, erreichte aber schließlich, daß die Johanniskirche erhalten blieb.

Auch, wenn Hennings auf viel Widerstand stieß und sein Denken nicht frei von Einseitigkeit war, so kann man folgendem Urteil Christian Degns in seiner "Geschichte Schleswig-Holsteins" (1960) dennoch kaum widersprechen: "Sie waren der Sauerteig, der die Gärung hervorrief. Sie waren nötig, nicht zuletzt der Amtmann von Plön."

Der frühere Plöner Bürgermeister Kinder (1843 - 1914) berichtet in seinem Urkundenbuch aus Wilhelm von Bippens "Eutiner Skizzen" (S. 538 f):
"In Plön wohnte auch der Amtmann und Kammerherr August Adolf Friedrich von Hennings, Schwager des bekannten Hamburger Arztes Raimarus und Jugendfreund von Kestner und dessen von Göthe verherrlichter Gattin". [Lotte in "Die Leiden des jungen Werther"] "Nachdem Hennings längere Zeit im schleswigschen Journal für Geistesfreiheit und ihren Schutz durch die Presse gekämpft hatte, gründete er 1793 als eigne, der liberalen Anschauung gewidmete Zeitschrift den Genius der Zeit, über welchen seine Schwester schreibt: "Schlimm ist es, daß die Menschen einen konfusen Gedanken dabei haben, daß auch die Gerechtigkeit mit einer Binde vor den Augen gemalt wird. Dergleichen erfährt mein Bruder auch; gegen den tritt Claudius auf, wie die Stimme eines Predigers aus der Wüste, weiß zwar noch nicht, was der Genius sagen will, schreit aber doch aus vollen Kräften gegen ihn."

Hennings selber wurde bald über die "illusorischen Gefilde der Freiheit", in welchen er wandelte, enttäuscht. "Freilich", schreibt er 1793, "waren nicht alle Franken erster Erscheinung Catone (französische Revolution), freilich sind jetzt nicht alle Franken Büttel, aber warme Theilnehmer an der ewigen heiligen Sache der Menschenrechte und der Freiheit hofften auf ein Werk der Catone, wie sündige Menschen auf einen Erlöser, und eben die sehen jetzt das Werk der Teufel und der Büttel. Das Wichtigste ist jetzt, nur die Preßfreiheit zu retten, Alles verschwört sich dagegen.", und 1794: "Gegen die jetzige Monarchie, die Paris und in Paris eine Rotte von Ungeheuern ausübt, weiß ich kein Rettungsmittel, als die Auflösung in eine Föderativ-Republik. Noch ist Volksgeist da, das beweisen die Armeen, und so lange der da ist, ist noch nicht Alles verloren." In demselben Jahre veröffentlichte Hennings eine philosophische Bibliothek der verschiedenen Meinungen über die heutigen Angelegenheiten der Menschheit, und dahin gehörige Schriften, kritisch und ohne Parteigeist dargestellt.

Dabei verfolgte er sowohl die literarische als die religiöse Thätigkeit, die sich überall kundthat, mit aufmerksamem Blick. 1796 schreibt er: "Stolbergs Ueberzeugung geht immer in Groll gegen anders Denkende über. Ich habe so sehr gewünscht Vernunft gegen Vernunfte mit ihm wechseln zu können, aber es ist unmöglich. Er kennt nur zwei Worte: Meinen und Verdammen." Dagegen sagt er von Voß: "Er büßt für seine Jugendsünden. Er war nicht immer der jetzige Voß. Nur mit Empfindsamen verbündete er sich einst. Jetzt ist er ein gar herrlicher Mann."

Noch bitterer urtheilt Hennings ein Jahr später über Stolberg: "Bei ihm hilft kein Entgegenkommen mehr. Er ist der Pharisäer, wir sind die Zöllner und Sünder; er und seine heilige Familie danken Gott in Loyola und Lavater, daß sie nicht sind wie wir. Damals, als noch die Fürsten sich nicht um ihn bekümmerten, rief er Deutschland auf zu Aufruhr und sang: es hat der Höhen so viel! sind der Geweihten nicht drei ? Jetzt da er Gold und Orden und Fürstengunst hat, fanatisirt er aus Stolz und Aberglauben, und möchte Alle, denen er eine schädliche Meinung beilegt, und wären es auch alte Freunde, zum Scheiterhaufen führen."
Bei Ritschl (Ritschl, Hans Wilhelm - August von Hennings, Hamburg 1978, S. 136 ff) finden wir eine Darlegung über die Bekanntschaft von Hennings mit dem Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819), der 1798 aus Düsseldorf, den Revolutionsheeren ausweichend, nach Eutin gekommen war.
Auch wenn von Hennings mit Jacobis Ansichten in vieler Beziehung nicht übereinstimmte, so entwickelte sich doch bis zu Jacobis Ruf nach München im Jahre 1804 ein reger Umgang miteinander. Von Hennings hielt Jacobi für den geistigen Mittelpunkt des damaligen Eutiner Geisteslebens: "Man sieht dem Ganzen an, daß Jacobi der Haupthimmelskörper ist, um den die anderen Trabanten wirbeln und man gewinnt das unverstandene Sonnensystem lieb." (Zitiert nach Ritschl S. 136). Mit dem Sonnensystem kann neben den Eutinern, wie Voß und Stolberg, auch die Romantik gemeint sein, deren Wegbereiter Jacobi war.
Von dem Charakter der Gespräche miteinander gibt uns ein Bericht von Hennings Auskunft (nach Ritschl, S. 137 f): "Jacobi schien der Philosophie das Verdienst im Weiterführen des Denkens beizumessen. Ich klagte sie des Irreführens an. Jacobi glaubt, daß der herrschende Geist keine Ruhe habe, wenn er nicht immer weiter geht im Denken. Ich glaube, es ist um seine Ruhe getan, wenn er nicht einsieht, daß er Grenzen hat, bei denen er stehen bleiben muß. - Ist nicht Memnon das beste Symbol der Menschheit, dieser Sohn der Morgendämmerung! So auch wir, die Kinder einer zweifelhaften Dämmerung, wir Menschen. Haftet uns nicht alles an die dunkle Erde, sind wir nicht blind und hart, bis der Strahl aus einer anderen Welt, das schimmernde Licht der Ewigkeit unsre Brust berührt und ihr Empfindung gibt." Jacobi betonte aber, daß man so weit denken müsse, wie man könne, weil man sonst "bei positiven Vorschriften stehen bleiben muß und dann intolerant werde"
Hier scheinen die Fronten verkehrt. Sei es, daß man von einer Entwicklung von Hennings ausgehen muß zu einer starken Mäßigung und Gläubigkeit hin, sei es, daß man den unterschiedlichen Positionen und Auml;ußerungen zu Vernunft und Glauben zu verschiedenen Zeiten eher experimentellen, suchenden oder stimmungs- und situationsabhängigen Charakter zumesssen muß. Auch Jacobi, der anderweitig der "Kothphilosophie" seiner Zeit, dem flachen, aufklärerischen Rationalismus seine Ablehnung aussprach, ist nach der zitierten Einstellung kaum wiederzuerkennen: Vertritt der Mann diese Einstellung zum Denken, dem Friedrich Schlegel in seiner Rezension zum Roman "Woldemar" (1779) hatte vorwerfen können, er schreibe auf einen "Salto mortale in den Abgrund der göttlichen Barmherzigkeit" zu?
Hatte Matthias Claudius von Hennings nicht geradezu das Gegenteil seiner hier sichtbar werdenden Haltung vorgeworfen?
Wir sehen, daß wir in unseren Einschätzungen vorsichtig sein müssen. Die Beurteilung seiner Zeitgenossen ist bei von Hennings nicht nur von deren gedanklicher Einstellung abhängig, sondern auch von ihrem Benehmen. So lehnte von Hennings Voß' streitsame Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit trotz ihrer engen Zusammenarbeit ab, wie sie in Voß' Beiträgen zu den Zeitschriften von Hennings zum Ausdruck kommt. Und er schätzte auf der anderen Seite Stolbergs edle und würdige Haltung, der ihm unter anderem ohne Ansehen der Meinungsunterschiede in seiner vermeidenden Haltung zum geforderten Duell beistand, obwohl er Stolbergs Übertritt zum Katholizismus sehr ablehnend gegenüberstand.

4. Französische Emigranten in Plön 1792 bis 1800

Stender und Freytag berichten darüber, mit welch "großer Begeisterung" der Ausbruch der Französischen Revolution 1789 auch von August von Hennings in Plön und seinen Freunden begrüßt worden sei. Dazu sei folgendes angemerkt: Zur Kenntnis der politischen Stimmung in Deutschland ist Jost Hermands Anthologie - Von deutscher Republik, Frankfurt 1975 (edition suhrkamp 793) sehr aufschlußreich. Bei der Lektüre dieser Sammlung, die ansonsten selten abgedruckte Texte vereint, bemerkt man im Vergleich deutlich, daß von Hennings zu den wenigen radikalen Demokraten im deutschen Sprachraum gerade nicht gehörte. Auch auf ihn trifft die Beurteilung, die H. A. und E. Frenzel in ihren "Daten deutscher Dichtung" geben, zu (Bd.1, 6. Auflage München 1970, S. 230): "Die Geisteshaltung der Zeit war nicht so sehr von politischen wie von philosophischen Gedankengängen bestimmt. Der Kulturbegriff stand über dem Staatsbegriff. Die französische Revolution rief in Deutschland keine ähnliche Bewegung hervor."
Stender und Freytag führen als Beispiele an: "In Hennings Zeitschrift mit dem Titel "Schleswigsches Journal" brachte er z.B. eine deutsche Übersetzung der Marseillaise von Johann Heinrich Voß, dem Homerübersetzer aus Eutin. Sein Freund Graf Woldemar Friedrich von Schmettow ließ sich von dem Maler Richard Ipsen mit der Jacobinermütze, dem Symbol der Revolution, abbilden. Und Hennings selbst nahm in seinen Veröffentlichungen immer wieder freimütig für die Ideen der Revolution Partei. Er glaubte an die sittliche Veredelung der Menschen durch die Vernunft. Die Gedanken der Aufklärung, wie er sie vertrat, hatten die Revolution mit vorbereitet."
Hier liegt m. E. gerade der entscheidende Unterschied. Aufklärung und Revolutionsgeist sind zweierlei. Von Hennings hatte eine starke Abneigung gegen Streit und Streitsucht, vor allem auch gegen Streitigkeiten, die aus Gesinnungsunterschieden herrühren.
Die Wirren der französichen Revolution hatten sogar Auswirkungen bis nach Plön.
Stender und Freytag geben die folgenden Beispiele:
Nicolaus von Luckner, Gutsherr von Depenau, friederizianischer General, dessen Sohn Nikolaus 1808 Nachfolger von Hennings in Plön wurde.
Luckner wurde Feldmarschall für die französische Republik, um Frankreich gegen die benachbarten Monarchien zu verteidigen. Er wurde wegen seiner Mißerfolge mit den unausgebildeten rasch rekrutierten Soldaten wegen Landesverrates angeklagt und am 4. Januar 1794 enthauptet.
Umgekehrt kamen auch viele Flüchtlinge nach Plön, das ja zu dem neutral gebliebenen Dänemark gehörte.
"Das Gut Wittmoldt wurde 1796 von dem Emigranten Graf von Tessé und von Mun gekauft und dadurch Mittelpunkt des Verkehrs aller französischen Flüchtlinge und ihrer Freunde in Ostholstein. Der berühmteste unter ihnen war der General Lafayette, der als junger Offizier am Freiheitskampf der Amerikaner teilgenommen und bei der Rückkehr in seine Heimat die neuen Schlagworte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gebracht hatte. Am Tag der Erstürmung der Bastille wurde er Befehlshaber der Bürgergarde und als Vater der Revolution gefeiert."
Wie viele Franzosen (vergleiche z. B. auch Mirabeau) schwankte auch Lafayette zwischen der Treue zum König und dem Eintreten für die Revolution. Die Österreicher, zu denen er überlief, behandelten ihn als Kriegsgefangenen und nicht als Asylanten. Nach fünf jähriger Gefangenschaft in Olmütz wurde Lafayette erst nach dem Friedensschluß 1797 freigelassen. Von Hennings war vorher -ohne Erfolg- in der Zeitschrift "Genius der Zeit" für die frühere Freilassung eingetreten. In Plön hielt sich schon Lafayettes Frau auf, so daß von Hennings nun den ebenfalls hier Zuflucht Suchenden persönlich kennenlernen konnte.
Es gibt einen Brief von Hennings vom 3. November 1797 an Graf Reinhard, der im Dienste Frankreichs stand: "Sein reizbares Herz hat mich ihm gleich näher gebracht, da er mich auch ungesehen als Freund kannte." Von Hennings meinte, Lafayette sei der "aufrichtigste, liebendste, biederste Charakter, der sich denken läßt".
Ferner wohnte in der Zeit der Marquis de Roquemorel bei der Familie von Hennings. Nach der Beruhigung der Situation in Frankreich durch Napoleon konnte der Marquis "auf Grund eines Schreibens des Amtmanns an den mächtigen Polizeiminister Fouché in Paris unbehindert in seine Heimat zurückkehren." Für das Nachempfinden der Zeit der französischen Revolution und der Ereignisse in Schleswig-Holstein ist auf die Romane der zeitweilig in Plön ansässigen Charlotte Niese "Allerlei Schicksale" und "Vom Kavalier und seiner Nichte" zu verweisen.

Übrigens weiß Kinder zu berichten, daß sich in Plön auch der Herzog von Liancourt, der frühere vertraute Freund Ludwigs XVI aufhielt. Während Hennings mit Lafayette befreundet war, pflegte der mit Hennings zerstrittene Stolberg Umgang mit dem Herzog. Dies zeigt uns, daß die Vermutung zutrifft, daß die Emigranten keineswegs eine einheitliche Gruppe bildeten, sondern unterschiedlichster Denkweise waren. Aus dem Umgang Stolbergs mit dem Herzog und von Hennings mit Lafayette kann man ohne Zweifel auch eine Einschätzung der politischen Ausrichtung beider Autoren ableiten.

Hennings wurde später aus eigenem Betreiben (1807) Administrator der Grafschaft Rantzau und starb in diesem Amt am 17. Mai 1826.

Während Stender, Freytag und Kinder die revolutionäre Gesinnung von Hennings stark hervorheben (ohne diese direkt zu bewerten) und daraus seine Schwierigkeiten in Plön herleiten, fast als seien sie aus eigenem Verschulden erwachsen, bleibt Ritschl als Verwandter von Hennings in seiner Darstellung und Beurteilung sehr positiv, vielleicht auch zu positiv (Vergleiche auch Ritschls empörte Zurückweisung von Beurteilungen Hilds und Brandts, Ritschl S. 84 ff (Fußnote)). Ich halte dafür, daß die Wahrheit in der Mitte liegt und daß von Hennings Befürwortung der Ideale der Revolution in seiner frühen Plöner Zeit in der Vernunft ein Regulativ finden bzw. eher gedanklich-theoretischer Natur ist. Von Hennings ist danach ein Aufklärer, dessen Einstellung zum öffentlichen Vernunftgebrauch mit der Einstellung Kants zum "privaten" Räsonnieren übereinstimmt.
Öffentlich muß das freie Wort gestattet sein, wenn sich Vernunft durchsetzen soll, wenngleich das Amt die Beschränkung und Anpassung im Gehorsam verlangt.
Nachweise für ein wirklich gewollt subversives Wirken von Hennings wird man meines Erachtens kaum finden können, auch wenn ein Matthias Claudius ihm das hat unterstellen wollen. Aber solche Gewichtungen hängen immer auch vom Bezugsrahmen ab. Und der ist sicherlich jeweils ein anderer, je nachdem von welchem Extrem man bei der Betrachtung ausgeht. In von Hennings späterer Plöner Zeit ist aus seinen Äußerungen eine Rücknahme des Vernunftanspruchs zu entnehmen, die, mit aller Vorsicht gesagt, weniger den Eindruck von Anpassung an den Zeitgeist, als vielmehr den eines persönlichen Reifungsprozesses macht.

5. Veröffentlichungen zu und von von Hennings

Bibliographie zu August von Hennings

Eine kleine aber charakteristische Auswahl der gelegentlichen vom Herausgeber stammenden Beiträge in "Der Genius der Zeit" finden Sie hier.

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Hennings in Goethes "Faust" Hennings in Goethes "Faust"