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Examensarbeit zur
Zweiten Staatsprüfung
für das Lehramt an der Sekundarstufe
II
Studienseminar
für das Lehramt für die Sekundarstufe II in Leverkusen
eingereicht im Juni 1999 durch
Kai Lehniger
-Mit Shakespeares
Richard III in das Internet -
Die Erstellung
von Internet-Seiten als Ergebnis der Besprechung des Dramas im Leistungskurs
12
Aus Gründen des Datenschutzes, der Datenfülle und der
Lesbarkeit wird das Kapitel 2 und der Großteil des Kapitels 6 hier nicht
veröffentlicht. Diese können jedoch bei Bedarf beim Verfasser angefordert
werden. Die im Originaldokument befindlichen Fußnoten konnten in das HTML-Dokument
nicht übernommen werden. Der Verfasser entschuldigt sich daher für die
formal-wissenschaftliche Abweichung. Das Projekt 'Richard
III - A Play for our Time' ist im Internet veröffentlicht..
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedingungsanalyse
2.1. Anmerkungen zur Lerngruppe
2.2. Organisatorische Voraussetzungen
3. Sachanalyse
3.1. Shakespeares Richard III
3.1.1. Historischer Ansatz
3.1.1.1. Die Darstellung von Geschichte
in Shakespeares Richard III
3.1.1.2. Die Darstellung Richards III
im Laufe der Jahrhunderte
3.1.1.3. Shakespeares Richard III als
Rechtfertigung der Tudor-Dynastie?
3.1.2. Psychologischer Ansatz
3.1.3. Politischer Ansatz
3.1.3.1. Richard III als moderner Diktator
3.1.3.2. Die Rolle des Königs in der
Elisabethanischen Zeit
3.2. Das Internet und die Erstellung von
Internetseiten (Web-Seiten)
3.2.1. Allgemeine Angaben zum Internet
und zum Erstellen von Web-Seiten
3.2.2. Unterrichtsspezifische Angaben
zu den verwendeten Programmen
4. Didaktische Analyse
4.1. Einbettung der Examenssequenz in die
Gesamtreihe
4.2. Legitimation des Themas
4.3. Didaktische Schwerpunktsetzung und
Reduktion
4.4. Lernziele der Reihe
4.4.1. Affektive Ziele der Reihe (Lernbereich
Einstellungen und Haltungen)
4.4.2. Ziele im Lernbereich I: Sprachbeherrschung
4.4.3. Ziele im Lernbereich II: Wissen
4.4.4. Ziele im Lernbereich III: Methodenbeherrschung
5. Geplantes methodisches
Vorgehen
6. Durchführung der Examensreihe
6.1. Tabellarische Übersicht der Examensreihe
6.2. Planung, Darstellung und Reflexion ausgewählter Stunden
6.2.1. Planung, Darstellung und Reflexion der 2. Unterrichtsstunde
6.2.1.1. Planung der Unterrichtsstunde
6.2.1.2. Darstellung der Unterrichtsstunde
6.2.1.3. Reflexion der Unterrichtsstunde
6.2.1.4. Überleitende Reflexion
6.2.2. Planung, Darstellung und Reflexion der 6. Unterrichtsstunde
6.2.2.1. Planung der Unterrichtsstunde
6.2.2.2. Darstellung der Unterrichtsstunde
6.2.2.3. Reflexion der Unterrichtsstunde
6.2.2.4. Überleitende Reflexion
6.2.3. Planung, Darstellung und Reflexion der Arbeitsweisen
der 9.- 11.U.-Stunde
6.2.3.1. Planung der Unterrichtsstunden
6.2.3.2. Darstellung der Arbeitsweise anhand von Schülertexten
6.2.3.3. Reflexion der Unterrichtsstunden
6.2.3.4. Überleitende Reflexion
6.2.4. Planung, überblickartige Darstellung und Reflexion
der 13.-17. U.-Stunde
6.2.4.1. Planung der Unterrichtsstunden
6.2.4.2. Überblickartige Darstellung der Unterrichtsstunden
6.2.4.3. Reflexion der Unterrichtsstunden
6.2.5. Planung, Darstellung und Reflexion der 18. Unterrichtsstunde
6.2.5.1. Planung der Unterrichtsstunde
6.2.5.2. Darstellung der Unterrichtsstunde
6.2.5.3. Reflexion der Unterrichtsstunde
6.2.5.4. Überleitende Reflexion
6.2.6. Planung, Darstellung und Reflexion der 21. Unterrichtsstunde
6.2.6.1. Planung der Unterrichtsstunde
6.2.6.2. Darstellung der Unterrichtsstunde
6.2.6.3. Reflexion der Unterrichtsstunde
7. Leistungsbeurteilung
8. Gesamtreflexion und Ausblick
Literaturverzeichnis
Glossar
1. Einleitung Inhaltsverzeichnis
Publizieren im Internet: Auch das noch? ,
so titulieren die Autoren Borrmann und Gerdzen das erste Kapitel ihres
Buches und sprechen damit wahrscheinlich vielen Lehrern aus der Seele.
Ständig wachsen die Anforderungen für die Schüler aber auch für die Lehrer
und das Publizieren im Internet ist nur ein weiterer Schritt in einem
von Technologie bestimmten Leben - auch in der Schule. Daß das Erstellen
von Internetseiten im Grunde nicht sehr schwierig ist, wird demjenigen
sehr schnell klar, der sich mit dem Thema beschäftigt. Eine große Anzahl
an Schulen in Deutschland haben bereits einen Zugang zum Internet und
eine eigene Homepage. Viele Schulen und Lehrer nutzen die neue Technologie,
um im Rahmen ihres Unterrichts E-Mail-Projekte durchzuführen oder
sich einfach nur Informationen aus dem Internet zu beschaffen. Es wird
in ein paar Jahren meines Erachtens keine Schule mehr geben, die sich
diesem Fortschritt wird entziehen können, da die Berufswirklichkeit eine
Computer- und Internetkompetenz verlangen wird. Es ist daher auch die
Aufgabe und die Pflicht, die Schüler auf diese Wirklichkeit vorzubereiten.
Dies wird in den neuen Richtlinien besonders deutlich.
Die Idee, mit Schülern Internetseiten zu erstellen, kam mir, nachdem ich
im Internet von dem Internetwettbewerb ThinkQuest gelesen hatte. Die Teilnahme
an einem Wettbewerb motiviert Schüler besonders, was mir aus eigener Erfahrung
bekannt ist und auch einleuchtet. Da das Internet die meisten Schüler
fasziniert, sehe ich die Verbindung von Internet und Wettbewerb für die
Schule als überaus geeignet an.
Der ThinkQuest Wettbewerb wird jährlich weltweit für Schüler ausgetragen.
Das Ziel ist es, für das Internet als Lernmedium zu werben und Schüler
dabei zu ermutigen, die Vorteile des Internets als eine ständig
wachsenden Quelle von Informationen und als ein starkes kooperatives Werkzeug
zu nutzen. Die Projekte werden in fünf verschiedene Kategorien
eingeteilt und werden nach dem Stichtag (15. August 1999) sowohl
öffentlich zugänglich gemacht, als auch von den Juroren bewertet.
Für den Englischunterricht bietet sich die Arbeit mit dem Internet besonders
deswegen an, weil 95% der Internetseiten auf Englisch sind. Dadurch
steht eine unüberschaubare Menge an authentischen Materialien bereit,
da praktisch jeder im Internet publizieren kann. Man könnte nun glauben,
daß dies fast paradiesische Zustände sind, muß allerdings auch bedenken,
daß ein großer Teil der Texte nicht sehr anspruchsvoll ist oder sogar
falsche Informationen enthält. Es ist daher auch die äußerst wichtige
Aufgabe der Schule, Schülern den kritischen Umgang mit dem Internet zu
vermitteln.
Das Internet liefert jedoch auch eine Vielzahl von Möglichkeiten für einen
handlungs- und produktorientierten sowie schülerzentrierten Fremdsprachenunterricht
und kann dadurch traditionelle und moderne Aufgaben [des Sprachunterrichts]
vernetzen, fachliche, methodische und soziale Kompetenzen in ganzheitlicher
Weise fördern . Der Unterricht muß sich nicht verändern, um sich
den neuen Medien anzupassen, die neuen Medien verändern den Unterricht
und öffnen ihn somit. Eine Entweder-Oder-Diskussion ist daher
eher kontraproduktiv.
An dieser Stelle sei angemerkt, daß ich aus Gründen der angenehmeren Lesbarkeit
auf die jeweils weibliche und männliche Form verzichte, womit keine Diskriminierung
beabsichtigt ist.
3. Sachanalyse
Inhaltsverzeichnis
3.1. Shakespeares Richard
III Inhaltsverzeichnis
Um 1592/93 entstanden, wurde Shakespeares Richard III
im Jahre 1597 zum ersten Mal in einer Quartoausgabe veröffentlicht. Die
erste bezeugte Aufführung fand am 30.12.1593 in London statt. Daß das
Stück sehr beliebt war, zeigt die Veröffentlichung weiterer fünf Quartoausgaben.
Das Drama behandelt die letzte Phase der Rosenkriege" zwischen
den Adelsfamilien Lancaster und York, die mit der Niederlage und dem Tod
Richards III in der Schlacht von Bosworth (1485) und mit der Gründung
der Tudor-Dynastie endete. Als Quellen standen Shakespeare die History
of King Richard III von Sir Thomas More (1513), die von Polydore Vergils
verfaßte Anglica Historia (1534), die Chronicles von Raphael Holinshed
(1578) sowie der Bericht The Union of the Two Noble and Illustrious Families
of Lancaster and York von Edward Hall (1548) zur Verfügung.
Kein englischer König wurde und wird so kontrovers diskutiert wie Richard
III. Shakespeares Richard III ist auch heute noch im Zentrum der Kontroverse
. Es ist auf der anderen Seite derselben zu verdanken, daß Shakespeares
Drama immer noch eine so starke Rezeption erfährt und ihn für den Englischunterricht
gerade deshalb besonders interessant macht. Ein weiterer Grund mag in
der Tatsache liegen, daß jedermann ein Rätsel mag.
In meiner Sachanalyse folge ich der thematischen Dreiteilung bei der Bearbeitung
des Dramas, wie sie auch von den Schülern zu leisten sein wird. Dabei
gehe ich von einem historischen, psychologischen und politischen Ansatz
aus, wobei immer auch der Bezug zur Gegenwart hergestellt werden soll.
3.1.1. Historischer
Ansatz Inhaltsverzeichnis
3.1.1.1. Die Darstellung
der Geschichte in Shakespeares Richard III Inhaltsverzeichnis
Die Darstellung der Geschichte in Shakespeares Richard
III weicht in einigen Punkten sehr von der von Historikern beschriebenen
Geschichte ab. Shakespeare mußte in seinem Drama aus verständlichen Gründen
die reale Geschichte so verändern, daß sie zu seinen dramatischen Vorstellungen
paßte. Queen Margaret hätte zum Beispiel in dem Drama keine Verwendung
finden dürfen, da sie 1471 nach der Schlacht bei Tewkesbury gefangen genommen
und vier Jahre von Edward IV (1442-1483) inhaftiert wurde. Anschließend
ging sie nach Frankreich, wo sie im Jahre 1482, ein Jahr vor dem Tod Edwards
IV, starb. Shakespeare macht sie allerdings im Drama zu einer der Hauptfiguren.
Das Drama beginnt mit dem Einzug Edwards IV in London und dem Tod Henrys
VI am 21. Mai 1471 und endet mit der Schlacht bei Bosworth am 22. August
1485.
Die geschichtliche Zeit wird im Verlauf des Dramas auf verschiedene Weise
komprimiert. Der erste Akt umfaßt sechs Jahre realen Geschehens (1471
- 1478), der zweite Akt nur noch fünf Jahre und zwei Monate (1478 -1483),
der dritte Akt sieben Wochen (Mai 1483 - Juni 1483), der vierte Akt drei
Monate (Juli 1483 - Oktober 1483) und der letzte Akt umfaßt wiederum ein
Jahr und zehn Monate der realen Zeitrechnung (November 1483 - August 1485).
Shakespeare stellt somit die für das Drama interessanteste Zeit vom Tod
Edwards IV im April 1483 bis zur Krönung Richards III im Juli 1483 in
den Mittelpunkt, indem er ihr allein 11 von 25 Szenen einräumt.
Bleibt die geschichtliche Chronologie im ersten, zweiten, vierten und
fünften Akt noch nahezu erhalten, ändert Shakespeare diese im dritten
Akt vollständig, um dem Drama eine dramatische Spannung zu verleihen.
Er verändert dabei nicht nur die chronologische Reihenfolge, sondern vollzieht
auch Zeitsprünge in jegliche Richtung innerhalb einer Szene. So gehörten
die Szenen 2 und 4 des dritten Aktes in ihrer zeitlichen Realität in die
erste Szene desselben Aktes. Es ist kein Zufall, daß es sich bei der geänderten
zeitlichen Chronologie des dritten Aktes um die entscheidende Phase der
Machtergreifung Richards handelt. Shakespeare hält sich in seinem Drama
auch nicht an die geographischen Begebenheiten. Als Edward im Jahre 1483
starb, befand sich Richard nachweislich im Norden Englands und Buckingham
in Wales. Durch Hastings erfuhr Richard von seiner Ernennung zum Protektor.
3.1.1.2. Die Darstellung
Richards III im Laufe der Jahrhunderte Inhaltsverzeichnis
Die Art und Weise, wie Shakespeare Richard III in seinem
Drama darstellt, führt die negativen Darstellungen von Holinshed, Hall,
More und Vergil fort, die allesamt während der Tudorzeit verfaßt wurden.
Die Darstellung Richards als einen blutrünstigen Mörder kann im Laufe
der Jahrhunderte eine lange Tradition aufweisen , der im verstärkten Maße
erst im 20. Jahrhundert durch die Gründung der Richard III Society
widersprochen wird. Seit dieser Zeit kam es zu einem ständigen Schlagabtausch
zwischen traditionalists und revisionists
und dem Versuch der Revisionisten, Richard III zu rehabilitieren. Beide
Seiten bezeichnen die Kontroverse als great debate. Den Anfang
positiver Darstellungen Richards jedoch machte Walpole in seinen Historic
doubts. Um die große Debatte noch medienwirksamer in
Szene zu setzen, fanden 1984 in London und 1996 und 1997 in den USA sogenannte
mock trials statt, die darüber befinden sollten, ob Richard
III die beiden Prinzen im Tower umbringen ließ oder nicht. Aufgrund der
dünnen Beweislage war es nicht besonders schwierig, begründete Zweifel
zu finden, die zum Freispruch Richards in allen drei Gerichtsverhandlungen
führten. Obwohl die Quellenlage aus der Tudor-Zeit durchaus nicht schlecht
ist, erschwert die zeitliche Ferne das Quellenstudium und kann dadurch
keine eindeutige Antwort zulassen, ob der historische Richard III der
blutrünstige Tyrann gewesen ist, als den ihn seine zeitgenössischen Chronisten
und Schriftsteller zeichneten. Da aus der Zeit der Tudor-Dynastie, wie
bereits oben angeführt, fast ausschließlich die negativen Darstellungen
Richards von den oben erwähnten Autoren zu begutachten sind, können Revisionisten
nur versuchen, diese Schilderungen durch ebenfalls authentische Quellen
zu widerlegen, was durch Briefe verschiedener Adelsfamilien zum Teil gelingt.
Um ersichtlich zu machen, welcher Quelle sich Shakespeare besonders bediente,
soll hier kurz aus Mores History zitiert werden, in der Richards
physische Erscheinung und sein Charakter beschrieben werden. Mit More
begann das, was später Tillyard als den Tudor-Mythos bezeichnete.
Richard ... was in wit and courage equal with either of
[his brothers], in body and prowess
far under them both; little of stature, ill-featured of limbs, crook-backed,
his left shoulder
much higher than his right, hard-favoured of visage ...He was malicious,
wrathful, envious,
and from afore his birth ever forward. It is for truth reported ... that
he came into the world
with the feet forward ... and, as the fame runs, also not companionable
where he inwardly
hated, not hesitating to kiss whom he thought to kill, pitiless and cruel....Friend
and foe
were to him indifferent; where his advantage grew, he spared no mans
death whose life
withstood his purpose.
Shakespeare greift nicht nur die Darstellung Mores in
seinem Drama auf, sondern zeichnet auch Richards Charakter in derselben
Weise, wie bereits im Eröffnungsmonolog Richards deutlich wird: Richard
sagt, er sei
... not shapd for sportive tricks,... (I, 1, 14)
... curtaild of this fair proportion,
Cheated of feature by dissembling Nature,
Deformd, unfinishd, sent before my time
Into this breathing world scarce half made up- (I, 1, 18-21)
And therefore, since I cannot prove a lover
To entertain these fair well-spoken days,
I am determined to prove a villain,
And hate the idle pleasures of these days. (I, 1, 28-31)
Auch wenn die oben erwähnten Autoren den Grundstein für
den Tudor-Mythos legten, Shakespeare erweckte ihn durch Richard III erst
zum Leben. Revisionisten dieses Jahrhunderts warfen More eine massive
Verfälschung der geschichtlichen Realität vor und begründeten dies meist
mit seiner engen Verbundenheit mit dem Erzbischof von Ely, Morton, in
dessen Haus More aufwuchs. Morton, der Richard III verraten hatte, wird
sogar, wenn auch unglaubwürdig, die Autorschaft an der History
angedichtet, was allerdings aus stilistischen Gründen als widerlegt anzusehen
ist. Für Potter (1983) gibt es demnach nur zwei Alternativen: Entweder
muß Mores Historyals reine Fiktion angesehen werden, oder
More, der beim Tode Richards erst sieben Jahre alt war, wurde von Morton
hinsichtlich seiner Darstellung Richards beeinflußt. Horace Walpole war
einer der ersten Autoren, die Richard in einem positiven Licht darstellten
und der bisher so dominierenden negativen Sichtweise widersprachen.
Vereinzelt erschienen auch im 19. Jahrhundert unterschiedliche Betrachtungen
Richards. Zu einem Kompromiß kommt Michalove (1995), die von einer
einseitigen Denkweise Abstand nimmt und Shakespeares Richard III als das
sieht, was es ist - ein Drama. Dabei gibt sie zu bedenken, daß natürlich
die ihrer Meinung nach bis zum heutigen Tage verfälschte Darstellung Richards
in den brillianten Versen Shakespeares wurzelt. Unterstützt
wird diese Ansicht auch durch Moore (1986), der die Suche nach historischer
Verifikation in Shakespeares Richard III kritisiert. Man kann allerdings
Shakespeare persönlich kaum Schuld an dem Ruf Richards III geben. Ein
großer Teil der Elisabethaner sahen in dem Drama ein Stück Geschichte
und glaubten den Darstellungen des Autors. Zudem war es auch noch beliebt,
auf der Bühne den Niedergang eines Tyrannen beobachten zu können.
3.1.1.3. Shakespeares
Richard III als Rechtfertigung der Tudor-Dynastie? Inhaltsverzeichnis
Es läßt sich schwerlich beweisen, ob Shakespeare die Tudor-Dynastie
rechtfertigen wollte. Es läßt sich nur erahnen, was passiert wäre, hätte
Shakespeare Richard III allzu positiv dargestellt, zieht man in Betracht,
daß Richards Bezwinger, Henry VII, der Großvater der herrschenden Königin
Elizabeth war. Es wäre jedoch zu einfach, Shakespeares Richard III als
eine dramatische Kopie der zeitgenössischen Geschichtsschreibung zu sehen
und den Autor somit zum Mitverschwörer derer zu machen,
die den letzten König der Plantagenets als des Thrones unwürdig und in
seiner Erscheinung und Persönlichkeit abstoßend darstellten. Shakespeare
wurde für seine Charakterdarstellung Richards III von vielen Seiten kritisiert
und es wurde ihm vorgeworfen, sich solch geringer Denker wie Hall
bedient zu haben.
Für die Charakterdarstellungen seiner Dramen benutzte Shakespeare gerne
Personen seiner Zeit und so könnte nach Weinsoft der Charakter Richards
auf zwei Ministern Elisabeths I basieren. Eines ist allerdings unverkennbar:
Shakespeare zeichnet in seinem Drama den Charakter eines Tyrannen, der
nicht nur äußerlich deformiert, sondern dessen Inneres in gleicher Weise
entartet ist, was später in den Ausführungen zum psychologischen Ansatz
noch genauer zu betrachten sein wird. Shakespeare wurde sicherlich von
den historischen Vorlagen beeinflußt, die Charakterisierung Richards bleibt
allerdings seine eigene.
Mit der Charakterisierung Richards zeichnet Shakespeare die Personifizierung
des Lasters (Vice), die im Verlauf des 16. Jahrhunderts die populärste
Figur des Dramas wurde. Typisch in ihrer Ausprägung sind dabei die motivationslose
Bösartigkeit, ihre offene Freude am zugefügten Leid, die kunstvolle Inszenierung
ihrer Untaten, sowie Lust an Heuchelei und Verstellung. Hier wird der
Einfluß der Vice-Figur in Richard III mehr als deutlich. Moore sieht große
Parallelen in der Charakterzeichnung Richards III und Macbeths und bezeichnet
Richard III als eine gelungene Mischung literarischer und dramatischer
Konventionen .
Dies wird von den Strukturmerkmalen des Dramas unterstützt. Richard III
zeichnet sich durch die strenge Parallelität des Aufbaues aus. Zu Szenen
oder Episoden am Anfang des Drama findet sich später oft ein Gegenstück;
z.B. findet das Werben um Lady Anne (I.2) im Werben um Prinzessin Elizabeth
durch ihre Mutter (IV.4) seine Wiederholung oder die wiederholenden Verwünschungen
der Frauen. Clarences Traum (I.4) steht parallel zu Richards Traum (V.3)
und die Geistererscheinungen sowie die beiden Ansprachen an die Soldaten
von Richard und Richmond werden sogar in der gleichen Szene parallelisiert
(V.3). Diese dramatischen Konventionen sprechen eher dafür, daß es Shakespeares
Intention war, ein historisches Drama zu schreiben, als dramatisierte
Geschichte zu verfassen.
3.1.2. Psychologischer
Ansatz Inhaltsverzeichnis
Shakespeare "not only dramatizes history, he dramatizes
psychology, gives us large slices of it; and in them we find ourselves.
Richard III ist Shakespeares einziges Drama, das mit einem Soliloquium
beginnt . Schon hier wird deutlich, daß Shakespeare an dem Inneren des
Protagonisten interessiert ist, und dies wird dem Zuschauer von Richard
selbst sogleich offengelegt. Schon anhand des Eröffnungsmonologes wird
uns Richards Selbstcharakterisierung zuteil, und wir erfahren seine Pläne
auf dem Weg zum Thron. Der Zuschauer wird durch die Offenheit Richards
förmlich in den Bann gezogen und zum Mitwisser seiner folgenden Greueltaten
gemacht. Die dramatische Ironie ist dadurch im Drama omnipräsent. Was
Richard von den anderen Figuren im Drama unterscheidet, ist zunächst die
Bewußtheit seines Handelns. Wenn er uns besonders grausam und schurkenhaft
vorkommt, dann weil er genau weiß, was er will.
Richards Charakter ist überaus vielseitig; er besticht durch eine überdurchschnittliche
Intelligenz und hat die Fähigkeit, in zahlreiche Rollen zu schlüpfen.
Darunter finden wir den treuen Freund und Partner (z.B. zu Buckingham),
den ergebenen Bruder (zu Clarence I.1.106-121), den geistreichen und verführerischen
Freier (I.2), den loyalen Untertan (II,1,47-56), den Gläubigen (I.3.139-41
und II.1.47-74), den wohlwollenden Onkel und guten Protektor (Ankunft
der Prinzen III.1), den widerwilligen Prinz (Bürgermeister offeriert ihm
die Krone III.7.204-235), politischen Manipulator und mutigen Soldaten
(Schlacht von Bosworth V.4), nicht zu vergessen die Rolle des Unschuldigen
(Im Palast I.3.42-61). Unterstenhöfer sieht hierin den Beweis für
Richards gespaltene Persönlichkeit, meines Erachtens ist es eher
ein Beweis für seine Wandlungsfähigkeit und Heuchelei.
Von Anfang an wird Richards körperliche Behinderung herausgestrichen,
die ihm als Rechtfertigung für seine Taten dient: I am determined
to prove a villain (I.1.30). So nennt Lady Anne ihn a lump
of foul deformity (I.2.57). Aber nicht nur seine deformity
wird beschrieben, sondern auch seine schwere Geburt (sent before
my time), mit den Füßen voran und mit seinen ganzen Zähnen, so daß
er could gnaw a crust at two hours old (II.4.28). Körperlich
behinderte Menschen waren zu Zeiten Shakespeares eine Störung der weltlichen
Ordnung. Da die Natur ihnen Böses angetan hatte, mußten sie sich dafür
an der Natur rächen und somit auch böse sein. Freud führt Richards Behinderung
als ein Beispiel an, um Patienten zu charakterisieren, die sich als Ausnahmen
von der Regel betrachten. Ein Zusammenhang zwischen einem deformierten
Charakter und einer längeren Krankheit während der Kindheit scheint naheliegend.
Garber führt ebenfalls das Beispiel Wilhelms II von Preußen an, der in
seiner Kindheit wegen seines kürzeren Armes von anderen Kindern, unter
andern seinem Cousin, dem späteren Zaren Nikolaus II von Rußland, gehänselt
wurde. Weitere Beispiele in der Geschichte sind der Kleinwuchs Napoleons
und der Klumpfuß Goebbels. In seiner Studie über Minderwertigkeit von
Organen stellt Adler (1907) die Hypothese auf, daß Menschen ihre
körperliche Behinderung und das damit zusammenhängende Gefühl von Minderwertigkeit
psychologisch zu kompensieren versuchen. Das Machtstreben, das bei Richard
III offensichtlich stark ausgeprägt ist, wird durch Minderwertigkeitsgefühle
und Gefühle von Unzulänglichkeit und Unvollständigkeit (deformd,
unfinishd Richard III I.1.20) ausgelöst, die wiederum durch
physische Defekte oder durch Vernachlässigung oder Verwöhnen während der
Kindheit zustande kommen können. Wie Richards Kindheit gewesen sein
muß, beschreibt die Herzogin von York, seine Mutter: Thou camst
on earth to make the earth my hell. / A grievous burden was thy birth
to me; / Tetchy and wayward was thy infancy; / Thy school-days frightful,
desprate, wild, and furious; / Thy prime of manhood daring, bold,
and venturous; (IV. 4.167-171). Eine Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen
kann die Form eines egozentrischen Bemühens nach Macht und nach Selbsterhöhung
auf Kosten anderer annehmen. Dies trifft auch auf Richard zu. Sein
Werben um Anne zum Beispiel (I.2) dient ausschließlich der Befriedigung
seines individuellen Machtstrebens und der fast schon an Sadismus grenzenden
Erniedrigung seiner Mitmenschen. Ein Grund für seinen Sieg
über Lady Anne ist seine größere Klugheit, die in seiner beherrschenden
Rhetorik zum Ausdruck kommt. Behinderte Menschen, so Adler, scheinen
nach psychologischer Betrachtungsweise ambitionierter und auf ihre
Mitmenschen neidisch zu sein, da sie ihren Defekt ausgleichen
müssen bzw. nicht korrigieren können. Meines Erachtens ist eine derartige
Generalisierung keinesfalls gerechtfertigt und muß auf Einzelfälle beschränkt
bleiben.
Trotz Richards kaltblütiger Bösartigkeit ist ihm eine gewisse Attraktivität
und Faszination nicht abzusprechen. Noch mehr, wir fühlen sogar am Ende
des Dramas ein gewisses Mitleid mit ihm. Richards Attraktivität ist hauptsächlich
auf seine Fähigkeit zurückzuführen, den Zuschauer dazu zu bringen, ihn
zu bewundern. Richards Qualitäten liegen darüber hinaus in seiner intellektuellen
Energie, die er während des gesamten Dramas an den Tag legt, um über seine
Mitmenschen zu triumphieren, seinem Humor, seiner lebendigen Sprache und
seinem Mut, den er in der Schlacht am Ende des Dramas beweist. Richards
Humor ist meist schwarzer Natur, wenn er durch Wortspiele seine Gegner
düpiert.
Richards Glück verläßt ihn, nachdem er zum König gekrönt worden ist. Am
Anfang des Dramas war er Initiator jeglichen Geschehens, in der zweiten
Hälfte des Dramas jedoch muß Richard auf die Handlungen seiner Feinde
reagieren. Buckingham führt eine Rebellion gegen Richard, Königin Elizabeth
versagt ihm ihre Tochter, Lord Stanley begeht Verrat, Richmond rückt in
England ein und am Ende gehen die Verwünschungen der Königinnen und der
Geister mit Richards Tod in Erfüllung. Richards Charakter verändert sich
im Laufe des Dramas ebenso wie sein Glück. So war seine Stimmung stets
Teil seines Schauspiels und somit unter Kontrolle, dies ändert sich, sobald
er nun selbst unter Druck gerät. Richard gerät vermehrt in Rage und kontrolliert
seine Handlungen nicht mehr so bestimmt wie zu Beginn des Stückes. So
vergißt er Catesby seine Befehle mitzuteilen, obwohl dieser ihn darum
ersucht (IV.4.440-56), und schlägt einen Boten, bevor dieser noch eine
gute Nachricht übermitteln kann (IV.4.507-508). Im vierten Akt berichtet
Lady Anne, wie Richard sie durch seine timourous dreams (IV.1.84)
wachhält, was bereits auf den Traum vor der Schlacht hinweist, aus dem
Richard von seinem Gewissen gequält erwacht.
Die einzige Lösung am Ende des Dramas scheint die Rache Gottes, die mit
dem Tod Richards vollzogen wird. Richmond betont am Ende des Stückes Richards
Tyrannei (V.3256-7) und daß Richard immer Gottes Feind gewesen sei (V.3.253).
Es ist aber nicht Gott, der Richard für seine Sünden bestraft, sondern
Richard selbst, der die Rolle des Vice ganz bewußt angenommen
und ausgefüllt hat.
3.1.3. Politischer
Ansatz Inhaltsverzeichnis
3.1.3.1. Richard
III als moderner Diktator Inhaltsverzeichnis
Obwohl Shakespeares Richard III vor über 400 Jahren geschrieben
wurde, findet man doch Ähnlichkeiten zu Diktaturen und Herrschaftstechniken
der heutigen Zeit. Unterstenhöfer geht sogar so weit zu sagen, daß Shakespeare
in der politischen Skrupellosigkeit [...] den entscheidenden Bezug
zur politischen Gegenwart herstellt, in der sich die
Charakterstudie des Tyrannen Richard wie die neuzeitlich Studie eines
Kriminellen anmutet. Auch Kott stellt fest, daß we shall
see the image of political practice in its pure form. Richard
III ist demnach nicht nur ein Historienstück, sondern besonders auch eine
politische Darstellung eines immer noch modernen Diktators. Selbstverständlich
hatte Shakespeare und somit auch Richard III nicht die Möglichkeiten einer
modernen Diktatur, aber sein Verhalten ähneln ihr doch sehr.
Ein Diktator wurde in der römischen Republik als ein Herrscher bezeichnet,
dem vom Magistrat zeitlich begrenzt außergewöhnliche Machtbefugnisse übertragen
wurden, um mit einer Staatskrise fertig zu werden. Moderne Diktatoren
allerdings sind eher mit den antiken Tyrannen zu vergleichen als mit Diktatoren.
Diktatoren des frühen 20. Jahrhundert in Afrika und Südamerika gründeten
ihre Herrschaft meist auf der Unabhängigkeit von den westlichen Kolonialmächten,
während die europäischen Diktaturen sich auf eine Identifikation des Staates
mit einer Partei und folglich mit einer führenden Person stützten. Richard
Loncraine (1995) stellt diese Tatsache in seinem Film Richard III heraus,
indem er seinen Richard, gespielt von Ian McKellen, in die 30er Jahre
verlegt und ihn bei der Machtübernahme seine Antrittsrede auf einer parteitagsähnlichen
Massenveranstaltung halten läßt. Der Regisseur stellt damit deutlich den
Bezug zwischen Shakespeares Richard III und der Nazi-Diktatur her. Ian
McKellen unterstreicht dies in einem Interview, wobei er die Modernität
des Stückes betont (Shakespeare is as immediate as whats in
todays newspaper [...] and our duty [...] is to underline that for
todays audience ), und setzt Richard III und Hitler dadurch
in Bezug, daß er kleine Angewohnheiten Hitlers Richard III unterschiebt.
Ein weiteres modernes Element in Shakespeares Richard III ist die Pseudolegalität
der Machtergreifung. Während moderne Diktatoren sich sehr oft Notstandsgesetzen
bedienen, die eigentlich in Zeiten von Krisen die konstitutionelle Ordnung
wiederherstellen sollen, nutzt Richard die Chance, die Thronfolge in der
Weise zu manipulieren, daß er seine Neffen für unehelich erklären läßt.
Dadurch wird er legal zum König gekrönt. Richard III bedient sich zeitgemäß
der gleichen Machtwerkzeuge, die einen modernen Diktator ausmachen. Personen,
die dem Erfolg im Wege stehen, werden entweder ermordet, nach einem fingierten
Gerichtsverfahren inhaftiert oder gleich exekutiert. Einschüchterung,
Terror und Folter dienen als Mittel der Machtergreifung und -ausübung;
Propaganda manipuliert die Bürger des Landes (in Richard III fungiert
Buckingham als Propagandaminister). Auch zu Shakespeares Zeiten
war es üblich, daß publizierte Werke der Zensur unterlagen. Was moderne
Diktaturen also von den alten unterscheidet, sind im allgemeinen nur die
technischen Mittel (z.B. Manipulation der Medien, digitale Observation),
die es heute erlauben, noch konzentrierter und effektiver auf die Menschen
einzuwirken. Dies war allerdings zu Zeiten Richards III gar nicht notwendig,
da Rebellion nicht vom gemeinen Volk ausging, sondern vom gegnerischen
Adel. Die Personen, die beseitigt werden mußten, waren in
ihrer Anzahl also wesentlich geringer.
3.1.3.2. Die Rolle
des Königs in der Elisabethanischen Zeit Inhaltsverzeichnis
Die Herrscherrolle in der Elisabethanischen Zeit war durch
das Weltbild geprägt, in dem der Souverän in der chain of being
über alle Menschen herrschte. Demnach wurde der Platz, den einem
die soziale Hierarchie zuwies, akzeptiert, d.h. Untertanen gehorchten
dem König, Ehefrauen ihren Ehemännern und Kinder ihren Eltern. Der König
bekam seine Autorität von Gott und war demnach auch nur diesem Rechenschaft
schuldig, nicht aber seinen Untertanen. Eine Rebellion gegen den König
kam somit einer Rebellion gegen Gott gleich, herrschte der Souverän doch
als dessen Stellvertreter. Diese Auffassung wurde durch Tyrannen, wie
Shakespeares Richard III, durchbrochen. Dadurch brachte Richard III die
Elisabethanische Weltordnung in Unordnung.
In der Literatur wird häufig Richards Rolle als machiavellistischer König
beschrieben. Die Königsrolle nach Machiavelli war zu Shakespeares
Zeit schon bekannt, wenn auch nur wenige Machiavelli gelesen hatten und
seine Ideen sozusagen nur aus zweiter Hand abgeleitet wurden. Begründet
wurde diese Sichtweise von Niccolo Machiavelli (1469-1527), der in seinem
Werk il principe (1513) die Methode beschreibt, wie ein Herrscher politische
Macht erwirbt und aufrechterhalten kann. Demnach ist der Souverän nicht
traditionellen, ethischen und moralischen Grundsätzen unterworfen, sondern
einzig und allein dafür verantwortlich, seine politische Macht zu erhalten
und seine politischen Ziele zu erreichen. Zum Erreichen dieser Ziele ist
Gewalt ein legales Mittel, da staatliche Ziele wichtiger sind als das
Gewissen. Die Intention Machiavellis wurde allerdings gerne falsch interpretiert
und zur Rechtfertigung tyrannischen Herrschertums mißbraucht.
Der egozentrische und unmoralische villain des elisabethanischen
Dramas, den Richard repräsentiert, ist eine Umbildung dieser Ideen. Die
Charakteristika des Machiavels decken sich stark mit denen der Vice-Figur:
ambitious, cruel, morally depraved to the point of seeing immorality
as something virtuous, sinister, treacherous, guileful, anti-religious,
criminal >from choice. Es ist nicht besonders schwer, die
Charakterzüge Richards in dieser Beschreibung wiederzuerkennen.
3.2. Die Erstellung
von Internetseiten (Web-Seiten) Inhaltsverzeichnis
3.2.1. Allgemeine
Angaben zum Internet und zum Erstellen von Web-Seiten Inhaltsverzeichnis
Die Ursprünge des Internets liegen fast 30 Jahre zurück
und es war damals als Kommunikationsmittel nur Spezialisten und ausgewählten
Organisationen, wie dem Militär, zugänglich. Heute ist das Internet zu
einem Kommunikationsmedium geworden, das in manchen Bereichen unserer
Gesellschaft schon fast die Bedeutung des Telefons erreicht hat.
Das Internet ist die Vernetzung zahlloser Computersysteme, die aufgrund
eines festgelegten technischen Standards miteinander verbunden sind. Die
Verbindung besteht in erster Linie zwischen sehr großen, leistungsstarken
Computern, den sogenannten Servern, von denen der Nutzer, der wiederum
mit einem Server verbunden ist , seine Daten laden kann. Das Internet
umfaßt die Bereiche World Wide Web (im folgenden WWW), E-Mail, FTP und
Newsgroups . Das WWW, das Herzstück des Internets, bedeutet die Vernetzung
der Internet-Computer unter einer graphischen Oberfläche, mit der das
Übermitteln von Informationen erleichtert wird. Der amerikanische
Wissenschaftler Tim Berners-Lee erfand Anfang der 90er Jahre die Computersprache,
die das WWW seit dieser Zeit beherrscht - die Hypertext Markup Language
(HTML). Bei Web-Seiten handelt es sich folglich immer um HTML-Dokumente,
die von den sogenannten Browsern entschlüsselt und dem Betrachter sichtbar
gemacht werden können. Das Universelle an HTML besteht darin, daß nicht
alle Daten vom Server in den Computer des Nutzers geladen werden müssen,
sondern nur das Textdokument sowie die Anweisungen, wie dieses auf dem
Bildschirm des Empfängers dargestellt werden soll. Alle Seiten im WWW
sind durch eine einzigartige Adresse, der Uniform Resource Locator (kurz:
URL), zu identifizieren, anhand der man bestimmen kann, wo sich die Homepage
befindet. Das besondere am WWW ist, daß Web-Seiten untereinander durch
sogenannte Hyperlinks verbunden sind, wodurch ein Anklicken sicherstellt,
daß man automatisch auf eine andere Seite zugreifen kann, die irgendwo
auf der Welt gespeichert sein kann.
Das gleiche Prinzip gilt für alle Bild-, Audio- und Videodateien, die
sich auf einer Internetseite befinden. Diese müssen nicht alle auf dem
gleichen Server gespeichert sein, sondern werden durch die Anweisungen
im HTML-Dokument von dort geladen, wo sie sich befinden.
Eine weitere Besonderheit einer Web-Seite sind die sogenannten Frames,
die das Anzeigefenster des Browsers in mehrere Teile unterteilen. In jedem
Teil kann jeweils ein eigenes HTML-Dokument enthalten sein. Auf diese
Weise können z.B. Anmerkungen zu Textstellen oder eine separate Menüleiste
angezeigt werden, die das Betrachten der Seite erleichtern.
Da Text und Formatierungsanweisungen eines HTML-Dokuments den ASCII-Zeichensatz
enthält, kann ein HTML-Dokument mit einem einfachen Texteditor erstellt
werden. Dabei benötigt man allerdings die Kenntnis der HTML-Sprache.
Das ausgereifte Textverarbeitungsprogramm Microsoft Word 97 bietet eine
Funktion, die es erlaubt normale WORD-Dokumente in HTML abzuspeichern,
wobei man jedoch die gerade erstellte Seite nicht in einem Browser betrachten
kann. Eine für die Schule geeignete, da einfache Möglichkeit zum Erstellen
von Web-Seiten besteht durch die Verwendung von sogenannten HTML-Editoren,
die nach dem WYSIWYG-Verfahren arbeiten und bei denen der Benutzer nicht
HTML beherrschen muß. Hierbei kann man die Web-Seite erstellen oder bearbeiten
und sieht auf dem Bildschirm gleich, was nachher im Browser angezeigt
werden wird. Ein entscheidender Nachteil allerdings ist, daß die meisten
WYSIWYG -Editoren keine Frames erstellen können und somit das Layout und
Design einer Seite erheblich begrenzen. Zum Erstellen von Frames muß entweder
ein Texteditor oder ein spezieller HTML-Editor verwendet werden, der allerdings
wiederum eine gewisse Kenntnis von HTML voraussetzt.
Frames werden in einer gesonderten Index-Datei, auch ein HTML-Dokument,
definiert, die immer als erste Seite vom Browser geladen wird und den
Frames ihren Platz auf der Web-Seite zuweist. Damit die richtigen HTML-Dokumente
auch im richtigen Frame erscheinen, muß sowohl in der Index-Datei als
auch in den anderen HTML-Dokumenten dazu ein Verweis in HTML erstellt
werden.
Zu einer Web-Seite können demnach Texte, Bilder, Hyperlinks, Audio- und
Videosequenzen gehören, außerdem kann der Hintergrund einer Seite individuell
gestaltet und dadurch thematisch angepaßt werden, wobei allerdings zu
erwähnen ist, daß die Lesbarkeit des Textes und die Ansicht der Bilder
großen Einfluß auf die Wahl des Hintergrund haben müssen.
Nachdem die Web-Seiten erstellt worden sind, müssen diese natürlich auch
im Internet publiziert werden, um sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich
zu machen. Dazu werden die erstellten Dateien auf einem Server gespeichert,
was durch ein Übertragen (upload) der Daten über den Internet-Dienst
FTP geschieht. Dazu benutzt man entweder ein spezielles FTP-Programm oder
die vom Browser mitgelieferte Software. Für das Transferieren von Dateien
auf einen Server benötigt man vom Betreiber des Servers eine Zugangsberechtigung.
3.2.2. Unterrichtsspezifische
Angaben zu den verwendeten Programmen Inhaltsverzeichnis
Bei den Programmen, die von den Schülern während der Reihe
benutzt werden, handelt es sich um das Textverarbeitungsprogramm Microsoft
Word 97 (im folgenden Word 97) und den HTML-Editor Netscape Composer,
der ein Teil des Netscape Communicators ist. Bei dem Netscape Composer
handelt es sich um einen, wie oben beschrieben, WYSIWYG-Editor, der keine
HTML-Kenntnisse voraussetzt. An dieser Stelle soll keine Gebrauchsanweisung
für den Netscape Composer gegeben, sondern lediglich einige wichtige Punkte
dargestellt werden . Die Schüler werden ihre Texte zunächst in Word 97
schreiben, die dann anschließend in ein HTML-Dokument konvertiert werden.
Dies kann leicht mit Hilfe der speichern unter - Funktion
in Word 97 geschehen, wobei als Datei-Typ die Option HTML-Dokument
gewählt wird muß. Dieses Dokument können die Schüler dann im Netscape
Composer öffnen und weiter bearbeiten. Der Vorteil dieser Arbeitsweise
ist, daß die Schüler sehr lange mit einem ihnen noch vertrauten Programm
arbeiten können. Der Netscape Composer ist im Prinzip so aufgebaut wie
das Programm Word 97, weist nur weitere spezielle Funktionen für die Web-Seiten
Erstellung auf. Für die Schüler wichtig, weil bereits bekannt, ist die
bildhafte Darstellung der Funktionen in den Symbolleisten. Den Schülern
wird die Arbeit dadurch erheblich erleichtert. Die Funktionen, die die
Schüler nicht mit Hilfe der Symbolleisten durchführen können, werden als
Drop-down - Funktion angeboten, die den Schüler ebenfalls
aus Word 97 bekannt ist.
Mit dem Netscape Composer wird den Schülern die Erstellung ihrer Web-Seiten
durch den hohen Wiedererkennungswert erheblich erleichtert und dürfte
meines Erachtens keinerlei Schwierigkeiten machen.
4. Didaktische Analyse
Inhaltsverzeichnis
4.1. Einbettung der
Examenssequenz in die Gesamtreihe Inhaltsverzeichnis
Die Unterrichtsreihe Shakespeares Richard III
wurde zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres begonnen und umfaßte zunächst
die häusliche Lektüre und die geschichtliche Einbettung des Dramas, sowie
die Interpretation des Dramas mittels analytischer Textarbeit und szenischer
Interpretation. Nach der Klausur Ende Januar wurde die weitere Arbeit
am Drama zusammen mit den Schülern geplant, die die Teilnahme des Kurses
an dem Internetwettbewerb ThinkQuest vorsah. Um die Signifikanz des Dramas
für die Schüler zu betonen wurde das Projektthema für den Internetwettbewerb
auf Richard III - A Play for our Time festgelegt.
Anhand einer Tabelle soll hier zunächst die Planungssynopse des gesamten
Internetprojektes dargestellt werden, die im weiteren näher ausgeführt
wird, wobei die Examensreihe die Projektphasen Produktion, Verifikation
und Optimierung und Präsentation und Reflexion umfaßt:
Projektphase Arbeitsablauf in Stichwörtern
Einführung Einführung der Schüler in den Umgang mit dem Internet
und mit der Encyclopaedia Britannica.
Planung Festlegung des Themas, Einteilung der Gruppen, Entwicklung von
möglichen Fragestellungen zu den jeweiligen Unterthemen
Information Recherche in Büchern, Bibliotheken, auf CD-Rom, im WWW
Produktion Texte schreiben, tippen, bebildern und verknüpfen
Verifikation und Optimierung Korrektur und Optimierung der Texte, Überprüfung
der Hyperlinks,
erste Reflexion über das Arbeitsergebnis und evtl. Korrektur und Überarbeitung
Präsentation und Reflexion Veröffentlichung im WWW, Reflexion über das
endgültige Projektergebnis
In einer Unterrichtseinheit wurden die Voraussetzungen
für die Teilnahme am Wettbewerb geschaffen, wobei die meisten Schüler
zum ersten Mal in Berührung mit dem neuen Medium Internet kamen. Daraus
folgte aus verständlichen Gründen eine Einführung in das Arbeiten mit
dem Computer und dem Internet. Die Schüler lernten dabei, den Computer
und das Internet als Werkzeug, Kommunikationsmittel und Informationsmedium
zu nutzen. Die Schüler bekamen zunächst grundsätzliche Informationen zum
Internet und zum WWW und wurden in die systematische Suche im WWW
eingeführt, wobei die intelligente Suche mit Suchmaschinen einen Schwerpunkt
bildete, um die Schüler auf ihre Recherche vorzubereiten. Weiterhin wurden
die Schüler in die Nutzung der Encyclopaedia Britannica Multimedia Edition
eingeführt, die für das Projekt von herausragender Bedeutung wurde. Die
Schüler sollten hierbei erkennen, daß das Beschaffen von Informationsmaterial
aus dem Internet allein nicht ausreichend ist, sondern daß auch CD-Rom
und traditionellere Medien wie öffentliche und schulische Bibliotheken
in die Suche mit einbezogen werden müssen, um zu brauchbaren, zufriedenstellenden
Ergebnissen zu kommen.
Nach der Einführungsphase wurden die Schüler in drei Gruppen eingeteilt,
die das Drama unter verschiedenen Gesichtspunkten zu bearbeitet hatten.
In dieser Phase der Recherche hatten die Schüler die Aufgabe, sich zunächst
allein, dann in Gruppenarbeit mit Fragestellungen zu möglichen Aspekten
ihres Themas auseinanderzusetzen. Da der Fachlehrer zu dieser Zeit krankheitsbedingt
für mehrere Wochen ausfiel, übernahm ich ab diesem Zeitpunkt eigenverantwortlich
den Unterricht des Kurses bis zum Abschluß der Gesamtreihe. Jeweils montags
berichteten die Gruppen über ihre Fortschritte bei der Bearbeitung ihres
Themas und den individuellen Fragestellungen und reflektierten ihre Arbeit.
Dabei hatten die Schüler der anderen Gruppen die Möglichkeit zu eruieren,
ob sie die Themenstellung der berichteten Gruppe nachvollziehen konnten
und etwaige Korrekturen notwendig erschienen. In dieser Phase des Projektes
wurden vorher in den jeweiligen Gruppen beschlossene Fragestellungen und
Unterthemen z.T. aufgegeben und abgeändert. In den Unterrichtsstunden
am Dienstag und Mittwoch recherchierten die Schüler im Internet, in der
Encyclopaedia Britannica und in der Schulbibliothek. Auch am Ende dieser
Unterrichtsstunden wurde möglichst oft versucht, im Plenum über aufgetretene
Schwierigkeiten zu reflektieren, um eine Einschätzung der anderen Gruppen
zu bekommen. Während der Unterrichtsstunden wechselten die Sozialformen
zwischen Gruppenarbeit, Partnerarbeit und Einzelarbeit ab.
Der Umfang des Projektes machte eine intensive häusliche Vor- und Nacharbeit
notwendig, die im Lesen und Bearbeiten der gefundenen Texte und dem Schreiben
erster Entwürfe bestand. Ziel war es bis zu den Osterferien alle Materialien
gesammelt zu haben, damit diese bis nach den Ferien bearbeitet werden
konnten und anschließend in die Phase der computergestützten Textproduktion
und der Erstellung der Internetseiten eingetreten werden konnte.
4.2. Legitimation des
Themas Inhaltsverzeichnis
Um das Erstellen von Internetseiten zu Shakespeares Richard
III zu rechtfertigen, halte ich es für notwendig, verschiedene Aspekte
zu berücksichtigen. Zunächst wird der Richtlinienbezug hergestellt, wobei
die alten und neuen Richtlinien zu Rate gezogen werden sollen. Davon ausgehend
werden die in den Richtlinien geforderten Ziele unter lerntheoretischen
und fachdidaktischen Aspekten betrachtet, um den unmittelbaren Zusammenhang
zur Erstellung von Internetseiten zu verdeutlichen.
Sowohl in den noch gültigen Richtlinien vom 16.6.1981 als auch im vorliegenden
Lehrplanentwurf für die gymnasiale Oberstufe vom 15. August 1998 ist die
Behandlung eines Shakespeare-Dramas im Leistungskurs Englisch Pflichtlektüre.
Diese Tatsache wird zwar in der neueren Sekundärliteratur nicht in Frage
gestellt, allerdings wird über alternative, schüleraktivierende und schülerzentrierte
Methoden des Zugangs zu Shakespeare nachgedacht. Die Schüler sollen
die Relevanz von Shakespeare für ihr eigenes Leben erkennen
. Glaap (1997) geht noch einen Schritt weiter, indem er die Wahl des Shakespeare-Dramas
kritisch hinterfragt. Nünning (1998) stellt fest, daß Macbeth auf der
Hitliste der in deutschen Schulen behandelten Dramen mit 56,5 %
seinen ersten Platz deutlich behauptet. Glaap nennt als Alternativen
zu Macbeth die Dramen Hamlet und Romeo and Juliet während er die Historien
wegen ihrer großen kulturellen Distanz für den Unterricht für weniger
geeignet hält. Für ein persönliches Engagement der Schüler bleibe bei
der Behandlung sehr wenig Raum und Zeit . Die Behandlung von
Richard III, so Glaap, könne sich bestenfalls für einen Textvergleich
mit Macbeth lohnen. Ich halte einen Textvergleich beider Dramen für ebenfalls
fruchtbar, sehe allerdings Richard III für eine Behandlung im Englischunterricht
durchaus als geeignet an, da ich im Gegensatz zu der zuvor dargestellten
Sichtweise, einen starken Gegenwartsbezug sehe, der zum Beispiel über
den Vergleich des Dramas mit der Verfilmung Loncraine (1996) hinausgeht
, welche das Drama in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts transferiert.
Sowohl in Richards Psyche, als auch in seinen Herrschaftstechniken sehe
ich wichtige Elemente, die bei der Behandlung des Dramas den Erfahrungsschatz
der Schüler bereichern und ihren Horizont erweitern können. Die Schüler
können anhand Shakespeares Richard III Formen der Manipulation und der
Machtergreifung herausarbeiten, die sie aus dem Geschichtsunterricht bereits
kennen. Außerdem halte ich Richard III für eine Charakterstudie ebenso
für geeignet wie für das Arbeiten an historischen Zusammenhängen. Hier
ist ein fächerübergreifender Aspekt zu den Unterrichtsfächern Geschichte
und Pädagogik/Psychologie gegeben. Historische Rätsel haben schon immer
die Menschen interessiert, ob es sich dabei um die Ermordung der Familie
des letzten russischen Zaren handelt, den Verbleib des Bernsteinzimmers
oder die Schiffskatastrophe der Titanic. Ungeklärte Umstände lassen sehr
viel Spielraum für Interpretationen und Gerüchte. Diese sind es auch,
die Richard III für Schüler so interessant machen. Wie Obersdorfer (1995)
zu Recht behauptet, wollen die Schüler selbstverständlich zu ihren
eigenen Ergebnissen kommen ,ob Richard III nun schuldig oder unschuldig
ist. Die Schüler müssen sich über die verschiedenen Positionen informieren,
sie strukturieren und vergleichen. Die Spekulation allein kann aber nicht
ausreichen, um die Behandlung dieses Aspektes zu rechtfertigen. Anhand
der historischen Quellen, die alle im Internet zugänglich sind , können
die Schüler sich ihr eigenes Bild von der Situation machen und so wie
die Experten, zu einer Meinung gelangen. Es ist nicht schwer, sich von
der großen Debatte anstecken zu lassen und historisch Stellung
zu beziehen. Die Schüler können hierbei lernen, sich sowohl mit historischen
als auch mit zeitgenössischen Texten kritisch auseinanderzusetzen. Daß
es sich hierbei ausnahmslos um fremdsprachige, wissenschaftliche Texte
handelt, erhöht meines Erachtens nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern
bereitet die Schüler zudem auf ein mögliches Studium vor.
In den Richtlinien wird eine wissenschaftspropädeutische Ausbildung
als ein vorrangiges Ziel definiert. Diese Ausbildung verlangt [...]
eine weitgehende Beherrschung von Prinzipien und Formen selbständigen
Arbeitens. Darunter wird verstanden, daß die Schüler sich
die Fähigkeiten, Methoden und Techniken aneignen, die sie in die Lage
versetzen, Informationen zu beschaffen und diese in planvoller und zielstrebiger
Arbeit auch über längere Zeit zu bearbeiten.
Zu diesem Aspekt werden die Autoren des Lehrplanenturfes sehr konkret.
Ein selbstbestimmtes und kooperatives Lernen ist ein
Schwerpunkt der Weiterentwicklung des Englischunterrichts in der gymnasialen
Oberstufe.
Der Englischunterricht in der gymnasialen Oberstufe stärkt zusammen
mit anderen Fächern das
wissenschaftspropädeutische und berufsbezogene Arbeiten sowie den Erwerb
von Fähigkeiten,
Techniken und Methoden, die Selbständigkeit und -verantwortung sachgerecht
unterstützen. Lernen
als aktiver, konstruktiver und selbstbestimmter Prozess bedeutet, Verantwortung
in den
unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit, die zur Bewältigung komplexer
Aufgabenstellungen
erforderlich sind, zu übernehmen.
Der Lehrplanentwurf sieht außerdem eine Entfaltung der
Medienkompetenz (media literacy) und der Computerkompetenz (computer
literacy) vor, die Ausdruck eines selbständigen Lernens seien. Dabei
sollen die Schüler mit Informationsbeschaffung und Sprachenlernen
per Internet vertraut werden. Der Umgang mit audiovisuellen
und elektronischen Medien wird dabei mit dem Umgang mit literarischen
und Sachtexten auf eine Stufe gestellt.
Inwiefern die Erstellung von Internetseiten sowohl das
in den Richtlinien geforderte selbständige und eigenverantwortliche Arbeiten
fördert als auch einen aktiven Zugang zu einem Shakespeare-Drama bietet,
soll im folgenden betrachtet werden. Dabei wird zunächst angedeutet, wie
das Erstellen von Internetseiten als handlungsorientierter Ansatz im Fremdsprachenunterricht
durch die konstruktivistische Lerntheorie begründet werden kann.
Das Lernen ist aus konstruktivistischer Sicht ein aktiver Konstruktionsprozeß,
den die Lernenden weitgehend eigenständig und selbstverantwortlich durchführen
und dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dabei steuern kognitive
wie affektive Prozesse die Konstruktion von Verbindungen zwischen altem
und neuen Wissen. Timm stellt fest, daß ein konstruktivistischer
bzw. prozeßorientierter Unterricht die individuellen Wahrnehmungen sowie
die mentalen Verarbeitungsaktivitäten des Lernenden als maßgebliche Grundlage
für Lernprozesse berücksichtigt. Donath stellt fest, daß ein handlungsorientierter
Unterricht ebenfalls prozeßorientiert, und somit konstruktivistisch ist.
Ein handlungsorientierter Unterricht basiert auf den Erfahrungen der Schüler,
stellt authentische Materialien zur Verfügung, ist im Hinblick auf unterrichtliche
Handlungsprodukte ergebnisorientiert, im Hinblick auf die Entwicklung
von Sozialkompetenz emanzipatorisch und ist ganzheitlich in bezug auf
die Schüler sowie den Lerngegenstand Sprache . Donath stellt
somit Merkmale heraus, die ebenfalls von Vertretern des Konstruktivismus
in Anspruch genommen werden.
Bei der Erstellung von Internetseiten geht es nicht nur darum, den Schülern
Fachwissen über das Internet zu vermitteln, sondern vornehmlich darum,
die Schüler zu eigenverantwortlichem Arbeiten anzuleiten. Das geschieht
hierbei in besonderem Maße, da das schriftliche Arbeitsprodukt nicht für
den Lehrer zwecks Korrektur und Bewertung, sondern für eine breite, wenn
nicht weltweite Öffentlichkeit bestimmt ist. Durch das Publizieren ihrer
Ergebnisse im Internet gewinnt das Handeln der Schüler eine neue Qualität.
Das Ziel, ein qualitativ möglichst hochwertiges Produkt zu veröffentlichen,
führt vor allem zu einer intrinsischen Motivation der Schüler, was den
Unterricht effektiver werden läßt. Die Kommunikationssituation wird, wie
von Konstruktivisten gefordert, authentisch, da sie nicht mehr schulisch
simuliert wird, sondern als Unterrichtsprodukt auf reale Adressaten zielt.
Das Fachwissen, das die Schüler durch die Beschäftigung mit dem Internet
erwerben, ist für einen späteren Beruf sicherlich von Nutzen, wenn man
bedenkt, daß eine Vielzahl von Berufen ohne Computerwissen nicht mehr
auskommt. Wissen jedoch, und das trifft besonders für die Computertechnologie
zu, ist in der heutigen Zeit so schnell veraltet, daß die Beschäftigung
mit Computer und Internet eine Rechtfertigung nicht allein dadurch erfährt,
daß Schülern Fachwissen auf dem Gebiet des Internets vermittelt wird.
Die Schüler erlangen bei der Erstellung von Internetseiten allerdings
eine Methodenkompetenz, die sie in ihrem weiteren Leben auch dann sehr
gut gebrauchen können, wenn das heutige Fachwissen längst veraltet sein
sollte. Sie müssen Texte lesen, strukturieren, analysieren und schreiben;
die geschriebenen Texte müssen erneut strukturiert und überarbeitet werden.
Hierbei werden Kompetenzen erworben, die von Fachwissen unabhängig sind.
Da es sich bei den von den Schülern produzierten Internetseiten um sogenannte
Hypertexte handelt, wird die Erarbeitung zu einem großen Anteil
in Einzel- und Gruppenarbeit absolviert und gibt damit den Schülern die
Möglichkeit, Sozialkompetenzen zu erwerben und ihre Kommunikationsfähigkeit
zu verbessern. Durch die Möglichkeit des kooperativen Lernens stellt der
Schüler den von der konstruktivistischen Lerntheorie geforderten Kontakt
mit anderen [her], um seine Hypothesen über die Umwelt zu validieren und
um Konsens über die Art und Weise, wie die Umwelt konstruiert ist, zu
erzielen. Durch die vielfältige Gruppenarbeit kann binnendifferenziert
gearbeitet werden. Individuelle Neigungen und Fähigkeiten können hierbei
berücksichtigt und zum Wohle der Gruppe genutzt werden. Während zum Beispiel
sprachlich leistungsstarke Schüler mit der Überarbeitung von Texten betraut
werden können, können Computerexperten ihre Stärken bei der Erstellung
von Grafik- und Videomodulen herausstellen. So werden sowohl stärkere
als auch schwächere Schüler in das Projekt integriert und können erfahren,
daß ein anspruchsvolles Gesamtergebnis nur erreicht werden kann, wenn
alle Schüler ihre individuellen Fähigkeiten bestmöglich einsetzen.
Die Produktion von Hypertexten verlangt von den Schülern aber auch, die
Inhalte des Lerngegenstandes voneinander abzugrenzen und zu strukturieren,
um sie auf den einzelnen Internetseiten (Web-pages) eines hypertextuellen
Projektes (web-site) darzustellen. Die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen
Themenbereichen müssen hergestellt und verdeutlicht werden, um sinnvolle
Verknüpfungen zwischen den einzelnen Inhaltsgebieten aufzubauen. Die didaktische
Funktion von Hypertexten und damit von der Erstellung von Internetseiten
ist es, als cognitive tool zu dienen, um Lernstrategien zu aktivieren
und somit Lernprozesse zu fördern. Die Erstellung von Hypertexten kann
dabei helfen, die wesentlichen Aspekte des Lerngegenstandes in ihren vielschichtigen
Verflechtungen und Zuordnungen deutlich zu machen.
Das Erstellen von Internetseiten ermöglicht außerdem eine Integration
verschiedener Teilbereiche des Fremdsprachenunterrichts. Die Schüler müssen
beim Verfassen ihrer Texte auf die Orthographie und Grammatik achten und
müssen ihren Wortschatz situationsangemessen reaktivieren und erweitern.
Außerdem müssen die Schüler zunächst Informationen recherchieren, ihre
gesammelten Texte lesen, verstehen und analysieren. Anschließend müssen
eigene Texte strukturiert, geplant und adressatengerecht geschrieben werden.
Die Schüler müssen mit Muttersprachlern Kontakt aufnehmen, um entweder
Informationen zu erhalten, oder um um die Erlaubnis bei der Verwendung
von Grafiken zu bitten. Das Ziel, die Arbeit am Projekt in der Fremdsprache
zu bewältigen, darf seiner Schwierigkeit zum Trotz nicht geopfert
werden. Wolff weist ausdrücklich darauf hin, daß sich nur dann aus konstruktivistischer
Sicht eine Lernerautonomie entwickeln kann. Hier wird deutlich,
daß Lernerautonomie nicht nur das selbständige sondern auch das eigenverantwortliche
Arbeiten einschließt. Eigenverantwortlichkeit muß im Fremdsprachenunterricht
auch bedeuten, daß die Schüler während ihrer selbständigen Arbeit die
Fremdsprache benutzen. Daß das durchaus realisiert werden kann, zeigen
Untersuchungen aus einer früheren Staatsarbeit in Leverkusen und
eigene Unterrichtserfahrungen sogar in der Unterstufe.
Ein weiterer Aspekt unterstreicht die Besonderheit des Internetprojektes:
die Rollen, die Schüler und Lehrer innehaben, verändern sich. Der Lehrer
wird vom Wissensvermittler zum faciliator, coach,
moderator mediator und navigator.
Das bedeutet, daß der Lehrer den Lerninhalt didaktisch reduziert, den
Schülern einerseits Freiraum für ihren kreativen Konstruktionsprozeß läßt,
andererseits aber Hilfestellung gibt, wo dies notwendig erscheint. Lehrer
ermöglichen den Lernenden vielfältige kommunikative Situationen
zur Problemlösung und leiten sie dazu an, Diskussionen über Sachverhalte
und Streitgespräche über Dilemmata geregelt zu führen sowie Teamarbeit
effektiv zu gestalten. Schüler werden zu autonomen Lernern,
vom Objekt von Lehreraktivität zum Subjekt eines Lernprozesses. Es bedarf
selbstverständlich nicht eine Erstellung von Internetseiten, um ein autonomes
Lernen der Schüler zu erreichen, aber es wird dadurch ermöglicht.
4.3. Didaktische Schwerpunktsetzung
Inhaltsverzeichnis
Im Zentrum der Reihe stehen neben Shakespeares Richard
III die Weiterentwicklung der methodischen Kompetenz der Schüler und die
Förderung des selbständigen und eigenverantwortlichen Arbeitens. Nachdem
Shakespeares Drama zu Beginn der Gesamtreihe sowohl auf traditionelle
Art und Weise als auch durch schüleraktivierende Methoden besprochen wurde,
sollen die Schüler sich nun über eine längere Zeitdauer ausführlich mit
eng begrenzten Aspekten des Dramas auseinandersetzen, wobei sie die vorher
erworbenen Kenntnisse einbringen und entwickeln sollen. Da die Schüler
mit dem Inhalt des Dramas bereits gut vertraut sind, wird es ihnen überlassen,
welche Akte bzw. Szenen ihnen für ihren thematischen Aspekt besonders
geeignet erscheinen. Dabei wird sicherlich darauf zu achten sein, daß
bestimmte Szenen, die im folgenden tabellarisch dargestellt werden sollen,
besonders detailliert in die Arbeit einfließen:
| Gruppe |
zu behandelnde Szenen |
| psychological group |
Akt 1, Szenen 2 und 3,
Akt 3, Szenen 1 und 7,
Akt 4, Szene 4
Akt 5, Szene 4 |
| historical group |
Diese Gruppe benötigt eine Übersicht über das gesamte Drama,
hat allerdings vermehrt Sekundärtexte zu behandeln.
Akt 1, Szene 1 ist jedoch in jedem Fall zu behandeln. |
| political group |
Auch diese Gruppe muß sehr stark Sekundärtexte behandeln, sollte
diese aber verknüpfen mit der Handlung in:
Akt 1, Szenen 3 und 4
Akt 2, Szene 3
Akt 3, Szene 4
Akt 3, Szene 7 (besonders wichtig auch die Filmsequenz des
gesehenen Films von Loncraine)
Akt 4, Szene 2
Akt 5, Szenen 4 und 5 |
Da es nicht vorauszusehen ist, welche Sekundärtexte die
Schüler im Internet finden werden, ist es sehr schwer, diese zu benennen.
Meines Erachtens müssen die Schüler die auf dem Yorkish History Server
befindlichen Texte besonders behandeln. Dabei handelt es sich im besonderen
um die historischen Texte von More und Walpole sowie um die Essays des
20. Jahrhunderts der Richard III Society . Da diese jedoch Richard III
vornehmlich positiv darstellen, werden die Schüler um Sekundärliteratur
aus Bibliotheken nicht herumkommen. Die Schüler wurden zu Beginn der Gesamtreihe
auf die hilfreichen Informationen der Einleitung des Primärtextes hingewiesen,
die von einem Großteil der Schüler auch gelesen wurde . Daher setze ich
voraus, daß die Schüler diesen Text ebenfalls erneut behandeln werden.
Außerdem werden den Schülern von mir die ausführlichen Einleitungen von
Desmond Seward und Keith Dockray ausgegeben, die die positiven Darstellungen
der Richard III Society relativieren. Um den Schülern die Arbeit mit den
historischen Texten zu erleichtern, werde ich ihnen die ins moderne Englisch
übersetzten, historischen Texte zur Verfügung stellen . Die Sekundärtexte
von Garber (1988) , Strong (1983) und Unterstenhöfer (1988)
werden ebenfalls zur Verfügung gestellt werden, da es meines Erachtens
für die Schüler einen zu hohen zeitlichen Aufwand bedeuten würde, sich
diese Texte selbst zu besorgen. Weiterhin ist davon auszugehen,
daß die Gruppen Sekundärtexte aus der Encyclopaedia Britannica bearbeiten.
Hierbei halte ich es für notwendig, die Texte über Adler und Freud sowie
über political systems, dictatorship, totalitarism sowie Machiavelli und
Richard III zu behandeln.
Die Verwendung des Netscape Composers bedeutet bereits
dadurch eine didaktische Reduktion, daß die Schüler sich nicht die Programmiersprache
HTML aneignen müssen, um Web-Seiten zu erstellen. Dadurch, daß das Projekt
meines Erachtens aus Gründen der Professionalität und der Übersichtlichkeit
Frames enthalten sollte, werde ich die dazu notwendige Index-Datei mit
Hilfe eines HTML-Editors in HTML erstellen. Die Schüler brauchen
dadurch ihre Texte nur in Word 97 zu schreiben und sie in ein HTML-Dokument
zu konvertieren, müssen sich also nur begrenzte Kenntnisse im Umgang
mit dem Netscape Composer aneignen, wobei ich den Teams eine in englischer
Sprache abgefaßte Gebrauchsanweisung zur Verfügung stellen werde . Das
Schreiben mit dem Textverarbeitungsprogramm Word 97 ist den meisten Schülern
bekannt, wo notwendig, werde ich allerdings die geeignete Hilfestellung
geben. Was den Schülern allerdings nicht geläufig sein dürfte, ist die
Verwendung der Kommentar-Funktion, die ihnen ein kooperatives Überarbeiten
von Texten ermöglicht. Da mir diese Funktion aus methodischer und didaktischer
Sicht äußerst sinnvoll erscheint, werden die Schüler zu Beginn der Überarbeitungsphase
mit ihr vertraut gemacht werden.
Das Übermitteln der Dateien auf den Server von ThinkQuest mit Hilfe des
Programmes WS_FTP Pro werde ich gemeinsam mit den Schüler erst in einer
Stunde nach den Sommerferien durchführen, da das Projekt erst am 15. August
1999 auf dem amerikanischen Server sein muß und bis dahin auch von niemandem
eingesehen werden kann. Die Regeln des Wettbewerbs verbieten aus Gründen
des Copyrights natürlich eine Vorabveröffentlichung des Projektes.
Dieser Staatsarbeit liegen jedoch alle Dateien sowohl in gedruckter Form
als auch als HTML-Dokumente auf Datenträger bei.
4.4. Ziele der Reihe
Inhaltsverzeichnis
Die übergeordneten Ziele der Reihe liegen in der wissenschaftspropädeutischen
Ausbildung der Schüler und im Bereich der Methodenbeherrschung.
Dem zentralen Lernziel des Englischunterrichts, die Fähigkeit der Schüler
zu Textrezeption und Textproduktion zu fördern, wird in dieser Reihe
schon dadurch ein hoher Stellenwert beigemessen, daß die Schüler eine
Vielzahl von längeren Texten zu bearbeiten haben und das Ergebnis der
Examensreihe eine Textproduktion im weiteren Sinne darstellt.
Die Ziele der Reihe schließen allerdings auch den in den Richtlinien dargestellten
äußeren Kreis mit ein, in dem die Einstellungen und
Haltungen angesiedelt sind. Hierbei betont die Reihe beide Aspekte, die
Bereitschaft zur Kommunikation im fremdsprachlichen Medium und die Sensibilisierung
für Sprache und versprachlichte Wirklichkeit. Letzteres wird besonders
bei der Signifikanz des Dramas für die Gegenwart der Schüler deutlich.
Im Bereich der Sprachbeherrschung werden die Schüler durch
die Bearbeitung fast ausschließlich authentischer Texte in den Teilbereichen
Leseverstehen und Schreibfertigkeit besonders gefordert und gefördert.
Der Teilbereich des Hörverstehens spielt hierbei sicherlich nur eine untergeordnete
Rolle. Im Teilbereich der Sprechfertigkeit wird von den Schülern erwartet,
daß sie ihre Gruppenarbeitsphasen in der Fremdsprache führen, was durch
den Einsatz eines language supervisor und der Aufgabe, montags
ein Kurzreferat halten zu müssen , unterstrichen bzw. forciert wird.
Im Lernzielbereich Wissen werden neben Kenntnissen in Bezug auf das Drama
Fachkenntnisse im Bereich der Benutzung der verschiedenen Computerprogramme
und des Internets sowie Wissen über historische, psychologische und politische
Zusammenhänge einen Schwerpunkt bilden. Dabei werden diese Kenntnisse
größtenteils durch englischsprachige Texte vermittelt.
Im Lernzielbereich Methodenbeherrschung beziehen sich die Lernziele auf
die Bereiche Textrezeption und -produktion, sowie auf die Kommunikation
und Arbeitsweise in der Gruppe (Teamwork) und die selbständige Planung
und Strukturierung längerer Arbeitsprozesse.
4.4.1. Affektive Ziele
der Reihe (Lernbereich Einstellungen und Haltungen) Inhaltsverzeichnis
Die Schüler sollen
- die Modernität des Dramas für ihre Lebenswelt erfahren,
- etwaige Aversionen und Ängste gegen die vermutete Schwierigkeit eines
Shakespeare- Dramas abbauen und lernen, durch
Aufgeschlossenheit einen offenen Zugang zu finden,
- Freude an der Behandlung des Dramas empfinden und die Bereitschaft entwickeln,
sich mit längeren authentischen Texten
auseinanderzusetzen,
- in den Gruppenarbeitsphasen ihre Gesprächsbereitschaft entwickeln, indem
sie während des Gespräches aktiv zuhören,
mitdenken und auf Gesprächsbeiträge ihrer Mitschüler reagieren,
- während der Evaluationsphasen ihren Standpunkt vertreten können und
dabei offen für die konstruktive Kritik ihrer
Mitschüler sein,
- sich für das Produkt des Projektes selbst verantwortlich fühlen und
dies durch eine engagierte Arbeitseinstellung signalisieren.
4.4.2. Ziele im Lernbereich
I: Sprachbeherrschung Inhaltsverzeichnis
Die Schüler sollen
- ihren Wortschatz zur Textarbeit reaktivieren und erweitern;
- sich einen technischen Wortschatz im Bereich Computer/Technologie aneignen,
- ihre Fähigkeit, längere Texte ohne den ständigen Gebrauch des Wörterbuchs
zu lesen, festigen und erweitern,
- sich in den Gesprächsphasen sprachlich angemessen artikulieren und sich
dabei eines angemessenen Registers bedienen,
- ihre Fähigkeit entwickeln, einen kurzen Vortrag oder Bericht sprachlich
flüssig zu halten,
- ihre Fähigkeit verbessern, einen Text orthographisch, lexikalisch und
syntaktisch korrekt zu schreiben,
- ihre Fähigkeiten erweitern, ihre Texte adressaten- und produktbezogen
bezüglich Register und Stil zu schreiben,
- ihre Fähigkeit erweitern, die im Gespräch gewonnenen Arbeitsergebnisse
schriftlich darzustellen.
4.4.3. Ziele im Lernbereich
II: Wissen Inhaltsverzeichnis
Die Schüler sollen
- die Stellung eines historischen Dramas bei Shakespeare erkennen,
- den Unterschied zwischen Geschichtsschreibung früherer Zeit und heute
reflektieren können,
- Unterschiede zwischen Geschichtsschreibung und dem historischen Drama
Shakespeares erkennen können,
- historische, politische und psychologische Zusammenhänge in Bezug auf
Richard III herstellen und auf moderne Situationen
beziehen.
- ihre Kenntnisse bei der Verwendung des Textverarbeitungsprogrammes Word
97 vertiefen,
- sich grundlegende Kenntnisse bei der Erstellung von Web-Seiten mit Hilfe
des Netscape Composers aneignen,
- sich Wissen über Bestimmungen des Urheberrechts aneignen und diese bei
der Erstellung ihrer Web-Seiten beachten,
4.4.4. Ziele im Lernbereich
III: Methodenbeherrschung Inhaltsverzeichnis
Die Schüler sollen
- das Internetprojekt sowohl innerhalb des Kurses als auch in der Gruppe
selbständig planen, durchführen und evaluieren,
- selbständig Fragestellungen zu den thematischen Aspekten finden, kritisch
beurteilen und modifizieren,
- intermedial (Buch, Bibliothek, Film, Internet, CD-ROM) nach geeigneter
Sekundärliteratur und anderen Medien (Bilder,
Grafiken usw.) recherchieren können,
- Methoden der Informationserfassung, wie diagonales, selektives und systematisches
Lesen , entwickeln und einüben, sowie
dabei ihre Fähigkeiten des Markierens und des note-taking
erweitern,
- die Sekundärliteratur exzerpieren und die enthaltenen Informationen
strukturieren können,
- ihre Fähigkeiten vertiefen, eigene Texte zu planen und zu strukturieren,
- ihre Fähigkeiten verbessern, die Texte ihrer Mitschüler sprachlich und
inhaltlich zu korrigieren und zu kommentieren,
- ihre Texte selbständig und kritisch überarbeiten können,
- ihre eigene Teamfähigkeit erweitern,
- Gesprächs- und Arbeitsergebnisse protokollieren und diese in einem Kurzbericht
mündlich vortragen können.
5. Geplantes methodisches
Vorgehen Inhaltsverzeichnis
Die Teilnahme an einem Wettbewerb wird besonders gut durch
einen projektartigen Unterricht ermöglicht, da dieser den Schülern die
Möglichkeit gibt, nicht nur wissenschaftspropädeutische Verfahren zu erproben
, sondern durch Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit zu gelangen .
Da die Examenssequenz als abschließender Teil des Projektes alle methodischen
Entscheidungen in sich vereinigt, werden im folgenden auch die dargestellt,
die zwar schon vor der Examenssequenz getroffen wurden, aber die Arbeit
am Projekt unmittelbar beeinflussen und bis zum Schluß Bedeutung haben.
Nach FREY (1996) ist die Projektmethode eine offene Lernform, die sich
daher nicht durch eine präzise Definition beschreiben läßt . Es lassen
sich allerdings Merkmale finden, die sie charakterisieren: die Schüler
greifen eine Projektinitiative von jemanden auf oder initiieren sie selbst.
Im Fall des Internetprojekts ging diese Initiative vom Lehrer aus. Die
Schüler organisieren sich in einem begrenzten zeitlichen Rahmen selbst,
informieren sich gegenseitig in gewissen Abständen über Aktivitäten, Arbeitsbedingungen
und -ergebnisse. Arbeitsziele werden vereinbart, es wird um Hilfe gebeten
und diese gewährt. Die Schüler befassen sich mit realen Situationen und
Gegenständen, die auch außerhalb der Lernsituation auftreten können.
Das Internetprojekt über Shakespeares Richard III entspricht in weiten
Teilen diesen Merkmalen, auch wenn ich auf dem Weg zum Ziel mehr oder
weniger lenkend eingegriffen habe und dies noch tun werde, um nicht die
Ziele des Fremdsprachenunterrichts den methodischen Zielen zu opfern .
Durch die Planung des Internetprojektes wird zwar ein großer Schwerpunkt
auf die Erweiterung und Entwicklung der Methoden- und Sozialkompetenz
der Schüler gelegt, allerdings sichert der organisatorische Rahmen nicht
nur die Entwicklung der Methodenkompetenz der Schüler, sondern auch deren
sprachliche Entwicklung.
Wie oben bereits erwähnt, fügt sich die Examenssequenz in das Internetprojekt
ein. Sie verbindet die Produktionsphase mit der Informationsphase und
mündet in der Verifikation und Optimierung der Arbeitsergebnisse.
Der organisatorische Rahmen wurde mit den Schülern zu Beginn des Projektes
besprochen und ihnen schriftlich vorgelegt . Um die Schüler auf ihre selbständige
und eigenverantwortliche Arbeit vorzubereiten, wurde ihnen ein Arbeitsschema
unterbreitet, wie sie an das Projekt allein und in der Gruppe herangehen
konnten. In ihren Gruppen müssen die Schüler verschiedene Rollen verteilen,
die jede Woche zu wechseln haben. Folgende Rollen sieht die Gruppenarbeit
vor :
- secretary, die/der die Gruppenarbeit zu protokollieren
hat,
- progress reporter, die/der jede Woche einen schriftlichen
progress report abgeben muß,
- chair person, die/der die Gesprächsleitung der Gruppenarbeit
übernimmt,
- vocabulary manager, die/der unbekannte Vokabeln und notwendiges
Fachvokabular sammelt,
- language supervisor, die/der zu überwachen hat, daß möglichst
viele Redeanteile während der Gruppenarbeit in der Fremdsprache ablaufen,
- team leader, die/der für die Interaktion mit den anderen
Gruppen und dem Lehrer verantwortlich ist und außerdem die Zeit im Auge
behalten muß. Diese Funktion wird nicht gewechselt.
- presenter, der montags per Zufall ausgewählt wird
und über die Arbeit der Gruppe in der vergangenen und der laufenden
Woche zu berichten hat, als Grundlage für eine Reflexion im Plenum.
Die Funktionen des language supervisor ist
meines Erachtens im Fremdsprachen-unterricht besonders wichtig, um die
Schüler immer wieder zur Benutzung der Fremdsprache aufzufordern. Der
language supervisor hat nicht nur die Verpflichtung, sich
ausschließlich in der Fremdsprache auszudrücken, sondern er soll auch
seine Mitschüler dazu anhalten. Die Funktion des vocabulary managers
entstammt dem Vorschlag aus dem Fachseminar, Vokabeln, die im Laufe des
Unterrichts anfallen, von einem Schüler protokollieren zu lassen und diese
später auszuteilen . Um eine intensive Mitarbeit aller Schüler während
der Gruppenarbeit gewährleisten zu können, wird montags der presenter
per Zufall ausgewählt. Dadurch sind alle Schüler gezwungen, vorbereitet
im Unterricht zu erscheinen. Da die Gruppen zwischen sechs und sieben
Schülern umfassen, hat fast jeder Schüler in jeder Woche eine Aufgabe.
Diese Organisation der Projektarbeit hat meiner Ansicht nach viele Vorteile,
die sowohl lerntheoretisch als auch unterrichtspraktisch zu begründen
sind.
Die Gruppeneinteilung wurde von mir vorgenommen, um sicherzustellen, daß
sich in jeder Gruppe Schüler mit unterschiedlichen Kenntnissen und Fähigkeiten
befinden, die dann für die nötigen Hilfestellungen in ihrer Gruppe mitverantwortlich
sind. So befinden sich in der psychologischen Gruppe unter
anderem die Schüler, die Pädagogik als Leistungsfach belegt haben und
somit psychologische Kenntnisse in die Arbeit einbringen können. Ebenso
verhält es sich in der historischen Gruppe mit Schülern des
Geschichtsleistungskurses. In jeder Gruppe befinden sich Schüler mit unterschiedlichem
sprachlichen Leistungsniveau und Schüler mit Kenntnissen auf dem Gebiet
des Internets und der Verwendung des Computers.
Nach Meyer handelt es sich bei einem Projekt um eine methodische Großform,
die in der Regel aus allen vier Sozialformen (Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit
sowie Frontalunterricht) zusammengesetzt ist. Durch
die Offenheit der Arbeitsform Projekt wird der Unterricht
durch einen regelmäßigen Wechsel zwischen offenen und eher gelenkten Phasen
charakterisiert.
Meines Erachtens verhindert ein regelmäßiger Wechsel der Sozialform nicht
nur die Monotonie des Unterrichts, sondern führt auch zu variableren und
größeren Lernergebnissen. In jeder Sozialform werden andere Fähigkeiten
der Schüler verlangt und weiterentwickelt. So wird die Einzelarbeit vor
allem dazu dienen, an der konkreten Entwicklung des Produkts zu arbeiten
und hat somit auch die Aufgabe, die Gruppenarbeit vorzubereiten, die wiederum
das Handlungsprodukt auswertet und ggf. modifiziert. Entscheidungen, die
den gesamten Kurs betreffen, werden im Plenum besprochen werden, wobei
es sich hierbei besonders um die Festlegung verschiedener Parameter der
Web-Seiten sowie die Erstellung der Homepage handeln wird. Die Evaluation
der Ergebnisse wird auf zwei Ebenen stattfinden. Auf Gruppenebene wird
eine Vorbewertung von den jeweiligen Experten geleistet, auf Kursebene
werden die Ergebnisse dann besonders auf ihren Adressatenbezug hin überprüft
werden müssen, da unbeteiligte Leser die Verständlichkeit oft angemessener
beurteilen können als die Experten selbst.
Bei der Überarbeitung der Schülertexte in Einzel- und Partnerarbeit
wird sich ebenso des Computers bedient, wie bei der Arbeit im Plenum.
Mit Hilfe der Demonstrationsfunktion des Programms MasterEye können Veränderungen
eines Produkts unmittelbar am Bildschirm und somit vor den Augen des Schülers
vorgenommen werden. Der Lehrer kann somit während einer Gesprächsphase
Textmodifikationen vornehmen. Diese Methode eignet sich besonders auch
für die gestalterische Arbeit der Web-Seiten, da mit einem Mausklick Elemente
geändert, aber auch genauso schnell wiederhergestellt werden können. Da
die weiße Tafel im Internetraum der Schule sehr stark reflektiert und
dadurch von den Schülern am Rand des Raumes nur sehr schwer einzusehen
ist, halte ich diese Möglichkeit der gemeinsamen Textbearbeitung für sehr
effektiv. Die Schüler sind dabei durch den Lehrercomputer blockiert und
können nicht an ihren Bildschirmen arbeiten.
Bei der Überarbeitung der Schülertexte werden die Schüler in die Verwendung
der Kommentarfunktion des Textverarbeitungsprogramms eingewiesen werden,
da es den Schülern erlaubt, sich die Texte vom Server in ihren Computer
zu laden, sie zu kommentieren und wieder auf dem Server zu sichern. Diese
Methodik läßt ein übersichtliches Kommentieren eines Textes von mehreren
Schüler zu, wobei der Name des Kommentierenden mit jedem Kommentar angegeben
wird. Das Überarbeiten wird zu einer kommunikativen Situation, wenn sich
die Schüler über die Kommentare und somit über Sprache und Inhalt des
Textes unterhalten müssen. Die Verwendung der Kommentarfunktion hinterläßt
im Text gelb unterlegte Markierungen, die jeweils den Kommentar oder die
Korrektur anzeigen, wenn mit der Maus auf diese gezeigt wird. Die Schüler
erweitern dabei ihre Fähigkeiten im Korrekturlesen. Ein weiterer Vorteil
ist, daß die Schülertexte nicht noch einmal geschrieben werden müssen.
Nachdem der Kommentar des Mitschülers gelesen und eventuell mit diesem
besprochen wurde, kann der Text überarbeitet und der Kommentar gelöscht
werden.
Mögliche Lernschwierigkeiten sehe ich besonders in der durch die offene
Unterrichtsform bedingten methodischen hohen Anforderung, die von den
Schülern verlangt, sich mit ihren Fragestellungen immer wieder kritisch
auseinanderzusetzen und sie ggf. zu modifizieren. Meines Erachtens reicht
es nicht aus, den Schüler bei ihren Fragen und Schwierigkeiten unterstützend
zur Seite zu stehen, sondern es muß meine Aufgabe sein, die Schüler durch
gezielte Fragen und Impulse zu einer inhaltlichen Bewertung ihre Arbeit
zu bewegen. Da die Schüler in der Anfangsphase des Projektes zunächst
Probleme hatten, geeignete Fragestellungen zu ihren Themen zu formulieren,
werde ich mein Augenmerk darauf zu richten haben, daß die Schüler mit
ihren Fragestellungen thematisch nicht zu sehr vom eigentlichen Thema
abschweifen. In diesem Fall halte ich es für notwendig, daß die jeweilige
Gruppe sich durch eine inhaltliche Diskussion erneut den Bezug zum Gesamtthema
bewußt macht und ihre Fragestellungen ggf. modifiziert.
6. Darstellung und
Reflexion der Stunden Inhaltsverzeichnis
Die Durchführung eines Projekts bringt viele Vorteile
sowohl für die Schüler als auch für den Lehrer mit sich. Besonders auffällig
ist die Veränderung der Rollen, die diese Arbeitsform bewirkt. Während
der Lehrer den Schüler in größerem Maße hilft, anstatt sie zu bewerten,
und Anregungen gibt, anstatt zu belehren, übernehmen die Schüler Eigenverantwortung
für ihr Lernen und ihre Leistung. Die Schüler nehmen aktiv an der Planung
des Projekts teil. Somit entwickelt ein Projekt oft eine Eigendynamik
und geht Wege, die vorher nicht vorauszusehen sind. Die Planung und Durchführung
des Unterrichts können aus diesem Grund stark divergieren, und es ist
für den Lehrer nur schwer einzuschätzen, wie sich das Projekt weiterentwickeln
wird. Die Schüler entscheiden zum großen Teil, wie ihr Endprodukt aussehen
wird und der Lehrer hat die Möglichkeit durch Anregungen und kritisches
Hinterfragen die Schüler immer wieder zum Nachdenken und Reflektieren
anzuregen. Aus diesem Grund kann im folgenden keine detaillierte Planungssynopse
der Reihe erwartet werden, sondern muß eine tabellarische Übersicht über
den tatsächlichen Verlauf der Reihe angeboten werden, um dem Charakter
der Eigendynamik eines Projekts Rechnung zu tragen.
Symptomatisch stellt sich daher schon der Beginn der Reihe dar. Die Schüler
hatten die Aufgabe, in den Osterferien ihre letzten Materialien zu sichten
und ihre handgeschriebenen Entwürfe fertigzustellen, damit die Texte mit
Hilfe des Textverarbeitungsprogramms bearbeitet werden konnten. Die erste
Stunde war somit für die Bestimmung des Arbeitsfortschrittes und die Planung
der weiteren Arbeit vorgesehen. Dabei sollten die Schüler schon ihre Ergebnisse
in einem Kurzvortrag präsentieren, wobei thematische Überschneidungen
erkannt und ausgeschlossen werden sollten. Meine ursprüngliche weitere
Planung sah vor, daß die handgeschriebenen Entwürfe getippt und überarbeitet
werden sollten, damit die Schüler anhand ihrer Texte in die Benutzung
des HTML-Editors eingeführt werden konnten. Die Lage stellte sich allerdings
in der ersten Stunde (12. April 1999) anders dar, als gehofft. Die meisten
Schüler hatten in den Ferien zwar die Texte gelesen und bearbeitet, handgeschriebene
Entwürfe waren allerdings nur zum Teil angefertigt worden. Einen Grund
dafür sahen die Schüler im großen Umfang der Texte und natürlich in der
Tatsache, daß schließlich Ferien gewesen waren.
Ich war mir im voraus bewußt, daß die weitere Planung des Projekts und
damit die Planung der Examenssequenz stark von der geleisteten Arbeit
der Schüler während der Ferien abhängen würde. Die gleichzeitige Bearbeitung
der Schülertexte und die Erstellung der ersten Web-Seiten, die ursprünglich
erst für die zweite Woche geplant war, mußte nun bereits zu Beginn der
Examenssequenz beginnen. Um der veränderten Situation Rechnung zu tragen,
mußten die Schüler ihren Mitschülern in den Gruppen zunächst einen kurzen
Bericht über den Fortschritt ihrer Arbeit geben, um daraufhin die weitere
Planung des Projekts zu diskutieren. Die Schüler einigten sich zunächst
in ihren Gruppen, dann im Kurs auf einen Zeitpunkt zur Fertigstellung
der Entwürfe, wobei der folgenden Mittwoch favorisiert wurde. Dies bedeutete
zwar für einige Schüler einen größeren häuslichen Arbeitsaufwand, wurde
aber aufgrund der Absprache akzeptiert.. Erfreulich war die Tatsache,
daß die Schüler sowohl in ihren Gruppen als auch im Plenum ebenfalls den
Vorschlag einer zweigleisigen Arbeitsorganisation machten und ich somit
nicht meine Vorstellungen der Reihenplanung anbieten mußte. Statt dessen
konnte die weitere Planung selbständig von den Schülern gestaltet werden.
Der von den Schülern vorgeschlagene Arbeitsplan sah vor, sich zunächst
über das Design von Web-Seiten zu informieren und dann die Homepage zu
erstellen. Mit meiner weiteren Unterrichtsplanung ging ich auf diesen
Arbeitsplan ein, wie aus der folgenden Übersicht zu ersehen ist.
Um die Verbindung zwischen den jeweiligen dokumentierten Unterrichtsstunden
herzustellen, werde ich kurz den Inhalt der dazwischen liegenden
Stunden überleitend reflektieren. Bei der Dokumentation der Planung, Durchführung
und Reflexion der ausgewählten Stunden ist anzumerken, daß es sich bei
der dritten und vierten dargestellten Unterrichtsstunde um Sequenzen aus
mehreren aufeinanderfolgenden Stunden handelt, um die selbständige Arbeit
der Schüler zu verdeutlichen. Diese Vorgehensweise rechtfertigt sich meines
Erachtens durch die offene Arbeitsform eines Projekts.
Wie in Kapitel 2.2. angedeutet, kam es in der Produktionsphase zu den
zeitlichen Problemen, die dadurch verschärft wurden, daß die meisten Schüler
zu Hause keinen Computer zur Verfügung haben. An zwei aufeinanderfolgenden
Dienstagen wurde daher der Unterricht um je drei Schulstunden verlängert.
Die Schüler zeigten sich hierbei sehr kooperativ und willig, obwohl diese
Überstunden nur mit zwei Schulstunden an den jeweils folgenden Mittwochen
kompensiert wurden. Für mich ist das ein sicheres Zeichen für das persönliche
Engagement der Schüler und die damit zusammenhängende erhöhte Motivation.
6.1. Tabellarische Übersicht
der Examensreihe Inhaltsverzeichnis
Tag/Datum der Stunde
(fett: Stunde wurde
dokumentiert) |
Inhalt der Stunde |
Sozial- und Arbeitsformen
der Stunde |
Montag, 12.4.99
1. Unterrichtsstunde |
Bestimmung des Arbeitsfortschritts und Planung der weiteren
Arbeit |
Schülervortrag,
Gruppendiskussion |
| Dienstag, 13.4.99
2./3. Unterrichtsstunde
|
1. Stunde:
Aufbau einer Web-Seite,
Adressaten- und Produktbezug des Projekts,Generelle Festlegung
einiger Parameter der Web-Seiten
2. Stunde:
Fertigstellung der handgeschriebenen Entwürfe der Schülertexte
|
Lehrer-Demonstration,
Lehrer-Schüler-Gespräch,
Schülerdiskussion
Einzelarbeit
|
| Mittwoch, 14.5.99
4./5. Unterrichtsstunde
|
1. Stunde:
Erstellung des Layouts der Homepage (Hintergrund, Projektsymbol),
Werbewirksamkeit einer Homepage und daraus folgende Konsequenzen
für das eigene Projekt
2. Stunde:
Entwicklung der Schülertexte (Schreiben, Korrekturlesen, Kommentieren
und Überarbeiten) im Textverarbeitungsprogramm
|
Lehrer-Schüler-Gespräch,
Schülerdiskussion
Einzelarbeit,
Partnerarbeit
|
| Montag, 19.4.99
6. Unterrichtsstunde
|
Erstellung des Einführungstextes der Homepage |
Lehrer-Schüler-Gespräch,
Einzel- und Gruppenarbeit,
Schülergespräch |
| Dienstag, 20.4.99
7.-11. Unterrichtsstunde
|
1. Stunde:
Einführung in den Umgang mit dem Netscape Composer durch die Erstellung
des Kopf- und Menüframes der Homepage sowie Beginn der Erstellung
der Sub-Homepages
2. Stunde:
Fertigstellung der Sub-Homepages und Strukturierung der gruppeninternen
Web-Seiten
3.-5. Stunde:
Weiterentwicklung und Fertigstellung der Texte (Korrekturlesen,
Kommentieren, Überarbeiten, Ausdrucken)
|
Lehrer-Schüler-Gespräch,
Einzel- und Gruppenarbeit
Schüler-diskussion,
Gruppenarbeit
Einzel- und Partnerarbeit
|
| Montag, 26.4.99
12. Unterrichtsstunde
|
Evaluation der Gruppentexte in den jeweiligen Gruppen |
Schülerdiskussion |
Dienstag, 27.4.99
13.-17. Unterrichtsstunde |
Modifizierung der Gruppentexte
Erstellung von Hypertexten
- Konvertierung der Texte in
HTML-Dokumente,
- Überprüfung der Parameter (z.B.
Hintergrund-farbe, Schriftgröße etc.)
auf Funktionalität und ggf.
Modifizierung
- Evtl. Suche nach geeigneten Bildern
etc.
- Einfügen von Bildern, Grafiken,
Hyperlinks
- Vernetzung der Web-Seiten mit
anderen Textdateien (Shakespeares
Richard III), Audio- oder
Videosequenzen.
- Ausdrucken sämtlicher Web-Seiten für
alle Schüler
Hausaufgabe: Prüfen aller Web-Seiten auf Adressaten- und Produktbezug,
sowie auf die angemessene Verwendung von Bildern, Hyperlinks
und anderen verwendeten Elementen.
|
Einzelarbeit
Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit,
Schülerdiskussion
|
Montag, 3.5.99
18. Unterrichtsstunde |
Evaluation der Gruppenergebnisse (Web-Seiten) |
Supervisionsmethode |
Dienstag, 4.5.99
19./20. Unterrichtsstunde |
Überarbeitung der Web-Seiten
Verknüpfung der Web-Seiten zu einer Web-site
Überprüfung der Hyperlinks auf Funktionalität Einzelarbeit, |
Gruppenarbeit,
Diskussion |
| Montag, 10.5.99
21. Unterrichtsstunde
|
Demonstration des fertigen Produkts
Gesamtreflexion des Internetprojekts |
Lehrer-Demonstration,
Schüler-diskussion |
7. Leistungsbeurteilung
Inhaltsverzeichnis
Im Rahmen einer Projektwoche werden Lehrer in der Regel
auf eine Leistungsbeurteilung, die auf irgendeine Weise in die Benotung
eines oder mehrerer Fächer eingeht verzichten. Dies ist allerdings bei
einem Projekt innerhalb des Fachunterrichts nicht möglich, besonders dann
nicht, wenn, wie im vorliegenden Fall, der Projektunterricht über einen
längeren Zeitraum durchgeführt wird. Frey (1996) sieht etliche Argumente
für und gegen das Bewerten von Projektunterricht. Dabei stellt er fest,
daß auf der einen Seite das Produkt als Leistungsnachweis genügen könnte
und ein Zensieren der kooperativen Arbeitsweise und dem freien Charakter
der Projektarbeit eher kontraproduktiv gegenüberstehe. Auf der anderen
Seite solle eine erbrachte Leistung durch eine Bewertung nachgewiesen
werden können, da die Projektmethode lediglich eine Methode sei wie andere
auch.
Meines Erachtens kommt ein Lehrer um eine Beurteilung der Projektarbeit
im Fachunterricht nicht herum, es sind allerdings die Beurteilungskriterien
und die Beurteilungsmethode, die ein Nachdenken über alternative Vorgehensweisen
verlangen. FREY betont dabei, daß ein Beurteilen von Projektarbeit jedoch
eine Bedingung erfüllen muß:Das Prüfen und Beurteilen sollte dem
projektmethodischen Arbeiten möglichst entsprechen. Es geht
nach Gudjons nicht darum, den Projektunterricht an traditionelle
Formen der Leistungsbeurteilung anzupassen, sondern darum, Formen zu entwickeln,
die den Leistungen im Projektunterricht angemessen sind.
Es muß hierbei allerdings nicht nur die Methodik der Beurteilung bedacht
werden, sondern besonders auch die Beurteilungskriterien, die den Schüler
bekannt sein müssen und im optimalen Fall von diesen erstellt wurden.
Dabei sollte selbstverständlich das Gruppenprodukt bewertet werden. Sollte
eine Gruppe kein gutes Produkt erstellt haben, so ist die gesamte Gruppe
grundsätzlich dafür mitverantwortlich. Um allerdings die bemühten
und engagierten Gruppenmitglieder nicht über Gebühr zu bestrafen,
sollte diese Einheitsnote ein schwächeres Gewicht beigemessen werden.
Da Teamfähigkeit, Gesprächsverhalten, Mitverantwortung und somit Engagement
Ziele auch dieses Projekts sind und verlangt werden, müssen auch diese
Aspekte in die Beurteilung einfließen. Ich habe daher ein von Klippert
(1998) vorgestelltes Konzept den konkreten Bedürfnissen des Internetprojekts
angepaßt, wobei ich Hinweise von Frey und Gudjons mit einbezog.
Um eine gewisse Übersicht zu gewährleisten, wurden sieben Kriterien zur
Beurteilung der Schüler herangezogen. Die beiden ersten Kriterien
beziehen sich dabei auf das Produkt der Gruppe und das Produkt des einzelnen
Schülers, um auch hier eine Trennung vorzunehmen. Die restlichen fünf
Beurteilungskriterien beziehen sich auf die Beteiligung an den Gruppendiskussionen,
die Hilfsbereitschaft, das Arbeitsverhalten, das Engagement und das Gesprächsverhalten
der Schüler.
Zur Beurteilung wurde ein Punktsystem verwendet, wobei die Schüler die
Möglichkeit hatten, zwischen 0 und 4 Punkten zu vergeben. 0 entsprach
der schlechtesten Bewertung, 4 der besten. Die Schüler waren aufgefordert,
zunächst sich selbst und dann die anderen Gruppenmitglieder zu beurteilen.
Dabei sollten die Punkte in eine Tabelle eingetragen und dem Lehrer abgegeben
werden. Aus den Bewertungen der Gruppenmitglieder wurde das statistische
Mittel gebildet. Hinzu kam die Bewertung des Lehrers. Ich entschied mich
für die Verwendung eines 5stufigen Punktsystems, damit die Notenskala
1-6 nicht direkt übertragen werden konnte. Ein 4stufiges Punktsystem hielt
ich nicht für genau genug, um gewisse Nuancen zu verdeutlichen. Es ist
mir dabei bewußt, daß den Schülern somit die Möglichkeit gegeben wurde,
sich für die Mitte zu entscheiden und dabei eine Tendenz auszuschließen,
allerdings halte ich dies nicht unbedingt für einen Nachteil.
Da die endgültige Zensur in der Verantwortung des Lehrers liegt, kann
die Selbst- und Fremdbeurteilung der Schüler nur eine Hilfestellung für
den Lehrer bedeuten. Meines Erachtens ist die Beurteilung von Gruppenarbeit
für den Lehrer eine sehr schwierige Aufgabe, da eine objektive Wahrnehmung
aller Aspekte bei allen Schüler nicht möglich ist und deshalb fehlerhaft
sein kann. Die Schüler werden aus diesem Grund als Hilfsbeobachter
in die Bewertungsprozedur mit einbezogen. Dem Argument, Schüler
würden unreflektiert und viel zu gut bewerten, wird in der Literatur widersprochen.
Auch eigene Erfahrungen bestätigen, daß sich Schüler kritisch und eher
schlechter bewerten als der Lehrer.
Die Durchführung der Beurteilungen durch die Schüler verlief allerdings
anders als erwartet. Die politische Gruppe verweigerte die
Fremdbewertung völlig, nachdem Mario dies lautstark ablehnte. Daher werden
aus der Übersicht nur die Eigen- und die Lehrerbewertung ersichtlich.
Anhand der Eigenbewertung der Schüler wird deutlich, daß die Schüler sowohl
das Gruppenergebnis als auch ihre Leistung ähnlich einschätzen wie der
Lehrer. Dieser Eindruck wird durch das Ergebnis der psychologischen
Gruppe verstärkt. Das Gruppenergebnis wird von fast allen
Teammitgliedern gleich eingeschätzt. Einige, wenn auch wenige Abweichungen
tauchen bei den anderen Beurteilungskriterien auf, die sich meines
Erachtens allerdings noch im Rahmen halten. Dadurch, daß nicht alle Schüler
eine Fremdbeurteilung abgegeben haben, kommt es bei diesem Punkt nicht
zu einer aussagekräftigen Beurteilung. Die historische Gruppe
bewertet ihre Arbeit durchweg negativer als der Lehrer. Bei dem Schüler
Ramon fehlt sowohl die Eigenbewertung , als auch bei drei Schülern dieser
Gruppe die Fremdbewertung. Die Beurteilung ist daher nicht aussagekräftig.
Die Schüler gaben ihren Unmut bei der Aufgabe kund, ihre Mitschüler bewerten
zu müssen. Aufgrund dieser Kritik sehe ich meine ohnehin getroffene Entscheidung
bestätigt, die in der Literatur geforderte Metainteraktion über
die Fremdbeurteilungen innerhalb der Gruppe nicht stattfinden zu lassen,
da ich auf der einen Seite eine Notendiskussion innerhalb der Gruppen
vermeiden wollte und auf der anderen Seite meines Erachtens einer Gruppenbeurteilung
eine unmittelbare Schülerbeteiligung an der Endnote folgen müßte. Um die
Wichtigkeit und Relevanz der Schülerbeurteilung dennoch zu verdeutlichen
muß im Falle einer großen Abweichung zwischen Lehrer- und Schülerbeurteilung
das Gespräch in der Gruppe gesucht werden, um zu einer gerechten Beurteilung
zu gelangen. Diese Handlungsweise muß den Schülern vorher mitgeteilt werden,
um ihnen nicht eine unmittelbare Beteiligung an der Note zu vorzutäuschen,
ihnen aber dennoch einen gewissen Einfluß an der Notengebung zu bestätigen.
8. Gesamtreflexion
und Ausblick Inhaltsverzeichnis
Die Qualität des Projektprodukts zeigt meines Erachtens
deutlich, daß sich die Schüler nicht nur intensiv mit den verschiedenen
Thematiken aus Richard III auseinandergesetzt haben, sondern daß sie auch
beachtliche methodische Kompetenzen erworben haben.
Anhand der thematischen Dreiteilung wurde den Schüler zunächst deutlich,
daß mehrere Zugänge zu literarischen Werken möglich und sinnvoll sind.
Durch die Erstellung von Internetseiten wurde dabei nicht nur erreicht,
daß die Schüler mit einer erhöhten Motivation an die Arbeit gingen, sondern
auch, daß sich die Schüler über einen längeren Zeitraum selbständig mit
den erarbeiteten Fragestellungen beschäftigten.
Besonders in der letzten Stunde wurde deutlich, daß die Reihe den Schülern
nicht nur Spaß gemacht hat, sondern daß die neuen Lernerfahrungen Einsichten
vermitteln konnte. Die Schüler fühlten sich durch die handlungsorientierte
Vorgehensweise animiert, viele Aspekte in einer Art und Weise zu untersuchen,
die sich vom normalen Interpretieren unterscheidet.
Diese Erfahrung schien für die Schüler von besonderer Wichtigkeit zu sein.
Die Mehrheit der Schüler empfand die Bearbeitung des Dramas insgesamt
als erfrischend und lehrreich . Meines Erachtens kann dies bei der Behandlung
eines Shakespeare-Dramas durchaus als Kompliment verstanden werden.
Nach Beendigung der Reihe halte ich Shakespeares Richard III immer noch
für eine sehr gute Wahl. Es ist meines Erachtens wichtig, daß die Schüler
mit dem ersten und einzigen Shakespeare-Drama, das in der Schule behandelt
wird, angenehme Erfahrungen sammeln, die ihnen Geschmack auf
weitere Dramen machen, was aus meiner Sicht bei nicht wenigen Schülern
gelungen ist. Die hohe Motivation des Lehrers, mit Richard III ein für
die Schule untypisches Drama zu behandeln, überträgt sich ohne Frage auf
die Schüler.
Für den Übergang von normalen Texten zu Hypertexten ist eine Strukturierung
der Informationen wichtig, die zunächst vom einzelnen Schüler, dann bei
der einzelnen Gruppe bis hin zum Kurs geleistet werden muß. Die Aneignung
des für die Erstellung von Internetseiten notwendigen Wissens wurde in
dieser Reihe zeitlich neben dem Verfassen und Überarbeiten von Texten
geleistet, was einiger Schüler an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit
führte. Es bietet sich hierbei die Alternative, den Schülern in einem
kompaktem Lehrgang zu vermitteln, was Hypertexte von traditionellen Texten
unterscheidet und welche Möglichkeiten sie bieten, bevor sie selbst Hypertexte
erstellen.
Die Organisation der Gruppenarbeit funktionierte durch die engen Rahmenvorgaben
sehr gut. Hierbei müßte jedoch einer größeren Selbständigkeit der Schüler
wegen über noch mehr Schülerverantwortung nachgedacht werden. Die progress
reports wurden zwar wöchentlich erstellt und abgegeben, die Leistungen
individueller Schüler ließen sich jedoch meines Erachtens dadurch nicht
angemessen darstellen. Hier wäre methodisch sicherlich die Führung eines
individuellen Projekttagebuchs eine Erleichterung, besonders für
den Lehrenden, der somit deutlichere Rückmeldung bezüglich der Arbeit
einzelner Schüler erhält; aber auch die Schüler könnten auf diese Weise
ihre eigene Arbeit bewußter reflektieren. Die Rollenverteilung innerhalb
der Gruppenarbeit hat sich meines Erachtens bewährt, wobei angemerkt werden
muß, daß sich die Schüler besonders durch den language supervisor
zu deutlich größeren Anteilen der Fremdsprache bedienten, als dies der
Fall gewesen wäre, wenn es diese Rolle nicht gegeben hätte. Die Schüler
sahen sich nach eigenen Angaben regelrecht genötigt , Englisch
zu sprechen, da sie es als unkollegial empfanden, dem language
supervisor allein die Verantwortung für die Benutzung der Fremdsprache
zu überlassen.
Inwieweit die Lernziele der Reihe erfüllt wurden, soll im folgenden reflektiert
werden.
Die Erfüllung der affektiven Lernziele läßt sich schwer
nachweisen und oft nur indirekt durch Schüleräußerungen oder -verhalten
erahnen. Die Schüler haben mit großer Sicherheit die Modernität des Dramas
für ihre Lebenswelt erfahren. Dies wurde durch mehrere Schülerbeiträge
deutlich. Ebenso verhält es sich meines Erachtens mit der Aufgeschlossenheit
der Schüler gegenüber einem Shakespeare-Drama. Die meisten Schüler würden
nach eigenen Angaben gerne ein weiteres Drama lesen, wobei Romeo and Juliet
oder eine Komödie bevorzugt würden. Die Verantwortung der Schüler gegenüber
ihrem Produkt und das Engagement steht für mich völlig außer Frage. Besonders
an den arbeitsintensiven Dienstagen wurde das besonders deutlich, aber
auch an der Tatsache, daß die Kurs-Teilnehmer nach Beendigung der Reihe
ihre Web-Seiten weiterhin verbessern wollen, um bei dem Internetwettbewerb
möglichst gut abzuschneiden. Hierbei denken die Schüler an das Einbinden
einer internen Suchmaschine, die die eigenen Web-Seiten nach Informationen
durchsucht, oder an die Einrichtung eines interaktiven Teils, daß Nutzern
die Kommunikation über die Web-Seiten und das Drama ermöglichen soll.
Diese Funktionen konnten allerdings innerhalb der Reihe aus zeitlichen
Gründen nicht realisiert werden, obgleich sie auch für die Interpretation
des Dramas höchst interessant sind, da sie weltweite Interpretationsgespräche
zulassen.
Im Lernzielbereich Sprache wurden die Ziele sicherlich erreicht,
hätten aber meines Erachtens noch intensiver realisiert werden können.
Bei der Korrektur und beim Überarbeiten der Schülertexte sind einige Möglichkeiten
der Erweiterung der Sprachkompetenz nicht genutzt worden. Bei einer erneuten
Reihe würde ich nicht nur ein Projekttagebuch führen lassen, sondern auch
ein Korrekturbuch, das die individuellen Fehler der Schüler dokumentieren
soll, um den Schüler die Möglichkeit zu geben, ihre Fehlerschwerpunkte
zu erkennen und diese aufzuarbeiten. Die Schüler korrigierten jedoch ihre
Fehler eher motorisch am Bildschirm, anstatt sie bewußt wahrzunehmen.
Sofern ich die Korrektur von Schülertexten durchführte, habe ich die Schüler
auf ihre besonderen Schwächen hingewiesen. Dies hätte allerdings bei allen
Schülern geschehen müssen, was insofern problematisch war, als die Kommentare
nach ihrer Bearbeitung gelöscht wurden und somit undokumentiert blieben.
Im Bereich der Textrezeption und -produktion haben die meisten Schüler
die gesteckten Ziele erreicht. Nach Angaben einiger Schüler waren die
zu lesenden Texte im Hinblick auf die Länge eine ziemliche Belastung und
stellten für manche Schüler auch eine Überforderung dar. Da jedoch in
einem künftigen Studium eine derartige Textrezeption nicht ungewöhnlich
sein wird, halte ich es immer noch für wichtig, den Schülern Methoden
des Lesens zu vermitteln.
Im Lernziel Bereich Wissen haben die Schüler aus meiner Sicht
die Ziele vollständig erreicht, sowohl in der Herstellung von Zusammenhängen
der verschiedenen Thematiken als auch in der Verwendung der unterschiedlichen
Computerprogramme, die für die Schüler in Zukunft noch von Bedeutung sein
werden. Weiterhin wurden die Schüler für die Problematik des Urheberrechts
im Internet und damit für einen Mißbrauch des Mediums sensibilisiert.
Gewisse Ziele im Lernziel Bereich Methodenbeherrschung können
gewiß nicht leicht überprüft, sondern müssen ebenfalls wie die affektiven
Ziele erschlossen werden. Die Reihe war besonders auf die Erweiterung
methodischer Kompetenz ausgerichtet und hat meines Erachtens das Ziel
erreicht, die Schüler methodisch kompetenter zu machen. Dabei ist im besonderen
Maße die Selbständigkeit der Schüler in vielen Bereichen gefördert worden,
wobei die Informationsbeschaffung und -erfassung sowie die Strukturierung
fremder und eigener Texte besonders genannt werden müssen. Die Fähigkeit
der Schüler, im Team problem- und produktorientiert zu arbeiten, wurde
sicherlich erweitert. Einige Schüler fühlten sich durch den offenen Arbeitsauftrag
zunächst unsicher, selbständig Fragestellungen zu erarbeiten. Es war hierbei
notwendig und sicher richtig, die Schüler durch Impulse zu unterstützen,
die es ermöglichten, die erste Unsicherheit abzubauen und strukturierter
an das Thema heranzugehen. Dies wurde in der Evaluationsphase von den
Schülern bestätigt, obwohl zum Beispiel der Schüler Mario erstaunlicherweise
auch noch am Schluß der Reihe eine vorgegebenen Fragestellung bevorzugt
hätte. Das zeigt deutlich, daß auf dem Gebiet des autonomen Lernens noch
erhöhter Lernbedarf besteht, bedenkt man, daß dieser Schüler von seinen
Leistungen eher im oberen Bereich anzusiedeln ist. Während der Reihe war
auch bei anderen Schülern die Schwierigkeit zu spüren, selbständig Fragestellungen
zu den Themen und Unterthemen zu finden.
Der häufige Einsatz von Gruppenarbeit in der Unterrichtsreihe gibt Anlaß
zur Reflexion, ob und wie eine Sicherung von Gruppenergebnissen aussehen
könnte. Während der Reihe wurden verschiedene Verfahren ausprobiert. Der
progress report als wöchentliche Sicherung der Gruppenarbeit
hat in diesem Zusammenhang überleitenden Charakter, da er sich nicht auf
eine gerade beendete Gruppenarbeit bezieht. Da ich die Beendigung einer
Stunde, in der überwiegend Gruppenarbeit stattfand ohne Ergebnissicherung
als unbefriedigend empfand, wurde in der folgenden Unterrichtsstunde eine
Ergebnissicherung durch einen Schülervortrag gegeben. Hierbei zeigte sich,
daß die Fähigkeit, unvorbereitet Arbeitsergebnisse zu präsentieren, nur
von wenigen Schülern beherrscht wird. Sicherungsphasen schienen nach Stunden
intensiver Gruppenarbeit notwendig, was nicht in jedem Fall für die Stunden
zutrifft, in denen die Schüler in Einzel- oder Partnerarbeit ihre Texte
verfaßten. Dies betont jedoch auch die Notwendigkeit der Abwechslung von
Einzel- und Gruppenarbeit sowie Arbeitsphasen im Plenum. In der Unterrichtsreihe
wurden einige Stunden für eine ausgedehnte Plenumsarbeit genutzt, wobei
andere Stunden fast vollständig auf diese verzichteten. Hierbei muß sich
gefragt werden, ob eine gleichmäßigere Verteilung sinnvoller gewesen wäre.
Meines Erachtens hätte die Unterbrechung der Einzelarbeitsphasen den Arbeitsprozeß
jedoch eher verlängert.
Bezüglich der Leistungsbeurteilung der Schüler fand nach der Reihe keine
schriftliche Leistungsüberprüfung statt. Für eine schriftliche Leistungsüberprüfung
im Rahmen des Projekts hätte ich mir allerdings eine besondere Vorgehensweise
vorstellen können. Da in den drei Gruppen verschiedene fachliche Kompetenzen
erworben wurden, wäre eine thematische Teilung der Klausur denkbar gewesen.
Die Schwierigkeit liegt hierbei lediglich beim Lehrer, der verschiedene
geeignete Texte finden muß, die zudem noch von gleicher Schwierigkeit
sein müssen. Die Beurteilung des Projekts erfolgte im Rahmen der Note
sonstige Mitarbeit. Um ein repräsentativeres Bild von der
durchgeführten Beurteilungsprozedur zu bekommen, müßte diese nach
Klippert mehrfach während der Reihe organisiert werden . Dies fand jedoch
während des Projekts nicht statt. Die Ressentiments der Schüler gegenüber
der Fremdbeurteilung muß Anlaß zu einer kritischen Reflexion der Beurteilungsprozedur
geben. Eine Beurteilung ihrer Mitschüler empfanden die Schüler als Denunziation;
über eine modifizierte Art und Weise der Schülermitwirkung an der Bewertung
wäre sicher nachzudenken. Da die Eigenbewertung nicht so negativ gesehen
wurde, könnte ich mir vorstellen, daß die Schüler ihre Mitschüler nicht
konkret beurteilen, sondern der Eigenbewertung eventuell Tendenzen hinzufügen.
Zusammenfassend werte ich die Entscheidung, die Gesamtreihe durch die
Erstellung von Internetseiten zu ergänzen, als sehr sinnvoll und produktiv.
Nach wie vor halte ich diese Herangehensweise an Literatur für effektiv.
Ich kann mir durchaus vorstellen, zukünftig ähnliche Projekte anhand verschiedener
Werke und Themen durchzuführen. Die Teilnahme an dem Internetwettbewerb
ThinkQuest erwies sich als guter Anlaß, dieses Projekt durchzuführen,
ist jedoch nicht unbedingt notwendig. Da eine große Anzahl an Schulen
bereits Web-sites besitzen, kann in diesem Rahmen sogar über mehrere Schuljahre
gearbeitet werden, da eine Erweiterung und Pflege des Projekts notwendig
sein kann. Auf diesem Weg wäre sogar ein jahrgangsübergreifendes Projekt
denkbar, in dem Schüler der Mittel- und Oberstufe verschiedene Aspekte
einer Thematik bearbeiten könnten. Ein besondere Herausforderung stellt
sich Schülern bei einer Zusammenarbeit mehrerer Schulen aus verschiedenen
Ländern, wie dies bei ThinkQuest ebenfalls möglich ist.
Literaturverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
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Die Zeit: Eine Ära geht zu Ende. Das
muß auch die Schule lernen und lehren Lernen in der Medienwelt -
die Position von Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers. Die Zeit vom
19.09.1997
Glossar
Inhaltsverzeichnis
ASCII: Der American Standard Code for Information
Interchange ist von fast allen Computern auf der Welt lesbar und macht
das Übermitteln von Daten so zu einem universellen Medium.
Audio- und Videodateien (engl. audio/ video files):
Dateien, die digitalisierte Ton- oder Filmdokumente enthalten. Um diese
Dateien abspielen zu können, sind spezielle Programme notwendig, die jedoch
im Leistungsumfang eines neueren Browsers enthalten sind.
Browser: Programm, das die Programmiersprache HTML
entschlüsseln und somit Web-Seiten darstellen kann. Die bekanntesten und
weit verbreitetsten Browser sind der Netcape Communicator und der Internet
Explorer von Microsoft.
CD-ROM: Kurzform für Compact Disc - Read
Only Memory. Ein in der Regel nicht wiederbeschreibarer Datenträger,
auf dem mit Laserlicht digitalisierte Informationen gelesen werden. Speicherkapazität
bis zu 682 Megabyte.
Drop-Down Funktion: Funktion: Beim Anklicken der
Menüleiste öffnet sich nach unten ein weiteres Menüfenster.
E-Mail (electronic mail): Bezeichnet die Briefe
bzw. Texte oder Nachrichten, die via Computer über Datenleitungen übertragen
werden.
Frame: Bildschirmelement, das eine Web-Site in
fest definierte Bereiche aufteilt und das auch sichtbar bleibt, wenn andere
Seiten derselben Site aufgerufen werden.
FTP: Abkürzung für File Transfer Protocol.
Per FTP lassen sich im Internet meist große Datenmengen (Programme oder
Web-Seiten) von anderen Servern übertragen.
FTP-Programm: Programm, welches die Übertragung
von Dateien übernimmt. Dabei müssen lediglich der Server, der Benutzername
und ggf. ein Kennwort eingegeben werden. Das in dieser Reihe verwendetet
FTP-Programm ist WS_FTP Pro.
Grafiken/ Bilder: Um den Speicherplatz im Internet
möglichst klein zu halten, werden Grafiken und Bilder im Internet komprimiert.
Dadurch verkürzt sich die Ladezeit der gesamten Web-Seite. Die gängigen
Formate im Internet sind .gif und .jpeg.
HTML: Abkürzung für Hypertext Markup Language.
Standardisierte Layout-Sprache bzw. Programmiersprache, mit der den Web-Seiten
im WWW Gestalt verliehen wird.
HTML-Dokument: Eine Datei, die in HTML geschrieben
wurde.
HTML-Editor: Programm, das die Texte, Grafiken,
Audiodateien etc. in die Programmiersprache HTML übersetzt.
Dabei werden Editoren unterschieden in die, die Kenntnis von HTML voraussetzen
und die, die nach dem WYSIWYG-Verfahren arbeiten.
Hintergrundimage: Grundsätzlich kann jede Grafik
als Hintergrund einer Web-Seite fungieren. Um ein regelmäßiges Muster
darstellen zu können, werden sog. Wallpaper benötigt.
Homepage: Als Homepage wird die Leitseite bezeichnet, von der man auf
weitere Seiten der Web-site, des gesamten Projekts, gelangen kann. Sub-Homepage
wird die Leitseite genannt, die von der Homepage ausgehend die Web-site
weiter verzweigt. (vgl. Darstellung im Anhang ??)
Hyperlinks: Farbig unterlegte und unterstrichene
Begriffe als Verbindung zwischen Dokumenten des WWW, die per Mausklick
hergestellt werden. Dabei ist unerheblich, ob der Link auf einen Abschnitt
innerhalb der aufgerufene Seite verweist oder auf ein anderes Dokument
auf einem entfernten Server. Verweisen Links auf eine Stelle der gleichen
Web-Seite spricht man von Sprunganweisungen.
Hypertext: Ein Dokument mit der Möglichkeit, im
WWW oder auf CD-ROM von einem Dokument zu einem anderen zu gelangen. Zunächst
war der Begriff nur auf Texte beschränkt, wurde in letzter Zeit auch auf
Bild- oder Tondokumente ausgedehnt.
Internet: Die weltweite Vernetzung von Millionen
von Computern durch Server.
Internetseite (auch: WWW-Seite, Web-Seite): HTML-Dokumente,
die eine Web-site bilden.
Internet Service Provider (ISP): Firmen, die ihre
Dienste, meist den Zugang zum Internet, anbieten. Die bekanntesten sind
T-Online, AOL, Compuserve oder NetCologne.
Upload/ Download: Das Herauf- bzw. Herunterladen
von Dateien via Datenleitung.
Newsgroup: Themengebundene Diskussion- und Informationsforen
des Internets.
scroll up/ down: Hiermit wird das Verschieben einer
Seite nach unten oder nach oben mit Hilfe der Scroll-Leiste (in den meisten
Programmen am rechten Bildschirmrand) bezeichnet, um ein langes Dokument
lesen zu können.
Server: Computer im Internet, auf dem Web-Seiten
gespeichert sind.
Texteditor: Programm zum Öffnen, Lesen, Durchsuchen
und Bearbeiten von Textdateien. Ein Texteditor ist ein einfaches Textverarbeitungsprogramm,
wie der Windows Texteditor.
ThinkQuest: Internetwettbewerb der Advanced Network
& Services Inc. mit Sitz in den USA, der jährlich weltweit ausgetragen
wird und an dem nur Schüler teilnehmen dürfen.
URL (Uniform Resource Locator): Bezeichnung für WWW-Adressen. Dabei
zeigen die Endungen (Top-Level-Domain) an, um was für einen Betreiber
(Host) es sich handelt. Die Endung de steht z.B. für eine
deutsche Seite, com für eine Firma, gov für eine
amerikanische Regierungseinrichtung, org für eine Organisation
und edu für eine Bildungseinrichtung.
Web-Seite (WWW-Seite): Siehe Internetseite
Web-site: (auch: Website oder Web-Site) Seite eines
Anbieters von Informationen im WWW. Eine Web-site besteht meist aus mehreren
Web-Seiten.
WWW (World Wide Web): Die anwenderfreundliche Verknüpfung
von HTML-Dokumenten im Internet unter einer grafischen Oberfäche.
WYSIWYG: Abkürzung für What You See Is What
You Get. Mit Hilfe des WYSIWYG-Verfahrens können Web-Seiten durch
HTML-Editoren ohne Kenntnis der Programmiersprache HTML erstellt werden.
Die Bedienung ist dadurch leicht erlernbar und praktisch von jedem zu
leisten. Bekannte WYSIWYG-Editoren sind der Netscape Composer und der
Front Page Express von Microsoft.
Inhaltsverzeichnis
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