3.3

Evolution des Menschen; Übergang Tier- Mensch, Australopithecines, Homo

Übergang Tier - Mensch

Zu Beginn des Tertiärs ( vor 65 MJ) entwickelten sich die ersten Primaten. Die Welt sah damals noch anders aus. Nordamerika war mit Europa verbunden aber nicht mit Südamerika. Indien war noch kein Teil Asiens und Australien lag in der Nähe der Antarktis. Fast die gesamte Landmasse hatte tropisches oder subtropisches Klima.
Diese Protoprimaten waren den Eichhörnchen ähnliche, baumlebende Nachttiere, die in warmem, feuchtem Klima lebten. Sie waren gute Kletterer mit besonders gut ausgebildeten Augen und besaßen Pfoten und Klauen.
Die ersten affenartigen Primaten lebten im Oligozän vor ca. 34 Millionen Jahren. Man fand Fossilien in Ägypten, China und Amerika. Einer dieser frühen Affen war Aegyptopithecus.(siehe links) Er war in etwa so groß wie eine Katze und ein baumlebender Allesfresser. Im Oligozän fanden größere geologische Änderungen statt. (gehen Sie mit der Maus auf das Bild links, um mehr zusehen)

Im Miozän (23- 5 MJ) ging die Veränderung der Erde weiter. Ein Großteil der Regenwälder in Afrika und Asien verschwand zugunsten von Graslandschaften. Daraus erwuchsen neue Selektionsdrücke und als Folge entwickelten sich die Vorfahren der Menschenaffen.
Eine Gruppe dieser Affen, die sich an das Leben am Rand der Savannen anpaßten und in der direkten Reihe unserer Vorfahren stehen war Dryopithecus (siehe links). Aus diesen Primaten entwickelten sich im späten Miozän (vor ca. 5 MJ) die Hominiden. (gehen Sie mit der Maus auf das Bild links, um mehr zusehen)

Fossile Hominiden, Australopithecinae

Der bisher älteste Fund eines Hominiden ( ca. 7 Millionen Jahre) wurde 2002 im Tschad gemacht, ein Schädel des Sahelanthropus tchadensis mit menschlichen Gesichtseigenschaften und der Größe eines Schimpansen.

Er weist eine Mischung primitiver und höherer Merkmale auf mit einer Verwandschaft zu den Schimpansen und Menschen. Das Schädelvolumen betrug ca. 350 ccm. Die schwache Schnauzenbildung und kleine Eckzähne deuten auf einen Menschen hin.

Spätere Funde von Hominiden vor ca. 5 Millionen Jahren erfolgten in Ostafrika. Man hat inzwischen über 500 Knochen dieser Australopithecines gefunden. Ab 3 Millionen Jahre waren sie auch in Südafrika zu finden. Die afrikanischen Wälder schrumpften damals und trockene Graslandschaften breiteten sich aus. In dieser Umgebung könnte der aufrechte Gang eine Vorteil gewesen sein.
1995 fand Meave Leakey nahe dem Turkanasee in Kenia Überreste einer 4,15 MJ alten Australopithecus-Spezies, die sie Australopithecus anamensis nannte.(siehe Kiefer links)

Die Australopithecines entwickelten sich weiter. Man geht heute von insgesamt 6 Spezies aus:

  1. Australopithecus anamensis
  2. Australopithecus afarensis
  3. Australopithecus africanus
  4. Australopithecus robustus (oder Paranthropus robustus)
  5. Australopithecus boisei (oder Paranthropus boisei)
  6. Australopithecus aethiopicus (oder Paranthropus aethiopicus)

Die ältesten Australopithecus afarensis-Spezies lebten vor 4 Millionen Jahren. Daraus entwickelten sich vor 3 Millionen Jahren Australopithecus africanus und vor 2,5 Millionen Jahren Australopithecus äthiopicus und später Australopithecus boisei. Aus A. africanus entstand vor 2 Millionen Jahren die robuste Form Australopithecus robustus, die vor 1 Million Jahren ausstarb. Gleichzeitig hatten sich neue Hominiden entwickelt, die Gattung Homo, aus der der heutige Mensch entstanden ist.

Links sind alle Fundstätten der Australopithecines verzeichnet. Wie man sieht lebten sie nur in Ost- und Südafrika. Dabei entwickelten sie sich in eine Linie mit grazilem Körperbau (A. afarensis und A. africanus) und einer robusten Linie mit A. robustus, boisei und aethiopicus.

Die Linie mit A. afarensis und A. africanus sind die Vorfahren des moderneren Menschen.


1974 wurde ein zu 40% erhaltenes Skelett von Australopithecus afarensis gefunden das unter dem Lucy weltbekannt wurde (siehe rechts). Es wurde auf 3,2 MJ datiert. Inzwischen hat man weitere Skelette davon gefunden. Links unten ein Schädel von Australopithecus afarensis. Dieser hatte einen schmalen sagitalen Kamm. Die weiblichen A. afarensis waren wesentlich kleiner wie die männlichen. Sie waren die ersten bipedalen Hominiden.
Die zweite grazile Spezies entdeckte 1924 Raymond Dart, ein australischer Anatomieprofessor an der Universität von Johannesburg, Südafrika in Form eines fossilen Schädels. Er nannte die Spezies Australopithecus africanus. Es waren die Überreste eines eines 3-4 Jahre alten Kindes. (siehe unten rechts)




Taung Kind
(Australopithecus africanus)
Inzwischen hat man viele weitere Skelettteile von Australopithecus africanus gefunden daneben aber auch solche mit größeren Knochen und kräftigeren Kiefern. Robert Broom, der sie zwischen 1936 und 1949 entdeckt hatte nannte sie Australopithecus robustus. Eine noch robustere Form wurde 1959 von Louis und Mary Leakey gefunden: Australopithecus boisei. Wenig weiß man über Australopithecus aethiopicus, der vor 2,5 MJ lebte.

Die robusten Formen hatten alle einen sagitalen Kamm (siehe unten), waren massiger, größer und besaßen stärkere Muskeln. Daneben ernährte sie sich vegetarisch von harten Nüssen und Samen usw. Die grazilen A. afarensis und A. africanus dagegen müssen sich aufgrund der Zahnanalyse von weicher Nahrung ernährt haben.

Schon vor 3 Millionen Jahren bewegten sich die Australopithecines genau so effizient auf zwei Beinen wie der heutige Mensch. Ihre Hüftknochen waren wie beim heutigen Menschen verkürzt und schalenförmig. (siehe unten) Dies unterstützte den aufrechten Gang, indem es den inneren Organen Halt gibt. Die längere Hüftpfanne der Schimpansen ist eher für die 4-füßige Fortbewegung angepaßt.

Diese Schlußfolgerung ergibt sich auch aus der vergleichenden Anatomie der Vordergliedmaßen (Füße siehe unten).
Das Fußskelett der Australopithecines ähnelt dem der Menschen stark.

Die zweibeinige Fortbewegung war vermutlich eine Anpassung an die offenen Graslandschaften des ausgehenden Tertiärs.

Man konnte besser in die Ferne sehen um neue Nahrung oder mögliche Feinde auszumachen. der aufrechte Gang half, den Wärmehaushalt zu kontrollieren, da die direkte Einstrahlung minimiert und die Abgabe verbessert wurde.
Im Laufe der Evolution wurden die Beine der Australopithecines länger als ihre Arme und Ihre Hände entwickelten sich dahingehend, daß sie Objekte besser begreifen konnten.

Die Skelettanatomie der späten Australopithecines entsprach ziemlich der des heutigen Menschen mit Ausnahme des Schädels. Der erwachsene Australopitehcus hatte ein Gehirnvolumen von nur 1/3 (= 400-500 ccm) des heutigen Menschen.

Als Folge davon war der größte Teil des Schädels unterhalb des Gehirns und das Gesicht war groß im Vergleich dazu. Sie hatten große Zähne und Kiefer und entsprechend starke Kaumuskeln und den typisch menschlichen parabolischen Zahnbogen.

Homininae
Aus der grazilen Austalopithecus-Form entwickelte sich vor ca. 2,5 Millionen Jahren die Gattung Homo, die ersten Menschen. Wie seine Vorfahren waren die frühen Menschen relativ klein. Die wichtigsten Unterschiede betrafen seinen Kopf. Der Gehirnschädel war runder und das Gesicht war im Vergleich zum Australopithecus kleiner.(siehe unten)


Australopithecus
africanus

früher Mensch
(Homo habilis)
Zwischen 1960 und 1970 wurden in Ostafrika zwischen dem Turkanasee und Olduvau Gorge (Tansania) von Louis und Mary Leakey die Reste von 2 Spezies ausgegraben:

Homo rudolfensis war eine wenig größer und besaß ein kleineres Gehirn als Homo habilis. Viele Forscher sind der Meinung, daß es sich um dieselbe Spezies handelt = Homo habilis. Das Gehinvolumen war um einiges größer als das der Australopithecines, zwischen 500 und 730 ccm..

Homo habilis hatte kleinere Zähne, besonders die Backenzähne und einen kleineren Mund. Aufgrund der Zahnform läßt sich auf weiche Nahrung schließen.

Vor 1.9 Millionen Jahren entwickelte sich aus Homo habilis Homo erectus.


Schädel von frühem Homo erectus

Einige Paleoanthropologen führen 2 verschiedene Spezies an: Homo ergaster und Homo erectus. Die ergaster-Fossilien sind etwas älter (1.9-1.5 MJ) und stammen nur aus Ostafrika. Die meisten Funde von Homo erectus datieren vor 1.2-0.4 MJ. Man fand sie überall in Afrika, Asien und dem südlichen Europa (siehe unten).


Turkana boy

Homo erectus entwickelte sehr erfolgreich Kulturtechniken, die ihm erlaubten, sich an neue Situationen anzupassen.
Sie wanderten aus Afrika nach Asien und Europa und besiedelten dort tropische und subtropische Zonen.
Überraschenderweise blieben sie bis vor 600 000 Jahren relativ unverändert.
(links die Verbreitung und Fundorte von Homo erectus).

1984 fand das Team um Richard Leakey's am Lake Turkana ein nahzu vollständig erhaltenes Skelett eines 12 Jahre alten Homo erectus- Jungen, der Turkana boy (siehe oben). Es war 1.6 Millionen Jahre alt.

Besonders bemerkenswert sind die Funde von Homo erectus in Zhoukoudian, China, da hier 40 Skelette von Homo erectus Männern, Frauen und Kindern samt Nahrung usw. gefunden wurden. Man nannte diese Spezies ursprünglich Sinanthropus pekinensis (Peking Mensch) . Sie waren 400 000 Jahre alt.


Vergleich der Seitenansicht der Schädel von Schimpanse, Homo erectus und Homo sapiens

Schädel vom Homo erectus (Peking Mensch)

Das Skelett der Homo erectus-Menschen war bis auf den Schädel mit unserem heutige identisch. Nur die Beinknochen waren etwas dicker. Der Schädel war deutlich unterschiedlich.
Die Stirn war relativ flach und über den Augen fallen die großen Augenbrauenwölbungen auf (= supraorbital tori ). Das Schädelvolumen des Erwachsenen betrug zwischen 850 und 1225 cm3 (im Durchschnitt 1000 ccm). Die Zähne liegen zwischen denen der Australopithecines und denen der heutigen Menschen mit der Tendenz zu geringere Größe je jünger der Fund. Dies legt den Schluß nahe, daß weichere Nahrung, mehr Fleisch bzw. gekochte Nahrung zu sich genommen wurde.

Weiterführende Quellen:

Evolution

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http://www.iup.edu/~rgendron/bi112-a.htmlx
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Evolution des Menschen

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http://www.wsu.edu:8001/vwsu/gened/learn-modules/top_longfor/lfopen-index.html
http://www.leeds.ac.uk/chb/humbmods.html
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Taxonomie der Primaten http://daphne.palomar.edu/primate/
http://www.mc.maricopa.edu/academic/cult_sci/anthro/exploratorium/primates/
Primaten http://home.t-online.de/home/othmar.bahner/system.htm
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Anatomie des Kehlkopfes http://www.informatik.uni-frankfurt.de/~ifb/exphon/ss97/kehlkpf2.html

Skelett

http://www.eskeletons.org/
http://www.csuchico.edu/anth/Module/skull.html

Lucy-Test http://www.geocities.com/CapeCanaveral/Lab/8853/
Fossile Hominiden http://www.talkorigins.org/faqs/homs/
Hominiden in China http://www.cruzio.com/~cscp/index.htm

Karten der Erde der Vorzeit

http://www.scotese.com/

Erdgeschichte, Geologie

http://pubs.usgs.gov/gip/geotime/contents.html