Männlich - Weiblich

Ein Kind in der 6. Klasse antwortete mir einmal auf die Frage: "Was ist der Unterschied zwischen Hund und Katze?": "Der wesentliche Unterschied zwischen Hund und Katze ist der, dass der Hund männlich ist und die Katze weiblich." Das ruft natürlich ein Lächeln hervor, wenn ich es erzähle, weil wir (im Unterschied zu dem Kind) den Unterschied ja kennen. Kennen wir ihn denn wirklich so genau?
Wir wissen, dass sich immer ein Männchen und ein Weibchen zusammenfinden müssen, um Nachwuchs zu zeugen. Allerdings kennen wir das im Wesentlichen von den Säugetieren und wir wissen vielleicht sogar, dass Schnecken Zwitter sind, aber das stört unser Bild nicht, weil es eben nur Schnecken sind.
Hieraus geht aber schon ein zweites mögliches Geschlechtssystem hervor, das Zwittertum. Bei diesem System ist jedes Tier zugleich Weibchen und Männchen, jedes Tier hat vollständige und funktionstüchtige weibliche und männliche Geschlechtsorgane. Meist ist das mit der sogenannten Proterandrie verbunden, was bedeutet, dass die Tiere zunächst männlich sind, andere Tiere begatten und dann weiblich werden und sich begatten lassen.
Da gibt es sofort Biologen, die fragen, warum nicht alle Tiere Zwitter sind, weil das doch eine wesentlich effektivere Fortpflanzung bzw. Vermehrung zuließe, weil dann jedes Individuum Nachkommen hervorbringen könnte und die an die Evolution glaubenden Biologen doch meinen, dass jede Art bestrebt ist, möglichst viele Nachkommen in die Welt zu setzen. Diese Biologen sehen das männliche Geschlecht sozusagen als überflüssig an und damit als eine Art von Energieverschwendung. Dass das nicht nur reine Theorie ist, sieht man an Bonellia viridis, einer Art bei der der Aufwand für die "Produktion" von Männchen sehr gering gehalten wird (s.u.).

Wenn das so ist, dann muss die Geschlechtertrennung evolutiv einen so großen Nutzen bringen, dass die Energieverschwendung aufgewogen wird. Das bedeutet natürlich, dass das männliche Geschlecht eine andere Funktion übernommen hat als das weibliche und dass zugleich die Kombination eines Männchens mit einem Weibchen evolutiv eine größere Nachkommenschaft produzieren müsste als zwei Zwitter allein. Lässt sich das experimentell testen? Leider nicht oder doch?

Die unterschiedliche Funktion der Geschlechter spiegelt sich normalerweise im Körperbau wieder. Männer sehen anders aus als Frauen. Das nennt man Geschlechts- oder Sexualdimorphismus. Männer z.B. sind größer und schwerer und stärker als Frauen usw. Das trifft im Allgemeinen auf alle Säugetierarten zu. Beispiele für diesen Sexualdimorphismus finden sich leicht im Tierreich. Z.B. ist ein Hirsch viel größer als sein Weibchen und er hat ein großes Geweih, was sie nicht besitzt. Auch bei Löwen ist der Unterschied sehr deutlich. Aber auch bei Insekten lässt sich das beobachten. Man betrachte z.B. das Bild von einem weiblichen und männlichen Hirschkäfer. Die Größenunterschiede können beträchtlich sein. Bei dem Igelwurm Bonellia ist das Weibchen ca. 1000-mal größer als das Männchen. Viele Männchen sitzen auf dem Weibchen, es sieht aus als sei es von Parasiten befallen. Wenn es zur Begattung kommen soll, schluckt das Weibchen mehrere Männchen, die sich dann in ihrem Darm aufhalten. Sie bohren sich dann durch die Darmwand, wandern zu den Eierstöcken und befruchten dort die Eier des Weibchens. Sind die Männchen so klein um den Energieaufwand zur Produktion von Männchen möglichst klein zu halten?
Aber es gibt auch Arten bei denen sich männliche und weibliche Tiere stark ähneln oder nur schwer unterscheidbar sind. Das trifft z.B. auf Graupapageien zu, deren Geschlecht nur durch eine DNA-Analyse ermittelt werden kann. Aber das kann auch so weit gehen, dass das weibliche Geschlecht "aktiv" so angepasst ist, dass es ein ganz ähnliches Aussehen erhält wie das männliche Geschlecht. So besitzen die weiblichen Hyänen sogar einen Scheinpenis durch den sie auch ihre Jungen gebären und sind dadurch kaum von den Männchen zu unterscheiden. Bei ihnen wachsen die Schamlippen zu einem hodensackähnlichen Gebilde um die Klitoris herum, die penisartig verlängert ist. Da die Jungen durch diesen Scheinpenis geboren werden müssen, stirbt das erste Junge oft. Das weist daraufhin, dass dieses Gebilde einen anderweitigen Nutzen haben muss, sonst würde es eine starke Selektion dagegen geben. Die Hyänen gehören zu den wenigen Säugetierarten bei denen die Weibchen dominant über die Männchen sind. Vielleicht ist der Scheinpenis dafür eine Voraussetzung? Warum ähneln sich bei manchen Arten Männchen und Weibchen so sehr? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten.

Die biologische Denkweise liegt dem Laien manchmal etwas fern. Wenn man sich die Frage stellt, ob es besser ist, dass es nur eine oder zwei äußere Geschlechtsausprägungen gibt, so hat das durchaus biologische Konsequenzen.
Beim Vorhandensein von zwei identischen äußeren Erscheinungsformen des weiblichen und des männlichen Geschlechts muss zwischen ihnen eine Konkurrenz bzgl. der Lebensweise, Nahrung usw. entstehen, weil sie eben äußerlich identisch sind. Sie sind gleich groß, damit auch gleich stark. Feinde können sie gleichermaßen gut erkennen, sie müssen sich also in ähnlicher Weise wehren oder flüchten usw. Durch die Konkurrenz wird ein dauerhaftes Zusammenleben erschwert und das Einzelgängertum gefördert.
Um die Konkurrenz zu verringern, kann eine deutliche Unterscheidung im äußeren Körperbau nützlich sein. Ist das Weibchen z.B. kleiner als das Männchen, wird es sich vielleicht von einer etwas anderen Nahrung ernähren (wenigstens teilweise) usw. Dieses Phänomen ist selbst beim Menschen noch erkennbar, bei dem Männer deutlich lieber Fleisch essen als Frauen. Wenn die Nahrung wie bei Schnecken aus Blättern besteht, ist die Konkurrenz nicht ganz so tragisch, weil es genügend davon gibt. Besteht sie dagegen aus kleinen Tieren z.B. Mäusen wie bei der Wildkatze, so entsteht ein größerer Konkurrenzdruck und die beiden Geschlechter leben in der Zeit, in der keine Fortpflanzung erfolgt, getrennt.
Die Existenz zweier Geschlechter wirkt sich natürlich nicht nur auf die Ernährung aus. Bei der Fortpflanzung muss das Verhalten auch aufeinander abgestimmt werden. Es muss sozusagen komplementär sein. Das Männchen möchte das Weibchen begatten und das Weibchen muss das andererseits zulassen. Das kann dann zu Schwierigkeiten führen, wenn das Männchen auch als Beutetier in Frage käme. Das ist grundsätzlich bei Raubtieren so (bzw. fleischessenden Tieren). Besonders bei den Spinnen, wo die Weibchen nach erfolgter Begattung, die Männchen gern verspeisen, muss das Männchen äußerst vorsichtig vorgehen, um zu einer erfolgreichen Begattung zu kommen ohne dass es getötet wird. Daraus lässt sich ableiten, dass zwischen Pflanzenfressern und Räubern ein genereller Unterschied bestehen wird, der sich auf das Zusammenleben und besonders auf die Begattung deutlich auswirken wird. Diesen Unterschied sieht jeder leicht zwischen Kaninchen und Katzen, wenn er das Paarungsverhalten dieser beiden Arten verfolgt.
Bei den Hyänen kommt das Männchen zwar nicht als Beutetier in Frage, aber auf Grund der oben beschriebenen Anatomie der Begattungsorgane kann das Männchen absolut nicht ohne das Einverständnis des Weibchens zum Erfolg kommen. Es muss sich daher in besonderer Weise um das Weibchen bemühen. Beide Geschlechter müssen komplementäres Verhalten zeigen. Bei manchen Tierarten wird die fehlende Komplementarität aber auch mit Gewalt gelöst, zum Beispiel bei den Wanzen.
Männliche Wanzen besitzen Begattungsorgane, weibliche Wanzen eine Geschlechtsöffnung. Die Männchen führen ihren Penis aber nicht in die weibliche Geschlechtsöffnung ein, sondern stoßen einen Dorn, der vor dem Penis liegt, mit Gewalt durch die Rückendecke der Weibchen und injizieren ihren Samen dann einfach in die Bauchhöhle. Das deutet vielleicht darauf hin, dass die Komplementarität des Verhaltens einmal existiert hat, dann aber verloren gegangen ist, weil das Weibchen zu "widerspenstig" war.

Der Mensch findet sicher die innere Begattung am "natürlichsten". Das Männchen führt seinen Penis in das Weibchen ein, um seinen Samen zu übertragen. Ist das im Tierreich ganz allgemein so? Da kann man ganz eindeutig sagen, nein das ist nicht so.
Vögel haben zum Beispiel keinen Penis. Bei anderen Arten der Begattung gibt es natürlich eine große Vielfalt. Bei den Springschwänzen z.B., die zu den Insekten gehören, haben Männchen und Weibchen merkwürdigerweise gar keine Beziehung zueinander. Die Männchen setzen Samenpakete auf einem Stiel irgendwo in der Landschaft ab. Kommt zufällig ein Weibchen vorbei, so kann es dieses Samenpaket mit seiner Geschlechtsöffnung aufnehmen. Bei den Skorpionen läuft so ein Vorgang schon etwas gezielter ab. Die Männchen ergreifen die Weibchen an den Scheren, setzen ein solches Samenpaket auf einem Stiel ab, was man auch Spermatophore nennt, und führen das Weibchen so, dass seine Geschlechtsöffnung über das Samenpaket geführt wird und das Weibchen den Samen aufnimmt. Beim Tausendfüßer Scutigerella beißt das Weibchen den Samen von der Spermatophore ab, verstaut ihn in einer Backentasche und spuckt ihn auf ihre Eier, wenn sie diese ablegt. Zu dem Spermatophorenthema gibt es noch alle möglichen Variationen, die ich sicher nicht alle kenne und die ich hier nicht weiter aufzählen will. Man könnte meinen, dass das ja auch niedere Tiere sind und dass so etwas natürlich bei Wirbeltieren nicht mehr vorkommt. Dann täuscht man sich allerdings. Bei den Buntbarschen nehmen die Weibchen ihre Eier ins Maul. Sie versuchen dann die eiförmigen Flecken, die die Männchen auf der Afterflosse haben, ebenfalls als Eier aufzunehmen. Dabei gibt dann das Männchen seinen Samen ab und dieser gelangt so in das Maul des Weibchens. Die Eier im Maul der Mutter werden so befruchtet. Später nimmt die Mutter auch die Jungen zum Schutz vor Feinden im Maul auf.
Es können hier natürlich nicht alle Varianten der Besamung aufgeführt werden, es sei nur so viel noch gesagt, dass Männchen anderer Spinnenarten ihren Samen z.B. mit einem Bein selbst entnehmen und ihn in die Geschlechtsöffnung des Weibchens übertragen. Viele andere Organe können ebenfalls zur Besamung eingesetzt werden.

Männer sind größer und stärker als Frauen, daher empfindet man diese Relation als natürlich. Besucht man den Vogelpark in Walsrode, so bekommt man in der Vogelschau vorgeführt, dass bei den Bussarden die Weibchen größer und stärker sind als die Männchen. Das wird dort so erklärt, dass Weibchen die Jungen im Nest verteidigen müssen, während das Männchen die Nahrung heranschaffen muss. Dass diese Erklärung wenig plausibel und logisch nicht zwingend ist, sieht man schon daran, dass diese Aussage im Prinzip auch auf alle Säugetiere zutreffen müsste. Schon auf andere Greifvögel wie z.B. Geiern trifft die Aussage nicht zu, denn bei ihnen sind die Männchen das stärkere Geschlecht. So kann man sich fragen, warum ausgerechnet bei manchen größeren Greifvogelarten die Weibchen dominant über die Männchen sind.

Weibchen übernehmen die Brutpflege, so denken wir wohl. Aber auch das ist nicht immer so, wie alle erfahren haben, die den Film: "Die Reise der Pinguine" gesehen haben. Alle Pinguine wandern zu einem bestimmten Platz in der Antarktis, wo Männchen und Weibchen sich einen Partner suchen, sich paaren und wo das Weibchen schließlich ein Ei legt. Das Männchen muss aber sofort das Ei übernehmen, da es sonst erfriert und die Weibchen jetzt dringend zur Nahrungssuche zum Meer zurück müssen. Die Männchen beschützen während der nächsten zwei Monate das Ei, bis das Junge schlüpft. Nun kehren die Weibchen zurück als gefüllte Nahrungsquellen für die Jungen und die Männchen ihrerseits müssen nun dringend zum Meer, um nicht zu verhungern. Sie haben schließlich zwei Monate in eisiger Kälte ohne Nahrungsaufnahme verbracht. Zum Schluss kehren die Männchen nun noch einmal zurück, um die ausgezehrten Weibchen abzulösen und die Jungen soweit aufzupäppeln, dass sie selbständig Nahrung suchen und aufnehmen können.
Aber solche oder ähnliche Phänomene treten auch bei anderen Tierarten auf. Zum Beispiel übernehmen bei den Seepferdchen die Männchen die Jungen in eine Bruttasche und ziehen sie auf.

Einige theoretische Überlegungen

Der Begriff Sexualität: Wenn Laien an Sexualität denken, so denken sie in erster Linie an Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau. Es findet eine Paarung, dann eine Begattung mit Übertragung des Samens statt (Besamung), das führt zu einer Befruchtung eines oder mehrerer Eier, woraus dann neue Nachkommen hervorgehen. Den gesamten Vorgang fassen wir unter dem Begriff geschlechtliche Fortpflanzung zusammen.

In Schulbüchern und ebenfalls in biologischen Lehrbüchern wird aber neben der geschlechtlichen Fortpflanzung auch die sogenannte ungeschlechtliche Fortpflanzung behandelt. Eine solche besteht in einer reinen Vermehrung, d.h. im Hervorbringen von mehreren Individuen, die das gleiche Erbgut wie die "Mutter" besitzen. Das kommt einerseits viel bei Einzellern vor, die sich einfach teilen und so aus einem zwei Individuen werden, andererseits aber auch z.B. bei Blattläusen und anderen Tieren, wo die Weibchen in günstigen Perioden unbefruchtete Eier ablegen, aus denen dann wieder weibliche Blattläuse schlüpfen. Bei Blattläusen bezeichnet man das auch als Parthenogenese oder Jungfernzeugung. Neben der Parthenogenese gibt es auch die geschlechtliche Fortpflanzung bei den Blattläusen. Pflanzen können sich durch Ausläufer oder Stecklinge vermehren. Aber auch sessile Tiere wie z.B. Seeanemonen vermehren sich ungeschlechtlich durch Knospung (neben der geschlechtlichen Fortpflanzung, die es bei ihnen auch gibt).

Ich habe bisher nirgendwo Zweifel an der Darstellung gelesen, dass sich manche Arten ausschließlich durch ungeschlechtliche Fortpflanzung vermehren. Aber selber kann ich nicht daran glauben, dass das möglich ist. Denn wozu würde das führen? Jedes Individuum wäre dann ja vollständig von allen anderen Individuen der Art getrennt und das geht eigentlich nicht. Jedes Individuum würde dann ja für sich eine Art darstellen und sich durch Mutation verändern, so dass es zu einer totalen Divergenz käme. Eine Art muss meiner Ansicht nach auch einen gemeinsamen Genpool besitzen. Daher gehe ich davon aus, dass es bei jeder Art auch irgendeinen Mechanismus geben muss, der zu einem Austausch von Genen führt. Das kann die Verschmelzung von zwei Organismen sein oder der Austausch von Genen mit Hilfe von Plasmiden oder Viren oder noch andere Möglichkeiten.
Dieser Austausch von Genen wird in der Biologie als Sexualität bezeichnet. Im Prinzip geht schon daraus hervor, dass dieser Austausch nicht mit einer Vermehrung verbunden ist. Bei Paramecien (Pantoffeltierchen) laufen diese Prozesse tatsächlich auch unabhängig voneinander ab.

Geschlechtssysteme: Wie oben dargestellt, kann es keine Arten ohne Sexualität geben. Entweder müssen Gene über einen irgendwie funktionierenden Vektor wie Plasmide, Viren u.a. ausgetauscht werden oder es muss einen artinternen Mechanismus zum Austausch der Gene geben wie beispielsweise die Konjugation bei Paramecien.
Liegt die erstere einfache Situation vor, kann man sagen, dass es nur ein Geschlecht gibt. Die letztere Situation liegt bei der so genannten isogamen Fortpflanzung von Einzellern vor. Zwei verschiedene Individuen verhalten sich wie schwimmende Gameten, die sich rein äußerlich nicht unterscheiden lassen. Sie sind aber verschieden und es müssen +Gameten mit -Gameten verschmelzen, um ein neues Individuum hervorzubringen. Die Begriffe weiblich und männlich sind hier noch nicht sinnvoll anzuwenden. Aber es ist klar, dass es zwei Geschlechter gibt. Sexualität und Vermehrung müssen nicht miteinander gekoppelt sein, da die Verschmelzung zunächst sogar mit einer Verringerung der Individuenzahl verbunden ist. Findet anschließend eine Teilung statt, so ist die Ausgangszahl wiederhergestellt. Die Vermehrung erfolgt in diesem Falle also rein ungeschlechtlich durch Zellteilung. Der Vorteil der Sexualität liegt natürlich darin, dass neue Gene, die durch Mutation entstanden sind und zu neuen Erfolgen geführt haben, an andere Individuen weiter gegeben werden können.

Aus +/- wird weiblich/männlich: Bei den meisten einzelligen Flagellaten sind beide Gameten gleich groß, es herrscht also Isogamie. Sind die Gameten klein, so können sie schnell schwimmen und andere Gameten eher erreichen. Sie haben dann vielleicht auch eine größere Stoßkraft, um in die langsameren größeren Gameten einzudringen. Die kleinen Gameten sind nun andererseits durchaus daran interessiert größere Gameten zu befruchten, weil ihre eigenen Nachkommen dann von den angesammelten Reserven des Partners profitieren. So kann es einerseits zu dem Selektionsdruck kommen, dass kleine Gameten noch kleiner und schneller werden und große Gameten noch größer, um noch attraktiver für die kleinen zu sein. Auf diese Weise kann die so genannte anisogame Fortpflanzung entstehen und es macht dann schon Sinn die großen Gameten als Eier und die kleinen als Spermien zu bezeichnen.
Einfache Mehrzeller produzieren oft ungleich große bewegliche Gameten. Die größeren werden als weiblich bezeichnet, es herrscht also Anisogamie. Wird der weibliche Gamet schließlich geißellos, dann bezeichnet man ihn als Ei. Die Oogamie ist entstanden. Das Ei verbleibt dann beim Weibchen und der männliche Gamet muss es irgendwie erreichen.

Zwitter: Grundsätzlich hat ja jedes Individuum ein vollständiges Genom der entsprechenden Art. Daher ist zu erwarten, dass bei mehrzelligen Organismen jedes Individuum sowohl einen weiblichen als auch einen männlichen Geschlechtsapparat ausbilden kann. D.h. das dürfte die normale Ausgangssituation sein.
Wenn ein Organismus sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane besitzt, führt das natürlich dazu, dass es leicht zur Selbstbefruchtung kommen kann und da sich eine solche negativ auswirken kann, muss es eine Selektion dagegen geben. Eine bekannte Lösung ist die Proterandrie, dass jedes Tier zunächst männlich reagiert und erst danach weiblich. Aber auch eine Selbstbefruchtung kann durchaus funktionieren und vorgesehen sein, wie z.B. bei Caenorhabditis elegans. Der Vorteil beim Zwittertum liegt ja darin, dass es durchaus zu einer Durchmischung der eigenen Gene kommt, wenn eine Meiose zur Bildung der Eier und Spermien abläuft. Das ist ja bei der Parthenogenese, bei der ausschließlich Individuen mit identischem Erbgut entstehen, nicht so.

Bei dem berühmten Fadenwurm Caenorhabditis elegans gibt es zwei Geschlechter, zum einen Zwitter, die sich selbst befruchten können und andererseits Männchen, die eine Fremdbefruchtung durchführen können. Weibchen gibt es nicht. Vielleicht sind die Männchen deshalb notwendig, weil im Gegensatz zu den Schnecken nicht zwei Tiere sich begatten, sondern weil es hier zur Selbstbefruchtung kommt, was die allgemeine Meinung, dass die zwei Geschlechter zur Durchmischung des Genpools gebraucht werden, bestätigt.

Quellen:
W. Wickler, Sind wir Sünder, Droemer 1969