V O R W O R T

Seit über 1000 Jahren gibt es die deutsche Sprache. Geschrieben wurde von den Klösterschreibern zunächst in lateinischer Sprache, dann in deutscher Sprache mit den gleichen lateinischen Zeichen.

Ortsgebundene Schreibweisen bildeten sich heraus. Deshalb gab es keine einheitliche - allgemein verbindliche - Rechtschreibung.

Aus diesem Grunde ist es nicht verwunderlich, dass es schon seit frühester Zeit Bemühungen um eine Regelung und Vereinheitlichung der Schreibweise gab.

Schon vor der Reformationszeit wurden erste ernsthafte Anstrengungen unternommen, die Rechtschreibung zu vereinheitlichen. Dies wurde durch die Erfindung des Buchdruckes noch verstärkt. Jetzt gab es überall Schreibschulen und das Interesse an der Sprache und deren Schreibung wuchs. Allerdings gab es auch immer gegenwirkende Kräfte (z.B. aus Berufsinteresse und als Hervorhebung von den Analphabeten).

Trotzdem wurde bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts keine einheitliche Rechtschreibung erreicht, weil jeder Verlag seine eigene Rechtschreibnorm pflegte. Entsprechend sah es auch in den

Schulen aus. Oft hatten einzelne Schulen bzw. Klassen ihre "eigene" Rechtschreibung.

Mehrmals (1862, 1868, 1871, 1872) sah sich die jeweilige Regierung genötigt eine Verfügung zu erlassen. Dies zeigt, dass deren Wirkung jedes Mal beschränkt war.

1876 wurde zur ersten orthographischen Konferenz Konrad Duden als Experte eingeladen. Aber auch diese Schulkonferenz führte nicht zu einem Erfolg. weil ihre Beschlüsse von den meisten Regierungen als zu weit gehend abgelehnt wurden.

1901 wurde zu einer neuen Rechtschreibkonferenz nach Berlin eingeladen. Auf dieser zweiten orthographischen Konferenz wurde die Grundlage für die heutige Rechtschreibung gelegt; Die

Ergebnisse wurden in dem nach Konrad Duden benannten Werk veröffentlicht und als verbindlich erklärt. Österreich und Schweiz folgten dem Beschluss. Somit war eine amtliche Regelung

der deutschen Rechtschreibung für den gesamten deutschen Sprachraum geschaffen. Diese ist, wider Erwarten in seinen Hauptbestandteilen, fast 100 Jahre lang unverändert in Kraft geblieben.

1915 wurde in der 9. Auflage des Dudens die Regelung der Zeichensetzung aufgenommen.

1955 wurde durch die Kultusministerkonferenz die Amtlichkeit des Gebrauch des Dudens beschlossen.

Bis 1985 gab es mehrere Reformbestrebungen, welche alle keinen Erfolg hatten.

Seit 1980 gab es (von der Öffentlichkeit weit gehend unbeachtet) in der DDR und der BRD Kommissionen für Rechtschreibfragen.

Die jetzige Rechtschreibreform begann im Jahre 1986 mit der ersten Wiener Konferenz, welche sich 1990 und 1994 in weiteren Wiener Konferenzen fortsetzten. Wichtigstes Ziel war die Einheitlichkeit und Vereinfachung der Rechtschreibung.

Im Juli 1996 wurde in Wien die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung unterzeichnet. Damit wird das bisher amtliche Regelwerk von 1901 ersetzt.

Die neue Schreibweise tritt stufenweise in Kraft:

- ab 1996 teilweise Einführung der neuen Rechtschreibung in Schulen

- 1. August 1998: Stichtag der Einführung in allen Schulen und Behörden.

Bis zum vollständigen Inkrafttreten gilt eine Übergangszeitregelung: Die bisherige Schreibweise gilt als Überholt aber nicht als falsch.
31.07.2005: Vollständiges Inkrafttreten der neuen Rechtschreibregelung.

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