Sekundärliteratur
Grundlagen | Historienbilder

[P|S|M]

Adriaen Backer, Diana im Bade, 1682, Öl auf Leinwand, 178 : 229 cm, Bezeichnet unten links: A. Backer, f. 1682

(Bildquelle: GREEK MYTHOLOGY LINK)

Der Maler

Adriaen Backer wurde 1635 oder 1636 in Amsterdam geboren und starb dort 1684 (begraben am 23. Mai). Er lernte in Amsterdam, vermutlich bei seinem Onkel Jacob Backer, einem bedeutenden Bildnis- und Historienmaler. Längere Zeit hielt sich Adriaen Backer in Italien auf, für 1666 ist ein Aufenthalt in Rom gesichert. Spätestens 1669 muß er wieder in Amsterdam zurückgewesen sein, wo er Zeit seines Lebens arbeitete. Backer spezialisierte sich auf die Portraitmalerei und große Historienbilder. Sein Stil ist an italienischen und französischen Meistern geschult und belegt die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Holland verbreitete Vorliebe für dekorative, dem Geschmack des europäischen Barock sich annähernde Bilder.

Die Geschichte

Die Gestalt der Diana gehört zu den am häufigsten in der europäischen Literatur, Musik und Bildenden Kunst behandelten Götterfigurgen der Griechen. Der Sage nach war Diana (griechisch Artemis) die Tochter des Zeus und der Leto, Schwester des Apollon. Sie wurde als Wald- und Jagdgöttin verehrt. Diana ist eine kühne Jägerin und wird als solche mit Pfeil und Bogen dargestellt, zusammen mit ihren Begleiterinnen, den Nymphen. Außerdem ist sie Sinnbild der Keuschheit; da man im Mond das Keuschheit symbolisierende Gestirn sah, trägt Diana stets einen Halbmond im Haar.
(S. 122) Eifersüchtig wacht Diana über ihre keusche Schönheit und bestraft jeden, der sie belauscht. Eines der immer wieder dargestellten Themen ist die Verwandlung des Jägers Aktäon in einen Hirsch, den seine eigenen Hunde zerreissen. Dies geschieht zur Strafe dafür, daß Aktäon Diana und ihre Nymphen im Bade belauschte. Eine weitere, immer wiederkehrende Darstellung ist die der Geschichte der Kallisto. Kallisto ist eine der Jagdgefährtinnen der Diana, sie wird von Zeus verführt. Diana entdeckt die Schwangerschaft und bestraft die Gefährtin, indem sie sie verstößt - nach anderer Überlieferung erschießt sie Kallisto.
Im Gegensatz zu den handlungsreichen Bildthemen "Diana und Aktäon", die "Jagd der Diana" und "Diana und Kallisto", betont das Thema das "Bad der Diana" mehr den idyllisch-arkadischen Charakter der Geschichten um Diana. Die Betrachter erinnerten sich bei den Bildern der idyllischen Schilderungen eines ruhigen Landlebens im fernen Griechenland und suchten, etwas von dieser Stimmung in ihren Häusern lebendig werden zu lassen.

Das Bild

Der holländische Maler baut seine großformatige Komposition aus wenigen, übersichtlich angeordneten Elementen auf. Mehr vor als in einer klassischen italienischen Landschaften verwandten Gegend an einem Fluß sitzt im Vordergrund links die halb verhüllte Diana, begleitet von vier Nymphen, von denen sich eine eben entkleidet. Zwei große Jagdhunde, Köcher mit Pfeilen und Jagdhorn weisen auf die Jagd hin, glänzende Stoffbahnen geben der Gruppe einen farbenprächtigen Ton. Im Vordergrund rechts badet eine Nymphe, weitere im fernen Hintergrund. Durch diese Abstufung erreicht es Backer einmal, daß die Aufmerksamkeit (S. 123) des Betrachters ganz gefangengenommen wird von den großen, das Thema bestimmenden mit praller Körperlichkeit gemalten Figuren im Vordergrund und daß das Bild gleichzeitig Weite und Tiefe erhält.
Thema und Ausführung sind für ein holländisches Bild eigentlich überraschend, man würde es eher in einem Schloß erwarten, nicht jedoch im Hause eines Bürgers, dessen Hauptbeschäftigung nicht die Jagd, sondern der Handel war. Nun ist aber in der holländischen Malerei seit der Mitte des 17. Jahrhunderts und verstärkt zum Ende hin ein Zug zu großformatiger, dekorativer Kunst mit antiken Themen zu beobachten - man vergleiche dazu auch das Gemälde "Schlafende Venus" von Gerard de Lairesse [...]. Die holländische Gesellschaft hatte sich gewandelt, die Kaufleute waren reich geworden, bauten sich immer größere Stadthäuser, die mit entsprechenden Malereien geschmückt sein wollten und errichteten vor allem die schloßähnlichen Landsitze im Stile der höfischen Kultur des übrigen Europa, in denen sie ein ähnliches Leben führten wie die Adeligen sonst auch. Der strenge Kalvinismus war einer lebensoffeneren Haltung gewichen, was sich auch in Auftreten und Kleidung der Holländer ausdrückt, ein Beispiel dafür sind die beiden Bildnisse von Caspar Netscher in der [Bremer] Kunsthalle, in denen die Dargestellten in kostbarer, wenn nicht prunkvoller Kleidung auftreten, umgeben von den Attributen fürstlicher Portraits. Diesem neuen Bedürfnis nach Repräsentation suchten sich die Maler erfolgreich anzupassen. Vorbild waren ihnen dabei die großen Historienbilder der Italiener, besonders aber der Franzosen; offenbar ist die etwas kühle Farbigkeit des Bildes und die klassizistische Figurenauffassung in Backers Bild von dorther abgeleitet. Ohne daß wir den genauen Bestimmungsort für das Bild kennen, dürfen wir annehmen, daß Backer das Gemälde für einen reichen Amsterdamer (S. 124) malte, der es wohl für sein Landhaus bestimmte. Neben den großen dekorativen Werten des Bildes bot es dem Auftraggeber die Möglichkeit, seinen Landsitz mit einem Bild ländlich-verklärten Inhalts zu schmücken, wobei die nackten Frauengestalten dem Werk einen zusätzlichen, erotischen Reiz in antikem Gewande boten.



aus: Arbeitsmappe, Schule und Kunsthalle Nr. 2, Bilder erzählen Geschichten: "Das Historienbild", bearbeitet von Gerhard Gerkens und Richard Hoppe-Sailer, hrsg. vom Senator für Wissenschaft und Kunst und vom Senator für Bildung. Bremen 1982, S. 120ff.

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