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Vom Rübenwinter, Stahlgewittern und dem Roten Oktober

"Erster Weltkrieg II (1914-1918) - Heimatfront - Revolutionen - Kriegsende", 21. Folge der Reihe "Geschichte interaktiv" der Anne Roerkohl dokumentarfilm GmbH, erhältlich auf dokumentarfilm.com


100 Jahre Erster Weltkrieg. Grund genug, sich in der etablierten Reihe "Geschichte interaktiv" mit einer Doppelfolge dem Weltenbrand zu widmen, in dem 10 Mio. Menschen starben, der das alte Europa unter sich begraben hat und alte Dynastien vom Thron fegte.Die erste dieser Folge "Erster Weltkrieg I - Ausbruch, Materialschlachten, Westfront und Ostfront" thematisierte die Hintergründe zum Kriegsausbruch, die Bündnisverstrickungen in Europa und den Imperialismus bis zu den großen Materialschlachten im Westen und im Osten. Hier knüpft der zweite Teil der Dokumentation an und konzentriert sich im Wesentlichen auf die Kriegsjahre 1917/1918.
Als "modulares Medienkonzept für den Unterricht" kann ein Hauptfilm (29:44 Min.) vorgeführt werden oder man wählt ein Filmmodul, mit dem einzelne Teilaspekte betrachtet werden können. Man kann zwischen deutscher, englischer und bilingualer Version wählen. Das macht diese DVD so vielfältig einsatzbar und nützlich.

Der Hauptfilm der DVD "Der Weltkrieg und das Ende des alten Europas" zeigt, wie die Bevölkerungen der beteiligten Mächte unter den Auswirkungen des Krieges leiden und sich das Bild des Krieges verändert. An den Fronten macht sich Kriegsmüdigkeit breit: Sinnloses gegenseitiges Abschlachten und Verstümmeln in einem endlosen Blutbad lässt die Menschen in der Heimat und die Soldaten an den Sinn des Krieges zweifeln. Im Epochenjahr 1917 treten die USA in den Weltkrieg ein und das Zarenreich zerfällt unter dem Druck der Russischen Revolution und des Bürgerkrieges. Das Mächteverhältnis hat sich derart verändert, dass das Deutsche Reich gezwungen ist, den Kampf einzustellen. Mit der neuen Weltmacht USA und dem nun kommunistischen Osten Europas zeichnet sich die bipolare Welt des 20. Jahrhunderts bereits ab.Alte Mächte stürzen, neue Staaten, überwiegend mit demokratischen Systemen bilden sich daraus neu. Doch die Nachkriegsordnung ist spannungsgeladen, nicht zuletzt weil sie unter den frischen Eindrücken der Kriegsgräuel entstanden ist.

Doch wie konnten die Kriegsgesellschaften bei einem solchen Krieg solange motiviert und "angeheizt" bleiben? Erstmals schlug die Stunde der Propaganda. Das erste Modul zeigt mit historischen Filmbeiträgen, Plakaten und Karikaturen sehr anschaulich, wie Bilder als Waffe eingesetzt worden sind oder wie um Kriegsfreiwillige und Anleihen geworben wurde. Auf allen Seiten wurden mit Zerrbildern Ängste geschürt und Gegner dämonisiert. Erst unter den Eindrücken von Mangelwirtschaft und Hungersnot beginnen die Deutschen, die Propaganda nicht mehr ernst zu nehmen. Das zweite Modul behandelt das Thema "Heimatfront und Kriegsalltag". Exemplarisch werden hier die Arbeiterfamilie Pöhland aus Bremen und Caroline Cooper, eine Australierin in Leipzig. Letzteres Beispiel ist besonders interessant, da sie eine außergewöhnliche Sicht von außen zeigt und sich in Briefen empört, dass sich die deutsche, wie auch die englische Presse sich auf den Hass eingestellt und sich wie sich die deutsche Gesellschaft verändert hat.

Besonderes Gewicht erhält die Entstehung der bipolaren Welt des 20. Jahrhunderts im Kriegsjahr 1917 durch das dritte Modul: Im Februar 1917 brennt es in Petrograd und Zar Nikolaus II. wird gestürzt. Die Sowjets wurden Teil einer Übergangsregierung, die jedoch gewaltsam durch die Kommunisten in der Oktoberrevolution 1917 beseitigt wurde, um eine Diktatur des Proletariats zu errichten. Die USA treten, insbesondere aufgrund des uneingeschränkten deutschen U-Boot-Krieges erstmals in einen europäischen Konflikt ein und wenden das Blatt für die demokratischen Alliierten. US-Präsident Wilson und Lenin schaffen eine politische Landkarte, die Europa und die Welt langfristig beeinflussen sollten. Im darauffolgenden Modul wird das "Kriegsjahr 1918" behandelt: Von der deutschen Frühjahrsoffensive über den Frieden von Brest-Litowsk im Osten bis hin zum Waffenstillstand und der Novemberrevolution.

Passend zu den Modulen der Folge 20 widmen sich die Module 5 und 6 der Kunst und Literatur: Das Modul 5 "Künstler und Krieg" erzählt die Geschichte von Käthe Kollwitz, die ihren Sohn Peter, der sich freiwillig zur Front gemeldet hatte, verlor. Nach dem Krieg wird die Künstlerin Kollwitz zu einer überzeugten Pazifistin und drückt ihren Schmerz in ihrer Kunst aus, etwa im Denkmal "Trauerndes Elternpaar". "Der Erste Weltkrieg in der Literatur", stellt mehrere Werke aus der Nachkriegsliteratur vor, die kritisch die Erlebnisse des Weltkrieges erzählen oder die Propaganda jener Tage beleuchten. Während und direkt im Anschluss an den Krieg undenkbar, hat doch die Zensur den Finger auf jedes kritisches Wort und Bild gelegt. Auf der anderen Seite stehen patriotische Werke. Im Mittelpunkt stehen nicht literarische Werke einer Kriegspartei. Autoren wie Erich Kästner, EdlefKötten, Karl Klaus, Edith Warton, John Dos Passos, John Reed, Irmgard Keun, Thomas Hardy oder auch Stefan Zweig werden angesprochen. Eine schöne Möglichkeit, im literarischen Unterricht auf den historischen Kontext der Werke hinzuweisen und verschiedene miteinander zu vergleichen. Im letzten Modul findet man einen Exkurs, der eigentlich keiner ist. Mit dem Kriegstagebuch der Schülerin Elfriede Kuhr wird ein authentisches und ehrliches Bild vom Krieg an der Heimatfront aus der Sicht eines jungen Mädchens gezeigt, dessen Leben sich durch den Krieg stark verändert wird. Das rundet die DVD als Gesamtwerk ab.

Durch entwicklungsgemäße Sprache, Grafiken, Karikaturen und Karten, die u.a. geänderte politische Verhältnisse oder neue Grenzverläufe verbildlichen, werden die Filmbeiträge aufgelockert und eingängiger gemacht. Historische Filmsequenzen vermitteln einen Eindruck von den Vorkommnissen jener Tage. Kommentiert und bewertet werden die Filmbeiträge von renommierten Historikern wie Gerd Krumeich (Autor "Juli 1914", Mitherausgeber "Enzyklopädie Erster Weltkrieg" oder Jörn Friedrich ("Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs").

Sehr lobenswert muss erwähnt werden, dass in dieser Doppelfolge zum Ersten Weltkrieg See- und Luftkrieg neben dem Krieg zu Lande nicht zu kurz kommen und die in vielen Lehrwerken ausgesparte Alpenfront einbezogen wurde. Es wird keine isolierte Sicht dargestellt, sondern sachlich und objektiv die Geschichte des Weltkrieges so umfassend dargestellt, wie es auf einer DVD überhaupt nur möglich ist.

Vielfältig sind die Einsatzmöglichkeiten: Man kann diese DVD im deutschen oder bilingualen Geschichtsunterricht einsetzen. Englisch-Lehrer können die DVD in rein englisch-sprachiger Fassung vorführen. Aber auch ein Einsatz im Deutsch- oder Kunstunterricht ist denkbar, denkt man an die Module zu Käthe Kollwitz und zur literarischen Verarbeitung des Krieges. Da kein Filmbeitrag länger als 30 Minuten dauert, lässt sich ein Film in einer Unterrichtsstunde zeigen und besprechen.

Um die grandiose Einsetzbarkeit im Unterricht zu vervollständigen, gibt es wie bei jedem Band der Reihe "Geschichte interaktiv" didaktisch-methodisches Begleitmaterial:

Dieses Begleitmaterial kann auf deutsch und englisch kostenlos von dokumentarfilm.com downgeloaded werden. Man staunt nicht schlecht bei dem fast 60 MB umfassenden PDF. Das Dokument hat es in sich: 125 Seiten - schön gestaltet und übersichtlich aufgebaut wie ein Lehrbuch mit Materialien und Aufgaben zur Erarbeitung, Festigung und Vertiefung des Gelernten - nur zusätzlich gespickt mit didaktisch-methodischen Kommentaren. Alles genau abgestimmt auf die Fimbeiträge. Zitate, Plakate, Bilder aus den Filmen können besprochen werden. Daneben finden sich auf weiteren 29 Seiten das Zusatzmaterial, bei denen die Historiker und Experten aus der DVD näher vorgestellt werden. Anschließend findet man dort auch Literatur- und Linktipps, sowie eine Zeitleiste.

"Erster Weltkrieg II (1914-1918) - Heimatfront - Revolutionen - Kriegsende" ist auf dokumentarfilm.com und im Handel für 49,90 € erhältlich.


Martin Knust
PSM-Data / HistoriaPRO

Nähere Informationen unter: https://www.dokumentarfilm.com/geschichte/21ersterweltkrieg2