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Beaumarchais: "Figaros Hochzeit"
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Uraufführung im Frühjahr
1784. Vier Jahre kämpfte Beaumarchais
gegen das Verbot seines Stückes durch den französischen Monarchen.
Die Auseinandersetzung hatte die Öffentlichkeit beschäftigt,
dem König wurden Unterdrückung und Tyrannei vorgeworfen. Nur
mit Hilfe einflußreicher Personen am königlichen Hofe war es
gelungen, Ludwig XVI. die Aufhebung des Verbotes abzuringen. Napoleon bezeichnete
dieses Stück als den "Sturmvogel der Revolution".
Die erste öffentliche Aufführung
der Komödie "Die Hochzeit des Figaro" dauerte fünf Stunden, denn
häufig wurden die Schauspieler durch die Beifallsstürme des Publikums
unterbrochen und mußten einzelne Passagen wiederholen. Zwar spielte
die Handlung im spanischen Andalusien und die Schauspieler trugen spanische
Kostüme, doch der Inhalt war brisant: Figaro, Diener des Grafen Almaviva,
möchte Susanna heiraten, die Dienerin der Gräfin. Doch dazu muß
der Graf nach altem Recht seine Zustimmung geben. Der Graf will nicht,
denn auch er hat Gefallen an der hübschen Dienerin gefunden. Im Bündnis
mit der Gräfin siegt schließlich der listige Diener. Der adelige
Graf wird lächerlich gemacht.
Der lange Monolog des Figaro im
V.Akt galt Zeitgenossen als dramaturgisches Wagnis. Doch die darin ausgedrückten
Gedanken sowie das geschilderte Schicksal machten gerade diese Stelle zu
einer der am meisten beklatschten Szenen des Stückes:
"Nein, Herr Graf, Sie werden
Susanna nicht haben ... Sie werden sie nicht haben! Weil Sie ein großer
Herr sind, glauben Sie, auch ein großer Geist zu sein! Adel, Reichtum,
Rang und Würden, all das macht Sie so stolz! Was haben Sie denn geleistet
für so viele Vorteile? Sie haben sich die Mühe gegeben, geboren
zu werden, weiter nichts. Im übrigen sind Sie ein ganz gewöhnlicher
Mensch. Währen ich, zum Donnerwetter, verloren im dunkelsten Gewühl
der Menge, mehr Fleiß und Verstand aufwenden mußte, um überhaupt
existieren zu können, als seit hundert Jahren für die Regierung
von ganz Spaniens aufgebracht wurden! Und Sie wollen den Kampf mit mir
... Gibt es etwas Wunderlicheres als mein Schicksal? ... Ich studierte
Chemie, Pharmazie und Chirugie, und der ganze Einfluß eines mächtigen
Herrn reicht gerade aus, mich zum Träger einer Verterinärlanzette
zu machen. Müde, krange Tiere noch trauriger zu stimmen, und um einen
ganz anderen Beruf auzuüben, stürze ich mich blindlings auf das
Theater ... In aller Eile schreib´ich eine Komödie, die im Palast
eines Sultans spielt. Als spanischer Autor glaub´ich, den Propheten
Mohammed mit gutem Gewissen kritisieren zu können: Sofort beklagt
sich irgendein obskurer Gesandter, ... und siehe da, mein Lustspiel wird,
den mohammedanischen Fürsten zuliebe, ... verbrannt. - Wenn man den
Geist nicht unterdrücken kann, rächt man sich, indem man ihn
mißhandelt. - Es erhebt sich gerade ein Streit über das Wesen
des Reichtums, und ... so schreib´ ich eine Abhandlung über
den Wert des Geldes und über seinen Ertrag: Sofort befinde ich mich
am Eingang einer Gefängnisfestung, wo ich Hoffnung und Freiheit ließ.
Oh, könnt´ ich nur mal einen von den Mächtigen zu fassen
kriegen, die so schnell das Böse verdammen, das sie selber befohlen
haben, wenn eine gerechte Ungnade seinen Hochmut gebrochen hat! Ich würd´
ihm sagen, daß die gedruckten Dummheiten nur dann wichtig werden,
wenn man ihre Verbreitung behindert, daß gerade die Freiheit des
Tadelns den Wert des Lobes erhöht, und daß nur die kleinen Menschen
die kleinen Stiche der Feder fürchten. Eines Tages wurde man es überdrüssig,
einen so unbedeutenden Menschen wie mich auf Kosten des Staates zu füttern
und setzte mich wieder auf die Straße. ... Ich greife wieder zu meiner
Barbier-Ausrüstung, ... ziehe rasierend von Stadt zu Stadt und lebe
endlich ohne Sorgen. In Sevilla treff´ ich einen vornehmen Herrn;
... ich verhelf´ ihm zu einer Frau, und zum Dank dafür will
er mir die meinige wegnehmen ... Wie ist mir dies all widerfahren? Warum
dieses und nicht anderes? Wer hat das über mich verhängt?
| | Quelle: Pierre Caron de
Beaumarchais, Le Mariage de Figaro, hrsg. von Maurice Rat, Paris 1964, S.
310ff., Übersetzung von K. Sturm; zit. nach: Geschichte und Geschehen, Bd. 1,
Stuttgart 1995, S. 287f |
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