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Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch herausgegeben von der Deutschen Kolonialgesellschaft. Berlin 1908 - Kamerun
Kamerun 

Grösse : 495 600 qkm (= Deutsches Reich). Die Grenze gegen die englische Nachbarkolonie wurde 1905, gegen Französisch-Kongo 1906 bis 1908 endgültig festgelegt.

Bevölkerung : Ungefähr 3 500 000 (?) Einwohner, darunter 1903: 710, 1904: 826, 1905: 896, 1906: 1010 Europäer, wovon 860 Deutsche und 123 Frauen. Eingeborene Hauptstämme der bisher bekannt gewordenen Gebiete: Im Norden und Nordosten die unter Fullahherrschaft stehenden Graslandstämme von Adamaua, von denen die Bata, Tikar, Baia und Wute die bekanntesten sind. Näher der Küste folgen im Nordwesten und Westen bis zur Südgrenze hinunter die Bafut und Bali, Banjang, Bakundu und Ngolo, Bamboko, Bakwiri, Duala, Batanga und Mabea und schliesslich Bule (Fang). Die Gegend zwischen Küsten- und Graslandstämmen, also etwa der Mittellauf des Sanaga und Njong, wird von Bakokostämmen eingenommen, denen sich weiter östlich Jaúnde, Bane und Jengone anschliessen, die sämtlich mit den fast den ganzen Süden einnehmenden Bule verwandt sind. In den Flussgebieten des Dscha, Bumba und Ssanga sitzen Janguma, Njem, Ndsimu, Bomome und Maká. Zu erwähnen wären noch die Nguma am Lokundje, Stammesgenossen der Njem und Maká.

Bodengestalt : Das höchste Gebirge im Umkreis des Atlantischen Ozeans ist das Kamerungebirge (4070 m), das sich nach Nordosten in den Bakossi- usw. Bergen fortsetzt. Das Schutzgebiet steigt im übrigen in Terrassen mit vielen aufgesetzten Gebirgszügen im allgemeinen nach Osten und Nordosten an (Adamauagebirge bis 3000 m, Nguakeli im Süden ca. 1500 m). Eine etwa von Bali über die Mbammündung nach den Ssangazuflüssen gedachte Linie ergibt annähernd die Grenze des ununterbrochenen Küstenurwalds.

Flüsse (von Norden nach Süden) : Das Rio del Reygebiet mit mehreren Zuflüssen, ebenso wie das Kamerunflussgebiet, in das der Mungo, Dibambu und Wuri münden, sind ausgedehnt von Mangrovesümpfen bedeckt. Der sehr bedeutende, doch nicht schiffbare Sanaga mit dem Mbam; der Njong, dessen Oberlauf weithin schiffbar ist, mit dem Nkele; schliesslich die kleineren: Lokundje, Kribi und Campo. Adamaua wird von dem schiffbaren Benuë, dem grössten Nebenfluss des Niger, durchströmt, der eine internationale Verkehrsstrasse zum Meere bildet (Nigerschiffahrtsakte 1885). Der Dscha mit Bumba im Südosten, bezw. der Ssanga schliessen das Gebiet der Kongoschiffahrt an. Der in den Tschadsee mündende Schari und sein Nebenfluss der Logone sind weithin schiffbar und z. B. von den Franzosen zur Verproviantierung ihrer dortigen Posten benutzt worden.

Klima : Die mittlere Jahres-Temperatur beträgt an der Küste etwa 25° C.; der Februar mit 27° C. ist im Durchschnitt der wärmste, der Juli mit 23° C. der kühlste Monat. Die Regen- und Trockenzeiten liegen in den verschiedenen Gebietsabschnitten sehr verschieden und weichen auch in den einzelnen Jahren voneinander häufig nicht unbedeutend ab. Hauptregenzeit zumeist Mai bis Oktober. Jedenfalls gehört das Küstengebiet am Kamerunberg zu den regenreichsten Gegenden der Erde. Das Klima ist besonders in den Waldgebieten ungesund, in den hochgelegenen Gebieten des nördlichen Kamerun erheblich besser. (S. 10)

Pflanzenwelt : Küste und Kamerunberg dich bewaldet. Mangroven, Palmen, Pandanen, Wollbäume, Brotfruchtbäume, Mangos. Grasland bis zur Sumpfvegetation des Tschad-See-Gebietes. Angebaut werden Kakao, Kautschuk und Oelpalmen.

Tierwelt : Reiche Insektenwelt. Die Flüsse, besonders der Sanaga, wimmeln von Alligatoren. Bunte Vogelwelt (vom Kolibri bis zum Nashornvogel). Unter den Säugern zahlreiche Arten von Affen (Schimpanse und Gorilla), Raubtieren, Dickhäutern und Zweihufern.

Mineralien : Seit Jahren sind Zinnlager bekannt. Bei Viktoria unbedeutende Petroleumquellen. Im Ossidinge-Bezirk Soolquellen, die auf Kalilager schliessen lassen.

Handel und Verkehr : Die Ausfuhr besteht in Palmkernen, Palmöl, Kautschuk, Kakao. Elfenbein, Hölzern usw. 
Eingeführt werden Manufakturwaren, Nahrungsmittel, geistige Getränke, Materialwaren, Geld, Salz, Holz, Holzwaren, Eisen und Eisenwaren, Glaswaren, Tabak, Reis, Mehl, Pulver und Waffen u.s.w. Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabelle auf Seite 4.

Verkehrswesen : Schiffsverkehr: Die Kameruner Häfen und Reeden wurden im Jahre 1906 von 363 Dampfern von 982.000 Registertons angelaufen. 235 davon waren deutsche. Ueberfahrtspreis: Woermannlinie Hamburg-Duala I. 600 M., II. 450 M.
Eisenbahnen : Kurze Schmalspurbahn Victoria-Soppo (43 km). Bahn von Duala nach den Manengubabergen seit 1906 im Bau. Bewilligt eine Linie Duala-Edea-Widimenge (293 km).
Post und Telegraphie : Ende 1907: 30 Anstalten, darunter 14 mit Telegraphenbetrieb und 14 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 830 km Landtelegraphenlinien, 337 km Seekabel. Verkehr 1906: 539.900 Briefsendungen, 24.577 Postanweisungen mit 3.327.000 M., 15.626 Pakete, 76.929 Zeitungsnummern, 25.541 Telegramme, 164.940 Gespräche. Postverbindungen: drei- bis viermal monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Duala 19-24 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 5,30 M.


Bezirksämter befinden sich in Victoria, Duala, Edea, Kribi, Jaunde und Ossidinge; andere Stationen: Buëa, Campo, Lolodorf, Jabassi, Johann-Albrechtshöhe. Rio del Rey, Akono-Linga, Dschang, Bamenda, Banjo, Joko, Ebolowa, Lomie, Dume-Station; Residenturen: Adamana mit Station in Garua und Deutsche Tschadseeländer mit Station in Kusseri;Sitz des Gouvernements ist Buëa. 

Andere Ortschaften, in denen Europäer ansässig : An der Küste. Bibundi, Debundja, Bimbia, Bell, Joss, Akwa, Deidodorf, Malimba, Kl.-Batanga, Londji, Plantation, Gr.-Batanga; am Mungo: Mundame; am Sanaga: Lobetal, Marienberg; am Njong: Widimenge, Dehane; am Lokundje: Bipindi usw.

Schutztruppe : 1 Kommandeur, 39 Offiziere, 11 Aerzte, 79 Unteroffiziere, 1300 Farbige (nach dem Stande von April 1907). Deutschen Militärpersonen unterstehende Polizeitruppen befinden sich auf den einzelnen Stationen


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Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Jahrbuch, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel, Jahrbuch und Bemerkungen von Hubert Henoch. Berlin 1908, S. 9f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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