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Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Deutsche Kolonialgesellschaft
Deutsche Kolonialgesellschaft

Präsident : Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Braunschweig und Wiligrad.

Geschäftsführender Vizepräsident : Kaiserl. Botschafter a. D. Wirkl. Geheimer Rat Dr. von Holleben, Mitgl. d. Herrenhauses, Berlin

Stellvertretende Präsidenten : Graf von Arnim-Muskau, Muskau und Berlin; Kontre-Admiral z.D. Strauch, Friedenau; Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Paasche, erster Vize-Präsid. des Deutschen Reichstags und Mitglied des Abgeordnetenhauses, Gut Waldfrieden bei Hochzeit (N.M.); Präsident des Oberverwaltungsgerichts Wirkl. Geh. Rat Dr. von Bitter, Charlottenburg, Hardenbergstr. 31.

Schon lange vor der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches hatten weitblickende deutsche Fürsten und patriotische Männer den Erwerb von Kolonien als ein Ziel nationaler Politik ins Auge gefasst. Auch die Frankfurter Nationalversammlung des Jahres 1848 hatte bereits die Frage der Erwerbung kolonialen Besitzes in den Kreis ihrer Erörterungen gezogen und in dem von ihr ausgearbeiteten Verfassungsentwurfe berücksichtigt. Aber die Kraft zur Verwirklichung dieses Wunsches fand Deutschland erst, nachdem es die Einigung im Innern und eine gebührende Macht gegen außen auf den französischen Schlachtfeldern sich erkämpft hatte. Dem überlegenen Einfluß, den Kaiser Wilhelm I. und sein großer Kanzler auf die Weltpolitik ausübten, verdanken wir es, da Deutschland im Jahre 1884 in zwei Weltteilen von wertvollen Gebieten Besitz nahm.
Bereits vor dem Jahre 1884 bestanden in mehreren Städten Deutschlands private Vereine und Gesellschaften, die koloniale Zwecke verfolgten, darunter insbesondere der am 6. Dezember 1882 gegründete Deutsche Kolonialverein. Diese Vereine waren nicht bloß bemüht, das Verständnis für die kolonialen Aufgaben des deutschen Volkes zu fördern, sondern ihr Bestreben ging u.a. auch dahin, die Auswanderungsfrage in nationalem Sinne zu beeinflussen, und der sich immer bedrohlicher gestaltenden Erstarkung anderer Nationalitäten auf Kosten deutschen Kapitals und deutscher Arbeit im Weltverkehr entgegenzuwirken.
Der Besitz eigener Kolonien legte den mit Kolonialpolitik sich beschäftigenden Gesellschaften naturgemäß die Verpflichtung auf, ihre Bestrebungen auf die deutschen Kolonien, auf deren Erforschung und wirtschaftliche Erschließung auszudehnen. Am 28. März 1884 erfolgte die Gründung der Gesellschaft für deutsche Kolonisation in Berlin.
Durch die von den Deutschen Kolonialverein und der Gesellschaft für deutsche Kolonisation auf ihren Hauptversammlungen am 19. Dezember 1887 gefassten Beschlüsse fand eine Verschmelzung beider statt. Aus dieser Verschmelzung entstand die Deutsche Kolonialgesellschaft.
Erster Präsident dieser Gesellschaft war Seine Durchlaucht Fürst von Hohenlohe-Langenburg. Sein Nachfolger in der Stelle des Präsidenten ist Seine Hoheit der Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg seit 15. Januar 1895.
Gegenwärtig besteht die Deutsche Kolonialgesellschaft aus 404 Zweigvereinen (Abteilungen), und zwar 380 in Deutschland, 24 außerhalb Deutschlands (Alexandrien, Antwerpen, Bismarckarchipel, Chicago, Daressalam, Finschhafen, Grootfontein-Otavi, Jabassi, Jaluit, Japan, Kaiser-Wilhelmsland, Karibib-Otjimbingue, London, Muansa, Neu-Mecklemburg-Nord, Palermo, Paris, Ponape, Rom, Swakopmund, Togo, Tsingtau, Tsumeb, Windhuk und Zentralafrikanische Abteilung) und 170 Ortsgruppen. Sie zählt über 39.000 Mitglieder.
Die Deutsche Kolonialgesellschaft bezweckt, im Dienste des Vaterlandes die Erkenntnis von der Notwendigkeit deutscher Kolonien zum Gemeingut des deutschen Volkes zu machen.
Sie stellt sich zur Aufgabe die Pflege und Förderung des vorhandenen deutschen Kolonialbesitzes in organisatorischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Beziehung wie auch die Klärung und öffentliche Vertretung aller sonstigen kolonialen und überseeischen Interessen der deutschen Nation.
Unter Ablehnung jeder Stellungnahme zu parteipolitischen Fragen ist die Deutsche Kolonialgesellschaft bestrebt, alle Parteien im Deutschen Reiche für die deutschkoloniale Sache zu gewinnen und insbesondere in Zeiten wichtiger Entscheidungen in solchem Sinne zu wirken.
Entsprechend den durch die dargestellte geschichtliche Entwickelung gegebenen Zweckbestimmungen ist die Tätigkeit der Gesellschaft einesteils eine werbende, insofern sie das Verständnis und Interesse für die kolonialen Aufgaben des deutschen Volks anregen und fördern will, andernteils eine der praktischen Arbeit zugewandte. Werbend wirkt die Gesellschaft

1. durch die von ihr herausgegebene, wöchentlich erscheinende "Deutsche Kolonialzeitung", die allen Mitgliedern kostenfrei zugestellt wird.
Die Deutsche Kolonialzeitung, die für die große Menge der Gebildeten geschrieben ist, bringt in möglichst engem Anschluß an die Tagesereignisse kurze, aufklärende Artikel, die innerhalb von je 14 Tagen das gesamte Gebiet der deutschen Kolonialbetätigung berücksichtigen, führt Land und Leute des überseeischen Deutschland in Bildern vor, berichtet über die Arbeiten der Gesellschaft, nimmt zu allen wichtigen kolonialen Fragen Stellung und ist bemüht, in die koloniale Bewegung Deutschlands führend einzugreifen; (S. 3)

2. durch die von ihr in jährlich 12 Heften herausgegebenen "Kolonialen Monatsblätter"; Zeitschrift für Kolonialpolitik, Kolonialrecht und Kolonialwirtschaft, und die in jährlich 12 Heften erscheinende "Zeitschrift für Kolonialrecht", welche die Mitglieder zum Selbstkostenpreis erhalten;

3. durch Übermittlung von kolonialen Artikeln und Notizen an die Tagespresse vermittelst der von ihr herausgegebenen kolonialen Korrespondenz "Mitteilungen der Deutschen Kolonialgesellschaft";

4. durch Veranstaltung von Vorträgen über kolonialpolitische Themata in den Zweigvereinen und in andern Orten, die zur Gründung von Abteilungen schreiten wollen;

5. durch Zusendung von Werbestoff (Karten, kolonialen Abhandlungen, Flugschriften) an die Abteilungen;

6. durch Anschaffung von Lichtbilderapparaten, Anlage von Lichtbildersammlungen, Ausarbeitung von erläuternden Vorträgen dazu und deren Verleihung an die Abteilungen und Bewilligung von Unterstützungen an letztere zu derartigen Anschaffungen;

7. durch Versendung von Beitrittseinladungen mit postfreier Anmeldekarte;

8. durch Herausgabe und Unterstützung von Werken und Zeitschriften kolonialen Inhalts;

9. durch Unterhaltung einer umfangreichen Bücherei, die bereits gegen 12.000 Bände, Broschüren und Karten besitzt, und deren Benutzung jedem Mitgliede gestattet ist;

10. durch Förderung der Anlage von Kolonialheimen;

11. durch Unterstützung von Büchereien mit kolonialem Lesematerial;

12. durch Verbreitung der Kenntnis über unsere Kolonien in der Jugend;

13. durch Versorgung von Schulbibliotheken mit kolonialem Lesestoff.


Praktisch ist die Gesellschaft bemüht, jedes gesunde national-deutsche Unternehmen oder Interesse auf kolonialem Gebiet im weiteren Sinne, gleichviel ob dasselbe sich auf deutsche Schutzgebiete oder außerdeutsche überseeische Länder bezieht, nach Kräften zu fördern. Dementsprechend hat die Deutsche Kolonialgesellschaft

1. auf alle die Entwicklung der deutschen Schutzgebiete und die Interessen der Deutschen im Auslande berührenden Fragen eingewirkt und den Standpunkt der kolonialfreundlichen Kreise an maßgebender Stelle vertreten (Ausbau unserer Flotte, Haushaltsetat für die Schutzgebiete, Antisklavereibestrebungen, Emin-Pascha-Expedition, Abgrenzungsfragen der Schutzgebiete, Errichtung von Berufskonsulaten, Ableistung der Dienstpflicht bei der Schutztruppe, Eisenbahnbauten, Dampferverbindungen, Bekämpfung der Hungersnot in Deutsch-Ostafrika, Bekämpfung von Viehseuchen, Auswanderungsgesetz, Samoafrage, Erhaltung der Reichsangehörigkeit usw.);

2. Expeditionen zur Erforschung der deutschen Schutzgebiete und deren Hinterländer, teilweise in Verbindung mit anderen Organen, ausgerüstet und entsandt;

3. die wirtschaftliche Erschliessung der Schutzgebiete teils selbst in Angriff genommen, teils dahin zielende Unternehmungen Jahre hindurch aus ihren Mitteln und durch ihren Einfluss erheblich unterstützt;

4. das Studium der Eingeborenen-Sprachen angeregt und gefördert;

5. die tropenhygienische Forschung angeregt und durch Beschaffung von Material und finanzielle Zuwendungen gefördert;

6. die deutschen Schulen in Tanga und auf Samoa durch namhafte Beiträge Jahre hindurch unterstützt;

7. die Siedelung deutscher Landwirte in Südwestafrika ins Leben gerufen, den Ansiedlern dort durch das von ihr geschaffene Syndikat zur Begründung wirtschaftlicher Unternehmungen erhebliche Kapitalunterstützungen gewährt und zum Zweck der Siedelung eine direkte Dampferverbindung zwischen Hamburg und Südwestafrika begründet;

8. die Ansiedlung Weisser in den dafür geeigneten Gebieten vorbereitet und in Angriff genommen;

9. die Selbstverwaltung in den Schutzgebieten und die Errichtung von Gouvernementsbeiträten nachdrücklich gefördert und vertreten; 

10. die Notwendigkeit, unsere Kolonien durch den Bau von Eisenbahnen wirtschaftlich zu erschliessen, stets auf das Nachdrücklichste betont und empfohlen;

11. Gelder aufgebracht, um den durch den Aufstand in Deutsch-Südwestafrika in Not geratenen Ansiedlern über die schlimmsten ersten Zeiten, wo es am Nötigsten gebrach, hinwegzuhelfen;

12. sich mit aller Kraft dafür eingesetzt, dass diese Ansiedler für die durch den Aufstand verursachten Verluste vom Reich in billiger und gerechter Weise entschuldigt werden;

13. für die aus Südwestafrika zurückkehrenden Kämpfer einen Stellennachweis eingerichtet;

14. im Laufe der Jahre Tausenden von Auswanderern auf Anträge unentgeltliche Auskünfte über Einwanderungsgebiete erteilt, Frauen und Mädchen auf Gesellschaftskosten nach Deutsch-Südwestafrika, Ostafrika und Kiautschou entsandt, an der Geschäftsstelle für Stellenvermittlung für die aus den Kolonien heimkehrenden Unteroffiziere und Mannschaften der deutschen Schutztruppen teilgenommen, u.s.w. u.s.w.

Wer an der Ausbreitung des kolonialen Gedankens im deutschen Volke an der Nutzbarmachung unseres Kolonialbesitzes und an der Förderung unser überseeischen und Handelsinteressen überhaupt mitarbeiten will, trete der Deutschen Kolonialgesellschaft als Mitglied bei. Jedermann, ohne Unterschied der Partei, auch Frauen sind als Mitglieder willkommen.
Der Jahresbeitrag beträgt für ordentliche Mitglieder in Deutschland, wie in den deutschen Schutzgebieten und Österreich-Ungarn 6 Mark, für andere ordentliche Mitglieder 8 Mark. Freiwillige Mehrzahlungen sind erwünscht. Die Abteilungen erheben zur Deckung der örtlichen Unkosten für Versammlungen und Vorträge einen Zuschlag von 2-4 Mark. In Berlin beträgt der Zuschlagsbeitrag 3 Mark. Der Jahresbeitrag für außerordentliche Gesellschaftsmitglieder (d. h. großjährige Personen unter 25 Jahren) beträgt 3 Mark. Hierzu tritt an Orten, wo Abteilungen bestehen, die Hälfte des Abteilungszuschlags.
Durch einmalige Zahlung von 300 Mark wird die ständige Mitgliedschaft erworben. Sie gibt das Recht zur Teilnahme an den Vorstandssitzungen mit beratender Stimme und befreit von jährlichen Beiträgen, auch von den Zuschlägen der Abteilungen.
Sämtliche Mitglieder erhalten die 52mal im Jahre erscheinende "Deutsche Kolonialzeitung" unentgeltlich und die von der Deutschen Kolonialgesellschaft heruasgegebene "Zeitschrift für Kolonialpolitik, Kolonialrecht und Kolonialwirtschaft" sowie das amtliche "Deutsche Kolonialblatt" zu einem Vorzugspreise.

Anmeldungen sind an die Deutsche Kolonialgesellschaft, Berlin W., Schellingstr. 4, zu richten.

Deutsche Kolonialgesellschaft


 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 2f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz 

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Kartenabteilung

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