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Deutscher
Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Rückblick
auf die Entwickelung der Südsee im Jahre 1908
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Rückblick auf
die Entwickelung der Südsee im Jahre 1908.
(S. 31) Das gesamte alte Schutzgebiet Neu-Guinea hat in den
Bereichen, wo unsere Kolonisation und Kultur schon vorgedrungen ist, eine
weitere Entwickelung erfahren. Das Kaiser-Wilhelms-Land steht gewissermassen
noch immer unter einer gewissen Vernachlässigung. Es schien als sollte sein
Goldsegen ihm etwas auf die Füsse helfen, denn von dem gelben Metall wurden
australische Digger angelockt, im Waria zu waschen. Neueren Nachrichten zufolge
sollen sie aber mangels befriedigender Erfolge die Kolonie schon wieder
verlassen haben. Interessant für unsere Aussichten wäre es, wenn unsere
Anschauungen von den inneren Bezirken der Insel Neu-Guinea einen Wandel erfahren
müssten, wie nach der Entdeckung der freilich nicht langen Expedition Damköhler-Fröhlich,
die, entgegen der bisherigen Annahme von der Unbewohnbarkeit der Striche im
Innern, zwischen Finisterre- und Bismarck-Gebirge eine furchtbare, in verhältnismäßig
hoher Kultur stehende und danach dicht bevölkerte Ebene fanden. Leider schienen
die einzelnen Stämme in ewiger Fehde miteinander zu liegen und sich
wechselseitig zu Grunde zu richten.
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Aufbereitung
von Kopra durch Melanesier auf der Pflanzung Vaitele. |
Erklärlich ist es, wenn unsere verhältnismässige Unkenntnis wieder und wieder
Forscher ins Land ruft, die in unbekannte Gebiete vordringen. Auch der
Gouverneur Dr. Hahl verdient die Anerkennung, dass er in dem weiten, ihm
unterstellten Gebiete stets zur Stelle ist, wenn politische oder wirtschaftliche
Gründe sein Erscheinen erheischen. So fand er sich mit dem Gouvernementsdampfer
ein, als im Herbst des Jahres auf Ponape Streitigkeiten unter den Eingeborenen
zum Ausbruch kamen.
In der weissen Bevölkerung von Alt-Neu-Guinea so wenig wie in der der kleineren
Inselgruppen (Karolinen, Palau-Inseln und Marianen) sind grosse Verschiebungen
nicht eingetreten. Da ein für die Kokospalme günstiges Jahr vorlag, so waren
auch die wirtschaftlichen Zustände befriedigend, denn die Kopraausfuhr hat
gegen das Vorjahr eine Zunahme erfahren.
Die Karolinen, Palau und Marianen stehen noch immer unter den Nachwirkungen der
Taifune, so dass in der Einfuhr wie in der Ausfuhr nur Rückgänge zu
konstatieren sind. Auf den West-Karolinen war beispielsweise die Geschäftslage
so wenig günstig, dass von den 107 sich dort aufhaltenden Japanern 30
infolgedessen das Schutzgebiet verliessen.
Wirtschaftlich unter einem günstigen Stern stehen die Marshall-Inseln.
Allerdings ist das hauptsächlich auf die Phosphatausbeute der Insel Nauru zurückzuführen.
Schon im Jahre 1907 wurde im Werte von über einer Viertelmillion Mark
verschifft; für das Jahr 1908 liegen die Zahlen noch nicht vor, doch sind sie
zweifellos beträchtlich emporgegangen, denn die Regierung hat im Etat 1909 auf
Grund der Erfahrungen aus unserm Berichtsjahr eine beträchtlich erhöhte Summe
in Ansatz gebracht.
Die Zahl der Weissen auf Nauru ist mit 81 grösser als die der in Jaluit mit 50.
Ausserdem sind mehrere 100 Chinesen eingeführt worden, die den Stamm der
Phosphatarbeiter bilden.
(S. 32) In Samoa war 1907 kein gutes Koprajahr, einmal infolge ungünstiger
Witterung, und ferner wohl aus dem Grunde, dass die Kokospalmen nach starken
Ernten erfahrungsgemäss für einige Zeit im Ernteertrag nachlassen; sie bedürfen
eines Ruhejahres. Desto günstiger stand es mit dem Kakao, dessen Export von 92
auf 109 von 1906 auf 1907 emporgegangen ist, wobei nicht einmal alle geboten
Erwartungen erfüllt wurden. Später war dann der Fruchtansatz etwas besser und
die Frühjahrsernte 1908 brachte einen Vollertrag. In der Ausfuhrtabelle sind
diese beiden Posten die grössten, nahe heran reicht die Kawa, die in Tanga und
Fidji viel verlangt wird. So stieg denn die Ausfuhr von Deutsch-Samoa von 25.000
Mark auf 84.000 Mark. Insgesamt ist sie bei keinem viel mehr als die Hälfte zurückgegangen,
hauptsächlich wegen des Zurückbleibens der Kopraernten.
Ein geringer Rückgang in der Zahl der Weissen erklärt sich mit der Abwanderung
einiger Ansiedler und kinderreichen Missionarsfamilien.
Vom rassenethischen Standpunkte muss man den Rückgang der Zahl der
Chinesenarbeiter von 1104 auf 1050 begrüssen.
Gouverneur Dr. Solf, der seit dem Mal 1899 an der Spitze der Kolonie Samoa
steht, hat es besonders verstanden, die Eingeborenenbevölkerung von der Nützlichkeit
und Notwendigkeit der deutschen Herrschaft zu überzeugen. Er bietet auch alles
auf, um die von Natur trägen Samoaner wirtschaftlich zu interessieren, sie dazu
zu bewegen, die Kopraaufbereitung sorgfältiger vorzunehmen, das leichtsinnige
Schuldenmachen aufzugeben und dergleichen mehr.
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Waschen
der Kakaobohnen nach dem Gärungsprozess. |
Koloniale-Literatur und Karten
1908/09: Die deutschen Schutzgebiete im Stillen Ozean.
Rechinger, Lily u. Dr. K. Streifzüge in Deutsch-Neu-Guinea
und auf den Salomons-Inseln. Eine botanische Forschungsreise. 8 Mark.
Karten
Karte von Badeldàob nach provisorischen Aufnahmen von A. Krämer
1 : 225.000. Mitt. a. Deutsch. Schutzgeb. 1908, Karte 10.
Der nördliche Teil der Gazelle-Halbinsel. Unter
Zugrundelegung der Aufnahme von Wilhelm Wernicke und S.M.S. Möwe, gezeichnet
von F. Bischoff unter Leitung von M. Moisel. 1 : 100.000 Mitt. a. Deut[s]ch.
Schutzgeb. 1908.
Waria-Expedition vom 5.- 15. März 1908. Aufgenommen und
gezeichnet von W. Wernicke. 1 : 100.000. Deutsches Kolonialblatt 1908, No. 19.
Weitere Literatur- und Kartennachweise sind in Dietrich
Reimer's Mitteilungen für Ansiedler, Farmer, Tropenpflanzer, Beamte,
Forschungsreisende, Kaufleute, enthalten. Jährlich 4 illustr. Hefte à 30 Pfg.
Ein Jahrgang mit Porto M. 1,60. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie
direkt von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Sort.-Abtlg., Berlin
S.W. 48.
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| Quelle:
Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben
auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P.
Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 31f |
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