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Imperialismus | Kolonialzeit

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Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909 - Rückblick auf die Entwicklung des Schutzgebietes Togo im Jahre 1908 
Rückblick auf die Entwicklung des Schutzgebietes Togo im Jahre 1908 

(S. 12) In Togo ist dank der dauernden friedlichen Verhältnisse die Entwickelung im Jahre 1908 eine stetige gewesen. Wenn die weisse Bevölkerung an Zahl zurückgegangen ist, von 288 auf 268, so liegt das nur daran, dass nach Fertigstellung der Eisenbahn Lome-Palime eine grössere Anzahl in technischen Berufen tätiger Weisser die Kolonie wieder verlassen hat. Gegen 1906 ist noch immer eine Zunahme festzustellen.

 

Abb.4: Personenwagen der Togobahn


Die gesundheitlichen Zustände sind andauernd günstig gewesen. Verstorben sind im Berichtsjahre vier Europäer. Zur Verbesserung der gesundheitlichen Zustände wird allenthalben mancherlei unternommen. So wurden in Anecho in dem am dichtesten bebauten Eingeborenenviertel sechs breite Strassen von der See nach der Lagune durchgebrochen, um der frischen Seebrise Eingang zu verschaffen. Ferner wurde eine Reihe von Tümpeln und anderen Mückenbrutstätten zugeschüttet. Solche Schritte zur Sanierung sind auch in Agome-Palime eingeleitet worden, besonders durch Regulierung eines Baches. Dank der guten Witterungsverhältnisse ist die wirtschaftliche Entwickelung der Kolonie günstig gewesen; alle Produktion baut sich ja hier vor allem auf der Landwirtschaft auf, und von der Kaufkraft der eingeborenen Bevölkerung hängt dann auch das Gedeihen des Handels ab. Die Oelpalmprodukte, Palmöl und Palmkerne, die vor einigen Jahren infolge andauernder Dürre recht zurückgegangen waren, haben die frühere Höhe überschritten, und die Ausfuhr des Jahres 1907 mit einem Werte von 1,4 Millionen Mark ist der wichtigste Posten in der Ausfuhr-Statistik. Dann folgt: Mais mit 1,2 Millionen Mark, gegen das Vorjahr mit 0,4 Millionen Mark nahezu eine Verdreifachung der Produktion. Der Kautschukexport ist zwar der Menge nach gestiegen, aber infolge der niederen Weltmarktpreise dem Werte nach zurückgegangen (1,1 Millionen Mark). Die Baumwollausfuhr ging von 165.000 Mark auf 231.000 Mark hinauf. Sie würde noch grösser sein, wenn nicht die küstennahen Bezirke den lohnenderen Anbau von Mais vorzögen. Im Bezirk Misahöhe ist die Kakaokultur aussichtsvoll, hat sie doch im letzten Jahre schon über 50.000 kg im Werte von 51.000 Mark ausgeführt.
Die landwirtschaftliche Produktion, soweit sie die Handelsbeziehungen zum europäischen Markt beherrscht, zu vermehren und zu verbessern, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Verwaltung. Besonders gilt es, die in unerschlossenen Gebieten lebenden produktionswilligen (S. 13) Völker, die mangels billiger Verkehrsmittel keine Absatzmöglichkeiten haben, durch Bau entsprechender Verkehrswege an den Weltmarkt anzuschliessen. Deshalb ist es im Schutzgebiet mit grosser Freude begrüsst worden, dass durch Beschluss des Reichstages im Mai 1908 die erste grössere Anfangsstrecke der bis in das weiteste Hinterland fortzuführenden Eisenbahn, vorerst die Linie Lome-Atakpame bewilligt wurde. Ueber den Stand der dortigen Arbeiten am Schluss des Jahres wird berichtet:
Bei Kilometer 2,7 der Inlandbahn Lome-Palime zweigt sich die neue Linie mittels einer Weiche ab. Bald steigt sie in die 9 km breite Schio-Niederung hinab und überbrückt bei Kilometer 17,5 den genannten Fluss, der fast das ganze Jahr hindurch Wasser führt. Die Brücke soll zwei Oeffnungen von je 25 m Lichtweite haben. Ausserdem wird zur Ueberbrückung eines Hochwasserarmes des Schio bei Kilometer 18,85 eine eiserne Brücke von 12 m Lichtweite dienen. Der Bahnkörper ist schon nahezu bis an den Schio-Fluss fertiggestellt, aber die häufigen starken Regen im letzten November haben an einzelnen Stellen Nacharbeiten erforderlich gemacht. Die Zahl der Arbeiter betrug um diese Zeit 1500, die an neun Stunden tätig waren. Ihre Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser hat bisher keine Schwierigkeiten bereitet. Das Bezirksamt Lome hat zu beider Seiten der Brücke einen Streifen von je 50 m Breite erworben, der an solchen Stellen, wo Bahnhöfe und Haltestellen in Aussicht genommen sind, auf mindestens 75 m verbreitert worden ist.
Der Erziehung der Eingeborenen dienen die Regierungs- und Ackerbauschulen. In Lome z. B. werden Tischlerlehrlinge herangebildet, die am Schlusse ihrer Lehrzeit als Tischler wie als Zimmerleute brauchbar sind. Desgleichen Schmiede und Schlosser, sowie Schneider, die zu selbstständigen Arbeiten erzogen werden.
Der Gouverneur Graf Zech ist, in der Ueberzeugung, dass, wenn je, in dieser unserer kleinsten Kolonie die Eingeborenen das wertvollste Aktivum des Schutzgebietes sind, durch vielerlei Mittel bestrebt, die Farbigen zu fördern und beweist ihnen in jeder Hinsicht Entgegenkommen. Geplant wird eine den Eingeborenenanschauungen angepasste Strafgesetzgebung. Hierüber wird amtlicherseits mitgeteilt: "Ein juristisch vorgebildeter Hilfsarbeiter des Gouvernements, der im Laufe des vorigen Berichtsjahres mit der Sammlung von Material für den Erlass eines den Verhältnissen des Landes angepassten und den Gewohnheiten der Eingeborenen, soweit möglich, Rechnung tragenden Strafgesetzbuches beauftragt war, hat zwei umfangreiche Arbeiten eingereicht; in der einen wird das gegenüber den Eingeborenen von den mit der Gerichtsbarkeit über sie betrauten Bezirksleitern augenblicklich angewendete Strafrecht behandelt; in der zweiten Arbeit sind die bei den verschiedenen Stämmen des Schutzgebietes vertretenen Rechtsanschauungen niedergelegt. Das gesammelte Material wird bei der Gewinnung von Unterlagen für eine dem Empfinden der Eingeborenen Rechnung tragende Strafgesetzgebung verwertet werden."

 

Koloniale Literatur und Karten 1908/09: Togo

Schönhärl, J. Volkskundliches aus Togo. Märchen und Fabeln, Sprichwörter und Rätsel, Lieder und Spiele etc. der Ewe-Neger von Togo. Gebdn. 8 Mark.

Westermann, D. Grammatik der Ewe-Sprache. 8 Mark.

Westermann, D. Handbuch der Ful-Sprache. Gebdn. 8 Mark.

Karten

Togo. Bearbeitet von P. Sprigade. 1 : 500.000, 2 Blatt mit Namenverzeichnis. Herausgeg. vom Reichs-Kolonialamt, je 62x54 cm 2 Mark. Auf Leinwand im Taschenformat 4 Mark.

Togo in 10 Blatt. Bearbeitet von P. Sprigade. 1 : 200.000 Blätter. A1, Sansane-Mangu; B1, Jendi; B2, Barsari; C2, Sokode. 2. berichtigte Ausgabe. Herausgeg. vom Reichs-Kolonialamt. D.Reimer, Berlin. Preis pro Blatt 2 Mark, a. Leinwand in Taschenform. 3,20 Mark.

Wandkarte von Togo. Bearbeitet von P. Sprigade. 1 : 500.000. Format 65x125. Preis 6 Mark, aufgezogen auf Leinwand mit Stäben 9 Mark.

Uebersichtskarte der Stadtlage Lome. 1 : 4000. Herausgeg. vom Gouvernement. Preis 3 Mark, auf Leinwand in Taschenform. 4,50 Mark.

Weitere Literatur und Kartennachweise sind in Dietrich Reimer's Mitteilungen für Ansiedler, Farmer, Tropenpflanzer, Beamte, Forschungsreisende und Kaufleute enthalten. Jährlich 4 illustr. Hefte à 30 Pfg. Ein Jahrgang mit Porto 1,60 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) Sort.-Abt., Berlin


SW. 48.

 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1909, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1909, S. 12f

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mit freundlicher Unterstützung durch die
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Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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