Startseite Grundlagen Antike Mittelalter Frühe_Neuzeit 18/19Jh/International18/19Jh/Deutschland20Jh/International20Jh/Deutschland Länderverzeichnis Neue_EinträgeForum1GästebuchSuche Impressum
 
Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

[P|S|M]

Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1911 - Rückblick auf die Entwicklung der deutschen Südseegebiete im Jahre 1910
Rückblick auf die Entwicklung der deutschen Südseegebiete im Jahre 1910

(S. 34) In Deutsch-Neu-Guinea befand sich bisher der Sitz des Gouvernements auf dem Nordende von Neu-Pommern, der Gazelle-Halbinsel, am Südrande der Blanche-Bucht in Herbertshöhe. Es wurde im Januar 1910 verlegt nach Rabaul, an der nördlichen Ausbuchtung der Blanche-Bai gelegen, früher Simpsonhafen genannt.

Die Festlegung der Grenzen von Kaiser Wilhelmsland gegen die holländischen und englischen Gebiete ist immer noch nicht endgültig erledigt. Zu ihrer Regelung war eine gemischte Expedition unterwegs, der auf deutscher Seite Professor Dr. Leonhard Schulze angehörte.

Die dreijährige Kautschuk- und Guttapercha-Expedition ist im verflossenen Jahre zu Ende geführt worden. Gutta ist an vielen Stellen gefunden worden. Die Schlechterschen Forschungen haben sich weiter auf die Kautschukbestände der Urwälder Neu-Guineas gerichtet. Die "Peiho", der Dampfer der hamburgischen Expedition, beendete Juni 1909 ihre erste Reise den Kaiserin Augustafluß aufwärts. Danach wandte sich die Expedition, deren Leitung von Professor Dr. Fülleborn auf Professor Dr. Krämer überging, zu der Erforschung Deutsch-Mikronesiens.

Die ganze Verwaltung des Schutzgebietes leidet darunter, daß nach dem Untergang des früheren Regierungsdampfers "Seestern" dem Gouverneur kein größeres Fahrzeug zur Verfügung steht. Mehrfach vorgekommene Unbotmäßigkeiten und Ermordung Fremder konnten dadurch nur ungenügend bestraft werden. Ein Ersatz ist Anfang April 1911 in Bremen vom Stapel gelaufen und soll "Komet" heißen.

Im Stromgebiet des Markham hat der Forscher Dammköhler den Tod im Kampfe mit Eingeborenen gefunden. Das Verhältnis der Eingeborenen untereinander ist auch nicht überall gut. Vielfache blutige Fehden wurden unter ihnen ausgefochten.

Wo sich die Macht der Regierung zeigen konnte, verhielten sich die Eingeborenen freundschaftlich und zahlten willig die Steuern. Die Zahl der von der Regierung eingesetzten Häuptlinge ist von 29 auf 62 gestiegen. Das im Bismarck-Archipel stationierte Vermessungsschiff "Planet" konnte sich im November 1910 mit Erfolg an einer Strafexpedition gegen die aufrührerischen Bewohner des Finisterregebirges bei Friedrich Wilhelmshafen beteiligen.

Leider aber hatten wir in Ponape, der Hauptinsel der Ostkarolinen schwere Unruhen zu verzeichnen, denen der Landeshauptmann Böder mit mehreren weißen Beamten zum Opfer fiel. Bei der Bestrafung der Aufrührer durch eine Expedition des Kriegsschiffes fiel auch der jugendliche Leutnant zur See Erhard.

Die weiße Bevölkerung in unseren Schutzgebieten in der Südsee einschließlich Samoa zählt 1420 Seelen, wobei aber die Angaben über die Westkarolinen fehlen. Ein Drittel davon entfällt auf Samoa.

Außer den Eingeborenen finden wir noch eine zahlreiche nicht eingeborene farbige Bevölkerung auf den Inseln der Südsee: Chinesen, Malaien bezw. Javaner, Manilaleute, Indier und Mischlinge. Die Zahl der Eingebornen ist nicht überall festzustellen gewesen. In Samoa beträgt sie 33.478 Samoaner, wobei sich die männlichen und weiblichen ungefähr die Wage halten.

Die Wareneinfuhr in Neu-Guinea einschließlich Inselgebiet betrug im Jahre 1909 2.665.942 Mk., in Samoa 3.337.629 Mk.

Die Warenausfuhr aus dem alten Schutzgebiete Neu-Guinea, also einschließlich Inselgebiet bezog sich auf: Kaffee, Südfrüchte, Kakao, Tabak, Kopra, Paradiesvögel, Hanf, Steinnüsse, Elfenbeinnüsse, Holz, Kautschuk und Guttapercha, Trepang, Schildpatt, Perlmutterschalen und andere Muscheln. Die Ausfuhr erreichte 1909 einen Wert von 8.328.160 Mk. Hierbei sind die Marshall-Inseln mit Phosphat in einer Höhe von 4.486.920 Mk. beteiligt. Die Paradiesvögel wurden in einer Zahl von 3268 im Werte von 65.360 Mk. ausgeführt.

(S. 35) Die Ausfuhr Samoas bestand in Kopra, Kakao, Kaffee, Tabak, Kawawurzeln, Kokosnüssen und Ananas und betrug 3.021.379 Mk.

In Samoa verhielten die Eingeborenen sich ruhig. Die 10jährige Wiederkehr der Flaggenhissung wurde unter Beteiligung von 10.000 Samoanern gefeiert. Für Samoa besteht eine große Gefahr, daß es nach und nach ganz unter englischen Einfluß kommt, wenn nicht bald ein kräftiger Zuzug von deutschen Pflanzern erfolgt. Es stehen immer noch 57.000 ha für europäische Plantagenwirtschaft zur Verfügung. Das Hauptprodukt, der Kakao, bringt gute Erträge. Er erfordert fleißige Arbeit. Dann können aber auf dem Hektar 20 Zentner geerntet werden.

Die Gesundheitsverhältnisse in Samoa können als gute bezeichnet werden. Die besonderen Eingebornenkrankheiten daselbst: Elephantiasis, granulöse Bindehauterkrankungen und Framboesia werden durch die deutschen Aerzte energisch bekämpft. Es sind zu den früheren 2 Leprafällen vier weitere Fälle hinzugekommen, darunter einer bei einem Weißen, der sich ziemlich sicher vor 11 Jahren in Hawai angesteckt hatte, und einer bei einem englischen Mischling. Zwei rasch mit dem Tode endende Tuberkulose-Fälle bei Eingebornen zeigen leider, daß auch die Perle der Südsee nicht von dieser Krankheit ganz frei ist.

Geklagt wird auf Seiten der Ansiedler in Samoa noch immer über die Unzulänglichkeit der Postverbindungen. Wünschenswert wäre für dieses Schutzgebiet, wie auch für Neu-Guinea die Herstellung einer funkentelegraphischen Verbindung, deren dringliche Notwendigkeit besonders bei dem Ponape-Aufstand zu Tage trat; denn die ersten Nachrichten hierüber trafen erst nach zwei Monaten in Berlin


ein.


Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1911, herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1911, S. 34f

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz 

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Kartenabteilung

Document in English Language