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Primaerliteratur
Imperialismus | Kolonialzeit

[P|S|M]

Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch herausgegeben auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913 - Kamerun 
Kamerun (S. 18)

Geschichte : Die Flaggenhissung im Juli 1884 leitete Nachtigall. Unter dem Einflusse englischer Umtriebe waren im nächsten Jahre Eingeborenenunruhen durch die "Olga" und "Bismarck" zu unterdrücken. Verhältnismäßig spät erst drangen wir ins Hinterland vor; Zug des Oberstleutnants Pavel zum Tschadsee 1902; während England und Frankreich eher zur Stelle waren. In Mittel- und Südkamerun waren wiederholte Expeditionen (S. 19) gegen aufsässige Stämme nötig. Seit Ende des Jahres 1912 sind vier deutsch-französische Grenzexpeditionen in Neu-Kamerun tätig. (Berichte in der Deutschen Kolonialzeitung)

Größe : Altkamerun 495.600 qkm (= Deutsches Reich ohne die Provinz Schlesien). Die Grenze gegen die englische Nachbarkolonie ist noch nicht endgültig, die gegen Französisch-Äquatorial-Afrika wurde 1906 bis 1908 unwesentlich und durch das Abkommen von 1911 erheblich verändert. Der Gebietszuwachs beträgt schätzungsweise 250.000 qkm. Auch die Auseinandersetzung mit Spanien (Munigebiet : Spanisch Guinea) steht noch aus. Durch die Neuerwerbungen hat Groß-Kamerun annähernd Deutsch-Südwestafrika an Größe erreicht.

Bevölkerung : In Altkamerun 2.537.400 Einwohner (in Neukamerun wesentlich weniger) daneben 1903 : 710, 1904 : 826; 1905 : 896; 1906 : 1010; 1907 : 1128, 1908 : 1127, 1909 : 1284, 1910 : 1455, 1911 : 1537 Europäer, wovon 1359 Deutsche und 178 Frauen. Zählungen der Farbigen haben bisher nur in wenigen Bezirken stattgefunden, hauptsächlich der Steuererhebung wegen. - Eingeborene Hauptstämme der bisher bekannt gewordenen Gebiete : Im Norden und Nordosten die unter Fullahherrschaft stehenden Graslandstämme von Adamaua, von denen die Bata, Tikar, Beia und Wute die bekanntesten sind. Näher der Küste folgen im Nordwesten und Westen, bis zur Südgrenze hinunter die Batut und Bali, Banjang, Bakundu und Ngolo, Bamboko, Bakwiri, Duala, Batanga und Mabea und schließlich Bule (Fang). Diese auch in den neuerworbenen Gebieten. Die Gegend zwischen Küsten- und Graslandstämmen, also etwa der Mittellauf des Sanaga und Njong, wird von Bakokostämmen eingenommen, denen sich weiter östlich Jaunde, Bane und Jengone anschließen, die sämtlich mit den fast den ganzen Süden einnehmenden Bule verwandt sind. In den Flußgebieten des Dscha, Bumba und Ssanga sitzen Janguma, Njem, Ndsimu, Bomome und Maka. Zu erwähnen wären noch die Ngumbe am Lokundje, Stammesgenossen der Njem und Maka. Gezählt oder sorgfältig geschätzt wurden folgende Stämme und Bezirke : Duala 77.000, Victoria 12.000, Buea 11.300, Ossidinge 34.000, Kribi 33.000, Jaunde 209.000, Rio-del-Rey 19.000, Johann-Albrechtshöhe 60.000, Banjo 38.000, Bamenda 270.000, Ebolowa 100.000, Lomie 31.000, Jabassi 180.000, Bare 20.000, Dume 11.300, Dschang 187.000, Edea 97.000, Jukaduma 15.000, Garua 530.000, Kusseri 280.000 Köpfe.

Bodengestalt : Das höchste Gebirge im Umkreis des Atlantischen Ozeans ist das Kamerungebirge (4070 m), das sich nach Nordosten in den Bakossi- usw. Bergen fortsetzt. Das Schutzgebiet steigt im übrigen in Terrassen mit vielen aufgesetzten Gebirgszügen im allgemeinen nach Osten und Nordosten an (Adamauagebirge bis 3000 m, Nguakeli im Süden ca. 1500 m). In Deutsch-Bornu das Mandara-Gebirge. Eine etwa von Bali über die Mbammündung nach den Ssangaflüssen gedachte Linie ergibt annähernd die Grenze des ununterbrochenen Küstenwalds.

Flüsse (von Norden nach Süden) : Das Rio-del-Reygebiet mit mehreren Zuflüssen, ebenso wie das Kamerunflußgebiet, in das der Mungo, Dibambu und Wuri münden, sind ausgedehnte Ästuare, von Mangrovesümpfen bedeckt. Der sehr bedeutende, doch nicht schiffbare Sanaga mit dem Mbam; der Njong, dessen Oberlauf nach neueren Untersuchungen schiffbar ist (zwischen Widimenge und Abong-Mbang) mit dem Nkele; schließlich die kleineren nicht schiffbaren : Lokundje, Kribi und Kampo. Zum Kongo strömen der Ssanga mit Ngoko (oder Dscha) und Kadei, sowie der noch wasserreichere Ubangi. Adamaua wird von dem schiffbaren Benue, dem größten Nebenfluß des Niger, durchströmt, der eine internationale Verkehrsstraße zum Meere bildet (Nigerschiffahrtsakte 1885). Weniger wichtig der Croßfluß, der in Nigerien mündet. Der in den Tschadsee mündende Schari und sein Nebenfluß der Logone, sind weithin schiffbar und z.B. von den Franzosen zur Verproviantierung ihrer dortigen Posten benutzt worden.

Klima : Die mittlere Jahres-Temperatur beträgt an der Küste etwa 25 Grad Celsius; der Februar mit 27 Grad ist im Durchschnitt der wärmste, der Juli mit 23 Grad der kälteste Monat. Die Regen- und Trockenzeiten liegen in den verschiedenen Gebietsabschnitten sehr verschieden und weichen auch in den einzelnen Jahren voneinander häufig nicht unbedeutend ab. Hauptregenzeit zumeist Mai bis Oktober. Jedenfalls gehört das Küstengebiet am Kamerunberg zu den regenreichsten Gebieten der Erde. 1906-07 in Duala innerhalb von 12 Monaten 3800 mm Regen. Das Klima ist besonders in den Waldgebieten ungesund, in den hochgelegenen Gebieten des nördlichen Kamerun erheblich besser.

Pflanzenwelt : Küste und Kamerunberg dicht bewaldet. Zumeist wertvolle Nutzholzbestände. Ferner : Mangroven, Palmen, Pandanen, Wollbäume, Brotfruchtbäume, Mangos. Reiche Bestände von Kautschukbäumen auch in Neukamerun. Grasland bis zur Sumpfvegetation des Tschad-See-Gebietes. Angebaut werden Kakao, Kautschuk und Oelpalmen. (S. 20)

Tierwelt : Reiche Insektenwelt. Die Flüsse, besonders der Sanaga, wimmeln von Alligatoren. Bunte Vogelwelt (vom Kolibri bis zum Nashornvogel). Unter den Säugern zahlreiche Arten von Affen (Schimpanse und Gorilla), Raubtieren (Leoparden), Dickhäutern (Elefanten, auch in Küstennähe) und Zweihufern. Kamerun ist nicht so wildreich wie Deutsch-Ost- und Deutsch-Südwestafrika.

Mineralien : Seit Jahren sind Zinnlager bekannt. Bei Victoria unbedeutende Petroleumquellen. Im Ossidinge-Bezirk Soolquellen, die auf Salz- und Kalilager schließen lassen und möglicherweise Kohlenfelder. Die bergmännische Erkundung des Schutzgebietes ist noch weit zurück.

Handel und Verkehr : Die Ausfuhr besteht in Kautschuk, Palmkernen, Palmöl, Kakao, Elfenbein, Hölzern; von geringerer Bedeutung Kolanüsse, Njabi-Nüsse, Kopal, Vieh, in der Entwicklung Tabak und Baumwolle. Eingeführt werden Manufakturwaren, Nahrungsmittel, geistige Getränke, Geld, Salz, Holz, Holzwaren, Eisen und Eisenwaren, Glaswaren, Tabak, Pulver und Waffen usw. Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabellen auf Seiten 10/11.

Verkehrswesen : Schiffsverkehr : Die Kameruner Häfen und Reeden wurden im Jahre 1907 : von 474 Dampfern von 1.270.000 Registertonnen angelaufen. 1908 : 421 mit 1.316.000 Registertonnen. 1909 383 mit 1.035.000 Registertonnen. 1910 : 385 Dampfer mit 1.291.000 Registertonnen. 1911 von 397 Dampfern mit 1.495.000 Registertonnen, wovon unter deutscher Flagge 242 mit 1.126.000 Registertonnen. Überfahrtspreis : Woermannslinie Hamburg-Duala I. 600 Mark, II. 450 Mark.

Eisenbahnen : Kurze Schmalspurbahn (Privatbesitz) Victoria-Soppo (43 km). Bahn von Duala nach den Manengubergen (160 km) seit 1906 im Bau, eröffnet 1910. Bewilligt und seit 1908 im Bau eine Linie Duala-Edea-Widimenge (am Njong-Flusse) (298 km) die mit größten Geländeschwierigkeiten zu kämpfen hat.

Post- und Telegraphie : Ende 1912 : 39 Anstalten, darunter 22 mit Telegraphenbetrieb und 19 mit Ortsfernsprecheinrichtungen. 1106 km Landtelegraphenlinien; Verkehr 1911 : 1.097.800 Briefsendungen, 66.839 Postanweisungen mit 12.317.516 Mark, 36.942 Pakete, 258.000 Zeitungsnummern, 68.900 Telegramme, 379.139 Gespräche. Postverbindungen : drei bis viermal monatlich, Beförderungsdauer Berlin-Duala 20-30 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 3,85 Mark.

Schulwesen : Die Regierungsschulen für Farbige in Duala, Viktoria, Jaunde und Garua zählten 1910 insgesamt 868 Schüler. Außerdem unterhalten die Missionen der verschiedenen Bekenntnisse zahlreiche Unterrichtsanstalten. Sämtliche unterrichten nach einem vom Gouvernement aufgestellten Lehrplan.

Verwaltung : Sitz des Gouverneurs (z.Zt. Dr. Ebermaier) ist Buea. Das Schutzgebiet zerfällt jetzt in 24 Verwaltungsbezirke : Rio-del-Rey, Ossidinge, Johann-Albrechtshöhe, Victoria, Buea, Duala, Bare, Jabassi, Joko, Akonolinga, Kampo, Ambam, Jukaduma, Edea, Jaunde, Kribi, Ebolowa, Lomie, Dume, Dschang, Bamenda, Banjo, Garua, Kusseri. (Letztgenannte beide sogenannte Residenturen in Adamaua und im deutschen Tschadseegebiet).

Schutztruppe : 161 weiße Dienstgrade; in der Hauptsache gegliedert in zehn Kompagnien. 1300 Farbige (nach dem Stande von 1912). Deutsche Militärpersonen unterstehende Polizeitruppen befinden sich auf den einzelnen Stationen



 

Quelle: Deutscher Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahrbuch 1913, auf Veranlassung der Deutschen Kolonialgesellschaft herausgegeben, bearbeitet von P. Sprigade und M. Moisel. Berlin 1913, S. 18ff

GM (digitale Umsetzung) und AG (Übersetzung) für psm-data
mit freundlicher Unterstützung durch die
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